Ausgabe 
18.3.1933 Frühausgabe
 
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Nr 66SvühauSsabe

185. Jahrgang

Samstag, 18. März 1935

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantworllich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An­zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in (ßiejett

Braucht die Erzeugnisse der deutschen Landwirtschaft!

Reichsminister Göring und Gtaatssekretar von Hohr auf der Hauptversammlung > des pommerschen Landbunds.

Stettin, 17.März. (TU.) Vor der Hauptver­sammlung des Pommerschen Landbundes schritten unter lebhaften Kundgebungen unabsehbarer Men­schenmengen Reichsminister Göring, Staatssekre­tär o. R o h r und der Kommandeur des Wehrkreis­kommandos II, Generalleutnant von Bock, die Fronten des Stahlhelms, der SA. und der Polizei­abteilungen ab. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Pommerschen Landbundes, Bauernhofbesitzer R a n n o w, der des anwesenden Generalfeldmarschalls von Mackensen und ande­rer Ehrengäste gedachte.

Reichsminister Göring

führte folgendes aus: 14 Jahre liegen hinter uns, und es war ein schwerer Weg. den das deutsche Volk gegangen ist. Auch hier waren die größten Sorgen und die größten Nöte dem d eutschen Bauer auf die Schultern gelegt. Es war eine der allerersten Sitzungen der neuen Regierung, in der der Kanzler jenes Wort sprach: Wir müssen jetzt unter allen Umständen den deut­schen Bauern retten. Selbstverständlich muh der Landwirtschaft auch auf gesetzgeberischem Wege geholfen werden. Weit wirksamer als jede Verordnung wäre es, wenn nun endlich eine gigantische Aufklärung und ein eiserner nationaler Crziehungswille und Erziehungszwang den deutschen Menschen dahin bringen würde, wieder die einheimischen Erzeug­nisse zu nehmen und nicht die ausländischen. Viel wehr als alle Verordnungen würde es wirken, wenn man in einem Hause, in dem dänische Butter serviert wird, sagen würde: Aus, in dein Haus komme ich nicht mehr! Wenn man die verfemen würde, die da glauben, in erster Linie die Lebensmittel aus dem Ausland beziehen zu müssen: eine gewaltige Auf- klärungs- und Erziehungsarbeit muß hier getan werden, wie sie das deutsche Volk noch nicht erlebt hat.

Ich verwahre mich auf das Entschiedenste da­gegen, daß man mir vorgeworfen hat, ich habe auf meiner Essener Rede das Signal zur Diszi­plinlosigkeit, ja zu Plünderungen und ähnlichem mehr gegeben. Aber die Abrechnung für fluchwür­dige Verbrechen der deutschen Geschichte, die Ab­rechnung für jenen fluchwürdigen Rovember 1918. Die Regierung der nationalen Konzentration wird mit eiserner Faust die Interessengegen­sätze zwischen den einzelnen Volksschichten, die in den letzten 14 Jahren künstlich grohgezogen wurden, in die Harmonie zwingen, die für das Gedeihen des deutschen Volkes erforderlich ist. Wenn gesagt wurde, der Marxismus darf nicht mehr zurückkommen, so will ich sagen: Richt nur nicht zurückkommen wird er, außrotten werden wir ihn! Ich werde diesen Kreaturen so lange die Faust in den Racken setzen, bis sie erledigt sind. (Stürmischer Beifall.) Richt nur ausrotten werden wir diese Pest, wir werden auch das Wort Marxismus aus jedem Buch heraus­reihen. In 50 Jahren darf ein Mensch in Deutsch­land überhaupt nicht mehr wissen, was das Wort bedeutet. Der Bauer muh darüber klar fein, dah er heilige Verpflichtungen gegen­über diesem Boden hat, für den Millio­nen bereit sind, ihr Leben zu geben. Aus die­sem Boden soll auch einst der Entschluß kommen, die Ketten zu brechen, dort, wo sie uns auferlegt sind. Denkt daran, dah gerade Ihr als Bauern, als Glied in der Kette von Generatio­nen, besondere Verpflichtungen gegenüber dem Va­terland habt.

