5t.
Nachdruck verboten!
27. Fortsetzung
dem der Tote
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Frau von Malten blickte ganj ungläubig, als ihr Achim das Neueste erzählte; doch nach einigem Nachdenken meinte sie: ,^d) war fest überzeugt, Marlene Werner sei wie geschaffen für dich aber sie bewies uns- es war ein Irrtum. Hoffentlich ist Roberta die richtige Frau für dich. Daß sie es einmal werden konnte, der Gedanke lag mir fern, und jetzt finde ich, er log doch nahe. Sie ist hier geboren, sie kennt Maltstein so gründlich, wie kaum wir es kennen, und arbeitet hier mordstüchtig. Mallstein aber kann eine tüchtige Herrin sehr brauchen."
Roberta war sehr zufrieden. Der Diener hatte chr, ohne es zu ahnen, famos geholfen, ihre Pläne zu
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Es liegt Veranlassung vor, nochmals darauf hinzuweisen, daß Hausbesitzer oder deren Vertreter sowie Haushaltungsvor-
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stände verpflichtet sind, die Vordrucke zur Personenstands- und Betriebsaufnahme vollständig und richtig auszufüllen. Unter- lassungen können nach der Reichsabgabenordnung durch Geldstrafen, die im Un- vermögensfalle in Haft umgewandett werden können, erzwungen werden.
Die der Personenstands- und Betriebsaufnahme zukommende Bedeutung läßt erwarten, daß das nötige Verständnis von den Hausbesitzern oder deren Stellvertre-
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Letzter Termin für die Abfuhr des Holzes aus Ernte 1933 in den Forstämtern Schissen berg und Gießen: 15. November 1933- 6420V
Hessisches Forstamt Gießen.
Ohren'"
Die alte Dame ließ sich nicht erklären, daß der er- schossene Zollbeamte doch gar nichts mit ihnen zu tun hatte, daß niemand den Mord mit einem Bewohner von Maltstein in Verbindung bringen konnte. Sie litt unter der Vorstellung, es sei doch so, und wurde ganz still und trübsinnig. Sie sagte zu Roberta: „Sie sollen kein Opfer bringen, Roberta. Unser Name ist verfemt. Verlassen Sie lieber Malt- stein." . , . , . .
Obwohl sie Roberta von klein auf kannte, sprach sie diese doch mit „Sie" an und blieb auch jetzt dabei trotzdem sie wußte, sie sollte Achims Frau werden. Sie konnte sich nicht so schnell umgewohnen.
Roberta antwortete überzeugend warm: „Ich liebe Achim und gehe nicht fort, auch wenn noch mehr Mordtaten auf Maltsteiner Gebiet geschehen."
Frau von Malten nickte zufrieden.
„Sie lieben ihn wahrhaftig, und ich danke Ihnen. Helfen Sie Achim, stehen Sie ihm bei. Ich kann es nicht Inehr, ich bin zu elend. Sie aber sind ein starker Mensch, und Ihre Liebe ist groß, damit kann man wohl viel erreichen."________
„Wir sollten bald heiraten", waote sich.Aoberta vor. „Dann hätte ich sicher mehr Einfluß auf Achim.
Die alte Dame stimmte chr zu und sprach mit ihrem Sohn darüber.
Der aber war nicht damit einveritanden.
, Dor dem Herbst möchte ich nicht heiraten , erklärte er der Mutter. „Ich will abwarten, ob nicht doch noch der Besitzer des Dolches entdeckt wird. Trotz aller Hoffnungslosigkeit ist mir manchmal, als sähe ich ein ganz winziges Licht in der tiefen Fin- sternis Bis zum Herbst vergehen noch em paar Monate, und es wäre gut, wenn ich gerechtfertigt dastände, ehe ich heirate. Für meine grau wäre das gut und —"
Roberta war ärgerlich über den Zeitverlust, sie erklärte Achim: „3m Herbst paßt es so schlecht mit dem Heiraten. Da nehmen mich die Erntearbeiten zu sehr in Anspruch. Du weißt, da komme ich von morgens bis abends kaum aus dem Sattel. Don frühmorgens an brummt der Motor der Mäh- Maschinen."
