Ur. 245 Erstes vlatt
185. Zahrgang
Dienstag, 17. Oktober 1933
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Der deutsche Standpunkt unanfechtbar.
Reichsaußenminister Freiherr von Neurath begründet Deutschlands Abkehr von Genf.
Berlin, 16. Okt. (WTB.) Reichsaußenminister Frhr. v. Neurath unterrichtete heute die ausländische Presse über die Gründe und Ziele der am Samstag getroffenen Entscheidungen der Reichsregierung. Er knüpfte dabei an die bedeutsamen Sätze der letzten Rundfunkrede des Reichskanzlers an, in denen es u. a. hieß: „Kein Krieg kann Dauerzustand der Menschheit werden, kein Frieden kann die Verewigung des Krieges fein. Die bewußte Deklassierung Deutschlands, die darin liegt, daß man jedem Volk der PZelt ein selbstverständliches Recht zubilligt, das nur dem deutschen Volk allein vorenthalten wird, empfinden wir als die Verewigung einer Diskriminierung, die für uns unerträglich ist/
Damit ist, so führte der Reichsaußenminister aus, die Kernfrage klar gekennzeichnet: Will man d i e Teilung der Völker in Sieger und Besiegte verewigen oder den Grundsatz anerkennen, daß alle Staaten gleichberechtigte Mitglieder der Völkergemeinschaft sind? Dies ist entscheidend für jede internationale Zusammenarbeit. Am letzten Samstag ist in Genf klar zutage getreten, daß man dem deutschen Volk in einer seiner höchsten Existenzfragen, in der Frage seiner nationalen Sicherheit, die Gleichberechtigung versagt. Damit haben die Mächte das Fundament zerstört, auf dem allein sich ein ehrliches und fruchtbares Zusammenwirken der Völker denken läßt. Mit dem offenbaren Willen zur Diskriminierung Deutschlands haben sie den Grundgedanken des Völkerbundes verletzt, haben sie selbst bekundet, daß sie auf eine aufrichtige und reale Zusammenarbeit mit Deutschland keinen Wert legen. Deutschland hat die Forderung der Gleichberechtigung seit dem Tag erhoben, an dem sein Eintritt in den Völkerbund zum ersten Mal zur Diskussion gestellt wurde.
3n der ersten amtlichen Kundgebung des Völ- kerbundsrats an die deutsche Regierung vom Dezember 1924 stehen die folgenden Worte:
„Der Rat nimmt Kenntnis davon, daß die deutsche Regierung in Ansehung der Voraussetzungen, unter denen Deutschland in den Völkerbund einzutreten wünscht, auf jede Absicht verzichtet, für Deutschland besondere Vergünstigungen zu verlangen, daß sie aber erwartet, daß dieser Eintritt sich auf dem Fuße der Gleichberechtigung vollzieht. Der Rat stellt fest, daß die zehn befragten Regierungen, d. h. die Ratsmächte, über diese Voraussetzung völlig einig sind."
Auch in dem Schlußprotokoll der Konferenz von Locarno, die ja den weg für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund endgültig freimachen sollte, wurde die Lösung des Abrüstungsproblems als wichtig sie Aufgabe des Völkerbunds gekennzeichnet. Denn es war klar, daß ohne gerechte Lösung dieses Problems von einer wirklichen Gleichberechtigung des • einseitig entwaffneten Deutschlands nicht die Rede fein konnte.
Die einstimmige Aufnahme Deutschlands im Herbst 1926 konnte angesichts der vorausgegangenen amtlichen Verlautbarung des Rats über die deutsche Gleichberechtigung nicht anders bewertet werden als die feierliche Zusage aller im Völkerbund vertretenen Regierungen, daß sie von jetzt an die Abrüstungsfrage a u f derGrundlage der deutschenGleich- berechtigung aufbauen würden.
