wenn auch in verhältnismäßig beherrschter Sprache in chren Angriffen auf Deutschland in der Londoner Presse an der Spitze sieht, spricht von dem „theatralischen Schritt" Deutschlands und von der Gewohnheit der Diktatoren, die Aufmerksamkeit ihres Volkes auf auswärtige Abenteuer abzulenken, das Blatt ist der Meinung, es müsse untersucht werden, welche „kollektive Aktion" möglich märe, um Deutschland klarzumachen, einen wie schweren Fehler es mit seinem Schritt am Samstag begangen habe.
Amerika hält sich heraus.
Teutliche Absage an jede Einheitsfront gegen Deutschland.
Washington. 16. Oft (IU.) von höchster Regierungsseite verlautet, daß die Vertreter der vereinigten Staaten in Genf an den halboffiziellen Besprechungen in Gens bis zum wiederzusammen- tritt der Abrüstungskonferenz nicht teilnehme u werden. Roosevelt vertritt die Auffassung, daß die uächsten Besprechungen nichts mit den Rüstungen zu tun hoben, sondern rein politischer R a t u r sind. Lr beabsichtigt, die vereinigleu Staaten mit allen Mitteln au» den europäischen politischen Quertreibereien heran s z u h a l t e n. Lr hat daher die amerikanische Abordnung in Gens auf das Strengste angewiesen, nur an ausgesprochenen Abrüstung»- fragen mitzuarbeiten.
Vie Betonung des Staatsdepartement», dog es sich in die europäische Politik nicht einmischeu werde, wird von der amerikanischen Presse in großer Aufmachung gebracht und fand überall beifällige Kommentare. Schon heute früh hatten „Herold Tribüne" und andere Blätter auf die bedenklichen Folgen hingewiesen, die in Europa entstehen könnten, wenn sich dort der falsche Eindruck festsehe, daß die amerikanische Regierung mit Frankreich und England eine Einheitsfront gegen Deutschland bilden wolle. Amerika sei weder entschlossen. Deutschland zum Rachgeben, noch Frankreich und England zum Abrüsteu zu zwingen und sollte daher die Hand aus dem europäischen Intrigenspiel herauslassen. Die amerikanische Regierung beeilte sich daraufhin, zu versichern, dah sie sich lediglich mit technischen prakti- tischen Abrüstungsvorschlägen, nicht aber mit der europäischen Politik befassen wolle. Rach hier weitverbreiteter Ansicht bedeutet dies eine Absage an Frankreich und eine deutliche Ablehnung aller Kombinationen, dah Amerika irgendwelchen Druck auf Deutschland auszuüben plane.
Italien weist auf den Viererpakt hin.
Rom, 16. Okt. lWTB.) In ihren Kommentaren zu den Beschlüsten der Reichsregierung weist die römische Mittatzspresse auf den Biererpakt als auf den einzigen Weg hin, der aus den gegenwärti- gen Schwierigkeiten herausführen könne. Dem gequälten und mißtrauischen Europa, so schreibt Teuere, bleibe noch der Biererpakt übrig. Italien wolle die internationale Politik auf dieses Werk der Verständigung und des Aufbaues yinleyken. Mussolini habe den doppelten Genfer Bankrott voraus- gesehen. Der Völkerbund werde nicht schließen, aber wie er aus dem Eintritt Deutschlands neue Lebens- kraft und Aktionsmöglichkeit erhalten habe, nehme ihm der Austritt Deutschlands jede politische Leistungsmöglichkeit. Europa b ll ß e jetzt die Fehler von zehn Jahren unsicherer heucy- le risch er Politik. Troß aller Sabotage habe man Deutschlands Wiederauferstehung nicht verhindern können. Run sei der normale nationale Wiederaufbau gewissenlos zu einer Explosion des Unwillens getrieben worden. Frankreichs Politiker seien dafür verantwortlich zu machen. — Die Haltung Italiens, so schrciebt Piccolo, sei von dem Willen diktiert, bis zur äußer st en Grenze des Möglichen das zu retten, was in Europa für die internationale Zusammenarbeit und den Frieden noch vorhanden sei. Der V i e r e r p a k t sei jetzt das einzige Mittel, um aus den Schwierigkeiten her- auszukommen. Die Beschlüsse der deutschen Regierung seien zwar ernst, aber Italien vertraue auf das im Aufruf an das deutsche Volk betonte Der- antwortlichkeitsgesühl der Reichsregierung wie auch auf das Verantwortlichkeitsgefühl der anderen Länder.
