Ausgabe 
17.2.1933 Frühausgabe
 
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national gebundenen Mächte Zentrum, Sozial­demokratie und Kommunismus der deutschen Po­litik und dem kulturellen Leben unseres Volkes das Gepräge gegeben. Run soll im Kampf gegen sie die Erneuerung Deutschlands von innen heraus beginnen.

Evangelische Christen, erkennt den Ernst und die Verheißung dieser Wahl­entscheidung. Es geht bei ihr nicht um Einzelparteien und ihre mehr oder weniger be­rechtigten Vestrebungen, sondern um eine po­litische Geisteswende. Laßt deshalb alle Bedenken fahren und kämpft durch eure Stim­men mit dafür, daß die nationale gegenrevolu­tionäre Bewegung auf gesetzlichem Wege zum Siege kommt. Tretet hinter die Männer der gegenwärtigen Regierung, um ihnen Gelegenheit zu schöpferischer Arbeit zu geben. Seid eurer Verantwortung eingedenk. Es geht um Deutschlands Rettung I"

Oie Kandidaten des Christlichsozialen Volksdiensteö für Heffen-Aaffau.

Frankfurt a. M., 16. Febr. (WSR.) Der Christlichsoziale Volksdienst gibt für die Reichs­tagswahl folgende Kandidatenliste für Hessen- Rassau bekannt: Schriftleiter Paul Schmid t- Kas»?l, Pfarrer Karl V e i d t - Frankfurt a. M., Arzt und Stadtrat Wilhelm Rohrbach -Kassel, Landwirt Heinrich Klü se II.-Diedenbergen, Obe-clandesgerichtsrat Wolfram Faber-Kassel. Für die Landtagswahl: Pfarrer Karl Veidt- Franffurt a. M., Arzt und Stadtrat Wilhelm R o h a ch - Kassel, Gewerkschaftssekretär Ewald Otto- Dillenburg, Landwirt Ottto Wicke- Bal­horn (Kr. Wolfyagcn), Steuerinspektor Ernst Kaiser- Corbach (Waldeck).

Oie Kandidaten der Deutschen Volks­partei für Heffen'Naffau.

WSR. Frankfurt a.M., 16. Febr. Die Deutsche Vollspartei stellt im Wahlkreis Hessen- Rassau für die Reichstagswahl folgende Liste auf: Kaufmann Dr. Richard Merton, Frank­furt a. W-: Oberstudiendirektor Dr. Franz Beller, Kassel; Hausfrau Marie Ä o e t h e r, Wiesbaden; Landwirt Friedrich Dinges V., Bad Soden i. T-; Vermessungstechnller Adolf Geyer, Kassel; Amtsgerichtsrat a. D- Dr. Wal­ter Lohmann, Weilburg (Lahn). Für die Wahl zum Preußischen Landtag wurden folgende Persönlichkeiten aufgestellt: Magistratsoberschul­rat Wilhelm Echwarzhaupt, Frankfurta.M.; Hausfrau Dr. Clse Bröllelschen, Goslar a. $>.; Hu i^zrechnungsrevisor Karl Beer es, Frank­furt a. M.

Starke Erhöhung der Heeres- haushalte in England.

London, 18. Febr. (TU.) Die Haushalte der englischen Armee-, Marine- und Luft­fahrt-Streitkräfte werden, wieDaily Te­legraph" meldet im kommenden Haushallsjahr b e - deutend höher fein als im laufenden Finanz­jahr, wo sie durch die allgemeinen Sparmaßnahmen stark eingeschränkt waren. Die Voranschläge würden eine Erhöhung um mehrere Millionen Pfund vorsehen. Die Regierung habe erkannt, daß eine Erhöhung der Ausgaben trotz der weiterhin notwendigen Sparsamkeit unumgänglich sei. Die hauptsächlichste Erhöhung werde der Marine­haushalt, der im vergangenen Haushaltsjahr um 1,1 Millionen Pfund herabgesetzt worden sei, auf­weisen. Da die Stärke der englischen Flotte angesichts der fortgesetzten Vergrößerungen der Flotten in Amerika, Frankreich und Italien einen gefähr­lich niedrigen Stand erreichen würden, falls England keine umfassenden Neubauten vornehme. Die Armee- Ausgaben würden um rund 1 Mil- lion Pfund höher sein, nachdem sie im vergangenen Jahr um 3,5 Millionen Pfund gekürzt worden seien. Die Summe von 1 Million Pfund sei für die Durchführung der territorialen Feld­übungen vorgesehen, die im vergangenen Jahr ge­strichen worden seien. Auch bei den L u f t st r e i t -

Kleine Fahrt.

