Nr. 41 Erstes Blatt
185. Jahrgang
Freitag, 17. Zedruar 1933
Erichein, tägltct), außei Sonntag» onb Feierlag» Beilagen: Die Onuftnertt (Bießener Familienblalter Heimat m Dild Die Scholl, monatsBejngsprels:
Mil 4 Beilagen Uli 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr. . -.25
Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.
Kernsvrechanschlüste unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Sieben, pokschecttonto: jtronlfurt am Main 11686.
GietzemrAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vrrck vnd Verlag: vrühl'sche UnweisttSlr-vuch' und Sleinbrudcret 8. Lange in Siehrn. Schrtftlettim- und Seschästrstelle: Zchuldtrahe 7.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi, zum Nachmittag vorher.
Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr.
Thefredakteur
Dr. Friedr. Will). Lange. Derantworllich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein undlürdenAn- zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in Gierzen.
Schwarze Tage am Michigansee.
Oer Bankkrach in Oeiroii. — Rückwirkungen auf die amerikanische Wirtschaft.
Die Stteichtenmg der Satten in den Ssziaiverordnungen.
Berlin, 17. Febr. (CNB. Funkspruch.) Die be- absichtigte Erleichterung verschiedener Harten in der S o z i a l v e r s i ch e r u n g und der Reichsoersorgung wird für Ende dieser Woche erwartet. Im Rahmen einer Notverordnung werden wesentliche Teile der Notverordnung vom 14. Juni 1932 abgeändert werden. Vor allem die Bestimmungen über das Ruhen der Renten aus der Invalidenversicherung und der Kriegsbe- schädigtenfürsorgc. Die Ium-Notverordnung bestimmte, daß unter gewissen Voraussetzungen bei Doppelempfängern eine der beiden Renten zu ruhen habe. Die dadurch entstandenen Härten sollen jetzt beseitigt werden. Das finanzielle Ausmaß wird auf 24 Millionen Reichsmark jährlich beziffert. Auch die Vorschriften über die Anrechnung der Renten aus der Reichsoersorgung und der Beamtenpension auf Leistungen aus der Sozialversicherung sollen in der Form geändert werden, daß mindestens ein Drittel der Leistungen aus Invaliden- und Angestelltenversicherung bzw. Knappschaftsversicherung zahlbar bleibt. Von diesen Leistungen soll in Zu- fünft höchstens ein Betrag von monatlich 50 Reichsmark gekürzt werden. Außerdem wird die Altersgrenze für die Kinderzulagen und Waisenrenten vom 15. auf das 16. Lebensjahr erhöht werden. Hinsichtlich der Frage der 5 0 - P f e n n i g - Krankenscheingebühr rechnet man damit, daß eine Herabsetzung auf 25 Pfennig erfolgen dürfte.
Sie neuen poüiciDräfihenten.
Unter den neuen Polizeipräsidenten in Preußen ist die interessanteste Erscheinung zweifellos der neue Polizeipräsident von Berlin, Konteradmiral von Levehow. Gr war bereits vor dem Krieg Stabschef der Kreuzerdivisivn auf der ostamerikanischen Station, die 1903 die Blockade gegen Venezuela durchzuführen hatte Bei Kriegsausbruch war er Kommandant des Schlachtkreuzers Moltke, der an der Beschießung von Varmouth und Hartlepool, sowie an der Seeschlacht an der Doggerbank beteiligt war. 1916 wurde Levehow Ches der Operationsleitung des Kommandos der Hochseestreitflotte und nahm auf diesem Posten an der Skagerrak-Schlacht teil. Als 1917 ein Flottensonderlommando zu einer Expedition gegen Oesel und Dagö zusammen- gestellt wurde, erhielt Levehow das Kommando. Nach Durchführung der Expedition wurde er mit dem Pour le Merite ausgezeichnet. 1918 war er Ches des Stabes der obersten Seekriegsleitung im Obersten Hauptquartier, von Januar bis März 1920 als Konteradmiral Chef der Marinestation der Ostsee. Wegen angeblicher Beteiligung am Kapp-Putsch wurde er im April 1920 in Schutzhaft genommen, das gegen ihn eingeleitete Verfahren wegen Hochverrats muhte aber eingestellt werden.
