S.J.-fpori
Segelflug — Auto-Schleppstart im Gießener Flughafen.
Die Segelfliegergruppe des Derer n s für Luftfahrt in Gießen unternahm am Samstagnachmittag bei günstigenr Flugwetter auf dem hiesigen Flughafen Segelflugversuche mit dein Autoschleppstart, der es ermöglicht, ohne eine große Mannschaft auch im flachen Gelände den Segelflug zu pflegen. Die Dorbereitungen wurden auf das sorgfältigste getroffen. Geflogen wurde mit dem verkleideten „Zögling" dem sogenannten „Zingo", der zwar durch die Derklei- düng etwa „kopflastig" geworden ist, sich aber für die Schleppvcrsuche als recht geeignet erwies.
Die Schleppversuche gelangen ausgezeichnet. Als erster flog der bekannte Gießener Segelflieger Fritz Schmidt, der innerhalb weniger Sekunden eine Höhe von etwa 100 Meter in steilem Anstieg (der etwa im 65-Kilometer-Tempo erfolgt) erreichte, um dann, nach dem Ausklinken in kurzem, aber sicherem Gleitflug wieder nahe der Startstelle zu landen. Einen zweiten Flug unternahm dann Karl Schmidt, der allerdings nur eine geringere Höhe erreichte, aber ebenfalls wieder gut zu Dodcn kam. 2m Laufe des Nachmittags wurden noch verschiedene Flüge unternommen, die den Beweis erbrachten, daß der Autoschleppstart ein vorzügliches Mittel ist, den Segelflug auch im flachen Gelände zu pflegen. Erste Entscheidungen in Süddeutschland
München 1860
und FSV. Frankfurt Abteilungsmeister.
Fast ausnahmslos waren am Ostersonntag alle führenden süddeutschen Mannschaften mit Meister- schaftskämpsen beschäftigt. Die Titelkämpfe konnten denn auch zu den ersten Entscheidungen geführt werden, sowohl die beiden Abteilungs- meister, wie auch der Pokalsieger wurden ermittelt. Abteilungsmeister und damit Teilnehmer an den Endspielen um die Deutsche Meisterschaft sind München 60 und FED. Frankfurt. Der Pokal fiel an den DfB. Stuttgart, der nun zusammen mit Eintracht Frankfurt und dem Zweiten der Abteilung I (1. FC. Dürnberg oder Sp.-Dg. Fürth) die Spiele zur Ermittlung des dritten süddeutschen Vertreters für die „Deutsche" bestreitet.
3n der Abteilung! sicherte sich München 60 die zum Abteilungssieg noch fehlenden Punkte durch einen 3:l-(2:0-)Sieg über den FC. Kaiserslautern. Kaiserslautern war am Dorabend in Fürth bereits 5:0 (2:0) geschlagen worden. Fürth hatte dadurch gleiche Punktzahl mit dem 1. FC. Dürnberg erreicht und das Entscheidungsspiel um den zweiten Tabellenplatz der Abteilung erzwungen. Die Münchener Bayern, die als Titelverteidiger diesmal an der Deutschen Meisterschaft nicht teilnehmen, konnten in Pirmasens den Saarmeister FK. Pirmasens dank ihres schönen Spiels in der ersten Halbzeit verdient mit 3:2 (3:1) schlagen.
3n der Abteilungll sicherte sich der FSV. Frankfurt den Abteilungssieg durch einen knappen, aber verdienten 1:0 (0:0) Sieg über den Karlsruher FV. Die Frankfurter lagen fast ständig im Angriff, kamen aber dank der guten und auch zahlreichen Verteidigung des Gegners erst sechs Minuten vor Schluß 51ml siegbringenden Treffer. In Karlsruhe unterlag Phönix dem besseren Spiel der Eintracht Frankfurt mit 1:3 (0:2). Wormatia Worms und Stuttgarter Kickers trennten sich mit einem Unentschieden von 2:2 (2:0).