Gereiztheit in Paris.
Pari», 17. Okt. (ERB. Funkspruch.) Soweit französische Pressestimmen zur Rede des Reichs- außenmin'sters überhaupt schon vorliegen, zeichnen sie sich durch Gereiztheit und hem- mungslosigkeit des Tones aus. Es ist bemerkenswert, daß der als offiziös geltende „Petit P a r t f i e n" sich Ausdrücke leistet, wie sie sonst nur In ben schlimmsten Boulevardblättern zu finden sind Das Blatt erlaubt sich, die Ausführungen des Außenministers als „hinterhältig^, als „unoer- schämt und als „ultimativ" zu bezeichnen.
Außenminister Paul-Boncour, der heute früh in Paris eintrifft, wird dem um 10 Uhr vor- mittaa» zusammentretenden M i n i st e r r a t eingehend über die Lage in Genf nach dem Beschluß Deutschlands, von der Abrüstungskonferenz und dem Völkerbund sich zurückzuziehen, Bericht erstatten. Der Ministerrat nimmt auch Kenntnis von der Erklärung, die Ministerpräsident Dalad ie r heute nachmittag in der Kammer zum Beschluß Deutschlands abgeben dürste. Der Genfer Beschluß, den Hauptaus» schuß der Abrüstungskonferenz auf den 26. Okt. einzu- berufen,roirb von einem Teil ber französischen Presse ebenso stark kritisiert, wie dos Antwortschreiben Hendersons an Reichsaußenminister von Neurath Da» sich gestern in Genf abspielte, schreibt „C'Drbre", ist unerhört, und in Berlin dürfte man wahrscheinlich gelächelt haben Es ist kein Geheimnis, baß die Angelsachsen und zweifelsohne noch andere Mächte sich mit dem Gedanken tragen, sich den Deutschen an die Rockschöße zu hängen, um sie ja wieder in den Völkerbund und auf die Abrüstungskonferenz zurückzubringen.
„Echo de Paris" ist ber Ansicht, das Antwort- schreiben Hendersons an den Reichsaußenminister fei keine Widerlegung der von der Reichsregic- rung gegen die nichtabgerüsteten Mächte erhobenen Anklagen sei. Man laste auch ohne Widerspruch die Behauotung durch, daß Deutschland das per- fraglich verbriefte Recht habe, di« Ab- rüstung ber anderen ju fordern und, um zu zeigen, daß die Konferenz nicht der Vorwürfe Berlin» bedürfe, begnüge man sich t wohlgefällig ben Abrustungsplan Sir
Kundgebungen der Treue und Zustimmung aus asten Teilen des Volles.
