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18.9.1933 Erstes Blatt
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Montag, 18. September (933

Nr. 218 Zweites Blatt

es nun gelingt, diesen Erfolg auszunutzen, ihn i Interesse der deutschen Volkswirtschaft und d

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Ihelmstraße 14,

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usländischen gesichert wird oder nicht.

Ls sündigt heute jede kaufende Iran, die ge­dankenlos handelt, die sich bei ihren täglichen Einkäufen nicht die heule unerläßliche Jrage nach dem Woher der Ware vorlegt.

länder bestanden hatte, auch schon unter normalen Verhältnissen einzuholen. Die Hausfrau wird aus eigenem Erleben wissen, daß das letzte Jahrzehnt in der Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse alles andere als normal gewesen ist. Sie wird des­halb Achtung und Bewunderung vor den Leistun­gen haben müssen, mit denen der deutsche Garten­bau trotz drückender Lasten aller Art es verstanden hat, seine Erzeugnisse den Anforderungen, die eine veränderte Ernährungsweise mit sich gebracht hat, anzupassen, sie so zu verbessern und zu vermehren, daß eine yrößere Einfuhr ausländischer Garten- bcluerzeugnisse heute überflüssig geworden ist. Ob

Wie stark der deutsche Einfluß auf das damalige russische Kulturleben war, geht unter anderem aus der Tatsache hervor, daß die Petersburger Aka­demie in ihrer ersten Zeit kaum Mitglieder russi­scher Herkunft, wohl aber viele Deutsche zählte. Es gab eine deutsche Lesegesellschaft an der Newa, die der Sohn Eulers eine zeitlang leitete. Ansässige Deutsche und durchreisende Landsleute gingen im gastfreien Eulerschen Hause aus und ein. Und von dem Vater, fast noch mehr aber von dem Sohne gilt das Wort des Biographen: er war ein

Hort des Deutschtums im Auslande unter erschwe­renden Umständen, treu, zuverlässig, religiös, mann­haft, fleißig, nationalgesinnt, der Typus eines Deutschen, wie man wünschen müßte, daß sie alle gesinnt waren."

Im September 1783 starb Leonhard Euler als blinder Greis, tätig bis in die letzte Stunde seines Lebens. Nach seinem Tode fand man zweihundert Abhandlungen und vierzig Jahre später noch wei­tere ungedruckte Arbeiten, die im Jahre 1896 ein Gesamtwerk von achtundzwanzig selbständigen Wer­ken und 768 Abhandlungen ergaben. Vor einem Jahre förderte die Preußische Akademie der Wissen­schaften durch einen bedeutenden Betrag die Wei­terführung des Eulerschen Werkes. Er hat es ver­dient, weil er als Schweizer, der sich allerdings immer wie ein Deutscher fühlte, dem deutschen Volke gedient hat daheim und im fremden Lande mit der Ausdauer eines gezügelten Willens und mit der Kraft feiner genialen Begabung.

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kann nur gewonnen werden, wenn alle deutschen Volksgenossen, Manner und Frauen, ihn Schulter an Schuller ausjechten, wenn das Wort:

Einer für alle, olle für einen Leitsatz auch für jede kleinste Handlung des täglichen Lebens ist, und wenn sich ganz besonders jede kausende Hausfrau der durch nichts abzulös^.den Vcrantwor- tungspflicht dauernd bewußt bleibt, denn

Handeln sollst Du so, als hinge Von Dir und Deinem Tun allein Das Schicksal ab der Deutschen Dinge Und die Verantwortung wär' Dein.

Spielpla.t der Frnnkfurtcr Theater.

Opernhaus. Montag, 18. September, von 20 bis 22.30 Uhr: Der Waffenschmied. Dienstag, 19., von 20 bis 22.45 Uhr, Fidelio. Mittwoch, 20., von 19.30 bis 22.30 Uhr, Der Graf von Luxemburg. Donnerstag, 21., von 19.30 bis 22.30 Uhr, Don Juan (Don Giovanni). Freitag, 22., von 20 bis 23 Uhr, Der fliegende Holländer. Samstag, 23., von 19.30 bis 23 Uhr, Der Vogelhändler, Operette von Zeller. Sonntag, 24., von 10.30 bis 13 Uhr, Feftvorstel- lung anläßlich des Gauparteitages der NSDAP., Der Waffenschmied; von 18.30 bis 23 Uhr, Festvor­stellung anläßlich des Gauparteitages der NSDAP. Lohengrin.