Staatssekretär von Rohr

führte dann nach einem Rückblick auf die vergan­genen 14 Jahre u. a. aus: Heute haben wir alle die Pflicht, der nationalen Regierung das Werk­zeug zu schaffen, mit dem sie ihre gewaltige Aufgabe auch auf dem Boden der Wirtschaft erfüllen kann. Es ist nicht wahr, daß in Deutsch­land eine Lieberproduktion herrscht. Es herrscht vielmehr eine Produkionsverwirrung als Folge einer planlosen Politik, die u. a. dem Getreide gerecht wurde, aber alle Berede- s u n9s Produkte in die Tiefe sinken lieh. Die deutsche Ware, die an die Stelle non Auslandware tritt. bedeutet neue deutsche Arbeit. Die Forderung. Leben und ,QHe Deutschen im eigenen Vaterland«, lapt sich nirgends schneller und gründlicher er­reichen als durch eine Politik der Verdrän­gung der Auslandware. Deutschland muh Rohstoffe elnführen. die es selbst nicht hat und die unentbehrlich sind, und es muh, damit es die Rohstof.e damit bezahlt, entsprechende Men- gen Waren ausführen. Der Zug in die ütaDt der seinen Grund darin hatte, dah der Lohn der Stadt meist das Doppelte und Dreifache des Landlohnes ausmachte, muh auf- boren. Es ist eine völkische Forderung erster öa$ der unheilvolle Abstand der Preise und Lohne des Landes von denen der Stadt ern Ende nimmt Wir wollen keinen Reichtum für das Landvolk, aber wir wollen daß Ar­beit und Sparen wieder einen Sinn erhalten Weltmarktpreise für Deutschland lehnen wir ab, weil wir wissen, dah der deutsche Induitriearbeiter nicht zu chinesischen Löhnen

und der deutsche Dauer nicht zu russischen Schleuderpreisen arbeiten kann.

Unser nächster Angriff, hinter dem alle anderen Maßnahmen in ihrer Wirkung zurücktreten, gilt der ausländischen Fetteinfuhr. Wenn jemand sagt, sie würden die Fetteinfuhr niemals ersetzen können, so ist das die Stimme desselben Versuchers, der vor dem Kriege die russische Futter­gerste als eine Notwendigkeit ansprach. Eine Zei­tung brachte kürzlich eine Aufstellung von agrari­schen Maßnahmen, die der Ernährungsminister seit Anfang Februar erlassen hat. Es sei erfreulich, daraus ersehen zu können, daß auf fast jeden Tag ein wichtiges Gesetz kam, aber die Hauptarbeit steht

noch bevor: Das Abriegeln jener Ein­bruchsstellen ausländischer Waren, die das ganze landwirtschaftliche Preisgebäude und die deutsche Versorgung aufs schwerste bedrohen. Diese Abriegelung ist die Grundlage aller weiteren Ar­beit. Die Q st h i l f e wird ihrem schnellen Ende ent­gegengeführt werden, wobei bestimmt zu hoffen ist, daß mancher Betrieb dem angestammten Besitzer erhalten bleiben kann. Unter die Siedlung wird ein dicker Strich gemacht werden. Das Siedeln soll nicht aufhören, aber das Verfahren der Deutschen Siedlungsbank soll abgewickelt werden und das alte preußische Siedlungsoersahren wieder zur Anwendung kommen.

seits nachdrücklich einsehen. Eine vollkommene Freiheit der Wirtschaft sei nicht möglich. So müsse ein Heberhandnehmen der Ein­heitspreisgeschäfte im Interesse einer gesunden Wirtschaft verhindert werden. Was die Einzelhandelskammern anbelange, so habe man damit in Hamburg und Bremen die besten Erfahrungen gemacht. Wir in Hessen litten besonders darunter, dah uns das Reich in der Vergangenheit: nicht ausreichend geholfen hätte. Die Regierung werde es sich besonders angelegen sein lassen, hier eine Besserung herbeizu» führen. Er hoffe, dah im Wege der Ar­beitsbeschaffung (Gereke-Programm) eine fühlbare Erleichterung für die Wirtschaft erzielt- werden könne. Für Ruhe. Ordnung und Disziplin werde die Regierung un­bedingtsorgen. Das gewerbliche Leben müsse Ruhe haben. Der Staatspräsident schloh feine Ausführungen mit Worten des Dankes an die Vertreter des Industrie» und Handelskammer­tages für ihr Erscheinen und für ihre Bereit­willigkeit zur vertrauensvollen Zusammenarbeit. Stellenbesetzung liegt bei den Verwaltungsbehör-

Hilfsmaßnahmen für -en wirtschaftlichen Mittelstand.