Berlin, 16. Oktober. (WTB.) Zum Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund hat die Deutsche Studentenschaft an den Herrn Reichskanzler ein Telegramm gerichtet, worin sie dem Führer für die Wiederherstellung deutscher Ehre Treue und Einsatzbereitschaft bis zum Letzten gelobt. — Die Regierung ber Freien unb hansestabt Hamburg telegraphierte nach Schluß einer gewaltigen Kundgebung u. a., das deutsche Hamburg gelobe dem Führer Gefolgschaft und bekenne sich stolz zu den alten nationalsozialistischen Tugenden der Kameradschaft, Treue und Disziplin. — Der Reichsoerband deutscher Hausfrauenoer e i n e erklärt in einem Telegramm, daß er hinter den Beschlüffen ber Reichsregierung vom 14. Oktober stehe. Das deutsche Volk wolle einen Frieden nur in Ehre. Die im Reichsverband zusammengeschlossenen hunderttausende deutscher Haus- frauen und Mütter stellten sich vertrauensvoll hinter die Beschlüsse des Reichskanzlers. — Der Reicksverband des Deutschen Groß- und Ueberseehandels dankt in einem Telegramm dem Reichskanzler für die gefaßten Entschlüsse, durch die der deutsche Rechtsanspruch und die Ehre des deutschen Volks gewahrt würden. — Der Nationälverband deutscher Offiziere sagt in einem Telegramm an den Reichspräsidenten dem Generalfeldmarschall und der Reichsregierung Dank für die Wiedererringung deutscher Ehre und die Ablehnung neuer, unwürdiger Demütigungen. — Der Deutsche Sänger- B u n d hat an den Reichskanzler ein Telegramm gerichtet, in dem erklärt wird, die IVz Millionen deutscher Volksgenossen, die allein im Reichsgebiet dem Deutschen Sänger-Bund angehören, erheben einmütig flammenden Protest gegen jede weitere Ehrkränkung eines Volkes, das nur Frieden und Arbeit ersehne. Der Entschluß der Reichsregierung wird in diesem Telegramm mit tiefster Genugtuung als befreiende Tat begrüßt.
Dr. Blunck, Führer der Kösener Korpsstudenten, hat eine Kundgebung an die Reichsregierung gerichtet, in der es heißt: Die im nationalsozialistischen Schulungslager versammelten Vertreter aller Kösener Korps geloben im Namen von mehr als 30 000 Kösener Korpsstudenten in dieser
bedeutsamen Stunde erneut unverbrüchliche Treue unb Gefolgschaft ihrem geliebten Führer Wolf Hitler unb dem nationalsozialistischen Staat. Die Ge- schichte de» deutschen Volks und die ungeheure Leistung unserer Bewegung für die Welt geben dem deutschen Volk den heiligen Anspruch auf Gleichberechtigung mit anderen Volke rn, um in Freiheit und Ehre die Mission zu erfüllen, die der Schöpfer des Universums auch dem deutschen Volk gesetzt hat. Wir fordern Frieden und Arbeit mit dem Dillen, den herzlichen Händedruck der Freundschaft zu tauschen mit jedem Volk der Erde in gegenseitiger Achtung.
Der Präsident des Kyffhäuserbunbes, General a. D. von Horn, telegraphierte u. a.: In dem Ringen um die Gleichberechtigung und Ehre des deutschen Volkes steht der Kyfshäuferbund mit den drei Millionen ehemaliger Soldaten in unerschütterlichem Vertrauen hinter der Regierung und ihrem Führer. Gerade wir alten Fronffoüxtten, die den Krieg kennengelernt haben und darum den Frieden wünschen, können nichts sehnlicher erwarten, als daß btt gewaltige Friedenskund- gcbung der Reichsregierung und seines Führers nun endlich auch dem deutschen Volk seine selbstoer- ftänbliche Ruhe schafft, die untere Nationen längst besitzen. Bei uns gibt es keinen Zweifel, daß jeder Deuffche, der noch Ehre im Leib hat, die Politik seiner Reichsregierung billigt, sie als den Ausdruck seiner eigenen Auffassung und seines eigenen Wil- lens erklärt und jich feieriichst zu ihr bekennen wird. — Bereits am sonntag sind ähnliche Kundgebungen bei ter Reichsregierung eingegangen vorn Reichs st and der deutschen Industrie und von Staatsrat Dr. Ley im Namen der Deutschen Arbeitsfront.
--Heute verstehe ich Sie."
München, 16. Oft. (ERB ) Der Päpstliche Run- lius vasallo dl Torregrossa erklärte, wie das Presseamt de» Tages ter Deutschen Kunst mit- teilt, bei ter Begrüßung zum Reichskanzler Adolf Hitler: „Ich habe Sie lange nicht verstanden. Ich habe mich aber lange darum bemüht, heute verstehe ich Sie."
