Ausgabe 
18.3.1933 Frühausgabe
 
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Auflösung der Materialverwaltungsstelle als selbständige Dienststelle bedeutet auch eine Ein­sparung an den Personalkosten.

Oie Llmbesetzungen in -er preußischen Beamtenschast.

Köln. 17. März. (WTB.) Wie der Regie­rungspräsident von Köln mitteilt, hat der preußische Minister des Innern den Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten, Landräten und Polizeipräsidenten nachstehen­den Befehl der Reichsleitung der RED AP. an ihre Gauleiter zur Kenntnis ge­geben : Wünsche und Anregungen auf Absetzung von Beamten und Vor­schläge zur Reubesehung sind nur über die zuständige G a u l e i t u n g den Verwaltungs­behörden und erforderlichenfalls den M i ni­st c r i e n z u z u l e i t e n. Es ist nicht angängig, daß sich Ortsgruppen, Kreisleiter, SA.-Führer usw. an die einzelnen Behörden oder gar Mini- sterien direkt wenden. Dasselbe gilt für S A. - und SS.-Formationen und deren Ange­hörige. Bei Anträgen auf Absetzung müssen von der Gauleitung gleichzeitig Vorschläge lFachleute) für den notwendigen Er- s a tz gemacht werden. Die Entscheidung über die tSellenbesehung liegt bei den Verwaltungsbehör­den. Die letzte Entscheidung fällt der zuständige Minister,

Aeichminister Göring spricht zu den preußischen Polizeioffizieren

Berlin, 17. März. ($11.) Auf dem Vertre- tertag der Vereinigung der Polizeioffiziere Preu­ßens hielt Rcichsminister Göring eine An­sprache. Er sprach seinen aufrichtigen Dank dafür aus, daß der Verein über alle wirtschaftlichen Dinge hinaus ein Hort des nationalen Empfindens gewesen sei. Die Vereinigung habe auch unter schärfstem Druck gegenüber einer damals regierenden Weltanschauung einen na­tionalen Rückhalt gebildet, dessen Wert Nicht vergessen werden solle. Im Gegensatz dazu habe der Schrader-Verband sich bemüht, Unzu­friedenheit unter den Untergebenen gegen die Vorgesetzten zu erregen. Ietzt sei es n i ch t m e h r notwendig, daß solche Verbände die wirt­schaftlichen und dienstlichen Belange ihrer Mit­glieder vertreten. Er, der Minister, lasse sich von niemandem bei der Sorge für die Untergebenen übertreffen. Er schloß mit dem Wunsch, daß die preußische Schutzpolizei ein vom ganzen preu­ßischen Volk geliebter und geehrter Faktor des Staates werden möge. Die Vereinigung beschloß, ihren 2k amen umzuwandeln inKa- meradschaftliche Vereinigung der Polizeioffiziere Preußens". In den Satzungen wurde der Satz: Die Vereinigung ist Mitglied des Reichsverban­des deutscher Polizeioffiziere und des Reichsbun­des der höheren Beamten" g e st r i ch e n.

Oie Llmorganisation -er preußischen Schutzpolizei

Berlin. 17. März. (WTD.) Nachdem Oberst G e i b e l zum Polizeikommandeur im preußischen Ministerium des Innerm ernannt worden ist, wer­den noch geschaffen die Stellen eines Höheren Polizeiführers Ost in Königsberg und eines Höheren Polizeiführcrs Südost 'n ^re^Iau. Zum Höheren Polizeiführer Ost in Königsberg soll Oberst Bertram, zum Höheren Polizeiführer Südost Oberst Riehoff ernannt werden. Die Organisation der preußischen Schutz­polizei würde sich dann wie folgt darstellen: Poli° zeitommanheur West Stieler von Heidekamp in

e Ü £ $ $ a u fe n, Höherer Polizciführer O st Oberst Bertram in Königsberg, Höherer Polizeiführer S ü d o st Oberst Riehoff in B r e s - lau, Kommandeur der preußischen Schutzpolizei Polizeikommandeur Geibel im preußischen Mi­nisterium des Innern.

Ein Kommunist schießt die Krau eines Oberlandjägers nieder.

Erkelenz, 18. März. In der Rächt zum Frei­tag wurde die Frau des Oberlandjägers K ö r - per in Rieder-Kruchten in ihrer Wohnung von

Oer Komponist Max Neger.

3u seinem 60 Geburtstage am 19. Marz.

Von Or. Hans Kteemonn.

