Ausgabe 
18.5.1933 Erstes Blatt
 
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lehnt werden. Aber es fei nghezu unmöglich, von den Nachbarlandern einen sofortigen Ver­zicht auf ihre militärische Ueberlegenheit zu erwar­ten. Im allgemeinen tonne aus den Aeußerungen . des Kanzlers der Schluß gezogen werden, daß die deutsche Negierung zum mindesten bereit sei, jetzt in einer vernünftigeren Weise die Frage einer A e n d e- rung des Wesens der Reichswehr zu er­örtern. Hitlers Erklärung, daß internationale Ver­träge nur Wert hätten, wenn sie von gleichbe- rechtiHten Nationen abgeschlossen würden, könne nicht be st ritten werden. Es werde nie­mals Ruhe in Europa geben, bevor derer- zw ungene Versailler Vertrag mit einem Mindestmaß von Abänderungen in einen von allen Beteiligten vereinbarten Frieden umgewan­delt sei.

In derFinancial Times" heißt es, der Angriff des Reichskanzlers auf den Versailler Vertrag roerbc in der Londoner City keinen Anstoß erregen, ob­wohl bis gestern der Eindruck bestanden hätte, daß Herrn Hitlers eigene Handlungen und Reden die Aussichten auf eine vereinbarte Revision schädigten. Herrn Hitlers Rede deute aufVersöhnungund Zusammenarbeit auf politischem und wirt­schaftlichem Gebiete hin, und wenn in dieser Richtung fortgefahren würde, sollte die Welt auf dem Wege zu neuer Wohlfahrt vorwärts kommen.

Oer Roosevelt-Vorschlag.

Eine Erläuterung des Weitzen Hauses.

Washington, 18. Mai. (TL.) Angesichts widersprechender Auslegungen des Abrüstungs- Vorschlages Roosevelts erläßt das Weihe Haus folgende Klarstellung: Die amerikanische Regierung geht keinerlei Derpflichtun- ?c n ein, außer bei folgenden Mög - ichkeiten:

1. Wenn sämtliche anderen Rationen die Ab­schaffung der Angriffswaffen be­schließen, werden die Bereinigten Staaten das gleiche tun. Dies ist eine bindende Zusage

2. Wenn sämtliche anderen Rationen während der Abrüstungsperiode Übereinkommen, vorbe­haltlich be st ehender anderslauten­der Verträge nicht in Rachbargebiete e i n z u f a l l e n, werden sich die Vereinigten Staaten diesem Lebereinkommen a n s ch l i e ß e n-

3. 3m Falle einer Verletzung eines solchen Abkommens oder solcher Abkommen wird die amerikanische Regierung die übrigen Mächte über die zu treffenden Maßnahmen konsultieren. Dies ist ebenfalls eine bindende Zusage.

Vom Weißen Haus wird ferner dementiert, daß Roosevelt durch den Inhalt des Abrüstungsvorschla­ges und des Nichtangriffsvorschlages Amerikas traditionelle Jsolierungspolitik aus­gegeben habe. Das Dementi wurde angesichts zahlreicher europäischer Aeußerungen ausgegeben, die darauf abgestellt waren, daß Roosevelt gegen­über Europa eine neue Politik einschlagen werde. Das Dementi ist anscheinend für den Ge- brauck in den Vereinigten Staaten bestimmt. Auf den Appell Roosevelts, der an 44 Nationen gerichtet war, sind bisherlOAntworteneingegau' gen, die sich alle zu stimmend ausgesprochen haben.