Oie Hitlerjugend in Köln.
Auch Oberheffen nimmt am Aufmarsch des Obergebieies West vor dem Reichsjugendführer teil.
Köln, 16. Okt. (Eigenbericht.) Am Samstag/ Sonntag fand ein großer Aufmarsch des Obergebietes West der Hitler-Jugend in Köln a. Rh. statt. 25 hitlerjungen und 25 Jungvölker aus Oberbes sen nahmen daran teil. Darunter der Landsknechtstrommelzug des Gießener Jungvolkes. Am Samstagmorgen bereits kamen die ersten Gruppen an, am Samstagmittag waren die letzten da. Mittags eröffnet der Obergebiets- führet Lauterbacher in Anwesefthett des Reichsjugendführers Baldur von Schirach d i e Ausstellung „Die hitlerjugend". Am Abend Fackelzug, den Baldur von Schirach vom Balkon des Hotels Monopol abnimmt. Dann Feuerwerk auf den Rheinwiesen und großer Zapfenstreich.
In den hallen der Messehäuser schlafen sie auf Stroh. Kalt ist es da draußen, aber sie wickeln sich in ihre Decken. Sie frieren nicht. Unb wenn schon! Ein beutscher Junge wird so ein bißchen Kalte schon durchbeißen! Morgens um 7 Uhr sind sie schon wieder auf. Mit klingendem Spiel marschieren sie durch die Straßen der erwachenden Stadt hinaus zum Stadion. Baldur von Schirach trifft gegen 10 Uhr ein, von tosendem Jubel umbrandet. Die Reiterstaffel der Hitler- Jugend eröffnet das reichhaltige Programm mit einem Vorbeimarsch. Es folgen sportliche Vorführungen der Motorstaffeln der HI. Besonderes Interesse erregt bas Vorführen eines Segelflugbaues. Dann spricht ber Reichs- jugendführer. „Mag bas Schicksal über uns verhängen, was es will: unsere Kameradschaft wird uns hinüberführen in eine bessere Zukunft." Donnernd schallt das „Sieg heil", das auf den Führer ber beutschen Nation ausgebracht wirb, über den Platz. Viel tausend Arme recken sich zum deutschen
Gruß. Musik brandet auf. „Unsre Fahne flattert uns voran. In die Zukunft zieh'n wir Mann für Mann... Jugend, Jugend, wir sind der Zukunft Soldaten, Jugend, Jugend, Träger ber tommenben Taten ... Unsre Fahne ist die neue Zett..
- Und dann marschieren sie mittags durch die Straßen der Stadt. In langen Reihen zu sechs. Endloser Zug. Seit 10 Uhr ber BdM. Ununterbrochen Unaufhörlich. Immer neue, unabsehbar. Ab 14 Uhr die Hitlerjugend und das Jungvolk. Marschtritt dröhnt durch die Straßen der urdeutschen Stabt. Musik und Trommeln. Fanfaren schmettern unb Lieder klingen. Fahnen flattern, Arme grüßen, wie ein Rausch geht es durch alle. Stunden um Stunden stehen sie so, lassen den Zug an sich vorüber ziehen, spüren keine Müdigkeit, werden mitgerissen. Begeistert. Fühlen die Kraft dieser Jugend und lernen wieder glauben an Deutschlands Unvergänglichkeit.
Dichtgejäumt steht die Menschenmauer. Steht und staunt und kann sich nicht satt sehen an diesem Bild, bas doch immer wieder das gleiche ist: Jungen unb Mädels, aus deren Augen leuchtet ein fanatischer Wille. In deren Marschtritt etwas von diesem Willen sich hmbtut. Deren lachende Gesichter doch einen harten Zug nicht verleugnen können, den die Not vergangener und zum Teil noch gegenwärtiger Sorgen ihnen auf geprägt hat. In deren Mienen aber etwas au spüren ist von dem Glauben, ter Berge zu versetzen vermag. 40 000 deutsche Mädels und 25 000 deuffche Jungen marschieren hier. Immer werden sie marschieren. Immer werden sie zusam- menstehen und sich die Treue halten. Unb diese Treue wirb sie stark machen. Und wenn die andern Waffen haben: sie haben die Treue. Und da» ist mehr...