Pokalsieger wurde der VfB. Stuttgart, der auf dem Stuttgarter Kickersplah im Endspiel vor 6000 Zuschauern den FC. 05 Schweinfurt durch bessere Technik und klügeren Spielaufbau verdient mit 2:1 (2:1) schlug.
Westdeutsche Handball-Meisterschaft.
Iura Barmen ist Meister.
Das Endspiel um die westdeutsche Handballmeisterschaft zwischen Hindenburg M i n d e n und Iura Bar in c n, das in der Dortmunder Kampfbahn „Rote Erde" stattfand, war alles andere, denn eine Werbung für den Handballsport. Es wurde beiderseits, namentlich nach^ der Pause, sehr hart gespielt. Es gab auf beiden oeiten einen Platzverweis, und der 'Schiedsrichter sah sich schließlich sogar gezwungen, beide Mannschaften geschlossen zu verwarnen. Iura Barmen blieb mit 9:2 (5:2) Sieger. Die ausgezeichnet zusammenspielende- Mannschaft hatte von Anfang an mehr vom Spiel und siegte verdient.
Im Borkampf um die dritte Bcrtreterstelle Westdeutschlands in den DSB.-Endspielen standen sich am Samstag in Kassel der dortige SC. 03 und I Rasensport Mülheim gegenüber. Kassel schaltete die Mülheimer verdient mit 9:6 (5:4) aus und trifft nun am Mittwoch auf den BfB. Aachen, den Sieger der Iroftrunbc. Der Sieger dieses Ireffens ist dann westdeutscher Dritter in den DSB.-Endspielen.
Kurze Sportnotizen
Für die Deutsche Fußball -Mei st erschuft stehen bislang die folgenden Endspielteilnehmer fest: FSV. Frankfurt, München 1860 (Süd- deutschland), Schalke 04, Fortuna Düsseldorf (Westdeutschland), Dresdener SC. (Mitteldeutschland), Beuthen 09 und Rasensport-Vorwärts Gleiwitz (Südostdeutschland)
Mitteldeutscher Fußball - Mei st er wurde der Dresdener SC., der am Ostermontag in Dresden vor 20 000 Zuschauern das Endspiel gegen den Polizei-SB Chemnitz mit 3:1 (2:0) Ireffern gewann.
Arsenal London braucht aus drei noch ausstehenden Spiellen nur noch zwei Punkte, um englischer Fußballmeister zu werden.
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Das Berliner Jubiläums- Fu ßball- lurnier von Minerva 93 wurde von MAC. Wien gewonnen. Die Wiener schlugen zuerst Hertha-BSC. mit 3:1 und dann im Endspiel Ferenczcaros Budapest 4:3. Die Ungarn hatten vorher Minerva 5:1 besiegt. Das Spiel um den dritten Platz gewann Hertha gegen Minerva mit 5:2.
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Der Olympiasieger im 11 0- Meter - Hürdenlaufen, Georg Saling, ist bei einem Automobil-Unfall tödlich verunglückt.
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Hans Schönrath wurde in Sevilla von Pao- lino über zehn Runden nach Punkten geschlagen.
Boxmeister des DASV. von 18 9 1 wurden vom Fliegen- bis Schwergewicht: Ostländer- Aachen, A u s b ö ck - München, Dreher-Stuttgart, Alt- Garmisch, Held- München, Stacho- w i a k - Oberhausen, Glaser-Oberndorf und Steinmüller - Ludwigshafen.
S p o r t k o m m i s s a r des Landes Baden wurde Reichstagsabgeordneter Roth, fein Stellvertreter ist Georg Brechenmacher vom süddeutschen Jugendheim in Ettlingen.
G. Hax - Berlin hat die kommissarische Leitung des Deutschen Schwimm-Verbandes übernommen.
Deutsche Hockey siege gab es in Paris. Der SC. 80 Frankfurt schlug den Gollers Club Paris 4:0 und Stade Francais Paris mit 2:1.
