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18.10.1933 Erstes Blatt
 
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Hr. 244 Erstes Blatt

185. Zahrgang

Mittwoch, 18. Moder 1933

Erschein» «agttch,autzo Sonntays anb Feiertag» Beilagen; Dte Illustrierte (Lietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monal»-Vezvgspret».

Mit 4Beilagen NM 1.9b Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr . -25 Auch bei Nichterschemen von emzelnen Nummern infolge höherer Gewalt ßernlprechanschlüste

unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Siesten.

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vrnck vnd Verlag: vrühl'lche UMversttSt§-Vuch- und Ztetndruckeret R. Lange in Gießen. Schristlettung und GeschSstrstelle: Zchulfttaße 7.

Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr.

Chefredakteur-.

Dr. Friedr. Wilh. Gange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An­zeigenteil L D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

Musterwaffen" verstehe. Als endlich die deutsche I in keiner Weise politisch an irgend- Forderung formell wiederholt worden sei, sei, seine europäische Wacht gebunden sind.

wir hätten damit begonnen, uns erörterten, ob wir nicht

bafj wir unter ein System

den europäischen Haupt st ädten stattfin- den. wir wünschen n i ch t. an diesen Besprechungen aktiv teilzunehmen, da ihre Doraussehungen rein politisch sind. Die im Mai d. 3. vom Prä- sidenten Roosevelt in seiner Botschaft an die Staats­oberhäupter ausgestellten Grundsätze bleiben für die Politik der vereinigten Staaten maßgebend.

Heute abend wird die große CRebe des Reichskanzlers imRundfunkwiederholt

B e r l i n. 17. Ott (OB.) Aus dem ganzen Reich ergeht immerfort an den Rundfunk die Bitte, d i e groheRededesReichskanzlerszuwic- derholen. Um diesen Wünschen gerecht zu wer­den. wird der Deutschlandsender diese Rede noch einmal von Wachsplatten senden, und zwar Mitl- wochgegen2 2.10 Uhr im Anschluss an den Jladj- richtendienst.

Jede Uebereinstimmung der Meinungen, die etwa bestanden hat. hat sich a l l e i n a u s d i e 3 t a g e der Weltabrüstung bezogen. Ob die Umstände für die Fortsetzung der gegenwärtigen Abrüstungs­bemühungen günstig sind oder nicht ist eine Frage, die von Europa und nicht von den Vereinigten Staaten beantwortet werden muh. 3m Laufe dieser Woche werden Besprechungen zwischen

worüber nicht der geringste Zweifel bestehen könne, die Forderung auf et ne sofortige

Die Hintergründe der Simon-Rede.

Ein unbequemer Rundfunkreporter.Oie presse nicht restlos befriedigt.

Simon und Daladier zur neuen Lage.

England wünscht wieder zu Verhandlungen zu kommen.Oie deutsche Forderung nach Gleichberechtigung als zu Recht bestehend anerkannt.-Gewundene Begründungen für das Ausbleiben der praktischen Verwirklichung.

Frankreichs Antwort.

Daladier vor der Kammer. - Kein Verlassen der allen Äleise.

der internationalen lleberwachung einsehen und mit dem Umbau der festländi­schen Heere beginnen sollten, worüber man sich bereits positiv rasch geeinigt gehabt habe. Bei der Erörterung dieses Planes habe Deutschland vollkommen berechtigt die Bedingung gestellt, dah die Abrüslungsbeslimmungen für das zweite Stadium vollständig in dem vertrag mit allen Einzelheiten niedergelegl und die Ueberwachung a u f alle Länder angewandt werden solle. Wit allem diesem sei er vollkommen e i n v er­st a n d e n. Er sei überzeugt gewesen, dah bei den Erörterungen ine viel gröhere Annäherung als jemals zuvor erreicht worden sei.

