Ausgabe 
18.12.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Aus aller Welt

Kommunistischer Mörder zum Tode verurteilt.

Eines der scheußlichsten Verbrechen aus der Zeit der politischen Verhetzung fand vor dein Cott­buser Schwurgericht nach dreitägiger Verhandlung seine Sühne. Der 21jährige Kommunist Bernhard P i s ch o n, der am 18. Februar 1932 den SA.-Mann Gornatowski erschlagen hatte, wurde wegen erwiesenen Mordes zum Tode verurteilt. Der mit- angeklagte Fritz Sommer erhielt wegen versuch­ten Totschlags 8 Jahr Zuchthaus. Der Tod des nationalsozialistischen Freiheitshelden hatte monate­lang die Oeffentlichkeit stark beschäftigt, weil cs bisher nicht gelungen war, den Mörder ausfindig zu machen. Erst nach der nationalsozialistischen Er­hebung konnte man den Täter in der Person des Kommunisten Pischon ausfindig machen. Pi schon legte auch bald darauf ein volles Geständnis ab.

125 Millionen

für das Winierhilfswerk.

Das bisherige Ergebnis.

Etwa 15 Millionen Volksgenossen betreut.

Berlin, 17. Dez. (LAB.) Am Sonntagmittag sandte die Fuukstunde Berlin eine Unterredung, die ihr Vertreter Rausch mit dem Reichsleiker des win- terhilfswerkes h i l g e n f e l d t hatte. 3n dieser Un­terredung wurden der Aufbau und die Arbeitsweise dieser ganz Deutschland umspannenden Organisation und ihre bisherigen Leistungen besprochen. Ls er- oab sich u. o., daß das Winierhilfswerk etwa 15 Millionen bedürftige Volksgenossen und deren Angehörige zu betreuen hat und daß die bisherigen Leistungen nach dem Stande der letzten Meldungen u. a. folgende sind: Jßr 20 Millionen Mark Kartoffeln, für 52 Millionen Mark Brotgetreide, Mehl und andere Lebensmittel und 20 Millionen Zentner Kohlen im werte von 24 Millionen Mark, insgesamt mit den Bargeldspenden rund 125 Millionen Mark.

Bestellte Arbeit.

Eine eigenartige Höllenmaschincnaffäre in Saarbrücken.

Saarbrücken, 16. Dez. (CNB.) Die sozial­demokratischeVolksstimme" berichtet in großer Aufmachung von einem beabsichtigten Höllen- maschinenattentat auf den Marxistenführer Max Brauns. Die ganzen Umstände des Attentats ind jedoch so verdächtig und eigenartige, daß be­gründete Annahme besteht, daß Max Brauns die- es Attentat selbst veranlaßt hat, oder es ich um ein Provokateur ft ück handelt.

Nach dem Bericht sei ein an die Geschäftsstelle der Arbeiterwohlfahrt gerichtetes Paket in der Woh­nung Max Brauns abgegeben worden. Die Sekre­tärin Brauns habe das Paket geöffnet und zu ihrem Entsetzen festgestellt, daß es eine Stein­gutflasche mit Sprengstoff und einem elektrischen Zündkontakt enthielt. Als Absender sei auf dem Paket angegeben worden S. V. 25 Neunkirchen". Der Zündköntakt sei auf dem Transport jedoch gerissen und die Flasche ge­platzt, so daß die Maschine nicht hätte explo­dieren können. Selbstverständlich weiß die Volksstimme" schon, daß die NSDAP, dieses Attentat veranlaßt habe, in sozialdemokratischen Kreisen spricht man bereits von einem bevorstehen­den Verbot der NSDAP, im Saargebiet.

Max Brauns hat berreits mehrfach aus Re­klamegründen sich interessant zu machen versucht. Vor einigen Monaten z. B. behauptet er, der Gau Pfalz des NSDAP, habe auf seinen Kopf einen Preis von 3000 Franken ausge- fetzt, für die er jeden Beweis schuldig geblieben ist. Das Attentat sollte nun vermutlich dazu dienen, die Saarregierung zu einem Vorgehen gegen die NSDAP, zu veranlassen und zu be­weisen, daß die Ruhe im Saargebiet ohne Hinzu- ziehung fremder Truppen nicht aufrechterholten wer­den könne. Diesen letzteren Beweis zu führen, be­müht sich die Sozialdemokratie schon seit langem. Deutschland, Deutschland über alles ...