Schauspielhaus: geschlossen.

verwandle soziale Bewegung Adolf Stöckers schei­terte, von dem Bismarck urteilte, daß er sich um die Erfolge seiner gewaltigen Beredsamleit brachte, weil er, der große Redner, nicht ein gleich großer Organi- salor war. Mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch der von ihm begründeten ZeitungDer Reichs- herold" war Södel und damit seine Bewegung wirt­schaftlich ruiniert. Dazu zermürbte den Mann jchwe- res häusliches Herzeleid. Er gab alles verloren und ging in die Einsamkeit.

Zn seinenDorfbildern aus Hessen und der Mark", äußerlich anspruchslosen Skizzen aus Natur- und Volksleben, die aber Zeugnisse sind von der innigen Natur- und Volksverbundenheit und der gläubigen Frömmigkeit des Verfassers, läßt uns der schwer ge­prüfte Mann einen Blick tun in sein zerrissenes Herz, da er in der ErzählungDer Professor" am Schluß sagt:Schwer ist der Abschied vom Freunde, schwerer der Abschied von der Geliebten; aber der schwerste Abschied ist der von den Idealen, für die man ge­kämpft und gelitten hat. Er ist fast schwerer als der Abschied vom Leben selbst " So ist Otto Böckel ge­storben. Seine Saat aber ist aufgegangen, und heute bringt sie Frucht.

daß diese Vögel nicht hüpfen, sondern Fuß für Fuß, geduckt und Kopf und Schnabel gesenkt, den Boden durchkrauen. Oder man sieht sie auf den Rücken weidender Schafherden nach Ungeziefer su­chen und einen wilden Ritt machen, wenn der Hund die Herde jagt.

Erst vor der Dämmerung kommen sie von nah und fern in größeren und kleineren Trupps. Es ist unbegreiflich und wunderbar, wie sie sich in weitestem Umkreise kennen und finden, wie sie ge­führt werden,'wie sie sich einigen und vereinigen, wie sie aus kleinen Verbänden große bilden und sondern, wie sie mit Plan und Taktik zu üben, zu manövrieren scheinen. Und sie haben ihren Sammel­punkt in einem bestimmten Wald ober sonstigen Baumbestand und Dickicht, selbst mitten in großen Städten. Auch in München gibt es einen Platz, in dessen Bäumen sie schon vom Spätsommer ab regelmäßig scharenweise zur Abendrast erscheinen.

Eine besondere Vorliebe zeigen sie für die brei­ten, ungestörten Schilfsaume unserer Seen, deren Rohre nun groß und stark genug geworden sind, sie zu bergen und zu tragen, wenn auch viele durch die Last geknickt werden. Und man muß jetzt hin­ausgehen, um von den still gewordenen Ufern oder noch besser vom Kahn aus das Treiben zu be­obachten. Der ferne Himmel beginnt bis aus dem Horizont wie von Bienenvölkern zu schwärmen. Aber die Geschwader wachsen, von allen Seiten näher kommend. Schon rauschen sie uns zu Häup- ten, sie ballen sich zu Wolken, sie ziehen sich zu fliegenden Bändern auseinander und wenden sich in scharfen Kehren und Umkehren, und endlich fallen sie ins Röhricht. Es verschluckt sie, man sieht nicht mehr, nur schwankende Halme, Dolden und Blätterspeere und nur bei angestrengtem Spähen hier und da einen dunklen Punkt. Aber man hört ein ununterbrochenes Schwatzen, Schnattern, Schil­pen, Knarren, Schnarren, Wetzen, Kreischen, Pfei­fen. Wir klatschen in die Hände, und sofort erhebt sich surrend ein flatterndes Gewölk, den noch däm­merhellen Himmel verdunkelnd, und kreist und kreuzt unruhig über dem Lager, bis es sich wieder niedersenkt und sich noch lange lustig um die Betten zankt.

£ocf)fd)ulnad)rirf>fen.

