Ausgabe 
18.10.1933 Erstes Blatt
 
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Die goldene Harfe."

Hauptmann-Uraufführung in München.

Die Münchner Äammer|picle im Schauspielhaus haben, wie bereits kurz berichtet wurde, zum Ab- schluß desTages der deutschen Kunst" das fünf- ottiae SchauspielDie goldene Harfe" von Gerhart Hauptmann in der Inszenierung von Otto Falckenberg mit langandauerndem großen Beifall uraufgeführt. Der anwesende Dichter konnte die Huldigungen eines glänzenden Parketts ent­gegennehmen. Man sah den früheren Zaren Fer­dinand von Bulgarien, den bayerischen Staat».Minister E s s e r, Hanns 2 ohst, Richard Billinger und viele andere Vertreter der Lite­ratur, die gute Münchner Gesellschaft: ein großer Theaterabend!

Da» neue Werk Hauptmanns ist unstreitig eine starke Dichtung, und nur ein so großer dramatischer Könner durste es wagen, einen Stoff von so zarter, gefühlsbetonter Prägung auf die Bretter zu bringen. Das Stück spielt einige Jahre nach den Freiheitskriegen auf dem Schlosse eines Reichs­grafen, inmitten der gepflegten Atmosphäre der Romantik. Die Komtesse Juliane hat ihren Bruder in den Freiheitskriegen verloren: er starb den Heldentod, da sie noch ein zwölfjähriges Kind war, und der Verlust des heißgeliebten Bruders lieh sie die Welt fliehen und Zuflucht suchen bei ihrer goldenen Harfe Da kehren die beiden Grafen Saltern, die damals mit ihrem Bruder in den Krieg gewgen waren, nach Jahren und am Ende einer Reife um die Welt, wieder im Schlosse des Orafen ein, vorn Schicksal hergezogen, ein unzer­trennliches Zwillingspaar. Beide bejahen das Leben, und es gelingt ihnen, die Komtesse aus Trauer und Schwermut heraus^ureißen. Da entdecken beide ihre Liebe zu Juliane. Alexis, der Stärkere, räumt vor Güntber, dem schwächeren, das Feld, obwohl er sich von Juliane geliebt weiß-, Gunther wird seinem Bruder zum ersten Male im Leben untreu, besessen von seinem Verlangen nach Juliane: da kehrt Alexis, von Zweifeln und Qualen gepeinigt, unver­hofft zurück, Julianes Herz fliegt ihm zu, und Günther verkriecht sich in seinem Schmerz in der einsamen Jagdhütte Treueste Bruderliebe droht in Haß und unerbittliche Feindschaft umzuschlagen. Da bestimmt Alexis Günther, mit ihm zufammen vor Juliane zu treten und sie zu zwingen, ihre Wahl zwischen den Brüdern zu treffen, vergebens sträubt sich Juliane dagegen, Schicksal zu spielen, unb in ihrer Seelennot wählt sie Günther, den

Schwächeren der Beiden, wähnend, daß Alexis das unendliche Opfer eher zu tragen vermag, obwohl er ihrem Herzen nähersteht. Diese Größe Julianens reißt Günther hoch zu einer heldischen Tat, die größer ist als er: er will hinter Julianens und Alexis' Opferbereitschaft nicht zurückstehen und wählt den Tod, auf daß die beiden, die zueinandergehören, Zusammenkommen können. Die Subtilität des Ge­schehens erinnert an Maeterlinck: die Gepflegtheit der Atmosphäre birgt hohen Reiz in sich. Gerhart Hauptmann ist es gelungen, die romantische Epik dieses Stoffes dramatisch lebendig zu gestalten.

