Ausgabe 
18.5.1933 Erstes Blatt
 
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Lin vaterländischerRoman vonHansVietzKe

Urheber-Rechtsschutz

durch Verlag Oskar Meister. Werdau.

1. Fortsetzung Nachdruck verbotenl

Der Reitknecht Jean ist wieder zu sich gekommen. Er hat einen Prellschuß am. Hinterkopf, der ihm im Moment des Ueberfalls die Besinnung nahm.

Madame wir müssen weiter! Keine Minute ist zu verlieren!" Hauptmann Döllnitz hilft dem Reitknecht auf. reißt die Pferde herum und führt die Frau zum Schlitten.

Wenige Minuten später rast das Gefährt auf dem Weg, den es gekommen ist, zurück. Der Hauptmann führt das- Gespann. Sein Brauner galoppiert, an­gebunden, mit. Der Reitknecht sitzt im Fond und hält sich die Hand auf die Wunde.

Reben Döllnitz sitzt Madame Lefeore. Während er dem Tempo der Renner mit der Peitsche nachhilft, spricht er auf die Frau ein:

Seien Sie ohne Furcht, Madame! Ich kenne hier jeden Weg. Vertrauen Sie mir in ein paar Stun­den haben wir Quartier bei Freunden auf Schloß Löbau."

Auf Schloß Löbau?" Wärme, Hoffnung kommt in die Stimme der Frau. Ihr Blick sucht zum ersten- mal, lange und forschend, den des Hauptmanns.Ich will nach Löbau mein Mann ist dort stationiert. Hauptmann Ren6 Lefeore von der Besatzungs­armee."

Don der Besatzungsarmee?" Döllnitz' Frage ist voll Bitterkeit. Die Peitsche saust. Die Gäule rasen. Eisern umklammern die Hände des Hauptmanns die Zügel.

Jäh bricht das Gespräch ab. Fragend ist der Blick der Frau auf ihn gerichtet.

Die Augen des Mannes suchen den Weg.

Er reißt das Gefährt herum, kreischend sausen die Kufen in die neue Richtung. Ein anderer Waldweg tut sich auf.

Döllnitz' Atem geht schwer. Also auch Löbau be­setzt! Der Gedanke umkrampft sein Herz. Löbau be­setzt! ... Die Hochburg der Freiheit in Schlesien unter den Gewehren der Feinde! ... Er muß an den Baron denken, an Maria, an den jungen Karl ...

Pfeifend schneidet die Peitsche durch die Luft.

Die Renner greifen aus, daß der Schlitten wie irrsinnig auf der spiegelnden Fläche tanzt.

Und der Hauptmann fährt, fährt. Stunden noch dann wird er Gewißheit haben.

3.

In friedlicher Einsamkeit liegen Schloß und Dorf Löbau. Die Talsenke ist bis hoch hinauf in die Berg­wälder tief verschneit. Hütten und Häuser der Bauern sind leer: es ist Christmette.

Die ganze Gemeinde ist in der alten Dorfkirche versammelt. Pfarrer Krantz schließt die Predigt mit den uralten Worten weihnachtlicher Weihe:... Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!"

Leise präludierend setzt die Orgel ein.

Der Chor auf der Empore beginnt mit sanften Stimmen:Vom Himmel hoch, da komm ich her .." Immer jubelnder wird der Sang, immer freudig bewegter, machtvoller die beseligten Stimmen.

Und nun erhebt sich die Gemeinde. In Andacht falten sich die Hände.

Der Pfarrer spricht das Vaterunser. Stark und gläubig halten die greisen Hände die Bibel, die Generationen hier überdauert hat. Voll aufrechten Hoffens, voll stolzen Mutes sind die Worte des Gebetes:... denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen."

Stehend singt die Gemeinde den ehernen Choral: O Herr Gott, erhöre unser Flehen!"