Wien, 16. Dez. (CNB.) Bei der Eröffnungsfeier einer von der Akademie der Bildenden Künste veranstalteten Ausstellung, an der auch Unterrichtsminister Schuschnigg und Kardinal Erzbischof Innitzer teilnahmen, erhoben sich, als ein Streichquartett die ersten Sätze des Kaiser- Ouortetts von Haydn spielte, plötzlich fast alle Anwesenden von ihren Sitzen und st i m m t e n spontan das Deutschlandlied an. Mini- sterSchuschnigg verließentrüstet" seinen Platz, und auch der Erzbischof begab sich aus dem Saal. Der Rundfunk, der die Feier übertrug und dessen lieber- wadjung offenbar heute nicht schnell genug funktio­nierte, brach die Uebertragung ab, doch zu spät: Das Deutschlandlied war bereits zu Ende gesungen, und die in seinem Gesang zum Ausdruck kommende Willenskundgebung der deutsch fühlenden Teilneh­mer an der Feier überall in den österreichischen Landen gehört worden.

Keine Bermuna pater Muckermanns ins Reichsministerium für Volksauf- kiärung und Propaganda.

Berlin, 16. Dez. (WTB.) Die in verschiedenen Tageszeitungen erschienenen Meldungen, daß Pater Friedrich Muckermann ober Professor He r« mann Muckermann in das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda berufen worben fei, finb unrichtig. Eine solche Berufung ist nicht erfolgt, sie war auch niemals ge­plant. Es ist auch nicht beabsichtigt, sich der Dienste des Herrn Professor Muckermann ober des Paters Muckermann in sonstiger Weise für das Reichsministerium für Volksaufklärung und Pro­paganda zu bedienen.

Rudolf Heß spricht am 24. Dezember zu den Ausländsdeutschen.

Berlin, 16. Dez. (ERB.) Der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, wird voraussichtlich am Sonntag, 24. Dezember 1933, um 21 Uhr über d i e deutschen Sender zu den Ausländsdeutschen sprechen. Durch diese An­sprache wird deutlich zum Ausdruck gebracht, daß sowohl die deutsche Regierung als auch die mit ihr verschmolzene große deutsche Freiheitsbewegung es für eine Selbstverständlichkeit hält, an dem deut­sch e st e n aller F e st e , wo sich die Gedanken der Millionen auslandsdeutscher Volksgenossen noch mehr als sonst an die Heimat und die Lieben daheim ketten, unseren Ausländsdeutschen ein Zeichen treuer Verbundenheit zu geben.

von der l.Großhessischen Synode.

Volk und Kirche.

Auf vielfachen Wunsch veröffentliche ich hiermit den Wortlaut meiner Schluß- ansprache auf der Tagung zu Mainz am 28. November 1933.

D. Berck, Präsident.

Wir kommen zum Ende der Tagung. Der Grund ist gelegt. Die Kirche des Landgrafen Philipp des Großmütigen, des reformatorischen Fürsten Hes­sens, ist aus unseliger dynastisch-diktierter Teilung durch Anschluß neuen Landes im Wiedererstehen begriffen und wird durch Beitritt althessischen Ge­bietes aus dem Marburger und Hinterland, wie wir hoffen möchten, noch erweitert werden. Mit Dank schauen wir zurück auf das. Erreichte, dessen gewiß, daß uns des zu Erfüllenden und zu Er­arbeitenden noch viel bleibt, auch in der Verfassung, wenn die Richtlinien der Deutschen Evangelischen Kirche für die Gestaltung der Landeskirchen uns demnächst vorgelegt werden.