In Dtto_ Falckenberg und seinen Darstellern fand er Könner von großem Einfühlungsvermögen, denen es gelang, feine Ideen zu verwirklichen. Allen voran fei Kaethe Gold genannt, die die schwierige Rolle der Juliane mit ihren wechselnden Gefühls» äußerungen in jedem Augenblick glaubhaft zu ge­stalten wußte. Die Zwillingsgrafen spielten Oskar Dimroth und Eberhard Keindorff edel und voller Temperament; Will Dohm war ein Musi­kus von Fleisch und Blut, ein ganzer Mann. Den Grasen spielte Fritz R e i f s mit adeliger Würde, die Gräfin Hanna Ralph sehr hübsch, ganz Dame der Romantik; Kaethe Wolf soielte anmutig die oer- traute Freundin der Komtesse. Die Bühnenmusik, Die die einzelnen Szenen verband, und eine nicht unwesentliche Rolle in diesem Stücke spielt, hat Hermann Zilcher mit bekannter Meisterschaft komponiert; sie wurde unter der Leitung von Bern- Hard Eichhorn vollendet vom Jost R a b a - Quartett zum Vortrag gebracht. Die Bühnenbilder und Kostüme hatte Eduard Sturm entworfen. Sie waren sehr schön. Qr ß

Hauotmann» neues Schauspiel, das auf Wunsch des Reichskanzler» amTage der Deutschen Kunst" in München zur Uraufführung gelangte liegt im Buch noch nicht vor. Einer Bitte der Presse entsprechend, empfing der Dichter in den Räumen der Landesstelle Bayern de» Reichsministeriums für Propaganda und Volksaufklärung, die die Vermitt­lung übernommen hatte, die Ähaufpielreferenten der Münchener und auswärtigen Presse, um ihnen einige Angaben über sein neues Werk zu machen. Hauptmann erklärte dabei:Das Stück, das jetzt uraufgeführt wird, rumort schon sechs bis sieben Jahre in meinem Jtbpfc. vor einigen Jahren habe ich Helene T h i m l g* diesen Stoff erzählt, da er mich ständig beschäftigte. Die Rolle schien ihr sehr geeignet, und sie hatte den Wunsch, daß ich da»

vom Deutschen Theater hi Berlin.

Stück gleich in Angriff nehmen sollte. Aber das kann man bekanntlich nicht ohne weiteres. Man muß die Zeit abwarten, denn schließlich beruht Dichtung nicht auf einemMachen", sondern auf einem Wachstum, und dieses Wachstum hat sich jetzt an diesem Stück vollzogen. Es ist ein äußerst bescheidenes Stück. Es handelt sich um verhältnis­mäßig stille Naturen. Es ift ein wirkliches Kam­merspiel. Ich habe heute ein Stück von einer Probe gesehen, und ich freue mich, daß das Schauspiel bei diesem Theater und bei diesen Schauspielern gelandet ist. Das Stück spielt in einer vergangenen Epoche, die stark von Romantik durchtränkt ist. Es paßt aber immerhin in die neue Zeit, in der wir leben, denn es gibt laute und ruhige Augenblicke in jedem Menschenleben. Es handelt sich hier um ein Beispiel stiller Größe und stillen Heroismus."

Arabella* in der Frankfurter Oper.

Nach der vor kurzem erst erfolgten Dresdener Uraufführung und Oer Berliner Erstaufführung brachte das Frankfurter Opernhaus als drittes deut­sches Theater die neue OperArabella" von Richard Strauß heraus. Hugo von Hof- m a n n s t h a I, der so früh verstorbene Textdichter Richard Strauß', nannte das Werk eine lyrische Komödie, die, in derguten alten Zeit", in dem Wien des Jahres 1870 spielend, auf verschlungenen Pfaden zwei Liebesgeschichten zum glücklichen Ende führt. Richard Strauß hat dazu eine Musik ge­schrieben, die mit zu dem Besten gehört, was der Meister uns bisher geschenkt hat. Wohl klingen in der Partitur gewisse Töne aus demRosenkaoalier" wieder an, doch hört man auch Sätze, die ein ganz neues Bild von Richard Strauß geben Als vollen­deter Beherrscher des großen Orchesters, als der große Techniker der Symphonie hat der Wiener Meister auch in dieser neuen Oper wieder alle Mög­lichkeiten des Buches ausgeschöpft und die lyrischen Stellen teilweise mit so zarten Melodien ausgesullt, wie wir sie bei ihm bisher nur in seinen besten Liedern kannten. Strauß hat in der Abgeklärtheit seiner siebzig Jahre ein Werk geschaffen, das mit feiner zarten Lyrik, seinem stillen Humor und seiner Wiener Ballfrohlichkeit eine starke Bereicherung für die deutsche Opernliteratur darstellt.

Die Aufführung im Frankfurter Opernhaus gab Zeugnis von liebevollster Vorbereitung. Regie, Bühnenbilder, Orchester und Darstellung bildeten ein homogenes Ganzes, an dem kaum etwas zu tadeln war. Die Titelrolle lang Elia K m e n t ganz ausgezeichnet; sie war auch im Spiel voll auf der

Die Lügen des Braunbuches im Brandstisterprozeß.

Keine Beweise für die Anwesenheit von SA un Reichstag. Lim das Alibi Torglers zur Zeit der Brandstiftung.

ren Mäßigung weder ein Verhandeln, noch einen Verzicht zulafien. In diesem Geiste wird die fran­zösische Regierung fortfahren, die großen Inter» essen, die Frankreich und dem Frieden gemeinsam sind, weiter zu verteidigen. Am 26. Oktober wird Frankreich im Völkerbund zur Stelle sein. Sofort nach Beendigung der Finanzaussprache wird eine ernste und tiefgehende Aussprache beginnen kön­nen, die der Bedeutung dieses weitgehenden Pro­blems gerecht wird. Heute beschränke ich mich dar­auf, mich gegen die Gerüchte der Panik und der eigennützigen Propaganda zu wenden, Frankreich hat seit Ende des Krieges keine größeren Freund­schaften um sich gesehen. Seine klare und ehrliche Haltung, fein Wille zu einem wirklichen und festen Frieden, der wirksam garantiert ist, haben ihm rührende Zeugnisse des Vertrauens und der Zu­stimmung von dem allgemeinen Gewissen eingetra­gen. Frankreich ist entschlossen, ein Beispiel der Ruhe und der Kaltblütigkeit mit um so größerer Entschlossenheit zu geben, als es weiß, daß es in der Lage ist, die Verteidigung seines Gebietes und seiner Freiheiten zu sichern.

Die Kammer vertagte sich sodann auf Donners­tag, um dem Finanzausschuß für die Beratung der Regierungsvorlage Zeit zu geben.

Oie (Sanierung der Gtaatsfinanzen.

Pari», 17. Oft. (ERB.) Einzelheiten über das Sanierungsgesetz, das die Regierung Daladier dem Haushaltsplan 1934 zugrundezulegen gedenkt, sind von maßgebender Seite noch nicht bekanntgegeben worden. Es scheinen auch gewisse Meinungsver- schiedenheiten zwischen dem Budgetminister L a moureux und dem Ministerpräsidenten über die Frage der Ausgleichung des Defizits jju bestehen. Während Daladier der Ansicht zuzuneigen scheint, daß für einen Teil des Defizits lediglich d i e Schuldentilgung ausgesetzt und die grundlegende Reform bis zur Wiederkehr einer besseren Wirtschaftslage verschoben werden soll, möchte Lamoureux offenbar den ganzen Aus­fall durch Ersparnisse decken. Von sechs Milliarden Franks, um die es sich hierbei handelt, sollen etwa 1,6 Milliarden durch Kürzungen der Beamtengehälter, der Pensionen und der Aufwendungen für Front­kämpfer aufgebracht werden. Diese Einschrän­kung der persönlichen Ausgaben im Staatshaus­halt, die feit Beginn der Weltwirtschaftskrise in Frankreich lebhaft erörtert wird, könnte u. U. eine Gefahr für d i e Regierung werden. Die Republikanische Aktion hat bereits beschlossen, g e g e n das Regierungswerk zu stimmen, und auch der Abgeordnete Löon Blum (Sozialist) hat in einer Unterredung mit dem Ministerpräsidenten keine Verpflichtung übernehmen wollen, für die Regie- rung zu stimmen. Die Taktik der Regierung läuft nun darauf hinaus, das ganze Sanierungsgefctz Im Dringlichkeitsverfahren zu erledigen, wofür eine Zweidrittelmehrheit ihre Ein­willigung gegeben hat. Damit ist zunächst nur die Pro- xebur festgestellt, ohne daß das Ergebnis der fach, liehen Beratungen vorweggenommen wäre. Aber auch hier kann die Regierung damit rechnen, daß trotz der Widerstände aus Beamtenkreisen die all­gemeine, aus der Wirtschaftslage sich ergebende Stimmung ihren Plänen günstig ist.