Scharfer Protest gegen die Praxis des Effektivausschuffes

Genf, 17. Mai. (TU.) Die Vertreter Deutsch­lands, Italiens und Ungarns gaben im Effektivausschuß der Abrüstungskonferenz heute eine übereinstimmende scharfe Erklärung ab, die sich gegen die bisher angewandte unverantwortliche Beweisführung bei der Be Handlung der Wehrverbände der einzelnen Länder richtet. Die drei Vertreter wiesen darauf hin, daß der mili­tärische Charakter der Wehrverbände, einiger Länder mit unkontrollierbarem Material des Spionagedienstes, mit Zeitungsarti­keln und anderen unverantwortlichen Aeußerungen begründet worden sei, und daß der Effektivausschuß seine offiziellen Beschlüsse auf ein derartiges amt- li ch niemals an erkanntes Material auf- gebaut habe. Aus diesen Gründen müßten die Be- schlüsse des Effektivausschusses als völlig u n haltbar und gegen st andslos angesehen werden. Der Effektivausschuß hat die russische GPU. als eine militärische Organisation erklärt und mit 58 000 Mann bei der künftigen Festsetzung der russischen Effektivstärke in Anrechnung ge­bracht.

Neue Lügenmeldungen über Deutschland.

Berlin, 17. Mai. (WTB.) Im Ausland tauchen neuerdings wieder Greuelmeldungen auf, die von Mißhandlungen, Folterungen u. a. im Zusammen­hang mit der Aktion gegen d i e in a r x i st i - schen Gewerkschaften berichten. So schreibt 3. B. derSozialdernokrats" Riga von angeblichen Mißhandlungen der verhafteten mar- xi st ischen Gewerkschaftsfunktionäre. L e i p a r t und Großmann seien erst der Polizei übergeben worden, nachdem sie in einem Kel­ler gefoltert worden seien undStoßtruppler ihre sadistischen Triebe befriedigt" hätten.

Hierzu teilt der Amtliche Preußische Pressedienst mit, daß diese Meldungen frei erfunden find. Leiport und Großmann wurden mit Rücksicht auf ihr Alter und ihre Leiden sofort nach ihrer Verhaftung in das Staatskranken­haus übergeführt und dort untersucht. Die ärztliche Untersuchung stellte bei Peter Großmann, der am 20. Juli 1873 geboren ist, ein Herzlei­den sowie Gelenktuberkulose im linken Knöchel und bei Theodor Leiport, geboren am 17. Mai 1867, einen Herzfehler und damit im Zusammenhang flehende Leiden fest. M i ß h o n d - lungen sind bei der Aktion gegen die marxistischen Gewerkschaften in keinem Fall vorgekom­men.

Das Nachspiel zum ArombergerSchulprozeß Drei deutsche Lehrer entlassen.

Dromberg, 17. Mai. (CRD. Eig.Meldung.) Zu dem Dromberger Prozeß gegen einen deutschen Schüler wegen angeblicher Mißhandlung des Soh­nes eines deutschen Renegaten Hot es nun ein Rachspiel gegeben. Der Klassenlehrer des deut­schen Sekundaners Krüger, Oberlehrer Dr. Mül­ler vom deutschen Privatghmnasium in Brom- berg, hat die Mitteilung erholten, daß ihm d i e Lehrerlaubnis entzo gen worden ist. Damit kann Dr. Müller seinen Beruf als Ober­lehrer in Polen nicht mehr ausüben. Die Ent­lassung wird mit dem angeblichen Hitlergeist in in seiner Klasse begründet.

Der erste deutsche Angestelltenkongreß.

Berlin, 17. Mai. (WTB. - Funkspruch.) Der Führer des Gesamtverbondes der deutschen Angestelitenverbände, Albert F o r st e r , hat für Freitag, 19. Mai, in den Sitzungssaal des Reichs» Wirtschaftsrates den ersten deutschen Angestellten- kongreh einberufen. Am Donnerstag findet eine Tagung sämtlicher Angestelltenverbände statt, in wetther die Reubildung der deutschen Angestelltenfront vorgenommen werden wird. Dos vorbereitende Bureau zu beiden Ta­gungen befindet sich in Berlin-Wilmersdorf, Kai» serallee 25.