Er unterbrach sie: „Aber, Roberta, wenn du nach der Hochzeit dein Können auch weiter in den Dienst von Maltstein stellst, so wird es doch nicht mehr ganz in dem Maße möglich sein wie jetzt. Auch werden wir eine Hochzeitsreise machen. Du engagierst bald einen Inspektor, wenigstens eine Hilfskraft, die dich, wenn es notwendig ist, vertreten kann.
Sie war sofort damit einverstanden, tat überhmipt meist, als sei alles gut und schön, was Achim wünschte. Auch bemühte sie sich jetzt, möglichst weiblich auszusehen und zu fein. Sie trug elegante, geschmackvolle Kleider, gebrauchte ein zartes Parfum und nützte jede Gelegenheit, die Verliebte zu spielen. Aber es gelang ihr trotzdem nicht mehr, Achim so weit zu bringen wie in jener Nacht. Er war em sehr nüchterner Verlobter.
Offiziell wurde die Verlobung überhaupt nicht be- kanntgegeben. Es änderte sich auch sonst nicht viel gegen früher: nur aß Roberta jetzt mit Mutter und Sohn zusammen. v
Auguste war wenig mit der Wendung der Dinge einverstanden. Frau von Malten äußerte zu ihr, die Heirat wäre eigentlich doch sehr passend, und sie antwortete: „Ja, gnädige Frau, wenn Sie und Herr von Malten das finden, ist's ja gut. Mir hätte das Fräuleinchen mit dem lieben weichen Gesicht besser gefallen, und nach meiner Meinung ist der armen Person hier sehr unrecht geschehen. Vielleicht sehen Sie das noch einmal ein. Meistens ist's dann aber zu spät."
Frau von Malten antwortete ärgerlich: ,Zhr ist nicht unrecht geschehen. Im Gegenteil! Ich finde jetzt, mein Sohn war noch viel zu milde gegen Marlene Werner."
Aber ganz tief im Herzen dachte sie schon ein wenig anders, da empfand sie Mitleid mit Marlene. Wo mochte sie jetzt sein? Wohl noch bei ihrem Vater. Sie hatte von Achim gehört, ber es wieder von Polizeikommissar Murrmann im Städtchen wußte: Marlene Werner war damals gleich in Ber-
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Sohn und ich denn nur getan, daß wir verflucht sind? MuHte das Furchtbare auch sich gerade inner- halb unseres Besitzes ereignen! «lehen wir nicht schon abgeschnitten genug von allem Verkehr da? Muß erst der ganzen Nachbarschaft vor uns grauen? Mer die weiße Reiterin ließ sich vorher sehen. Ihr widerlich schrilles Pfeifen gellt mir noch tn den
fördern. _ . _ .
Nun erfuhr man auch, was für em Schutz Das in der Nacht gewesen war. Im Wald, nahe der Grenze, fand man die Leiche eines Zollbeamten. Er hielt in der verkrampften Rechten den abgerissenen Zipfel eines auffallend groben Taschentuches.
DiePolizei betätigte sich sofort eifrig, aber die Tage vergingen, ohne daß sie auch nur die kleinste Spur von dem Mörder entdeckte. Das Gebiet sedoch, aus > gelegen, gehörte zu Maststem.