Er habe das dem Büro der Abrüstungskonferenz am Samstag in Worten dargelegt, die keine gerecht gesinnte Person als herausfordernd betrachten könnte. Er habe es sehr bedauert, daß Freiherr von Neurath nicht anwesend gewesen sei. Er wolle keinen Augenblick behaupten, daß eine Ver­einbarung schon erreicht gewesen wäre. Er müsse aber betonen, dah die voraussichtlich schwierige Frage nicht der Vorschlag der aufeinanderfolgenden Zeitabschnitte, sondern die Frage war, ob Deutsch­land ab sofort sogenannte TI u ft e r der i h m dis setzt verbotenen Waffen haben sollte. Er habe die deutsche Regierung um genaue Infor­mationen gebeten, was sie unter dem Begriff

Wiederaufrüstung erhoben worden, an­statt darzulegen, was unterMusterwaffen" gemeint sei. Er bedauere sehr, dah von Neurath ihn beschul­digt habe, die Tatsachen unrichtig darge- st e l l t zu haben. Er sei durchaus bereit, die dies­bezüglichen Schriftstücke und Aufzeichnungen zu veröffentlichen.

Es werde jetzt gesagt, daß die deutsche Regierung erst beschloß, aus der Abrüstungskonferenz auszu­treten wegen seiner, Simons, Erklärung vor dem Büro der Abrüstungskonferenz. Der Vertreter ber Vereinigten Staaten, der unmittelbar nach ihm ge­sprochen habe, habe nicht nur seine Darstellung der Unterredung bestätigt, sondern auch gebilligt und unterstützt. Wenn der deutsche Außenminister ihn, Simon, beschuldige, eine unwahre Erklärung über den deutschen Außenminister verbreitet zu haben, so sei er verpflichtet, seinen Landsleuten zu sagen, daß seine, Simons, Erklärung vollkommen und unbedingt richtig sei.

Das Ziel dec britischen Regierung ist es nicht, so erklärte der britische Staatssekretär zum Schluß, ärgerliche Gefühle zu entfachen. Wir haben versucht, und wir werden versuchen, dieZusammenardeit zwischenallen von gutem Willen beseelten Ratio­nen zu fördern und sie dazu einzuladen. 3d) spreche die Ansicht der englischen Regierung als ganzes aus. wenn ich sage, dah in Zukunft nichts ungetan bleiben soll, wie auch nach meiner Ansicht bei diesen neuerlichen Verhand­lungen nichts ungetan geblieben war, um bie Grundlage für einen ehrlichen und ehrenhaften Abschluß zu finden, auf dem die Hoffnungen der Menschheit für den zukünftigen Weltfrieden in so großem wahe begründet sind."

Berliner Bemerkungen.

Die deutsche Auffassung konnte von Simon nicht widerlegt werden.

Berlin, 17. Oft. (WTB.) In Berliner politi­schen Kreisen wird zu der Rundfunkrede von Sir John Simon folgendes bemerkt:

Wenn Sir John Simon behauptet, seine große Rede vom Samstag sei nicht der Anlaß für das überraschende Vorgehen Deutschlands gewesen, sei hier richtig zu stellen, daß sowohl der Reichsminister des Auswärtigen, wie auch Botschafter Nadolny schon vorher bei ihren Unterhaltungen mit ihm diese seine am Samstag entwickelten Thesen a l s f ü r Deutschland unannehmbar be­zeichneten, er also, wenn er sie öffentlich a l s d i e englische These hinstellte, bereits wissen mußte, daß sie für die Reichsregierung nicht tragbar waren. Ferner ist die Interpretation, die Freiherr v. Neurath gestern von der Genfer Rede Sir John Simons gegeben hat, von diefem heute nicht de st ritten oder gar wider­legt worden. Sie ist also auch von ihm dadurch als richtig anerkannt worden, wenn er auch eine Bemerkung über die Form dieser Fest­stellungen in seiner Rundfunkrede gemacht hat.

Wenn schließlich der englische Außenminister die deutsche Beschuldigung: London habe Washing­ton über den deutschen Standpunkt falsch unterrichtet, zurückzuweisen versucht, so ist dieser Zurückweisung gegenüber auf folgendes hinzuweisen: Nach der Orientierung Washingtons durch London ist aus der amerikanischen Hauptstadt die überraschende und auffallende Nachricht ver­breitet worden, die Vereinigten Staaten seien d i e Garanten der Versailler Abrüstungs­bestimmungen, deshalb würden sie a u ch deren Einhaltung gegebenenfalls erzwingen. Wenn nun aber heute in Wafhmg- ton klar und deutlich von dieser Stellungnahme ab gerückt wird und die Dinge richtiggestellt werden, so beweist dies doch wohl schlüssig, daß Washington seinerzeit unrichtige Nachrich­ten über die deutsche Haltung aus London erhal­ten haben muß.

Amerika hat freie Hand.