Oie estnische Regierung zurückgetreten.

Reval, 17. Oft. (TU.) Rach dem Abstimmungs­sieg der faschistischen Freiheitskämpfer ift Die estnische Regierung Tonnisson, die in den letzten Monaten mit Hilfe der Sozialdemofratie ein diktatorisches Regiment führte, zurückgetreten. E» wird angenommen, daß die neue Regierung unter Mitwirfung oder jedenfalls unter wohl­wollender Duldung der Freiheitskämpfer zustande- kommt. Wenn die Freiheitskämpfer, die im jetzigen Parlament nicht vertreten find, eine solche Mit­wirkung ablehnen, wird wohl ein Fachkabi» nett a l s Uebergangsregierung bis zum Inkrafttreten der neuen Verfassung und bis zu den Neuwahlen, die im Mai 1934 ftattfinben, gebildet werden.

Berlin, 17. Oft. (WTB.) Zu Beginn der heuti­gen Sitzung nimmt der Oberreichsanwalt zu- nächst Stellung zu den Leweisanträgen des Rechts- anwalts Dr. Tc, chert für die bulgarischen Ange­klagten. soweit Zeugen vernommen werden sollen darüber, daß sie geglaubt haben, Dimi troff ge­sehen zu haben, tatsächlich aber einem Irrtum erlegen sind, beantragte er Ablehnung, denn das fönnte ohne weiteres als richtig unterstellt werden Dagegen soll der Kinooperateur Heinrich als Alibizeuge für Popoff und Taneff vernommen werden, ebenso Frau Gertrud Baum­gart, die Popoff und Taneff im Kino gesehen habe. Im übrigen wird der endgültige Beschluß des Se­nats über die Beweisanträge morgen verfündct werden.

Der Zeuge Postschaffner Otto, der damals d i e Brieffastenleerung im Reichstag be­sorgte, schildert dann seine Beobachtungen bei der 21-Uhr-Ceerung. Er sei furz vor 20.45 Uhr zum Por­tal 5 gefommen, wo der Pförtner ihm gesagt habe, daß niemand mehr anwesend sei, nachdem auch Torgler das Haus verlassen habe. Der Zeuge ist bann durch die Wandelhalle zum Portal 2 gegangen und hat die verschiedenen Kasten im Reichstag ge­leert. Er hat weder Geräusche noch Gerüche wahr- genommen, es war oollfommen dunkel. Wenn er sich recht erinnere, habe mindestens der eine Flügel Der großen Glastür zum Plenarsaal offengestanden.

Der Amtsgehilfe Wochöck, Pförtner des Por­tales 2 erklärt auf eine Frage des Oberreichsanwalts, ob es möglich fei, daß Abgeordnete, die in der Loge telephonierten, sich an dem Schlüssel zu schaffen machten, das wäre möglich, denn um vertrauens­volle Abgeordnete hätte er sich nicht besonders ge­kümmert, d. h. sie beobachtet.

Der Amtsgehilfe k o h 1», der feit etwa 20 Jahren an der Garderobe beim Portal 2 des Reichstags tätig ist, sagt au», am 27. Jebruar, etwa zehn Minuten vor 20 Uhr habe noch die Garde- tobe de» Abgeordneten Torgler am Riegel gehangen. Er habe anrufen wol­len, ob die Garderobe nicht hinaufgeschafst wer­den könnte. Zweimal habe er auf Rümmer 321 im Zimmer 9a angerufen. Ls habe sich nie- wand gemeldet, und auch da» Besetzt­zeichen sei nicht gekommen. Dann habe er zwei­mal über Nummer 322 im Zimmer 9b an­gerufen. Auch dort habe sich niemand ge­meldet. Als er nach dem zweiten vergeblichen Anruf den Hörer noch in der Hand hatte, habe berJlebenapparatinber(Barberobe geklingelt, und der Fahrstuhlführer Düster- Höft habe ihm gesagt:Eben wird angerufen, wir möchten bie Zachen des Abgeord­neten Torgler nach oben bringen. Lima 3 Minuten nach 20 Uhr seien Düsterhöft und er (Kohls) nach Hause gegangen.

Er sei um 20.45 Uhr nach Hause gekommen und habe sich um 21.30 Uhr ins Bett gelegt. Gleich-noch 22 Uhr habe sein Nachbar geklingelt und mitgeteilt, der Reichstag brenne. Er sei dann sofort mit der Straßenbahn zum Reichstag gefahren. Ein Polizeibeamter wollte ihn nicht in das Gebäude lassen und sagte, Minister Göring sei gerade drin, worauf er erwiderte, daß er geradezu Göring wolle. Er sei dann ans Portal 2 gebracht wor­den und sei später zusammen mit dem Minister- Präsidenten Goring, der ja gleichzeitig auch Reichs- tagspräsident war, im Auto nach dem Mini- sterium Unter den Linden gefahren und dort vernommen worden. Wenn er nicht irre, sei es Dalucge gewesen, der ihn zu Pro- tokoll vernommen habe. Der Oberreichsanwalt be­merkt dazu, daß Daluege damals Chef der Kriminalpolizei war. Der Zeuge sei also von der Kriminalpolizei vernommen worden wie jeder andere.

Der Angeklagte D i m i t r o f f fragt u. a., welcher Partei Der Zeuge an gehört.

Kohls erwidert: Ich habe noch nie einer Partei angehört, Herr Dimitroff, wenn Sie es genau wis­sen wollen.

Auf eine weitere Frage Dimitroffs, ob Der Zeuge mit dem Ministerpräsidenten Göring noch einmal zusammengekommen sei, erklärt Kohls, in Sachen Der DranDangelegenheit nicht.

Obermaschinenmeister M u tz k a erklärt, daß der unterirdische Gang nicht vom Reichstag zum Präsidentenpalais führe, sondern vom Reichstage zum Maschinenhaus. Der Gang habe später eine Abzweigung zu dem später erbauten Präsidenten-

haus erhalten, um auch dieses Haus mit Heizung zu versorgen. Wenn das Maschinenhaus in Betrieb sei, seien beide Türen geöffnet. Die Frage des Vor- sitzenden, ob er am 27. Februar etwas Auffälliges in dem Gang bemerkt habe, wird vom Zeugen oer- ne int. Auf weitere Fragen erklärt Mutzka, es fei einmal vorgekammen, daß ein Schlüssel zum Gang verloren ging und auch verschwunden blieb. Dieser Vorgang liege aber sehr weit zurück. Auf eine ent­sprechende Frage des Vorsitzenden erklärt der Zeuge weiter, es sei ihm nicht bekannt, daß im Prä- sidentenhaus eine SS.- oder S A. - W a ch e gewesen sei. Er wisse auch nicht, ob Ministerpräsi- dent Göring damals im Präsidentenpalais gewohnt habe.

