Ausgabe 
17.3.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 65 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Zreitag, 17. März 1953

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GWner Anzeiger

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Dr. Frredr. Wilh. Lange. Verantwortlich sür Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein undlürdenAn- zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in Gieren.

Die Aufgabe der nationalen Propaganda.

Bon unserer Berliner Redaktion.

Die Volksbewegung, die zur Mehrheit wurde und in reoolutlonärem Schwünge die Staatsgewalt ihrem Führer übertrug, will nun die ganze Ration inner­lich durchdringen. Das ift der Sinn des Programms, r-ri dem sich der neue Mimster für Volksaufrlürung und nationale Propaganda Dr. Goebbels der OeffenUichteit rorgeftellt hat.

Die Männer in der Regierung Hitler find sich be­wußt, daß sie weder auf Öen Basonetten regieren, noch mit 52 Prozent des Volkes die übrigen 48 Pro­zent terrorisieren können. Eine solche Basis ist auf die Dauer zu schmal und trägt die Gefahr in sich, daß sie sich zuungunsten der Regierung verschiebt. Die neuen Männer wollen auch nicht einen Teil ihrer Kräfte im Kampf mit der Opposition verzetteln. Sie wollen sie nicht durch äußere Maßnahmen der Unter- druckung, sondern von innen her überwinden. Als die Grundlage eines modernen Volkskomgtums bezeichnet Goebbels die geistige Bezwingung der Masse. Er betrachtet sich als den Verbindung s- m a n n zwischen Regierung und Volk, der diese Gleichschaltung des politischen Fühlens und Denkens der ganzen Nation herbeiführen soll, eine Gleichschaltung, die in neuer Form die demokratische Idee verwirklichen würde.

Der unbedingte und durch nichts zu erschütternde Machtwille der Regierung Hitler, der in all ihren Kundgebungen zum Ausdruck kommt, gründet sich schließlich auf das starke Selbstbewußtsein der Man­ner, die die Nation geistig zu bezwingen hoffen. Die seelische Einheit der Nation ist die Vor­aussetzung ihrer vollen Kraftentfaltung, ihrer Lei- ftung und ihrer Opferbereitschaft. Sie ist nur zu schaffen, wenn das Volk in feiner Gesamtheit zu der Erkenntnis geführt werden kann, daß alle Maß­nahmen der Regierung auf das Ganze gerichtet und in der fachlichen Zweckmäßigkeit begründet sind, mögen auch diese Maßnahmen schmerzhafte operative Eingriffe darstrllen. Zweckmäßigkeit und national- soziale Zielsetzung im Handeln der Regierung ge­nügen aber in einer Zeit noch nicht, die noch lange im Zeichen gemeinsamer Leiden und Opfer stehen muß. Die Not der Zeit und die Schmerzen des He>- lungsprozesses sind aus die Dauer nur zu ertragen, wenn ein seelisches Gegengewicht in dem Bewußtsein des einzelnen geschaffen werden kann, daß er teil hat an den Erlebnissen der Nation als solcher, daß er Glied ist eines großen und schönen Ganzen, das ihn trägt und hebt und innerlich beglückt.

Die technischen Möglichkeiten dieser Zeit haben die Voraussetzung dafür geschaffen, daß alle an den Feiern der Nation und der weiter zu führenden nationalen Revolution teilnehmen können. Hier liegen vornehmlich die Aufgaben des Propaganoa- Ministcriums auf dem Gebiet des Rundfunks. Es ist durchaus richtig, wenn Goebbels feftellt, daß poli­tische Tendenz im Rundfunk nicht langweilig zu sein brauche. Es kommt nur darauf an, daß Kundgebun­gen mit bestimmtem politischem Ziel nicht vom grünen Tisch her verlesen werden, daß sie vielmehr aus der mitreißenden Atmosphäre lebendiger und stimmungsvoller Feiern und Demonstrationen geholt werden. So werden also nicht nur die Augenzeugen der bevorstehenden Feiern in Potsdam und der kommenden Verhandlungen im Reichstag die großen Ereignisse unserer Geschichte erleben. Millionen in allen Gauen Deutschlands werden Ohrenzeugen fein und mitfeiern können.