Der Minister wies bann auf die in den folgenden Jahren von deutschen Vertretern in Genf gehaltenen Reden hin, in denen Deutschland stets auf die Einlösung jener Zusage gedrungen hat und auf die deutschen Warnungen, daß das Schicksal des Völkerbunds besiegelt sei, wenn er an der Durchführung der allgemeinen Aufgaben und daher an der Durchführung der Gleichberechtigung Deutschlands scheitern würde. Niemand konnte an dem Ernst Deutschlands mehr zweifeln, als es sich im Sommer v. I. wegen der damals schon offenbar werdenden Verweigerung der Gleichberechtigung von der Abrüstungskonferenz zurückzog. Selbstverständlich war es damals so wenig wie heute das Ziel der deutschen Politik, einfach das Scheitern der Abrüstungskonferenz feftzuftellen. Die deutsche Regierung hat deshalb sofort versucht, über die entstandene Lage durch diplomatische Verhandlungen Hinwegzukommen. Die Verhandlungen füh..en zu der bekannten Fünf- mächte-Erklärung vom 11. Dezember, die unsere Gleichberechtigung anerkannte und ihre Verwirklichung in der Abrüstungskonvention ver- sprach Als die Konferenz wenige Monate später wieder völlig festfuhr, legte der englische Ministerpräsident M a c d 0 n a l d am 16. März den bekannten englischen Plan vor, der in der Folge von der Konferenz einstimmig als Grundlage der Konvention angenommen wurde. Nachdem die Konferenz den Entwurf Macdonalds in erster Lesung durchberaten hatte und am 9. Oktober die zweite Lesung beginnen sollte, fetzte bezeichnenderweise diejenige Wendung ein, die in der Erklärung des englischen Außenministers vom Samstag ausmündete.
Die Grundlage für diese Wendung ist in den pariser Verhandlungen zwischen der
französischen, englischen und amerikanischen Regierung geschaffen worden. Als wir nach diesen Verhandlungen wieder an den diplomatischen Besprechungen beteiligt wurden, mußten wir mit Enttäuschung und Befremden sestftellen, daß diebisherigeGrundlageder Konferenzverhandlungen nicht mehr bestand. Es stellte sich heraus, daß der englische Plan von seinen Urhebern selbst nicht mehr anerkannt wurde und daß man ihn grundlegend ändern wollte. Gegenüber diesem Beschluß, die mit so viel Mühe aufgebaute Grundlage für ein befriedigendes Abrüstungsabkom- men einfeitig zum RachteilDeutsch- lands wieder zu beseitigen und sich damit über die Dezember-Vereinbarung hinwegzusehen, gab es für uns nur noch eine Antwort, den Austritt aus der Konferenz.
Die öffentliche Meinung des Auslandes zeigt sich über diese Antwort überrascht. Das ist insofern verständlich, als die Verhandlungen in der letzten Zeit im wesentlichen vertraulich geführt worden sind. Die Staatsmänner und Diplomaten aber, die an den Verhandlungen beteiligt waren, sind durch unseren Schritt i n keiner Weise überrascht worden. Wir haben bei den letzten Genfer Besprechungen mit aller Deutlichkeit auf die Konsequenzen hingewiefen, die wir ziehen müßten, wenn man uns in der fetzt geplanten Weise die Gleichberechtigung versagen würde. Mit Befriedigung stelle ich fest, daß es während dieser letzten Verhandlungen von Seiten der Pertreter der V e r = einigten Staaten und Italiens nicht an ernsten Bemühungen gefehlt hat, zu vermitteln. Alle diese Bemühungen scheiterten aber an dem Bestreben anderer Mächte, eine Einheitsfront gegen. Deutschland zustandezubringen, der gegenüber, wie man hoffte, Deutschland nachgeben würde. Diese Einheitsfront ist nicht zustandegekom- m e n. Aber es ist auch nicht gelungen, die Verhandlungen wieder auf die vorher vereinbarte Grundlage zurückzuführen.
Der Minister ging auf die Behauptung Simone ein, daß Deutschland neue gan, ungebührliche und über die früheren weithinausge- hende Forderungen erhoben habe, hierzu stellte er fest, daß diese Behauptung den Tatsachen ins Gesicht schlage. Es handelt sich hier u.n den Inhalt seiner Instruktion nach London vom 6. Oktober. Er habe nie etwas anderes gesagt, als das, was in der Instruktion gestanden habe. Ich lege wert darauf, so fuhr der Minister fort, den Inhalt dieser Instruktion hier ganz offen mitzuteilen, da sich aus ihr klar ergibt, daß wir darin nur unseren alten und längst bekannten Standpunkt erneut formuliert haben.
