Ausgabe 
18.4.1933 Erstes Blatt
 
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vernehmen mit dem Eonderkonunissar für Schar­ben und Neuburg getroffen. 2ln der Pahhöhe wird eine Tafel mit der neuen Benennung auf­gestellt.

Der Kampfbund für deutsche Kul - j tur teilt mit, daß die am Ostersonntag bekannt­gegebene Zahl von 7 0000 neuen Beitrit - t e n zum Kampfbund aus dem Großdeut- schen Bunde sich inzwischen durch den Liebertritt weiterer Bünde auf weit über 1 00000 erhöht hat.

Der 1. Vorsitzende der preußischen Organisation der Wirtschaftspartei fordert die Orts­gruppen und Landesorganisationen der Wirt­schaftspartei auf, sich unverzüglich a u f zu - lösen und ihre Mitglieder der in der NSDAP, verkörperten Kampforga­nisation zuzuführen.

Der gewerkschaftliche Pressedienst teilt mit: Der G D 2l. steht mit'feiner ganzen Kraft hinter dem nationalen und sozialen Willen der Reichsregie­rung. Er betrachtet es als seine Aufgabe, die in der nationalsozialistischen Bewegung stehenden Bundesmitglieder in die Führung seiner Gliede­rungen und Organe einzubeziehen. In diesem Be­streben hat der GDA. seinen Aufsichtsrat durch der NSDAP, angehörige Bundesmitglieder aus den verschiedensten Teilen Deutschlands ergänzt.

Auf Veranlassung des Regierungspräsidenten ist gegen den früheren Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Dr. Lehr, das Dienststraf­verfahren eingeleitet worden. Außerdem ist seine sofortige Dienstenthebung und die Kürzung seiner Bezüge um 50 Prozent veranlaßt wordtzn.

Kunst und Wissenschaft.

Lhemiker-Kongreß In Würzburg.

Die Hauptversammlung des Vereins deut­scher Chemiker findet in diesem Jahre vom 7. bis 10. Juni in Würzburg statt. Es werden wie üblich zwei Allgemeine Sitzungen abgehalten wer­den. Es werden sprechen Geh. Rat Dr. A. v. Weinberg, Frankfurt:Wraum muh der Che­miker die Ergebnisse physikalischer Forschung ken­nen?", Geh. Rat Prof. Dr. Dimroth, Würz­burg.Beziehungen zwischen Affinität und Re­aktionsgeschwindigkeit , Prof. Dr. V. M. Gold­schmidt, Göttingen:Verteilungsweise und Kreislauf der chemischen Elemente in der Natur", Dr. Dr.-2ng. h. c. A. Spi lker, Duisburg- Meiderich:Entwicklung der Steinkohlenteerindu­strie von ihren Anfängen bis zur Gegenwart", Ge­heimrat Prof. Dr. Hans Fischer, München: Lieber Chlorophyll". Wie alljährlich werden auch die Fachgruppen sich zu Vorträgen zusam­menschließen, die sich meist um einen bestimmten Verhandlungsgegenstand gruppieren. Bisher ha­ben 16 Fachgruppen ein Arbeitsprogramm aufge­stellt, das annähernd 100 Vorträge umfaßt.

r e n von den Einbrechern erbeutet. Die Knacker- kolonne konnte keine Barmittel erbeuten, da der Tresor allen Bemühungen, ihn aufzuschweißen, standhielt.

Die letzte Trägerin eines berühmten Namens gestorben.

3m Alter von 89 Jahren starb in München die letzte Angehörige eines berühmten Geschlech­tes, Freifrau Maria von Washington geb. Gräfin von Dutler-Clonebough genannt Haimhausen. Fast 40 3ahre verbrachte sie in stiller Beschaulichkeit ihr Leben in Erding bei München. Die Verstorbene war als große Wohl­täterin der Armen und Notleidenden bekannt. Der Gatte der Verstorbenen, Freiherr Karl von

Baumblüte.