Ausschließlich an der Abrüstungsfrage interessiert.

Genf. 17.Ott. (WTB.) Aus Grund der gestern aus Washington eingetrosfenen Instruktionen hat der amerikanische hauptdelegierte Norman Davis fol­gende offizielle Erklärung veröffentlicht:

wir sind in Genf einzig und allein zu Abrüstungszwecken. Solange eine Möglich­keit besteht, die Verhandlungen über die Abrüstung erfolgreich fortzusehen, werden wir gern dazu beitragen. Wir sind jedoch nicht an dempoli- tischen Element oder an irgendeiner | rein europäischen Seite des Pröble ms ^interessiert. wir stellen nochmals fest, dahwir

London, 18. Ott. (WTB. - Funkspruch.) Die ?Zresse zeigt wenig Neigung, sich mit dem Streit- all zu befassen, ob Sir John Simons Erklärung die Anschuldigung des deutschen Staatsmannes er­folgreich widerlegt hat.Daily Mail" schreibt, der Zuyörer erwartete, daß Sir John Simon erklären werde, warum die vierjährige Probe­zeit erweitert worden ist. Aber hierüber äußerte er sich n i ch t. Das war die einzige, sehr bemerkenswerte Lücke in seiner Erklärung.

News Chronicle" bestätigt die Vermutung poli­tischer Kreise, daß die erste im letzten Augenblick arrangierte Rundfunkansprache Sir John Simons nicht lediglich eine Antwort auf bie deutschen Erklärungen darstelle. Das Blatt berichtet nämlich, das Foreign Office habe bei der Britischen Rundsunkgesellschaft Beschwerde über eine Rundfunkplauderei des Schriftstellers Ver­non B a r 11 e 11 vom Samstag erhoben, in der Bartlett sich mit Nachdruck für Deutschlands gutes Recht in der Abrüstungsfrage eingesetzt habe. Die Beschwerde des Foreiqn Office läuft nach den Informationen des Blattes darauf hinaus, daß die Plauderei im Wider­spruch zur britischen Politik gestanden habe. Das Ersuchen an die Rundfunkgesellschaft, Sir John Simon sprechen zu lassen, sei als ein Befehl zu werten.

Times" fordert die Veröffentlichung einer ge­drängten Darstellung dessen, was Deutschland in Gens geboten wurde. Zu den deutschen Argumenten, die vom Reichskanzler Hitler und von Reichsaußen­minister von Neurath vorgebracht wurden, bemerkt das Blatt, vieles daran sei unleugbar wahr, und für einige der Beschwerden bestehe volles Verständnis. Rüstungsgleichheit sei eine Vor­bedingung des europäischen Friedens und fei auch

versprochen worden. Weder die britische noch eine andere Regierung habe ihr Versprechen zurück­gezogen. Es sei lediglich erklärt worden, daß der Zeitpunkt der Durchführung der Gleich­heit aufgeschoben werden sollte. Das Blatt er­kennt selbst, daß man der Meinung sein könne, die britische Regierung hätte an ihrer ursprünglichen Absicht fest halt en sollen. Offenbar habe die Einschaltung einer Probezeit Freiherrn von Neurath besonders erbittert. Doch sei ihre Zeitdauer ja noch nicht erörtert worden. Nach diesem, die Absicht des Verstehenwollens bekundenden Ausführungen verfälltTimes" aber wieder in einen äußerst unfreundlichen Ton. Sie übersieht geflissent­lich die eindeutigen Friedenserklärungen desKanz- lers, indem sie dem neuen Deutschland zum Vor­wurf macht, daß es seine Jugend für denKrieg a u s d i l d e und äußert gänzlich törichten Verdacht, daß der Grund für Deutschlands Genfer Schritt in der Abneigung zu suchen sei, den Stand der deut­schen Rüstungen untersuchen zu lassen.

Daily Telegraph" würdigt die Bedeutung der friedlichen Kundgebungen der deutschen Staats­männer.News Chronicle" veröffentlicht eine Zu- fammenfafjung der Erklärung des Freiherrn von Neurath und sagt, Deutschland wäre bereit gewesen, beträchtlichere Zugeständnisse zu machen, als man geglaubt habe. In einem langen Aufsatz imNews Chronicle" wettert Lloyd George gegen die Gaunerei und Verräter ei" der vor- maligen Alliierten in der Abrüstungsfrage. Daily Herold" schreibt: Während das Ka- binett heute die Abrüstungsfrage erörtern wird, ist ein Plan in Vorbereitung, der auf ein umfang­reiches Aufrüsten Englands zu Lande, zu Wasser und in der Lust abzielt.