Pfarrer Krantz hat diesen Choral zum Ausgang gewählt: Es ist eine Weihnacht der Rot, wie nie zuvor im Land. Zwar scheint es hier im Gotteshaus wie sonst zu fein, mit grünem Reisigwerk und den Tannen vorm Altar. Aber wer in die herben Ge­sichter der Bauern sieht, in die zerfurchten Züge, in die vom Leid gezeichneten Augen, der weiß um die Rot dieser Menschen.

Dem alten Förster Brinkmann, der dort in der Kirchenbank lehnt, haben sie den Sohn erschossen bei den Schillschen, und dem Baron von Löbau dort im Herrengestühl den seinen bei Stralsund.

Sie können es nicht vergessen. Sie dürfen es nicht vergessen!

Der Pfarrer spricht den Ausgangssegen. Die Ge­meinde verläßt still das Gotteshaus. Die Alten, das Gebetbuch in knöchernen Händen, lassen den müden, tastenden Schritt von jungen Armen geleiten. Leise verdämmern die letzten Akkorde der Orgel.

Dann verlöschen die Lichter des Kirchleins und nur der Glockenbub tut noch seine Pflicht.

Weihnachtsglocken rufen ins Land: Friede auf Erden! Aber es will nimmer Friede werden...

Die trüben Laternen in der Hand, suchen die fremden Bauern den Weg vom Kirchdorf nach Hause. Diele Wegstunden weit sind manche daher­gekommen, aus Tälern und Bergen, um die Worte des Herrn zu hören, um Trost in die Herzen zu nehmen und Kraft gegen alle Rot und alles Leid.

Mit scheuem Blick passieren die Laternenträger die reitenden Posten der Besatzung, die auch in der heiligen Nacht keine Ruhe geben mit ihrem Kriegs­handwerk. Die Frauen treiben eilig die Männer vorüber, denen sich die Faust in der Tasche ballt. Die Kinder werden fester an die Hände genommen.

So ziehen in der Weihnachtsnacht 1812, durch Kälte, Schnee und Schweigen, über hundert La­ternenträger in ihre Wohnungen zurück. Ein Bild des Friedens.

Im Salon auf Schloß Löbau ist für die Besche-. rung von liebender Frauenhand gesorgt. In un­ermüdlichem Fleiße hat Maria von Löbau, die Tochter des Barons, mit ihrem Bruder Karl, der drüben in Breslau Jurisprudenz studiert, die Ge­schenke für die Aermsten der Gemeinde zusammen­getragen.

Im hellen Kerzenschein stehen die verhärmten Gesichter der Dorfkinder. Ein Leuchten unfaßbarer Freude ist in den jungen Augen. Ihre dünnen Sümmchen fingen mit kindlicher Andacht:Es ist ein Ros' entsprungen..." Karl von Löbau beglei­tet den Gesang auf dem Tafelklaoier und Pfarrer Krantz spielt die Geigenstimme.

Dann führt sie die junge Baronesse an den Ga­bentisch.

An manch langem Winterabend hat sie in ihrem Zimmer gesessen und aus bunten Flicken und Lap­pen Puppen und Tiere genäht, bis ihr die Augen schmerzten. Und der alte Diener Tobias hat in sei­ner Kammer schmucklose Holzpferdchen geschnitzt und die Mamsell hat die letzten Vorräte angegrif­fen und süßes Naschwerk gebacken.

Jetzt haben sie alle den schönsten Lohn für Mühe und Arbeit: die Kinder jubeln! Der heilige Niko­laus hat sie auch in diesem Jahre nicht vergessen.

Die Baronesse winkt heimlich den Diener heran und gibt ihm den Auftrag, den fremden Haupt­mann auf eine Stunde zur Weihnachtsfeier herüber zu bitten. Sie weiß, daß er ganz einsam ist. Sie wird den Vater und den Bruder Karl zu überzeu­gen wissen, daß man einmal wenigstens, in der Weihnachtsnacht, allen Haß vergessen soll.