Rach einer Eröffnungsansprache von Georg S ch l o d e r, München, wird A. F o r st e r ein Referat überDie Angestelltenschaft in der Deutschen Arbeiterschaft" halten. Darauf wird der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, überDie Deutsche Arbeitsfront in der Deutschen Volksfront" sprechen. Zu dem Kongreß entsenden je 50 000 Mitglieder der bisherigen Angestellten­verbände einen Delegierten. Da etwa 1,3 Mil­lionen Angestellte in den bisherigen Einzel- verbändcn organisiert sind, wird man mit rund 30 Delegierten der Angestellten rechnen können. Hinzu kommen noch etwa 20 Vertreter des kleinen und etwa 60 Vertreter des großen Kon­vents der Deutschen Arbeitsfront, sowie die Vertreter der Reichsleitung der RSDO.

Die Gliederung der neuen Einheitsgewerkschast.

Die Nationalsozialistische Angestelltengewerkschaft (NSA), die sämtliche deutschen Ängestelltenverbände umfaßt, ist der Gesamtverband der deutschen An­gestelltenverbände innerhalb der deutschen Arbeits­front. Die NSA. gliedert sich in Berufsver­bände, die in voller Selbstverwaltung für ihre Berufsgruppen unter Aufsicht nach den Richtlinien der NSA. ihre Aufgabe zu erfüllen haben. Es wird folgende Berufsverbandsgliederung vorgenommen:

1. DHV. (Deutscher Handlungsgehilfenver­band) für alle männlichen Angestellten, welche mit kaufmännischen Arbeiten beschäftigt sind.

2. Verband Deutscher Techniker für Techniker, Ingenieure, Chemiker und andere.

3. Verband Deutscher Werkmeister für Werkmeister, Poliere, Schacht- und Ziegelmeister und andere.

4. Verband Deutscher Büro - und B e - hördenangestellter für alle männlichen An­gestellten bei Behörden, öffentlich-rechtlichen Körper­

schaften und Büros ohne kaufmännische Dienstlei­stungen.

5. Verband Deutscher Land-, Guts» und Forstwirtschaftsangestellter für alle in der Land- und Forstwirtschaft und deren Zweigen tätigen Fachkräfte.

6. Verband angestellter Aerzie und angeftellter Apotheker.

7. Verband seemännischer 21 n g e ft eil­te r für alle an Bord tätigen seemännischen und technischen Angestellten der Seeschiffahrt.

8. Verband der Deutschen Theater- ange ft eilten und anderer Berufe.

9. Verband der weiblichen Angestell- t e n.

Organe der NSA. find: 1. Der Führer, 2. der Führerbeirat, 3. die (Befamtoertretung, 4. die Ar­beitsausschüsse. Der Führer der NSA. ist der Danziger Gauleiter der NSDAP. Albert F o r st e r. Der Führer ist der gesetzliche Vertreter der NSA. Er leitet die NSA. gestützt auf den Rat und die Hilfe des Führerbeirats. Der Führer entscheidet in allen Fragen selbstverantwortlich und übt alle Rechte aus, die der NSA. nach dieser Satzung zustehen. Der Führer gehört der leitenden Körper­schaft jeden angeschloffenen Verbands a n. Er kann an allen Sitzungen und Tagungen aller Organe der Verbände teilnehmen. Ebenso kann er die Einberufung solcher Sitzungen und Tagungen verlangen oder selbst vornehmen und Anträge zur Beratung stellen. Gegen Handlungen der Verbände kann er Einspruch erheben und die Durchführung verbieten.

Der Führerbeirat wird vom Führer be­rufen. Er besteht aus dem Geschäftsfüh­rer der RSA., welcher gleichzeitig Stellvertre­ter des Führers ist und aus den vom Führer er­nannten Mitgliedern. Der Geschäftsführer wird vom Führer bestellt. Die Gesamtvertre­tung besteht aus dem Führer, dem Geschäftsfüh­rer, dem Führerbeirat und je einem Ver­treter der Verbände. Die Gesamtvertre­tung wird jeweils vom Führer einberufen und hat die Pflicht, an der Erfüllung der genannten Aufgaben mitzuwirken. Der Führer kann für einzelne Aufgabengebiete ständige Arbeits­ausschüsse einsetzen. Die Vorsitzenden dieser Ausschüsse werden vom Führer berufen. 3m Be­darfsfälle kann der Führer Berufung beamteter Sachbearbeiter für Arbeitsausschüsse anstellen.