Gießener Osterfußball.
Ergebnisse.
Die I.Elf der S p i e l v e r e i n i g u n g erzielte am Samstagabend gegen die 1. Mannschaft von „Germania" Frankfurt ein ihrenoolles Unentschieden von 1:1 loren. Die 2. Elf des Vereins konnte gegen die 1. von Großen-Buseck auf des Gegners Platz mit 1:2 die Oberhand behalten. Mit einem Siege kehrte auch die 4. Mannschaft aus Grüningen heim. 2:3 lautete das Ergebnis für die Spielvereinigung. Das Spiel Großen-Buseck II — 1900 III wurde von Großen-Buseck abgesagt.
Die Jugend-Mannschaften schlugen sich sehr gut und erzielten dabei folgende Ergebnisse: 1. Feiertag: 1900 AI — Kickers Offenbach 1:0, 1900 AU — Burgsolms I 3:2, 1900 Schüler — Burgsolms Schüler 0:6. — 2. Feiertag: 1900 AI — Union Niederrad AI 3:4, 1900 AH — Germania Fulda AI 2:3, 1900 Schüler — Union Niederrad Schüler 0:3. — Die 2. Handball-Mannschaft der Spielvereinigung 1900 kannte gegen die 1. Elf des Turnvereins Ireis mit 9.5 loren gewinnen.
Die 1. Mannschaft des V fB. empfing am 1. Feiertag Gäste aus Geisweid-Klafeld. Die Grünweißen siegten mit 2:0 loren. Der zweite Feiertag brachte öe£ Mannschaft im Spiel gegen die Reserveelf des FSV. Frantfurt eine Niederlage von 4:1 loren. Eine kombinierte Mannschaft gewann gegen die 1 Elf von Steinbach mit 6:2 loren. Die Schüler spielten am Samstag in Wetzlar gegen die Schüler des dortigen Sportvereins und erzielten ein Unentschieden von 0:0 loren. Am Montag wurden die Schüler von den Leihgesterner Schülern mit 0:2 loren geschlagen.
1900 I — Germania Frankfurt I 1:1.
Bereits am Samstagabend wurde das erste Spiel der Osterfeiertage ausgetragen. Die Spielvereinigung 1900 hatte sich als Gegner für ihre erste Mannschaft die I.Elf von „Germania" Frankfurt verpflichtet. Die Gäste traten mit Ausnahme zweier Leute in der vorher genannten Aufstellung an. Das Spiel der Frankfurter stellte an die Blauweißen hohe Anforderungen. Die Gäste zeigten gutes Kombinationsspiel, wußten sich stets sehr gut freizuspielen und trugen immer wieder gefährliche Angriffe nach vorne. tv' 'chaft war sehr ausgeglichen. Der kleine, aber Das geschieht aua Halblinke gefiel dabei außerordentlich, in Sachsen. Aber eijch vermißte man jedoch auch bei den sie sich das vorhe: den letzten Einsatz vor dem lor, und hatten. Die vier Trschiedene Male, daß aus aussichtsreich- Akt schon sehr deut die Bälle verschossen mürben. "Außer- und die übrigens au°> weitaus mehr hohes Spiel als man liche Verschiedenheit erwartete.
