Ausgabe 
18.4.1933 Frühausgabe
 
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S.J.-fpori

Segelflug Auto-Schleppstart im Gießener Flughafen.

Die Segelfliegergruppe des Der­er n s für Luftfahrt in Gießen unternahm am Samstagnachmittag bei günstigenr Flugwetter auf dem hiesigen Flughafen Segelflugversuche mit dein Autoschleppstart, der es ermöglicht, ohne eine große Mannschaft auch im flachen Gelände den Segelflug zu pflegen. Die Dorbereitungen wurden auf das sorgfältigste getroffen. Geflogen wurde mit dem verkleidetenZögling" dem so­genanntenZingo", der zwar durch die Derklei- düng etwakopflastig" geworden ist, sich aber für die Schleppvcrsuche als recht geeignet erwies.

Die Schleppversuche gelangen ausgezeichnet. Als erster flog der bekannte Gießener Segel­flieger Fritz Schmidt, der innerhalb weniger Sekunden eine Höhe von etwa 100 Meter in steilem Anstieg (der etwa im 65-Kilometer-Tempo erfolgt) erreichte, um dann, nach dem Ausklinken in kurzem, aber sicherem Gleitflug wieder nahe der Startstelle zu landen. Einen zweiten Flug unternahm dann Karl Schmidt, der allerdings nur eine geringere Höhe erreichte, aber ebenfalls wieder gut zu Dodcn kam. 2m Laufe des Nach­mittags wurden noch verschiedene Flüge unter­nommen, die den Beweis erbrachten, daß der Autoschleppstart ein vorzügliches Mittel ist, den Segelflug auch im flachen Gelände zu pflegen. Erste Entscheidungen in Süddeutschland

München 1860

und FSV. Frankfurt Abteilungsmeister.

Fast ausnahmslos waren am Ostersonntag alle führenden süddeutschen Mannschaften mit Meister- schaftskämpsen beschäftigt. Die Titelkämpfe konn­ten denn auch zu den ersten Entscheidungen ge­führt werden, sowohl die beiden Abteilungs- meister, wie auch der Pokalsieger wurden ermit­telt. Abteilungsmeister und damit Teilnehmer an den Endspielen um die Deutsche Meisterschaft sind München 60 und FED. Frankfurt. Der Pokal fiel an den DfB. Stuttgart, der nun zu­sammen mit Eintracht Frankfurt und dem Zwei­ten der Abteilung I (1. FC. Dürnberg oder Sp.-Dg. Fürth) die Spiele zur Ermittlung des dritten süddeutschen Vertreters für dieDeutsche" bestreitet.

3n der Abteilung! sicherte sich München 60 die zum Abteilungssieg noch fehlenden Punkte durch einen 3:l-(2:0-)Sieg über den FC. Kaisers­lautern. Kaiserslautern war am Dorabend in Fürth bereits 5:0 (2:0) geschlagen worden. Fürth hatte dadurch gleiche Punktzahl mit dem 1. FC. Dürnberg erreicht und das Entscheidungsspiel um den zweiten Tabellenplatz der Abteilung er­zwungen. Die Münchener Bayern, die als Titel­verteidiger diesmal an der Deutschen Meister­schaft nicht teilnehmen, konnten in Pirmasens den Saarmeister FK. Pirmasens dank ihres schönen Spiels in der ersten Halbzeit verdient mit 3:2 (3:1) schlagen.

3n der Abteilungll sicherte sich der FSV. Frankfurt den Abteilungssieg durch einen knappen, aber verdienten 1:0 (0:0) Sieg über den Karls­ruher FV. Die Frankfurter lagen fast ständig im Angriff, kamen aber dank der guten und auch zahl­reichen Verteidigung des Gegners erst sechs Mi­nuten vor Schluß 51ml siegbringenden Treffer. In Karlsruhe unterlag Phönix dem besseren Spiel der Eintracht Frankfurt mit 1:3 (0:2). Wormatia Worms und Stuttgarter Kickers trennten sich mit einem Unentschieden von 2:2 (2:0).

