Ausgabe 
19.6.1933 Frühausgabe
 
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sitzungen der gesamten Jugendverbände Meck­lenburgs und Lübecks derHitler-Iugendzur Verfügung gestellt. Reichsstatthalter Hilde­brandt schloß mit einem Sieg-Heil! auf den Reichskanzler und das ganze deutsche Volk.

Oie Geschäftsstelle des Großdeutfchen Bundes beseht.

Berlin, 17. Juni. (£il.) Wie von der neu enigerichteten Pressestelle des Jugendsüh- rers des Deutschen Deiches mitgeteilt wird, wurde am Samstagvormittag die Geschäfts­stelle des von Admiral von Trotha geführten Großdeutschen Bundes beseht. Es wurde Material beschlagnahmt: die Geschäftsstelle wurde geschlossen. Die Maßnahme wird da­mit begründet, daß der Großdeutsche Bund ver­schiedentlich eine unmittelbar gegen die Hit­lerjugend gerichtete feindselige Haltung an den Tag gelegt habe.

Studentischer Arbeitsdienst und Wehrverbände.

Berlin, 17. Juni. (TN.) Der Reichsminister für Arbeit und Jllgendertüchtigung, S e l d t e , teilte dem bevollmächtigten Führer des Stahlhelm-Studenten- Ringes Langemarck, Dr. Kiekebusch, auf dessen Anfrage mit, daß bei der studentischen Ar­beitsdienstpflicht nicht nur, wie in einem Flugblatt gesagt worden sei, die zehnwöchentliche Teilnahme an einem Arbeitslager und eine halb­jährige aktive Dienstleistung bei der S A. u n d S S., sondern selbstverständlich auch eine halbjährige aktive Dienstleistung im Stahlhelm in Anrechnung ge­bracht werde.

DerAeichskanzlersorMrArbeit

O t t m a ch a u (Schlesien), 17. Juni. (WTB.) Das altehrwürdige O t t m a ch a u, die zukünftige Kreisstadt des Kreises Ottmachau, erlebte heute seinen denkwürdigsten Tag: die Einweihung der drittgrößten Talsperre Deut sch­lau d s. Die Stadt hatte aus diesem Anlaß reichen Flaggen- und Grünschmuck angelegt.

Bei der Eröffnungsfeier am Grundablah des großen Staubeckens erwiderte der Reichsverkehrs­minister E l tz von R ü b e n a ch auf die Be­grüßungsansprache des Oberpräsidenten von Schlesien Brückner in einer Rede u. a. fol­gendes: Zahlreiche Schwierigkeiten politischer, wirtschaftlicher und nicht zuletzt technischer Art mußten überwunden werden, um den gewaltigen Damm von Ottmachau, der in Deutschland nicht seinesgleichen hat, fertigzustellen. Allen denen, die dem Werk ihre Kraft gewidmet haben, sei der warme Dank der Reichsregierung ausge­sprochen. Dabei gedenke ich ganz besonders der zwölf braven Arbeiter, die in treuer Pflicht­erfüllung bei der Bauausführung ihr Leben ge­opfert haben. Die großzügige Staubeckenanlage erscheint mir als ein sichtbares Symbol dafür, welche Lei st ungen auch in schwerer wirtschaftlicher Rot mög­lich sind, wenn eine restlose Verbundenheit besteht zwischen Arbeitern, Angestellten und Be­amten, zwischen Behörden und Firmen. Seit Jahren ist die Reichswasserstraßen-Derwaltung um die Errichtung weiterer Staubecken bemüht. Ich freue mich, Ihnen heute mitteilen zu können, daß auf Grund der Entscheidung des Herrn Reichskanzlers der Bau des im Malavanstal bei Turawa geplan­ten Beckens gesichert ist und noch in diesem Sommer in Angriff genom­men werden wird.

Oie Tarifverträge laufen weiter.