sätzlichkeit noch bergen hatten im wesentlichen die Mann- Krieg überdauert. AbKmnstag genannt wurde, auf dem der Front ihre Gemeinsa,
Frieden und im Laufe der
Haupt bemerkbar. Für Ritter sprang ein neuer <
Besonderes Interesse galt dem Spiel des Zweiten ^elertages auf dem Waldsportplah. FSV Frankfurt II. war bei VfB. zu Gast. Die Gäste f-LUten die Erwartungen, die man in sport° .cher Hlnftcht an sie knüpfte. In der Behand- lung des Balles waren sie hervorragend in dec Zusammenarbeit gut. aber doch nicht so ganz a&rFrfjk Grunweißen nicht hätten
gesahrl.ch werden können. Die DsB.er waren ^'Gegner, der zwar ernst zu nehmen, ober doch^nicht völlig gleichwertig war. So behielten die frankfurter immer leicht die Oberhand und lagen immer etwas mehr in der Gießener Halste Walser mußte häufig eingreifen und lat es zu- ocrlaffig Drei der vier Tore für die Frankfurter toaten für ihn nicht zu halten. Bei den Grün- weißen machte sich besonders das Fehlen von
Platze. Lediglich für Henrichs mußte Ersatz beschafft werden. Das Spiel begann zunächst sehr ausgeglichen. Allmählich zeigten sich die Gäste überlegen. Lange stand die Partie 0:0. Erst aus einer Ecke heraus fiel das erste Tor für die Gäste durch Kopfstoß des Mittelstürmers, der geschickt und unhaltbar für Schlarb verwandeln konnte. Die Blauweißen wurden dadurch etwas aufgerüttelt, spielten energischer, schufen verschiedentlich einige Chancen, der Erfolg blieb aber den Platzbesitzern zunächst versagt. Gegen Ende der ersten Halbzeit erwiesen sich die Gäste als wesentlich besser, taten sich aber nur im Feldspiel hervor, während schwache lorschußleistungen weitere Erfolge verhinderten. Die Verteidigung 'der 1900er arbeitete außerdem sehr aufopfernd und verhinderte zu ihrem Teil jeden Erfolg.
Rach der Pause zogen die Blauweißen frisch vom Leder. Lippert hatte eine prächtige Gelegenheit. eine schön hereingegebene Flanke von Arnold (der diesmal wieder etwas mehr qe= fallen konnte) zu verwandeln, der Ball ging jedoch knapp neben die Latte. In der 15 Minute der zweiten Halbzeit fiel der Ausgleichstreffer Hoffmann (em neuer Mann) erhielt nach heftigem Gedränge vor dem feindlichen Tor und nach verschiedenen Mißverständnissen zwischen der gegnerischen Verteidigung den Ball vor die Füße und schob leicht ein. Damit war der Ausgleich erzielt, bei dem es bleiben sollte. Die Gäste grif- fcn Uüeder an. zeigten sich nach wie
vor leicht felbuberlegen, scheiterten aber immer wie- an Verteidigung. Das Ergebnis entspricht dem Spielverlauf. Das Spiel litt unter den unbefriedigenden Leistungen des Schiedsrichters.
DfB. I — FSB. Frankfurt II 1:4 (0:1).
Mann (Bender) ein, der sich als recht brauchbar erwies.
Der Kampf begann zuerst etwas matt. Die Gäste tasteten und gingen noch nicht völlig aus sich heraus. Immerhin drückten sie leicht. Ihre Angriffe entbehrten zunächst der Systematik, machten aber den Hiesigen die Arbeit dadurch schwer, als sich die Frankfurter durch eine sichere Balltechnik immer wieder durchzuspielen vermochten. Leutheuser und Wilhelm waren aber sehr auf der Hut und ließen die Gästestürmer selten zum Torschuß kommen. Die Gießener Stürmer kamen einige Male gut vor das gegnerische Tor, hatten dabei immer wieder Pech. Lehrmund schoß einmal aus aussichtsreicher Stellung knapp neben die Latte. Balser griff einige Male geschickt ein. Das erste Tor (gleichzeitig Halbzeitergebnis) für die Gäste war keine große Tat.
Auf weitaus imponierendere Weife fiel das zweite Tor der Gäste nach der Pause. Der Mittelstürmer konnte auf eine Vorlage aus der Läuferreihe entschlossen verwandeln. Balser, nicht ganz aufmerksam, war sehr überrascht. Rach kurzem Geplänkel vor dem Gießener Tor kam es zum dritten Erfolg für die Gäste. Balser hätte den Ball halten müssen. Unhaltbar war dagegen das vierte Tor, das wiederum durch den Mittelstürmer, und zwar auf die gleiche Weise wie der zweite Erfolg, für die Frankfurter fiel. Schmidt rettete die Ehre des Tages für feinen Verein. Das Ehrentor war längst verdient. Das Spiel gefiel besonders zum Schluß gut. Die Gäste, wie auch die Gastgeber hinterließen guten Eindruck, lieber das Spiel VfB. I. gegen Geisweid-Klafeld I. werden wir noch berichten. Dieses Spiel konnten die Grün- weißen mit 2:0 (0:0) Toren für sich entscheiden.