Der Marburger Chemiker, Geheimrat Pro- fesior Dr. Karl v. Auwers, Direktor des chemi­schen Instituts der Universität Marburg, konnte in diesen Tagen das 7 0. Lebensjahr vollenden.

Bald wird ihr auch nicht mehr die Entschuldigung gestattet werden können, daß diese Frage gar nicht oder nur schwer zu beantworten sei. Die Kennzeich­nung der deutschen Gartenbauerzeugnisse entspricht einem lang vertretenen Wunsche des Reichsverban- des Deutscher Hausfrauenvereine, der feit Jahren eine Kennzeichnung deutscher landwirtschaftlicher und gärtnerischer Erzeugnisse gefordert hat. Auch hier kann jede einzelne Hausfrau zum Erfolg der Maßnahme, zu der sich Erzeuger und Handel ver­bunden haben, beitragen. Sie muß diese

Kennzeichnung verlangen,

sie muß sich weigern, Erzeugnisse, die nicht bezeich­net sind, zu kaufen. Nur so kann es gelingen, dem deutschen Erzeugnis endlich die Vormachtstellung, die es aber auch verdient auf dem Obst- und Ge­müsemarkt, zu sichern, nur so kann es gelingen, endlich die Auffassung zu zerstören, als wäre das unter deutscher Sonne gewachsene Obst und Gemüse nicht anderem zum mindesten ebenbürtig. Wenn einmal die Kennzeichnung sich auf der ganzen Linie durchgesetzt hat, dann werden manche Zweifler mit Staunen erkennen, wie sehr sie das Erzeugnis der Heimatscholle verkannt haben, wie schwer sie durch törichtes Verlangen die eigenen Volksgenossen ge­schädigt haben.

Ganz Deutschland steht heute im Kampf um feine Wiedererstarkung und Gesundung. Dieser Kampf

u. l'1 .

Was war es nun, was diesen jungen Menschen er war siebenundzwanzig Jahre alt, der sich schon einen Namen in der Wissenschaft erworben hatte, und vor dem sich eine verheißungsvolle Gelehrten­laufbahn auftat, bewog, alles aufzugeben und Po­litiker zu werden? Es war die heiße Sorge um sein geliebtes Volk, um das deutsche Bauerntum, oor allem als der Grundwurzel des Volkstums und da­mit des Staates, das er in seinem Gedeihen und Be­stand bedroht sah, geistig und seelisch von einer kultur­losen, undeutjchen Zivilisation und wirtschaftlich von der Macht eines raffenden Kapitals. So wurde er der Begründer derAntisemitischen Par- t e i". Im Sturm eroberte er in wenig Jahren die nordhessischen und angrenzenden Reichstagswahl­kreise: Marburg, Gießen, Alsfeld, Wetzlar u. a. Er ist der Mann des Volke; zu Taufenden strömen die Bauern zu feinen Versammlungen und werden hin­gerissen von der Macht seiner Rede. Er sprach in großer einfacher Leidenschaftlichkeit in der Sprache desgemeinen Mannes", dessen Seele er kannte, und dessen Not er als eigene empfand, und der darum in ihm seinen Retter und Führer sah. Und doch oer- siechte die Bewegung nach wenig Jahren. Der Grund war wohl derselbe, an der die etwas ältere, geistig

In der Zeit des nationalen Wiederaufbaues wird jedem Einzelnen immer wieder die Ueberzeugung bewußt, daß die Verantwortung für fein Tun und Handeln heute viel ernster genommen werden muß.

Selbfloeranlroortung ist das Losungswort, unter das sich die Front aller wahrhaft deutsch den­kenden Menschen um den Volkskanzler gestellt hat; bewußt übernommene Verantwortung im großen wie im kleinen.

Nicht das, was in Gedankenlosigkeit von der Masse gefordert wird, nicht das Zurückstellen der persönlichen Verantwortung des Einzelnen hinter diesen sogenannten Massenwillen kann und darf es im neuen Deutschland mehr geben! Auch kann kein irgendwie gearteter Zusammenschluß den Einzelnen Mann oder Frau von dieser Pflicht befreien. An ihre Erfüllung ist der Erfolg des ganzen großen Wiederausbauwerkes untrennbar gebunden.

Der deutschen Hausfrau gilt diese Mahnung an erster Stelle.

