Ausgabe 
18.4.1933 Frühausgabe
 
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toDrbeit. Das ist, wie sich bald hcrausstellt. alles Akte waren regiemäßig stellenweise bis an die

der gemeinsamen wirtschaftlichen Aufgaben der großen Wirtschaftszweige wird die Bildung von Wirtschaftsgemeinschaften, oder Ar­beitsgemeinschaften für jedes Gewerbe vorgeschla- gen, denen die Bearbeitung und gegebenenfalls die selbstverantwortliche Erledigung aller gemein­samen Aufgaben des Gewerbes obliegen möge und die auch vom Aeichswirtschaftsrat zur Mitarbeit hinzuzuziehcn seien. Die Denkschrift schließt mit einem Bekenntnis zum starken nationalen und sozialen Staat.

Deutschland, bezeichnete es als eine Fügung der Vorsehung, daß zu Beginn der neuen deutschen Epoche eine Tat gefeiert werde, die die Lebensver-

Das Stück wurde mit starkem Beifall verständ nisvoll begrüßt. hth.

hältnisse grundlegend änderte. Der Kraftwagen sei zu einem Umgestalter geworden.

Anschließend sprachen Geheimrat Dr. 2111 der Präsident des Reichsverbandes der Automobil-

Mannheim, 17. April. (WSR.) Am Oster­sonntag stand ganz Mannheim im Zeichen der Enthüllung des Benz-Denkmals, lln- zählige Besucher aus ganz Deutschland, ja aus ganz Europa, strömten in der Stadt zusammen. Gegen 11 ilßr erschien am Denkmal die große Zahl der Ehrengäste. Auf dem Balkon eines Privathauses hatte Frau Dr. Benz mit ihren Angehörigen Platz genommen. Ferner sah man u. a. Herzog Adolf Friedrich zu Meck- l e n b u r g, den Markgrafen Berthold von Baden, den Reichsverkehrsminister Frei­herrn von Elh-Rübenach, den württem- bergischen Staatspräsidenten Murr, die badi­schen Minister, Generalleutnant Lutz vom Reichs- wehrministerium, Ministerialdirektor Branden­burg, den Herzog von Coburg, Borsihen- den des Kraftvcrkchrsausschusses, Major Hühn­lein, Chef des Kraftverkehrswesens der NSDAP-, weiter die Präsidenten des Deutschen Automobilklubs u. a. m.

Kurz nach 13 Uhr fuhr der Zug der historischen . Kraftfahrzeuge von der Ausstellungshalle aus durch die Innenstadt. Boraus fnhren drei Wa­gen des Deutschen Damen-Automobil-Clubs in den Farben schwarzweißrot. Dann kamen alle die pustenden und ratternden Vehikel aus der grauen Vorzeit des Kraftfahrwesens, an der Spitze der Benz-Victoria vom Jahre 1891, den Engen Benz, ein Sohn des Erbauers, steuerte.

Als erster Redner nahm am Denkmal Reichs­verkehrsminister Frhr. v. Gltz-Rübenach das Wort zu einer Ansprache. Er führte u. a. aus: Cs ist mir eine hohe Ehre, als Reichsverkehrs­minister namens des Herrn Reichspräsidenten v. Hindenburg, der die Schirmherrschaft für die Denkmalsweihe übernommen hat, namens des deutschen Regierungschefs, des Herrn Reichs­kanzlers Hitler, und im Ramen der ge­samten Reichsregierung dieses Denkmal zu enthüllen. Ein Denkmal ist erstellt worden für Carl Benz, den Sproß einer alten Dorfschmieds­familie, den Sohn eines Lokomotivführers, dessen Rame unsterblich geworden ist, der an der Wiege des Verkehrsmittels stand, das dazu berufen war, den neuen Kraftverkehrsstrom in der Welt aus­zulosen. Eine große Aehnlichkeit besteht in dem Schicksal von Carl Benz und Gottlieb Daimler, dieser beiden Dioskuren des Automobilbaues, die vor einigen Jahren ihre Fabriken vereinigt haben. Die beiden Ramen Carl Benz und Daimler kann man heute nicht anders als zusammengehörig denken. Durch ernste Arbeit ehren wir das Andenken großer Männer der deutschen Vergangenheit am würdigsten. Be­geistert stimmte die Zuschauermenge, als das Denkmal sichtbar wurde, in ein dreifaches Hoch auf das deutsche Vaterland ein und sang das Deutschlandlied und das Horst'Wessel-Lied.