Oie Vorgänge in der Krankenversicherung.
Man schreibt uns: In diesen Tagen ist viel über unerhörte Mißstände bei Ortskrankenkassen und ihren Verbänden berichtet worden. Es wird leicht übersehen, daß diese Vorwürfe nicht die Krankenversicherung als solche treffen, sondern die marxi- stischen Kreise der Ortskrankenkassen, die in der Nachkriegszeit den maßgebenden Einfluß auf die Krankenversicherung gehabt haben. Unberührt lassen diese Vorwürfe insbesondere die auf beruflich betrieblicher Grundlage aufgebauten B e - triebskranken kaffen. Schon viele Jahrzehnte vor Einführung der reichsgesetzlichen Krankenversicherung (1883) bestanden bei größeren Jn- dustrieunternehmungen Fabrik - Krankenkassen, die später vom Gesetzgeber als Betriebskrankenkassen übernommen worden sind. Bismarck ist bei der Schaffung der gesetzlichen Krankenversicherung von dem bewährten Vorbild dieser Fabrikkrankenkassen ausgegangen. Die Eigenart und Stärke der Betriebskrankenkassen liegt heute wie ehedem in der unmittelbaren engen Verbindung der Krankenkasse mit dem Betriebe. Die Kassenmitglieder fühlen sich hier als Angehörige einer Werksgemeinschaft in weitestem Maße verantwortlich für das Geschick ihrer Versicherungseinrichtung. Die Kassenoerwal- tung ist einfach und billig, denn die Verwaltungs- einrid)tungen des Unternehmens können ohne sonderlichen Mehraufwand für die Zwecke der Krankenkasse mit verwendet werden. Sei den B e - triebskrankenkassen gibt es daher keine Verwaltungspaläste und keine kostspieligen Eigen betriebe. Das Personal wird vom Betriebsunternehmer gestellt und von ihm bezahlt. Für die überwiegende Zahl der Betriebskrankenkassen braucht überhaupt besonderes Personal nicht angestellt zu werden, weil die Geschäfte von den Angestellten der Firma ohne Schwierigkeiten mit erledigt werden können. Infolgedessen sind die Verwaltungsunkosten bei den Betriebskrankenkassen verschwindend gering, so daß bei ihnen die Kassenbeiträge zu etwa 99 v. H. in Form von Leistungen an die Versicherten und ihre Familienangehörigen zurückfließen. Die in den Betriebs- krankenkassen von dem Unternehmer und den Betriebsangehörigen im Sinne der werksgemeinschaft- lichen Idee, des Werksverbandes, geleistete Zusammenarbeit führt zu einem gegenseitigen Kennenlernen und Verstehen auf allen Gebieten. Hier ist die Zugehörigkeit zu einem höheren Ganzen lebendig, die ausgleichend und versöhnend wirkt. Die in der betriebsgebundenen Organisation der Betriebs- krankenkassen liegenden Vorzüge dieser Kassenart finden ihren Ausdruck in dem bei ihnen herrschenden Grundsatz: kleinster Aufwand — größte Leistungen. Das heute allgemein geforderte berufftän-- dischePrinzipderSozialversicheruug ist hier seit jeher erfolgreich verwirklicht.
Wirtschaft.
