Ausgabe 
17.3.1933 Erstes Blatt
 
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Helft -er Winiernoihilfe!

Aus -er Provinzialhauplsta-t

chinesischen Regierungstruppen sind in Peking eingetrofsen. Zwei weitere werden erwartet Marschall Tschiangkaischek leitet die Operationen von Paotingfu aus.

hervorgeht, daß man mit einer Millionensumme als Ertrag der Betrügereien rechnete.

Zwei Bergleute von fallendem Gestein verschüttet.

Ein Teil der Hauptstrecke auf Schacht !V/Vder Zeche Concordia in Oberhausen ging in einer der vergangenen Nächte zu Bruch. Zwei Zimmer» Hauer gerieten unter die hereinbrechenden Ge­steinsmassen. Einer der Verschütteten wurde als Leiche geborgen. Der andere konnte noch nicht gefunden werden, da durch das Nachstürzen wei­terer Gesteinsmassen die Nettungsarbeiten au» ßerordentlich erschwert werden.

Kunst und Wissenschaft.

Entdeckung einer Vorzeitstadt durch die deutsche Anden-Expedition.

polen zieht die Truppenverstarkung von der Westerplatie zurück.

Danzig, 16. März. (TU.) Der polnische Damp­ferID ilja , der am 6.März die polnischen Truppenoer slärkungen von Gdingen nach der Desterplatte brachte und seitdem im dortigen Munitionsbecken ist. hat für heute (Don­nerstag) 21.30 Uhr vom Danziger Lotsenamt 5 ch l e p p f a h r z e u g e und Lotsen ange­fordert. DieIDilja hat am Donnerstag um 23 Uhr den Danziger hafeninRichtung Gdingen verlassen. Da das Schiff völlig im Dunkeln lag und erst kurz vor dem Los­machen Licht gesetzt wurde, war von der Ueber- nahme der polnischen Truppenverstärkungen an Bord nichts zu sehen. Da die Mannschaft aber auch bisher an Bord Quartier hatte, ist anzuneh­men, daß der Dampfer die gesamten Truppenver- slärkungen, die er am 6. März aus Gdingen ge- bracht hatte, wieder ablransportiert hat.

reiche Vertreter der Freiwilligen Sanitätskolon- , neu unserer Provinz hier erwartet. Die Tagung U>:rd nach der Begrüßung durch den stellvertre- i tenöen Inspekteur, Regierungs-Medizinalrat Dr. i Kortüm, folgende Vorträge bringen: Präsi- tent b ° n Hahn überGemeinsame Aufgaben der Zweigvereine und der Sanitätskolonnen vom

en Kreuz": Professor Dr. Kliewe, Leiter pes Hessischen Tlntersuchungsamtes für Infek­tionskrankheiten, überMas ist beim Trans­port von Infektionskranlhe ten zu beobachtend'; Oberst Schröder, Darm,laoc, überLuftschutz"; Privatdozent Dr. Eichler, Gießen, überGift­gase und deren Einwirkung auf den menschlichen Organismus"; Major a.D. Höfling über den derzeitigen Stand des Gasschutzes. Am Vormit­tag werden nach den Vorträgen Kolonnenange- legenheiten besprochen. Am Nachmittag findet eine Gasrettungsübung der Kolonne Gießen in Gemeinschaft mit der städtischen Brandwache an öer Pestalozzi schule statt, in Verbindung mit den Vorträgen über Luft- und Gasschutz werden Gasschuhapparate vorgeführt.

" Berufswettkampf im DHV. Man schreibt uns: Der Deutschnationale Handlungs- gehilfen-Verband führt am 19. März im ganzen Reichsgebiet und in Oesterreich Derufswettkämpfe durch, an denen alle männlichen deutschen Kauf­mannsgehilfen und Lehrlinge bis zum 22. Le­bensjahr teilnehmen können, auch wenn sie nicht dem DHV. als Mitglied angehören. In Gießen finden die Derufswettkämpfe im DHV.-Heim in der Lonystrahe 18 von 8.30 Uhr statt. Ausgetra­gen werden die Wettkämpfe in Deutsch, Situa­tionsaufgaben und Kaufmännisches Rechnen. Hin- zutreten Wahlfächer in Kurzschrift, Fremdspra­chen, Buchhaltung und Wirtschaftsgeographie. Die Teilnehmer werden entsprechend ihrem Derufs- alter in verschiedene Klassen eingeteilt. Der Prü­fungsausschuß unter Vorsitz von Berufsschuldirek­tor Dr. Wendel seht sich aus Lehrkräften der Berufsschule, aus Arbeitgebern und Kaufmanns­gehilfen zusammen. Das Protektorat über den Berufswettkampf haben übernommen für Preußen Reichskommissar Dr. Rust, für Hessen Staats­präsident Dr. Werner, für Braunschweig Staatsminister Klagges, für Thüringen Staatsminister Mar sch! er, für Sachsen Staatsminister H a r t n a ck e.