Der Ausgleich ist nötig auch im 3nteresie der französischen Außenpolitik, die sich von der stän­digen Sorge um den Frieden Europas und die nationale Sicherheit leiten läßt. Der Aus­tritt Deutschlands aus dem Völker­bund in dem Augenblick, wo in Genf Ver­handlungen beginnen, die ber Beschränkung und Herabsetzung der Waffen gewidmet sind, läßt in diesem wichtigen Problem der Organi­sierung des Friedens ein neues Clement entstehen. Die Regierungen find dabei, in diesem Augenblick alle feine Folgen zu prüfen. Ehe über diefes lebenswichtige Problem eine wirk­same parlamentarische Aussprache möglich ist. ist es erforderlich, das Gebiet genau zu bestimmen, auf dem Verantwortungen ein­zugehen wären. Die Regierung ist sich bewußt, immer der Politik der internationa­len Zusammenarbeit gedient zu haben mit dem glühenden Wunsch, einen Zustand des vertrauens und der Sicherheit entstehen zu sehen, in dem die Würde aller Völker gleich gewährleistet ist.

Keinem Wort gegenüber ist die französische Regie­rung taub, aber auch keiner Tat gegenüber blind. Warum beginnt man mit dem Bruch, wenn man aufrichtig eine Entente wünscht? Warum widersetzt man sich der Ueberprüfung der eingegangenen Ver­pflichtungen, wenn man feine Verpflichtungen ach­ten will? Warum nimmt man nicht einen Plan an, dessen etappenweise Durchführung eine tatsächliche und wirksame Abrüstung bedeuten würde, wenn man bereit ist, das letzte Gewehr und das letzte Maschinengewehr zu vernichten? Frankreich beab­sichtigt, seiner Politik der Zusammenarbeit treu zu bleiben und im selben Geiste die Prüfung einer Sage fortzusctzen, die nicht nur Frankreich und Deutschland interessiert, sondern die Gesamtheit der Völker, die sich zu einem großen und edlen Unter­nehmen, dem Völkerbund, zusammengetan hatten. Die Zurückhaltung, die Frankreich stets an den Tag gelegt hat, die wahren Opfer, die es in der Ver­gangenheit gebracht hat, berechtigen Frankreich, in (einen Handlungen fortzufahren, Handlungen, be-

London, 17.Oft. (TU.) Der englische Staats- fetretär des Auswärtigen, Sir John Simon, sprach am Dienstagabend im englischen Rund­funk über die durch den Austritt Deutschlands aus der Abrüstungskonferenz und den Völkerbund ge­schaffene Lage. Jeder ernste Bürger, so erklärte Si­mon, der sich über die Bedeutung guter internatio­naler Beziehungen für die Zukunft Englands und der Welt überhaupt klar sei, habe den Ernst des Ereignisses verstanden, das sich am Samstag zutrug, als Deutschland seinen Austritt aus der Abrüstungskonferenz mitteilte. Man könne sicher sein, daß weder er noch die englische Re­gierung irgendwelche Worte wählen würden, die die Lage erschweren könnten. Der künftige englische Kurs bedürfe genauen Studiums und eingehender lieber» legung. Möglicherweise werde man dazu kommen, dgß England mit anderen Mächten und, wie er hoffe, mit der deutschen Regie- rung in Verbindung treten werde. Nie­mand an verantwortlicher Regierungsstelle würde sich zu voreiligen Erklärungen hinreißen lassen. Nie­mand könne sich eine endgültige Meinung bilden, bevor diese Ereignisse klar dargestellt und verstanden seien.

Simon gab hierauf eine Uebersicht über die letzten Ereignisse auf der Abrüstungskonferenz und über die Bemühungen, die im Interesse einer Ver­einbarung gemacht worden seien. Er fügte hinzu, er hätte sich durch die neuerlichen Unterredungen bis noch vor ganz kurzem sehr ermutigt ge­fühlt. Eine Annäheruna zwischen Frank- reich und Italien sei ohne Zweifel er­folgt. Die Mitarbeit der Vereinigten Staaten sei niemals stärker bewertet worden. England sei in der Lage geroef'n, freundschaftlich mit allen Mächten Fühlung zu nehmen, und er erhebe den Anspruch, daß England jede Bemühung gemacht habe, um alle zusammenzubringen. (Eng- land habe ein Recht zu sprechen, denn es habe nicht auf die allgemeine Abrüstung zu warten, sondern selbst ein Beispiel gegeben. Es habe seine eige­nen st ungen bis an die Gefahrengrenze herabgesetzt.