Kalkdüngung tut not!
die
APR. Die Kalkdüngerversorgung, die uns___
Autarkie in Brot- und Futtergetreide sichert, ist in der Grundtendenz gelöst. Alle vier Grund- kunstdüngcr, Kalk, Kali, Phosphorsäure und Stick- stoss haben wir in genügenden Mengen zur Ver- fügung. Die Herbeiführung eines gesunden Verhältnisses zwischen den Kunstdüngerpreisen und den Getreidepreisen ist nunmehr die wichtigste Aufgabe, die das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft zu lösen hat. Die aller- wichtigste Frage ist aber -für uns Landwirte die Kalkfrage. In ungeheuren Mengen kommt Kalk in unserem Lande vor und würde gerne von der ganzen Landwirtschaft in Riesenmassen verwendet, wenn die Preise einigermaßen erschwinglich wären. Selbst dem Laien muß es auffallen, und er schüttelt den Kopf, wenn er hört, daß die Fracht des Kalkes bis zur Station des Empfängers teurer ist als die Ware selbst. Jeder vernünftig denkende Mensch kann dies nicht fassen. Darum sei hier dem Herrn Minister für Ernährung und Landwirtschaft ein Fingerzeig ge° geben, wie er eingreifen kann, um schnell dem Allgemeinwohl zu dienen. Wäre es nicht möglich den verhängnisvollen Frachtsatz so zu senken' daß dem Landwirt die Möglichkeit der Kalkung seiner Aecker und Wiesen im großen Maßstabe gegeben würde? Drei Viertel unserer Ländereien sind leichter Boden, drei Viertel unserer Grün- s Unö Wiesenflächen bedürfen unbedingt der Kalkung. Jeder Landwirt war an Händen und dunen gefesselt, er konnte nicht die Riesen- frachten aufbringen, um den Kalk zu beziehen, den er so überaus notwendig gebrauchte.
„f£in£ vorstellen, daß die Bahn den Kalk als Ballast-Transport zu befördern ge° Zungen wurde. Richt etwa mit Zusahtarif von oer Bahn, sondern mit einem kleinen Ueberschuß- ScjVon 3 Mk. für den Waggon gedacht, ui n Li r 2?"gen ln Deutschland spazieren zu fahren, konnten die Zuge volle Kalkwaqen Mergel oder Aetzkait an die Stationen befördern,
Auf Anregung des Reichskommissars für Luftfahrt erhalten die Sportflieger jetzt eine sehr kleidsame einheitliche Uniform. Jacke und Hose sind aus blaugrauem Tuch, die Knöpfe mattsilbern. Dazu wird ein hellblaues Hemd mit schwarzer Kra- vatte getragen. Die Schirmmütze trägt das Fliegerabzeichen.
die doch befahren werden müssen. Welche Mengen deutscher Menschen könnten dann wohl in den Kalkwerken arbeiten, um die Rachfrage zu decken. Der bedeutend größere Umsatz dieser Werke würde auch den Kalk wieder verbilligen, und dieser würde dann seinerseits den leichten Boden und die Wiesen vor der immer größer werdenden Versauerung schützen. Gerade der leichte Boden wird durch unsere kalkansichreißen- den Kunstdüngemittel kalkarm gemacht und darum wirken auch oft unsre^sauer reagierenden Kunstdüngermittel nicht mehr. Ein weitsichtiges landwirtschaftliches Ministerium muß unbedingt die Kalkfrage zuerst anfassen, um dadurch der anderen Kunstdüngerindustrie die Existenzmöglichkeit zu geben. Die Landwirtschaft des leichten Bodens dürstet nach Kalk, kann aber infolge des Verhaltens der Eisenbahn dieses Produkt nicht kaufen. Die Aecker werden von Jahr zu Jahr saurer und saurer, die Erträge fallen und dadurch verteuert sich für den Landwirt die Erzeugung.
Mahnend möchte ich daher dem Herrn Minister für Ernährung und Landwirtschaft zurufen: Zwingen Sie die Bahn zu billigstem Selbstkostentarif mit 3 Mark Gewinn pro Waggon: die Kalkwerke werden dann Maßnahmen zur Herstellung der verlangten Mengen treffen. Herr Hugenberg, das wäre eine Tat!