Malten jammerte: „Was haben mein
feiner Nähe, ehe aus deiner Schwärmerei eine ernste Liebe wird. Ramon Vega ist lern Mann, der einer ernsten, großen Liebe fähig wäre. Dazu ist er viel zu sehr verwohnt. Ich habe gesehen, wie viele Briefe von Frauen er erhält, fast täglich kommen einige an. Und Geschenke erhält er, anonyme und offizielle: aber er lacht über alle. Ramon Sega ist em Mann des Augenblicks. Ein tieferes Gefühl bringt er gar nicht auf. Deshalb, Olga, ist es gut. daß du aus feiner Nähe kommst. Im übrigen hält er sich sogar ziemlich von dir fern. Froh bin ich darüber."
Olga stieß erregt hervor: „Unglücklich bin ich Darüber. In Berlin war er ganz anders; da hat er mich manchmal so angesehen, daß ich dachte, ich gefiele ihm — aber jetzt ist er immer lauwarm höflich, und ich habe ihm doch nichts getan.“
Marlene war ja auch aufgefallen, wie zurück- hastend sich Vega gegen Olga benahm, wahrend er sonst gegen jedermann die Liebenswürdigkeit selbst war, und sie wechselte das Thema, sagte lächelnd: „Wer mi^ das einmal gesagt hätte, daß ich abends in einem Gauchoanzug, mit hohen Lackstiefeln an den Füßen auf Varietät;ühnen argentinische Tangos fingen würde, den hätte ich für verrückt erklärt.“
Olga erwiderte begeistert: „Die Gauchokostüme stehen dir prachtvoll, du darfst überzeugt sein, im Publikum ist niemand, der deine argentinische Herkunft onzweifelt, wenn du auch keine kohlrabenschwarze Haare hast wie deine drei Kollegen. Es gibt sicher auch braunbaarige Argentinierinnen mit blauen Augen. Weißt du, ich freue mich immer auf den Abend, wenn ich im Publikum sitze, und 4-os quatro Argentinos" treten auf. Wenn Ramon Vega, mit der Gitarre lässig in der Rechten, sich verbeugt, sich den Stuhl zurcchtrückt und sein halb verstecktes, eigentümliches Lächeln ins Publikum schickt —“
Da war Olga glücklich wieder bei Ramon Bega angelangt. Deshalb unterbrach Marlene: „Es ift Zeit, zu gehen. Wir wollten doch ein paar Einkäufe besorgen."
Unten in der Hotelhalle trafen sie auf Ramon Vega. Er schloß sich ihnen an.
„Ich gehe ein Stückchen mit, wenn Sie gestatten — nicht weit, ich störe nicht lange.“ Er lächelte dabei fein eigentümliches Lächeln, das zu gleicher Zeit abstoßend und lockend war. Er verriet mit demselben Lächeln: „Ich habe eine Verabredung."
Olga glitt es fast gegen ihren Willen über die Lippen: „Ader keine Deradredung mit einem Herrn!“
Er nickte. „Sie haben recht, baronessa mit, mit keinem Herrn!" , , _. ,
Ihr feines Gesicht färbte sich dunkel. Die Antwort hatte ihr das Blut ins Gesicht getrieben. Wie Hohn empfand sie die Worte. . _
Sie schritten nebeneinander her, und dem Manne entging nicht der jähe Farbenwcchsel auf Olga 3a- brows Gesicht. Er sprach von der Abreise, und wie er sich auf neue Städte freue.
(Fortsetzung folgt.) _____
Mahnung.
Die Beiträge für den Monat September 1933 können noch bis zum 25. Oktober 1933 ohne Kosten bezahlt werden.
Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Kosten- berechnung evtl. 'Beitreibung.
Die Einzahlung kann täglich von 8 bis 124 Uhr, außer Samstag, an unsere Kasse oder auf unser Postscheckkonto Amt Frankfurt a. TI. Nr. 10833 erfolgen, «»gemeine Ortskrankenkasse Gießen-Stadt.
