Mittwoch, 19. M1933
Nr. 166 Erstes Blatt
185. Jahrgang
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rung und ihr Ausbau es erfordern. Es wächst das Bewußtsein, daß die parlamentarisch-politische Ver- |
mühungen nur
15 Uhr, beantragen. Jedes Pfarramt kostenlos entsprechende Vordrucke aus. wer nicht bis zum vorgeschriebenen Termin hat tragen lassen, kann nicht wählen.
wann wird gewählt? Gewählt wird
Sonntag, dem 2 3. Juli, im Anschluß an den Hauptgottesdienst bis 18 Uhr. Die genauen Wahltermine und den Wahlort gibt jede Kirchengemeinde durch Anschlag bekannt.
wie kann der Urlauber wählen? vorübergehend Abwesende können ihre Stimme durch ein wahlberechtigtes Mitglied ihrer Kirchengemeinde abgeben lassen, welchem sie Vollmacht erteilen müssen. Die Vollmacht muh von einer amtlichen Stelle, auch Pfarrer, be- g l a u b i g t sein. Die Beglaubigung erfolgt k o st e n l o s.
Deutscher evangelischer Christ!
Amtlich wird mitgeleilt:
Am Sonntag, den <3. Juli 1933, sollst Du die Männer Deines vertrauens zur Führung Deiner Kirche wählen. Der Führer selbst hat Dich zur Wahl aufgerufen! Lr erwartet von Dir, daß Du Deine Stimme abgibst! Anspruch auf Deine Stimme haben nur volks- genofsen, die fich vorbehaltlos zum Dritten Reich bekennen.
Beachte folgendes zur Wahl?
wer darf wählen? wählen können olle männlichen und weiblichen Gemeindemilgiieder, die am Wahltag das 2 4. Lebensjahr voll- endet haben und in den kirchlichen Wähler- l i ft e n ihrer Gemeinde eingetragen find, wer nicht in der Kirchenwählerliste eingetragen ist, muh dies schriftlich bis zum 2 0. Juli,
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Reichsbischof gelöst. Wenn es schon eine Selbstverständlichkeit war. dah der Bekenntnisstand der Landeskirchen und Einzelgemeinden nicht ange-
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zu müssen, zunichte.
Besonders schmerzlich war es für alle Freunde der Einheit, daß auch die große Stunde von 1871 spurlos an der Kirche vorüberging und alle Be-
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tastet werden konnte, so war es doch besonders schwierig, diesen Verschiedenheiten in der Leitung der Eesamttirche Rechnung zu tragen. Das ist auf glückliche Weise geschehen, indem die drei theologischen Mitglieder des geistlichen Ministeriums das Dekenntnisgepräge des deutschen Protestantismus widerspiegeln sollen, also aus dem . lutherischen, reformierten und unierten Kirchengebiet genommen werden. Durch diesen gerechten Ausgleich sind erfreulicherweise anfängliche Pläne, die den Reformierten nur ein geduldetes Dasein gestatten oder die Union wieder auflösen wollten, überholt worden.
Hier bleibt zugleich noch eine große Aufgabe für die Zukunft. Rachdem Kirchenpolitik und Der- fassungsausschuß gesprochen haben, wird man wieder dem Leben und der gemeinsamen kirchlichen und theologischen Arbeit das Wort geben müssen, damit die deutsche Kirche tiefer als die negative und schwächliche Union des 19. Jahrhunderts den gemeinsamen evangelischen Glauben auszusprechen lernt, ohne dabei ein Sonderbetenntnis zu vergewaltigen. Für die Schaffung immer kraftvollerer Einheit des deutschen Protestantismus sind in der Verfassung starke Bürgschaften gegeben. Die völlige Angleichung in Recht und Verwaltung ist das nächste große Ziel. Und man wird hoffen dürfen, daß auch der Sah der Kundgebung von Loccum, die ja der Verfassung zugrunde liegt, erfüllt wird: „Die räumliche Zersplitterung des deutschen Protestantismus wird sie beseitigen, aber lebenskräftige Landeskirchen sind ihr willkommene Helfer." Die Verfassung eröffnet selbst tat Ausblick aus reicher- Ausgestaltung und Vervollkommnung ta Einheit des evangelischen Deutschland. Aber sie will sie mit Recht ebenso orga- n i s ch in Angriff nehmen, wie sie selbst erwachsen ist. Es ist die Hoffnung des deutschen Protestantismus, daß in das neue stolze Haus der Deutschen Evangelischen Kirche ein Volk einzieht, das in Glauben und Brudersinn verbunden, in Werken des Friedens und der Liebe und im Kampf gegen alles widergöttliche Wesen in unserem Dolle wetteifert.