Wir hielten an dem englischen Plan und an einer Konventionsdauer von fünf Jahren fest, lehnten den Gedanken einer Bewährungsfrist ab und bestanden darauf, daß die Verwirklichung unserer Gleichberechtigung nicht erst nach Jahren, sondern alsbald beginnen müsse. Wir seien bereit, die Umwandlung der Reichswehr in ein kurz dienendes Heer sofort in Angriff zu nehmen. Welche Bewaffnung dieses Heer haben müsse, werde jedoch erst klargestellt werden können, wenn bekannt sei, welche konkreten Abrüstungsmaßnahmen hinsichtlich des Kriegsmaterials von den hochgerüsteten Staaten übernommen werden würden. Wir lehnten kein Waffenoerbot als zu einfchnei- dend ab, wenn es auf alle Staaten in gleicher Weife Anwendung fände. Wir feien sogar bereit, auf die Zuteilung aller Waffen Verzicht zu leisten, zu deren Vernichtung innerhalb einer bestimmten Frist die hochgerüsteten Staaten sich verpflichteten und deren weitere Verwendung international verboten werde. Aus dem Prinzip der Gleichberechtigung folge, daß die Waffen, Die allen Ländern erlaubt blieben, aber die zahlenmäßig limitiert würden, auch für Deutschland ch 0 n von Beginn der Konvention an zugelassen werden müssen, wobei wir durchaus bereit seien, über die Mengen dieser Waffen mit uns reden zu lassen. .Der Minister fuhr fort: Ich muß hiernach mit aller Bestimmtheit fest, stellen, daß nicht unsere Forderungen, sondern die Haltung der Gegenseite es gewesen ist, die eine Fortführung der Verhandlungen unmöglich gemacht hat.
Der Herr englische Außenminister hat in seiner Erklärung vom Samstag unter Zustimmung Frankreichs und der vereinigten Staaten an die Stelle desMacdonaldpla ns einen neuen Plan gesetzt. Die Abrüstung der hochgerüsteten Staaten soll danach um vier Jahre hinausgeschoben, soll aber auch für die spätere Periode nicht b i n d e n d ver- einbart werden, da sie v 0 n d e m Erfolg des kontrollsy st emsabhängigge macht wird. Praktisch beschränkt sich die Kontrolle aber auf Deutschland, weil dieses allein den nächsten einschneidenden Rüstungsbeschränkungen unterworfen wäre. Die anderen Mächte hätten es also jederzeit in der Hand, sich auf das Richtfunktionieren der Kontrolle oder angebliche
deutsche Vertragsverletzungen zu berufen, um ihrer materiellen Abrüstungsverpflichtung aus- zuweichen. Es kommt hinzu, daß für die Zeit nach vier Jahren auch das Maß der dann eventuell beabsichtigten materiellen Abrüstung trotz unserer fortgesetzten Klärungsversuche voll im Dunkel gelassen worden ist.
Die auch nach dem neuen Plan sofort vorzunehmende Umwandlung der Reichswehr in eine kurzdienende Miliz ist nicht eine Konzession an Deutschland, sondern eine Konzession Deutschlands an hie anderen Mächte. Die Ersetzung der vorzüglich ausgebildeten 100 000 Mann der Reichswehr durch die doppelte Zahl kurzdienender Mannschaften ist offensichtlich noch eine weitere Schwächung unserer jetzigen minimalen Wehrkraft, zumal da selbst die uns jetzt gestatteten Versailler Waffen nur für d i e jeweils im Dien st stehenden 200 000 Mann, nicht aber für die zur Entlassung komnzen- den Mannschaften bewilligt werden sollen. Deutschland hätte also 200 000 Gewehre in den Händen kurz ausgebildeter Leute gegenüber etwa 8 Millionen Gewehren der Franzosen. Es ist geradezu ein hohn, wenn diese zweite Entwaffnung Deutschlands mit dem Schlagwort der Nichtaufrüstung Deutschlands begründet wird.
Genf, 16. Okt. (TU.) Der Haupt au sfchuß der Abrüstungskonferenz trat Montagnachmittag vor überfülltem Saal und Tribünen zusammen. Der deutsche Sitz, der sich unmittelbar neben der Präsidententribüne befindet, bleibt leer. Die deutschen Beamten des Völkerbunds- fefretariats sind ebenfalls auf der Sitzung nicht erschienen.