Schon 1916 wurde Max Reger aus diesem Leben abberufen. Ein Werk von ungeheurem almsang hat der Dreiundvierzigjährige hinter- lassen. Es ist müßig, die Frage aufzuwerfen, wie seine weitere künstlerische Entwicklung sich ge­staltet hätte, wenn ihm ein längeres Leben be- schieden gewesen wäre. Bestimmt wäre er der mit Mohler und Schönberg sich anbahnen­den neuen Richtung, die er noch erlebt hat, nicht ms zu ihren letzten Konsequenzen gefolgt, obwohl er selbst stark revolutionierend gewirkt hat.

.Wie sehr man sein Schaffen, als er zu Be­ginn dieses Iahrhunderts anfing die Oeffentlich- keit zu beschäftigen, in diesem Sinne empfand, zeigt der heftige Kampf, der sich alsbald für und gegen ihn erhob. Wenn 1907 Spiro in einst populären Musikgeschichte verkündet, daß Regerdas von Lessing aufgestellte Problem des akustisch Ekelhaften zu lösen gewußt" habe, so können wir heute darüber lächeln, aber es ist begreiflich, daß den konservativ gerichteten Zeit­genossen das ständige Fließen und Gleiten seiner Harmonik, das die Auffassung im Sinne einer bestimmten Tonart aufs äußerste erschwerte, chao­tisch vorkam. In dieser Feststellung liegt sogar eine richtige Beobachtung. Denn seine Aeigung zu fortwährender Umdeutung von Akkorden oder einzelnen Akkordtönen und die dadurch erzeugte Unruhe wirkt nicht immer als Bereicherung son­dern vielfach tatsächlich als Heberladung. Wir haben inzwischen im Hören merklich umgelernt' vieles, was einst unbegreiflich schien, ist zur Selbstverständlichkeit geworden.

Der zweite wesentliche Zug in Regers Musik ist ihre ausgesprochen PolyphoneHaltung, und aus dem Widerspiel dieser beiden Kräfte ergibt sich seine stilistische Eigenart. Ausfallend gering, ja dürftig ist seine rhythmische Erfin- dun '-rast, was sich aus seiner modulatorischen Llnrast hinreichend erklärt. Reue Formen hat er ma). u. schaßen, besitzt aber ein entwickeltes Form­gefühl in engem Anschluß an klassische Vorbilder. In diesem Punkt ist er einem gewissen Schematis­mus nicht entgangen, den man besonders in seinen Fugen oft spürt.

dem zu einer Vernehmung gelade­nen Kommuni st en Hilgers durch einen Kopfschuß schwer verletzt. Der vernehmende Oberlandjäger hatte für einen Augenblick das Zimmer verlassen. Er hörte den Schuß fallen und begab sich zum Tatort. Der Kommunist gab auf den eintretenden Oberlandjäger gleichfalls zwei Schüsse ab, die jedoch nicht trafen. Der Oberlandjäger st reckte den Täter durch einen Halsschuh nieder. Der Kommunist war sofort tot. Die Frau des Oberlandjägers wurde in hoffnungslosem Zustand in das Kran­kenhaus nach Gladbach gebracht.

Begnadigungen.

Oldenburg, 17. März. (WTB.) Die Presse­stelle des Staotsministeriums teilt mit: Dor der Reichstagswah! vom 5. März d. I. wurde i n Oldenburg der kommunistische Land­tagsabgeordnete Gerdes getötet. Das Staatsministecium kann diese Tat keines­wegs billigen, es hat aber trotzdem das Ver­fahren gegen die in Haft genomme­nen Personen niedergeschlagen, weil die Tat im Kampfe für die nationale Erhebung und in der Erregung über die niederträchtigen Terrorakte und die Terrorplage der KPD. be­gangen ist. Das Staatsministerium ersucht die Bevölkerung, in Zukunft von jeder Ge­walttätigkeit Ab st and zu nehmen. Mit weiteren Gnadenerweisen kann nicht gerech­net werden.

Der SA.-Truppführer Rolle, der vom Son­dergericht Gleiwitz wegen versuchten Totschlages in zwei Fällen zu sieben Iahren Zucht­haus verurteilt worden war, ist aus der Breslauer Strafanstalt entlassen worden. Rolle und der Maschinenschlosser Rich. Dobrinka waren angeklagt, in der Rächt zum 4. August vorigen Iahres in Gleiwitz-Sosnitza von einem Motorrad aus auf eine Poli­zei st reife mehrere Schüsse abgege­ben zu haben, wobei ein Polizeioberwachtmeister durch einen Deckenschuß verletzt wurde. Rolle hatte bestritten, an der Tat beteiligt gewesen

zu sein, während Dobrinka ausgesagt hatte, Rolle sei mit auf dem Motorrad gefahren.