Paris, 18. Juli. (Priv.-Tel.) Spaltungserscheinungen auf dem Parteitag der französischen Sozialisten beleuchten blitzartig das Fortschreiten einer Entwicklung, die sich nicht allein auf die Sozialisten erstreckt. Begründet liegt der Parteizwist, der schon viele Jahre zurückreicht, in der Haltung der Mehrheit der Kammerfraktion: sie tritt immer schärfer für eine praktische Außerkraftsetzung der sozialistischen Parteidoktrin ein. Sie redet einem handfesten Nationalismus das Wort, wobei sie nicht nur außenpolitisch
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bracht.
Das zweite große Problem, die Bekenntnis frage, wird durch die Einsetzung eines '"'en Ministeriums neben dem
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Annahme von Anzeigen für dke lagcsnummer bis zum Nachmittag vorher.
Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrist 20°/o mehr.
Chefredakteur
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschcin undfürdenAn. zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen.
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Wandlungen in Frankreich
Die faschistische Idee marschiert.
Auslandsgemeinden und den befreundeten Kirchen des Auslandes. Auch die Verbindung der juristischen Leitung der deutschen und der alt- preußischen Kirche in einer Person ist der Kirchenbundesverfassung entnommen, die dem Vorbilde der Bismarckschen Reichsverfassung gefolgt war.
Auf diesem organischen Wege ist die neue Verfassung aber nun kräftig vorangeschritten. Vor allein ist der unerträgliche Zustand, dah die altpreußische Kirche und damit der Kirchen- bund eine juristische, keine geistliche Leitung besah, beseitigt worden. 3m Reichsbischof ist die Einheit der deutschen Kirche symbolisch und, wie man von der Zukunft hoffen muh, auch in persönlicher Tatkraft verkörpert. Sein Amt ist — ganz abgesehen von dem unglücklichen Personenstreit der letzten Wochen — das um- fochtenste Stück der Verfassung. Weite Kreise der Kirche, vor allem reformierten Bekenntnisses, lehnen Amt und Rainen ab, da sie einen falschen Klerikalismus und eine unevangelische Hierarchie Heraufziehen sehen. Wenn die Verfassung trotzdem den schönen altkirchlichen Titel wie schon in einer Reihe der deutschen Landeskirchen so auch für die Reichskirche wieder zu Ehren gebracht hat, so wird man allerdings wünschen müssen, dah sich neben dem Verlangen nach echtem Führertum, das ein Amt starker persönlicher Verantwortung geschaffen hat, auch das Bewuhtsein erhält, dah der Bischof im Urchristentum der geistliche Leiter der einzelnen Gemeinde war. Der Reichsbischof kann darum, seinen Brüdern im geistlichen Amt nicht etwa durch besondere Amtsqualitäten überlegen, nichts andres sein als Pfarrer der großen Gemeinde Deutschland. Die Verfassung hat in den wenigen Absätzen, in denen sie das neue Amt umreißt, diese Aufgabe recht glücklich zum Ausdruck ge-
die Durchführung des industriellen Wiederaufbauprogramms zu überwachen hat.