Don 3o Hanns Rösler.

Dobert von Haugh trat aus dem kleinen Re­staurant. Er blieb einen Augenblill vor der Tür stehen, unschlüssig, streifte seinen rechten Hand­schuh über. Plötzlich bemerkte er, nicht weit von ihm. eine junge Dame, die vor einer kleinen blauen Limousine stand und sich verzweifelt bemühte, die Tür des Wagens zu öffnen. Sie schien nicht älter als zwanzig Jahre zu sein, und ihre großen Augen schauten aus einem Kindergesicht nervös zu ihm herüber. Robert von Haugh trat zu ihr.

Kann ich Ihnen behllflich sein?"

^Das wäre sehr liebenswürdig."

Er brüllte das Schloß kräftig nieder und öffnete mit einer kurzen Bewegung die Tür. Die junge Dame nahm am Volant Platz. Ein wenig zö­gerte sie, bevor sie sagte:

«Darf ich Sie ein Stüll mitnehmen?"

.Gern!"

Wohin?"

Wohin Sie wollen!"

Der Motor sprang an. Die Fahrt ging durch einige belebte Straßen, über drei Plätze und ver­lor sich in den Abendschatten der Vororte. Robert von Haugh lächelte, als er ihre nervösen Bewe­gungen am Steuer sah.

Wohin fahren Sie?" fragte er plötzlich.

An das Ende der Welt."

Ich bin Ihnen sehr dankbar für den Aus­flug."

Sie sah ihn groß an und sagte ernst:

Das ist kein Ausflug. Das ist eine Flucht."

Eine Flucht?'.

Jo!"

Vor wem fliehen Sie?"

Sie antwortete nicht, sondern steigerte noch die Fahrt des Wagens. Rur noch von fern kamen die Lichter der Stadt. Ein breiter Wald tat sich nun vor ihnen auf.

Plötzlich riß sie den Bremshebel heftig zurück. Der Wagen stand.

Halten Sie stets so. gnädige Frau?" lächelte Robert von Haugh.

Stets! Warum fragen Sie?"

Weil mir der Wagen leid tut. Sie vergessen, den Gang zuvor auszuschalten."

Jeder Mensch hat eine andere Fahrtechnik."

Gewiß! Verzeihen Sie!"

Sie errötete und sah ihn lange an.

Ich muß Ihnen etwas gestehen!" sagte sie un­vermittelt.Sie müssen mir helfen."

Die Machen der Gasexplosion in Aeunkirchen.

Oer Bericht des Gewerbeausfichisamts über die Entstehung der Katastrophe.

Saarbrücken, 16. Febr. (WTB.) Das G e - werbeaufsichtsamt veröffentlicht über die Ursache der Explosion des Neunkirchener Gasbebäl- ters eine Erklärung, in der es u. a. heißt: Auf Grund der bisherigen Zeugenaussagen kann be­hauptet werden, daß die erste kleine Ex­plosion, die später die große Behälterexplosion zur Folge hatte, in dem sogenannten U m - gehungsrohr des Gasbehälters entstanden ist. Zur Zeit der kleinen Explosion war dieses Rohr außer Betrieb, da an ihm gearbeitet wurde. Es ist möglich, daß durch irgendeine von den an dem Rohr arbeitenden Arbeitern nicht erkennbare Undichtigkeit Gas in das Rohr gelangt ist. Durch einen Hammerschlag eines Arbei­ters kann dieses Gas zur Explosion ge­bracht worden fein. Tatsache ist, daß die kleine Explosion in dem Augenblick erfolgte, als ein Ar­beiter einen kräftigen Hammerschlag gegen den Kopf einer Stütze tat, auf der das Umgehungsrohr ruhte.