Ein zweiter Seemann wird Polizeipräsident von Harburg-Wilhelmsburg, Kapitän Karl Christiansen, ein Bruder des bekannten vo-X-Kommandanten. Er ist evangelisch, stammt aus einem friesischen Seefahrergeschlecht, hat von der Piele auf in der Handelsmarine gedient und war im Kriege Kapitänleutnant der Reserve. Als Kommandant des „Sperrbrechers A“ gelang es ihm, die englische Blockade zu durchbrechen und den deutschen Truppen in Ostafrika, die unter Lettow-Vorbeck kämpflen, Munition zu bringen. Der neue Polizeipräsident von Dortmund, der Landtagsabg. S ch e firn a n n, war Vollsschu.lehrer und wurde wegen nationalsozialistischer Betätigung ohne Pension entlassen. Auch er ist Kriegsteilnehmer und wurde dreimal verwundet, davon zweimal schwer. Der neue Polizeipräsident von Hannover, der nationalsozialistische Reichstagsabg. Lutze, ist katholisch, war Postpraktikanl und gehörte im Weltkrieg dem Infanterieregiment 55 in Höxter an. Zuletzt war er Adjutant und wurde wegen Verlust des linken Auges Mitte 1919 verabschiedet.
Reichsmmister Göring über die Personalveränderungen.
Barlin, 17. Febr. (CNB. Funkspruch.) Bei einem Pre'seempfang äußerte sich Reichsminister Göring zu den von ihm in diesen Tagen durchgeführten Personalveränderungen in Preußen. Wie ein Berliner Dormittagsblatt meldet, teilte er dabei u. a. mit, daß ihm jegliche Rachemotive bei seiner Personalpolitik fern lägen. Wenn ein Beamter eine im nationalen Sinne hohe Le.stung aufzuweisen habe, so versöhne das ihn, den Minister, mit einem Dutzend gemachter Fehler. Die mittlere und untere Beamtenschaft würde demnächst in gleicher Art wie die leitenden Beamten überprüft werden. Hier unterscheide er allerdings genau,_ wie weit diese unteren Beamten lediglich Austrägee ihrer vorgesetzten Dienststellen gehorsam ausgekührt hätten und wie weit sie darüber hinaus sich zu selbständigen Schikanen der damaligen Opposition hätten hin- reißen lassen. Der Ersatz werde künftighin nur aus national eingestellten Männern genommen werden. Eine völlige Um- Organisation sei auch bei der Kriminalpolizei notwendig, die in die Lage verletzt werden müsse, eine radikale Bekämpfung des Verbrechercuius durchzusühren. Besondere -Zeiten erforderten besondere Maßnahmen, und diese werde er in kurzem treffen.
-3m Staate Michigan, dem Hauptsitz der amerikanischen Autoindustrie, ist eine schwere Dankenkrise entstanden, die den Gouverneur des Staates veranlaßt hat, ein einwöchiges Moratorium für alle Danken des Landes zu erklären. Allerdings ist es den Danken nachträglich freigestellt worden, den Zahlungsaufschub nach Belieben abzukürzen, jedoch haben von diesem Anerbieten nur einige kleinere Danken Gebrauch gemacht, während rund 600 Danken und Sparkassen mit insgesamt 1,6 Milliarden Dollar Kapital und Reserven ihre Schalter geschlossen haben.
Ihren Ausgang nahmen die Schwierigkeiten von der Union Guardian Trust C o., deren Kapital etwa 60 Millionen Dollar beträgt. Dieses Finanzinstitut ist seit Beginn des Jahres 1932 zum größten Teil in den Besitz der Ford-Werke gelangt, so daß es als eine Art Privatbank dieses Konzerns anzusehen ist. Vielfach wird nun angenommen, daß diese Bank den Angriffen der Konkurrenzbanken und der hinter diesen stehenden Automobilfabriken erlegen sei, und daß dies nicht mehr und nicht weniger als den finanziellen Zusammenbruch der Fordwerke bedeute. Offiziell wird die Dankenschließung daraus zu- rückgeführt, daß Ford sich geweigert hat, von der staatlichen „Wiederaufbaugesellschaft", der Financc Reconstruction Corporation neue Kredite aufnehmen zu lassen, um die Union- Bank zu retten. Die anderen Großkunden der Bank, hauptsächlich General Motors und Chrysler, hatten aber die Aufnahme weiterer Kredite gebilligt. Darauf zog Ford seine Guthaben in Höhe von 7,5 Millionen Dollar zurück. Der Gouverneur führt noch aus, daß Ford sich geweigert habe, den kleinen Einlegern Vorrang zu lassen und zu warten, bis die Dank genügend Barmittel herbeigeschafft habe. Deshalb sei die Schließung im Interesse der kleinen Konteninhaber erfolgt
Von anderer Seite wird demgegenüber erklärt, daß schon seit dem Samstag der vergangenen Woche ununterbrochen Verhandlungen stattge- funden haben, um für die Fordbank eine Au f - fang-Gesellschaft zu schaffen, und daß sich die Verhandlungen deshalb zerschlugen, weil andere Autofirmen, insbesondere die General-Mo- torS, keine Neigung zeigten, dem Ford-Konzern die nötige Unterstützung zu gewähren. Da nun der Union-Guardian Trust das Rückgrat des Bankwesens im Staate Michigan bildet, und sein Bankerott unabsehbare Folgen hätte, blieb dem Gouverneur nichts anderes übrig, als ein allgemeines Moratorium zu erklären, um einen Run auf die Banken zu verhüten. Diese Version klingt bedeutend glaubwürdiger, und es wäre auch unve stündlich, daß man wegen 7,5 M llionen Dollar die gefam.e Donleneinrichtung e.n:s Staates in Gefahr bringen will.
