Ausgabe 
18.4.1933 Erstes Blatt
 
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gleichen beschädigt wurde. Die Reichsbahn hatte vor dem Fest lebhaften Verkehr zu verzeichnen, am ersten Osterfeiertag war es still auf den ^Bahnhöfen, dagegen war am zweiten Feiertag der Ausflugsverkehr mit der Reichsbahn sehr stark; besonder- wurden die Abendzüge zur Rück­kehr in sehr umfangreichem Maße benutzt. Die Reichspost hotte aus ihren Kraftomnibuslinien ebenfalls sehr starken Zuspruch zu verzeichnen. Erfreulicherweise war bisher von Derkehrs- unfallen nichts zu hören, ebenso haben die Polizei und die Sanität-wache absolute Feiertagsruhe genießen können. Man kann also nach jeder Richtung hin mit dem Verlaus der Festtage zu­frieden sein.

Allgemeiner F ortbildu ng Skur- s u S für Aerzte. Die Medizinische Fakultät der Universität Gießen veranstaltet vom 15. Ok- tober bis einschließlich 21. Oktober für praktische Aerzte einen allgemeinen Fortbildungskurs mit klinischen Besprechungen und praktischen Demon­strationen. Vortragende sind die klinischen Fach- Vertreter, sowie die Fachvertreter für Physiologie und tierische Eeuchenlehre. Am Mittwoch findet ein Ausflug nach Vad-Rauheim statt mit Vor- . trägen, bzw. Demonstrationen im dortigen Dal- neoloaischen Universitäts-Institut und im Kerck- | Hoff-Institut. Zur Deckung der Unkosten wird von jedem Teilnehmer der Betrag von 10 Mark er­hoben; weitere Kosten entstehen nicht. Prospekte und Anfragen durch Professor Georg Herzog, Pathologisches Institut, Klinikstrahe 32 g.

** Lionzert i n der Chirurgischen Kli- n i k. Eine schöne Osterfreude bereitete der Frauen­chor Klein-Linden (Leitung Lehrer Rau) den Pa­tienten und Angestellten der Chirurgischen Klinik mit dem Dortrag von geistlichen und Bolksliedern nm Nachmittag des ersten Osterfeiertags. Zwischen- durch trugen zwei kleine Mädchen, Gertrud Här­der und Ria Rau, passende Gedichte heiterer Art vor. Die Zuhörer waren des Dankes voll über die schönen Darbietungen, die sie für einige Stunden ihr Leid und ihre Schmerzen vergessen ließen.

Einheitslurzschrist! Man schreibt uns: Tätige Aufbauarbeit zur geistigen Ertüch- tigung unsrer deutschen Jugend leisten ohne Zweifel die Kurzschriftverein«, denn sie versor­gen jahraus jahrein die deutsche Wirtschaft, Handel und Industrie mit guten Arbeitskräften. Durch die Verwendung der Kurzschrift wird Zeit und damit Geld gespart. Jeder, der An­spruch auf eine gute Allgemeinbildung erhebt, sollte heute die Kurzschrift beherrschen. Wer geneigt ist, die überall eingeführte, bei Schulen und 'Behörden allein zugelassene deutsche Ein­heitskurzschrift sich anzueignen, sei auf den am Donnerstag, 27. April, um 19 Uhr in der Goetheschule, Westanlage 43. beginnenden An- fängerlehrgang des Kurzschriftvereins von 1861 aufmerksam gemacht. Wer sich in der Kurzschrift weiterbilden will, findet in den ebenfalls be­ginnenden Fortbildungs«. Redeschrift-, Diktat- und Praktilcrkursen des Vereins reichlich Ge­legenheit. Roheres ist aus der heutigen Anzeige zu ersehen.

** Einbrecher an der Arbeit. In der Rächt zum Freitag versuchten Einbrecher in das Uhren- und Goldwarengeschäft von Karl 03 e d im Seltersweg cinzudrinacn. Die Einbrecher öffneten den benachbarten Laden (Kilbinger) mit einem Rachschlüssel und gingen dann mit einem Stemm­eisen die Mauer an, die sie vom Goldwarenge- fchäft trennte. Dabei wurden sie aber wohl ge­stört und muhten die Flucht ergreifen. Die Polizei nahm sofort die Rachforschungen auf und setzte einen Hund auf die Spur der Einbrecher, der diese bis zum Seltcrstor verfolgen konnte. Von dort aus scheinen die Diebe die Flucht im Kraftwagen fortgesetzt zu haben. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Kriminalpolizei.