Die weiteren Geschehnisse verliefen folgender­maßen: Durch die kleine Explosion im Umgehungs- rnhr wurde das mit diesem Rohr verbundene Gasaustrittsrohr des Gasbehälters nicht weit von der Stelle, wo es in den Gasbehälter ein- mündet, zertrümmert. Aus der hierdurch ent­

standenen Oeffnung des Gasbehälters trat Gas aus. Es wurde dabei entweder durch die Flamme der ersten Explosion oder durch die bei der Zerreißung des Rohrs natur- notwendig entstandenen Funken zur Entzün­dung gebracht. Da sehr viel Gas ausströmte, die Oeffnung war 65 Zentimeter groß entstand nun eine sehr große Flamme, die an der Außenwand emporschlug. Die Höhe dieser Flamme wird von Zeugen mit 30 bis 50 Meter angegeben, die Breite mit etwa 5 Meter. Fest steht, daß die Flamme höher schlug, als sich die innere Scheibe des Behälters be­fand, die das unten befindliche Gas von der oben befindlichen Luft trennt. Die große Flamme schlug etwa fünf Minuten lang an d e m Be­hälter empor und brachte die aus verhältnis­mäßig dünnem Blech bestehenden Wandungen des Behälters z u m Glühen. Hierdurch ist die Dichtung zwischen Scheibe und Behälterwand im Inneren des Behälters unwirksam gewor­den, so daß Gas aus dem unteren Teile des Be­hälters in den oberen mit Luft ungefüllten Teil ge­langte. Hier bildete sich ein explosives Gas - Luft-GeMifch, das durch die heiße Wandung des Kessels zur Explosion gekommen ist.

kr ästen werde eine Erhöhung eintreten, da zehn Luftgeschwader zur Vervollständigung des Heimat-Verteidigungsplanes erforderlich feien.

Lloyd George gründet eine neue Partei.

London. 15. Febr. (TU.) DieWalliser Liberale Partei", eine neue Oppositions­partei, wurde am Dienstag im Unterhaus ge­gründet. Ihr Präsident ist Lloyd George, der sich damit zum ersten Male wieder aktiv an der Parteipolitik beteiligt. Die Gruppe be­steht aus zehn Walliser Abgeordneten, von denen sechs den Samuel-Liberalen, einer den Simon-Liberalen und drei der ursprünglichen Lloyd-George-Gruppe angehören. Die Partei be-- schloß, das sozialistische Mißtrauens­votum, das am Donnerstag eingebracht wird, zu unterstützen. Die Beteiligung von sechs Samuel-Liberalen ist insofern bemerkenswert, als diese Partei dadurch sechs weitere Mitglieder an die Opposition verliert, nachdem sie vor kurzem beschlossen hatte, die Regierung vorläufig zu unterstützen.

Das Attentat auf Roosevelt.

Noch keine Klarheit über die Motive Zangaras.

Miami, 16. Febr. (WTB.) Die Verneh­mung Guiseppe Zangaras, die immer noch an­dauert, hat bis jetzt keine Klarheit über die Motive seines Anschlages auf Roosevelt ge­bracht. Zangara spricht die Landessprache nur gebrochen, behauptet aber, naturalisierter amerikanischerDürger zu sein. Er scheint sich über die Bedeutung feiner Taten im klaren zu sein. Sein Benehmen erinnert an das eines Menschen, der sich geistig nicht i m Gleich­gewicht befindet. So hat er u. a. erklärt, daß eine große Operationsnarbe in der Rabel- gegend sich bisweilen zusammenziehe und ihm solche Schmerlen verursache, daß er nicht mehr Herr seiner Sinne sei. Während dieser Zustände beherrsche ihn der blinde Trieb, irgendeinen Menschen zu töten. Dann wieder hat er be­hauptet, er habe einen Haß auf die Re­gierung, weil er schon von Kindesbeinen an schwere Arbeit habe verrichten müssen, statt sich auf der Schule Kenntnisse zu erwerben. Zangaras Vernehmungen haben ergeben, daß er vor zehn Jahren plante, ein Attentat auf den König von Italien zu verüben.

Wie er angibt, ist es ihm damals nicht möglich gewesen, sich durch die Menschenmenge bis in die Rähe des Königs durchzudrängen. Der Leiter der amerikanischen Geheimpolizei, Mor­gan. teilt mit, daß sich Zangara als A n a r - ch i st zu erkennen gegeben habe, der sich den Anarchisten Leon C z o l g o s z. der im Jahre 1901 den Präsidenten Mc. Kinley er­mordete. zum Vorbild genommen habe.

Der Reichspräsident und dieReichs- regierung haben den deutschen Botschafter in Washington beauftragt, dem Präsidenten Hoover ihre Genugtuung über das Mißlingen des Attentates auf Roose­velt zum Ausdruck zu bringen.