Schöffengericht Gießen
* Gießen, 12. April. Das Schöffengericht verhandelte heute gegen einen mehrmals wegen Betrugs vorbestraften Angeklagten. Auch heute wurde ihm wieder Betrug zur Last' gelegt. Er hatte sich in einem benachbarten Dorfe in einem Gasthaus einlogiert und dort 8 Tage gewohnt. Sodann hatte er sich von seinen Wirtsleuten ein Fahrrad entliehen und war unter der Angabe, er käme am Abend wieder zurück, davongefahren. Er blieb jedoch unter Zurücklassung seiner Logierschuld verschwunden. Aus der Beweisaufnahme ergab sich, daß der Angeklagte in betrügerischer Absicht gehandelt hatte. Der Angeklagte war auch selbst geständig, nur behauptete er, in Not gehandelt zu haben. Unter Zubilligung mildernder Umstände erhielt er eine Gefängnis- ftrafe von 6 Monaten.
Im Sommer 1931 waren aus dem Hof eines hiesigen Hauses 3 Fahrräder gestohlen worden. Die Nachforschungen lenkten den Verdacht des Diebstahls auf die drei Angeklagten: zwei junge Männer, ein Mädchen. In der bisherigen Untersuchung hatten die Angeklagten samt und sonders geleugnet. Heute gaben sie den Diebstahl zu. Der Hauptbeteiligte erhielt, zumal er rückfälliger Dieb war, eine Gefängnisstrafe von einem Jahr, die beiden anderen Angeklagten Gefängnisstrafen v o n 5 b z w. 3 M o n a t e n. Hinsichtlich der beiden letzteren Strafen gewährte das Gericht mit Rücksicht auf die bis- Ijerige Unbestraftheit der Verurteilten bedingten Strafaufschub.
Aus aller Wett.
Die deutsche Burschenschaft
fehl sich für Aufklärungsarbeit im Ausland ein.
Die Deutsche Burschenschaft bat in einem Aufruf ihre mehr als 40 000 Mitglieder aufgefordert, alle persönlichen Beziehungen zu Freunden und Bekannten im Auslande zur Bekämpfung der gegen das Deutsche Reich gerichteten Greuel- propaganda auszunuhen. Heber den unmittelbaren Anlaß der Greuelpropaganda hinaus sieht aber die Deutsche Burschenschaft die Rotwendigkeit, alle persönlichen Beziehungen zum Auslande zur Werbung für das nationale Deutschland und seine Ziele ei nzu sehen und so eine zukünftige deutsche Außenpol.tik vorzubereiten. Es gilt, die mannigfaltigen Beziehungen geistiger und persönlicher Art, die Deutschland über Kunst und Wissenschaft, Handel und Technik mit dem Auslande verbinden, planmäßig zusammen- z u f a s s e n und zu einem wirksamen Instrument der deutschen Außenpolitil auszugestalten. In diesem Sinne beabsichtigt die Deutsche Burschenschaft, auch an andere studentische Gruppen mit der Anregung zu einer Zu- s a m m e n a r b e i t auf diesem Gebiete heranzutreten.
Ein Reichsbund deulschnationaler Juristen.
Zur Wahrung der Standesinteressen und zur Vertretung der deutschnationalen Forderungen auf allen Rechtsgebieten hat sich ein Reichsbund dcutschnationaler Juristen mit dem Sih in Berlin gebildet. Der Bund gliedert sich in die Untergruppen Richter und Staatsanwälte, Rechtsanwälte (Patentanwälte) und Rotare, Derwal- tungsjuristen, Assessoren und Referendare. Der Aufruf zum Beitritt ergeht an alle Juristen, die auf d e m B o d e n k o n s e rv a t iv e r Weltanschauung stehen und denen die Weiterentwicklung eines wahrhaft deutschen Rechts am Herzen liegt.