Diebe in der Gärtnerei. In einer der letzten Rächte wurden aus einer Gärtnerei in Klein-Linden (Gustav Gelitzer) 8 Rosen- Hochstämmchen gestohlen. Sachdienliche Mittei­lungen erbittet die Gendarmeriestation Gießen.

Oie Deutsche Wehtschast in Gießen

Die DeutscheWehrschaft vereinigte wäh­rend der Osterfeiertag« die Vertreter der ihr an- geschlossenen Korporationen aus allen LandeStei- len zu einem Wehrschaftertrefsen bzw. zum außerordentlichen Vertreter tag in unserer Stadt. Mit der Tagung, waren einige gesellschaftliche Veranstaltungen verbunden. In stattlicher Anzahl fand man sich am Samstagabend zu einem

Kommers im Studentenhaus.

ein. Der Einzug der Chargen eröffnete den Abend in würdiger Weife. Feierlich wurde auch die Fahne des Sturme- 11 116 der SA. einaebracht. Der Erstchargierte Mühlich (Leipzig, begrüßte die Teilnehmer, insbesondere die Gäste und die Damen. Sein besonderer Gruß galt dem Exrektor der Landesuniversität Pros. Dr. V a n s e l o w , dem Vertreter des hiesigen Bataillons Oberleut­nant Jordan, sowie den Vertretern der Stadt Gießen, Bürgermeister Dr. Selb und Dr. Hamm. In feiner Ansprache führte er u. a. aus, man wolle die Frage, ob die Studentenschaft am Tage der nationalen Erhebung Berechtigung habe, mitzufeiern, offen lassen. Bestimmt berechtigt sei aber die deutsch« Wehrschaft, die nicht nur mit einem Lippenbekenntnis, sondern mit praktischer Arbeit seit je an der nationalen Befreiung mit­gearbeitet habe.

Die deutsche lvehrschaft fei stets bemüht ge­wesen, die studentische Tradition mit neuem Jnyalt zu erfüllen.

Die deutsche Wehrschaft habe stets aktiv in den Wehrverbänden gestanden. Der Geist der deut­schen Wehrschaft wirke in allen Arbeitslagern, und sie könne stolz auf die bisher geleistete Arbeit sein. Die innere nationale Befreiung sei Wirklichkeit geworden. Mahner und Künder zu fein für die äußere Befreiung solle das Bekenntnis dieses Ver­tretertages sein. w .

Die Festansprache hielt sodann der Vorsitzende der Deutschen Wehrschaft, Dr. Glaher. Er führte u. a. folgendes au«: Das groß« nationale Geschehen in Deutschland habe allgemein festlichen Widerhall gefunden. Man hoffe auf den Tag, da endgültig alle Fesseln springen. Sinn der Deut­schen Wehrschaft sei der Kampf gegen alle Ver­gewaltigung und gegen alles ilnöeutfdje. Die Deutsche Wehrschaft fei bereits gewesen, als noch niemand an die nationale Erhebung gedacht habe. Der Wehrschafter habe stets gekämpft, nun aber sei die Bewegung groß geworden durch einen Wehrschafter der Tat, durch Adolf Hitler.

3n der Dehrschafl sei Adolf Hitler Ehrenmitglied feit je.

In der deutschen Wehrschaft fei nie etwas halbes geschehen. In dieser Stunde gelte das Bekenntnis nicht billigem Hurrapatriotismus; das A k t i v s e i n dürfe nicht enden. Schon im Alltag müsse der Wehr­schafter zeigen, was er sei. In allen ober poche jener völkische Wille, der schon den Gründern angesichts des Hermannsdenkmals zu eigen gewesen sei. Noch dürfe man die Fahne nicht einrollen. Noch laste der Bersaiiler Vertrag auf Volk und Vaterland. Der Kampf sei noch nicht beendet. Wenn die Wehrfchaft nicht schon bestünde, so müßte sie jetzt gegründet werden. Man wolle in die Zukunft schauen in dem Bewußtsein, in der Vergangenheit seine Pflicht ge­tan zu haben. Noch fei das Opfer der Kameraden von Longemarck nicht erfüllt. Die Wehrfchaft müsse weiterkämpfen, denn der Sieg fei noch nicht er­rungen.