Berlin, 17. Juni. (VDZ.) Die Einsetzung der Treuhänder der Arbeit hat die Frage ent­stehen lassen, ob etwa nun die in Kraft befindlichen Tarifverträge für Arbeitnehmer der ver­schiedensten Gruppen aufgehoben oder neu geregelt oder sonst irgendwie berührt werden. Hierzu wird dem VDZ.-Bureau in unterrichteten Kreisen erklärt, daß die in Kraft befindlichen Tarifverträge unberührt weiterlaufen und daß die Treuhänder erst dann eingreifen würden, wenn Ar­beitsstreitigkeiten sich zeigten.

Maremmenfahrt.

Don Or. Gusiav W. Eberlein, 2Rom.

Mit schrillem Aufschrei hält der Wagen, er zittert sogar, glaube ich, wie ein Hase vor dem Rachen eines Ungeheuers. Kann man es ihm verdenken? Er ist direkt in die klafternden Hörner eines Step­penbüffels hineingefahren, sie haben die Windscheibe eingekeill, sie ragen links und rechts vorbei und sind unangenehm spitzig. Ueberdimensional, kann man nur denken, wieso gibt es heute noch so über­dimensionale Geweihe? Die Sintflut ist doch schon längere Zeit vorbei.

Natürlich ist der Wagen nicht in den Büffel hin­eingefahren, es war umgekehrt, aber wozu das laut sagen? Die Lage ist nicht danach. Der Klügere gibt nach und schaltet den Rückwärtsgang ein.

Die Büffel sind die Herren der Maremmen, der verrufenen Küste, die in den pontinischen Sümpfen bei Neapel beginnt, in Rom nicht anders aussieht und ebensowenig die Toskana re­spektiert, wo es doch nach den Mustersätzen der ita- lieniscken Grammatik eigentlich wie in einem para­diesischen Garten auszusehen hat. An dieser Küste, die in die Malariakarte als schwarzer Trauerrand eingezeichnet ist, liegen zwischen den gwtzenden Büs- felherden in den Sümpfen und den wilden Mu­stangs, die frei nach Karl May herumgaloppieren, soweit nicht einzelne gekoppelt grasen, liegen die be­rühmten Seebäder Formia, Ostia und Via- re g g i o. Trotzdem holt man sich dort nicht den gel­ben Tod, sondern eher die blaue Liebe. Und in aller Mund sind ja gegenwärtig die Städte, die auf Be­fehl Mussolinis aus den tödlichen Miasmen heraus­wachsen.

Außerdem führt die schön st e Auto st raße des Landes durch die Todeszone und man kann neben Chinin und Schweinfurtergrün, zur Bekämp­fung der Anophelesmücke und der von ihr verbreite­ten Malaria unerläßlich, Rosensetzlinge kaufen. Auf den Mustergütern. Im Wasser wimmelt es von Tin- tenfischen, ein verfallener Sarazenenturm steht neben dem anderen, aus den Brackwassern von Orbetello wird sich in den nächsten Tagen oder Stunden der Fliegerschwarm Balbos erheben, um den Atlanti- schen Ozean zu überqueren. Wer weiß etwas von Or­betello? Wer ist schon bei den Etruskern in Tar- quinia gewesen? Ihre Gräberstadt bedeckt eine Fläche von 28 Quadratkilometer. Wieso steht auf dem Hauptplatz von Grosseto ein Denkmal des Groß­herzogs Leopold II.?

Alles in den Maremmen, jawohl. So sieht es dort aus, so kunterbunt geht es zu. Die meisten Fremden

Der ungarische Äflcrträfibeni beim Kanzler.

Ein durchaus positiver Erfolg der Besprechungen.

Berlin, 17.Iuni. (TU.) Der ungarische 21h- nislerpräsident töömbös ist heute 10.40 Uhr auf dem Tempelhofer Flugplatz zu einem kurzen Besuch in Berlin eingetroffen.