Ein Staatskommiffar für die Krankfurier Llniversiiät?

WSN. Frankfurt a. M., 17. März. Wie das nat.-soz. ,Volksblatt" berietet, soll die Durchsuchung des Instituts für «ozialwissenschaft ergeben haben, daß hier unter dem Deckmantel der Wissenschaft unzweideutig k o m m u n i st i s ch e Propaganda getrieben worden sei. U. a. Ijabe man auch eine Schreibmaschine mit russischen Typen sowie in einem guten Versteck ein Rezept zur Anfertigung von Bomben gefunden. Heber die Funde, insbesondere auch über die Art der Zusammensetzung der Dozentenschaft der Uni­versität sei sofort dem kommissarischen preußischen Kultusminister ein Bericht vorgelegt worden. Der Minister werde einen Staatskommissar für die Universität nach Frankfurt entsenden.

Ein Großdeuischer Bund konservativer Katholiken.

Berlin, 17.März. (TU.) Infolge von An- regungen. die aus allen Teilen Deutschlands kamen, ist am Freitag einGroßdeutscher Bund konservativer Katholiken" unter der Devise »Kreuz und Adler" gegründet worden. Roch der in der Gründungsversammlung beschlossenen Satzung ist die Aufgabe des Bundes:Den christlich- konservativen Gedanken im Volke zu vertiefen, das Rationalbewußtsein der katholischen Deutschen zu stärken und den Aufbau des kommenden Reiches der Deutschen geistig zu fördern". Der Bund ist grundsätzlich überparteilich: schon bei der Gründung ist er von führenden katholischen Persönlichkeiten ganz verfchie- dener Parteirichtungen und auch von solchen ohne parteipolitische Festlegung getra­gen. In den nächsten Tagen wird eine pro- grammatif$e Kundgebung erfolgen, sobald die endgültige Zustimmung sämtlicher Mitglieder des Bundesausschusses vorliegt.

Schwere Bluttat eines sozialdemokratischen Abgeordneten. In Freiburg ein Polizeibeamter bei einer Haussuchung erschossen.

Jreibütg i. Br., 17. März. (WTB.) Bei dem sozialdemokratischen Landlagsabgeordneten R u ß - bäum sollte, wie schon kurz gemeldet, heute früh 5 Uhr eine Durchsuchung durch Polizei stattfinden. Da man wußte, daß der Abgeordnete als nervös bekannt war, hatte man mit der Durch, suchung besonders erfahrene, ältere Kriminalbeamte beauftragt. Ruhbaum weigerte sich, den Be­amten die Türen zu öffnen, trotzdem sich diese von außen mehrere Male legitimiert hotten. Die Polizei­beamten holten daraufhin einen Schlosser her- bei. Während dieser die Türe zu öffnen begann, gab Ruhbaum plötzlich durch die Tür mehrere Schüsse ab. Der hauptwachtmeisler Schelshorn wurde so schwer getroffen, daß er kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus verstarb. Der Kriminalsekrelär Weber wurde lebensgefährlich verletzt und muhte sofort operiert werden. Rußbaum und seine Frau wurden bann, ohne daß weiterer Widerstand geleistet wurde, f e st- genommen und ins Amtsgefängnis eingeliefert. Rach dem Ergebnis der bisherigen Feststellungen ist man der Ansicht, daß es sich um d i e Tat eines Geistesgestörten handelt. Ruhbaum Hal vor etwa einem Iahre einjen Gehirn- schlag erlitten und war darauf längere Zeit in der psychiatrischen Klinik.

Aus Anlaß der Erschießung ist angeordnei worden: Sämtliche der SPD- und KPD. angehörenden Mi tglieder desBadi- schen Landtags, sowie sämtliche Reichs­tag sabgeordneten der SPD. und der

KPD- sind, soweit sie in Baden wohnen, bis auf weiteres in Schutzhaft zu nehmen, sowie sämtliche Kommunisten, die auf Reichstags -Wa hlvorschlägen stehen. Weiter werden sämtliche Zeitungen der SPD-bis auf weiteres verboten, eben­so ist die Verbreitung nicht in Baden erscheinen­der marxistischer periodischer Druckschriften ver­boten. Sämtliche marxistischen Wehr­und Iugendverbände einschließlich ihrer Hilfs- und Rebenorganisationen, insbesondere die Eiserne Front, das R e ich s b a n ne r, die Antifa, marxistische Schühenvereine usw. werden mit sofortiger Wirkung a u f g e l ö st. Sämtliche den organisatorischen Zwecken der SPD. und KPD. einschließlich ihrer Hilfs- und Reben­organisationen dienenden Räume sind polizei­lich zu schließen . Die rein wirtschaftlichen Zwecken dienende Tätigkeit der sog. Freien Ge­werkschaften soll nicht beeinträchtigt werden.