Der Monat April hat sich Heuer in seiner ersten Hälfte von der liebenswürdigsten Seite gezeigt. Ohne Regenschauer, ohne Schnee kam er. Mit Wärme, Sonnenschein und einigen milden Näch­ten hat er alles verwandelt. Das Getreide schießt aus der Erde und schmückt mit seinem Hellen Grün die Felder. Die Knospen der Bäume brechen auf, Frühlingsblumen blühen schon in voller Pracht.

Washington, war ein Nachkomme des Bruder- des ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten, George Washington.

Gestrandeter Dampfer von Seeräubern überfallen.

Chinesische Seeräuber überfielen in der Nähe der portugiesischen 3nsel Macao einen gesträng­ten Dampfer der chinesischen Seezollverwaltung. Die beiden englischen Offiziere Baldwin und Pearce, sowie ein chinesischer Schiffsingenieur wurden getötet und mehrere Matrosen ver­wundet. Die Nachforschungen blieben bisher er­folglos. Das Schiff ist verschwunden. Wahrschein­lich ist es von den Seeräubern abgeschleppt wor­den.

kenhaus infolge Verblutung starb. Der Bedauerns­werte war etwa 25 Jahre alt und ledig. Die gericht­liche und polizeiliche Untersuchung ist in Len frühen Morgenstunden in Wölfersheim im Gange. Nähere Einzelheiten liegen bis zur Stunde in Gießen noch nicht vor. Hoffentlich gelingt es, die abscheuliche Tat durch Ermittlung und exemplarische Bestra­fung der Täter mit aller Strenge zu sühnen. Einige Personen wurden vorläufig festgenommen.

VornoNzen.

Aus der provinzialhaupistadi.

Aus aller Welt

deren beiden Kolonnen an den Warenvorräten zu konnten, durch einen Stich in den Oberschenkel mit schufen gemacht. Insgesamt wurden nach vorläufi- Zerreißung der Schlagader so schwer getroffen, daß gen^Lchagungen fur60bis80 000R M W a - er auf dem Transport nach dem Friedberger Kran-

18 Fortsetzung

Nachdruck verboten!

267 000 Pfund für das deutsche Rote kreuz.

Die vor kurzem verstorbene Engländerin Lady Seaforth, die nach dem Kriege eine große Lie­bestätigkeit für notleidende Deutsche entfaltet hatte, hat dem deutschen Roten Kreuz 2 6 7 0 0 0 Pfund vermacht. Das Deutsche Krankenhaus in London erhielt 5000 Pfund. Insgesamt hat Lady Seaforth 750 000 Pfund für wohltätige Zwecke hin­terlassen. Lady Seaforth wurde vor einigen Jahren vom Reichspräsidenten Hindenburg mit dem deutschen Roten Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

36 Tole während der Osterfeierlage in Frankreich.

Di« vorläufig« Verkehrsunfallstatistik weist nach demMatin" während der Osterfeiertage 3 6 Tote und mehr als 95 Verletzte in Frank­reich auf. Diese Bilanz erstreckt sich auf di« Tage von Samstag bis Montag. Die schwersten LIn - glücksfälle ereigneten sich in der Nähe von Marseille und Lyon. Bei Aix-en Provence, un­weit von Marseille, stießen zwei Privatwagen in voller Fahrt zusammen. Die Insassen des «inen Wagens, ein junges Ehepaar und ihr kaum neun Monate altes Kind, wurden auf der Stelle getötet. 3n der Nähe von Lyon fuhr ein Privatwagen in einen Fluß, wobei zwei Insassen ertranken. Nur der Besitzer des Wagens konnte sich schwimmend retten. Auch aus anderen Gegenden Frankreichs werden mehr oder we­niger schwere Autounfälle gemeldet.

Die Papstmesse in der Pekerskicche.

Der Papst hat am Ostersonntag eine seit 1870 unterbrochene Tradition wieder ausgenommen und in der Peterskirche vor 50 000 Gläubigen die feierliche Ost er messe abgehalten. Unter den Anwesenden befanden sich der Kronprinz von Dänemark, Prinzessin Stefanie von Belgien, Prinz Georg von Sachsen, der deutsche Vizekanzler v. P a p e n, der österreichische Bundeskanzler Dollfuß, die Mitglieder der argentinischen Sondermission, die Kardinäle sowie das Diplo­matische Korps. Nach der Messe begab sich der Papst auf den Balkon der Basilika, von wo er, mit begeisterten Ovationen begrüßt, der den Platz füllenden gewaltigen Menge den Segen spendete.