Herzog Adolf Friedrich zu Mecklen­burg, der Präsident des Automobilklubs von

OieEnihüllungdesCarl-Benz-Denkmais in Mannheim.

Gießener Stadttheater.

Sigmund Graff:Tie vier Musketiere."

Graff ist bei uns in Gießen schon bekannt: durch sein KammerspielMary und Lisa" und durch sein FrontstückDie endlose Straße".Die vier Musketiere", uraufgeführt in Altona zu Weihnachten 1932, können als eine Fortsetzung des Kriegsdramas gelten. Man darf sich durch den ein wenig verwirrenden Anklang an den berühmten historischen Roman von Dumas und >"?^^!?^?ssische Operette nicht stören lassen: dieses Volksstück in drei Akten knüpft ungefähr da wieder an, wo dieEndlose Straße" abbrach: es beginnt gegen Ende des Krieges, hinter der üront im Westen, in einem kleinen Etappennest.

ejne Don den vielen, kommt vorne in Ruhe. Vier Musketiere, vier 2cth " vier von den Tausenden, kommen ra Vnb, erleben die kleinen Schicksale auorf^memIamt.eit 6ie linden ein dürftiges SV?! '21 unö cm großes Bett sie kauder- "?lnbamc in einem schauderhaften ImnÄS örtt@DflJ(6' >ie schäkern mit einer evschwester^. freuen sich, daß sie raus sind aus dem Schlamassel, sie klauen sich Kar- Äuauterä! sich Kartoffelpuffer und werden

Etappenkommandantur mit- 6inouS*mS*ta,li5Cn 3C K"°il und Fall boben sie noch Zeit gehabt, einen aK? « "n. den Mieden zu denken, an die Ä 2$r ncincd Privatleben, dos sie

FnwÄ?1? Surückgelasscn haben: und dabei sind sie auf die Idee gekommen, sich, wenn un> Ä* S/gangen ist und sie mit Hx"* .heimgekommen sind, daheim in Deutschland, im Frieden und in Zivil noch einmal zu treffen und Wiedersehen zu feiern

steht, nicht eng genug gestaltet werden könne und daß auch der Stahlhelm in Adolf Hitler seinen Führer sehen müsse.

Staatspräsident Or. Werner an die Witwe Ulrichs.

WSN. Offenbacb a. M., 15. April. Der hessische Staatspräsident Dr. Werner hat an die Witwe des verstorbenen Staatspräsidenten a. D. Karl Ulrich folgendes Staatstelegramm gerichtet:

Sehr geehrte trauernde Frau Ulrich! Mit be­wegtem Herzen erhalte ich die Trauernachricht vom Hinfcheiden Ihres Herrn Gemahls, den nun auch nach langem Kämpferleben der Tod mit sich nahm in das unbekannte Land. Ich darf Ihnen, sehr geehrte Frau, auf diesem Wege mein herzlichstes Beileid aussprechen und Ihnen im Geiste die Hand drücken. In aufrichtiger Teilnahme ergebenst Dr. Werne r, Staatspräsident."