Ihr Tageswerk setzt sich zusammen aus unendlich vielen kleinen Handlungen. Jede einzelne bewußt in diesem Geist der Verantwortung für Familie und Volk zu tun, ist ein Teil der großen Aufgabe, zu der die Zeit sie als Treuhänderin des deutschen Volksvermögens, als Verwalterin des deutschen Volkseinkommens berufen hat. Der größte Teil hiervon wird für die Lebensbedürfnisse der Familie in Anspruch genommen, und unter diesen steht der Bedarf an Lebensmitteln an erster Stelle. Damit aeroinnt aber die Deckung dieses Bedarfs ganz be­sondere Bedeutung.

Es ist eine Schicksalsfrage für jedes Bolt ob es gelingt, die Grundlage feiner Ernährung aus den Erzeugnissen der Scholle des eigenen Landes sicherzustellen.

Nach den bitteren Erfahrungen der Kriegsbeil gibt es wohl jeder deutschen Hausfrau ein Gefühl be­glückender Sicherheit, zu wissen, daß Deutschland heute imstande ist, den Lebensbedarf seiner Bevöl­kerung an Brot, Getreide, Fleisch, Kartoffeln und Gemüsen voll und ganz zu decken. Welcher unge­heuerlichen Anstrengungen es bedurfte, um in einer Zeit, in der der deutsche Bauer und Gärtner um die Erhaltung seiner nackten Existenz zu kämpfen hatte, nicht nur den Ertrag der Erzeugung zu ver­größern, sondern auch die Güte zu verbessern, das kann nur dann verstanden werden, wenn man sich klar macht, wie unendlich schwer es schon an und für sich ist, einen Vorsprung, der fraglos in der Vergangenheit z. B. beim Gartenbau der Nachbar-

zurück!

Arbeitsbeschaffung zu erhalten, das ist einzig und allein davon abhängig, ob dem deutschen (Er­zeugnis d i e Vorrang st ellung vor dem

(Stare.

Von Hans Brandenburg.

Wenn der Herbst naht, sammeln sich die Stare. Das ist nicht unbedingt oder nicht nur Vorberei­tung und Vorübung für die Reise nach dem Süden: bis zum Spätherbst hat der Star noch lange Zeit, und viele ziehen seit einer Reihe von Jahren über­haupt nicht mehr fort, sondern bleiben bei uns über Winter, etwa in einer alten Efeuwand, oder begnügen sich zu streichen. Die Versammlung ist Geselligkeit und Gemeinschaft nach den erledigten Pflichten der Brut und Aufzucht, mag ihr auch der Zugvogeldrang zugrunde liegen. Sie wird erst groß und mächtig am Abend und dient also zunächst einer gesättigten Plauderstunde und der Nachtruhe in fröhlich freiwilligem Massenquartier. Tagsüber sieht man nur kleinere Schwärme auf Nahrungs­streife. Man sieht sie über die abgeernteten Felder wanzen", denn es wirkt wie drolliges Gekrabbel,

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Ende deö Fahrschulzwanges?

Das Reichsoerkehrsministerium und die einzelnen Landesregierungen beschäftigen sich seit einiger Zeit mit der Frage, ob in Zukunft die Ausbildung der Kraftwagensührer zur Erlangung des Jiibrerscheins erfolgen kann, ohne dah wie bisher der Zwang zum Besuch einer Fahrschule besteht.

Die Automobilindustrie tritt für die Aufhebung, ober wenigstens für die Auflockerung des Fahr- schulzwanges ein, weil man glaubt, dadurch diese Industrie heben zu können. Gegen den Wegsall des Fahrschulzwanges wenden sich vor allem die Kraft- sahrschulen, aber auch die Verkehrspolizei und der Reichsverband der Krastverkehrstechnik haben gegen die Auflockerung, oder gar gegen die Aufhebung Bedenken.