Tageskalender für Dienstag: Stadttheater, 20 bis 22.15 Llhr,Hasenklein kann nichts dafür". Oberhess. Kunstverein, Turm­haus am Brandplatz, 15 bis 17 Llhr, große Frühjahrs-Ausstellung. Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:Die unsichtbare Front".

(Siebener Wochcinuarttpreise.

* Gießen, 18. April. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 110 Pf. das Pfund, Landbutter 110, Kochbutter 90, Matte 20 bis 25, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 15 bis 20, Llnter-Kohlrabi 6 bis 8, Feld­salat 80 bis 100, Tomaten 50, Zwiebeln 10, Meer­rettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Rha­barber 20 bis 25, Kartoffeln 3, Aepfel 20 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Obstmus 40 bis 45, junge Hahne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80; Tauben 40 bis 60 Pf. das Stück, Eier, inL, 8, Käse 5 bis 10, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 20 bis 25, Sa­latgurken 50 bis 60, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30: Rettich, neue,'20 bis 25 Pf. das Bund Radieschen 10 bis 12; Kartoffeln 2,50 Mark der Zentner.

In der letzten Nacht wurde in Wölfersheim eine abscheuliche Bluttat verübt, der leider ein junges, blühendes Menschenleben zum Opfer fiel. Der als Hilfspolizist im öffentlichen Ordnungsdienst befind­liche.-Mann Wilhelm Hofmann, der sich mit einem anderen Hilfspolizisten auf einem Rund- gang befand, wurde im Verlaufe eines Vorganges, dessen Einzelheiten wir bisher noch nicht feststellen

Die Obstbäume entfalten ihre Blüten. Sie er­scheinen in diesem Jahre in einem Reichtum, der uns erstaunen läßt. Es ist so, als wenn wir für das vergangene obstarme Jahr entschädigt wer­den sollten. Die zarten Blütenblättchen der Apri­kosen machten den Anfang, es folgten die dunk­leren, roten Pfirsichblüten, und bald stehen Birn-, Kirsch- und Pflaumenbäume in vollem Schmuck. Die Aepfelbäume wollen auch nicht mehr lange warten.

Wenn wir durch die deutschen Lande wandern, sehen wir überall einen Blütenkranz um die Dörfer. In den Gärten leuchtet und duftet es. Da stehen die Bäume in allen Formen, ein­armige, scheinbar auf der Erde kriechende waag­rechte Dlütenarme strecken sich aus, daneben an der Wand leuchten die Spaliere, und vom Rund­beet grüßt die stolze Pyramide.

Linser Blick aber schweift hinauf nach den Baumkronen der Hochstämme. Welch süßer Honiggeruch strömt uns entgegen! Don weither kamen die Bienen und tummeln sich nun, um di« reiche Ernte einzuheimsen. Das ist ein Ge­summ, ein emsiges frohes Fest. Mitten hinein in das Summen schmelt:rn die Finken und Meisen ihre Frühlingslieder!

So sind es Tage der Freud« und Hoffnung. Der Anblick der blühenden Obstbäume erfreut nicht nur unsere Sinne, sondern läßt auch unsere Gedanken vorauscilen: Wir sehen im Geiste schwer beladene Aeste und haben die Zuversicht, daß aus dieser Pracht dereinst goldene Früchte er­stehen. Deshalb schauen wir gerade so hoffnungs­voll auf die blühenden Obstbäume. Sie erst lassen uns den Frühling in seiner Schönheit erkennen. Lind wenn nach einigen Tagen die Blütenblätter abfallen, dann trauern wir nicht, denn wir wissen, daß uns etwas Köstliches reift. Eg.

Schwere Bluttat in Wölfersheim.