Tonfilm:Oie unsichtbare $vont*

Titelbilder und Titel könnten vermuten lassen daß Der Stirn, der gegenwärtig im Lichtspielhaus Ä» verwandte Züge mit dem kürzlich hier ge- seyenen FilmMorgenrot" tragen werde. Das ist ber.^at; ThEa, Kampfmittel und Schau- Jn Asem Film nicht Mannschaften, unb i05meer dar, sondern der Krieg auf Ä51QrerD^DntJpielJ: l'ch ab in Dunkelkammern versteckten Ze.chenbureaus, in Palästen, in geschickt getarnten Geschäften, zwischen einzelnen Personen,

gesinnte Männer aufnehmen dürfe. Die Führer erklärten, die Aufnahme ehemaliger Angehöriger der KPD. oder der SPD. einschließ­lich ihrer Hilfs- oder Rebenorganisationen von einer Probezeit von mindestens sechs Monaten abhängig zu machen. Auf Grund dieser Erklä­rungen hat das thüringische Ministerium des Innern seine Anordnung^vom 28. März über den Erwerb der Mitgliedschaft im Stahlhelm wieder aufgehoben.

Oer NSOAp. beigeireten.

Oberhausen. 17. April. (TU.) Der Gau­führer des Gaues Ruhr - Lippe des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten. Major a. D. und Polizeipräsident Riederhoff. ist der RSDAP. beigetreten. Wie Polizei­präsident Riederhoff hierzu mitteilt, hat er die­sen Schritt aus der Uebcrzeugung heraus getan, | daß die Verbundenheit, die zwischen dem Stahl­helm und den Kampfverbänden der RSDAP. be- |

Oer Moskauer Sabotageprozeß

Widersprechende Aussagen des Angeklagten Macdonald.

nicht mehr so wie damals. Es ist alles anders geworden. Die Gemeinschaft ist zerstört. Die ^Verhältnisse" in Deutschland und die lange Trennung haben ein Uebriges getan. Vor allem die sozialen Unterschiede, die schon, wie gezeigt wurde, selbst der Krieg nicht völlig aufhcben konnte, reihen eine Kluft zwischen ihnen auf. Und es nutzt auch nichts, daß der eine von Den vieren ganz rührend ihren alten Unterstand in seinem Zimmer wieder aufgebaut hat: nach der ersten Wiederschensfreude kommt das Ge­spräch auf die Politik, und im Handumdrehen ist Der schönste Krach fertig.

inbuftrie, unb Major Hühnlein im Auftrage bes Obersten SA.-Führers Adolf Hitler als Chef des Kraftfahrwesens ber SA. für die Kraftfahrjugend.

Es folgten als weitere Redner der Präsident des ADAC Ewald K r o t h , Senator Willy Vogel, Erster Bürgermeister Dr. Walli. Eugen Benz sprach im Namen der Familie Benz herzliche Dan- kesworte an alle an der Ehrung Beteiligten.

Damit hatte die offizielle Feier ihr Ende ge­funden. Während des Festaktes kreuzten Flug­zeuggeschwader über der Stadt.

Glückwünsche

von Hitler unb Or. Goebbels.

Mannheim, 15. April. (TU.) Dom Reichs­kanzler Adolf Hitler ist bei der Leitung des Ausschusses für die Karl-Denz-Denkmals-Enthül- lung ein Telegramm eingelaufen, in dem es heißt: Leider an der Teilnahme Karl-Benz-Denkmals- Enthüllung verhindert, übermittele ich Ihnen an­läßlich dieser Ehrung des großen Pioniers meine besten Glückwünsche. Die deutsche Automobilin­dustrie muß wieder den Platz erhalten, der ihr nach der ruhmvollen Vergangenheit zukommt. Möge Karl Benz als Wegbereiter dabei niemals vergessen werden. H i t l e r."

Der Reichsministec für Propaganda und Volts­aufklärung. Dr. Goebbels, sandte folgendes Telegramm:An die Ausstellungsleitung der AutomobilschauEinst und Jetzt": Zur Eröffnung die besten Wünsche für erfolgreichen Verlauf der Ausstellung zum Ratzen der deutschen Kraft- fahrt." Dr. Goebbels.