Berlin, 17. März. (211.) Wenn der Reichs­tag etwa in der übernächsten Woche seine De-l ratungen beendet hat und die Regierung fu# die sach'.iche Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiete freie Hand erhalten hat, werden, wie derBer­liner Lokalanzeiger" meldet, von dem Reichs^ wirtschaftsmimsterium der Reichsregierung eine Reihe von Vorlagen vorgelegt werden, die für die weitere wirtschaftliche Entwicklung von größ­ter Bedeutung sind. Roch vor der Reichstags- sihung wird wahrscheinlich eine Verordnung des Kabinetts Reuwahlen für die Handels­kammern. Gewerbekammern und die Landwirtschaftskammern vorschreiben. Eine andere Vorlage hat die Lösung des mittel st ändisch en Kreditwesens aus dem großkapitalistischen Komplex zum Ziele und weiter eine Zusammenfas­sung des Genossenschaftswesens in ganz Deutschland. Der Zweck dieser Maßnahmen ist die wirtschaftliche Stärkung des Mittelstandes und di« Schaffung von Kreditgrundlagen für den Mittelstand, auf denen eine ruhige Aufbauarbeit wieder möglich ist.

Außerdem ist eine Reuregelung des - Verhältnisses der Reichsbank zum Reiche -in Aussicht genommen. Unter den Plänen, die weiter zur wirtschaftlichen Erleich­terung erörtert werden, findet sich auch die Auf­hebung der Getränke st euer und der Luftbarkeitssteuer. Auf dem Gebiete der Neuordnung des Krankenka s s en w e- s e ns wird demnächst der Vorschlag einer Sperre für die Einstellung von Kran­kenkassenbeamten gemacht werden.

Schließlich wird vom Reichswirtschaftsminister eine wesentliche Veränderung in der Zu­sammensetzung desvorläufigen Reichswirtschaftsrats" durchgesührt werden. Dieservorläufige Reichswirtschastsrat" tagt in feister jetzigen Zusammensetzung seit über 12 Jahren. Die in ihm vertretene Arbeit­nehmergruppe hat in ihrer Zusammen­setzung nichts mehr mit dem heutigen politischen und wirtschaftlichen Willen der Mehrheit des deutschen Volkes zu tun. Eine Auflockerung der Arbeitgebergruppe ist nach den erheblichen wirtschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre ebenfalls notwendig. Und in der Abteilung für freie Berufe, sitzen teils Interessenvertreter, teils Vertreter geistiger An­schauungen, die vom deutschen Volke seit langer Zeit abgelehnt werden. Es wird zunächst eine Uebergangsregelung durch Neugestaltung des vorläufigen Reichswirtschaftsrates getroffen wer­den, vorbehaltlich einer späteren Endregelung in der Frage der Vertretung der Wirtschaft bei den Verhandlungen mit dem Reiche.

Oie Aushebung der Einstellungsprämie

Berlin, 17. März. (ERB.) Der Kabinetts­ausschuh für die Frage der Arbeitsbeschaffung hat sich unter Vorsitz des Reichskommissars für Arbeitsbeschaffung mit der Aufhebung der Cin- stellungsprämie zum 1. April beschäftigt. Dabei sollen allerdings nach dem Wunsch des Reichs­kabinetts Schäden der Wirtschaft und Härten ausgeschaltet werden. Deshalb beschloß der Ausschuß, dah diejenigen Arbeit­geber. die im ersten Quartal d. I. Einstellungs- Prämien beantragt und genehmigt erhalten haben, sie auch noch für das zweite Quartal, also bis zum 3 0. Juni d. I. erhalten sollen, falls sich ihr Antrag auch auf dieses Quartal erstreckt.

Vereinfachung

in der hessischen Schutzpolizei.