Das Außenpolitische Amt dec NSDAP. teilt mit: Am Samstag fand um 15 Uhr in der Reichskanzlei zwischen dem Reichskanzler und dem ungari­schen Ministerpräsidenten Exzellenz G o m b o s eine Aussprache statt, bei der die g e m e i n s a m e n wirtschaftlichen und politischen prö­ble m e zur Diskussion kamen. Besonders die ge­meinsamen wirtschaftlichen Interessen wurden ein­gehend erörtert. Es kann festgestellt werden, daß gerade auf diesem Gebiete die Zusammenkunft der beiden Staatsmänner von größter Bedeu- tung war und ein durchaus positiver Er­folg erzielt wurde. Die Unterhaltung des Reichs­kanzlers mit dem ungarischen Ministerpräsidenten schloß in überaus herzlicher weise und mit der Versicherung, daß die beiden Staaten mit den größten Sympathien einander gegen- überstehen.

Oie Neugestaltung -es Güdostraumes.

Berlin, 18.Juni (CNB.) Zu dem Berliner Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten Göm- bös teilt das Außenpolitische Amt der NSDAP, mit:

Dieser Besuch wurde eingeleitet durch die Ende v. M. unter Führung des Gesandten Werner D a i tz vom Außenpolitischen Amt der NSDAP, nach Ungarn entsandte Delegation. Diese Delegation hatte bekanntlich die Aufgabe, die vollständig

zerfahrenen Handelsbeziehungen zu Ungarn möglichst schnell wieder zu ordnen, was auch überraschend schnell gelungen ist.

Durch diesen mit großer Initiative und gutem willen von beiden Seiten vorgetragenen Vor­stoß gegen das wirtschaftliche Durcheinander ist, wie es scheint, die ganze Frage der Jleuge- slaltung des Südo st raumes in Fluh geraten und Hal, wie der Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten G ö m b ö s lehrt, die ersten weittragenden politischen Folgen gezeitigt. Daß hiervon auch die Konstellation der Verhältnisse in Oesterreich nicht unberührt bleiben kann, steht am Rande.

Die wirtschaftliche Vernunft, die bei der Regelung der deutsch-ungarischen Verhältnisse zutage tritt, scheint auch bereits beim Abschluß des ungarisch- rumänischen Abkommens vorzuherrschen, was zu weiteren günstigen Prognosen Anlaß geben darf. Es ist außerordentlich erfreulich, daß die außen­politischen Aemter der NSDAP, in Berlin und Wien sich soweit in den Dienst einer guten Sache gestellt haben, daß man geradezu von einer Pioniertätigkeit im Sinne einer organischen, alle Teile befriedigenden Neuordnung in einem der verwickeltsten und schwierigsten Teile Zentraleuropas reden kann.

Hindenburg an Horchy.

Berlin, 17.Juni. (WTB.) Der Reichsprä­sident hat Seiner Durchlaucht dem Reichs- oerweser des Königreichs Ungarn an­läßlich feines heutigen Geburtstages ein in herz­lichen Worten gehaltenes Glückwunschtele­gramm übersandt.

Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit.

Eine großzügige Sonderaklion zur Einstellung arbeitsloser Angehöriger der nationalen Verbände.

B e r l i n, 17. Juni. (Vdz.) Wie das Ddz.-Bureau meldet, haben zahlreiche im Lande vorgebrachte Wünsche einzelner Formationen der nationalen Verbände auf Einstellung ihrer Er­werbslosen in die Betriebe dazu geführt, daß diese Angelegenheit zum Gegenstand einer Aus­sprache zwischen den Leitern der Verbände, der Lei­tung der NSDAP., dem Präsidenten der Reichs­anstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenver­sicherung und der Vereinigung der deutschen Arbeit­geberverbände gemacht wurde. Das Ergebnis dieser Verhandlungen war der Wille, diese Frage durch einheitliche, zentrale Anweisung zwischen den Be­teiligten zu regeln.

Es wurden Richtlinien vereinbart, die zunächst zum Ausdruck bringen, daß die Unternehmer sich grundsätzlich bereit erklären, an einer Son­deraktion zwecks Einstellung von Arbeitslosen- Angehörigen der nationalen verbände mitzu­wirken.