- auch auf einem Regimentstag

in Sachsen. Aber es geht ganz anders aus, als Ne sich das vorher in Frankreich ausgedacht hatten. Die vier Temperamente, die im ersten Akt schon sehr deutlich herausgearbeitet waren und die übrigens auch durch die landsmannschaft­liche Verschiedenheit der Soldaten in ihrer Gegen­sätzlichkeit noch verschärft werden, haben den Krieg überdauert. Aber das, was damals an der Front ihre Gemeinschaft ausmachtc, ist im Frieden und im Laufe der Zeit ganz verwischt

Obwohl Graff das Motiv auf eine volksstück- mäßige Art und Weise abwandelt und glossiert, indem die Ehefrauen der Musketiere, die auch zum Regimentstag und zur Wiedersehensfeier gekommen sind, sich nach erstaunlich kurzer Zeit ebenfalls in den Haaren liegen: er kann kaum darüber Hinwegtäuschen, daß er für die schöne Idee, die seinem Stück zugrunde liegt eigentlich nur eine sehr bittere und pessimistische Verwirklichung gefunden hat.

Das drückt sich auch in der Dramaturgie seines Stuckes aus: die positiven Elemente der Hand­lung sind im Grunde unorganisch und von außen in Den Gang der Dinge eingefügt: da kommt von ungefähr em Kamerad aus Amerika zur Wiedersehensfeder und gibt ihnen in schlichten , °rt?n cmf Vorbild dessen, was sie gewollt E uicht zustande gebracht haben. Und als dann Üher vom Zapfenstreich, den sie

streit vergessen haben, das aoff 6tammcIn ru ihnen hereintönt, da del/ Der Avülik ~ Vxd) eigentlich Han- I an die Frontkameradschaft, die tos 6cä d°ut,ch°n Schick.

rnf8 q r*nb ,m Stieben: bas ist ber An- 2 Eschauer, mit bem Graff sein Stück v°n den vier Musketieren ausklingen läßt.

Die Aufführung, bie neben den ar oben Ilor. Uendes Schauspiels auch die ang^eukfen Schwachen erkennen lieh, war von Obersviel- ftaX und hinterließ eine

l'p ?h'm orwfkA«. * beften geriet

ersten E ? Werkes entsprechend, im egten Akt, der breit ausgesprelt war und in sernem Wechsel der Stimmungen und Ruancen von derbem Humor, Rachdenklichkeit und bit- tSfn&nfkQ6 ?lC gelassensten Szenen der Endwsen Straße erinnerte; Die beiden letzten

Grenze des Schwankhaften ausgeschöpft und hätten gegen Ende eine gewisse Straffung erfahren dür­fen. Doch war der Grundgedanke ber Fabel mit festen Strichen herausgearbeitet. Die Entwürfe von Löffler gaben, klar und stilgerecht, ein wohlgelungenes Bild der nicht nur räumlich weit auseinanderliegenden Schauplätze: Etappenquar« tier und Direktorvilla.

Das Quartett der Musketiere bildeten die Herren Kühne, Hub, Hauer unb Egge» man n: eine gut gesehene, zwanglos aufeinanber eingespielte Gruppe von Solbaten, bie nicht nur im Dialekt, in ihrer sozialen Herkunft, ihrem Temperament und Charakter scharf unb überzeu­gend Profiliert waren. Auch in die innere Ent­wicklung auf dem Wege über bie enblofe Straße zurück nach Deutschland, in den Frieden, ins Privatleben, in den Beruf und in dieVer­hältnisse" daheim hatten sich die Vier ganz folgerichtig und überzeugend hineingelebt.

befreit werden müsse. Die Denkschrift schlägt vor, daß die soziale Selbstverwaltung auf Grund staat­licher Rahmengesetze Tarifgemeinschaften zu schaffen habe zur Vereinbarung und Festsetzung der Löhne, Gehälter und sonstigen Arbeitsbedin­gungen. Träger ber Tarifgemeinschaften hätten die wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitnehmer und ilnterncbmer zu fein. Weiter wirb bie Bil­dung von Derficherungsgemeinschaften zur Aufsicht unb zur Reform ber Sozialversiche- rung empfohlen. Zur Beratung und Förderung

zugleich entschieden gegen den Vorwurf irgendwel­cher Schädigung. Er habe stets gewissenhaft und zuverlässig montiert.