Mit neuem Vertrauen gehen wir in die Zukunft. Die Treue Gottes mag uns geleiten! Der deutsche Mann und deutsche Christ, dessen 450. Geburtstag wir erst erlebten, und M. Bucer, der Vater des Kir- chengemeindegedankens, mögen uns beim kirchlichen Aufbau im Geiste der großen Geschichte der hessi­schen Kirche begleiten. Die 62. These an Witten­bergs Schloßkirchentür weise uns Grund und Weg: Der rechte wahre Schatz der Kirche ist d a s aller- heiligste Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gotte s." Dieses Kleinod der Kirche, das größte, das sie hat, lassen wir uns nidjt ver­letzen noch verfälschen.Unsere Religion heißt Christus" dieses Glaubensbekenntnis eines nationalsozialistischen Führers Deutschlands lassen mir uns nicht wegnehmen. Doch nicht der Christus, der einstmals lebte im orientalischen Lande ober jetzt uns fern ist in einem abgeschlosse­nen Himmel; vielmehr der Herr und Meister, der in deutscher Zunge zu uns redet und in deutsches

Fleisch und Blut verwandelt mit uns geht mb kämpft, wie Gebhardt, Thoma und andere Meister ihn gemalt.

Verdeutschtes, eingedeutschtes Chri­stentum, wie Martin Luther es uns lehrt, das ist das Heiltum, dem wir Kirche bauen, das ist die Reformation, die wir an uns und in uns zu vollziehen, die wir am deutschen Volke fortzuführen haben, die uns deutsche Christenleute hinweist und hineinstellt in die deutsche Welt, aus alle ihre Straßen, Plätze und Felder, ihr zu dienen mit dem Besten, das wir haben, mit dem Evangelium aus reformatorischem 23er- stände heraus, wie echte deutsche Theologie sie lehrt und wahre beutfdje Kirche sie lebt. Also unseren Volksgenossen zu dienen wie Martin Luther seinen lieben Deutschen das ist uns Kirchenleuten deut­scher, evangelischer Art nicht Zwang von außen, nicht kluges Rechnen noch rücksichtelndes Geschäfte­machen.Ich kann es ja nicht lassen, ich muß auch sorgen für mein arm, elend, verlassen, verraten, ver­kauft Deutschland, als ich schuldig bin meinem lie­ben Vaterlande" dies Lutherwort, dies Luther- gewissen gebietet uns, also daß unser kirchlicher Dolksdienst ganz aus dem Innersten kommt, aus der innersten Begnadigung von Gott und seinem Wort und aus der innersten Verpflich­tung an Gott und fein Evangelium. Weil wir evangelisch fein dürfen, müssen wir deutsch fein. Also Gott verbunden sind wir v o l k s v er­kunden und können nicht anders. So fügen mir Gott füge es: das Beste zum Bau des Dritten Reiches. Der Herr unser Gott lasse uns das Evangelium empfangen und erleben in feiner be­seligenden Gnade und Herrlichkeit, auf daß wir das Deutschtum erwerben und verkünden in seiner natio­nalen, sozialen verbindenden und verpflichtenden Kraft, der Gemeinschaft deutschen Lebens und der Kirche christlichen Glaubens zum Heil, also daß das Volk wieder Kirche und die Kirche wieder Volt werde! Also walte Gott über Volk und Kirche!

Er hatte bei einer Schlägerei in dem Dorf Klein- Gaglow bei Cottbus den schwerverletzt am Boden liegenden SA.-Mann Gornatowski mit einem Stein erschlagen. Sommer hatte den SA.-Mann Geselle durch einen Messerstich in den Rücken lebensgefähr­lich verletzt.

Zahlreiche Opfer schwerer Stürme über Nordsee und Ostsee.

Der Sturm über dem Kanal hat weitere Menschenopfer gefordert. Vier Seemannslei- ch e n sind an der Küste von Norfolk angetrieben worden. Die Ertrunkenen gehörten zu der Besatzung des englischen FrachtbampfersBloomfleet", der Mitte voriger Woche mit einer Ladung von 1000 Tonnen Kohle von Goole nad) Epswich in See ge­gangen war und seitdem verschollen ist. An Bord befanden sich 13 Mann, die wahrscheinlich alle er­trunken finb.