Eine positive Verpflichtung, unabhängig vom Arbeitsbedarf und fachlicher Eignung eine be­stimmte Anzahl dieser Arbeitslosen einzustellen, kann, so erklären die Richtlinien weiter, von der Wirtschaft nicht übernommen werden. Arbeits­bedarf und fachliche und persönliche Eignung müßten vielmehr entscheidend bleiben. Andererseits müsse von den Verbänden die Sicherheit gegeben werden, daß der Kreis der für eine solche Aktion in Frage kommenden Per- sonen-Gruppen zahlenmäßig umgrenzt bleibt. Es müsse in irgendeiner Form, z. D. durch Festsetzung eines Stichtages für die Mitglied­schaft, für den der 30. Jarniar 1933 vereinbart

fahren allerdings hn Schlafwagen hindurch, der abends in Mailand abgeht und am Morgen eben in Rom ist. Dazwischen Nackt, Dunkel, historische Finsternis. Wenn es Zeit ist, sich die Zähne zu putzen, fährt ein anderer auf der Straße vielleicht gerade einem Steppenbüffel ins Gehörn. Hat man das nötig?

Schön ruhig, sanft, unbewußt des Bösen, so ist die Landschaft: wie das Auge des Büffels. Schließ­lich find die Menschen nichts als Eindringlinge in dieser gottgegebenen Natur, die Fieber das Selbst­verständliche, wie die Berge, die zur Rechten mit­wandern, wie die Brandung, die zur Linken mit­summt. Es ist dasselbe Gleichmaß im Wehen des Windes wie in der Stimme des Motors. Es kann einschläfern und im Eisenbahnabteil muß es Lange­weile erzeugen. In der Mittagsglut des Sommers sollte man die Straße nicht fahren, nein, aber jetzt im jungen Tag, das ist doch ein Dahinrollen ganz wundersamer Art. Wir können ja an den weiß- gedeckten Tischen in einer der schattenkühlen Straßen in Florenz zu Mittag essen, dort, wo Savonarola verbrannt wurde und die Langusten in den Schau­fenstern ihre Antennen spielen lassen, wir können in Piombino, der Insel Elba gegenüber, baden, oder das Ombronetal hinauffahren, in Lucca würden wir übrigens auf die neue Autobahn stoßen ... es ist so verführerisch, nicht zu wissen, wann man und wo man ankommt.

In den Maremmen muß man sich Zeit lassen, die Jahrtausende sind für die Sümpfe wie der Tag, der gestern vergangen. Die Stadt, in der wir tanken, war im achtzehnten Jahrhundert von der Malaria verschlungen und verdaut, nur noch ein totes Exkre­ment des Fiebers sozusagen, dann wurde sie ent­wässert und trockengelegt und darum steht das Leo- polddenkmal da, wie ein Mussolinidenkmal in Lit- toria stehen wird. Alles schon dagewesen. Wie aber sah es aus, als vor den Büffeln und vor den Stech- mücken die Etrusker herrschten? Im Nationaldenk- mal von Tarquinia sah ick eine goldene Schale, die hatte über einen halben Meter im Durchmesser, und ich sah goldene Helme mit kriegrischen Fresken, ich stieg in hundert Gräber und las tausend Inschriften, das heißt, ich wollte sie lesen. Bis zu dieser Stunde kann das kein Mensch. Wir haben die Hieroglyphen entziffert, die Keilschrift, das Etruskische blieb uns verschlossen.

Die tarquinier ihr Superbus war der letzte König von Rom, damals, als vor den Toren noch die Kraterfackeln loderten sahen dem römischen Auto sehnsüchtig nach und das Mädchen an der Fon­tana, dem ich eine Kußhand einheimischer Art zuwarf (man muß die fünf Fingerspitzen zusammengelegt an die Lippen drücken, um sie dann breit auszuwerfen).

wurde, sichergestellt werden, daß die für die Ak­tion in Frage kommenden Formationen, vor allem SA., SS. und Stahlhelm, nicht unter dem Gesichtspunkt bevorzugter Behandlung in der Ar­beitsvermittlung ständig neuen Zuzug erhalten, der damit der Durchführung einer solchen Maßnahme von vornherein Möglichkeit und Wirksamkeit nehmen würde.