Oas ptaidoyer des Staatsanwalts.

Gegen die meisten Angeklagten Todes­strafe beantragt

Nach Beendigung ber Vernehmung der Angeklag­ten hielt der Staatsanwalt Wyschinski sein Plädoyer. Den Kapitalisten gefällt unsere Prozeß­ordnung ebenso wenig wie die fortgesetzte Auf­deckung der Beziehungen " konterrevolutionärer Schädlinge zu bestimmten Kreisen der Bourgeoisie, insbesondere in diesem Prozeß zu Kreisen der eng­lischen Bourgeoisie. Ihnen gefällt nicht, daß das Sowjetgericht ein Klassengericht ist, und sie verbreiten deshalb die Verleumdung, daß in der Sowjetunion keine Rechtspflege bestehe. Für mich ist es völlig klar, daß die englische öffentliche Meinung durch eine Reihe schändlicher Manöver irregeführt worden ist. Schändlich und garstig sind die Verbrechen, die Thornton und Monkhouse ver­übten, doch habe ich keine Worte, um das Gefühl der Entrüstung unb Verachtung gegenüber Staats­angestellten unseres Landes auszudrücken, die ihre Pflicht gegenüber Vaterland uhb Heimat verletzt haben. Ein Grund, irgendwelche Beschuldigungen im Zusammenhang mit diesem Prozeß gegen Metro-Vickers zu erheben, besteht nicht: die Handlungen und Verbrechen^einzelner Personen des Moskauer Büros wollen wir nicht als von ber Firma verübte Handlungen betrachten.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, daß sich bie Angeklagten nach Artikel 58 bes fowjetrussifchen Strafgesetzbuches schuldig gemacht hätten. Dieser Artikel sehe als Höchststrafe Erschießung vor. Es bestehe fein Grund, bie Anklage gegen Gregory aufrechtzuerhalten, da er bem sowjet- russischen Staate keinen Schaden zugefügt habe. Bei ber Llrteilsprechung müsse berücksich­tigt werben, baß bie Regierung bie Tobesstrafe nicht etwa aus rachsüchtigen Motiven forberc, sondern lebigtidj die Verteibigung der sozialistischen Revolution erstrebe. Die Bestrafung ber Hauptangeflagten Gusseff, Su- chorutschkin, Lobanoff, Kraschenninnikoff, Sokoloff, Macdonald, Monkhouse, Northwall Cuschny müsse so streng wie möglich fein. Die Aussage des Angeklagten Monkhouse, daß er von der OGPU. 18 ober 19 Stunden ohne Unterbre­chung vernommen wurde, entspreche nicht den Tatsachen. Er sei höchstens 8 bis 9 Stunden mit gewissen Tlnterbrechungen vernommen wor­den.

Das Urteil wird für morgen erwartet. Wie in Moskauer politischen Kreisen behauptet wirb, ist ein Todesurteil gegen bie Eng­länder nicht zu erwarten. Wenn Strafen verhängt werben sollten, so würben sie nicht voll st reckt werben. Die Lage der russischen Angeklagten ist sehr kritisch, weil für sie harte Strafen zu erwarten sind.

Kleine politische Nachrichten.

Der 26 Jahre alte frühere kommunistische Reichstagsabgeordnete Albert Janka, der sich in Schutzhaft befand, hat sich im Gefängnis in Reichenbach i. D. erhängt.

Vorschläge des Gewerlfchasts- ringes zur sozialen Neuordnung.