Die RSA. gliedert sich in Gaue, Kreise und Ortsgruppen. Die Gauführer wer­den vom Führer der RSA., die Kreisführer wer­den vom Gauführer und die Ortsgruppenführer vom Kreisführer ernannt.

Ferner hat der Ministerialrat Sawicki vom Po­sener Schulkuratorium in der deutschen Volks­schule in Brombcrg eine Lntersuchung vor­genommen und die Kinder in Klausur sämtlich ver­nommen. Sämtliche Kinder sagten für ihre Lehrer aus. Trotzdem wurde der deutsche Schul­leiter E ck e r t und der Lehrer Schmelzer ent­lassen. Beiden ist ebenfalls die Lehrer­laubnis entzogen worden.

Dieses Vorgehen ist um so interessanter, als die Briefe, mit denen die Lehrerlaubnis ent­zogen worden ist, bereits vom 9. Mai da­tiert sind. Bekanntlich hat die erste Verhand­lung in dem Dromberger Schulprozeß am 8. Mai stattgefunden; am 12. Mai kam es zu einem Ver- gleich, und zwar nur auf Grund der warnen­den Stimmen der deutschen Presse. Die Tatsache, daß die Entlassung der Lehrer schon vor Be - endigung des Prozesses beschlossene Sache war, beweist, daß der ganze Prozeß nur aufgezogen wurde, um durch die Lrteilsbegrün- dung eine Handhabe gegen die deutschen Schulen zu erhalten.

Oie Zukunst des Stahlhelms.

Ein Aufsatz Seldtcs.

Berlin, 18. Mai. (TL.) 3n der neuesten Rümmer desStahlhelm" macht der Bundes­führer Re.chsarbeitsminister Franz S e l d t e be­merkenswerte Ausführungen über die Zukunst des Stahlhelms; denn darüber, so heißt es u. a., besteht zwischen dem Führer der nationalen Re­volution, dem Kanzler des deutschen Volkes, und mir, dem Gründer und Führer des Stahlhelms, keine Meinungsverschiedenheit: Richt der Or­ganisation des Stahlhelm zu Liebe, noch weniger mir persönlich zu Liebe muß der Stahlhelm erhalten bleiben in seiner Art und in seiner Arbeitsstruktur, sondern um des deutschen Volkes willen. Die Kräfte des alten Sol­datentums, die in langer und opferreicher Zusammenarbeit gestaltet und erprobt sind, haben Werte der Tradition und der Bin­dungen hervorgerusen und lebendig gemacht, die am wenigsten entbehrt werden können, wenn von innen und von außen gefährliche Gegner das Werk der nationalen Revolution bedrohen. 2ch habe Verständnis dafür, daß in Kreisen der Rationalsoziali st ischen Partei die Stellungnahme zu einer politischen, aber nicht-p artet- politischen Organisation wie es der Stahlhelm ist, nicht immer ganz einfach ist. Aber dieses wird sich bei gutem Willen Überwinden lassen. Denn der Stahlhelm muß fein und bleiben wie er war, um seiner Aufgabe willen, um des deutschen Volkes und um des Wertes willen, den er für das Schicksal des deutschen Volkes nicht nur gehabt hat, sondern heute hat und in Zukunst haben wird-

Einschränkung der Vollmacht der Wirtschaftskommiffare.

Berlin, 17. Mai. (WTB. Amtlich.) Der R e i ch s w i r t s ch a f t s m i n i st e r hat sich veran­laßt gesehen, die Komifsare beim Reichsoerband der Deutschen Industrie Dr. h. c. Wagener und 21. Möllers (M. d. R.) darauf hinzuweifen, daß ihre Vollmacht sich nur auf den G e - chäftsbereich des Reichsverbandes > e r Deutschen Industrie und der ihm angc- chlofsenen Verbände erstreckt und daß sie sachlich nur oroeit geht, die Anvassung dieser genannten 23er- bände an die neue Wirtschaftsführung zu gewährlei­sten. Das Schreiben des Reichswirtfchaftsrnini- sters an die Kommissare Dr. h. c. Wagener und A.