Präsident Henderson
eröffnet die Sitzung mit einem tunen zusammen- fassenden Bericht über die letzten Verhandlungen. Eine grundlegende Veränderung habe jetzt ein neues Arbeitsprogramm notwendig gemacht. Henderson verliest sodann wörtlich die Note des deutschen Außenmini st ers vom 14. Oktober, ebenso wie eine in der vorhergehenden Sitzung des Präsidiums angenommene Antwortnote, die vom Saal mit Beifall ausgenommen wird. Henderson |ügt von sich aus hinzu, daß die Erklärungen der deutschen Regierung über den bereits festliegenden Mißerfolg der Abrüstungskonferenz und fehlenden Abrüstungswillen der schwergerüste- ten Mächte nicht unentgegnet bleiben könnten.
Die Note, die vom Präsidenten Henderson unterzeichnet ist, ist an den deutschen Außenminister Freiherrn von Neurath gerichtet. Sie hat folgenden Wortlaut:
Ich habe dem hauplausschuß das Telegramm Eurer Exzellenz vom 14. Oktober milgefdlt, das den Beschluß der. deutschen Regierung ankündigt, jegliche Beteiligung an den Arbeiten der Konferenz für Herabsetzung und Begrenzung der Rüstungen ein- z u st e 11 e n, und die Gründe für diese Entscheidung angibt.
Die deutsche Regierung hat diese Maßnahme gerade in dem Augenblick getroffen, in dem das Büro soeben beschlossen hatte, den hauptaus- schuh mit einem genau umrissenen Programm zu befassen. Dieses Programm, das innerhalb eines bestimmten Zeitraumes durchgeführt werden sollte, sicherte entsprechend den von der Konferenz unter Beteiligung Deutschlands angenommenen Entschließungen st u f e n w e i s e die Verwirklichung der Herabsetzung der Rü st ungen, in einer Weise, die sich mit derjenigen des Konventionsentwurses ver-
Oie Meinung in London.
London, 17. Okt. (WTB.-Funkspruch.) Die gestern vom Reichsaußenminister Freiherr von Neurath vor der ausländischen Presse abgegebene Erklärung findet große Beachtung. „Daily Herold" überschreibt seine Meldung „Deutschland klagt Sir John Simon der Verdrehung von Tatsachen an, hofft aber noch immer auf eine Abrüstungskonvention". Der Berliner Korrespondent des „News Chronicle" spricht von einer kraftvollen Verteidigung des deutschen Schrittes, der Vertreter der „Daily Mail" von einem scharfen Angriff auf den britischen Außenminister. — In der Meldung der „Morning Post" wird gesagt, Freiherr von Neurath spreche im Tone eines Mannes, der entschlossen ist, sich zu beherrschen, der aber darüber keinen Zweifel aufkommen lassen werde, daß er seiner Ansicht nach lange genug Geduld geübt hat. Der Korrespondent des
hat man es wirklich für möglich gehalten, datz sich die deutsche Regierung mit dem Gedanken einer Bewährungsfrist abfinden könnte, der schon an sich eine undiskutierbare Diffamierung darstellt und dessen Begründung ich nur als eine beleidigende Verleumdung der deutschen Regierung und als eine völlig grundlose Verdächtigung ihrer politischen Absichten kennzeichnen kann. Denn was führt man zur Begründung dieses unmöglichen Plans an? Es ist die angebliche Gefährdung des europäischen Friedens durch das neue Deutschland. Welche Handlung der neuen deutschen Regierung liegt vor, aus der irgendwer in der Welt uns auch nur mit einem Schein von Recht friedensgefährdende Absichten unterstellen dürfte? Wer will sich anmaßen, die wiederholten vom größten Ernst und tiefstem Verantwortungsgefühl getragenen Friedenskundgebungen unseres Kanzlers Adolf Hitler in Zweifel zu ziehen?