Die stummen Gäste von Zweilinden Noman von Anny vonpanhuys.

Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold.

m a y e r in Berlin ist am Abend des Ostersonntags von drei Einbrecherkolonnen heimgesucht worden. Die drei Kolonnen haben vollkommen ge­trennt voneinandergearbeitet". Während die eine Kolonne sich im zweiten Stock mit dem Aufknacken einer Tresoranlage beschäftigte, haben sich die an­deren beiden Kolonnen an Len W,

* * I n den Ruhestand versetzt. Auf sein Nachsuchen wurde der Kreisdirektor Hemmerde beim Kreisamt Dieburg, der früher als Regierungs­rat mehrere Jahre beim Kreisamt Gießen beschäftigt war, mit Wirkung vom 1. Juli ab in den Ruhestand versetzt.

* Die Osterfeiertage nahmen diesmal einen Verlauf, an den man mit Freude zurück­denken wird. Schon seit Tagen herrschte schön­stes Frühlingswetter, das sowohl am Karfreitag, wie auch an den beiden Osterfeiertagen Gelegen­heit zu ausgedehnten Spaziergängen in die en­gere und weitere Umgebung bot. Trotz des schönen Wetters waren aber die Gotteshäuser am Karfreitag und auch an Ostern sehr gut besucht. Außerordentlich stark war, besonders in den Nachmittagsstunden, der Ausflüglerver­kehr, von dem diesmal die Gastwirtschaften in der Umgegend freudig begrüßten Nutzen gezogen haben; aber auch in den Vormittagsstunden pilgerten bereits sehr viele Stadtbewohner hin­aus in die herrliche Frühlingsnatur. In den umliegenden Wäldern und auf den Zugangs- straßen herrschte Hochbetrieb, erfreulicherweise wurde aber allenthalben gute Disziplin geübt, so daß der Wald nicht durch Brände oder der-

Tödlicher Absturz in den Alpen.

Wie aus Freistritz (Kärnten) gemeldet wird, ist in der Gegend von Bilsica der Handelsangestellte Karl Winkler aus Klagenfurt bei einer Kletter­partie tödlich a b g e st ü r z t. Die Leiche konnte geborgen werden.

Personenzug überfährt Kraftwagen. Zwei Tote, vier verletzte.

Am Ostersonntag wurde, wie die Reichsbahndi­rektion München mitteilt, in der Nähe von Mün­chen ein Kraftwagen von einem Eisen­bahnzug auf einem polizeilich gesperrten Bahn­übergang überfahren. Der Kraftwagen, ein dreiräderiger Lieferkraftwagen, war mit einer klei­nen Holzplattform ausgestattet. Auf dieser Platt­form saßen nicht weniger als fünf Personen. Da­zu kam noch der Kraftwagenführer. Der Kraft- wagensührer, ein Obsthändler aus München, und die Ehesrau eines mitfahrenden Schlossers aus München wurden getötet, die übrigen Mitfah­rer wurden teils schwer, teils leicht verletzt und muhten in das Krankenhaus eingeliefert werden.

Ein Iungvolkjunge tödlich verunglückt.

Auf der Anfahrt zum Iugendführertreffen des deutschen Jungvolks in Weimar ist der Iung- volkjunge Max Lux aus Worms tödlich ver­unglückt. Auf der Straße zwischen Erfurt und Weimar stürzte er bei einer Wegbiegung mit seinem Rade und kam unter die Räder eines Lastwagenzuges, wobei ihm der Hinterkopf zer­drückt wurde. Der Knabe war sofort tot.

Drei Linbrecherkolonnen in einem Berliner Warenhaus.

Das Warenhaus von E. u. A. B r e n n i n k -

Sie fragte:Es usted aleman, senor?" Das hieß rc "bind sind sie Deutscher, mein Herr?" Gr lächelte:Si, senorita, soy alemau."