*

In einer der letzten Nächte ist der Hamburger MotorseglerZufriedenheit" zwischen Darfferod und Ahrenshoop bei einem schweren Schneetreiben mit Windstärke 10 bis 12 in der Ostsee auf einem. Sandriff gestrandet. Das Schiff befindet sich in der Nähe des Leuchtturms Darfferod 300 Meter vom Strande entfernt und bietet einen trostlosen Anblick. Alle Luken sind eingeschlogen. Der Lager­raum, der mit Waschmitteln, Seifenflocken, Zinn und Zink gefüllt mar, ist fast restlos leergespült. Das Schiff war von der Besatzung verlassen und ein Beiboot mit verschiedenen Rettungsringen und Schmimmwesten mar an den Strand getrieben wor­den. Wenig später mürbe von dänischen Fischern ein Floß zwischen Ahrenshoop und Darsserort ge­sichtet und nach Warnemünde eingebradjt. Auf dem Floß befanden sich der Kapitän Des Motorseglers, Georg Bahlmann, und der Steuermann N a - gel, die angeseilt und erfroren waren. Bon dem Schiftsjungen Reumann und dem Matro­sen Dietrich fehlt jede Spur. Auf dem Floß be­fand sich ferner ein Sack mit sämtlichen Schifis­papieren. Dem Stralsunder Bergungsdampfer Herta gelang es infolge der stürmischen See und des Eis­gangs nicht, das Schiff zu bergen. Inzwischen ist ein Hamburger Bergungsdampfer eingetroffen, um die Bergungsarbeiten aufzunehmen.

*

Auf der Ostsee und im Finnischen Meerbusen herrscht, wie aus Reval gemeldet wird, sehr ferne­rer Sturm. Bei den Aalandsinseln sind zwei Dampfer untergegangen, wobei elf Seeleute ums Leben tarnen.

Vccrndkatastrophe im Moskauer Gpll.-Gebäude.

Eine nichtamtliche Warschauer Nachrichtenagen­tur will in den Besitz eingehender Mitteilungen über eine Brandkatastrophe gekommen sein, wonach das große Zenttaloerwaltungsgebäude der GPU. in Moskau im Innern so gut wie vollstän­dig zerstört worden ist. Zahlreiche Insassen des GPU.-Gefängnisses sollen Dabei umgekommen sein. Die' Katastrophe soll sich bereits am 3. De­zember abgespielt haben. Nach Behauptungen der Agentur sind die Einzelheiten sorgfältig geheimge­halten worden. Von russischer Seite mar bisher weder eine Bestätigung, noch ein Dementi zu er­langen. Das Feuer ist, wie berichtet wird, im Haupt­gebäude der GPU. frühmorgens ausgebrochen, konnte aber erst gegen mittag gelöscht werden. Während der Löscharbeiten ertönten Gewehr­schüsse aus dem Innern des brennenden Hauses. Ändere Gefangene find in den Flammen umge­kommen, da man ihnen den Ausgang ins Freie versperrte. Der Brand ist ausgebrochen im Zusam­menhang mit der Säuberungsaktion unter den Funktionären der GPU., die vorn Staatsanwalt Akulow eingeleitet worden war; es sollen über zehn Verhaftungen, vor allem wegen Unterschla- gungsverdacht, erfolgt sein. Die Voruntersuchung hat ergeben, daß der Brand wohl auf diejenigen Beamten der GPU. zurückzuführen ist, die im Hause geblieben waren, um jene Dokumente zu vernichten, die sie hätten kompromittieren können.

Großer Bestechungs- und Erpressungsskandal bei der Brüsseler Polizei. Seit einiger Zeit lief gegen mehrere Brüsseler Polizeikommissare eine gerichtliche Untersuchung wegen Erpressung und Amtsmißbrau- ch e s. Nunmehr wurden außer zwei Polizeikom­missaren aus Brüsseler Vororten auch der Brüsseler Polizeipräsident Angerhaulen verhaftet. Kurz darauf erfolgte die Festnahme des Polizeivorstehers des 6. Brüsseler Bezirks; weiter ist ein Polizei- kommissar aus Antwerpen in Haft genommen worden. Angerhausen und die übrigen Verhafteten hatten mit einem pensionierten Kommissar, der eine Benzinhandlung eröffnet hatte, ein Abkommen ge­