Berlin, 15. April. (ERB.) Der Gewerk- schaftsring deutscher Arbeiter-, An­gestellten- und Beamtenverbände hat dem Reichskanzler eine Denkschrift für eine Neu­gliederung der sozialen Ordnung in Deutschland überreichen lassen. In der Denkschrift heißt es, die deutsche Arbeitnehmerschaft sei gei­stig, genossenschaftlich, sozial und verwaltungsmä­ßig seit langem genügend geschult, um die Sozial­politik kraft eigener Verantwortung äu tragen, wenn auch manche gute sozialpolitische Einrichtung erst aus der Erstarrung und Verei­sung, in bie sie durch Bürokratismus und Funktio- narismus gebracht worben sei, durch eine moberne s o z iale Selb st Verwaltung

London, 13. April. (TU.) Der amtliche eng­lische Funkdienst meldet: Jn dem Prozeß in Mos­kau begann die Verhandlung am Donnerstag mit einer Sensation. Der Angeklagte Macdo- nald widerriefdas Schuldeingeständ- n i s, das er bei der Eröffnung der Verhandlung am Mittwoch gemacht hatte. Unter dem Kreuzver­hör des Staatsanwalts Wischinski erklärte Macdo­nald:Ich gebe zu, daß ich gejagt habe, ich sei schuldig, aber jetzt halte i ch diese Aussage nicht mehr auf red) t." Macdonald bestritt, daß er Sokolow den Auftrag zu Sabotageakten gegeben habe und erklärte, er habe es für zweckmäßig ge­halten, in der Voruntersuchung zunächst einmal die ihm zur Last gelegten Verfehlungen einzugestehen. Nach einer Pause erklärte Macdonald jedoch auf weitere Fragen bes Staatsanwalts, daß feine An­gabe, daß er unschuldig fei, nur teilweise den Tatsachen entspreche. Er bekenne sich des Hochverrats und der Spionage zu- gunsten Englands schuldig. Diese erneute Selbstbeschuldigung machte einen merkwürdigen Eindruck auf das Publikum. Auch die Stimme des Angeklagten hat bei manchem den Eindruck erweckt, daß Macdonald nicht ganz bei der Sache fei. Darauf wird der Angeklagte Thornton vernommen. Nach der Anklageschrift soll Thornton ein bedeuten­des Mitglied des englischen Geheimdienstes sein unb durch seine Verbindungen im Ural versucht haben, bie russische Kriegsindustrie zu zerstören.

Thornton erklärte, baß bie Angabe, er habe das elektrische Werk in Slatoust zerstören wol­len, unrichtig sei. Ihm werben in ber An­klageschrift Wirtschaftsspionage unb Bestechung ber russischen Fachleute zur Last gelegt. Der Staatsanwalt fragte Thornton, wie er dazu kam, dem russischen Angeklagten Lobanow 5030 Rubel unb einen Pelz zu schenken. Thornton erklärte, baß nicht er die 5030 Rubel geschenkt habe, son­bern bie Firma Vickers wegen ausgezeich­neter Leistungen. Was ben Pelz anbetreffe, so habe er ben Pelz an Lobanow für 403 Rubel verkauft. Die Aussage seiner Freunbin, Frau Kutusow, baß er ben englischen Geheim­dienst in Moskau geleitet unb vom englischen Generalkonsul Gelber erhalten habe, entspreche nicht ben Tatsachen.

Der Staatsanwalt behauptete, ber Angeklagte Monkhouse habe aus Lonbon außer ben technischen unb wirtschaftlichen Instruktionen unb Aufgaben auch Anweisungen erhalten, zugunsten Englands Spionage zu treiben. Dagegen er­klärte Monkhouse, er habe Anweisungen zur Spionage weder aus Lonbon, noch von der englischen Botschaft in Moskau er­halten. Das Interesse, baß er an ben Wirt- schaftsbingen in Rußland genommen habe, über­schreite i,n keiner Weise bie gesetzlichen Grenzen unb er habe auch keine Gelber bekommen. Darauf wurde wiederum Thornton vernommen, ber feine Aussagen bei der OGPLI. jetzt widerrief und aussagte, die Angabe, er habe militärische Spionage getrieben, fei falsch.