Eine nationale Propaganda, die sich die gesin­nungsmäßige Gleichschaltung des Volkes zur Auf­gabe gefetzt hat, muß natürlich auch von der Absicht geleitet jein, die immer noch stärkste Macht der öffentlichen Meinung, die Presse, wieder in höherem Maße zur politischen Gesinnungspresse zu machen. Die Aufgabe der Instruktion soll neben der­jenigen der Information mehr betont werden als bisher. Darüber muß sich aber die Regierung im klaren fein, daß die großen Mittel bet Meinungs­bildung, über die die Presse verfügt, wirkungsvoll nur aus freier Ueberzeugung eingesetzt werden können. Es ist natürlich verheerend, wenn dem Volk nur mitgeteilt wird, daß die Margarine teurer wird, wenn ihm nicht gleichzeitig zwingend klargemacht werden kann, warum das im Inter­esse des Ganzen geschehen muß. Die Presse kann aber nur überzeugen, wenn sie selbst überzeugt wird. Das kann nicht allein durch Worte geschehen. Die Maß­nahmen, die verteidigt und gerechtfertigt werden sollen, müssen zunächst als zweck- und sinngemäß erkannt fein.

Die Presse wird für jede Hilfe und Belehrung dankbar sein. Sie wird gern die Hinweise eines Mannes verwerten, der sich durch seinen Erfolg als Meister der modernen Propaganda ausweisen kann Als Dr. Goebbels sich den Vertretern der Presse vor- stellte, muß er selbst empfunden haben, wie stark die Bereitschaft zur Mitarbeit ist, und wie gern sich die Männer von der Presse überzeugen und einfpanncn lassen wollen in die gemeinsame Arbeit zum Besten der Nation. Der neue Minister hat versprochen, daß die helfende und aufbauende Kritik nicht unterbunden werden soll. Eine mit äußeren Mitteln erzwungene Gleichschaltung der öffentlichen Meinung kann niemals zu den Wirkun- Sen gelangen wie eine freiwillige Mitar - eit, gegründet auf einer Ueberzeugung, die auch wieder überzeugend wirkt. Daß sich eine entschlossene und machtbewußte Regierung rücksichtslos gegen jede Kritik wendet, die nicht sachlich begründet ift, die nicht helfen will, sondern aus parteipolitischer Feindschaft stammt, das muß man als eine Selbst- verständlichk. it hinnehmen. Aber die Gleichschaltung des politischöi Denkens und Fühlens und das Stre­ben nach der seelischen Einheit der Nation darf nicht

Das Echo des englischen Abriistungsplans.

G e n f, 16. März. ($11.) In französischen Kreisen erklärt man, daß man den englischen Abrüstungsplan mit Befriedigung begrüße. Der Plan enthält nach französischen Feststellun­gen die Auflösung der Reichswehr und Ersetzung durch ein Volksheer von 200 000 Mann. Au srechterhaltung des bisherigen technischen Entwaffnungszustandes Deutschlands.während weiterer fünf Jahre durch das völlige Verbot der Militärluftfahrt und Verbot des Ausbaues der Flotte, ferner die französische Forderung eines gemeinsamen Vorgehens der Mächte bei drohender Kriegs» gesahr, sowie die Feststellung des Angreifers und lasse die Möglichkeit regionaler Hilfspakte zu. Damit seien die wesentlichen französischen Forderungen erfüllt.

Demgegenüber wird auf deutscher Seite von neuem betont, daß die deutsche grundsätz­liche Forderung auf den gleichen R ü st u n g s» st a n d mit den übrigen Mächten auf dem Ge­biete des Kriegsmaterials uneingeschränkt aufrecht erhalten bleibt und daß somit besonders auf dem Gebiet der Militärluft­fahrt, der 0 - D o o t e. der schweren Ar­tillerie und der Tanks Deutschland über die gleichen Waffen verfügen muß, wie die übrigen Mächte. Ferner wird hervorgehoben, daß die englische Regierung ausdrücklich Verhand­lungen über Abänderung und Berücksichtigung der Wünsche der einzelnen Mächte bei der end­gültigen Ausarbeitung des Abkommens zugestan­den hat und daß somit auf dem Verhandlungs­wege die praktische Durchführung der deutschen Gleichberechtigung jetzt er­reicht werden muh.

Skepsis in London

Mehr Hoffnui g auf Macdonalds Rom eise.

London. 17. März. (WTB. Funkspruch.) Die Blätter begrüßen den gestrigen Schritt des bri­tischen Premierministers in Genf als eine männ - > l i ch e und wohlüberlegte Tat, äußern aber große Zweifel daran, daß der oorgeleate Kon- oentionsentmurf von den maßgebenden Mächten unterstützt werden wird. Verschiedentlich wird erklärt, daß das Wochenende der briti­schen Staatsmänner in Rom immer noch mehr Aussichten biete als der neue Abrüstungsplan, falls es zu einem britisch-italienischen Ein­vernehmen und im Anschluß daran zu einer Entspannung zwischen Deutschland und Frankreich führe.