troffen, ihm gegen eine Provision von 10 v H. Kunden zuzuführen. Sie gingen dabei außerordent­lich raffiniert zu Werke. Anzeigen gegen Kraft­wagenführer häuften sich in letzter Zeit immer mehr. Den Angezeigten wurde bei der Ausnahme umfangreicher Protokolle zu verstehen gegeben, daß ein aus dem Dienst ausgeschiedener Kollege eine Benzinhandlung eröffnet habe, und daß es ratsam sei, den Brennstoffbedarf dort zu decken. Selbst­verständlich tarnen viele Kraftfahrer diesem Ver­langen nach. Die Folge war, daß die Protokolle und Strafbesdjeide verschwanden. Auf biefe Weise wurden dem Benzinhändler Hunderte von Kunden zugeführt. Der pensionierte Beamte, Pauwels mit Namen, und seine beiden Söhne sitzen bereits hin­ter Schloß und Riegel.

Der Reichsbund Volkstum und Heimat kor­porativ der Reichskulturkammcr angeschlossen.

Der Reichsbund Volkstum und Hei - m a t hat sich in diesen Tagen korporativ der Reichs­kulturkammer und den zuständigen Fachkammern für seine sämtlichen Mitglieder ange­schlossen. Der Reichsbund Volkstum und Heimat, der von der Reichsleitung der NSDAP, vor weni­gen Monaten begründet und mit der Führung der gesamten Volkstumsarbeit im na­tionalsozialistischen Sinne beauftragt wurde, erhält durch diesen Anschluß sämtliche Redjte, welche mit der Mitgliedschaft der Reichskulturkammer ver­bunden sind. Für die einzelnen Mitglieder des Reichsbundes Volkstum und Heimat, wie auch für die in den Reichsbund eingeglieberten ober dem Reichsbund angefdjloffenen Verbände und Organisationen entfällt eine weitere Anmelde pf licht, soweit es sich um die durch den Reichsbund geleistete Volkstums- und Heimat­arbeit handelt.

2Horb an einer Greisin in Berlin.

In Berlin wurde die 74jährige Witwe Ida Krü­ger unter eigenartigen Umständen erhängt aufgefunden. Die Kriminalpolizei stellte bei der Erhängten eine schwere Schädeloerletzung fest. Auf dem Fußboden und Teppich wurden große Blutspuren und Haare der Frau Krüger gefunden. In der Wohnung der Frau Krüger wurde deren Nachbarin, Frau Frieda Iuchniewicz, ange­troffen. Sie will durch die von ihr offen Vorgefun­dene Korridortür in die Wohnung der ihr güt be­kannten Frau Krüger gegangen sein und diese er­hängt aufgefunden haben. In ihrem Schreck habe sie die Wohnung nicht wieder verlassen, vielmehr sogar noch die Sicherheitskette vor die Korridortür gelegt. Eine Folge ihrer Aufregung sei es audj ge­wesen, daß sie auf Klopfen nicht geöffnet habe. Frau Iuchniewicz hat später in ihrer eigenen Wohnung einen Selbstmordversucheben­falls durch Erhängen unternommen. Sie wurde zur Vernehmung zum Polizeipräsidium gebracht. Die Witwe Krüger ist offenbar ermordet worden.

Freigesprochen und gelyncht.

In Amerika ist ein neuer Fallvon Lynch­justiz zu verzeichnen. Der Neger Cord Cheek wurde 5 Kilometer von Columbia in Tennessee an einem Baume aufgehängt aufgefunden. Wie sich herausstellte, ist er gelyncht worden. Der Neger wurde nach mehrwöchiger Untersuchungshaft vom Schwurgericht Nashville von der Anklage, einen An- griff auf ein weißes Mädchen verübt haben, frei- gesprochen. Die Täter sind unerkannt entkommen.

Ein Schloß bei Garmisch niedergebrannt.

Im Schloß Kranzbach bei Klais in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen brach ein Brand aus. Die Tätigkeit der Feuerwehren war durch den starken Frost und durch Wassermangel so behindert, daß das Hauptgebäude völlig niederbrannte.

Blutige Sträflingsrevolte in Honduras.