Der englische Monteur Gregory verwahrte sich gegen die Behauptungen eines russischen Mit­angeklagten, der ihm vorwarf, sowjetfeindliche Re­den mit russischen Arbeitern geführt zu haben. Gregory erklärte heute, er verstehe fein Russisch. Die russischen Arbeiter sprächen eng­lisch so schlecht, bah sie kaum seine Arbeitsanwei- sungen begriffen hätten. Gregory verwahrte sich

Aus ber kleinen Rolle des aus Amerika heim- gekehrten Kriegsgefangenen Eberle machte Herr Geiger eine wohldurchdachte unb wirksam ge­glichene Cpisobe, bie im Gefüge bes Ganzen eine keineswegs unwesentliche Rolle spielt. Das Terzett der Ehefrauen wurde von den Damen Koch, Beling und Schubert -Jüngling mit Humor und kräftigen Kontrastwirkungen aus- geftattet. Eine hübsche, abgerundete Charge: Frau Walther-Lederer als Madame im Etap- benquartier. In kleineren Ausgaben machten sich die Damen W i e l a n d e r und C a st e i n, die Herren Volck, Heck und Förderer um bie Aufführung verdient.

Zwischen Männern und Frauen, bie hinter den Ku­lissen des Weltkriegs ihren Ländern dienen wollen um des Geldes, um der Ehre oder um des Vaterlandes willen. Spionage! Kriminalfilmen ist bestimmt ein nicht abzusprechender Reiz zu eigen, mehr Span­nung aber erfüllt den Spionagefilm, weil cs immer um die Geschicke eines Volkes und nicht um das Ge­schick des einzelnen geht. Die Geschehnisse sind also bedeutsamer. In diesem Film geht es um die Vor­herrschaft auf dem Weltmeer. Ein unerfahrenes, aber kluges deutsches Mädchen gerät in die Hände feindlicher Spione, verrät ihr Vaterland, ohne es zu wissen, weiß aber bann sich einem deutschen Spion anzuschließen und in der Folge für ihr Vaterland zu wirken. Rache der betrogenen Feinde, hinterhältige Drohung und Gefahr können nicht ausbleiben; Mut unb Opferbereitschaft werden herausgefordert, durch energische Tat nur, durch geschickte Arbeit, sorgfältige Ueberlegung mit raschestem Entschluß gepaart, kön­nen die Ziele erreicht werden. So fallen die eng­lischen Munitionsdepots den deutschen Fliegern zum Opfer, Auffahrtpläne der englischen Flotte gelangen in deutsche Hande, gefälschte Pläne der Minenfelder bringen Englands Schiffe in Gefahr, während die Hauptakteurin, das deutsche Mädchen, auf tragische Weise bem Splitter einer deutschen Bombe zum Opfer fällt, bevor es nach erfüllter Mission das wartende deutsche U-Boot in die Heimat bringen kann.

Der Film erzählt bie an sich komplizierten Vor- Sin demonstrativen, knapp zusammengefaßten

:n. Die Dialoge sind wohlüberlegt gesprochen. Es gibt kein überflüssiges Wort. So bleibt alles klar. Die Bilder find gleichzeitig photographisch aus­gezeichnet erfaßt, immer steht bas Wesentliche im Vordergrunb. Die Darsteller wirken burch Zurück­haltung überzeugend. Trude von Molo ist eine sehr sympathische Spionin. Carl Ludwig D i e h l als Erik Larsen erfüllt feine darstellerischen Aufgaben mit viel Geschmack unb sicherer Einfühlung für bie Besonderheiten seiner Aufgaben. Zu nennen sind außerdem Theodor Loos als Henrik Thom en (Spion im englischen Dienst), Paul Otto als Cap. tain Roberts, Alexa von E n g ft r ö m als Revue­sängerin Mabel May mit hochpolitischen Missionen. Die übrigen Rollen sind nicht weniger sorgfältig besetzt.

Im Beiprogramm wissen bie vier Corellys als Phantasieakrabaten mit ihren außerorbentlichen Leistungen zu imponieren. Das Publikum dankte, oft während der Hebungen, mit spontanem Beifall. Ein KulturfilmWien" zeigte die Donaustadt von- der aristokratischen Seite.