Die Einzelheiten der Entstehung der Krisis sind aber nicht so bedeutsam wie die Tatsache, daß die Lage ernst genug war und ist, um das
Beneschs Werk.
Der Pakt der Kleinen Entente.
Prag, 16. Febr. (CRB.) Außenminister Dr. B e n e s ch erklärte dem Tfchechos.owakischen Prefsebureau, der unterzeichnete- Pakt bedeute in der Entwicklung der Kleinen Entente einen Kulminationspunkt, der aus dem gegenwärtigen Block eine starke internationale Einheit mit einer festen außenpolitischen Linie bilde. Der Pakt wolle weiter betonen, daß alle drei Staaten sich ihrer heutigen und künftigen gemeinsamen Aufgabe bewußt seien und ihre Position in Mitteleuropa vor allem durch eigene Kraft und eigene Arbeit behaupten wollten. Sie wollten ein durchaus klares Verhältnis zu den Rachbarstaaten und den europäischen Großmächten, ein Verhältnis voller Sicherheit und Unabhängigkeit, aber auch ein Verhältnis der loyalen Zusammenarbeit und Freundschaft.
Unser politischer Pakt, so sagt Dr. Denesch, will allen sagen: Wir wünschen in Ruhe und Frieden arbeiten zu können. Wir wollen Frie- benä- und Konsolidierungsarbeit ohne Unterschied allen gegenüber leisten, insbesondere in der wirtschaftlichen Zus ammen- arbeit mit allen unseren Nachbarstaaten. Falls aber jemand unsere Rechte und Interessen a n t a ft e n würde, werden wir uns fest, entschieden, treu und solidarisch zur We h r setzen. Abschließend meinte der tschechoslowakische Außenminister, er sehe in dem erfolgten Ausbau der Kleinen Entente eine Bürgschaft für die ungestörte, gesunde politische und wirtschaftliche Entwicklung Mitteleuropas.
Italien stark beunruhigt.'
Rüstet Frankreich aus dem Balkan?
Mailand, 16. Febr. (TU.) „Popolo d'Jtalia" nimmt von neuem äußerst scharf gegen Frankreich Stellung, wobei er insbesondere Frankreichs militärische Vorbereitungen in den Südost st aalen beleuchtet. Er tocift darauf hin, daß in den letzten Tagen aus einer bekannten tsche- 1 chischen, aber von französischer Finanz und dem
sofortige Eingreifen der höchsten Stellen in den Vereinigten Staaten zu veranlassen. Es handelt sich ja bei den Schwierigkeiten nicht um ein einzelnes Unternehmen. Der Staat Michigan ist das Zentrum der amerikanischen Automobllindustrie, und es sind im ganzen etwa 400 Banken in Mitleidenschaft gezogen. Die amerikanische Kraft- fahrzeugindustrie ist eine der wichtigsten Industrien Amerikas überhaupt. In den Vereinigten Staaten werden alljährlich mehr Automobile her- gestellt als in der ganzen übrigen Welt zusammengenommen. Jede Bedrohung dieser Industrie kann also sehr leicht das Ausmaß einer nationalen Katastrophe annehmen. Es ist also verständlich, wenn man in der
französischen Generalstab kontrollierten Waffen- sabrck 240 Kanonen herausgegangen und durch rumänisches Gebiet nach Südsla- wiengeschafst worden seien. Gleichzeitig habe man in Oesterreich eine gefährliche Spionageorganisation entdeckt, deren Leitung anscheinend bei dem französische nMilitärattache in Wien liege. Französische Kanonen und Spionen bewegten sich vonPrag nach Wien, Budapest und Belgrad, und es sei Paris, das diese Dinge leite und regele. Jetzt werde Oesterreich, das sich durch die Darlehensversprechungen Frankreichs nicht habe erpressen lassen, mit einem Rückzug der französischen Kredite bedroht. Der Grund sei klar: Oesterreich bilde die Scheidewand zwischen den beiden französischen Vasallen, Tschechoslowakei und Südslawien, und bei seiner heutigen Einstellung sei es ein evi - dentesHindernis für die Ausführung der Pläne des französischen Generalstabs, der an diesem Abschnitt Europas Militäraktionen bedeutenden Ausmaßes plane, die sich gegen Italien richten sollten. Der „Friedenswille" Frankreichs sei offenbar und die „Harmlosigkeit" seiner Vorbereitungen sei augenfällig, bemerkt das Blatt ironisch.