Da» ganze Volk müsse durchdrungen werden mit dem Geist des Opfers für das Vaterland. Jeder müsse Kämpfer sein und erfüllt von star­kem Aufbauwillen, wenn man jetzt wieder hin- ausziehe In die Lande, dann müsse eine Begei­sterung milgetragen werden, die alles erfasse, so daß der Bau vollendet, die Einheit vollkom­men werde für die Zukunft und für die fol­genden Generationen. Den Führern der neuen

deutschen Volksgemeinschaft müsse Dank werden durch die laL

Das gemeinsam gesungene Deutschlandlied beschloß die mit starkem Beifall aufgenommene Ansprache.

Als Vertreter des verhinderten Rektors der Uni­versität sprach sodann Prof. Dr. D a n s e 1 o w. Er übermittelte die Grüße der Universität und wünschte der Tagung das beste Ergebnis. Mit tiefer Bewe- gung habe er stets von den Zielen der deutschen Wehrschaft gehört. Es gäbe keine schöneren Ziele. Er werde die Äießener Wehrfchaft nach besten Kräften unterstützen, damit sie der Sauerteig werde unter der Gießener Studentenschaft. Die Gießener Wchr- schast sei der Universität eng verbunden, und zwar durch die Person des Wehrschafters Direktor Greve. Er wünsche der Deutschen und der Gieße­ner Wehrschaft weiteres Blühen, Wachsen und Ge­deihen.

Oberleutnant Jordan sprach für das Gie­ßener Bataillon. Es sei keine Phrase, wenn er sage, daß Reichswehr und Wehrfchaft zufammenaehorten. Die Reichswehr werde die Freiheit des deutschen Volkes nicht allein schassen tönnen, sondern sie rechne auf die Mit­arbeit der Wehrschaft und aller jener, die das deutsche Vaterland lieben und frei sehen wollen.

Bürgermeister Dr. Seid übermittelte _ die Grüße der Stadt und gab feiner Freude darüber Ausdruck, daß man Gießen zum Tagungsort ge­wählt habe. Die innere Zerrissenheit fei Über­wunden. Das fei umso erfreulicher, als ihre Lieberwindung die Voraussetzung für die äußere Befreiung darstelle. Die organisierte, bewußt und klar zusammengefaßte Kraft werde die deutsche Freiheit sichern können. Man hoffe fehnlichst, daß das neue Reich dem deutschen Volke wieder jenen Platz Im Date der Volker verschaffe, den es nach Recht, Verdienst und Fähigkeit beanspruchen könne.

Aks Vertreter der SA. sprach Herr S o l d a n , der in markigen Worten auf die Gemeinsamkeit der Ziele der Wehrschaft und der SA. hinwies.

Rach verschiedenen gemeinsam gesungenen Lie­dern, bei regem Austausch der Gedanken ver­gingen die Stunden, bis das Horst-Wessel-Lied den offiziellen Teil der Feier beschloß.

Am ersten Osterfeiertag fand am ©ef alle- nendenkmal der ilnibcrfität eine

Kundgebung zu Ehren der Gefallenen der Universität.

statt. In geschlossener Formation marschierten die Vertreter der einzelnen Wehrschaften, sowie der SA. mit Fahnen vom Studentenhaus zum Vorlesungsgebäude der Hnioerfität. Vor der Ehrentafel wurde Aufstellung genommen.

Sodann hielt Sturmbannführer und Wehr­schafter Meyerhofer (Frankfurt) die An­sprache: Die Gefallenen-Gedächtnisfeier bedeute eine Stunde der Einkehr. Das Leben der Helden sei kurz gewesen, aber ihr Leben habe im Opfer Erfüllung gefunden; ihr Opferwille sei durch die Tat besiegelt worden.

Vom Gedanken an die Toten von Langemarck sei der Geist der Zuversicht ausgegangen. Im Zeichen des Hakenkreuzes seien Führer und Männer auf den Plan getreten, zu denen die Jugend aufsehe. Der Tod der Helden sei nicht umsonst gewesen, denn aus ihrem Tode sei neuer heldischer Geist und der Geist der Pflichterfüllung für Volk und Vaterland erwachsen.

Die wehrfchaft gelobe, nicht zu rasten und nicht müde zu werden, bis die Jugend in diesem Geiste vorwärts und aufwärts strebe zu neuer Freiheit und zu Deutschlands Ehre.

Der erste Vers des Liedes vom guten Kameraden beschloß die würdige Feier. Geschlossen marschierten die Teilnehmer an der Kundgebung wieder zum Studentenhaus zurück.