John Simons zu zitteren, ber ben.Gleickberech- tigungsgrunbsatz verwirkliche. Dieser Plan, ber für die französische Sache so bedenklich sei, würbe also für bie Zukunft inbirekt burch bas an ben Reichs- außenminister abgegangene Schreiben b e ft ä 11 g t. Der Plan Simons bebeute b t e Vernichtung ber französischen Armee. — Journal" schreibt, Henderson habe gestern stolz erklärt, baß man bie Völkerbunbsurkunbe nicht w i e einen Papierfetzen behanbeln bürfe. habe, so fragt das Blatt, Deutschland etwa als erste Nation diese Urkunde zerrissen? Sind die Vereinigten Staaten nicht Dorangegangen und hat man es etwa mit dem Bann ber Menschheit belegt?
hervö begrüßt im Gegensatz zu anberen Diät- tern in ber „Victoire" die Entscheibungen ber Reichsregierung, weil bamlt endlich eine Klärung des beuffch-ftanzösischen Verhältnisses ermöglicht werbe. Die Aktion Hitlers müffe, so meint hervö, auch bem oerblenbetften Franzosen zeigen, daß der Versailler Vertrag in seinem wesentlichsten Teil, nämlich der Organisation be» Völkerbundes, als eine» Instrumente» zur Sichekung bes Friedens nicht tauglich sei. Er beschwört Frankreich, nicht bie hanb Deutschlanbs zurückzuweisen. In ähnlichen Gebankengängen bewegt sich ber Kommentar ber neugegrünbeten rechtsstehenden „Le Jour". Auch das radikale .teuere" vertritt die Ansicht, daß bie Möglichkeiten für eine Aussprache geschaffen worben seien. „V 0 l 0 n t warnt da- vor, ben deutschen Reichskanzler ber „hinterhältig- kett" zu zeihen.
Rußland und der Völkerbund.
Moskau, 16. Okt. (TU.) Die gesamte sowjet- russische Preste beschäftigt sich mit der Frage des Austritts Deutschlands au» dem Völkerbund. Die „Prawda" schreibt u. a.: Der Austritt Deutsch- land» hat bas wackelige Gebäude in Genf lehr stark erschüttert. In Genf wurde in der letzten Zett so viel nutzlos geredet unb geklatscht, daß man niemals srnstUch arr irgendwelche politischen Dinge herankommen konnte. Deswegen wird die Erschütterung be» Völkerbünde»
bei uns kein Bedauern Hervorrufen. — Die »• westija" betont, daß der Austritt Deutschlands unbedingt die Entscheidung über das Weiterbestehen be» Völkerbunbes bringen müsse. Der Völkerbund habe sich politisch so stark blamiert, daß an seinem Fortbestehen gezweifelt werden muß. In den Augenblicken, in denen an ihn Entscheidungen herantraten, versagte er und versuchte, sich unter die Decke der nutzlosen Entschließungen zu verstecken.
Vakuum in Oanzig.
Die Wahl des Danziger Völkerbunds» kommiffars erneut verschoben.