Für die Stadt Freiburg i. D. wird ang:ord- net: Sämtliche örtlichen Organisatio­nen der SPD. und KPD. werden ein­schließlich ihrer Hilfs- und Rebenorganisationen mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Zum Zei­chen der Trauer ist die Vorstellung im Freibur­ger Stadttheater abgesagt worden. Während der Beisetzung des erschossenen Polizeibeamten am Sonntagnachmittag werden sämtliche öffentlichen Lustbarkeiten unterbleiben. Das Verlagsgebäude der sozialdemokratischenV o l k s w a ch t" wurde gegen Mittag polizeilich geschlossen, weil die Erregung in der Freiburger Bevölkerung im Zusammenhang mit der Bluttat so gestiegen ist, daß man Gewaltakte befürchten mußte.

Kleine politische Rachrichten.

Die Berliner Funkstunde überträgt a nt Samstagmittag gegen 1 1.30 11 b r dis Rede, die Reichsminister Dr. Goebbels auf der Eröffnungsfeier dec AusstellungDie Frau" in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm halten wird.

Wie die Gaupressestelle Frankfurt der RSDAP. mitteilt, ist der aus der Boxheimer Affäre be­kannteDr." Schäfer aus Offenbach von zwei Mitgliedern der RSDAP. am Wiesenhüttenplatz gestellt und der Polizei übergeben toor' den. Schäfer wurde sofort in Haft genommen.

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Die preußischen P r o v in z i all a n d - tage sind zum 10. April einbetufei* worden. Die Frist für die Annahmeerklärüng der neugewählten Stadtverordneten und Provinzial­landtagsabgeordneten ist von bisher 14 Tagen auf drei Tage herabgesetzt worden, damit auch! die neuen Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen zum schnellstmöglichen Ter­min einberufen werden können.

Reichswirtschaftsminister Dr. Hugenberg hat den Präsidenten des Statistischen Reichsamts Geheimen Regierungsrat Prof. Wagemann und seinen ständigen Stellvertre­ter Direktor Dr. Wohl mann st etter beur­laubt. Die Vertretung des Präsidenten hat der dienstälteste Direktor übernommen. Der Reichs­wirtschaftsminister hat einen Sonderkommis­sar für Personal- und Organisationsangelegen-- heiten des Statistischen Reichsamts eingesetzt.

Aus aller Welt.

Das A. v. D.-präsidium beim Reichskanzler.

Wie der Automobilclub von Deutsch lanb mitteilt, haben folgende Herren des Prä­sidiums: Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg, Freiherr von Brandenstein, C. O. Fritsch, Reichs­kanzler Adolf Hitler aufgesucht und ihren Dank für 'die vom Kanzler so tatkräftig in Angriff genommene Förderung des Kraftfahrwesens aus­gesprochen. Die Herren wiesen darauf hin, daß es seit Bestehen vornehmste Aufgabe des A. v. D. ge­wesen ist, die Interessen des deutschen Kraftfahrzeug­wesens wahrzunehmen. Der Reichskanzler legte in ausführlicher Weise seine Ansichten über die von ihm beabsichtigten, dem Wohle des Kraftverkehrs dienen­den Maßnahmen dar und bekundete erneut Inte» ressean densportlichenBeranstaltun- gen und der deutschen Erzeugung. Die ihm überreichte erste Ausschreibung zum Großen Preis des A. v. D.", der am 23. Juli auf dem Nürburgring ftaitfinbet, nahm der Reichskanzler entgegen und stellte seinenBesuch bei dieser bedeutendsten motorsportlichen Veranstal­tung des Jahres in Aussicht.

Der Prozeß Hintze.