Der weitere Verlauf der Tagung brachte Aus­flüge in die Umgebung unserer Stadt.

Darmstadt ehrt den Reichskanzler.

Darmstadt. 18. April. (WÄR.) Am Sams­tag wurde der Luisenplah vor den Staatsmini­sterien in Adolf-Hitlcr-Plah umbenannt. Die Waldstraßc wurde, einem Wunsch des Stahl­helms folgend, xur Mackensen-Straße, der Friedrich - Ebert - Platz zum Dietrich- Sckard-Platz und die Rathenau-Anlage zur Horst-Wessel-Anlage umbenannt

Wirtschaft.

Frankfurt zurückhaltend.

Frankfurt a. M., 18. April. (WTB. Drahtmcl' düng.) Das Geschäft an der Esfetlenbörsc kam nach der längeren Verkehrsunterbrechung nur sehr zögernd in Gang. Sowohl die Spekulation als auch die Kundschaft bekundeten aus mannigfachen Grün­den stärkste Zurückhaltung, insbesondere auch menen der bevorstehenden Plane zur Entschuldung der Landwirtschaft. Die Kursgestaltung war zwar nicht ganz einheitlich, doch überwogen im Ver­gleich zum Gründonnerstag meist Rückgänge von 0,5 bis 0,75 v. H, wobei man auch auf die schwächeren Kurse aus Amerika verwies. Einige Spezialwerte verloren darüber hinaus von 1 bis 2 v. H. So lagen Reichsbankanteile und Mannes­mann je 1,25 v. H. und Gesfürel 2 o. -.schwächer. Von Chemiewerten kamen zunächst nur IG.-Farben mit minus 0,75 o. H. zur Notiz. Am Elektromarkt eröffneten AEG., Bekula, Licht & Kraft und Sie­mens von 0,25 bis 0,65 v. H. niedriger. Bei Man tanroerten überwogen Abschwächungen von 0,5 bis 1 v. H. Nur Buderus setzten zunächst 0,75 v. H. höher ein und lagen später weiter 0,5 o. H. ge­belfert. Schiffahrtsaktien gaben von 0,40 bis 0,75 v. H. nach. Daimler-Motoren gewannen 0,65 v. H., Zement Heidelberg und Zellstoffpapiere blieben gut behauptet. Durch feste Haltung fielen Süddeutsche Zucker mit plus 3 v. H. und Contigummi mit plus 2 d. H. auf.

Der Rentenmarkt lag ebenfalls f a st ge­schäftslos bei nachgebenden Kursen. Altbesitz und späte Reichsschuldbuchforderungen gaben etwa 0,75 v. H. nach, Neubesitz verloren 0,25, Stahl­vereinbonds 0,5 v. H. Reichsbahnvorzugsaktien er­öffneten unverändert. Bei kleinem Umsatz lagen fest­verzinsliche Werte meist von 0,25 bis 0,5 o. H. freundlicher. Stadt- und Staatsanleihen waren ziemlich unverändert. Auslandrenten lagen ge­schäftslos.

Im Verlaufe hiell die G e s ch ä f t s st i l l e zwar auf der ganzen Linie an, doch wurden die anfäng­lichen Kursverluste meist wieder aufgeholt. Im Frei­verkehr lagen Adlerwerke Kiener mit 51 etwa 1 v. H. fester. Tagesgeld blieb zum Satz von 3 o. H. unver­ändert.

Wettervoraussage.

Der hohe Druck über dem Nordmeer hat sich noch verstärkt und läßt weiterhin in Gemeinschaft mit der Rückseite des Polentiefs Kallluft südwärts fließen. Ueber Frankreich hat allerdings Druckfall eingesetzt, der sich auch über unserem Gebiet schon bemmbor macht. Es besteht somit die Aussicht, daß Warmluft von Süüwesten her zunächst in höheren Schichten Vordringen und Zunahme der Bewölkung, dabei auch langsame Milderung verursachen wird. Für späterhin ist dann beim Zusammentreffen der ver­schieden temperierten Luft auch Neigung zu Nieder­schlägen vorhanden.

Aussichten für M i t t w o ch :-Bewölkt und aufheiternd, nachts Temepraturen noch um Null, tagsüber etwas milder, meist trocken.

Aussichten für Donnerstag: Zeitweise stärker bewölkt, aber auch aufheiternd, Temperaturen zwischen Tag und Nacht sich mehr ausgleichend.

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