In den Richllinien wird weiter zum Ausdruck gebracht, daß den eingestellten Arbmtnehmern ein bestimmter, unbezahlter Jahresurlaub aus Anlaß ihrer Zugehörigkeit zu dem betreffenden Verband gewährt wird. 1

Sofern bei arbeitslosen Angehörigen der ver­bände die Voraussetzung sachlicher Eignung noch fehlt, könnte an die Schaffung von Schu- lungs- und Ausbildungskurfen bei den be­treffenden Arbeitsämtern gedacht werden.

Auch für das Verfahren zur Durchführung der Einstellungen enthalten die Richtlinien nähere Bestimmungen. Danach sollen die einzelnen Ver­bände die Zahl ihrer zur Zeit arbeitslosen An­gehörigen <lls zahlenmäßige Grundlage für die Durchführung der Aktion ermitteln.

Träger der Arbeitsvermittlung soll der Appa­rat der Reichsanstalt sein. Die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeber-Verbände erklärt sich be­reit, ihre Mitglieder, sowie die Mitglieder der ihr angeschlossenen Kartellverbände, also der Banken, Versicherungen, Handel, Handwerk und Landwirtschaft, zu veranlassen, die CinsteI - lungsmöglichkeit von Angehörigen der Verbänd e umgehend ernsthaft zu prüfen.

hätte sicher gekichert, wenn es die schwere Last des Kupferkessels auf dem Kopfe erlaubt hätte. Wir hin­terließen damit ein Ereignis, das fühlte man. Denn so viele Wagen auch unterwegs find von Rom nach Genua, in die Bergnester kommt selten einer, die Gassen der ummauerten Ortschaften, bestes Mittel- alter, sind so eng, daß überall Umgehungsstraßen angelegt werden mußten.

Modernste Flugplätze davor, längs der Küste an­einandergereiht, lauter Militärflugplätze. Dort drü­ben im Dunst liegt ja Korsika, die mächtigste Festung des Mittelmeers . . .

Davor der toskanische Archipel. Schwere Panzer­kreuzer, wenn sie auf Vorposten sind, liegen ober stehen so auf der Schneidelinie von Blau und Blau, wie diese kleinen Inseln. Noch näher dem Auge zu eine Nehrung, eine Lagune, und wenn man auf den schmalen Steg einbiegt, wieder nichts als uralte Mauern und Zinnen und Türme, darüber Dohlen und Flugzeuge. Jetzt merkt man, daß die treffliche Straße mit ihrer fast zu weitgehenden Schwarzweiß­malerei ]ei>er Baum, jeder Randpfosten, jedes Geländer ist gestreift auch ihre strategischen Gründe hat. Dor Grosseto biegt sie landeinwärts, man gerät wieder einmal in Baumgrün und wittert die waldigen Abhänge des Apennins, dann taucht immer häufiger der Name Livorno an den Meilen­steinen auf. Stunde um Stunde ist abgeschnurrt, die Farmen in den Maremmen, die Bauernhäuser blie­ben sich immer gleich, wie die Büffel. Einmal steht in großen Buchstaben Maccarese angeschrieben, Mac- carese, Maccarese. Nun heißt es Alberese, Alberese, Alberese, immerzu Alberese. Bonifica Alberese. Dar­unter Namen, die nach Krieg und Jrredenta riechen: Zara, Spalato, Sebenico, Grappa . . .

Das ist Land, das Cäsar seinen Veteranen gab, Mussolini den Frontkämpfern. Statt sie stempeln gehen lassen. Das ist das Land, das aus stinkenden Lachen, aus faulenden Fieberherden emporftieg, als das Schwert in die Pflugschar umgewandelt wurde. Von den potinischen Sümpfen bis Livorno hinauf erging der Befehl, alles urbar zu machen, mit den Maremmen die Malaria auszurotten. Nicht lange mehr und die halbwilden Pferde erwartet kein Half­ter, die Büffel kein Joch mehr: der Bauer trottete nicht mehr hinter dem Pflug, er faß auf einem Maschinentier, das zieht, schneidet und gleich die gebundenen Garben auswirft.