Angela aber freute sich, und fand es riesig inte- restant, einen Landsmann ihres Vaters kennenzu- lernen. <-ie fuhr in ihrem guten geläufigen Deutsch LPr.t: ift wohl einfacher, wir sprechen in Ihrer

Heimatsprache. Was für Rosen wünschen Sie mein frin?" meine' DOn "^ckier Farbe sollen sie denn n- wachte ein grenzenlos verblüfftes

Gesicht daß Angela darüber lachen mußte. Er lachte mit und bekannte:Das habe ich natürlich nicht er- wartet dag Sie Deutsch sprechen können. Sie haben so typisch spanischen Gesichtsschnitt und so typisch spanische Augen." 1 w w

Sie freute sich, weil sie sich nun einmal, außer mit ihrem Vater aus deutsch unterhalten durfte.

Meine Mutter war Spanierin, mein Vater stammt aus Deutschland", erklärte sie.

Er nickte: Jetzt weiß ich, wie Sie zu Ihren ^prachkenntnissen gekommen sind. Sie sprechen so mären ""ch' ° 5 öenn Sic in Deutschland geboren

Sie fingerte zwischen den Blumen herum.

Wünschen Sie weiße Rosen oder"

Eine dicke Frau drängte den Deutschen beiseite, wrderte in breitem Katalanisch rote und weiße if)r den gewünschten Strauß, dessen Natürlichkeit sie noch durch ein paar echt wir­kende Rosenblätter unterstützte.

In der Provinz Katalonien spricht man außer --panisch was man Kastilisch nennt, noch die kata­lanische Sprache; einfache Leute können meist nur Katalanisch, während viele Barceloneser, von Kind an daran gewöhnt, beide Sprachen beherrschen.

- erlernte sich, aber schon schob sich

ein Autobusschaffner heran. Die Haltestelle der Lime B war hier ganz nahe. Er wollte gelbe und rote Rosen. Er unterhielt sich ein Weilchen mit Angela, und der Deutsche mußte wieder zurucktreten.

Ms der Schaffner gegangen war, meinte Angela- Jetzt bleibt Ihnen schon gar keine besondere Wahl mehr, mein Herr. Welche Rosen möchten Sie also von meinem Restchen noch haben?" Sie lächelte: Entscheiden Sie sich rasch, sonst ist nichts mehr für Sie übrig, und wenn ich ausverkauft habe, schließe ich meinen Kiosk zu und gehe nach Haufe. Was wollen Sie also nehmen?"

Zwei Mädchen kamen lachend und schwatzend.

Er bemerkte den Schatten auf ihren Zügen und antwortete hastig: ,Hhre Rosen gefielen mir so aus­nehmend gut. Ich habe noch nie künstliche Blumen von solcher Vollendung gesehen wie die Ihren, und ich hätte meiner Mutter so gern einen Strauß da­von mitgebracht, damit sie sich auch davon überzeugt, wie hübsch Kunstblumen sein können."

Angela war entwaffnet. Es machte ihr immer Freude, ihre Blumen loben zu hören. Sie neigte ein wenig den Kopf.Dann kommen Sie mit hinein zu uns, ich habe noch Rosen genug vorrätig, und Sie kön­nen sich gleich welche aussuchen nach Ihrem Ge­schmack und dann mitnehmen."

Er lächelte wie ein großer Junge, dem ein beson­derer Streich gelungen ist.

Angela öffnete die Haustür; darauf betrat er mit ihr einen Raum, der gleichzeitig Küche und Stube war. Ein sehr großer Mann faß an einem Tisch und ordnete Blumen; auf dem Herd brodelte irgendein Gericht, und durch die Stube strich eine Katze, ver­schwand durch das offenstehende Fenster. Armselig sah es hier aus, fand Konrad Zweilinden, aber tadel­los sauber.

Das allo war das Heim dieser Blumenoerkäuferin, deren Schönheit für einen purpurbekleideten Thron- fessel nicht zu gering gewesen wäre. Er grüßte den am Tisch Sitzenden mit stummem Gruß.

Angela legte dem Vater, der sich langsam erhob, die Hand auf den Arm.Vater, der Herr möchte Rosen von mir kaufen, im Kiosk mußte ich ihm lei­der die letzten vor der Nase weg verkaufen. Der Herr ist ein Deutscher."