Der alte Tobias geht schweren Herzens hinüber. Er muß zweimal klopfen, ehe dasHerein!" kommt.

Dann steht er vor dem fremden Offizier.Halten zu Gnaden, Herr Hauptmann meine Herrschaft schickt mich, den Herrn Hauptmann auf ein Stünd­chen zur Christnachtsfeier herüber zu bitten."

Hauptmann Lefeore sieht schweigend auf den Al­ten. Dann sagt er mit einer müden Geste:Ich lasse den Herrschaften danken! Ich würde der Ein­ladung Folge leisten, aber ich erwarte jeden Augen­blick meine Frau, die aus Dresden hierher unter­wegs ist."

Er wendet sich kurz ab. Der Diener geht.

Der Hauptmann tritt zum Fenster und starrt in die Winternacht hinaus. Von dem andern Flügel des Schlosses her tönt leise der Gesang der Kinder: O Tannenbaum, o Tannenbaum wie schön sind deine Blätter ..."

Don neuem beginnt Lefeore auf und ab zu gehen. Nervös tastet seine Hand nach der Brust. Der an­dächtige Gesang der Kinder bedrückt ihn. Silbern schlägt die Uhr in die quälende Stille.

Des Hauptmanns Gedanken kreisen seit Stunden schon um die eine Frage: Wo bleibt meine Frau?

Jeanette wird kommen, Jeanette muß kommen; oder aber--wenn ihr etwas zugestoßen ist?

Unablässig kriecht diese grauenhafte Angst in ihm hoch, läßt ihn nicht los. Tausendmal hat er ver­sucht, sich auszurechnen, wann Jeanette aus dem Hauptquartier abgereift fein muß. Tausendmal ist er die Strecke in Gedanken abgeritten.

Immer wieder aber hat ihn der Gedanke gemar­tert: Wenn Marodeure die Straße unsicher machen, wenn Jeanette ermordet wurde?!

Er bemüht sich,. es sich auszureden.

Sein Reitknecht Jean ist ein braver Bursche. Die Pistolen sind gut. Die Pferde laufen wie der Teu­fel. Oft genug ist er mit ihnen gefahren. Was wäre sonst damals an der Beresina mit ihm geworden, als er das Auge verlor? ...

Dom Schloßhof her lärmen mit freudig erregten Stimmen die Kinder. Die Bescherung ist zu Ende. Sie gehen wieder hinunter ins Dorf, in ihre ärm­lichen Hütten. Der Pfarrer führt sie. Hell tönt ihr Lachen bis zu den Fenstern des Hauptmanns hin­auf.

Es klingt wie Hohn in seinen Ohren. Sein Herz geht wie im Fieber. Diese Angst, diese erbärmliche Angst!

Der Hauptmann tritt zum Gabentisch. Der kleine Baum wartet geputzt. Tannenreisig verbreitet fri­schen Duft im Zimmer. Inmitten der Gaben steht das Bild seiner Frau.

Was er an kostbaren Dingen hat auftreiben kön­nen in der verarmten Stadt Breslau, hat er für Jeanette gekauft. Wenn Jeanette sich nur freut ... Jeanette! Wie lange hat er sie nicht in den Ar- men gehalten! Und was liegt dazwischen Not, Entbehrung, Schmerzen, Blut und Tod!

Und wieder packt ihn diese entsetzliche Angst! Jetzt, wo alles glücklich vorüber, wo er dem Rachen bes eisigen Todes entronnen ist, sollte Jeanette ...?

Da hämmern Hufe auf das hartgefrorene Plaster des Schloßhofes. Ein Schlitten hält.

Der Hauptmann stürzt ans Fenster. Deutlich sieht er im fahlen Mondlicht die zarte Gestalt Jeanettes. Neben ihr, der Mann das kann nicht der Reitknecht sein--jetzt erkennt er auch Jean ...