Morningpost" lehnt jede Abrüstungskonvention grundsätzlich ab. Das Blatt weist besonders darauf hin, daß sich über den Gebrauch gewisser Waffen gar feine Regeln aufstellen ließen. Diese Waffen seien Ueberraschung, Vereinbarungen und Bünd­nisse.Times" erkennt an, daß das relative Ver­hältnis, in dem Deutschland bei Annahme der Konvention dastehen würde, von entscheidender Wichtigkeit sei und plädiert dafür, daß die Kon­vention an Stelle des Versailler Ver­trages trete. Damit würden einige Hauptbe­schwerden der bisherigen deutschen Regierungen be­seitigt werden.

Mißtrauen in Paris.

- Paris, 17. März. (WTB. Funkspruch.) Die Stellungnahme der französischen Presse zum Ab- rüstungsplan Macdonalds ist mit wenigen Aus­nahmen auffallend vorsichtig; man will offen­bar erst das Ergebnis der Unterredung Macdonald-Musfolini abwarten, bevor man sich festlegt. 3m ganzen genommen, scheint niemand in Frankreich zufrieden zu sein und man kann annehmen, daß sich bei den kommenden Erörterungen die französische Gegenaktion sehr bald störend bemerkbar machen wird. So schreibtEcho de Paris", man

erkenne nach der Rede und den Vorschlägen Macdonalds, daß das Abrüstungsproblem zwei­felsohne unlösbar sei. Roch klarer aber komme zum Ausdruck, daß, wenn die Vorschläge Macdonalds Gestalt annehmen würden, das Hauptergebnis die einseitige Abrüstung Frankreichs sein würde.

Petit Parisien" erklärt anerkennend, seit der Prüfung des Abrüstungsproblems habe ein eng­lischer Staatsmann vielleicht noch nie so viel Ver­ständnis für europäische Festlandfragen aufge­bracht und einen so weit gehenden Parallelismus zwischen Sicherheit und Abrüstung hergestellt wie gestern Macdonald. Rach Ansicht desOeuüre suche Macdonald vor allem die Ungeduld der Ra­tionalsozialisten zu beschwichtigen, währendEre Rouvelle" behauptet, daß durch den Macdonald- schen Plan das deutsche Heer mit dem französischen aus eine Stufe gestellt werden solle.Figaro" bezeichnet die große Linie des Macdonaldschen Planes als so gefährlich, daß einige Retuschen im einzelnen nichts an dem Cha­rakter selbst ändern wurden.

Äoin in Erwartung Macdonalds.

Rom, 16. März. (WTB.) Die Ankündigung des Besuches von Macdonald und Simon in Rom

hat in ganz Italien größte Genug­tuung hervorgerufen.Mcstagero" schreibt: Für die dauernde Festigung des Friedens in Europa bcdars es neuer, grundlegender Tatsachen politi­schen, moralischen und wirtschastlichen Charakters. Vermieden werden muh vor allem, daß Europa der Block- und militärischen Bünd­nispolitik verfällt, die unter defensiver Maske ihre offensive Tendenz verstecken will. Ein Scheitern der Abrüstungskonferenz müsse zu einer Verschärfung des finanziell ohnehin schon untragbaren und äußerst gefährlichen Wett­rüstens führen und damit zu einer Derschär- fung des Mißtrauens und der Ge­gensätze. Das müsse vermieden werden, indem man rechtzeitig wirksame Abwehr- maßnahmen ergreife. Die Initiative M u s o l i n i s sei der Ausfluß seines Willens zur Zusammenarbeit auf dem Boden der Tatsachen. Dabei müsse man aber auch, ob man wolle oder nicht, jener heute universell anerkannten Tatsache einer unumgänglich notwendigen Revisionder Friedensverträge Rechnung tragen, wie sie die Gerechtigkeit, aber auch Buchstaben und Geist dieser Verträge verlangten und wie sie den wahren Interessen der Sache des Friedens und des Wiederaufbaues dienten.

Die Preise zum Wechsel in der Reichsbanlleiiimg.