In Viareggio konnten wir schon die neuesten, die in Deutschland verpönten und daher billig expor­tierten Badekostüme bewundern, wir bogen nach Lucca ab und in die Autobahn ein. Es war, als ruhten wir bewegungslos auf einem eilends rollen­den Band. Es rollte in eine türmereiche Stadt hin- ein, einer faß ganz außen, jenseits der Mauer, und

Dabei soll jedoch eine angemessene Berücksichti­gung früherer Entlassener, dem Werk und dem Arbeitgeber durch lange Mitarbeit verbundener arbeitsloser Arbeitnehmer nicht außer Acht gelassen werden.

Der hiernach für die Einstellung von Mitgliedern der Verbände in Frage kommende Arbeitsbedarf wird von den Betrieben den Arbeitsämtern ge­meldet, die wiederum aus den bei ihnen vorhande­nen Listen die geeigneten Persönlichkeiten Nach­weisen. Die so eingestellten Mitglieder der Ver­bände sollen den für die übrigen Arbeitnehmer gel­tenden Bestimmungen unterworfen sein und ebenso den gesetzlichen Vorschriften über Inhalt und et­waige Beendigung des Arbeitsdienstoerhältnisfes.

Schließlich besagen die Richtlinien, daß mit dem Moment des Inkrafttretens einer derartigen Rege­lung im Interesse einer möglichst einheitlichen und wirkungsvollen Durchführung dieser Aktion jeg­liche Sonderaktion von einzelnen Verbänden oder deren Unterstellen aufzuhören habe.

Oer Reichspräsident bei guter Gesundheit.

Berlin, 17. Juni. (WTB.) In ausländischen Zeitungen wird immer wieder behauptet, der Herr Reichspräsident, der sich zur Zeit auf feinem Familienfitz Neudeck (Westpreußen) befindet, sei ernstlich erkrankt. Demgegenüber erklärt das Bureau des Reichspräsidenten: Reichspräsident von Hindenburg erfreut sich guter Gesund­heit; er erledigt in Neudeck nach wie vor feine Amtsgeschäfte und unternimmt in den freien Stun­den Spaziergänge und Spazierfahrten in die nähere und weitere Umgebung.

Aus aller Wett.

Reichskanzler Adolf Hiller beim Reichswehrkonzert im Berliner Stadion.

Das Wehrkreiskommando III Berlin veranstaltete dieser Tage das erste der großen tradionellen Som­merkonzerte, das von 20 Musikkorps mit 800 Musikern und Spielleuten ausgesuhrt wurde. Die außerordentlich ungünstige Witterung hatte den Be­such stark beeinträchtigt. Das Stadion war zwar aus- verkauft, bei strömendem Regen aber nur spärlich besetzt. Reichskanzler Adolf Hitler erschien mit dem ungarischen Ministerpräsidenten G ö m b ö s, dem Vizekanzler v. P a p e n und dem Reichswehr­minister o. B l o m b e r g auf der Ehrentribüne. Der Reichskanzler wurde mtj dem Horst-Wessel-Lied be­grüßt.

Major Hühnlein an den Reichskanzler.

Anläßlich der Preisverteilung bei der A D A C. - Dreitagefahrt im Harz übersandte Major Hühnlein, der Führer des RSKK., dem Reichskanzler Adolf Hitler aus Schierke ein Telegramm folgenden Inhalts:Motor-SA. und -SS. bei dreitägiger schwerster Harz-Zuverlässig- keitsfahrt in hervorragender Weise abgeschnitten. Von insgesamt 71 strafpunktfreien Fahrern 28 Angehörige des Korps. Ehrenpreis des Herrn Generalfeldmarschalls von Hindenburg erhielt SS.-Motorsturm München, Reichskanzler-Preis Fabrikmannschaft RSTl. Glänzende Kamerad­schaft zwischen Sportmannschaften, Reichswehr und SA. Heilgruh. (gez.) Hühnlein."