In Tegucigalpa (Honduras) kam es im Zuchthaus Trujillo während des Fluchtversuchs einer Anzahl von Sträflingen zu einem Kampf, in dessen Ver­lauf neun Sträflinge getötet und vier Soldaten verwundet wurden.

Dreizehn Todesopfer

beim Uebersoll auf ben Trcmssibirien-Lxpreß.

Wie zu dem Uebcrfall auf den Trans - sibirien-Expreß bei Tsitsikar ergänzend ge­meldet wird, hat sich die Zahl der Opfer bedeutend erhöht. 13. Personen haben ihr Leben einge- büßt, nämlich ein Russe, sechs mandschurische Staatsangehörige, drei japanische Zivilisten und drei japanische Soldaten. 15 Personen, ein russischer So- bat, drei mandschurische Soldaten und elf mand­

schurische Zivilisten wurden verletzt. Die Zahl der von den Banditen entführten Personen ist nock) nid)t bekannt. Die Nachricht, daß auch ein An­gestellter der Skoda-Werke namens Gebauer ge­tötet wurde, konnte noch nidjt bestätigt werden.

Hochwasser in Venedig. 15 Menschen ertrunken.

Venedig und Umgebung sind von einer furcht­baren Wolkenbruchkatastrophe heimgesucht worden, in deren Verlauf das Wasser in den Ka­nälen und Flüssen um fast eineinhalb Meter ge­stiegen ist und Straßen und Plätze über­schwemmt hat. In dem südlich von Venedig an der Lagune gelegenen Ort Chioggia sind 15 Men­schen in ben Fluten umgekommen.

Rhein und Mosel schwer vereist.

Die gewaltige Eisversetzung auf bein Rhein an der Loreley war am Sonntag bas Ziel vieler taufenb Schaulustiger. Cs ist in der Tat ein gigantisches Naturschauspiel. Meterhohe Eis­blöcke haben sich an der engsten Stelle des Rheins zusammengeballt, und soweit man blickt, zieht sich eine unübersehbare Fläche dahin. Am Sonntag­mittag konnte man schon eine nahezu zehn Kilo­meter lange Eisfläche bewundern. Das Packeis reicht jetzt nahezu bis an Bacharad) heran. Fort­während schieben sich die oft bis 100 Quadratmeter großen Eisschollen unter unheimlichem Krachen unter- und übereinander. In diesem Jahrhundert ist es das dritte Mal, daß der Rhein in Eisfesseln liegt; dagegen war es noch nicht zu verzeichnen, daß der Rhein in einer Ausdehnung von zehn Kilometern zugefroren ist.

*

Die Tatsache, daß bereits vor mehreren Tagen bei Winningen ein schwerbeladenes Fuhrwerk ge­fahrlos die Mosel überqueren konnte, hatte dem Gemeinderat von Winningen Veranlassung gegeben, für Sonntag ein großes Eissest auf dec Mosel vorzubereiten. Bei herrlichstem Sonnen­schein wurde dieses Eisfest zu einem vollen Erfolg.

Das Weihnachtshilfswerk des viehhandels.

Der Reichsverband des nationalen Viehhandels Deutschlands hat seine Mitglieder zu einem Weihnachlshilsswerk des deutschen Vieh­handels aufgerufen. Dieser Aufruf hat schon jetzt einen durchschlagenden Erfolg. Aus dem Be r l i n e r Zentralviehhof wurden in 10 Tagen 1062 Stück Großvieh,' Schweine, Kälber und Schafe an­geliefert. Weitere Sendungen sind im Anrollen, so daß man für Berlin mit einer Anlieferung von 1200 Stück im Werte von 180 000 bis 200 000 RM. rechnen kann. Die Schlachtungen Haden Berliner Schlächter freiwillig zugunsten des Winterhilfs­werks übernommen. Es stehen bann 2000 00 Pfund Fleisch zur Verfügung. Die Ver­teilung wird durch das Winterhilfswerk erfolgen. Das in Berlin zur Verfügung stehende Fleisch ift für Berlin sowie für Nord- und Westdeutsch­land bestimmt. Für das übrige Deutsch­land sind als weitere Sammel- und Verteilungs­plätze bestimmt: Leipzig, München und Stuttgart.