Er eilt hinunter. Sein Herz tobt vor Freude. Tränen füllen sein Auge das eine Auge, das ihm noch blieb. Seine Lippen pressen sich zusammen, schmerzhaft. Was wird Jeanette sagen, ihn so wie­derzusehen?

Auf dem Schloßhof schirrt Jean, der sich wieder leidlich erholt hat, die Pferde aus. Hauptmann Döll­nitz ist Madame Lefevre behilflich, aus Pelzen und Decken zu kommen und führt sie in die Diele.

Dort stürzt ihr Mann auf sie zu.Jeanette .. .!*

Sie stutzt einen Moment. Will ihn ansehen. Will die harten, verwitterten Züge mit einem Blick um­fassen fein Auge--sie weiß es ja ---aber

schon pressen sie beglückte Arme voll seligem Auf­ruhr an die Brust ihres Mannes, der niemand sonst sieht, als Jeanette!

(Fortsetzung folgt.)

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben

Elly

für die überaus reichen Kranz- und Blumenspen­den und die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers aufrichtigen Dank.

Familie Joh. Heuser und alle Angehörigen.

Gießen, den 16. Mai 1933. 3334D

rK Turnverein von 1846 Gießen

I Samstag, den 20. Mai 1933, J abends 8 Uhr, in der Turnhalle am

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Nationale Kundgebung aus Anlaß der Gleich­schaltung im Sinne der Anordnung des Führers der Deutschen Turnerschaft

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Stuttgart ruft! Turner heraus!

Samstag, 20. Mai, nachm. 4 Uhr in der Turnhalle:

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Sonntag, 21. Mai, nachm. 4 Uhr:

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Das Kreisamt Schotten weist darauf hin, daß Warenhäuser und Einheitspreis­geschäfte als Bezugsstellen für die ver­billigten Fette ausdrücklich ausgeschlossen sind.

Filialgeschäfte und Konsumvereine sind vorerst als Bezugsstellen zugelassen.

Kreis Büdingen.

Anläßlich des Nationalsozialistischen Bauern- und Landvolktags in Nidda wird der 3344C

Durchgangsverkehr durch die Stadt Nidda am Sonntag, den 28.2Hai 1933, in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags

für Fahrzeuge aller Art gefpetrf.

Die Umleitung des Verkehrs erfolgt auf Grund der aufgestellten Sperr- und Um­leitungsschilder. Die Weisungen der auf­gestellten Posten sind zu beachten.

Bekanntmachung.

Die Kanalbauarbeiten im Aulweg zwi­schen Wilhelmstraße und Leihgesterner Weg sollen aus Grund der Reichsoerdin­gungsordnung für Bauleistungen öffentlich vergeben werden. 3330D

Die Verdingungsunterlagen und Ange­botsoordrucke sind bei uns erhältlich.

Die Angebote sind versiegelt in einem Briefumschlag ohne Firmenaufdruck, mit entsprechenden Aufschriften versehen späte­stens zum Eröffnungstermin am

Samstag, den 27. Mai 1933 vormittags 10 Uhr

an die Städtischen Kanalisationswerke, Gartenstraße 3 H abzugeben, wo die Er­öffnung der eingegangenen Angebote im Beisein der etwa erschienenen Anbieter er­folgt. Zuschlags- und Bindefrist 4 Wochen.

Gießen, den 16. Mai 1933.

Städtische Kanalisationswerke. Braubach.

Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Betten­hausen für 1933 liegt vom 18. d. 2U. bis 24. b. IN. auf dem Amtszimmer des Bür­germeisters zu jedermanns Einsicht offen. Einwendungen hiergegen können innerhalb dieser Frist schriftlich oder zu Protokoll bei der unterzeichneten Bürgermeisterei oor- gebracht werden. 3323D

Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben.

Bettenhausen, den 16. Mai 1933.

Bürgermeisterei Bettenhausen: Leidner.

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