Kleine politische Nachrichten.

DaS 2 e i ch s g e r i chpt hat auf die Beschwerde desD o r w L r t-s" hin entschieden, daß das vor etwa 14 Tagen erfolgte dreitägige Verbot des sozialdemokratischen Zentralorgans, das wegen der Veröffentlichung des sozial- demokratischen Wahlaufrufes erlassen worden war. zu Anrecht ergangen sei. und deshalb aufgehoben werde.

Durch Verfügung des Regierungspräsidenten in Düsseldorf ist das Verbot der kommunistischen TageszeitungFreiheit" in Düsseldorf und Ruhr - Echo" in Essen mit ihren Blättern, das vom 1. bis 23. Februar befristet war, u m die Hälfte verkürzt worden, so daß die genannten Zeitungen am 15. d. M. wieder erscheinen konnten.

Der Polizeipräsident von Berlin hat die im Llllstein-Verlag erscheinende ZeitungT e m p o" bis zum 23. Februar verboten. Anlaß zu diesem Verbot hat eine RotizVerstimmung in der Burgstraße, Aktien unter Druck" gegeben, die of­fenbar bewußt eine falsche Darstellung der Dörsentendenz gab, die geeignet ist. das Vertrauen größerer Kreise der Bevölkerung in die Zielsicherheit und Richtigkeit der Aegie- rungsmaßnahmen zu erschüttern,und damit bei der augenblicklichen gespannten Lage lebenswichtige Interessen des Staates $u gefährden.

Der Reichskommissar für das preußische Mini­sterium des Innern Reichsminister Göring hatte mit dem Regierungspräsidenten von Aachen S t i e l e r eine grundsätzliche Aussprache, in de­ren Verlauf Reichsminister Göring den Regie-

Gern!"

Sie zögerte.

Ich habe Angst, es Ihnen zu sagen."

Er legte leise seine Hand auf ihren Arm.

Ist es so schlimm?"

Ja! Sehr schllmm! Ich habe gestohlen!" Gestohlen? Lind warum sagen Sie es mir?" Sie senkte den Kopf.

Well ich Vertrauen zu Ihnen habe. Weil ich es wieder gutmachen will. Es war eine Dumm­heit von mir. es zu tun. Aber ich konnte nicht widerstehen. Lind dann kamen Sie. Sie halfen mir. Es ging alles so leicht."

Ich habe Ihnen geholfen?"

Ja! Sie haben mir geholfen. Ohne Sie hätte ich es nie fertig gebracht, ohne Sie hätte ich nie den Mut dazu gefunden. Sie sind schuld daran, daß ich gestohlen habe!"

Was haben Eie denn gestohlen?"

Tränen traten ihr in die Augen. Ihre Stimme zitterte.

Das Auto."

Dieses Auto? Diese blaue Limousine?"

Sie nickte.

Werden Sie mir helfen? Ich will auch alles tun, was Sie von mir verlangen."

Alles?"

Alles!"

Plötzlich nahm Robert von Haugh ihren Kopf in seine Hände und küßte sie auf den tränen­feuchten Mund. Willenlos lag sie in seinem Arm. Dann riß sie sich los.

Was erlauben Sie sich?"

Ich habe Sie bestraft."

Eie haben mich nicht zu bestrafen!"

Wäre es Ihnen lieber, wenn der Eigentümer des Wagens Sie so büßen ließe?"

Ihre Augen blitzten zornig auf.

Bestimmt! Er hat wenigstens ein Recht dazu!"

Da nahm Robert von Haugh sie zum zweiten Male in seine Arme und küßte sie immer und irymer wieder.

Aber...."

Schweig'!" sagte er und verschloß ihren Mund mit Küssen.Ich habe mich schon die ganze Fahrt über auf dieses Geständnis gefreut. Schon, als ich Ihnen die Tür des Wagens öffnete."

Sie war fassungslos.

Ja, wußtest du denn, daß der Wagen nicht mir gehört?"

Ratürlich!"

Woher?^

Er lächelte:

Well eS mein Wagen iftr

Kinder.

Von Hans Riebau.

Wenn ich vier Wochen ganz artig bin", er­zählt Ilse,bekomme ich ein Fahrrad. Aber ich glaube, so lange kann ich gar nicht artig sein."