Darmstadt, 17. März. (WEN.) Der Staatskommissar für das Polizei­wesen hat mit sofortiger Wirkung die Ma­te r i a l v e r w a l t u n g s st e l l e für die hessi­sche Schutzpolizei als selbständige Dienststelle aufgelöst und sie in seinen Bereich einge­gliedert. Die seitherigen Aufgaben des Leiters der Materialverwaltungsstelle nimmt der im Staatskommissariat für Polizeiwesen tätige Po­lizeihauptmann Blum wahr. Der Kraft- fahrdienst wird dem Polizeiamt Darmstadt zugeteilt. Durch diese Maß­nahmen tritt in der Verwaltung nicht nur eine Wesentliche Vereinfachung ein, sondern die

Oer Neubau -es Reichs.

Vizekanzler von papen über die großen Aufgaben der nationalen Erhebung.

Breslau, 17. März. (WTB.) Am Freitag stand die Stadt Breslau im Zeichen ö e r (Se­in n e r u n g an den Auf.ruf21 n mein Volk", den König Friedrich Wilhelm Hi. vor 120 Jahren von Breslau ergehen lieh. Der Stahlhelm veranstaltete auf dem Schlohplatz eine nationale Kundgebung, in deren Mittelpunkt eine Red») des Vizekanzlers v. Pa­pen stand. An der Kundgebung beteiligten sich etwa 40 000 Personen, und zwar außer den Stahlhelmern 3500 Schüler sämtlicher Breslauer Lehranstalten, etwa 2000 SA.- und SS-Leute, Abordnungen der Kriegervereine. Korporationen der Universität und der Technischen Hochschule und viele Iugendbünde. Kurz vor 19 Uhr trat Vizekanzler v. Papen aus dem hell erleuchteten Schloß auf die Rampe. In seiner Begleitung be­fand sich u. a. der älteste Sohn des Kronprinzen. Nach einer Ansprache des Untergauführers von Mittelschlesien, Rechtsanwalt Dr. Fritsch, sprach

Vizekanzler v. papen

120 Jahre sind es her, da der König fein Volk rief zum Kampf um d i e Befrei­ung vorn fremden Joch. Das Volk stand auf, um für die Freiheit zu sterben, damib Deutschland lebe. Das Jahrhundert der Frei­heitskriege fand seine Krönung in Bismarcks unsterblichem Meisterwerk, in der Einigung der deutschen Stämme. 1918 sah sich dieses tapferste aller Völker niedergerungen und zermürbt. Heute ist nun das Unerhörte geschehen, da^ dieses Volk sich wiedergefunden hat. Die Na­tion hat die Zeit innerer Erniedrigung abge- schüttelt, sie hat erkannt, daß der Staat von Weimar ein Staat von der Gnade der ehemaligen Feinde war, dah sein Geist und seine Formen den Wünschen derer angepaßt waren, die das deutsche Volk im Zustand endgültiger Niederlage halten wollten. Heute erneuert sich d i e große Gemeinschaft der grauen Armeen, die ihren Feuerkranz vier Jahre um die bedrohte Heimat schlugen.

wir wollen nicht Vergeltung an den innerpolitischen Gegnern, wer die nationale Erhebung bekämpft, wird die Macht des Staates zu spüren bekommen, wir müssen versuchen, alle, die heute noch abseits stehen, von der Richtigkeit und Reinheit unserer Ideen zu überzeugen. Der wahre Führer bindet die Kräfte des Volkes an den deutschen Staat. Die deutsche Revolution ist uns Herzenssache, auf die kein Schatten

irgendeiner Würdelosigkeit fallen darf.

Der Reichskanzler hat dies zur Pflicht gemacht, und er wird die Staatsautorität unter allen Umständen

aufrechterhalten. Es gilt deshalb nicht nur Dis­ziplin, sondern auch Selb st zücht zu wahren. Nichts ehrt den Sieger mehr als Großmut gegenüber den Besiegten. Wir dürfen nicht Werte zerstören, die für den inneren Ausbau des deutschen Volkes unentbehrlich sind.

Niemand soll glauben, dah wir die echten volksrechte antasten werden, daß wir das, was die deutsche Arbeiterschaft in gesunder Selbstverwaltung aufgebaut hat, zer­schlagen werden. Es liegt im Gegenteil in der Linie der deutschen Revolution, alles or­ganische Leben zu schützen und auf ihm die neue Gesellschaft und den neuen Staat aufzubauen, wir wollen nicht einen Staat willenloser Untertanen, der alle Freiheiten vernichtet. Der Staat soll über den lebendigen Kräften des Volkes als letzte Autorität thronen, er soll aber nicht das eigene Leben zerstören.