I Möllers hat folgenden Wortlaut:

Hinsichtlich des Umfanges der Ihnen unter dem 2. Mai übersandten Vollmacht find Zweifel ent­standen und Klagen wegen Ueberfdjreitung der Vollmacht aus dem Lande eingegangen.

Grundsätzlich muß ich darauf Hinweisen, daß die

Vollmacht keineswegs weitergehen kann als die mir zu stehenden Befugnisse, da ich nicht mehr Rechte zu übertragen vermag, als ich selbst habe. Darüber hinaus weise ich besonders darauf hin, daß nach der Vollmacht die Ein­setzung von weiteren Kommissaren ausdrücklich meiner Zustimmung un­terliegt. Demgemäß bedurften und bedürfen selbstverständlich auch Personalverände­rungen, die in den dem Reichsoerband angeglie­derten Verbänden vorgenommen werden sollen, meiner Zustimmung. Die Vollmacht bezieht sich nur auf den Reichsverband der Deutschen Industrie und die ihm angeschlossenen Verbände und schließt insbesondere nicht Maßnahmen in sich, die von der geltenden Rechtsord­nungabweichen. Derartige Maßnahmen können nur auf gesetzlichem Wege durch die ver­fassungsmäßig berufenen Organe vorgenommen wer­den. Die im Vorsitze des Industrie - und Handelstages vorgenommene Veränderung bitte ich sofort rückgängig zu machen."

Eine Erklärung des Verbindungsstabs der NSDAP, bei der Reichsbahn.

Berlin, 17. Mai. (WTB.) Der Leiter des VerbindungsftabesderNSDAP. hat zur Mitarbeit bei der Klärung von Reichsbahnfragen und insbesondere von Vorwürfen, die in der Def- fentlichkeit erhoben worden sind, einenFührer- st a b bestimmt, der sich aus Vertrauensleuten der NSDAP, zufammenfetzt und die Aufgabe hat, im Zusammenwirken mit dem Generaldirektor der Reichsbahn die erhobenen Vorwürfe zu klären. Bis zur Klärung der Angelegenheit ist es den U n - terglieberungen der NSDAP, ein­schließlich der Reichsbahnfachschasten u n te r ( a g t, die Reichsbahn betreffende 23 er- fammlungen abzuhalten, oder weiterhin Flug­schriften gegen die Reichsbahn zu verbreiten.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident von Hindenburg empfing den Neichsemährungs- und Reichswirtfchastsminifter Hugenberg, sowie den stellvertretenden Führer der Deutschnationalen Front v. Winterfeldt zum gemeinsamen Vortrag.

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Der deutsche Gesandte in Wien Dr. Rieth hat bei der österreichischen Regierung gegen einen in der Roten Fahne" erschienenen, den Reichskanzler be­leidigenden Artikel protestiert, ebenso gegen ein den Reichskanzler in schwerster Weise verun­glimpfendes und beleidigendes Bild und die Bestrafung der verantwortlichen Redakteure verlangt. Die Bestrafung wurde dem Gesandten z u g e f a g t.

Die Stellung des Deutschen Roten Kreuzes im neuen Staate war Gegenstand von Besprechungen zwischen dem Präsidenten v. W i n t e r f e l d t, dem Reichsminister des 3nnern Dr. Frick und dem bevollmächtigten Vertreter des Führers der RSDAP. Rudolf Heß. Aus Grund dieser Be­sprechungen wird nunmehr der Ches des Sani­tätswesens der SA. Generaloberstabsarzt a. D. Dr. H o ch e i s e n als besonderer Beauftragter des Reichsministers des 3nnern die weiteren Fragen klären.

Kunst und Wiffenschast.

Marburger Festspiele 1933.