Aber Roosevelt begnügt sich nicht mit der Kontrolle der Industrie. Er kurbelt den ganzen Wirtschaftsprozeß durch Inangriffnahme großzügiger Projekte öffentlicher Arbeiten wieder an. Das Gesetz für öffentliche Arbeiten sieht allein für 12 Milliarden Mark Arbeiten vor, die dem Ausbau von Landstraßen, der Melioration des Bodens, der Verbesserung der Forsten und der Regulierung der Hochwasser führenden Flüsse dienen. Neuerdings wird sogar eine allgemeine Arbeitsdienst- pflicht gefordert, die nach deutschem Beispiel die Jungerwerbslosen in Lagern zusammensaßt und für öffentliche Arbeiten ansetzen soll. Praktisch bestehen fast in jedem Staat heute schon die Stammlager für den amerikanischen Arbeitsdienst, und es braucht lediglich noch das notwendige Gesetz erlassen zu werden, und der amerikanische Arbeitsdienst steht. Man glaubt in Deutschland gar nicht, mit welchem Interesse die großen amerikanischen Zeitungen die Entwicklung des deutschen Arbeitsdienstes verfolgen. Ehe ein Vierteljahr vergangen sein wird, hat auch Amerika seine Arbeitslager, in denen die junge Generation nicht zur Arbeit im Dienste irgendeines Unternehmers, sondern zum unmittelbaren Dienst am Staat erzogen wird.
Aber das Rooseveltsche Rettungswerk darf sich nicht auf eine Wiederbelebung der Industrie und auf
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>■ fcSff - Die Nationale fReqierum ?>eTat »msetzen. Ö ÄU,emfLnben Ausnahme, ig her NSDM Moren und Wirtschaft;. ^ ausdrücklich ermädjliqt, Lundesardeit die Pro, benutzen. Der Mchz. k, W. d. Ringels, i t ? Een zuslä'ndigea h über ine Mißstände im überreicht. Der RW gruppen unD Arbeitsgemcin. Wildele Berufskollegen wen, ihme und Auskunft an dir deck, Leckergrube 18.
uftragter für dir und eisenverarbei» - 3n Verfolg der Mrru« aus dem Gebiet der Wirt- Nvirtschastsmimstn auch dir igs lZüsseldorss, von seinem ertigte Bestellung zum Keinen. Der Äeichsloirtschasts« Heer-Hennings zu seinem rbeaufttagten für die begehen Verhältnisse aus dem enden und eisenverarbeiten- Maßgabe ernannt, dah Dr. >m AeichswirtschaftsministrZ
öffentliche Arbeiten beschränken. Nicht minder groß als die Not in den Städten ist das Elend der Farmer. Jetzt rächt es sich, daß Amerika nur verschwindend wenige wirkliche Bauern kennt, sondern daß der amerikanische Farmer zum landwirr- schaftlichen Kleinindustriellen geworden ist. Die Anbauflächen, welche die Farmer in der Zeit der Wirtschaftsblüte ausgenutzt haben, find viel zu groß, als daß sie jetzt nach wirtschaft- lichen Gesichtspunkten bestellt werden könnten. Der Farmer muß die Agrarprodukte viel zu billig an die Großbetriebe — Grobschlächtereien,, Konservenfabriken, Molkereien und Mühlen — abliefern, als daß die landwirtschaftlichen Urbetriebe selbst rentabel zu halten wären. Die verarbeitenden Industrien, die seither die Preise der Agrarprodukte drückten, werden also mit neuen Steuern belegt, die in Gestalt von Prämien denjenigen Formern zur Verfügung gestellt werden, die sich freiwillig bereiterklären, ihre Anbauflächen zu oer Meine r n.
Dec Lleberschuldung der Farmer, die ähnlich wie in Rorddeutschland zu einer Kette von Zwangsversteigerungen geführt hatte, wird angehalten und in ihrer Auswirkung den dringendsten Gefahren dadurch entzogen, dah Roosevelt einmal erhebliche Summen zur Verhinderung von Zwangsvollstreckungen bereitstellt und zum anderen in besonders ernsten Fällen die Bundesregie- •
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die Hegemonie Frankreichs stützen und ausbauen will, sie bejaht auch alle innerpolitischen Maßnahmen, die dies zu fördern geeignet find. Es ist klar, daß sich hieraus innerhalb der Partei unerträgliche Spannungen ergeben mußten. Welchen Rückhalt die Mehrheit der Parlamentsfraktion bei den Parteimitgliedern und Wählermassen hat, ist unübersichtlich, doch wird er wahrscheinlich nicht gering sein.