Der Reichsbund der Kraftverkehrstechnik hat jetzt eine Denkschrift aus Grund von Ergebnissen der Derkehrsunsallstatistik herausgegeben und stellt sich von vornherein gblehnend zu den Bestrebungen, die für Aufhebung oder Auflockerung des Fahr­schulzwanges eintreten. Die Begründung findet er nicht immer in der sozialen Seite der Angelegen­heit, sondern in verkehrstechnischer Beziehung. Er führt aus, daß diejenigen, die für die Lockerung des Schulzwanges einträten, die großen Gefahren verkennen, die bei Aufhebung des Fahrschulzwangs der Volksgemeinschaft drohen würden-. Richt nur die Berufstätigen seien durch die Aufhebung oder Auflockerung bedroht, weil dadurch das Heer der Arbeitslosen vergrößert würde, sondern auch die all­gemeine Sicherheit. Der Fahrschulzwang sei not- wendig. Denn bei den Erzeugnissen der modernen Kraftfahrzeugindustrie handelt es sich um technisch und konstruktiv hochentwickelte Produkte, die große Kenntnisse und Fertigkeiten in jeglicher Beziehung voraussetzen. Ferner werde von jedem Kraftwagen­führer ein besonders großes Verantwortungsgefühl gefordert. Wie wenig dies trotz des stark angewach- jenen Verkehrs vorhanden fei, werde durch die täg­lichenVerlustlisten des Verkehrs" bewiesen. Na- türlich fei auch die genaue Kenntnis der Verkehrs- oorschriften eine unbedingte Notwendigkeit. Ferner müsse jeder Kraftfahrer die Gesetze über Haftung und über feine rechtliche Dersicherungspflicht tennen- lernen. Nur dann könne eine Verkehrsüberwachung im Interesse der Volksgemeinschaft durchgeführt werden. Dazu sei vor allen Dingen eine geregelte Ausbildung des zukünftigen Kraftfahrers notwendig, die nur ein Fahrschulzwang bieten könne.

Die Stellungnahme des Reichsverkehrsministeri­ums und der einzelnen Landesregierungen in dieser wichtigen Frage steht noch aus.

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Obwohl jur berühmte Detektive ausge- ff to« Spur des Körbers er und Sohn, |ie sind beide t Dar eine Menge Mensch?» Raitens Unschuld glauben; aber my, die vom Gegenteil über- Wn glauben ja immer lieber 5 Gute von ihren Mitmenschen." rtsehung folgt. >

der Wasserwerke in Sanssouci; auch entwarf Euler für den König den Plan einer Zahlenlotterie. Zu den Obliegenheiten des Gelehrten gehörte ferner die Heranziehung bedeutender ausländischer Forscher zur Mehrung des Ruhmes und Ansehens der königlichen Akademie".

Wie kam es nun, daß nach einer fast fünfund- zwanzigjährigen Tätigkeit Euler wieder nach Pe­tersburg ging? Friedrich der Große machte sich gern ein wenig luftig über dieschwunglosen, trocke­nen Mathematiker", andererseits verlangte, wie ein Biograph Eulers schrieb, dieser zuviel vorn König, fiel ihm mit persönlichen Angelegenheiten ynd Gesuchen um Beförderung von Landsleuten lästig und nahm mit einer gewissen Naivität die höchste Ehrenstelle in der Akademie für sich in Anspruch und polterte in den wissenschaftlichen Streitfragen der Zeit vorschnell und unüberlegt mit seiner sub­jektiven Ansicht heraus". Als der König eine Umge­staltung der Akademie vornahm, suhlte Euler sich den französischen Gelehrten gegenüber zurückgesetzt Diesen Zwiespalt benutzte man, Euler, der seine Zeitgenossen weit überragte und noch heute nach­wirkend überdauert, wieder nach Petersburg zu holen; und Euler folgte dem russischen Anerbieten gern, zumal man alle seine Forderungen nach Ehren und Geld großzügig erfüllte.