Die Marburger Festspiele, die sich in den bis­herigen sechs Spielzeiten eines wachsenden Er­folges zu erfreuen hatten, werden auch in diesem Sommer wieder auf der Freilichtbühne stattfinden. Das Programm umfaßt das hessische Refor­matio n s s p i e l, das bereits 1927 eine starke und volkstümliche Wirkung hervorrief, ferner das /Dintermärchen" von Shakespeare und »Die Räuber" von Schiller.

Aus aller Welt.

Schweres Lxplosionsunglück in München.

Ein schweres Explosionsunglück ereignete sich in der Reichsbranntwein-Monopolgesellschaft (früher Gebrüder Macholl) in München. Die an die Unglüctsftelle gerufene Berufsfeuerwehr stellte fest, daß in einem großen leeren Spiritustank, in dem zwei Mann mit Reinigungsarbeiten beschäftigt waren, eine Explosion erfolgt war, durch die die beiden Arbeiter schwer verletzt wurden. Fast zur gleichen Zeit entstand eine zweite Explo­sion aus bisher noch nicht geklärten Gründen. Hier­bei war eine Rohrleitung, die Spiritus zum Keller­raum ablenkt, zerrissen worden. Der aussließenbe Spiritus drang in den Keller, und durch die dort herrschende Hitze ereignete sich eine weitere Explo- fion. Dabei wurde der 24 Jahre alte Schlosser Dingger getötet und fünf weitere Arbeiter schwer verletzt. Die Feuerwehr mußte, um nachfolgende Explosionen hinanzuhalten, den Keller unter Wasser setzen. Der Rettungsdienst verbrachte die Verletzten in das Krankenhaus, wo der am schwersten verletzte 27jährige Hilfsarbeiter Thur- n e r in den Abendstunden seinen Brandwun­den erlegen ist, ebenso ist der 32 Jahre alte Kupferschmied Hümmer an den Folgen der schweren Verletzungen gestorben.

70 Jahre Weinheimer Senioren-Lonvenk.

Am 25. vis 27. Mai feiert der WSC., welches die Corps der Technischen Hochschulen und Berg­akademien Deutschlands umfaßt, sein 70iähriges Bestehen. Er wurde 1863 von den örtlichen SC. zu Karlsruhe, Hannover, Stuttgart und Zürich ge­gründet. Heute sind 14 SC. mit 60 Corps (dar­unter drei suspendierten) in ihm zusammenge­schlossen. Seinen 2700 aktiven Mitgliedern schlie­ßen sich im Rahmen des Weinheimer Verbandes Alter Corpsstudenten rund 8000 Alte Herren an. Aus den Weinheimer Corps sind von Max Eyth bis Dornier viele weit bekannte Ver­treter der Technik, Raturwissenschaften und der Großindustrie hervorgegangen: auch Männer von hohen nationalen Verdiensten, wie Franz Seldte. Die 3ubiläumstagung wird wieder auf der Wachenburg bei Weinheim stattfinden, welche sich der WSC. als steinernes Sinnbild corpsstudentischen Wesens erbaute.

Drahms-Fesi in Wien.

3m Großen Musikvereinssaal in Wien wurde in Anwesenheit des österreichischen Bundesprä­sidenten das große Brahrns-Fest feierlich eröff­net, das von der Deutschen Brahms-Gesellschaft gemeinsam mit der Wiener Gesellschaft der Musik­freunde veranstaltet wird. Generalmusikdirektor Furtwängler hielt die Festrede.

Der Deutsche Buchdruckerverein gibt 20 000 Mark für dieStiftung für Opfer der Arbeit".

Der Deutsche Buchdruckerverein e. 23. hat anläßlich der Auflösung seines Reservefonds einen Betrag von 2 0 0 0 0 Mark für bieStif­tung für Opfer der Arbeit" gestiftet. Der Reichskanzler hat feiner außerordentlichen Freude über diese Spende dadurch Ausdruck gegeben, daß er dem Buchdruckerverein mit einem Dankschreiben sein Bild im silbernen Rahmen übersandt hat.