Die Antwort auf die Frage, was nun, ist nicht Sache Deutschlands, sondern der anderen Mächte. Diese haben jetzt das Wort. Die Konferenz in Genf mag doch zeigen, ob sie etwas leisten kann. Die anderen haben damit auch das künftige Schicksal des Völkerbundes in der Hand, dessen Versagen ihn in der Durchführung der allgemeinen Abrüstung und der Herstellung der deutschen Gleichberechtigung jedes Wertes für Deutschland beraubt hat. Damit haben die hoch- qerüfteten Staaten eine der elementarsten ihrer Bundespflichten verletzt. Deutschland wird selbstverständlich ernste Abrüstungsvorschläge jederzeit prüfen und auch weiterhin bereit bleiben, sich auf der Grundlage der Gleichberechtigung über fein künftiges Rüstungsregime zu verständigen.
gleichen läßt, mit dem der hauptausschuh befaßt ist.
Dieses Programm stellte auch mit entsprechenden Sicyerheitsmahnahmen die Verwirk- lichung der Rechtsgleichheit sicher, die die deutsche Regierung stets an die Spitze ihrer Forderungen gestellt hat.
Unter diesen Umständen bedauere ich, daß Ihre Regierung diese schwerwiegende Entscheidung aus Gründen getroffen hat, die ich nicht alsstichhaltigansehen kann.
Es tarn sodann zu einer unerwartet bewegten Auseinandersetzung zwischen Henderson und den Vertretern Polens, der Türkei und der Sowjet regierung. Der Pariser sowjetrus- sische Botschafter Dowgalew ski gab zur allgemeinen Uederraschung die Erklärung ab, daß die sowjetrussische Regierung sich bei der Abstimmung über den Text der Antwortnote der Stimme enthalten müsse, da die Note auf Verhandlungen zwiscyen den Großmächten Bezug nehme, an denen Sowjetrußland in keiner Weise teilgenommen habe. Seine Regierung könne daher nicht die Verantwortung für eine Note übernehmen, die sich auf Tatsachen beziehe, über die die Sowjetregierung überhaupt nicht unterrichtet sei. Dagegen habe feine Abordnung keine Bedenken, wenn die Note im Namen des Präsidenten Henderson abgesandt würde. — Eine ähnliche Erklärung gab der polnische Vertreter Graf Ra- c z y n s k i ab. Auch der Vertreter der Türkei beschwerte sich bitter darüber, daß der Präsident der Abrüstungskonferenz die türkische Regierung über das in der Note an den deutschen Außenminister erwähnte Programm keineswegs unterrichtet habe. Henderson erhob sich sodann sichtlich in großer Erregung und Wut und erklärte, daß die Vertreter der drei Mächte über alle Verhandlungen genau unterrichtet worden seien und daß er im Präsidium einen eingehenden Bericht erstattet hätte'. Die Antwortnote an den deutschen Außenminister wurde darauf mit den grundsätzlichen Vorbehalten, der sowjetrussischen, türkischen und polnischen Regierung einstimmig angenommen. Präsident Henderson schlug sodann dem Hauptausschuß die Vertagung der Abrüstungskonferenz bis zum 2 6. Oktober vor. Die Vertagung wurde ohne jede Aussprache einstimmig angenommen. Das Präsidium tritt bereits am 25. Oktober zusammen.
„Daily Telegraph" hebt hervor, daß der Reichs- außenminifter die Schuld an dem Vorfall dem Völkerbund und besonders Großbritannien zugeschoben habe. Er habe ferner klar zum Ausdruck gebracht, daß die deutschen Forderungen fristlos erfüllt werden müßten, bevor eine Ab- rüstungskonvention zustande kommen könnte. — „Daily Expreß" bemerkt u. a., die gegen Sir John Simon erhobenen Beschuldigungen erforderten sofortige Zurückweisung oder Aufklärung des evtl. Mißverständnisses.
„News Chronicle" erklärt, eine Konvention müsse zustande kommen. Nur eine Konvention, die selbstverständlich von Deutsch land unterzeich- n e t werden müßte, könne die deutschen Behauptungen widerlegen. Es fei den anderen Mächten in Wahrheit niemals Ernst mit ihrer Abrustungs- bereitfdjaft gewesen. „Daily Mail" benutzt die Gelegenheit wieder, für die Vergrößerung der britischen Luftstreitmacht einzutreten. „Times", die,
Sie Antwort der Abrüstungskonferenz.
Ein Telegramm Hendersons. - Rußland, polen und die Türkei protestieren gegen die Geheimverhandlungen der Großmächte.
Reuraths Echo in der Auslandspreffe.