Berlin, 17. März. (CNB.) Die Berliner Presse erblickt in der Wiederberufung Dr. «chachts zum Reichsbankpräsidenten ein Ereignis von außeror­dentlich großer Tragweite. Die Voss. Z t g. rühmt dem scheidenden Dr. Luther nach, daß es ihm trotz seiner positiven Einstellung zum Papen-Programm und zum Gereke-Plan gelungen sei, die Stabilität der Mark aufrechtzuerhalten und die Bedienung der langfristigen Ausländsanleihen nicht zu gefährden. Auch Dr. Schacht habe diese beiden Eckpfeiler der deutschen Währungspolitik noch in jüngster Zeit als die dringlich st en Aufgaben eines deut­schen Finanzpolitikers anerkannt. Es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß auch Dr. Schacht in dem Parallelogramm der Kräfte zwischen den Wün­schen nach Arbeitsbeschaffung und dem Zwang zur Sicherung der Währung die richtige Diagonale ziehen werde. Die D A Z. zweifelt nicht daran, daß Dr. Schacht die Währung genau so gut aufrechter­halten wird wie Dr. Luther. In den allgemeinen Fragen der Bankenpolitik werde die Betrauung Dr. Schachts allerdings einen Kurswechsel bedeuten können. Diejenigen würden sich täuschen, sagt das Blatt, die da glaubten, die Reichsbank werde nun unter neuer Leitung ein beliebig großes Füllhorn über die Wirtschaft ausschütten.

DerBerliner Lokalanzeiger" nennt Dr.'Schacht in seinen Entschlüssen oft etwas im­pulsiv. bezeichnet aber feine Verdienste um die deutsche Wirtschaft als außerordentlich. Er habe besonders im Auslande wertvolle Aufklärungs­arbeit geleistet. Auf dem Bankiertage in Köln habe er erklärt, daß die Hoffnung auf aus­ländische Hilfe in seiner Bilanz nicht einmal mit einer Mark zu Buch stehe, das Vertrauen auf unsere eigene Kraft aber mit 100 Prozent. DerVölkische Beobachter" begrüßt in Dr. Schacht den Vertrauensmann der nationalen Regierung: Cs geht um das Schicksal der deut­schen Volkswirtschaft, die heute mehr als je darauf angewiesen ist, daß ihr eine Reichsbank­politik zur Seite steht, von der sie alle über­haupt mögliche Unterstützung und Hilfe erfahren und beanspruchen kann. Die nationale Regierung, die erst seit wenigen Wochen amtiert, in dieser Zeit aber schon ein großes Maß von wirtschaftspolitischer Aufbauarbeit ge­

leistet hat, wird in der Lage sein, in organi­scher Zusammenarbeit mit dem neuen Reichsbankpräsidenten, der das Vertrauen des Reichskanzlers genießt, diese begonnene Aufbauarbeit mit immer zunehmen­derem Erfolg fortzusetzen.

Die Kölnische Zeitung meint: Man kann Dr. Schacht mit dem Vertrauen in die Reichsbank zurückkehren sehen, daß er unter den veränder­ten politischen Verhältnissen seine Arbeit fort- setzen wird, wo er sie unterbrochen hat, wenn auch vielleicht mit anderen Mitteln als Dr. Lu­ther, so doch mit demselben Ziel: die Stabilität der Währung zu erhalten und die weltwirtschaft­liche Stellung Deutschlands zu verbessern. Die Kölnische Volkszeitung" schreibt: Für den Rachfolger Dr. Luthers ist der zu beschrei­tende Weg deutlich vorgezeichnet. Mag er auch andere Methoden anwenden, das Ziel muß fein und bleiben: festeMarkund solideWirt- schäft. DieRheinisch-Westfälische Zeitung" in Essen sagt: Die Führung der Reichsbank als Verwalterin der flüssigen Reser­ven der deutschen Volkswirtschaft kann nur in vollem Einklang mit der Politik der Reichsregie­rung erfolgen, und dgr Mann, der an der Spitze der Reichsbank steht, muß innerlich vollkommen durchdrungen fein von dem Geist der neuen Zeit und von den Ideen der nationalen Revolution. Dr. Luther wird selber nichts derartiges von sich behaupten wollen. Die Einsetzung der ge­samten Reserven der deutschen Volkswirtschaßtsür diegroßenwirt- schaftspolitischenZieledernationa- len Regierung, die Schaffung von Arbeit und Brot für das gesamte deutsche Volk, für eine Be­freiung und einen neuen Aufschwung der Wirt­schaft erfordert an der Spitze einen Mann, der von der Richtigkeit der von der nationalen Re­gierung vorgesehenen Wege felsenfest überzeugt ist. Dr. Schacht ist für die großen Aufgaben, die der Reichsbank jetzt harren, der richtigeMann. Mit Schacht als Reichsbankpräsident sind alle Voraussetzungen für eine enge Zusammenarbeit zwischen Reichsregierung und Reichsbank gegeben.

zu einer Schematisierung des Geistes führen. Das Ziel muß die innere Harmonie von Freiheit und Einordnung fein.

Gewerkschaften und Nationalsozialismus.