Pokalsieger wurde der VfB. Stuttgart, der auf dem Stuttgarter Kickersplah im Endspiel vor 6000 Zuschauern den FC. 05 Schweinfurt durch bessere Technik und klügeren Spielaufbau verdient mit 2:1 (2:1) schlug.

Westdeutsche Handball-Meisterschaft.

Iura Barmen ist Meister.

Das Endspiel um die westdeutsche Handballmeister­schaft zwischen Hindenburg M i n d e n und Iura Bar in c n, das in der Dortmunder Kampfbahn Rote Erde" stattfand, war alles andere, denn eine Werbung für den Handballsport. Es wurde beider­seits, namentlich nach^ der Pause, sehr hart gespielt. Es gab auf beiden oeiten einen Platzverweis, und der 'Schiedsrichter sah sich schließlich sogar gezwun­gen, beide Mannschaften geschlossen zu verwarnen. Iura Barmen blieb mit 9:2 (5:2) Sieger. Die aus­gezeichnet zusammenspielende- Mannschaft hatte von Anfang an mehr vom Spiel und siegte verdient.

Im Borkampf um die dritte Bcrtreterstelle West­deutschlands in den DSB.-Endspielen standen sich am Samstag in Kassel der dortige SC. 03 und I Rasensport Mülheim gegenüber. Kassel schaltete die Mülheimer verdient mit 9:6 (5:4) aus und trifft nun am Mittwoch auf den BfB. Aachen, den Sieger der Iroftrunbc. Der Sieger dieses Ireffens ist dann westdeutscher Dritter in den DSB.-Endspielen.

Kurze Sportnotizen

Für die Deutsche Fußball -Mei st er­schuft stehen bislang die folgenden Endspielteil­nehmer fest: FSV. Frankfurt, München 1860 (Süd- deutschland), Schalke 04, Fortuna Düsseldorf (West­deutschland), Dresdener SC. (Mitteldeutschland), Beuthen 09 und Rasensport-Vorwärts Gleiwitz (Südostdeutschland)

Mitteldeutscher Fußball - Mei st er wurde der Dresdener SC., der am Ostermontag in Dresden vor 20 000 Zuschauern das Endspiel gegen den Polizei-SB Chemnitz mit 3:1 (2:0) Ireffern gewann.

Arsenal London braucht aus drei noch aus­stehenden Spiellen nur noch zwei Punkte, um eng­lischer Fußballmeister zu werden.

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Das Berliner Jubiläums- Fu ßball- lurnier von Minerva 93 wurde von MAC. Wien gewonnen. Die Wiener schlugen zuerst Hertha-BSC. mit 3:1 und dann im Endspiel Ferenczcaros Buda­pest 4:3. Die Ungarn hatten vorher Minerva 5:1 besiegt. Das Spiel um den dritten Platz gewann Hertha gegen Minerva mit 5:2.

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Der Olympiasieger im 11 0- Meter - Hürdenlaufen, Georg Saling, ist bei einem Automobil-Unfall tödlich verunglückt.

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Hans Schönrath wurde in Sevilla von Pao- lino über zehn Runden nach Punkten geschlagen.

Boxmeister des DASV. von 18 9 1 wur­den vom Fliegen- bis Schwergewicht: Ostländer- Aachen, A u s b ö ck - München, Dreher-Stutt­gart, Alt- Garmisch, Held- München, Stacho- w i a k - Oberhausen, Glaser-Oberndorf und Steinmüller - Ludwigshafen.

S p o r t k o m m i s s a r des Landes Baden wurde Reichstagsabgeordneter Roth, fein Stellvertreter ist Georg Brechenmacher vom süddeutschen Jugendheim in Ettlingen.

G. Hax - Berlin hat die kommissarische Lei­tung des Deutschen Schwimm-Verbandes übernom­men.

Deutsche Hockey siege gab es in Paris. Der SC. 80 Frankfurt schlug den Gollers Club Paris 4:0 und Stade Francais Paris mit 2:1.

Gießener Osterfußball.

Ergebnisse.

Die I.Elf der S p i e l v e r e i n i g u n g erzielte am Samstagabend gegen die 1. Mannschaft von Germania" Frankfurt ein ihrenoolles Unentschie­den von 1:1 loren. Die 2. Elf des Vereins konnte gegen die 1. von Großen-Buseck auf des Gegners Platz mit 1:2 die Oberhand behalten. Mit einem Siege kehrte auch die 4. Mannschaft aus Grüningen heim. 2:3 lautete das Ergebnis für die Spielver­einigung. Das Spiel Großen-Buseck II 1900 III wurde von Großen-Buseck abgesagt.

Die Jugend-Mannschaften schlugen sich sehr gut und erzielten dabei folgende Ergebnisse: 1. Feiertag: 1900 AI Kickers Offenbach 1:0, 1900 AU Burgsolms I 3:2, 1900 Schüler Burg­solms Schüler 0:6. 2. Feiertag: 1900 AI Union Niederrad AI 3:4, 1900 AH Germania Fulda AI 2:3, 1900 Schüler Union Niederrad Schüler 0:3. Die 2. Handball-Mannschaft der Spielvereinigung 1900 kannte gegen die 1. Elf des Turnvereins Ireis mit 9.5 loren gewinnen.

Die 1. Mannschaft des V fB. empfing am 1. Feier­tag Gäste aus Geisweid-Klafeld. Die Grünweißen siegten mit 2:0 loren. Der zweite Feiertag brachte öe£ Mannschaft im Spiel gegen die Reserveelf des FSV. Frantfurt eine Niederlage von 4:1 loren. Eine kombinierte Mannschaft gewann gegen die 1 Elf von Steinbach mit 6:2 loren. Die Schüler spielten am Samstag in Wetzlar gegen die Schüler des dortigen Sportvereins und erzielten ein Unent­schieden von 0:0 loren. Am Montag wurden die Schüler von den Leihgesterner Schülern mit 0:2 loren geschlagen.

1900 I Germania Frankfurt I 1:1.

Bereits am Samstagabend wurde das erste Spiel der Osterfeiertage ausgetragen. Die Spielvereinigung 1900 hatte sich als Gegner für ihre erste Mannschaft die I.Elf vonGermania" Frankfurt verpflichtet. Die Gäste traten mit Ausnahme zweier Leute in der vorher genannten Aufstellung an. Das Spiel der Frankfurter stellte an die Blauweißen hohe Anfor­derungen. Die Gäste zeigten gutes Kombinations­spiel, wußten sich stets sehr gut freizuspielen und trugen immer wieder gefährliche Angriffe nach vorne. tv' 'chaft war sehr ausgeglichen. Der kleine, aber Das geschieht aua Halblinke gefiel dabei außerordentlich, in Sachsen. Aber eijch vermißte man jedoch auch bei den sie sich das vorhe: den letzten Einsatz vor dem lor, und hatten. Die vier Trschiedene Male, daß aus aussichtsreich- Akt schon sehr deut die Bälle verschossen mürben. "Außer- und die übrigens au°> weitaus mehr hohes Spiel als man liche Verschiedenheit erwartete.

sätzlichkeit noch bergen hatten im wesentlichen die Mann- Krieg überdauert. AbKmnstag genannt wurde, auf dem der Front ihre Gemeinsa,

Frieden und im Laufe der

Haupt bemerkbar. Für Ritter sprang ein neuer <

Besonderes Interesse galt dem Spiel des Zwei­ten ^elertages auf dem Waldsportplah. FSV Frankfurt II. war bei VfB. zu Gast. Die Gäste f-LUten die Erwartungen, die man in sport° .cher Hlnftcht an sie knüpfte. In der Behand- lung des Balles waren sie hervorragend in dec Zusammenarbeit gut. aber doch nicht so ganz a&rFrfjk Grunweißen nicht hätten

gesahrl.ch werden können. Die DsB.er waren ^'Gegner, der zwar ernst zu nehmen, ober doch^nicht völlig gleichwertig war. So behielten die frankfurter immer leicht die Oberhand und lagen immer etwas mehr in der Gießener Halste Walser mußte häufig eingreifen und lat es zu- ocrlaffig Drei der vier Tore für die Frankfurter toaten für ihn nicht zu halten. Bei den Grün- weißen machte sich besonders das Fehlen von

Platze. Lediglich für Henrichs mußte Ersatz beschafft werden. Das Spiel begann zunächst sehr ausge­glichen. Allmählich zeigten sich die Gäste überlegen. Lange stand die Partie 0:0. Erst aus einer Ecke her­aus fiel das erste Tor für die Gäste durch Kopfstoß des Mittelstürmers, der geschickt und unhaltbar für Schlarb verwandeln konnte. Die Blauweißen wur­den dadurch etwas aufgerüttelt, spielten energischer, schufen verschiedentlich einige Chancen, der Erfolg blieb aber den Platzbesitzern zunächst versagt. Ge­gen Ende der ersten Halbzeit erwiesen sich die Gäste als wesentlich besser, taten sich aber nur im Feld­spiel hervor, während schwache lorschußleistungen weitere Erfolge verhinderten. Die Verteidigung 'der 1900er arbeitete außerdem sehr aufopfernd und ver­hinderte zu ihrem Teil jeden Erfolg.

Rach der Pause zogen die Blauweißen frisch vom Leder. Lippert hatte eine prächtige Ge­legenheit. eine schön hereingegebene Flanke von Arnold (der diesmal wieder etwas mehr qe= fallen konnte) zu verwandeln, der Ball ging je­doch knapp neben die Latte. In der 15 Minute der zweiten Halbzeit fiel der Ausgleichstreffer Hoffmann (em neuer Mann) erhielt nach hef­tigem Gedränge vor dem feindlichen Tor und nach verschiedenen Mißverständnissen zwischen der gegnerischen Verteidigung den Ball vor die Füße und schob leicht ein. Damit war der Ausgleich erzielt, bei dem es bleiben sollte. Die Gäste grif- fcn Uüeder an. zeigten sich nach wie

vor leicht felbuberlegen, scheiterten aber immer wie- an Verteidigung. Das Ergebnis ent­spricht dem Spielverlauf. Das Spiel litt unter den unbefriedigenden Leistungen des Schieds­richters.

DfB. I FSB. Frankfurt II 1:4 (0:1).

Mann (Bender) ein, der sich als recht brauchbar erwies.

Der Kampf begann zuerst etwas matt. Die Gäste tasteten und gingen noch nicht völlig aus sich heraus. Immerhin drückten sie leicht. Ihre An­griffe entbehrten zunächst der Systematik, machten aber den Hiesigen die Arbeit dadurch schwer, als sich die Frankfurter durch eine sichere Balltechnik immer wieder durchzuspielen vermochten. Leutheu­ser und Wilhelm waren aber sehr auf der Hut und ließen die Gästestürmer selten zum Torschuß kommen. Die Gießener Stürmer kamen einige Male gut vor das gegnerische Tor, hatten dabei immer wieder Pech. Lehrmund schoß einmal aus aussichtsreicher Stellung knapp neben die Latte. Balser griff einige Male geschickt ein. Das erste Tor (gleichzeitig Halbzeitergebnis) für die Gäste war keine große Tat.

Auf weitaus imponierendere Weife fiel das zweite Tor der Gäste nach der Pause. Der Mittel­stürmer konnte auf eine Vorlage aus der Läufer­reihe entschlossen verwandeln. Balser, nicht ganz aufmerksam, war sehr überrascht. Rach kurzem Geplänkel vor dem Gießener Tor kam es zum dritten Erfolg für die Gäste. Balser hätte den Ball halten müssen. Unhaltbar war dagegen das vierte Tor, das wiederum durch den Mittelstür­mer, und zwar auf die gleiche Weise wie der zweite Erfolg, für die Frankfurter fiel. Schmidt rettete die Ehre des Tages für feinen Verein. Das Eh­rentor war längst verdient. Das Spiel gefiel be­sonders zum Schluß gut. Die Gäste, wie auch die Gastgeber hinterließen guten Eindruck, lieber das Spiel VfB. I. gegen Geisweid-Klafeld I. werden wir noch berichten. Dieses Spiel konnten die Grün- weißen mit 2:0 (0:0) Toren für sich entscheiden.

Oie Vorgänge in der Krankenversicherung.

Man schreibt uns: In diesen Tagen ist viel über unerhörte Mißstände bei Ortskrankenkassen und ihren Verbänden berichtet worden. Es wird leicht übersehen, daß diese Vorwürfe nicht die Kranken­versicherung als solche treffen, sondern die marxi- stischen Kreise der Ortskrankenkassen, die in der Nachkriegszeit den maßgebenden Einfluß auf die Krankenversicherung gehabt haben. Unbe­rührt lassen diese Vorwürfe insbesondere die auf beruflich betrieblicher Grundlage aufgebauten B e - triebskranken kaffen. Schon viele Jahr­zehnte vor Einführung der reichsgesetzlichen Kran­kenversicherung (1883) bestanden bei größeren Jn- dustrieunternehmungen Fabrik - Krankenkassen, die später vom Gesetzgeber als Betriebskrankenkassen übernommen worden sind. Bismarck ist bei der Schaffung der gesetzlichen Krankenversicherung von dem bewährten Vorbild dieser Fabrikkrankenkassen ausgegangen. Die Eigenart und Stärke der Be­triebskrankenkassen liegt heute wie ehedem in der unmittelbaren engen Verbindung der Krankenkasse mit dem Betriebe. Die Kassenmitglieder fühlen sich hier als Angehörige einer Werksgemeinschaft in weitestem Maße verantwortlich für das Geschick ihrer Versicherungseinrichtung. Die Kassenoerwal- tung ist einfach und billig, denn die Verwaltungs- einrid)tungen des Unternehmens können ohne son­derlichen Mehraufwand für die Zwecke der Kran­kenkasse mit verwendet werden. Sei den B e - triebskrankenkassen gibt es daher keine Verwaltungspaläste und keine kostspieligen Eigen betriebe. Das Per­sonal wird vom Betriebsunternehmer gestellt und von ihm bezahlt. Für die überwiegende Zahl der Betriebskrankenkassen braucht überhaupt besonderes Personal nicht angestellt zu werden, weil die Ge­schäfte von den Angestellten der Firma ohne Schwie­rigkeiten mit erledigt werden können. Infolgedessen sind die Verwaltungsunkosten bei den Betriebs­krankenkassen verschwindend gering, so daß bei ihnen die Kassenbeiträge zu etwa 99 v. H. in Form von Leistungen an die Versicherten und ihre Familien­angehörigen zurückfließen. Die in den Betriebs- krankenkassen von dem Unternehmer und den Be­triebsangehörigen im Sinne der werksgemeinschaft- lichen Idee, des Werksverbandes, geleistete Zusam­menarbeit führt zu einem gegenseitigen Kennen­lernen und Verstehen auf allen Gebieten. Hier ist die Zugehörigkeit zu einem höheren Ganzen leben­dig, die ausgleichend und versöhnend wirkt. Die in der betriebsgebundenen Organisation der Betriebs- krankenkassen liegenden Vorzüge dieser Kassenart finden ihren Ausdruck in dem bei ihnen herrschen­den Grundsatz: kleinster Aufwand größte Leistun­gen. Das heute allgemein geforderte berufftän-- dischePrinzipderSozialversicheruug ist hier seit jeher erfolgreich verwirklicht.

Wirtschaft.

Kalkdüngung tut not!

die

APR. Die Kalkdüngerversorgung, die uns___

Autarkie in Brot- und Futtergetreide sichert, ist in der Grundtendenz gelöst. Alle vier Grund- kunstdüngcr, Kalk, Kali, Phosphorsäure und Stick- stoss haben wir in genügenden Mengen zur Ver- fügung. Die Herbeiführung eines gesunden Ver­hältnisses zwischen den Kunstdüngerpreisen und den Getreidepreisen ist nunmehr die wichtigste Aufgabe, die das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft zu lösen hat. Die aller- wichtigste Frage ist aber -für uns Landwirte die Kalkfrage. In ungeheuren Mengen kommt Kalk in unserem Lande vor und würde gerne von der ganzen Landwirtschaft in Riesenmassen verwen­det, wenn die Preise einigermaßen erschwinglich wären. Selbst dem Laien muß es auffallen, und er schüttelt den Kopf, wenn er hört, daß die Fracht des Kalkes bis zur Station des Empfän­gers teurer ist als die Ware selbst. Jeder ver­nünftig denkende Mensch kann dies nicht fassen. Darum sei hier dem Herrn Minister für Er­nährung und Landwirtschaft ein Fingerzeig ge° geben, wie er eingreifen kann, um schnell dem Allgemeinwohl zu dienen. Wäre es nicht möglich den verhängnisvollen Frachtsatz so zu senken' daß dem Landwirt die Möglichkeit der Kalkung seiner Aecker und Wiesen im großen Maßstabe gegeben würde? Drei Viertel unserer Ländereien sind leichter Boden, drei Viertel unserer Grün- s Unö Wiesenflächen bedürfen unbedingt der Kalkung. Jeder Landwirt war an Händen und dunen gefesselt, er konnte nicht die Riesen- frachten aufbringen, um den Kalk zu beziehen, den er so überaus notwendig gebrauchte.

f£in£ vorstellen, daß die Bahn den Kalk als Ballast-Transport zu befördern ge° Zungen wurde. Richt etwa mit Zusahtarif von oer Bahn, sondern mit einem kleinen Ueberschuß- ScjVon 3 Mk. für den Waggon gedacht, ui n Li r 2?"gen ln Deutschland spazieren zu fahren, konnten die Zuge volle Kalkwaqen Mergel oder Aetzkait an die Stationen befördern,

Auf Anregung des Reichskommissars für Luftfahrt erhalten die Sportflieger jetzt eine sehr kleid­same einheitliche Uniform. Jacke und Hose sind aus blaugrauem Tuch, die Knöpfe mattsilbern. Dazu wird ein hellblaues Hemd mit schwarzer Kra- vatte getragen. Die Schirmmütze trägt das Flieger­abzeichen.

die doch befahren werden müssen. Welche Men­gen deutscher Menschen könnten dann wohl in den Kalkwerken arbeiten, um die Rachfrage zu decken. Der bedeutend größere Umsatz dieser Werke würde auch den Kalk wieder verbilligen, und dieser würde dann seinerseits den leichten Boden und die Wiesen vor der immer größer werdenden Versauerung schützen. Gerade der leichte Boden wird durch unsere kalkansichreißen- den Kunstdüngemittel kalkarm gemacht und darum wirken auch oft unsre^sauer reagierenden Kunst­düngermittel nicht mehr. Ein weitsichtiges land­wirtschaftliches Ministerium muß unbedingt die Kalkfrage zuerst anfassen, um dadurch der anderen Kunstdüngerindustrie die Existenzmöglichkeit zu geben. Die Landwirtschaft des leichten Bodens dürstet nach Kalk, kann aber infolge des Ver­haltens der Eisenbahn dieses Produkt nicht kaufen. Die Aecker werden von Jahr zu Jahr saurer und saurer, die Erträge fallen und dadurch ver­teuert sich für den Landwirt die Erzeugung.

Mahnend möchte ich daher dem Herrn Minister für Ernährung und Landwirtschaft zurufen: Zwingen Sie die Bahn zu billigstem Selbst­kostentarif mit 3 Mark Gewinn pro Waggon: die Kalkwerke werden dann Maßnahmen zur Her­stellung der verlangten Mengen treffen. Herr Hugenberg, das wäre eine Tat!