H i n k I e r, Rechner.
zur Ausfüllung der Vordrucke aufgeoraajr wird. Unterlassungen werden unnachsicht- lich bestraft werden. Zur Ausfüllung der Hauslisten wird noch bemerkt, daß in _________________
diesen auf der 1. Seite nur die Ziffer 1 1 1 1 .UlnhlUinn (Eigentümer), auf den Seiten 2 bis 4 u i't). WUlJUUuU lediglich die Spalten 1 bis 3 oder 3a auszufüllen sind. Angaben über die Jahres- rohmieten usw. sind nicht erforderlich.
Gießen, den 18. Oktober 1933._ (6417C
Lin Lied vom Glück
Vornan von Anny von panhuys.
fin über den Dolchfund vernommen worden und hatte sich genau so über alles geäußert wie hier. Daß sie den Dolch nur versteckt hätte, um Achim von Masten vor neuen Unannehmlichkeiten zu bewahren, sie habe nicht an seine Schuld geglaubt. Zwar habe sie den Gedanken anfangs auch erwogen, ihn aber sofort von sich gewiesen.
In dem Zimmer eines Hotels an der Alster tn Hamburg saßen Marlene Werner und Olga Zabrow am Fenster. Olga hatte Tränen in den Augen.
Noch drei Tage, Marlene, nur noch drei kurze Tage dann ist meine Zeit bei dir um. Ein großes Gluck war es ja, daß mir Tenor Sega überhaupt erlaubte, dich nach Hamburg zu begleiten und wah- renD des Engagements hier mit dir zufammenzu- bleiben. Mir schien es vorher, vier Wochen waren eine Ewigkeit, und nun sind sie gleich um. Nur noch brei Tage gehören uns beiden hier, dann reift du nach Amsterdam, und ich gehe zu deinem Vater, der mich in Wirklichkeit gar nicht braucht, dem ich eher eine Last bedeute. Aber ihr beide, du und er, ihr seid gut, und ich bilde mich bei euch gründlich zur Schmarotzerin aus." Sie warf den Kopf zurück. „Aber ich will mich gleich um eine Stellung be- mühen. Lange werde ich deinem Dater nicht zur Last fallen."
Marlene lächelte: „Dater ist ganz froh, Gesellschaft zu haben. Sein Magenleiden quält ihn oft, und ein bißchen Pflege wird ihm gut tun. Im übrigen wirst du, wenn du abwarten kannst, auch eine gute Stellung finden."
Olga fuhr mit dem Taschentuch über die Augen.
,^ch bin eine Heulsuse und hatte doch allen Grund, froh zu fein, daß ich einen Hast an dir und deinem Vater gefunden habe. Aber du wirst oft von unter- wegs schreiben — nicht wahr, Marlene? Wenigstens Karten schicken! Und bitte, noch eins: Verschaffe mir ein Photo von Ramon Sega, Fräulein Großauge!"
Marlene legte der Freundin die Hand auf den Arm. ~ .
„Bitte ihn doch selbst darum, Olga! Er ist ja ge- wöhnt, um fein Bild gebeten zu werden."
Olga seufzte: „Ja, die Weibsleute sind gräßlich hinter ihm her." Nachdenklich fuhr sie fort: „Ich oer- stehe das ja auch. Herrgott, wenn er singt, dann weiß man vor Atemlosigkeit und Herzklopfen ja gar nicht mehr, wo man überhaupt ist. Ich habe früher, als meine Eltern noch lebten und reich waren, als blutjunges Ding, die größten Sänger der West in der Oper gehört. Alle, alle können sie mir gestohlen bleiben, seit ich Ramon Vega hörte. Er singt kaum, und ich weih nicht, ob ihm nicht jeder Gesangsmeister erklären würde, er besäße überhaupt keine Stimme, und doch reißt er mehr hin, als so 'n Ritter vom hohen C."
Marlene schüttelte den Kopf.
Du bist eine förmlich fanatische Verehrerin von Ramon Vega und läßt ihn das auch deutlich merken. Ehrlich gesagt, Olga, so schwer es mir wird, mich von dir zu trennen: es ist doch gut, du kommst aus
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