Am vierten Verhandlungstage im Totschlags- Prozeß Hintze in Berlin machte der Vorsitzende davon Mitteilung, daß dem Gericht eine Fülle von Briefen, zum größten Teil anonym, zugegangen sei. U. a. tjabe die Vormünderin des Töchterchens, Erika Bindernagel, dem Gericht von einem geheimnisvollen Telephonanruf Kenntnis gegeben, aus dem zu entnehmen fei, dgß es sich um einen vorbedachten Mord an Frau Bindernagel gehandelt habe. Die Anruferin habe erklärt, sie wisse, daß Fräulein Weiland, die Sekretärin Hintzes, schon am Tage vor der Tat durch Hintze davon unterrich­tet gewesen sei, daß er seine Frau töten würde. Am Vormittag des Tattages habe Hintze bereits das Bild feiner Frau auf den Tisch gestellt und mit einem Trauerflor umhängt und den Revolver da­vorgelegt. Fräulein Weiland sei in der Nähe des Tatortes gewesen und habe auch die Waffe an sich genommen und später fortgeworfän. Hintze habe mit Fräulein Weiland vor der Tat verabredet, daß beide am Montag, also an dem der Tat folgenden Tage, nach Eisenach flüchten wollten. Zu dieser Mit­teilung erklärte Hintze, daß alle Angaben der ge­heimnisvollen Anruferin völlig erlogen seien. Das Gericht vernahm darauf nochmal die Zeugin Wei­land, die aber unter ihrem Eid bestritt, von die­sen Dingen Kenntnis zu haben. Medizinalrat Dr. Schlegel begründete nochmals, daß Hintze für seine Tat voll verantwortlich zu machen sei.

In seiner letzten Periode, deren Beginn man etwa um die Opuszahl 100 (um 1907) herum an- setzen kann, klärt sich sein Stil mehr und mehr ab, und doch wird man sich zu den oft zum Maßlosen neigenden Schöpfungen seiner mitt­leren Zeit hingezogen fühlen, da ; ns hier Reger in seiner ganzen Ursprünglichkeit entgegentritt. Man denke etwa an seine Streichquartette op. 53 und 74. Eine scharfe Trennungslinie läßt sich über­haupt nicht ziehen. Auch in feinen Spätwerken kommt nicht selten wieder der kühne Draufgänger zum Durchbruch.

Am unbestrittensten ist feine Anerkennung als Orgelkomponist. Hier hat er sich, nicht zuletzt dank dem mutigen Eintreten Straubes, zu­erst durchgesetzt. Für den Orchesterkomponisten war es von größter Bedeutung, daß er als Meininger Hofkapellmeister sozusagen an der Quelle studieren konnte. Fast unübersehbar ist die Reihe seiner Kammermusikwerke aller Gattun­gen. Für Klavierspieler aller Grade liegt eine Fülle von Stoff vor, von dem ein großer Teil, ebenso wie in der Kammermusik, sich festes Bür­gerrecht im musikalischen Hause erworben hat. Kein Gesangverein von Rang kann an seinen Chorwerken vom kleinsten bis zum monumen­talen (100. Psalm) achtlos vorübergehen. An Umfang nicht gering, aber an Bedeutung am letzter Stelle stehend, ist sein Liedschaffen. Rur von der Oper hat er sich ferngehalten.

Reger ist der Typus desabsoluten" Musikers. Er verschmäht die Anregung durch ein außer- musikalisches Programm. Die beiden Orchester­suiten nach Eichendorfs und B ö ck l i n sind Ausnahmen. Seine Musik ist, trotz der formalen Strenge, ausgeprägt gefühlsbetont. Charakteri­stisch ist das unmittelbare Rebeneinander schärf­ster Gegensätze. Echt bajuvarische Derbheit, Aus- brüche ungezügelter Wildheit und Stimmungen von unendlicher Zartheit lösen sich oft ohne Hebergang ab. Seine Religiosität ist wahrhaftig, nicht nur ein ästhetisches Spiel. Seine Freude an derben Witzen in lustiger Tafelrunde darf nicht mißverstanden werden. Sie entspringt, genau wie bei Mozart, dem Bedürfnis nach Entspan­nung. Die scheinbaren Widersprüche lösen sich, und zwischen Mensch und Künstler offenbart sich eine vollkommene Harmonie.

Musiker un- Mensch.

Neger in seinen Briesen.