»Och", zuckt Peterle die Achsel,nicht so schlimm. Mein Vater hat mir auch so was ge­sagt. Lind dann habe ich zwei Fensterscheiben eingeworfen, die Lisa verhauen und die ganze Erdbeermarmelade aufgegessen. Lind als die Zeit rum war, habe ich das Brüderchen doch ge­kriegt."

e

Die Mutter räumt das Wohnzimmer auf. Die Mutter hat es eilig. Martha, das Mädchen, wischt Staub.

Martha", ruft die Mutter,gehen Sie doch mal schnell in den Garten, sehen Sie nach, was die Kinder machen und sagen Sie, wenn sie nicht sofort damit aufhörten, käme ich selbst!"

Klaus wird zu Bett gebracht.Ach", seufzt er, ich möchte mal träumen."

Träumen?" lacht die Mutter,weißt Du denn überhaupt, was ein Traum ist?"

'türlich", sagt Klaus,ein Traum ist Kino, wenn man schläft."

«

Herbert ist zum Schlittschuhlaufen gewesen. Herbert kommt erst um zehn Llhr, als es längst dunkel ist, nach Hause.

Llnerhört", sagt der Vater,so spät zu kom­men! Als ich so alt war wie Du, hat mein Vater streng darauf geachtet, daß ich abends um neun Llhr im Bett lag."

Ra", verzieht Herbert den Mund,da muß Dein alter Herr ja ein vorsintflutlicher Päda­goge gewesen sein."

Llnerhörte Frechheit!" ruft der Vater, und seine Stimme zittert vor Erregung,mein Vater war ein hundertmal besserer Pädagoge... als Deiner."

Der Lehrer nimmt die Personalien auf.

Harne?

Gustermann."

Vorname?"

Peter."

Religion?"

Zwei bis drei."

rungSpräsidenten in Anerkennung seiner Amts­führung ersuchte, sein Amt weiter fort» zuführen. Die Beurlaubung des Regierungs­präsidenten von Aachen ist damit aufgehoben.

Die Kommissare des Reiches haben beschlossen, den Landrat a. D. S a r r a z i n in Kassel zum Polizeipräsidenten in Bochum zu er­nennen.

Die KreuzerLeipzig" undEmden" wer­den Ende des Monats auf Befehl des Chefs der Marineleitung Admiral Dr. h. c. Rael^r zur Durchführung artilleristischer Erprobungen im At­lantik von Wilhelmshaven auslaufen. Die Rück­kehr der beiden Schiffe ist für Mitte März vorge­sehen.

e

Oekonomierat Dr. Schi ft an hat in freund­schaftlicher Vereinbarung mit der Leitung der DVP. seine Beziehungen zur Parteiorganisation gelöst. Der Grund dieser Entscheidung liegt in der verschiedenartigen Beurteilung wirtschaft­licher Einzelfragen zwischen Schiftan und der Ge­samtpartei.

*

Die belgische Regierung hat sich entschlossen, dem Wunsche des Königs zu enriprecyen und weiter im Amte zu bleiben.

/ Kunst und Wissenschaft.

/ Sie Vorgänge

in der Preußischen Akademie der Künste.

Berlin, 16. Febr. (WTB.) Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichskommisfar für das preu­ßische Kultusministerium Rust hatte den Präsi­denten der Preußischen Akademie der Künste Max v. Schilling ersucht, eine Stellungnahme der Akademie zu einer Frage herbeizuführen, die für ihn von entscheidender Bedeutung seü> Heinrich Mann, der Vorsitzende der Abtei­lung für Dichtkunst an der Akademie der Künste, hatte einen Aufruf mitunterzeichnet, der mehrere Tage lang an den Berliner An­schlagsäulen angebracht war. In ihm wurde zur Bildung einer einheitlichen Front der SPD. und der KPD. aufgerufen, da­mit man nicht in der Barbarei versinke. Deo Aufruf schloß mit dem Appell: Setzt die Verant­wortlichen unter Druck!

Der Reichskommissar führte gegenüber dem Akademiepräsidenten aus, daß er für die Haltung des Vorsitzenden der Abteilung für Dichtkunst die Körperschaft als solche verant­wortlich machen müsse, und zunächst an die Aufhebung der Dichterabteilung gedacht habe. Deichskommissar und Akademiepräsident kamen dann darüber überein, daß zunächst die Ge­samtakademie selbst Gelegenheit haben müsse, zu dem Verhalten Heinrich Manns Stel­lung zu nehmen. Demgemäß berief der Präsident beschleunigt eine Vollsitzung i>er. Aka­demie für den gleichen Tag ein. Diese Sitzung wurde nach § 23 der Akademiesatzung durch ein­stimmigen Beschluß für vertraulich erklärt.