Genf, 16. Okt. (TU.) Der Völkerbund»- rat ist am Mvntagnachrnittag zu einer geheimen Sitzung zusammengetreten, um eine Einigung über die Ernennung eine» Danziger Völker- bundskornmissar» herbeizuführen. Dieser Versuch mißlan'g jedoch vollständig. Die polnische Regierung hält wie bisher ohne jede Be- grünbung ihre Ablehnung der Kandidatur de» Irländers Leister aufrecht. Dem Rat blieb daher nichts anderes übrig, als die Entscheidung a u f 14 läge zu 0 e r s ck i e b e n. Der englische Außenminister Simon hat darauf die seit vielen Jahren von der englischen Regierung im Völker- bunbsrat ausgeübte Berichterstattung über sämtliche Danxiger Fragen n i e b e r g e I e gt. Damit hat Danzig gegenwärtig weder einen Berichterstatter im Rat, noch einen Kommissar, noch einen Referenten für die Danziger Fragen, ein Zustand, wie er seit dem Bestehen der freien Stadt Danzig noch niemals eingetreten ist. Sollten in den folgenden Wochen zwischen Danzig unb Polen Fragen auftreten, bie zuständigkeitshalber vom Völkerbunds- kommisiar zu regeln sind, so werben bie beiden Regierungen suchen müffen, neue Wege einer direkten Regelung ohne Völkerbund iu finden. Da» unbestreitbare Versagen bes iölkerbunde» erregt größte Aufmerksamkeit und mirb al» em Zeichen der wachsenden inneren Schwäche bes Völkerbundes beurteilt
Oie Reichstagswahl.
Ter Sinparteiwahlzettel. — Die Wahlzeit.
Berlin, 16. Okt (ERB.) Durch die Presse sind über das Verfahren zum Volksentscheid unb ber Rcichslagswahl Meldungen gegangen, bie nicht ganz richtig sind. Es war erklärt worden baß bei beiden Abstimmungen mit Ja ober Nein abgestimmt werden sollte. Demgegenüber muß daraus hingewiesen werden, daß die Methode bei der Reichstags» wohl die gleiche bleibt, roie bisher. Bekanntlich ist durch Erlaß des Reichsminifteriums te« Innern die Neubildung von Parteien verboten und unter Strafe gestellt Daraus laßt sich ohne weiteres erkennen, daß auf dem -Stimmzettel für die Reichstagswahl nur eine Par- t e i stehen wird: die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Der Stimmzettel ift genau jo wie bei früheren Wahlen. Mnttf ber Parteibezeichnung befindet sich ein Kreis. Durch Ankreuzen gibt man davon Kenntnis, baß bie Partri gewählt ist. Wird der Stimmzettel mit nicht ange- treustem Kreis abgeliefert, so ist er ungültig.
Die Wahlzeit am 12.November läuft im allgemeinen von 9 bis 18 Uhr. In ländlichen Bezirken mit weniger als 1000 Einwohnern kann die zuständige Behörde abweichend davon den Beginn der Abstimmzeit auf früher, jedoch nicht früher als auf 7 Uhr oder auch später, jedoch nicht später als auf 11 Uhr festsetzen. Die getunte Abstimmzeit muß ununterbrochen mindestens sechs Stunden dauern und barj nicht vor 14 Uhr schließen.
Oas Handwerk
in der deutschen Wirtschaft.
Dr. von Renteln eröffnet in Hildesheim die Werbcwoche des Deutschen Handwerks.
- i l d e s h e i m, 15. Okt. (WTB.) Dr. 0 0 nRente l n, ber Führer des Deutschen Handwerks, eröffnete am Sonntag in Hildesheim bie Derbewoche des Deutschen Handwerks. Er kündigte bei einer großen Kundgebung in der Messehalle an, daß in diesen lagen in den Ministerien Gesetzentwürfe für die ständische Ordnung bes Handwerks vorbereitet würden. Er hofft, daß das deutsche Handwerk der erste gewerbliche Stand sei, für den dieser ständische Aufbau durch- geführt werden könnte. Der Hauptwerk de» selbständigen Mannes und Gewerbetreibenden liege i n Der Privatinitiative, in der freie« Entschlußkraft und In dem 0 p f e ra e Ift eine» leben Einzelnen. Es sei beshalb ein Wahnsinn, behaupten zu wollen, baß die Großbetriebe mit Zehntausenden von Angestellten eine ideale Betriebsart darstellten. Wenn auf einen Handwerksbetrieb von vier Personen ein Meister komme, ber seine Privatinitiative entfalten könne, so hätten wir in Großbetrieben Zehntausend auf einen Mann, ber allein seine Privatinitiative entfalten könne. Die Betriebsform des kleineren unb bes mittleren Betriebes sei biejenige, auf die derNeubau der Wirtschaft aufbauen müsse. Der Handwerkerstand fei heutzutage wohl d c r einzige, in dem jedem Einzelnen die Aufstiegsmöglichkeit vom Lehrling zum Gesellen unb zum Meister gegeben sei. Diese Aufstiegsmöglichkeit sei vorbildlich unb müsse auch in der übrigen Wirtschaft durchgeführt werden. Erst bann könne man die Wirtschaftsordnung als eine sozialistische bezeichnen. Zum Schluß wie» Dr. von Renteln auf bie Lieferungsgenossenschaften unb bie Äreblte berReichskasse hin, bie es bem Hanbwerker ermöglichen sollen, bei ben großen Aufträgen der Kommunen unb Reichsbehörben Berücksichtigung zu finben.