Reichstagspräsident Göring nnd Reichsminister Goebbels als Zeugen geladen

Oberreichsanwall Dr. Werner betont dann, im Braunbuch werde ohne jeglichen versuch des Beweises die Behauptung aufgeftellt, daß durch den unterirdischen Gang unter Führung des Polizeipräsidenten Heines (Breslau), des Oberleutnants Schulz und des Polizeipräsi- denlen Graf Helldorf (potsbam) 5 21.- Abteilungen in den Reichstag ein- gebrungen seien und dort den Brand gelegt haben. Für jeden einzelnen der aus­gesuchten $A.- und $$.-Führer sei die $telle genau bezeichnet worden, wo er einzusehen hatte. Am Tage vorher sei die General­probe abgehalten worden, van der £ u b b e sei als Fünfter oder Sechster milge­gangen. Als der Beobachtungsposien im Reichs­tage meldete, daß die Luft rein sei, begaben sich die Brandstifter an die Arbeit, die Brandlegung war in wenigen Minuten vollendet und sie gingen den gleichen Weg, den sie gekommen waren, nach getaner Arbeit zurück, von der Lübbe blieb allein im Reichstagsgebäude zu­rück. jch beantrage, fuhr der Oberreichsan­watt fort, als Zeugen den Polizeipräsidenten Heines (Breslau), den Oberleutnant Schulz und den Polizeipräsidenten Graf Helldorf (Potsdam) dafür zu laben, bah sie mit blefer Sache nicht

bas geringste zu tun hoben, jch beantrage wei­ter. als Zeugen ben preußischen Ministerpräsi- deuten Göring und ben Reichsminister Dr. Goeb­bels zu laben. Jn bem Braunbudj wirb bat Unerhörte behauptet, ohne auch nur zu oer- suchen, einen Beweis zu führen, bah Minister Goebbels als inbirefter Urheber unb ber preu- hifche Ministerpräsident Göring ebenfalls als Urheber des Planes gegolten haben. Ls ist eine Pflicht, wenn solche unerhörten unb unbewie­senen flerbädftigungen in die wett gesetzt wer­ben, bah bann auch diesen Herren die Mög­lichkeit gegeben wird, sich über alle in diesem Zusammenhang stehenden Vorgänge zu äußern, insbesondere auch über bie bamalige politische Loge unb bie baburd) notwendig gewordenen Maßnahmen vor Gericht unter Lid auszusagen. Rach kurzer Besprechung mit den übrigen Senafsmitgliebcrn verkündet der Vorsitzende den Senaksbeschluh, den Beweisanträgen des Odereichsanwaltes stattzugeben. Die Verneh­mung der Zeugen Heines, Schul, unb Graf hellborf soll bereits am Freitag erfolgen. Mi- nlfterpräfibenl Göring unb Reichsminister Dr. Goebbels sollen vernommen werden, wenn bas Gericht mit ben politischen (Erörterungen be­ginnt.

Wichtige Beschlüsse des Reichskabinetts.

Aenberung des Bankgesetzes. Einzelhanbelssperre verlängert. Aufbau des Handwerks.Kreditgarantie für Kleingewerbetreibende.

Berlin, 17. Okt. (TU.) Das Reichskabinett ver­abschiedete in seiner heutigen Sitzung em Gesetz über Die AenDerung de» Bankaesctzes vöm 30. August 1924. Danach soll Die Leitung Der Reichsbank statt bisher vom Generalrat in Zu­kunft vom Reichspräsidenten ernannt wer- Den. Die auf den Daroesplan zurückgehende Insti­tution Des ©eneralrats der Reichsbank wird beseitigt. Die Reichsbank erhält weiter Die Be­fugnis, festverzinsliche Wertpapiere zur Regulierung des Geldmarktes zu kaufen und zu verkaufen, um dadurch nach Möglichkeit auch auf Dem Gebiete des Kapitalmarktes regulie­rend und fördernd eingreifen zu können. Sie soll die gekauften Wertpapiere und in gleicher Weise auch die ßombarbforDerungen al »bankmäßige Notendeckung verwenden Dürfen. Ferner sollen die Vorschriften über eine mechanische Erhöhung Des Diskontsatzes in Serbin-