Berlin, 16. März. (ERB.) Unter der Heber- fchriftEine bemerkenswerte Anordnung" veröf­fentlicht der Preußische Pressedienst der RSDAP. folgende Verlautbarung: In diesen Tagen der nationalen Devolution wurden von SA. - Leu­te n in den verschiedensten Städten die Häu­ser der sogenannten freien Gewerk­schaften besetzt. Ein Teil der bürgerlichen Presse glaubt nun aus dieser Tatsache aus eine Gewerkschaftsfeindlichkeit der RSDAP. schließen zu müssen. Nichts ist irri­ger als diese Annahme. Daß der Rational­sozialismus die Gewerkschaft als natürliche Vertretung der Interessen der Handarbeiterschaft bejaht und sich ausschließlich gegen die Verfälschung des gesunden gewerkschaftlichen Gedankens durch eng­stirnige marxistische P a r t e i p o l i t.i k wendet, zeigt der Aufruf des Standartenführers aus Groh-Bochum. Hier heißt es: Wir werden die Gewerkschaftshäuser freigeben, aber die Bonzen zwingen, dem deutschen Arbeiter zu dienen. Marxistische Betätigung ist verboten! | Weiter wird gesagt, daß das Gewerkschafts­gebäude wieder freigegeben wird unter der 1 Bedingung, daß ausschließlich sozial­

politische Fürsorge für die Arbei­terschaft geleistet wird. Jede staatsfeindliche Betätigung jedoch im Dienste des Marxismus wird mit allem Rachdruck untersagt. Diese An­ordnung ist der beste Beweis dafür, daß der Rationalsozialismus den Gewerkschaften eindeu­tig ihre Aufgabe im Dienst für das Volk zu­weist. Diese Arbeit kann aber niemals darin be­stehen, marxistische Parteipolitik zu betreiben.

Sozialdemokratische Akiion in Paris?

Deutsche Sozialdemokraten sollen in Frank­reich erneute Ruhrbe etzunq angeregt haben.

Paris, 17. März. (TU. Drahtmeldung.) In sei­ner Nummer 69 macht derF i g a r o" folgende Ausführungen: Bei den deutschen Sozialdemokraten ist die Verwirrung groß. Wir sind in der Lage, zu versichern, daß eine beträchtliche Anzahl von ihnen geglaubt hat, nach der Schweiz gehen zu müssen. Zehn Sozialdemokraten find nach P a - r i s gekommen, wo sie Unterredungen mit den maßgebend ft en Abgeordneten hatten. Diese Unterredungen hatten feinen anderen Zweck, als bei den Genossen darauf zu bringen, daß die französische Regierung die Wie­derbesetzung der Ruhr in Aussicht nehme. Die Bemerkung sei gestattet, daß diese Herren über­treiben. Wenn ihre Angelegenheiten gut stehen, zö­gern sie nicht, eine antstronzösische Politik zu unter­stützen. Sie wenden sich an uns nur bann, wenn sie anfangen Angst zu haben. Wir glauben nicht, baß

es notwenbig ist, uns Ratschläge zu erteilen, unb baß wir selbst genug wissen, was wir zu tun haben.

Chinesische Gegenoffensive gegen ihc Große Maner.

Schanghai, 17. März. (TA.) Das chinesische Kriegsministerium teilt mit:Am 15. März ha­ben die chinesischen Truppen nach schwerem Ar­tilleriefeuer die Offensive auf der gan­zen Front in Richtung der Großen Mauer aufgenommen. Rach dem vierten Ba­jonettangriff besetzten die Chinesen T s a n p i n - g u a n. Hier werden die Kämpfe noch fortgesetzt. Auch zwischen Schanhaikwan und Tsingwangtau beginnen die chinesischen Truppen eine Offensive auf die japanischen Stellungen. Es gelang ihnen stellenweise die japanische Front zu durch­brechen. Der Chef der dortigen chinesischen Armee hat Befehl gegeben, Schanhaikwan zu besetzen." Das japanische Oberkommando bestätigt den Beginn der chinesischen Offen­sive auf die Große Mauer. Die chinesischem Truppen haben am Mittwoch die Stadt Hsi - f e n g k a u an der chinesischen Mauer nach einem scharfen Gefecht mit den Japanern zurÜck­er o b e r t. 500 Japaner wurden gefangengenom- men und 14 Geschütze erobert. Hsifengkau ist al- östlicher Durchgang von Rordchina nach Dschehol ein wichtiger Stützpunkt. Die Japaner haben neue Infanterie und Artillerieabteilungen nach Hsifengkau geworfen. Vier Divisionen del