Oie Bildung der Rechtsfront.
Berlin, 16. Okt. (Ddz.) Nachdem als erste ber bestehenden Organisationen ber Reicksbund deutscher Referendare seine Auflösung und fein Aufgehen als Fachschaft in ben NS.- Juristenbund beschlossen hatte, hat jetzt bie Bereinigung ber preußischen Staatsanwälte nach Beendigung der notwendigen Arbeiten gleichfalls die Auflösung beschlossen. Gleichzeitig wird begannt, daß vom 1. Januar 1934 an sämtliche Richterbünde a u f g e l ö ft werden. Die Deutsche Richterzeitung bleibt bestehen. Die amtlichen Peschlüsse, die namentlich auch Über die Liquidation ber bisherigen Organisationen bestimmen müssen, ftnb jedoch vom Deutschen Richter- bunb und seinen Untergliederungen in ben einzelnen Ländern noch nicht gefaßt.
Als eine andere wichtige Säule der deuffchen Rechtsftont werden demnächst auch die bestehenden Organisationen ber Rechtsanwälte, der N 0 - tare und der Rechts pfleger ihr Aufgehen im BNSDJ. beschließen müssen, denn auf einer gemeinsamen Yührersitzung ist als spätester Termin für sämtliche Verbände der 31. März 1934 zur Eingliederung vorgesehen worden.
Kein religiöser Gewissenszwang für Tlationalsozialisten!
München, 14. Okt. (ERB.) Der Stellvertreter bes Führers hat folgende Verfügung erlassen:
Im Anschluß an die Erklärung de» Reichsbischof» Müller, wonach keinem Pfarrer dadurch Schaden erwächst, daß er nicht ber Glaubensbewegung ber.Ieutschen Christen" angehört, verfüge ich: Kein Nationalsozta- lift darf irgendwie benachteiligt werben, well er sich nicht z u einer bestimmten Glaubensrtchtung ober Konfession ober well er sich zu überhaupt keiner Konfession bekennt. Der Glaube ist eine» feben eigen ft e Angelegenheit, bie er nur vor feinem Gewissen zu verantworten hat. Gewissenszwang darf nicht ausgeübt werben.
Studentenkundgebungen
an den österreichischen Hochschulen.
Wien, 16. Okt. (WTB.) An ben österreichischen Hochschulen in Wien, Graz unb Innsbruck kam es zu Beginn des Semesters zu Kundgebungen der Studenten, gegen die die neu eingerichtete U n i • oersitätswache einschritt. Zehn Hochschüler wurden in Wien verhaftet, drei durch die Polizei mit Gummiknüppeln schwer verletzt. Der Rektor der Diener Universität mißbilligt in einer Bekanntmachung die Vorfälle und erinnert an da» Versammlungsverbot. Wie verlautet, richteten sich bis Äunbgebungen Im wesentlichen gegen bie Maßregelung bes früheren Rektor» der Universität Wien Pros. Graf Glaispach. Außer polizeilichen Strafen werden bie Etubenten, bie an der Kundgebung teilgenommen haben, von sämtlichen österreichischen Hochschulen relegiert