Alexandra Tolstoi protestiert gegen das Sowjetregime.
London, 15. Febr. (CNB.) Vor 25 Jahren hat L e o T o l st o i seinen berühmten 2luffah „I ch kann nicht schweigen" veröffentlicht, in dem er gegen die von der damaligen russischen Regierung geplante Hinrichtung von 20 Revolutionären protestierte. Heute veröffentlicht „Morning Post" einen Brief der Tochter des großen russischen Dichters. Unter Hinweis auf das Vorgehen ihres Vaters erklärt sie u. a., im nördlichen Kaukasus würden jeden Tag laufe n b e von Menschen erschossen oder in die Verbannung geschickt. Seit 15 Jahren habe das russische Volk in Sklaverei gelebt und Hunger gelitten. Aufstände würden unterdrückt mit einer Grausamkeit, wie Rußland sie seit Iwan
ganzen Welt an den Vorgängen in Michigan und Detroit lebhaften und sorgenvollen Anteil nimmt. Andererseits liegt aber in dem ungc- M heuren Ausmaß der amerikanischen Automobilindustrie auch die Gewähr dafür, daß keine Sicherheitsmaßnahme, die Erfolg haben könnte, unterlassen wird. Wir dürfen also hoffen, daß die Krisis in Detroit lokalisiert werden kann. Sollte daraus ein neuer Impuls zur Sanierung der amerikanischen Zustände entstehen, dann kann sich die Gefahr von heute vielleicht morgen als die Kraft erweisen, die wohltätige Wirkungen auslöst. Der Krach von Michigan ist ein Warnungssignal und. wie wir hoffen, eines, das im rechten Augenblick erfolgte.
dem Schrecklichen nicht mehr erlebt habe. In Kuban seien ganze Familien hingerichtet und 45 000 Personen, darunter Frauen und Kinder, in die Arbeitslager von Sibirien, das heißt in den sicheren Tod geschickt worden. Nach einem Appell an den Völkerbund schließt Alexandra Tolstoi: Ich wende mich an alle, die noch den Glauben an die Verbrüderung der Menschheit haben: Religiöse Menschen, Schriftsteller, Arbeiter, Mütter und Frauen, verteidigt Euch in einem gemeinsamen Protest gegen die Grausamkeiten, die an 160 Millionen wehrlosen Russen begangen werden!
Oie Nundfunkstörung der Stuttgarter Hitler-Rede.
Untersuchung des Sa'wtageaktes.
Stuttgart, 16. Febr. (WTB.) Dom Polizeipräsidium wird milgeteilt: Entgegen anders lautenden Behauptungen war die Ueberwachung der Kabelleitung von der Stadthalle zur Post, durch deren Zerstörung die Uebertragung der Rede des Reichskanzlers auf den Rundfunk unterbrochen wurde, vom Telegraphenbauamt, dem auch als einziger Stelle die Führung dieser Leitung bekannt war, mit eigenen Kräften durchgeführt. Dieser Ueberwachungsdienst hat auch einen an anderer Stelle unternommenen Versuch,, die Kabel zu verstören, durch Derscheuchung der Täter verhindert.
*
Zu den im Zusammenhang mit der Rundfunkstörung der Reichskanzlerrede vom Reichspostmini- slerium gegen Stuttgarter Postbeamte getroffenen Maßnahmen schreibt der „Schwäbische Merkur": Die Sendeunterbrechung kann nur durch kommunistisch eingestellte Telegraphenbauarbeiter oder deren Anhänger geschehen sein. Sie ist aufs schärfste zu mißbilligen. Zu bedauern aber ist, daß man nun gegen Beamte der Reichspost, die sich in fahr, zehntelanger Tätigkeit um die Po st in Württemberg verdient gemacht haben und sich in Stuttgart über ihren Kollegenkreis hin- aus des größten Ansehens erfreuen, in so rigoroser Weise vorgeht und nicht einmal das Ergebnis der Untersuchung ah-
Die Schöffe auf Roosevelt.