Noch siebzehn Jahre lebte und arbeitete er in Petersburg, wo er nach und nach ganz erblindete. In dieser Zeit schrieb er die meisten feiner acht­hundert Veröffentlichungen. Unermüdlich betätigte er sich auf allen damals bekannten mathematischen Gebieten, die er alle bis ins Kleinste beherrschte und durch neue Lösungen förderte; ja, er schuf auch ganz neue Gebiete, zum Beispiel die Varia- t i o n s r e d) n u n g. Gern beschäftigte er sich auch mit den Gesetzen der Hydrodynamik, befaßte sich mit dem Windmühlenbau, mit der Konstruk­tion von großen Schiffen, mit den damals noch ziemlich unbekannten Gesetzen von Ebbe und Flut, lieferte wertvolle astronomische Berech­nungen, von denen manche zur Entdeckung neuer'Planeten geführt haben; als einer der ersten legte er die Bahnen mehrerer Kometen genau fest; feine schon in Berlin begonnene Konstruktion eines achromatischen Fernrohrs vollendete er in Petersburg. Auf Grund dieser Erfindung schuf der geniale Optiker Fraunhofer einige Jahrzehnte später die Basis für die Herstellung unserer heuti­gen Fernrohre. In Petersburg wurde ihm sein Sohn Johann Albrecht geboren, ein ebenfalls be­deutender Mathematiker, der jedoch im Schatten des großen Vaters der Vergessenheit anheimfiel.

Otto Böcke«.

Gin Gedenkoiatt zum zehnten Jahrestag seines Todes.

Don Friedrich Germer, Großen-Linden.

Am 19. September 1823 starb zu Michendorf, einem Dorf in derJJlart unweit Berlin, Ur. phil. Otto Bocket. Der IBlann hat es um fein geliebtes deutsches und zumal jein Hessenoolk, dem er ent- stammte, verdient, daß sein Name nicht oergeffen wird. Er gehört wie der dieser Tage abgeschiedene Theodor Fritsch in die Reihe derer, die man zu Recht die Vorläufer der jetzt zum Durchbruch ge- tommenen nationalen und sozialen Bewegung nen­nen kann. Den Tag der Ernte, zu der auch er kost- bare Saat ausgestreut hatte, hat er nicht erlebt. Der Tod erlöste einen nach Seele und Leib gebrochenen Mann, ganz einsam geworden, verlassen von den meisten, die ihm einst zugejubelt hatten, verraten von manchem, den er für feinen Freund gehalten, ohne Hoffnung, daß die Arbeit seines Lebens noch einmal Frucht bringen werde. Es liegt eine schwere Tragik über diejem Leben. Vor vierzehn Jahren kannte in den Dörfern Hetzens jedes Kind den NamenBegel". Bis in unsere Tage ist dort keiner wieder so volks­tümlich gewesen. Erst heute kommt ihm wohl wieder einer gleich, wird gefeiert und geliebt wie er: Dr. Ferdinand Werner, der hesstzche Ministerpräsi- deut. Die Alten in den Dörfern um Gießen, in der Wetterau und im Vogelsberg, die sich noch der Zeit der neunziger Jahre vorigen Jahrhunderts erinnern können, werden bestätigen, daß es so ist.

Otto Böckel ist geboren zu Frankfurt a. M. am 2. Juli 1859. Jrn Jahre 1878 bezog er die Universität Gießen und studierte hier und dann in Heidelberg Rechtswissenschaft und Nationalökonomie, wandte sich aber später in Leipzig und Marburg dem Studium der neueren Sprachen zu. 1883 wurde er wissen­schaftlicher Hilfsarbeiter an der Marburger Univer­sitätsbibliothek, nachdem er im Jahre zuvor zum Dollar promoviert war. Nur wenige Jahre ist er im Amt geblieben. 1887 begann er seine Tätigkeit in der Politik, und bald hatte sie ihn so ergriffen, daß er ihr für die nächsten Jahre ganz und gar ver­schrieben war. Im Jahre 1894 verließ er seine hes- siiche Heimat, zog nach Berlin, entsagte bald der Po­litik und lebte bis zu seinem Tode in voller Zurück­gezogenheit in wirtschaftlicher Not und von mannig­facher Krankheit heimgesucht in Michendorf, beschäf­tigt mit wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiete der Volksliedforschung.