Es entspricht dies der natürlichen geistig-politischen Wandlung des Franzosentums. Frankreichs Hegemoniestellung berauscht den Franzosen viel zu stark und ist für ihn auch wirtschaftlich zu vorteilhaft, als daß er nicht bereit geworden sein sollte, sich geistig-politisch so zu organisieren, wie ihre Siche-
Washi ngton, den 6. Juli 1933.
Unter den Deutschamerikanern ist es der höchste Ehrentitel, den man dem energischen Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten, Roosevelt, verleihen konnte, dah man ihn neuerdings „Amerikas Hitler" nennt. And tatsächlich durchlebt Amerika augenblicklich etwas, was von der Geschichte dereinst folgerichtig als Revolution bezeichnet werden wird. Revolutionen bekunden sich .am deutlichsten in der Stimmung eines Volkes. Man muß die Verzweiflungsatmosphäre des Vorjahres erlebt haben, um den gewaltigen Stimmungsumschwung begreifen und würdigen zu können. Der Höhepunkt der Depression fand zweifellos seinen symbolischen Akt in der Auseinander- knüppelung des großen Deteranenlagers, das sich hier einige Monate lang unmittelbar vor den Toren Washingtons ausgedehnt hatte. 3n der überwältigenden Stimmenmehrheit, die Roosevelt als Präsident fand, offenbarte sich der Wille des amerikanischen Volkes nach anderen als formal- demokratischen Methoden regiert zu werden, am deutlichsten. Jetzt ist zumindest, und dies ist das Wichtigste, die seelische Depression überwunden. Aehnlich wie in Deutschland oder in Italien nach Mussolinis Machtübernahme hat ein gläubiges Vertrauen die Herzen des Volkes erfaßt. Daß der Kongreß auf ein halbes Jahr nach Hause geschickt worden ist, empfindet man allgemein als Segen. Denn nun kann Roosevelt, der mit geradezu diktatorischen Vollmachten ausgestat- tet wurde, das großzügige Wiederaufbauwerk planvoll und ungehindert durch parlamentarisches Dreinreden in Angriff nehmen.
Die „Rationale Industrie-Wiederau s b a u a 11 e“ ist, gemessen an der amerikanischen Wirtschaftsvergangenheit, ausgesprochen revolutionär. Die Akte schafft die Möglichkeit, die verschiedenen Industriezweige der Stahlindustrie, des Films, der großen Autofabriken, der Textilunternehmungen in kartellartigen Gruppen zusammenzufassen, um vom Staate her die Produktion zu regeln. Die amerikanische Krise hatte schließlich ihre Ursache darin, daß in der Hoffnung auf eine verewigte „Prosperity" hemmungslos drauflos produziert wurde. Das Ergebnis war zuerst die vollkommene Rationalisierung, alsdann die Ueberschwemmung mit, Waren und schließlich die ungeheure Arbeitslosigkeit, die in den Vereinigten Staaten zwar statistisch niemals festgestellt worden war, die jedoch Ende 1932 zehn bis iünfzehn Millionen Arbeiter betrug. Jetzt hat Roosevelt sowohl die Arbeitszeit verkürzt als auch Zxe Löhne den augenblicklichen Verhältnissen angepaht. Er will verhindern, daß die überrationalisierten Betriebe in einen tödlichen Konkurrenzkampf eintreten, bei dem bei äußerster Ausnutzung der Menschen und Maschinen die Warenpreise gedrückt, aber die Menschen selbst arbeitslos gemacht wurden. Unter der Leitung des Generals S. Johnson ist ein besonderes Jndustriekommissariat gebildet worden, das mit weitestgehenden Vollmachten ausgestattet,
Oie Deutsche Evangelische Kirche.
Don D. Heinrich Bornkamm, o. ö. Professor der Kirchengeschichte an der Landesuniversität.
Als der berühmte Jenenser Kirchenhistoriker Karl Hase im Jahre 1852 seine kirchenrechtliche Denkschrift von 1848 „Die evangelisch protestantische Kirche des Deutschen Reichs^ zum zweitenmal hinausgehen ließ, schrieb er in der Vorrede, schon der Titel seines Buches werde vielen abenteuerlich, ja polizeiwidrig vorkommen, nicht nur, weil das Deutsche Reich wie eine Luftspiegelung der Wüste wieder zerronnen sei, sondern noch mehr, weil „die Hoffnung auf eine protestantische Nationalkirche, auf eine deutsche Reichssynode für phantastisch angesehen werden würde". Damit begrub er eine der großen Hoffnungen der Revolution des Jahres 1848. Und als der Jenenser Theologe Heinrich W e i n e l im Jahre 1915 im „Kunstwort" die alte Forderung einer Reichskirche wieder erhoben hatte, mußte er ein Jahr darauf aus dem Widerhall, den er gefunden, das Ergebnis ziehen: „daß wir den Gedanken einer größeren kirchlichen Einheit begraben oder auf die folgende Generation verschieben müssen, die unter den Schrecken des Krieges gelernt hat, über die Kleinheiten und Engigkeiten deutschen Sonderdaseins hinwegzukommen". Die einst begrabenen Hoffnün- gen sind nun erfüllt. Der 11. Juli 1933, an dem das Verfassungswerk abgeschlossen wurde, bedeutet eine Wende in der Kirchengeschichte Deutschlands.
Es ist ein Zeichen für die Tiefe deutschen Geschichtserlebens, daß alle großen Ereignisse seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts die Sehnsucht nach der einigen deutschen evangelischen Kirche wachgerufen haben. In den Tagen der deutschen Erniedrigung 1807 wie denen der Erhebung 1813 hatte Fichte noch im Banne der Aufklärung neben den alten Bekenntnissen eine neue freie Bildungsreligion der „allgemeinen Christen", gefordert. Er verlangte für den von ihm entworfenen totalen Staat, daß in ihm eine Religion festgesetzt werde, „über die alle ohne Zwang und aus freier Einsicht einig sein könnten; diese ist die Staatsreligion". Was er als einen Hort eines allgemeinen, freien Christentums, in dem die evangelische und die katholische Kirche noch ihr Sonderdasein führen sollten, was F. L. Jahn als Hort eines starken deutschen Volkstums forderte, suchte Friedrich Wilhelm III. zunächst als Hort evangelischen Gemeingeistes zu schaffen, indem er 1817 d i e Union stiftete. Obwohl sie nichts anderes sein wollte als gemeinsame kirchliche Verwaltung und tiie Bekenntnisse ausdrücklich nicht antastete, setzte sie sich doch von Altpreußen aus nur in einem Teil der deutschen Länder in sehr verschiedenen Formen durch, so teils bewußt, teils stillschweigend auch in Hessen, Der harte Widerstand der strengen Lutheraner, aber auch die der Union anhaftende Verschwommenheit und die zur ursprünglichen Absicht sehr in Gegensatz stehenden staatlichen Gewaltakte, mit denen sie an einigen Stellen Preußens durchgeführt wurde, machten diese Union zur schwersten Hemmung der kirchlichen Einigung im 19. Jahrhundert. Alle heißen Hoffnungen, die vor und in dem Jahre 1848 und nach der Reichsgründung aufflammten, wurden immer wieder an den Bekenntnisgegensätzen und an der Sorge, in einer einheitlichen Kirche irgend etwas von dem überlieferten Glauben in den Gemeinden drangeben
des seit 1848 noch geretteten deutschen Evangelischen Kirchentages, zeitigten. Das Ergebnis der Arbeit eines ganzen Jahrhunderts war nur eine regelmäßig seit 1852 tagende Konferenz der deutschen Kirchenregierungen. Es war das Verdienst einer Reihe kirchlicher Führer wie Kahl, Beyschlag, v. Bamberg und kirchlicher Organisationen wie des Evangelischen Bundes, die mutig in allen Enttäuschungen die Fahne der Einigung hochhielten, und schließlich einer persönlichen Anregung Kaiser Wilhelms II., daß wenigstens diese Konferenz 1903 in einen festen Zusammenschluß der Kirchenregierungen, den Deutschen Evangelischen Kirche nausschuß umgewandelt wurde.