Dung mit einer Noten st euer beseitigt wer- den, da sie sich in Der praktischen Erfahrung Der letzten Jahre als unburchr'ührbar erwiesen haben. Die Reichsbank wird weiterhin ermächtigt, eine AbschlagsDioidenDe zu zahlen, bie üblicher­weise am 1. Oktober eines jeden Jahres gezahlt wer- Den soll, damit die Reichsbankanteile wieder zu einem bevorzugten Anlagepapier des Sparers werden. Die Verkündung Des Gesetzes wirb nicht vor Dem 28. d. M. erfolgen.

Weiterhin genehmigte das Kabinett eine 21 e n Derung des Gesetzes zum Schutze des Einzelhandels vom 12. Mai 1933, das ein allgemeines Verbot Der Errichtung neuer Verkaufsstellen Des Einzelhandels für Die Zeit bis zum 1. November 1933 vorsah. Durch die heute beschlossene AenDerung wird die Sperre bis zum 1. Juli 1934 verlängert

Das Reichskabinett verabschiedete sodann ein Ge-

Höhe. Den gradsinnigen, ehrlichen Naturmenschen Mandryka traf Jean Stern sehr echt; auch der Matteo lag bei Torsten Ralf in guten Händen. Emmy H a i n m ü 11 e r fühlte sich in ihrer Hosen­rolle als Schwester Arabellas recht wohl, und Clara Ebers schmetterte die Koloraturen Der historischen Fiakermilli mit Bravour in Den Trubel des Fiaker­balles. Emil Staudenmeyer und Frau Elfe K e n t n e r - F i f ch e r erfüllten ihre Aufgabe als finanziell bedrängtes Elternpaar vorzüglich. Bertil Wetzeisberger führte den Stab. Der reiche Bei- fall, den das ausgezeichnet besetzte Haus nach jedem Aktschluß spendete, galt nicht zuletzt auch ihm. fr.

Grundsätzliche Neuordnung des Habilitationsverfahrens.

Berlin, 17. Okt. (TU.) Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Ruft, hat angeordnet, daß bas Hodilitationsver- fahren grundsätzlich neu geregelt wird. Zur Genehmigung einer Habilitation genügt in Zukunft nicht mehr der Nachweis wissenschaft­licher Leistungen bei Der Fakultät. Der Habilitant muß vielmehr auch in einem Geländesport­oder Arbeitslager mehrere Monate gedient und muß an einer Dozenten-Akademie einen länge­ren Schulungskursus durchgemacht haben. Für das Wintersemester treten eine Reihe von Üedergangsmaßnahmen in Kraft.

Für die Neugestaltung der Hochschulen ist bie Er­ziehung des akademischen Nachwuchses von entschei­dender Bedeutung. Die Entscheidung darüber, ob jemand geeignet ist, Hochschuldozent zu werden, lag bisher einzig und allein bei Den Fakultäten. Es wurden gute Fachgelehrte ausgewählt, und die allgemeine Qualifikation blieb dem Zufall über­lassen. Wenn die Universitäten roirflid) umgestaltet werden sollten, mußte hier bei der Auswahl Der roeröenDen Dozenten grundsätzlich Wandel geschaffen werden. Das Zeugnis aus Dem Arbeitsdienst wird für die Zulassung der Habilitation wesentlich fein. Er durchläuft Dann weiter eine Dozenten-AkaDemie, in der. in regelmäßigen Kursen die Habilitanten aller Fakultäten zusammengesaht werden. In einer strengen Lebensgemeinschaft soll hier auch allgemein wissenschaftlich gearbeitet werden und so die Beziehungen zwilchen den Fakultäten wieder enger werden. Aus Grund fachwissenschaft- kicher Bewährung wird niemand mehr Dozent wer« Den können.