Schöffengericht Gießen

* Gießen, 12. April. Das Schöffengericht ver­handelte heute gegen einen mehrmals wegen Be­trugs vorbestraften Angeklagten. Auch heute wurde ihm wieder Betrug zur Last' gelegt. Er hatte sich in einem benachbarten Dorfe in einem Gasthaus ein­logiert und dort 8 Tage gewohnt. Sodann hatte er sich von seinen Wirtsleuten ein Fahrrad entliehen und war unter der Angabe, er käme am Abend wieder zurück, davongefahren. Er blieb jedoch unter Zurücklassung seiner Logierschuld verschwunden. Aus der Beweisaufnahme ergab sich, daß der Angeklagte in betrügerischer Absicht gehandelt hatte. Der An­geklagte war auch selbst geständig, nur behauptete er, in Not gehandelt zu haben. Unter Zubilligung mildernder Umstände erhielt er eine Gefängnis- ftrafe von 6 Monaten.

Im Sommer 1931 waren aus dem Hof eines hie­sigen Hauses 3 Fahrräder gestohlen worden. Die Nachforschungen lenkten den Verdacht des Diebstahls auf die drei Angeklagten: zwei junge Männer, ein Mädchen. In der bisherigen Untersuchung hatten die Angeklagten samt und sonders geleugnet. Heute ga­ben sie den Diebstahl zu. Der Hauptbeteiligte erhielt, zumal er rückfälliger Dieb war, eine Gefäng­nisstrafe von einem Jahr, die beiden anderen Angeklagten Gefängnisstrafen v o n 5 b z w. 3 M o n a t e n. Hinsichtlich der beiden letzteren Stra­fen gewährte das Gericht mit Rücksicht auf die bis- Ijerige Unbestraftheit der Verurteilten bedingten Strafaufschub.

Aus aller Wett.

Die deutsche Burschenschaft

fehl sich für Aufklärungsarbeit im Ausland ein.

Die Deutsche Burschenschaft bat in einem Auf­ruf ihre mehr als 40 000 Mitglieder aufgefor­dert, alle persönlichen Beziehungen zu Freunden und Bekannten im Auslande zur Bekämpfung der gegen das Deutsche Reich gerichteten Greuel- propaganda auszunuhen. Heber den unmittel­baren Anlaß der Greuelpropaganda hinaus sieht aber die Deutsche Burschenschaft die Rotwendig­keit, alle persönlichen Beziehungen zum Auslande zur Werbung für das nationale Deutschland und seine Ziele ei nzu sehen und so eine zukünftige deutsche Außenpol.tik vorzubereiten. Es gilt, die mannigfaltigen Beziehungen geistiger und per­sönlicher Art, die Deutschland über Kunst und Wissenschaft, Handel und Technik mit dem Aus­lande verbinden, planmäßig zusammen- z u f a s s e n und zu einem wirksamen Instrument der deutschen Außenpolitil auszugestalten. In diesem Sinne beabsichtigt die Deutsche Burschen­schaft, auch an andere studentische Gruppen mit der Anregung zu einer Zu- s a m m e n a r b e i t auf diesem Gebiete heran­zutreten.

Ein Reichsbund deulschnationaler Juristen.

Zur Wahrung der Standesinteressen und zur Vertretung der deutschnationalen Forderungen auf allen Rechtsgebieten hat sich ein Reichsbund dcutschnationaler Juristen mit dem Sih in Ber­lin gebildet. Der Bund gliedert sich in die Unter­gruppen Richter und Staatsanwälte, Rechtsan­wälte (Patentanwälte) und Rotare, Derwal- tungsjuristen, Assessoren und Referendare. Der Aufruf zum Beitritt ergeht an alle Juristen, die auf d e m B o d e n k o n s e rv a t iv e r Welt­anschauung stehen und denen die Weiter­entwicklung eines wahrhaft deut­schen Rechts am Herzen liegt.