Dem deutschen Volkslied hatte seine Liebe und sein Forschen schon in der Jugend gegolten. Später er­zählte er davon, wie er als Student in Gießen den Grund gelegt habe zu seiner 1885 veröffentlichten SammlungDeutsche Volkslieder aus Oberhessen". In Gießen horcht er, wenn die Soldaten fingen, oder setzt sich in den Herbergen zu den fahrenden Hand­werksburschen, schnell aufzeichnend, was er hort an altem und neuem Sang, wenn es echtes Volkslied ist. In Gleiberg wird ihm der Nachtwächter Freund und Gewährsmann; in Heuchelheim, in den Dörfern des Biebertals, in Lützel-Linden und Lang-Gons, in 21g- bach und Kinzenbach, und in der Rabenau sitzt er unter den Burschen und Mädchen in der Spinnstube, mit ihnen singend und eifrig sammelnd. Manches Lied, damals noch gesungen und bald durch den städtischen Gassenhauer verdrängt, hat er so gerettet und bewahrt für wieder bessere Zeit, wie wir sie heute erleben.Es war ein einsam, aber selig Wan­dern", schreibt er,in den hoffnungsreichen Tagen blühender Jugend, so manche liebe lanae Nacht auf einsamen Wegen horchend, ob sich nicht fern, ganz f.rn die getragenen schwermütigen Klänge eines jener hessischen Volkslieder vernehmen ließen." Ein Mann der Wissenschaft durch und durch blieb feine For­schung nicht auf die Heimat beschränkt. Hugo Hep^ ding schrieb 1924 von ihm in einem Nekrolog in den Hessischen Blättern für Volkskunde" in einem Rück­blick auf Böckels jUrbeiten über Volkslied und all- gemeine Volkskunde aus dieser Zeit:Man kann nicht genug staunen, was er alles an Doksüberliefe- rungen der europäischen Völker und an ethnographi­scher Literatur damals durchgearbeitet hat."

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HausfraueiWsiunung im neuen Staat

Don Maria Zecker, Dorsihende des Reichsverbandes Deutscher Hausfrauenvereine.

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Der Mathematiker Friedrichs des Großen.

Zum 150. Todestag von Leonhard Euler. Don Hans Sturm.

In Basel, der uralten Stadt am Rheinknie, wurde in einer stillen Gasse, unweit des Münsters, am 15. April 1707, Leonhard Euler geboren. Der Knabe spielte kaum mit seinen Altersgenossen, son­dern las lieber die alten Hausinschriften, suchte nach Geheimnissen in dem aus der Pestzeit stammenden Totengäßchen oder sinnierte vor den Holbemschen Totentänzen. In der Werkstatt eines benachbarten Schusters hockte er stundenlang neben dem Meister und maß mit einem rostigen Zirkel die aus der Schusterkugel fallenden Lichtstrahlen.

Das Lernen machte ihm keine Mühe, er betrieb es gewissermaßen nebenbei und wurde nach weni­gen Jahren des Studierens, kaum zwanzigjährig, als Adjunkt für Mathematik an die Kor,erliche Aka­demie der Wissenschaften nach Petersburg berufen. Kurz 3uoor hatte er für eine Arbeitlieber die beste Art des Bemastens der Schiffe" von der Pariser Akademie einen Preis erhalten. Neben der Mathematik, deren sämtliche Gebiete er bearbeitete, studierte er noch Theologie, Medizin und orienta­lische Sprachen und schrieb auch hierüber bedeut­same Abhandlungen. Auch mit geographischen Pro­blemen beschäftigte er sich sehr, aber durch das Kartenlesen und dasewige Rechnen" büßte er bald die Sehkraft des linken Auges ein. Dies Miß­geschick aber förderte nur seinen ungeheuren Fleiß und Erkenntnisdrang.

Vielleicht wäre er zeitlebens in Petersburg ge­blieben, wenn ihn nicht Friedrich der Große gerade in dem Augenblick, als man in der russischen Hauptstadt weniger Wert auf die Wissenschaften zu legen begann, nach Berlin gerufen hätte; er wünschte dengroßen Algebraiker", der erst vier­unddreißig Jahre zählte, aber bereits ein ausgehen­des Gestirn war, als wertvolle Bereicherung seiner Leibnizschen Akademie, der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften, anzugliedern. Euler folgte dem Rufe des genialen Preußenkönigs und trat durch feine Stellung in der Berliner Akademie an die Spitze eines Forfcherkreifes von internationaler Bedeutung.

Zu den interessantesten Projekten wurde der Mathematiker von Friedrich dem Großen heran­gezogen, so zur Nivellierung des Finowkanals, zur Einrichtung eines Gradierwerkes in Schönebeck oder