Konrad Zweilinden fühlte dem ernst fragenden Blick des anderen gegenüber Befangenheit. Er er­klärte:Ich sah im Vorübergehen die selten hüb­schen Blumen, aber sie waren verkauft, ehe ich noch richtig meinen Wunsch vorbringen konnte. Ich möchte nämlich meiner Mutter einige mitbringen. Sie ist im Hotel, wir befinden uns auf einer Spanienreise " Höflich setzte er hinzu: ,Zch freue mich, in Ihnen einen Landsmann kennenzulernen."

Er Überlegte, sollte er dem Vater des schönen Mädchens seinen Namen nennen, oder war das nicht nötig? Es machte fast den Eindruck, als warte er darauf. Er fand, der Besitzer dieses mehr als ein­fachen Heims hatte etwas Vornehmes. Er schien ein­mal bessere Taae gesehen zu haben. Aber dann ent- schied er sich, seinen Namen nicht zu nennen die Kunden hatten wirklich keine Verpflichtung, sich den Verkäufern vorzustellen. 1

Der am Tisch Stehende erwiderte:Meine Toch­ter wird Ihnen Blumen nach Ihrem Geschmack geben, mein Herr. Verzeihen Sie gütigst, wenn ich mich wieder setze. Ich bin ein armes Hinkebein und ermüd« sehr schnell beim Stehen "

mar überzeugt, der Mann am Tisch besaß Bildung. Er wandt« sich an Angela: Geben oie mir Rosen aller Farben, machen Sie einen großen Strauß davon und packen Sie mir ihn

leicht ein, Senjorita. Meine Mutter wird sich dar­über sehr freuen."

Angela lächelte:Nehmen Sie, bitte, ein paar Minuten Platz, mein Herr."

Konrad Zweilinden setzte sich auf den nächsten Stuhl und sah ihr dabei zu. Er fragte den Steileren: «Aus welcher Gegend Deutschlands stammen Sie, Herr?"

Unwillkürlich hatte er einen Namen hinzufügen wollen, als ihm plötzlich einfiel, daß er ihn noch nicht einmal wußte.

Der Gefragte antwortete mit bedrückter Miene: Ich stamme aus der Taunusgegend."

$onra& Zweilinden machte ein interessiertes Ge- I'cht.Welch sonderbares Zusammentreffen, ich bin auch im Taunus daheim."

Die Züge des Aelteren wurden plötzlich verschlaft sen.So, so!" machte er lässig und meinte dann: «Der Taunus ist groß, wir stammen dort wahr­scheinlich aus zwei Orten, die weit auseinander- ^Qbe übrigens gar keine Beziehungen zu Deutsch and mehr."

. Hang so kurz, als wollte er schon im voraus jebe mögliche Frage in die Flucht schlagen.

Konrad von Zweilinden schaute chn erstaunt an. Angela dachte: wie schade, daß ihr Vater die ®e= egenheit, sich einmal mit jemand in der Mutter- lprache zu unterhalten, so wenig ausnützte. Aber der Vater war überhaupt in der letzten Zeit so wortkarg. Oft lief er plötzlich nachmittags fort, um wie er a9te Luft zu schöpfen, und wenn er wiederkam, faf) er immer fo zufrieden aus, als wäre ihm etwas besonders Gutes passiert. Anfangs hatte sie gemeint, er trank vielleicht heimlich, aber sie kam bald dahinter, daß die Annahme nicht stimmte. Sie hatte sich schon vorgenommen, ihm einmal nachzuschleichen, um hinter sein Geheimnis zu kommen.

Konrad von Zweilinden wagte feine Frage mehr an den anderen zu richten. Er blickte lieber wieder den geschickten Mädchenhänden zu, erzählte:Ein Zufall hat mich heute in eine Gegend geführt, in die sich sanft wohl kaum Fremde verlieren. Ich fuhr mit dem Autobus B vom Platz Catalunja bis ans End­ziel. Es ist amüsant, nicht nur die Gegenden einer fremden Stadt kennenzulernen, die im Führer dick gedruckt sind. Das eigentliche typische Leben und Treiben findet man doch meist etwas seitab vom Wege, nicht wahr?"