Folgeren Brief*) schrieb der achtundzwanzig. ? c ? e r an Prof. Alexander Wil- helm Gottschalg, einen der ersten, der sich führenden Musikzeitschriften für den jungen Reger emfehte:

,92L W-gcn Überarbeitung TS San« außer Sorge; ich bin ganz gesund. J.01?" Lebensweise halten^neine Nerven E gebe hier nie abends in ein Restaurant: um zehn oder elf ü&r spätestens und schlafe vorzüglich bis an- LlcE,-Cn^ine einzigeExtra- Manz fmd drei Zigarren täglich (leichtester SSS' P? ?euke, daß das Komponieren erst richtig losgehen soll. Allerdings entbehre ich en künstlerischen Impuls. Ich höre hier nie ein Konzert, ein Orchester oder Theater, weil eben keines hier ist: das ist sehr bitter uieiner ileberfieölung in eine große ?.kudt. da reicht mein Portemonnaie nicht: Lieber- ^shabe ich nun den Flügel, den ich in Raten abzahlen muh: also Grund genug zur Arbeit. Spange unser deutsches Publikum an mein vorübergeht, solange meine Kollegen (mit wenigen rühmlichen Ausnahmen) "^B^achtung entgegenbringen, fann ich keine größeren Honorare erzielen. Lind Stellung! Sie wissen selbst, wie sehr man auf ^Vettern -und Basen" da Rücksicht nimmt bei Besetzung von Stellen. In München werde ich find?o 5? ^hcer kommen; da

UN? so viele Herren, die eigentlich wenig ge- baden, aber sich durch qesellschastliche^Kon- mitte,? ?»TRf!ne -?Ä?wn geschaffen haben. Sie Gtaote Mißtrauen man vom

teinen Äm Komponisten entgegentritt, der f als Musiker nicht

^^er staatlichen Anstalt sich geholt hat. Außer» V^JrClnGr Partei an, welche mich Xnfchnl nu Schlepptau nehmen würde. Es ist eben das alte Lied!

Sänger bringen ja fast grundsätzlich nichts Reuest Lind von jeher war «mir?11?: Deger, Briefe eines deutschen

Meisters. Herausgegeben von E. v. Hase- Koehler bei Koehler & Amelang, Leipzig.

es die beste Reklame, die ein Komponist machen konnte, zu sterben.

Sieben Iahre später, ein Brief des Fünfund- dreißigjährigen an Geh. Rat Prof. Dr. Adolf Wach, der Regers Berufung zum Aniversitäts- Musikdirektor in Leipzig veranlaßte:

Leipzig, 18. 6. 1908. Daß Ihnen mein Winterfahrplan" nicht ganz gefällt, kann ich mir denken mir gefällt er auch nicht! Aber erstens, ich kann nicht all' die Leute vor den Kopf stoßen Leute, die feit Iahren immer so­fort meine Reuheiten aufführen, und die mich längst zum Konzert selbst hoben wollen! Zweitens, ich verdiene sehr viel Geld damit; leider muß ich drauf sehen, viel Geld zu verdienen mit Kon­zerten, da ich noch meine Mutter und Schwester zu ernähren habe! Außerdem fühle ich die Ver­pflichtung, meine Frau und unser Kind finanziell sicherzustellen! 3a. wenn ich bloß für meine Frau und mich zu sorgen hätte dann wäre ich längst so weit, nicht mehrsparen", d. h. auf die Dank bringen zu müssen: aber ich habe enorme Auslagen! Trotzdem ist es mir gelungen, ein nettes Vermögen uns zu ersparen! Darin d. h. in Geldangelegenheiten, bin ich gar kein Künstler! Ich hasse überhaupt den AusdruckKünstler". Anständiger, edler Mensch sein das ist die Hauptsache! Verzeihen Sie meine Offenheit: aber ich habe Sie gerade in der kurzen Zeit meines Hierseins so aufrichtig schätzen und verehren gelernt, daß ich mir denke, daß meinegerade Art" Ihnen durchaus verständlich ist! Aeberhaiipt darüber mal mündlich, was ich für ein nettes Bündel zu schleppen habe aber meinen beinahe schonberüchtigten" Humor sollen all die Be­schwernisse des Lebens nicht tauben! . . .

Das Reh als Briefträger.

Eine merkwürdige Entdeckung machte ein pol­nischer Iäger, der an der polnisch - russischen Grenze jagte. Wie ein Moskauer Blatt berichtet, fand er am Halse eines Rehs, das er erlegt hatte, einen Brief der dem Tier um den Hals gebunden Schreiben, das vom 26. Februar 1933 datiert ist, rührte von einem russischen Bauern Der und war an einen Verwandten gerichtet, der auf der polnischen Seite der Grenze wohnt. Daß diese ungewöhnliche Art der Driesbestellung zwar billig, aber nicht ganz sicher ist, hat das Schick­sal des vierfüßigen Briefträgers geaciat