Außerhalb der Sitzung jedoch fand eine Aus­sprache zwischen dem Präsidenten und Heinrich Mann statt. Hierbei erklärte Heinrich Mann sich bereit, sein Amt als Vorsitzender der Ab­teilung für Dichtkunst nieder zulegen und aus der Akademie auszuscheiden. Cr erkannte dabei an, daß der Präsident nicht anders habe handeln können, da er an das Wohl und das Bestehen des Ganzen denken müsse. Im Ver­laufe der Sitzung erklärte auch Stadtbaurat Mar­tin Wagner seinen Austritt aus der Akademie. Bereits am gestrigen Rachmittag hatte sich Frau Professor Käthe Kollwitz entschlossen, auf ihre Mitgliedschaft in der Akademie zu ver­zichten.

Friedrich Schnack im Insel-Verlag.

Der Dichter Friedrich Schnack, dem wir eine Reihe schöner Vers- und Prosabücher wieDas blaue Geisterhaus",Die Orgel des Himmels",Se­bastian im Wald",Goldgräber in Franken",Das Leben der Schmetterlinge" verdanken, ist mit seinen bisherigen und künftigen Werken aus dem Verlag von Jakob Hegner in den Insel-Verlag, Leipzig, übergegangen.

Wie heißt das zehnte Gebot?" fragt der Lehrer.

(Sie sollen nicht begehren Ihres Höchsten Weib", sagt Heino.

Erstens", lächelt der Lehrer,ist das nicht bad zehnte Gebot, und zweitens: Warum sagst Du Sie"?"

Ich darf doch", stotterte Heino,ich darf doch nicht Du zu Ihnen sagen."

Zeitschriften.

Im Februarheft derDeutschen Zeit­schrift" (Callwey, München) tritt u. a. Paul Al« oerbes im LeitaufsatzVom Trost der Dichtung" der einseitigen und überhitzten Forderung entgegen, daß es heute einzig und allein Ausgabe der deutschen Dichter und Schriftsteller sein dürfe, ihre Kräfte sich in derpolitischen Provinz" auswirken zu lasten und daß dieästhetische Provinz" heute keine Existenz­berechtigung habe. W. A. Briccius stellt nüchtern sach­lich fest, daß wir noch mit einerfortdauernden Wirt« schaftsdepression" zu rechnen haben. Karl Megerle mahnt in seinem BeitragKamps um Oesterreich" eindringlich, Oesterreich als einendeutschen Eckstein" zu erhalten. Die lebendig wiedergegebenenEin» drücke aus Sowjetrußland" von Hanns Braun, die ErzählungMary" von I. Schmeljow, die Erfah­rungen eines Teilnehmers an einem Arbeitsdienst­lager, die kritische Fllmübersicht von W. Petzet u. a. m. runden den Inhalt des vielseitigen Heftes ab.

Das Februarheft derZeitwende" (C. H Deck'sche Verlagsbuchhandlung, München! bringt Bismarcks letztes Gebet für Deutschland wenige Tage vor seinem Ende. Seine Tochter, die im Hebenzimmer für ihn wachte, hörte es durch die offene Tür. Der Wortlaut wird jetzt von Pro­fessor A O. Meyer zum erstenmal mitgeteilt In seiner eindringlichen Schlichtheit bildet dieses Ge­bet einen ergreifenden Abschluß der bedeutsamen Ausführungen A. O. Meyers überBismarcks Glaube im Spiegel der Losungen und Lehrtexte", die uns neue tiefe Einblicke in Bismarcks Innen­leben gewähren. Eröffnet wird das Heft durch eine Betrachtung von Paul Althaus ÜberDie Wirklichkeit Gottes", hinter der ganz unmittelbar die Wirklichkeit des heutigen Lebens steht. AuS dem übrigen Inhalt des Heftes seien noch Werner BetckesGedanken zur Wirtschaftsethik" und Ru­dolf Steglichs Beitrag überDie Christusgestalt in der deutschen Passionsmusik" hervorgehoben.