Angela nickte:Ich glaube, daß Sie recht haben, mein Herr, ich selbst bin noch niemals aus Barcelona herausgekommen/In ihren dunklen Augen erwachte ein warmer Glanz.Zuweilen male ich mir aus, ich kannte eines Tages nach Deutschland reifen, in Vaters Heimat. Ich möchte gern"

Ihr Vater unterbrach sie:Aber Angela, das interessiert den Herrn sicher nicht, beeile dich nur ein bißchen mit dem Strauß, du weißt, wir haben heute noch viel zu tun."

(Fortsetzung folgt.)

heran. Sie trugen Palmenwedel und forderten Rosen. Sie kannten Angela, standen in ihrem Alter. Und fie kauften den Rest der Rosen, zahlten und gingen fort.

Angela machte ein bedauerndes Gesicht.Sie haben zu lange gebraucht, um sich zu entscheiden, mein Herr, nun ist keine Rose mehr da. Aber viel­leicht holen Sie sich ein anderes Mal welche." Si« nickte ihm zu.Guten Tag, mein Herr."

Sie ließ das breite Fenster herunter.

Da stand nun Konrad von Zweilinden vor dem geschlossenen Kiosk und starrte ihn an. Langsam chab er sich bann hinüber auf die andere Straßen- feite Das schone Mädchen hatte ihm doch eben er- jablt, wenn sie ihre Blumen verkauft hätte, würde sie nach Hause gehen. Aber vielleicht befand sich das Zuhause schon an der nächsten Straßenecke? Auf ieden Fall wollt« er aufpassen, sie mußte nun doch gleich kommen.

önIaTjie,?ucfHd)on, erspähte ihn sofort und wandte sich schnellen Schrittes nach der Richtung, wo diese lebhafte, die eine Seite der Markthalle be­grenzende Straße stiller wurde.

Ohne zu überlegen, folgte Konrad Zweilinden der schonen Blumenverkauserin. Sie schaute sich nicht um, und er war entzückt von dem leichten, stolzen Gang des jungen Mädchens.

Er lächelte über sich selbst und dachte, es war doch eigentlich eine Narretei, dem Mädelchen nachzulaufen. Es hatte gar keinen Sinn. Was kümmerte es ihn, mo sie wohnte! Wenn er sie noch einmal sehen, sich mit ihr unterhalten wollte, brauchte er ja nur am Montagvormittaa wieder in das Viertel hier zu sahren, da stand sie wahrscheinlich wieder, wie heute zwischen ihren künstlichen Blumen und verkaufte sie' Er sollte jetzt lieber ms Hotel zurückeilen; die Mutter wurde unruhig werden, wenn er zu lange ausblieb.

eT. f'lh entschloß, umzukehren, lief er bo^ roeiter berm einer Entfernung von zwanzig Schntt vor .hm Herschreitenden nach. Sie ging eben durch die Ueberfuhrung an einer Station der Unter­grundbahn vorbei. Ein Stückchen Feld lag rechts und Dann begannen roieber bie Häuser. Schließlich bcfanb man sich im StabtteU Coll Manch, aber das wußte Ronrab Zweilinden natürlich nicht. Er folgte ^ngela durch eine breite Straße unb durch ein paar (baffen btc ziemlich eng und unfreunblich waren ^Angela aber dachte unterwegs auch an den Frem- Konrad Zweilinden blickte ihr unschlüssig nach als & einem kleinen, vom Alter, vom Wind'und fflÄ b,°9 "^genommenen Hause stehen blieb. ©In Gedanke kam ihm, und mit ein paar Schritten 'n!" Sprüngen glichen, erreichte er Angela noch!

SprHnri n5 "ef ein bißchen atemlos:

Senjorita, Senjorita!

Angela drehte ^sich um und blickte ihn mit großen ?U0fe"n- ®,n Schatten glitt über ihr Gesicht, unb ^er??"9 6 CtmQ9 fur3: "&as wünschen Sie, mein