Geschenke an Hindenburg, Hitler und Goebbels mitGraf Zeppelin".

Wie Kapitän v. S ch i l l e r mitteilt, hat daS LuftschiffGras Zeppelin" vom Gouver­neur von Pernambuco als Geschenk für den Reichspräsidenten v. Hindenburg, Reichs­kanzler Hitler und Reichsminister Goebbels je einen großen Korb mit brasilianischen Früch­ten mitgebracht. Diese Geschenke werden mittels Sonderflugzeug der Deutschen Lufthansa nach Berlin befördert.

Explosion in einer holländischen Fabrik. 28 Arbeiter verletzt.

Infolge der Explosion einer großen Ballon­flasche mit Aether im Keller einer Rotterdamer Fabrik für pharmazeutische Erzeugnisse, brach ein Brand aus, der so schnell um sich griff, daß in weni­gen Minuten das ganze Gebäude in Flam­men st a n d. Die Arbeiter suchten sich eilends in Sicherheit zu bringen. 6 im Keller beschäftigte Arbei­ter liefen im brennenden Kleidern auf die Straße. Viele mußten über die Dächer flüchten. 28 Personen wurden verletzt und ins Krankenhaus geschafft. 13 von ihnen konnten nach ärztlicher Behandlung wieder entlassen werde.n; vier Verwundete befinden sich in besorgniserregendem Zustand. Die Feuerwehr konnte wegen der sich entwickelnden Giftgase nicht an den Brandherd herankommen und mußte sich auf den Schutz der anliegenden Häuser beschränken, die ebenfalls schwer beschädigt wurden und geräumt werden mußten. Das Innere der Fabrik bietet ein Bild der Verwüstung.

Autounglück bei Düsseldorf. Lin Toter, zwei Schwerverletzte.

3n Büderich bei Düsseldorf ereignete sich ein schweres Autounglück, das angeblich durch die Trunkenheit eines Chauffeurs verursacht wurde. Der Chauffeur überfuhr mit seinem Wagen von hinten eine aus vier Personen bestehende Fuß» gängergruppe und raste dann gegen einen Daum, wo der Wagen zertrümmert liegen blieb. Einer der Uebersahrenen, Hermann Zille kens aus Düsseldorf-Heerdt, wurde auf der Stelle ge­tötet, eine Dame und ein junger Mann wurden schwer verletzt, während ein weiterer Fuß­gänger einen Nervenschock erlitt. Der Führer des Wagens blieb unverletzt. Der tödlich Verunglückte war ein bekannter Fußballspieler und gehörte der DüsseldorferFortuna' an. Er kam mit den übrigen Passanten vom Sportplatz in Büderich, wo er eine Mannschaft trainierte.

Vollstreckung eines Todesurteils in Bayern.

Im Hofe des Landgerichtsgefängnisses Deggen­dorf (Niederbayern) wurde das Todesurteil gegen den Dienstknecht Josef Frauendorfer von Kemathen vollstreckt. Frauendorfer war im Oktober 1932 vom Schwurgericyt Deggendorf wegen Raubmordes an der Schreinerstochter Babette Frey in Oberbubach und wegen eines Mordes an deren 3% Jahre alten Nichte Pauline Frey zweimal zum Tode verurteilt worden.

Wcr.crvoraussage.

Die Luftdruckgegensätze haben sich ziemlich aus­geglichen, wobei die nordöstliche Störung sich weiter auffüllte. Heber dem Nordmeer hat sich hoher Druck aufgebaut, der weiter über Deutschland Einfluß ge­winnen wird. Die Bewölkung dürfte dabei mehr zurückgehen, fo daß die Sonnenstrahlung stärker durchgreifen und tagsüber Erwärmung verursachen wird.

Aussichten für Freitag: Dunstig und leicht bewölkt mit Aufheiterung, tagsüber weitere Erwärmung, trocken.

Aussichten für Samstag: Fortdauer des im wesentlichen heiteren und trockenen Wetters mit fortschreitender Erwärmung.