Dampfersteg im Lhiemsee zusammengebrochen.

Ein Teil des Dampfersteges auf der Herren-In­sel im Chiemsee ist am Sonntagmittag unter der Last der auf den Dampfer wartenden Gäste z u - sammengebrochen. Dabei stürzten zehn Personen in das an dieser Stelle über 2,50 Me­ter tiefe Wasser, konnten aber gerettet werden. Die Tleberfüllung der Landungsbrücke war dar­aus zurückzuführen, daß sich sehr viele Besucher aut Frauenwoerther Wasserprozession eingefun- oen hatten. Die Prozession mußte wegen Regen­wetters abgesagt werden, woraus sich die Menge auf die beiden Inseln im See verteilte. Die schnelle Rettung ist zum großen Teil der geistes­gegenwärtigen Besatzung des Motorschiffes3r- mingard" zu danken, das gerade anlegen wollte, als das Unglück geschah.

die Fremden, die kopfschüttelnd zu dem Bauwunder hinaufstarrten, hatten die Füße auf der Stelle, wo Savonarola verbrannt wurde. In einer schatten­kühlen Straße standen weißgedeckte Tische und im Schaufenster dahinter ließen die Langusten ihre Antennen spielen. Feinste Maremmenlangusten! sagte der Cameriere anpreisend und wir nickten: Si, faccia presto I

Ein Klassiker des Volksstücks.

Adolf L'Arronge,feit bestenTode jetzt ein Dier- teljahrhundert vergangen ist, lebt in der Geschichte der deutschen Bühne nicht nur fort als der Gründer des Berliner Deutschen Theaters, der hier eine vor­bildliche Anstalt großer Schauspielkunst schuf, sondern ist auch als Dramatiker noch nicht vergessen. Wenn­gleich seine Stücke nach dem Kriege nicht mehr die Beliebtheit genießen, die sie vorher besesien, so hat man doch die besten von ihnen, wieMein Leopold" undHasemanns Töchter", im Film zu neuem Leben erweckt, und als ein Meister des in Deutschland so wenig gepflegten Dolksstückes wird er unvergessen bleiben. DiePosten mit Gesang", mit denen er zu­erst auftrat, suchte L'Arronge mit dem kleinbürger­lichen Lustspiel zu verschmelzen. VomGoldenen Bo­den" des Handwerks und dem gemütlichen Humor, der auf ihm gedieh, ist die Stimmung seiner besten Stücke getragen, und die auch heute noch nicht ganz verklungene Behaglichkeit einer kleinbürgerlichen Um­welt verleiht seinen Szenen einen warmen Hauch. Vom Volksstück aber ging der theaterkundige Dichter dann zum echten Lustspiel über, indem er die Ge­stalten durch lebenswahre Charakteristik plastischer machte und über die bloße Situationskomik die Hand­lung zu einet folgerichtigen Entwicklung erhob. In dieser feineren Form ist ihm der ,Dr. Klaus" ge­lungen, der bei einem fehr geringen Handlungskern das eigentliche dramatische Leben von der prächti- gen Figur des Helden ausgehen laßt, um den sich dann in anmutigem Wechsel die andern Personen gruppieren. Man merkt es überhaupt seinen Volks- stücken an, daß sie von einem warmherzigen Men­schen und gewiegten Praktiker mit Liebe erdacht, mit Sorgfalt überlegt und mit Fleiß in allen Ein­zelheiten ausgeführt sind. Wie er die Rebenhand- lung mit der Haupthandlung verbindet, so daß beide organisch ineinander greifen, wie er den Knoten sei­ner Stoffe schürzt und verknüpft, wie er früh auf eine glückliche Lösung hinarbeitet und alles zu einem Höhepunkt zuspiht, das offenbart eine Feinheit und Sauberkeit der Arbeit, an der sich mancher unserer Dramatiker ein Muster nehmen könnte. Dr. F. S.