Es bedurfte aber noch des tiefen deutschen Ein- heitserlebnisses im Kriege und der ernsten Sorgen um den Bestand und die Wirkung der Kirche nach 1918, um 1922 nach sorgfältiger Vorbereitung wenigstens die Vorforderung der Einheitsbewegung des 19. Jahrhunderts, den Deutschen Evangelischen Kirchenbund zu erfüllen. Das Geschlecht, das heute in stürmischem Anlauf die einheitliche Deutsche Evangelische Kirche erobert hat, war noch nicht an der Arbeit. Es ist eine einfache geschichtliche Tatsache: die gesamtdeutsche Kirche ist ein Geschenk des Nationalsozialismus und der Glaubensbewegung Deutsche Christen an den deutschen Protestantismus. Und auch durch den schmerzlichen Kampf der letzten Wochen darf niemand sich die Freude verbittern lassen, daß der Jahrhunderte alte Traum der evangelischen Deutschen Wahrheit geworden ist. Die Deutsche Evangelische Kirche wird bleiben, auch wenn die Geburtsschmer- zen, die sie kurze Zeit verursacht hat, längst ver-
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18. Juli. Angesichts der rgung cm der Bernitter im heutigen Abendveüehr er Lpetulntion, während sich am Geschäft beteiligte. Sie r leicht beschicht, und gegen- Mutz zogen Bekula, Deutch ien bis zu 0,50 Prozent an. nen insgesamt I Prozent. Da> mtonmarft die Mstkurft von ihm voll behauptet.
rtt erhielt sich einige Nach- Anleihen bei allerdings auch i mit unverändert 79,40 bis a notierten Stab. 8<* SNW
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fassuyg hierzu nicht mehr ausreicht: Das Franzosen- tum’Jtrafh sich — es ist auf dem Wege zum „Faschismus". Der französische Ministerpräsident Dalaöier wird möglicherweise der Führer zu diesem neuen Frankreich. Schon seit geraumer Zeit hört man von zuverlässiger, gut informierter Seite, daß er alle faschistischen Tendenzen, die insbesondere in den französischen Mittel- und Linksparteien sich äußern, planmäßig fördert.
Vermutlich wird diese mächtige Unterstützung auch die Mehrheit der sozialistischen Kammerfraktion veranlaßt haben, gegenüber den doktrinären Opportunisten vom Schlage Lson Blums unnachgiebig zu bleiben. Die zweite Internationale ist tot — diese Aeußerung die aus der Kammerfraktion auf dem Parteitage fiel, ist aufschlußreich genug. Man verläßt den Internationalismus, die Basis des marxistischen Gedankengebäudes, weil man bereits auf neuem Grunde steht. Diese Entwicklung wird sehr aufmerksam verfolgt werden müssen, denn ihre außenpolitischen Auswirkungen können überaus bedeutsam werden. Indem sich Frankreich „faschisiert", will es auch geistig-politisch auf der Höhe der Zeit fein. Es will sich dieses modernen Ideengutes bemächtigen als einer nunmehr unentbehrlichen Waffe für (eine imperialistische Politik.
Oerueue Kurs in deramerikanischen Wirtschaftspolitik
Roosevelts Aufbauprogramm für Industrie und Landwirtschaft.
Äon unserem tt-Korrespondenten.
MetzeiierAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vruck und Verlag: vrühl'sche Universttätt-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schnlstratze 7.
9 OhnJ ihre lange Vorgeschichte Ware es freilich unmöglich gewesen, sie so rasch und erfolgreich aufzurichten. Die neue Kirchenver- fassung ist der organische Abschluß dieser Geschichte. Sie ist aus der Verfassung des Kirchenbundes fortentwickelt. Sie läßt tote dieser die Landeskirchen bestehen und hat ihre Aufgaben ähnlich nur noch reicher umrissen: Regelung d^ 1 Verhältnisses zum Staat, Pflege des Volkstums, ■ K.rme ooruoerging uno aue ve- der gemeinkirchlichen Liebes- und Missions- einen Rückschritt, die Selbstauslösung » arbeit. der Beziehungen zu den evangelischen
SM 47,05 12,54
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