Deutschlands Lage ist allen bekannt. Ein großes Volk Hal. nachdem es den Krieg verloren hat. unter dem Versailler Vertrag abgerüstet. Wir Engländer", so sagte Simon,verstehen Deutschlands Gefühle gut; England hat seit da­mals vieles getan, um Deutschland zur Wieder- erlangung seiner Stellung und seiner würde zu verhelfen. England ging im vergangenen Dezember bei dem Zustandebringen der von Frankreich. 3lalien. Amerika und England un­terschriebenen Erklärung führend voran, dah Deutschland Rechtsgleichheit in einem Regime der Sicherheit gewährt werden könne. An dieser Erklärung h a l t e n w i r f e st. Wir sind niemals davon abgewichen, und wir versichern ihre Gültigkeit auch heute."

eine sehr ernste Tatsache hat sich ergeben, die zwar «unter gegebenes Versprechen oder unsere Ab­sicht, es zu erfüllen, nicht im geringsten ändert, die aber notwendigerweise bie 21 r t seiner Erfül­lung in ben Einzelheiten berührt. Neuerliche Ereignisse in Europa haben ohne Zweifel ein Gefühl der Nervosität und der B e - unruhigung aufkommen lassen, was der wirk­liche Grund dafür ist, warum schwergerüstete Stau­net zögerten, ihre Streitkräfte zu schwächen. England habe daher bei den Abrüstungsbesprechun- gen versucht, die Aenderungen in den englischen Plan hineinzuarbeiten, die die neue Lage er­fordert habe.

Paris, 17. Okt. (TU.) Die französische Kammer trat am Dienstag um 15 Uhr nach den Sommer­ferien wieder zusammen. In dem vollbesetzten Haus herrschte eine deutliche Spannung. Nach­dem der Kammerpräsident jedem der während der Ferien verstorbenen Abgeordneten einen Nachruf gewidmet hatte, ergriff Ministerpräsident Dala­dier das Wort zu einer Erklärung, die etwa 15 Minuten dauerte. Nachdem der Abgeordnete Sel­bes sodann im Namen der Radikalsozialisten eine Vertrauenserklärung für die Regierung abgegeben hatte, bestieg Daladier aufs neue die Rednertribüne, um die Regierungsvorlage zum Ausgleich des Fehlbetrages im Staatshaushalt einzubringen. Er betonte, daß er den Bestand der Regierung für den Aus­gleich im Haushaltsplan in die Waagschale werfe. Daladier forderte die dringliche Beratung der Vorlage, die die Kammer mit 470 gegen 120 Stimmen, also mit der erforderlichen Mehrheit genehmigte.

Daladier

betonte, daß die Kammer pünktlich zusammenberu­fen worden sei nicht nur. weil die Regierung ihr Wort halten wolle, sondern weil es gefährlich wäre, den Ausgleich des Haushalts noch weiter zu verschieben. Auch die neuen Ereignisse, die das internationale Leben so tief beunruhigten, der plötzliche Austritt Deutschlands aus dem Völker­bund, macht die Pflicht noch dringender, Ordnung im Staatshaushalt herzustellen. Ein Volk, das sich dieser Anstrengung nicht unterzieht, kann in der Welt in so schweren Zeiten nicht die klare und feste Politik führen, die die Ereignisse selber erforderlich machen. Die französische Regierung hat feil dem Winter zwei schwierige Krisen durchgemacht. Sie spricht zu der Kammer darüber, nachdem die Ge­fahr gebannt ist. Im Februar unb im April hat der Staat befürchten müssen, daß er mit Mühe nur bie Beamten bezahlen und ohne Inflation die Fälligkeiten am Schluß bes Monats nicht be ft reiten könne. Die Regierung hat damals schwierige Stunden durch­lebt und will sie nicht wieder erleben, weder mor­gen noch jemals. Der Franken ist sicher.