Der Vorgang der Selbstreinigung, in dem wir uns befinden, muß ausgedehnt werden auf die in­nere Haltung eines jeden von uns. Unser Streben muß fein, dem Sehnen nach einer neuen Volks­ordnung d i e großen Rechtsreformen nachfolgen zu lassen. Die gefühlsmäßige Einheit des Volks ist weitgehend hergestellt. Jetzt müssen wir dafür sorgen, daß diese Gesinnung standhält auch in den großen Notstunden, die über die Völker kommen und die für das deutsche Volk so reich waren. Das ist nur dann zu erreichen, wenn wir den deutschen Menschen wieder seelisch in Gott, in deutschem Heimatboden und in deutschem Volks­tum verwurzeln, wenn wir eine Heimat für alle schaffen. Erst die außenpolitische Befrei­ung wird zeigen, was wir im Innern erreicht haben.

Ich möchte das deutsche Volk warnen, seinen innerpolitischen Sieg von heute einem außenpolitischen gleichzu st eilen. So heiß die herzen für Volk und Vaterland entflammt sein mögen, so kühl müssen wir die außenpolitischen Mög­lichkeiten und die weltpolitische Lage betrachten. Möge dieser Hinweis das Verantwortungsbewußtsein der nationalen Bewegung stärken.

Die nationale Erhebung wird dann zu einer großen Geschichtsepoche, wenn sie in dieser Stunde freu­dig und mit hohem Mut die gesamte Verantwor­tung für die deutsche Zukunft übernimmt. Helfen Sie alle, daß wir die deutsche Revolution gewinnen nicht in dem Sinne, daß wir über den innenpoliti­schen Feind endlos triumphieren, sondern daß aus der deutschen Revolution hervorgehe ein neugeord­netes deutsches Volk, das der Welt die Ach­tung abnötigt, die diesem deutschen Volk gebührt.

Gorgen -er hessischen Wirtschaft.

Vertreter des Hessischen Industrie- und Handelskammertages beim Staatspräsidenten.

Darmstadt. 17. März (WEN.) Heute spra­chen die Vertreter des Heffischen Industrie- und Handelskammertages beim Staatspräsidenten Dr. Werner vor. Der Vorsitzende Ludwig Meyer (Mainz) übermittelte dem Staatspräsidenten die Glückwünsche der hessischen Industrie- und Han­delskammern zu seiner Wahl und versicherte ihn der vertrauensvollen Mitarbeit der hessischen Wirtschaft bei den schweren Aufgaben, die der neuen Regierung harrten. Er betonte, daß die In­dustrie» und Handelskammern in ihrer Zusammen­setzung aus Vertretern der Industrie, des Groß­handels, des Verkehrswesens und des Einzelhan­dels besonderen Wert darauf legten, zu allen wichtigen Fragen der Wirt­schaft gehört zu werden. Gerade die Han­delskammern seien infolge ihrer Zusammensetzung berufen, auf den notwendigen harmonischen Ausgleich derInteressen dereinzel- ne n Wirtschaftsgruppen hinzuwirken zum Besten des großen Ganzen. Dieser zusammen­fassenden und ausgleichenden Tätigkeit müßte die Einrichtung von Einzelhandelska m -

kbern, wie sie in der letzten Zeit gefordert werde, abträglich sein. Besonders wichtig sei es, die Wirtschaft von übermäßigen Steuern und Abgaben nach Möglichkeit zu befreien, eine ruhige und stetige Wirt­schaftspolitik zu betreiben, den für Hessen bedeut­samen Außenhandel nicht zu vernachlässigen und Eingriffe in das G e s ch ä f t s l e b e n zu unterlassen. Ins einzelne gehende Vor­schläge würden der hessischen Regierung in Kürze überreicht werden.

Oer Staatspräsident

dankte für die Glückwünsche und vertrauensvolle Gesinnung, die aus den Ausführungen des Vor­sitzenden des Industrie- und Handelskammertages sprächen. Die Regierung sehe den in Aussicht ge­stellten Vorschlägen mit Interesse entgegen. Sie brauche d ie vertrauensvolle Mit- arbeitder Organisationen derWirt- schäft, die sie in allen wichtigen Fragen hören werde. Die Regierung werde sich für eine Bes­serung der wirtschaftlichen Verhältnisse auch ihrer­