300 000 Mark für das Haus bet Deutschen Kunst.

Von der Generalversammlung des Reichsverban­des der Prioatoersicherungen wurde nach einer Mel­dung derMünchener Neuesten Nachrichten" be­schlossen, dem Haus der Deutschen Kun st einen Betrag von 3 00 000 Mark alsSpende zur Verfügung zu stellen.

Die neue Leitung der Berliner liationalgolerie.

Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Rust, hat ben seinerzeit dem Leiter des Städtischen Museums in Halle, Professor Alvis Schardt, erteilten kommissarischen Auftrag, die 'Jlationalgalerie und das Äronprinzenpalais in Berlin stellvertretend zu leiten, mit dem 16. No­vember für beendet erklärt. Als Direktor der Na­tionalgalerie und des Kronprinzenpalais wurde der Leiter der Städtischen Kunstsammlungen in München, Dr. Eberhard Hanfstaengl, berufen.

Austritt der deutschen Gruppe aus dem Internationalen Penclub.

Die deutsche Gruppe des Pen-Clubs hat ihren Austritt aus dem internationalen Pen-Club erklärt, nachdem in der Sitzung des internationalen Exekutivkomitees des Pen-Clubs in London gegen die Stimme des deutschen Delegierten Dr. von Schmidt-Pauli die Aufnahme von kommu­nistischen Schriftstellern in den Pen-Club als Pflicht beschlossen wurde. Wie weiter verlautet, wird die deutsche Gruppe sich vom internationalen Pen-Club voll und ganz lösen, jedoch, neu konstituiert, sich an die nationalbewußten Dichter und Schriftsteller in anderen Ländern wenden, die bereit sind, unter Wahrung und Achtung der nationalen und volks- Frieden der Welt und den Austausch der geistigen Güter der Nationen zusammenzuarbeiten.

Ueberfallkommando macht Jagd auf einen wild gewordenen Bullen.

In Weißenfee bei Berlin wurde auf der Char­lottenburger Straße ein von drei Schlächtergesellen an einem Strick geführter Bulle, der mit einer Blende versehen war, plötzlich wild, riß sich los, entledigte sich seiner Blende und rannte in Rich­tung Pankow davon. Arn Kissingenplatz würbe bas wütende Tier von der inzwischen alarmierten Feuerwehr gestellt, der es aber nicht gelang, ben Bullen einjufangen. Der Feuerwehr blieb darum nichts anderes übrig, als das Pankower Ueberfall- fommanbo zu rufen. Inzwischen war der Bulle durch die Prenzlauer Promenade nach Heinersdorf gelaufen. Dod wurde das Tier, ^da es Menschen­leben gefährdete, durch mehrere Schüsse getötet.

Bluttat bei Gera.

In Hartmannsdorf bet Gera fand dec abends nach Haufe kommende Händler Tolle seine 32jäh° rige Ehestau in der Speisekammer ermordet auf. Sie war mit einem Hammer niedergeschlagen worben unb wies außerbem zwei Stichwunden in der Stirn auf. Als der Tat verdächtig wurde der Schmied W u n d r i ch festgenommen, der früher bei den Eheleuten gewohnt hatte und njegen Streitig­keiten zwangsweise aus der Wohnung entfernt wor­den war.

Wettervoraussage

Da sich der hohe Druck mehr auf das Festland verlagert und sich weiter verstärkt hat, bleibt bas vorwiegend trockene Frostwetter erhalten. Die durch die nördlichen Störungen herangeführte Warmluft wird nur vorübergehend zu Bewolkungsauszug ober Nebelbildungen führen.

Aussichten für Dienstag: Noch Anhal­ten des Frostes, bewölkt mit Aufklaren, trocken.

Lufttemperaturen am 17. Dezember: mittags 4,4 Grad Celsius, abends8,2 Grad; am 18. Dezember: morgens8,5 Grad. Maximum3,9 Grad, Mi­nimum10,8 Grad. (Erbtemperaturen in 10 afl Tiefe am 17. Dezember: abends6 Grad; am 18. Dezember: morgens7 Grad Celsius. Son- ncnscheindauer 3Z- Stunden.