** Barmer Ersahkasse. Man berichtet uns: Am Mittwoch fand unter starker Beteiligung eine Mitgliederversammlung der Barmer Ersah- kafse statt. Als Beauftragter des Hauptvorstan­des war Herr Sommerkorn aus Berlin an­wesend. 5X>r 1. Vorsitzende der Verwaltungsstelle Gießen, Herr Tischler, leitete die Versamm­lung, in welcher der Delegierte für die diesjäh­rige Hauptversammlung gewählt wurde. Die Wahl fiel mit Stimmenmehrheit auf Herrn Pape Von Herrn G i s ch l e r wurden verschiedene An­träge zur Hauptversammlung eingebracht, die ein­stimmige Annahme fanden.

Vezirksschössengericht Gießen.

. * ® ie^e.n- 16.März. Ein hier wegen Rück­fallbetrugs tn Strafhaft befindlicher Schuhmacher- gcselle, der in der Schusterwerkstatt beschäftigt wurde hat sich einen Dietrich angefertigt, mit chm den Aufbewahrungsraum des Gefängnisses geöff- net und em Paar neue Schuhe gestohlen. Um sie unkenntlich zu machen, hat er sie neu gesohlt und Mit markierten Kappen versehen. Da er rückfälli-

Dieb ist, mußte er zu der gesetzlichen Mindest- JiSlSnJpnem Jahr Gefängnis ver­urteilt werden.

ter eine von ihnen rückfälliger Dieb haben m Klein-Linden Wäsche und Lebens- Zwei von ihnen hatten dem die erste ^atersuchung führenden Kriminalbeamten ein umfassendes Geständnis abgelegt, das sie später und auch heute in vollem Umfang widerriefen, hon Samten »hypnotisiert" toor-

oen. Offensichtlich standen sie unter dem Einfluß . ^^r-§o"p.ttaters, der stets geleugnet hatte. Da bei dem Beamten um eine unbedingt ge­wissenhafte zuverlässige Persönlichkeit handelt, und auch keine Möglichkeit besteht, daß erwach- E,.'. lprer Sinne mächtige Leute unter fremdem mn- ur.aUen Punkten übereinstimmende falsche nrabI^en> blieb kein Zweifel an der Schuld der Angeklagten. Die Strafen lauteten auf s leb e n, zwei und ein Monat Gefäng­nis. y

Ein alter Gewöhnst r^betrüaer bat in den Iast- ren 1929 unk>193, in Bad Neheim und an an­deren Orten L^erhe,,e.._ .urch allerlei falsche Vor­spiegelungen, Geld erschwindelt. Die Verhandlung hP?w5nnr£ PH ftaM'nden, da der Angeklagte verschwunden war: erst kürzlich wurde er in einer putschen Strafanstalt, wo er wegen anderer Be- trugereien Strafe verbüßt, ermittelt. Er erhielt ®^fangn iS und wegen Führung 5!^ falschen Namens gegenüber einem Polizei- Wachtmeister eine Woche Haft V

2-,Li Solzbi-bftLlS im wiederholten

»Xe,n werter drei Monate

Aus aller Well.

Bor der Ausgabe neuer Briefmarken.

Die Deutsche Reichspost hat die notwendigen technischen Vorarbeiten eingeleitet, um in nächster Zeit die Pfennigwerte der Freimarken allgemein mit dem neuen r e l i e f a r t i g e n Bild­nis des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg herauszugeben. Diedies- jährigen, wie immer im Herbst erscheinenden Wohlfahrtsmarken werden Bilder aus den WerkenRichardWagners tragen. Ferner plant die Deutsche Reichspost, später auch Son­dermarken mit den Bildnissen gro­ßer deutscher Persönlichkeiten in be­schrankter Anzahl herzustellen und sie neben den Marken der Hindenburg-Ausgabe in den Verkehr zu sehen.

Der kommunistische Reichstagsabgeordnete Schulz als Mörder seines Kindes entlarvt.

Die Sektion der in der Talsperre Kynau ge» funoenen Kindesleiche hat ergeben, daß es Sohn Horst des früheren kommunisti» schen Reichstagsabgeordneten Richard Schulz aus Dittersbach handelt. Horst Schulz wurde seit dem Sommer vorigen Jahres vermißt. Sein Vater hatte damals angegeben, er habe Horst nach Sowjetruhland geschickt. In Wirklichkeit hat er ihn, wie jetzt feststeht, ermordet. Schulz, der zur Zeit eine Strafe von vier Jahren Ge­fängnis wegen Mißhandlung seines Sohnes Werner, des jüngeren Bruders von Horst, im Breslauer Gefängnis verbüßt, ist zunächst in Einzelhaft gebracht worden. Die Nachricht von der Auffindung der Leiche hat die Bevölkerung in der Waldenburger Gegend in große Erregung verseht.

Drei schwere Jungen verhaftet.

In Böhmisch-Leipa wurden drei Personen festgenommen, die mit dem im Oktober 1932 in Zittau verübten sensationellen Mu» feumselnbruch in engster Verbindung ste- hen. Zwei goldene Kelche, die bei diesem ©in- bnidj gestohlen worden waren, konnten bereits wieder herbeigefchafft werden. Dagegen fehlen die anderen gestohlenen Gegenstände zur Zeit noch

ist ein in der Tschechoslowakei als Eeldschrankeinbrecher ten-chtigter schwerer Junge der bisher unter keinen Umständen verraten will'

.e noch fethuuen Sachen versteckt hat' Auch bei den anderen Tätern handelt es sich nicht um gewerbsmäßige Masseneinbrecher, son­dern um Geldschrankknacker.

Der Prozeß Hintze.

Neuenweg 46; 7. Anna Luise Wohlfarth, geb. Schrader, 63 Jahre, Nordanlage 51; 9. Elisa­beth Reinhardt, geb. Roh, Witwe, 71 Jahre. Licyer Straße 23; 10. Emilie Knoll, geb. Stecker. Witwe, 56 Jahre, Mühlstraße 10; 12. Elisabeths Dietz, geb. Horn, 51 Jahre, Krofdorfer Straße 22; 13. Friedericke Schmerle, geb. Steiß, 71 Jahre, Liebigstratze 41; 13. Helene Schmal!, geb. Hill. Witwe, 82 Jahre, In Löbers Hof 7.

"Neue deutsche Frachtbriefmuster. Um den auf Verkehrswerbung gerichteten Bestre­bungen ter Eisenbahn und den Wünschen aus Han­dels- und Wirtschaftskreisen nach Vereinfachun­gen und Verbesserungen des deutschen Fracht- briefmusters zu entsprechen, beabsichtigt die Reichsbahn-Verwaltung, in etwa Jahresfrist ein neues Frachtbriefmuster für den deutschen Ver­kehr einzuführen.

" Seinen Verletzungen erlegen. Der 24jährige Emanuel Benner von Climbach, der am Dienstag spät abends auf der Landstraße bei Climbach mit seinem FahrtaH gegen die Deichsel eines unbeleuchteten Fuhrwerks stieß und durch Eindringen der Deichsel in den Leib schwer ver­letzt wurde, ist heute morgen gegen 6.33 illjr in der h.esigen Chirurgischen Klinik seinen Ver­letzungen erlegen.

* Aerz te- und Führ e r b espr e ch ung derFreiwilligenSan. tätskolonnen. Am kommenden Sonntag findet in Gießen eine 2lerzte- und Führerbesprechung der Freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Rreuz in Oter- hessen statt. Zu dieser Veranstaltung we.tenzahl-

Die unter ter Führung von Dr. Borchers stehende deutsche Anden-Expedition hatte bereits kürzlich gemeldet, daß \\i in 3900 Meter Hohe in der Cordilliera Bianca auf der Suche nach einem Weg in das sagenhafte Quitarasca Teile der Ruinen einer umfangreichen Stadi­on l a g e gefunden habe, die man zunächst für eine Inka-Feste halten mußte. Es wurden einzelne noch gut erhaltene Häuser, Fundamente und andere Spuren von Wachtürmen, zahlreiche Mauertrümmer sowie eine Begräbnisstätte entdeckt. Eine nach der Rückkehr der Expedition oorgenommene Sichtung des Materials scheint jedoch ein überraschendes Er­gebnis von außerordentlicher Tragweite zu bringen. Es ist nämlich zu vermuten, daß diese alte Bergfeste gar nicht der Inka-Zeit, sondern einer wesentlich früheren Epoche entstammt, der sogenannten Tiahuanaco-Kultur, deren erste Spuren 1913 bei Tiahucmaco im Titicacasee aufgefunden wurden. Die Tiahuanaco-Kultur reicht aller Wahrscheinlichkeit nach bis ins zweite Jahrtausend vor Christi zurück. Möglicherweise ist sie aber auch noch älter. Sie er­lebte ihre letzte Blütezeit etwa im siebenten Jahr­hundert unserer Zeitrechnung und wurde dann von der Inka-Kultur abgelöst. Wenn sich bei der weiteren wissenschaftlichen Untersuchung bestätigen sollte, daß die Ruinenstadt im Eingang des Quitarasca-Tales dieser uralten Menschheitsepoche angehört, so würde das für die frühgeschichtliche Erforschung Südame­rikas einen großen Fortschritt bedeuten.

an ft alten und alle übrigen, dem Ministerium unterstellten Schulen gilt. In den Berufs­schulen sind die Schüler bei Beginn des Un­terrichts am ersten Schultag nach dem 18. März im Sinne der Anordnung auf die nationale Um­wälzung und ihre Bedeutung hinzuweisen, worauf der Unterricht zu schließen ist.

Wechsel in -erLeitung des Schulamtes

Wie wir zuverlässig hören, ist Herr Studien­rat Dr. H e n h, der dem Lehrkörper des Real­gymnasiums angehorte, mit sofortiger Wirkung mit der Wahrnehmung der Geschäfte des S t a d t- und Kreisschulamtes Gießen beauf­tragt worden. Herr Dr. Henß hat die Ge» schäfte der beiden Aemter heute morgen bereits übernommen.

Bornotizen.

r Tageskalender für Freitag: Stadt­theater, 20 bis 22 Uhr,Nina". - Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:... und es leuchtet die Pußta". Ästoria-Lichtspiele, Seltersweg:Raz­zia in St. Pauli".

- Konzert der Klavierschule Kör­ner. Zu Gunsten der Gießener Frauen-Nothilfe findet am kommenden Sonntag, 19. März, 16.30 Uhr im großen Saale des Studentenhauses am Lelhgesterner Weg ein Konzert der Klavierschule Korner statt. Zur Aufführung gelangen Werke der Meister des 17. bis 19. Jahrhunderts. Außer ten Klaviersolis werden auch Kompositionen für Streichinstrumente, sowie Gesangsvorträge zu Ge­hör gebracht. Näheres ist aus der gestrigen An­zeige ersichtlich.

--^^tellung des Fröbelsemi- n a r s. Das Frotelseminar zeigt in den nächsten Sagen (©amätag, 18., Sonntag, 19. und Montag, 20 - Marz), jeweils in der Zeit von 11 bis 13 und 15 bis 17 Uhr, in den Räumen des Hauses Gart^lstraße 30 eine Ausstellung von Arbeiten ter Schülerinnen, die als Kindergärtnerinnen Hortnerinnen, Kinde.Pflegerinnen die Anstalt ver­lassen. Auch die Arbeiten des Dorseminars (ein- jährige Haushaltungsschule) sind ausgestellt. Auf die heutige Anzeige sei hingewiesen.

Der Obst - und Gartenbauverein Gießen hält am kommenden Sonntag, 15.30 ubr im Hotel Hopfeld eine Versammlung ab. Gartenbau-Inspektor Rentsch- Friedberg wird über das ThemaErfolgreiche Gemüse- Obst- und Blumenzucht im" Klein- und Hausgarten" sprechen Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.

** Die Garantieverpflichtung der Gemeinden an der Reichspost-Kraftomnibus- Imic Gießen-Kleebachtal ist auf Er­ichen ter Kommunen vcn ter Oberpostdirektion Darmstadt mit Wirkung vom 1. Januar 1933 ab Don 74 auf 70 Pf. je Strecken-Kilometer herab­gesetzt worden.

" Neue Haussuchungen in Gießen. Der Polizeibericht meldet: Die Kriminalpolizei hat gestern abend weitere Durchsuchungen bei Angehörigen der Kommunistischen Partei und ihrer Unterorganisationen vorgenommen. Bei ten Haussuchungen wurden neben schriftlichem Ma» terial mehrere Jagdgewehre, Munition und son- stige Waffen vorgefunden und beschlagnahmt.

St er befalle in Gießen. In ter Zeit 11 bis 15. März verstärken in Gießen- 1. Margarete Treuke, geb. Euler, 52 Jahre, Eder- straße 15; 1. Jakob Kröck, ohne Beruf, 76 Jahre

- l, Elisabeth Zapf, geb. Damm, 36 Jahre, Alter Rodger Weg 18; 1. Karl Theo» do* Keil, Prokurist^ 54 Jahre, Schulstraße 3; Jr CmaIer und Lackierer, 61 Jahre

Bahnhofstraße 61; 3. Heinrich Kehl, Eisenbahn- Wagenaufseher uR 63 Jahre, Molkkestraße 26; 3. Marie Noth geb. Schreiner, 59 Jahre, Doe» ringstrahe2; 4. Marie Dauer, geb. Komps, Witwe, 50, Oahre Am Wingert 4; 4. Therese Fritsch geb. Keßler, Witwe, 77 Jahre, Marburaer Heußinger, geb. Brück, Witwe, 52 Jahre, Licher Straße 57- 4. Mickael städt. Arbeiter, 59 Jahre, Rodhellner ?7lr<$nteo' Elisabeth Jäger, geb. Burck, Witwe, ohne3 4' 6. Ehristine Reuter,

ohne Beruf, 71 Jahre, Bismarckstraße 24 Nohrfchleifer, 37 Jahre, Kaiser- allee 135, 6. Johannes Heller. Invalide, 60 Jahre,

Generalversammlung des Gewerk» vere.ns Christlicher Bergarbeiter.

Königswinter, 16. März. (ERB.) Auf der Generalversammlung des Gewerkvereins Christlicher Bergarbeiter Deutschlands erklärte der Dorsitzende des Gesamtverbantes der Christ- lichen Gewerkschaften, Otte, nichts sei törichter als etwa von Derbsten der Gewerk­schaften zu reden. Auch die neuen Machthaber feien der Ueberzeugung, daß man Einrichtungen, tee organisch aus dem Dolksleben he rausgewachsen seien, und Bewegungen, die weltanschaulich verankert seien, nicht ein­fach ausrotten könne. Bei der Zukunlls- gestaltung werde gerade die Gewerkschaftebewe- gung maßgebenden Anteil haben. Die Gewerk­schaften wollten-auch in Zukunft mitar- bei ten an der Neugestaltung der wirtschaft­lichen und sozialen Derhältnisse. Ihr Ziel sei nach wie vor, zu arbeiten an der wirtschaftlichen, giftigen und sittlichen Hebung des Arbeiter­stantes, aber gleichzeitig auch dem Dolksganzen und dem Daterlande zu dienen.

Zu Beginn der jüngsten Verhandlung in dem P r o z e h g e g e n d e n D a n k i e r H i n h e gab Zunächst bekannt, daß Rechts­anwalt Bahn die Verteidigung wieder über­nommen habe. Unter großer Spannung wurde dann Generalmusikdirektor Prof. Max v. S ch i l. ft HVr Zeuge gehört. Er erklärte, er habe stets viel von der Entwicklung Gertrud Binder- 9e^?j£en und sei überzeugt gewesen, daß sie ihren Weg gemacht haben würde. Frau Bindernagel habe sich ihm auch in privaten An­gelegenheiten anvertraut. Als der Angeklagte sei sie aus ihrer ruhigen A.uhn gerissen worden. Er, Zeuge, habe den Einfluß Hintzes vom ersten Augenblick an für un- fyilbDÜ g^alten. Nie sei auch nur ein un­günstiges Wort m Künstlerkreisen, die er kenne über Frau Bindernagel gefallen. 2m Gegenteil' man habe sie als eine einfache und sittlich hoch- stehende Frau geschätzt. Auf eine Frage des Verteidigers nach einer geschäftlichen Verbin­dung mit Hintze erklärte der Zeuge, daß er durck Hintze 10 000 Mk. verloren habe. Sein Urteil über ihn sei aber dadurch nicht beeinflußt. Staatsanwalt: Der Angeklagte hat ertlärt, daß er feine Frau zu der großen Künstlerin gemacht habe. Ware sie ohne Hintze zu dem gelangt, was fie geworden ist? Zeuge: Ich bin fest davon Überzeugt, daß sie eine glücklichere, ruhigere aber mindestens ebenso hochstehende Karriere ge­macht haben würde. Der frühere Intendant der Berliner Städtischen Oper, Carl Ebert, stellte der Frau Bindernagel ein hervorragendes

T Zeugnis au8. Er bekundete, daß die Künstlerin schon bei ihrer Tätigkeit an der Staatsoper in einigen Rollen sehr berühmt und alsHoch- dramatische" eine der Ersten in Deutschland war. Heber ihren Charakter äußerte sich der Zeuge ähnlich günstig wie Prof. v. S ch i 11 i n g s. In die häuslichen Verhältnisse habe der Zeuge am Abend vor dem Attentat erstmalig Einblick ge­wonnen. Rach einer Vorstellung von Verdis Maskenball" habe er ihr in der Garderobe ge­sagt,sie wäre heute gar nicht gut; Frau Bindernagel habe sich darauf weinend über den Schminktisch geworfen und ihm mitgeteilt, daß sie die Scheidung eingeleitet habe. Wei­ter habe sie gesagt, sie habe schuften müssen wie ein Tier und nichts für sich selber gehabt. Jetzt eist h b sie erfahren, daß Hintze das Geld mit anderen Frauen ourchgebracht habe, dabei habe sie so sehr an ihm gehangen. Die Verhandlung wurde dann vertagt.

Hauseinsturz. Zwei Tote, zwei Schwerverletzte.

In ter Nähe der spanischen Gemeinde Taufte bei Saragossa ist ein H a u s c i n g e st ü r z t. Von den vier Bewohnern kamen zwei ums Leben; die beiden anderen wurden schwer verletzt.

Ein Millionen-Schwindel.

Die Kriminalpolizei in Antwerpen nahm zwei Betrüger namens van Floren und van Schoonbeke fest. Die Verhafteten haben sich feit IAhren als Großindustrielle ausgegeben und durch angebliche Gesellschaftsgründungen Millio­nen erschwindelt. Das Tätigkeitsfeld der Schwindler erstreckte sich nicht nur auf Belgien, sondern griff über auf Deutschland, England, Frank­reich, Holland und Rumänien. Zur Bewerkstelli­gung ihrer Finanzoperationen hatten sie den , Beb gian Investment Trust" in Brüssel ins Leben ge­rufen, der in einer vornehmen Straße über vor­nehme Büros, aber nur über drei Angestellte ver­fügte. Dieser Trust war das Kernstück des Gesamt­konzerns, der aus zahlreichen Luftgebilden bestand. Das Geschäft bestand darin, Aktienzertifikate der einzelnen Unternehmungen an den Mann zu brin­gen. Auskünfte wurden mit den gefälschten Namen hochgestellter Persönlichkeiten unterzeichnet. Auch Scheckfälschungen sind zahlreich begangen worden. Bei der Durchsuchung des Geschäftslokals fand die Polizei nur die Korrespondenz, aus der

Vorahnung -er Frühlings.

Die Wolken haben antere Formen und Farben, sie haben eine neue Art, über ten Himmel zu zie­hen. Der Wind bläst anders. Die Sonne scheint anders.

Blättern wir im Kalender! Nein, Frühlings­anfang ist es noch nicht! Aber im März wandelt sich alles. Das Zimmer, ter Schein ter Lampe ist nicht mehr so traulich wie zuvor, man hält es zwischen den Wänden kaum mehr aus. Man muß ins Freie.

Hnd dann, e,ues Tages entdeckt man das erste Pflänzchen. Ein rosa Näschen, ein Knospenbün- deichen, das sich aus der feuchten, fetten Erde reckt, ein geschwollenes, braunes, glänzendes Etwas, das an den Zweigen der Kastanie fitzt, ein gebücktes, kleines weißes Haupt an einem grünen Hälschen, das zwischen dem Winterhärten Gras steht. Die zarten ersten Spieße ter Krokusse, die ersten blauen Cilla, kleine Büschef von Schnee­glöckchen,^ hier ein Hälmchen und dort ein Blatt..

Wir können gar nicht genug draußen sein, um das Wunder mitzuerleben. Jede Stunde, die man sich unnötig einzwängt in die dumpfe Luft der Räume, scheint gestohlen, denn auch dieses Jahr wie seit Ewigkeiten vollzieht sich vor unseren blin­den oder sehenden Augen das Wunder der Er­schaffung ter Welt.

Wie da im Kleinen der Sommer geboren wird, der noch durch viele Monate hindurchgehen muß, durch den stürmischen April, durch den Mai, das ist wert, daß man es keinen Augenblick ver­säumt. In die Regale und Schränke die Bücher, die guten Gefährten des Winters! Fort mit den Handarbeiten, fort mit den Kartenspielen, fort mit allen Zerstreuungen der langen dunklen Monate! Heraus mit den Ballspielen, den Ra­senspielen, heraus mit den festen Wanderstiefeln und den Wetterkapuzen. Stecken wir die Nase in den Wind, gehen wir dem Frühling und der Natur entgegen, lauschen wir ihre geheimnis­vollen Vorbereitungen ab, nehmen wir teil an ter stillen Vorbereitung, an der Geburt des Frühlings.

Lind wenn unter den großen weißen Wolken, die ter warme Wind über den Himmel fegt, unser Herz weit wird und sich anfüllt mit Sehn­sucht, mit jenem unbestimmten Wandertrieb, ter jeten Menschen um diese Zeit überfällt, dann stehen wir dieser Sehnsucht nach, so viel es lrgend geht. Lind wenn uns die Wirklichkeit ver­bietet, zusammen mit dem Frühling auf Olten» teuer auszugehen, dann wollen wir wenigstens Räumen und uns erlauben, bunten Phantasien nachzuhängen, ein paar Tage lang, ein paar Abende lang ... bis wir unsere Gedanken wie­der einzwingen in die geordnete Bahn des All­tags. - m.

Taten für Freitag, 17. März

1813: Friedrich Wilhelms III. AufrufAn mein Volk"; Errichtung der preußischen Landwehr; 1834: der Techniker Gottlieb Daimler in Schondorf I geboren; 1861: Viktor Emanuel II. wird König des geeinigten Italien; 1930: der Vortrags­künstler Marcel Salzer in Lichterfelde gestorben; 1932: der Kolonisator und Verlagsbuchhändler Dr. Hermann Meyer in Leipzig gestorben.

Oie vorläufige Regelung

-er Zlaggenfrage.

Das Hessische Staatsministerium veröffentlicht folgende Bekanntmachung an die hessischen Staats­behörden und Bürgermeistereien:

®ine Kundgebung der Reichsregierung zur vor­läufigen Regelung der Flaggenfrage soll in allen behördlichen Dienstgebäuten, mit Aus­nahme ter Schulen, plakatiert werden. Die Plakate werden ten hessischen Behörden alsbald zugehen (ten Kreisämtern zugleich zur Weitergabe an die Bürgermeistereien, mit Ausnahme der Burgermelstereien ter Kreisstädte, die sie un- t r ~.ar erhalten). Die Plakatierung hat mit tunlichster Beschleunigung und in möglichst weit­gehendem Umfang zu erfolgen.

Die Schulfeier am 18. März.

Das Ministerium für Kultus und Bildungs- Abt bekannt, daß die Anordnung über die e$ufHc<!-er am Samstag, 18. März, au$ für die gewerblichen Llnterrichts-