Oie Hintergründe des Attentats aus den künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten.
Das Attentat auf den neugewählten Präsidenten Roosevelt beleuchtet schlaglichtartig die inneren Verhältnisse der Vereinigten Staaten, die alles andere als ideal sind. Mehr als 17 Millionen Erwerbslose bevölkern nach amtlichen Schätzungen die Städte und Dörfer, siebzehn Millionen Amerikaner sind heute in der Union zu viel vorhanden. Bisher gewohnt, aus dem Vollen zu schöpfen, können die Opfer der Weltwirtschaftskrise noch immer nicht mit ihrer veränderten Lage fertig werden. Das zeigen die sich stets erneuernden Hungermärsche, das haben die betrüblichen Vorfälle in Washington bewiesen. Ist es da verwunderlich, wenn hemmungslose Demagogen die Leidenschaften und niedersten Instinkte aufzupeitschen vermögen? Ninxmt es da wunder, wenn eines Tages ein Irregeleiteter zum Revolver greift, um führende Männer niederzuschießen? Wir sind weit da 'M entfernt, für den Attentäter um mildernde Umstände zu bitten oder gar seine Tat zu entschuldigen. Sie ist ebenso scharf und unerbittlich zu verurteilen, wie jeder andere Mord, wie jede Vernichtung von Menschenleben.
Die Schüsse von Miami geben aber doch zu denken, weil es sich bei dem Attentäter weniger um ein Opfer der allgemeinen Arbeitslosigkeit als um einen Mann handelt, der die unerfreulichen sozialen Verhältnisse der Union benutzen wollte, um durch die Tötung des künftigen Präsidenten die a n a r - chistischen Elemente zum Handeln zu bringen. Es wird zwar davon gesprochen, daß Zangara ebensogut auch ein Werkzeug der Unterwelt sein könnte, um Persönlichkeiten wie Roosevelt und Cer- mak, die ihr dereinst noch gefährlich werden könnten, rasch und sicher zu beseitigen. Aber daran glauben wir vorerst nicht, zumal der Attentäter selbst zugegeben hat, daß er schon vor zehn Jahren den italienischen König erschießen wollte.
Das es aber in den Vereinigten Staaten eine Verbrechergilde gibt, die nicht nur schwer bewaffnet ist und große Städte terrorisiert, sondern auch über weitreichende Beziehungen verfügt, nimmt ebenso sehr gegen die Union ein wie das Fehlen eines ausreichenden sozialen Schußes für Arbeitslose und Kranke. .Würde Amerika über ein ähnliches System der Fürsorge für Arbeitslose und Hilfsbedürftige verfügen wie das Deutsche Reich, bann brauchten nicht von Zeit zu Zeit Militär und Polizei in großem Aufgebot gegen die unruhigen Elemente der Erwerbslosen vorzugehen. Dann würde es aber auch an dem notwendigen Nährboden für anarchistische und bolschewistische Pläne fehlen, für die sich von Jahr zu Jahr eine steigende Zahl amerikanischer Bürger erwärmt.
Die unmittelbare Folge des Attentats von Miami wird natürlich ein scharf anti- bolschewistischer Kurs sein, von dessen Rückwirkungen auch das Verhältnis zur Sowjetunion nicht verschont bleiben wird. Diejenigen, die dauernd auch vor der leisesten Berührung mit Sowjetruhland gewarnt haben, werden es sich nicht nehmen lassen, dafür zu sorgen, daß, politisch verdächtige Elemente mit drakonischer Strenge verfolgt werden. Doch das alles wird nichts nützen, wenn die Arbeitslosigkeit bleibt. Erwerbslose sind nun einmal verderblichen Einflüssen leicht zugänglich. Davon wissen wir in Europa ein Lied zu fingen. Gäbe es bei uns statt der sechs Millionen Arbeitslosen nur eine halbe Million, dann gäbe es für uns- keine bolschewistische Gefahr, keine bürgerlriegs- ähnlichen Zustände, aber auch keine Hetzer und Wühler, unter deren Einfluß besonders haltlose Menschen sich bereit finden, den Mord und das Attentat zum politischen Kampfmittel zu erheben.
r c
0 ). n 6 B«
r n- n- n, r» n, 9C en
en er«
ige rch Ult
leit rus rle,
s- um er- be- ler- um seit tal- 3c- Cä- der ies- das für
hier iber Itoel !an- ms- or - s e n uf- ffen
sei- Bet- nach urch mgs über bige chen ab- »ruck gern sich derber-
und den. 'fach und rülb,
9rab gens num
cm kürz:


