Ausgabe 
17.2.1933 Erstes Blatt
 
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wartet. Das war man wir sprechen das mit Nachdruck aus seither in Württemberg nicht ge­wohnt. Die Beamten haben, wie uns versichert wird, von sich aus getan, was sie konnten. Bom Telegraphenbauamt war sogar für alle Fälle e i n besonderes Kommando bereitgestellt, um einzugreisen, wenn sich irgendwo eine Störung zeigen sollte. Alle Stellen des Kabels zu schuhen, war ein Ding der Unmöglichkeit. Man hätte sonst vor leben Kabelkastcn einen Schuhmann stellen müssen. Der Mühlackersender war durch ein beson­deres Landjägerkommando überwacht und vor Störungen gesichert.

Die deutschnationalen Heichstags- kandidaten für Hessen.

Frankfurt a. M., 16. Febr. Der erwei­terte Landesvorstand derHessischen Deutschnationalen Volkspartei trat zu einer außerordentlichen Tagung in Frankfurt zusammen. Der LandeSvors'.hende, Rechtsanwalt L u c t u S - Mainz, erstattete Bericht über den RcichSparte'.tag in Berlin. Die Politik des Par­teiführers wurde von der Versammlung einmütig gebilligt. Für die RcichstagSliste wurden die Kandidaten der letzten Wahl wieder aufgestellt. Die Liste beginnt mit den Hamen: Reichsminister Dr. Hugenb.erg, Landwirt Lahr, Syndikus M e e s in a n n. An den Führer Dr. Hugenberg wurde ein Huldigungstelegramm geschickt.

Generalversammlung des Reichsbanners.

Berlin, 17. Febr. (ERB.) Das Reichsbanner hält in der Zeit vom 16. bis 19. Februar seine Bundesgeneralversammlung in Berlin ab. Auf einer Pressekonferenz überreichte der Bundes­führer H ö l t e r in a n n den Geschäftsbericht. Der freiwillige Arbeitsdienst deS Reichsbanners habe außerordentlich gute Erfolge gezeitigt. Rund 25 000 Reichsbannerleute feien im freiwilligen Arbeitsdienst tätig, das Reichsbanner verfüge über 41 geschloffene und 73 offene Lager. Die Ausgaben für Unfallbeihilfen und Sterbegelder betrugen von 1929 bis Ende Januar 1933 690 000 Reichsmark.

Kleine politische Nachrichten.

Der Neichskommissar für Preußen, Vizekanz­ler d. P a p e ii, halle Vertreter der in- und aus- ländischen Presse zu einem Bierabend In das Staats­ministerium geladen, an dem die Reichsminister Dr. Hugenberg. Seihte und Göring, ferner die Reichs- kommissare Professor Dr. Popitz, Rust und Hölscher sowie die Staatssekretäre o. Bismarck, Nobis, Schleusener und Wiskott teilnahmen.

Der nationalsozialistische Schriftsteller und Berliner Vertreter desRiederdeutschen Be­obachters" Peter Christian Broderfen ist bei der ReichSrundfunkgefellfchaft mit der Ueberwachung des politischen Tei- l e s gemeinsam mit Walter Beumelburg be­traut worden.

Frau Clara M e n d e bat sich der Deutschnatio­nalen BolkSpartei angeschlossen. Auch der be­sonnte Vorkämpfer gegen die Kriegsschuldlüge Alfred v. W e g e r c r, der Herausgeber der Zeit­schriftBerliner Monatshefte", hat feinen Bei­tritt zur Deutfchnationalen BolkSpartei erklärt.

Im englischen Unterhaus wurde der arbeiter- parteiliche MißtrauenSantrag, in dem die ReaierungSpolitik in der Arbeitslosenfrage als Fehlschlag bezeichnet wird, nach einer ab- fchliestenden Erklärung Macdonalds mit 414 ge­gen 49 Stimmen abgelehnt.

Wie sie ihn bezwang

Önginalroman von J. SchneiderHoetstl.

Urheberrechtvschutz: Verlag 0. Meister, Werdau t. S.

1. Fortsetzung. Rachdruck verboten!

Sie laufen mir nicht weg nein. Aber mir fehlt meistenteils an der Lust. Man wird nicht fertig mit Sorgen und Aergerl"

Das haben andere auch." Harrach sah über das grüne Gewoge der Getreidefelder, die sich allmählich zu färben begannen. Ringsum erblickte das Auge nichts als tragende Weder.Du solltest zufrieden sein. Bei mir bat's einen ganzen Strich verhagelt. Schwer. Komm doch einen Sprung herüber heut nach- mittag. Ich hab' das Haus bis unters Dach voll Gäste. Meine Schwester, die Brentano, hat ihre bei­den Töchter mitgebracht, die Steffie und die Liesl. Sind blihsaubere Mädels geworden, die zwei. So halt wie heutzutage die Mädels find: sie reiten wie der Teufel, schwimmen und rudern, können Motor­rad fahren und einen Wagen steuern."

Merlin biß an seinem Schnurrbart:In so hyper- moberne Gesellschaft passe ich ninuner. Man kommt sich darin vor, wie ein Bär, schneidet die Kartoffeln mit dem Messer und nimmt vom Backhuhn den Schenkel in die Hand."

Harrach lachte:Wär' gut, wenn wir Alten uns nach den Zungen richten müßten. Wir haben s hinter uns. Sie können machen, was sie wollen, und wir tun's auch. Also du kommst! Ich laß uns eine Wacholderbowle brauen. Das füße Gesüff von (Erb- beer und so weiter ist nichts für uns."

(Ee ist kannibalisch heiß", suchte Merlin auszu- knetfen.

Ach wo! Im Manöver felig war's noch heißer. Wann haft du deinen Nachmittagsschlaf hinter dir?"

Gege,. vier Uhr!"

Also, dann um vier Uhr." Er lachte vor sich hin, denn es schien ihm etwas durch den Kopf zu gehen. Sein Gesicht spielte In allen Fältchen.Sei aber pünktlich. Die jungen Mädchen müssen Spalier stehen, und das Mannsooik schießt einen Böller ab."

Mach keinen Unfug, Rochus!"

Wo werd' ich denn! Also, auf Wiedersehen, mein Lieber!"

Der Gaul hielt nicht mehr. Die Sonne stach. Er tanzte und hatte Schaum, Harrach gab ihm die Zügel frei. Merlin sah ihm nach, wie er Im Schatten der Elchen dahingalopplerte.

Der Jettenbacher hatte gut lachen. Als Offizier war er ein Protektionskind gewesen und hatte lauter Ge­neräle und Hofschranzen als Vettern gehabt. Dann hatte er die einzige Tochter des amerikanischen Groß­industriellen Hovelt geheiratet und sechs Millionen Dollar mit. Seine beiden Töchter hatten ihm zwar dafür geholfen, indem jede einen armen Teufel zum

Aus aller Well.

Admiral a. D. von Rebeur-Pafchwih f.

In Druden fta:b Admiral a.D Hubert von Rebeur-Paichwiy. u,emal£ diensttuender Generaladjutant des Kaisers. Don 1898 bis 1902 war Rebeur-Paschwih Marineattachö bei der deutschen Botschaft in Washington. 1906 erfolgte feine Beförderung zum Fregattenkapitän und feine Ernennung zum diensttuenden Flügeladju- tanten des Kaisers. 1912 wurde er Konteradmiral und Befehlshaber eines nach Rordamerika ent­sandten Kreuzerve.bandeS. Während des Krieges war er zunächst zweiter Befehlshaber der Auf- IlärungSschiffe der Hochseestreitkräste, dann In­spekteur des Bildungswesens der Marine, dann Chef des 2. Geschwaders und schließlich Ende 1917 bis zur Kcicgsbeendigung Chef der Mittelineer- div.sion. Als solcher war er gleichzeitig Höchst- kommandierender der osmanischen und bulgari­schen Deestreitkräfte.

Die beiden Danzig-Flieger nolgelanbef.

Die beiden Danzig-Flieger, die am Donnerstag in Fürth zur Fortsetzung ihres Deutfchlandfluges aufgestiegen waren, mußten infolge eines star­ken Schneegestöbers auf dem Kavallerie-Exerzier­platz in Bamberg n o t l a n d e n. Die beiden Flie­ger blieben unverletzt, ihre Maschinen unbeschä­digt.

Jlur drei Ueberlebende auf der fiönigln-Coulfe-dkube.

Von den auf her Königin-Louise Grube In Hin­denburg (O.-S.) Verunglückten lind drei weitere Bergleute tot geborgen worben. Von den le­bend geborgenen vier Bergleuten ist einer Inzwi­

schen seinen Verletzungen erlegen, so baß bie Zahl her Ueberlebenben drei beträgt. Drei Leute liegen noch unter den Brüchen. Zwei von ihnen, die tot lind, werden voraussichtlich im Lause des Tages freigelegt werden. Die Lage des letzten Verschütteten ist noch unbekannt.

Der Tod im konzerlsaal.

Ein tragischer Zwischenfall ereignete sich in Utrecht bei einer Wagnerfeicr. Rach dem Vor­trag des Vorspiels zumFliegenden Holländer" sollte der holländische Sänger Caro eine Arie vortragen. Während des Vortrages stockte plötz­lich die Stimme deS Sängers und im nächsten Augenblick stürzte er vom Podium in den Saal. Wenige Minuten später trat der T o d ein, dessen Ursache in einer Herzlähmung zu suchen sein dürste. Des Publikums bemächtigte sich starke Er­regung. Einige Personen wurden ohnmächtig. Die Veranstaltung wurde sofort abgebrochen. Der Vorfall mutet um so merkwürdiger an, als der Sänger hier zum letztenmal öffentlich auftreten wollte.

Die Sl-Pauls-Kirche in San Franzisko niedergebrannt.

Die St.-Pauls-Kirche in San Franzisko wurde durch ein Großfeuer zerstört. Neben her Kirche liegende Gebäude brannten ebenfalls nieder, wobei vier Personen schwere Brandwunden erlitten. Der Pfarrer her Kirche, der her kalifornischen Box- kommission angehört, hat sich bie Feindschaft eines Boxervereins zugezogen, so baß man Braub­st i f t u n g vermutet.

Aus der provinziathauptstadt.

Bauer und Handwerker.

Von Diplomlandwirt H Zimmermann.

Die Menschen sind merkwürdigI Statt in Rot und Elend zusammenzustehen und mit vereinten Krusten an der Ucberwindung der schlimmen Der- . hältnisse zu arbeiten, blüht gerade in solchen Zei­ten die Zwietracht mehr als sonst auf, verschärfen sich die Gegensätze zwischen den Ständen oft bis zum Haß. Arbeiter und Unternehmer, Bürger und Beamte, Fabrikanten und Geschäftsleute betrachten sich leider vielfach als Feinde.

Besonders bedauerlich ist es, daß die verbit­ternde Wirkung der traurigen Verhältnisse der Gegenwart auch das freundnachbarliche Zufam- menarbeiten zweier Stände zu vergiften droht, die auf gegenseitiges Verstehen mehr als je an­gewiesen sind: Bauern und Handwerker. Wenn sich heute die Dauern treffen, kann man oft manche erbitterte Red« über die Preisforde­rungen der Handwerker hören, die den Bauern übers Ohr hauen möchten. Richt weniger kräftig äußern sich die Handwerksmeister über die Bau­ern, die alles dreiviertel geschenkt haben möchten, und den Rest schuldig blieben.

Worum diese- gegenseitige Mißtrauen, die bö­sen Vorwürfe? Hauptsächlich darum, weil vereine beim andern schlechten Willen vermutet, wo doch nur Zwang der Verhältnisse vorliegt. Bestimmt wäre der Hauptgrund für viele Zwistigkeiten be- feitigt, wenn ein Stand die Röte deS andern besser kennen würde.

DaS gilt besonders hinsichtlich deS Handwer­kerstandes. Wie mancher Handwerker würde sich lieber die Zunge abbcißen, als zugeben, daß seine Selbständigkeit, auf die er einst so stolz war, lei­der längst verloren ist, daß er heute nicht viel mehr ist als ein Lagerhalter feines Lieferanten, und daß die Preise durch seine Kosten für Ma­

terial, Tariflöhne seiner Gesellen, Soziallasten und Steuern gleichsam vorgeschrieben sind, wenn er nicht von vornherein drauszahlen will. Rachge­wiesenermaßen finden sich heute im Kleinhand- wcrk Preise, die zwangsläufig zur Folge haben, daß eine erhebliche Anzahl von Gewerbetreiben­den für die Bestreitung des eigenen Lebensun­terhaltes auf Beträge angewiesen ist, die viel­fach nicht höher sind, als die Llnterstützung eines Arbeitslosen beträgt.

Anderseits kennt mancher Handwerker noch nicht die tatsächliche Größe der Not, die in den Bauern­höfen eingezogen ist. Woher soll her Bauer das Geld auch nur für bie notwendigsten Aufträge an den Handwerker nehmen? Müssen doch die geringen Einnahmen, bie bei hem heutigen katastrophalen liefftanb her Preise für landwirtschaftliche Pro- dukte noch erzielt werben können, in erster Linie für Zinsen, Steuern unb anbere Lasten herhalten!

So zwickt bie gleiche Not beibe Stänbe, bie auf Gebest) unb Verderb mlteinanber oerbunben finb. Bauernnot l st Hanbwerkernot unb Handwerkernot l st Bauernnot! Warum also Erbitterung unb Feinbschaft? Gegenseitiges Verstehen unb Zusammenhalten ist notwenbig! Wenn her Bauer weiß, baß sich her Handwerker Im eigenen Interesse mit dem mindestmöglichen Nutzen begnügt, unb wenn her Handwerker weiß, baß der Bauer jede Mark, die er erübrigen kann, dazu verwendet, feine Hanbwerkerrechnungen zu bezahlen, dann wird wieder gegenseitiges Vertrauen zurückkehren, bann wirb aber auch ein erster großer Schritt getan fein zur Versöhnung her Stänbe unb zur Anbahnung einer wirklichen deutschen Volks­gemeinschaft, bie notroenbiger denn fe ist, sollen wir unter her Sorgenlast her Gegenwart nicht zusam- menbrechen.

Vertrauen schafft Arbeit für den Hanbwerker unb Absatz für ben Bauern!

Mann erwählte, obschon bie beihen Schwiegersöhne aus der Hocharistokratie kamen. Da hatte her Jetten- backer wohl ober übel tief in bie Taschen greifen müssen.

Merlin schüttelte ben Kops. Urkomisch war das Leben manchmal. Urkomisch.

Er sah ben Briefträger auf seinem ausgeleierten Fahrrad die Allee heraufkeuchen unb ging ihm ein Stück entgegen. Weiß her Teufel, was her wieher brachte. Was Gescheites wohl nicht. Möglich, baß einer cs wieher einmal gar zu eilig hatte, mit hem Gelb kriegen.

Er riß bas Telegramm, bas er entgegengereicht bekam, auf, unb überflog bie Zeilen:

Unterfeeflugbootvcrfuch glänzenb gelungen.

Hans Jörg."

Lachen undAerger, Stolz unb Gleichgültigkeit strit­ten sich in seinem Gesicht. Er zog bie Börse unb fischte ein Dreimarkstück heraus.Trinken Sic eins auf das Vaterland! Mein Sohn hat eine große (Erfinbung gemacht."

Ich dank' auch, Herr Baron!" Ein militärisches Salutieren, ein Schwung aufs Rab, unb zwei junge Beine strampelten wieder bie Allee hinunter.

Der Ichenhausener ftanb eine Weile reglos.Aus bas Vaterland sollte er eins trinken, hatte er dem jungen Kerl befohlen. Weiß (Bott, immer machte man wieder dieselbe Dummheit unb gab sich solchen Ge- fühlsbuselelen hin. Trank vielleicht bas Vaterlanb eins auf fein Wohl? Holte es nicht im Gegenteil ben letzten Pfennig aus Ichenhausen heraus? Eigentlich noch mehr, als ben letzten Pfennig.

Aber bas war blefclbe Geschichte wie mit Hans Jörg. Zorn unb Groll empfanb er zuweilen über ben Jungen unb war doch immer wieder stolz auf ihn. umfing ihn mit beiden Armen, wenn er kam, und die Lisaweth mußte die Dcrftaubtcftc Flasche Wein aus dem Keller holen, weil es doch nun einmal fein Sohn war fein Einziger.

Unb genau fo ging es ihm mit hem Vaterlanbe auch. Das mochte noch so zerfetzt und zerlumpt hafteten unb forbern, erpressen unb verlangen, baß man zu­weilen meinte, es ginge nun unb nimmer. Und wenn's darauf ankam, liebte man es doch, stellte sich wie ein Schild davor hin unb schlug jebem den Schädel ein, der es wagte, auch nur mit einem Finger danach zu tasten.

Weil es eben bas Vaterlanb war, bas einzige.

Das Telegramm zufammenfaltenb, ging Merlin nach bem Hause zurück.

*

Um clnolcrtclbrcl Uhr wecken", befahl er bem Schienten, her zugleich Reitknecht war.Punkt vier Uhr muß her Nestor gesattelt fein. Du kommst mit hinüber unb nimmst ihn reicher mit zurück. Den Heimweg mach' Ich zu Fuß."

Der Herr Baron reiten nach Ebenhausen?"

Blad) Jettenbach.---Mein Sohn hat eine

(Erfinbung gemacht, Jakob. Trink eine von dem Mosel, den er zu Weihnachten geschickt hat!"

Ergebensten Dank, Herr Baron." Jakob sprang bie Treppe voran unb öffnete bie Türe zu bem Ä Balkonzimmer, beckte bas Bett auf unb half Rock unb Weste abzulegen.

Mit der fürsorglichen Behutsamkeit bcs lang­jährigen Bediensteten. zog er die Sähen herein unb hakte sie fest In die Riegel, verspritzte etwas Sauen- bei unb stellte bie Hausschuhe zurecht.Wollen ber Herr Baron nicht noch ein Bab nehmen? Ich habe alles bazu vorbereitet."

Mit meinem Rheuma?"

Achtunbzwanzig Grab, Herr Baron. Ich reibe Sie hernach wieder trocken."

Dann nehmen wir also noch ein Bad."

Darauf schlief Merlin wie ein Kind, bas frisch gewickelt ist. Um einvlerteldrei Uhr weckte ihn die Lisaweth indem sie kräftig gegen bie Tür pochte. Er war aber noch nicht einmal in das Beinkleid gekom­men, ratterte unten schon ein Kraftwagen. Er fließ einen Sa den zur Hälfte auf, spähte nach der Auf. fahrt unb zog ben Kopf eilig reicher zurück. Da ijattc der Jettenbacher nun doch wieder Humbug gemacht.

Eine junge Dame sprang vom Führersitz, stellte den Motor ab unb warf ben hellen Mantel in ben Fond. Die Scherhaube folate. Dann klopfte sic ben seinen Staub vom gelben Seher ber Schaftstiefel ab.

Gerechter (Bott, roen mochte da her Harrach reic­her geschickt haben! Er läutete Sturm nach Jakob unb als dieser nicht kam, schrie er nach ber Lisareeth. Aber von beiben war nichts zu sehen. Der Diener sattelte im Gutshof ben Nestor, während die Alte genug zu tun hatte, ben neuen Ankömmling zu betrachten. t

Mit offenem Kragen, ben linken Arm in ben Rock zwängend, hastete Merlin die Treppe hinab unb sah sich einer jungen Schönheit gegenüber, bie in weißem Kleid unb flimmerndem Blondhaar zu ihm herauf- spähte.Grüß Gott, Baron! Bitte, erschreckens nicht! Ich bin bloß bie Steffie Brentano! Wissens noch?"

Unb ob er wußte!--Als Sechsjährige hatte

sie einmal so viele grüne Stachelbeeren vom Ichen­hausener Obstgarten verzehrt, baß alles Kops ftanb, weil man gewiß war, baß es Ihren kleinen Magen zersprengen würbe. Ein andermal hatte sie gesehen wie Jakob ein halbes Dutzend junge Katzen in den Weiher beförderte, sprang in derselben Minute nach und ließ sich nicht herausholen, bis auch bas letzte Katzeiivieh auf dem Trockenen faß.

Legion waren bie Fälle, in benen sie Jettenbach unb bie gesamten Nachbargüter in Aufregung ver­setzt hatte unb nun war Ile in den paar Jahren, die er sie nicht mehr zu Gesicht gekriegt, solch un- verschämt hübsches Frauenzimmer geworben.

Ich bitte vielmals um Entschuldigung", er schoß In der Elle immer wieder an seinem Rockärmel vor­bei, was zur Folge hatte, baß bas Mädchen bie paar Stufen heraufsprang unb ihm Zofcndienste leistete. Ich bin noch nicht In Toilette/ Die kleine Schön­heit machte ihn ganz verwirrt.

/ Don der Polizei beschlagnahmt.

Das Polizeiamt Gießen teilt mit: Das Polizeiamt Gießen (Lanbeskriminalstelle) hat bie Nr. 5 desGießener Echo s", Jahrgang 5, her- ausgegeben am 17. Februar 1933, verantwortlich für Druck, Inhalt unb Verlag Rinn in Gießen, auf (Brunb ber Verorbnung bes Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Volkes vom 4. Februar 1933, § 7, in Verbindung mit ber Ausführungsverorbnung bes Hessischen Gesamtministeriums vom 8. Februar 1933 polizeilich beschlagnahmt unbein- gezogen, weil ber Inhalt, insbefonbere bie Ar­tikelSraunmorb tobt",(Ein Nazi-Halsabschneider" geeignet finb, hie öffentliche Sicherheit unb Drbnung zu gefährben.

Daten für Freitag, 17.Februar.

1600: ber Philosoph Giorbano Bruno aus Nola wirb in Nom verbrannt: 1854: ber Großinbu» striellc Friebrich Alsreb Krupp in Essen geboren; 1856: ber Dichter Heinrich Heine in Paris gestorben.

©etoinnausgug

5. Klasse 40. Preuß-Süddeuffche (266. Preutz.) Staats-Lotterie

Ohne Gewähr Nachdruck verboten

7. Ziehungslag 15. Februar 1933

On der heutigen Vormistagszlehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen

16 »-»'nut . 6000 <rn. 918 10266 28431 84731 134448 277132 370963 382894

22 »«toinnt ,u 3000 Olt 79208 110066 126380

168922 184624 215766 240422 264966 330544

368613 391578

62 «etoinne -u 2000 OH. 70972 111127 114961

141899 148049 163393 157842 160917 180969

207859 218461 221895 226440 239490 243262

256614 261263 321496 323790 350696 368664

360658 367212 379308 386211 395540

126 «Srwu.nr >u 1000 M. 3481 10596 19760 21638 24399 28056 35120 39266 49984 54397 60528 70484 82417 91330 104738 117897 117995 118622 119901 135635 138437 140116 146748 149432 168413

174968 175211 177480 178286 178630 185397

187174 190676 190736 200201 201929 215603

218780 226123 231382 239672 260869 263036

275509 289640 299415 310607 318440 324228

324496 332382 343232 348866 365293 356835

358779 364666 374038 381567 391580 393701

396483 398740

160 S.w.nn« -u 500 M. 8766 17384 18767 22599 24630 25073 26023 28400 39859 40261 40299 44740 46258 46845 48521 56545 58016 60900 67573 80499 84978 89944 95983 103637 106186 103942 121045 123212 124556 125203 128839 131489 139987

140191 154328 163065 171146 172214 179611

181946 183680 188675 197715 197305 200041

202072 203477 208189 242776 247713 248217

250909 254313 255277 257270 258443 258730

259740 265268 276027 277609 291246 292089

295946 308793 309199 309525 310280 315939

317138 317915 319646 327343 329663 336315

339726 345135 350467^372876 379602

3n bei heutigen Nachmlttagszichung wurden Gewinne über 400 M. gezogen

2 »etolnne m 25000 OT. 122567

14 Gewinn. 5000 M. 113218 161682 190720 196476 202647 319625 376401

6 »ttolnne tu 3000 921. 21739 151088 221541

48 »ttoinn« tu 2000 M. 42794 46292 47907 53506 63966 77068 98602 121213 189220 197650 226354 249279 260003 263889 285286 315470 319202 319333 336439 341431 351931 370864 379861 392136

102 »etoinne «u 1000 M. 11920 20347 24517 26920 72966 78151 94636 96933 103774 108144 114751 115796 117059 120841 131340 144154 144473

147141 143091 149745 159963 163800 165040

170011 174757 176069 185702 189777 202967

217215 236722 250546 253267 256892 257197

267356 288729 291338 292924 306462 312155

320775 327274 331809 341106 357777 358241

363919 384365 387040 393033

170 G-winn« <u 500 M. 9647 13525 23869 24309 25484 32677 35339 36369 40497 41246 42325 44661 46421 52190 52280 56028 56175 59980 60832 61048 68655 70823 71392 78553 84346 86294 90734 95072 96011 110376 113986 128752 133986 135653 139700 139911 143914 146584 150307 150308

154388 174380 176449 183122 183478 187300

187969 191350 198055 202519 218854 223415

225495 226777 236491 237217 243529 247654

250352 262724 264277 270728 272781 274820

289986 302846 305043 303553 319523 324679

333306 335897 341442 347142 348022 355622

360355 360861 361008 362722 363237 369033

375217 375896 384942

Das macht nichts, Baron! Ich geh' einstweilen nachschauen, ob die Stachelbecr schon reif finb."

Alle!" versicherte er.

Sie lachte unb ging nach der Veranda, wo er sie die Stufen hinabschweben sah. Wie ein Schmet­terling, dachte er unb lies bie Treppe hinaus, sich fertig anzukleiden. Als er zehn Minuten später nach­kam, hatte sie beide Backen voll unb schluckte noch rasch bie letzten Hülsen hinunter.Fein finbs, Ba­ron! Ich hab' aber nicht alle gegessen, biesmal. Ein paar hängen noch. Können mir jetzt fahren?"

Er sah sie von ber Seite an, was ihr ein Lächeln entlockte:Onkel Rochus hat heute zu mittag gesagt: um vier kommt ber Herr von Ichenhausen zu einer Wacholberbowle. Da hab' ich mir gedacht: was soll ber gute Baron zu Wasser werden, bis er herüber- kommt. Im Auto hat man doch Immer ein bißchen Luft."

Meine Lebensversicherung ist aber nicht sonder­lich hoch, gnädiges Fräulein." Er holte ihr eigen» händig noch einige besonders schöne Beeren von ben Sträuchern.

Sie brauchen keine Angst haben, Baron! Ich fahr ganz behutsam."

Darf ich cs glauben?"

Sicher."

Zuvor nehmen Sie aber noch eine kleine Er­frischung bei mir."

Ja, bitte, wenn ich vielleicht ein ©las Wasser haben kann?"

Aus all die Beeren?"

Ach so! Sie denken wohl, es könnte wieder so eine Palastrevolution In meinem Magen geben!"

Ihrer beiden Lachen klang bis ins Haus hinüber, wo Lisaweth, einen Mantel in Bereitschaft haltend, auf ber treppe ftanb. Ihre (Bebanfen umspannen bas schöne schlanke Mädchen, das da an der Seite des alten Herrn den Kiesweg dahergeschritten kam. Wenn das die Rechte für den jungen Baron wäre? Sie munter, beweglich und gertenbiegsam unb er groß unb stolz unb ernst gemessen. Zu ihm paßte es, wenn auf Ichenhausen eine Frau kam, deren Lachen seine Schweigsamkeit überbrückte. Freilich, ein bißchen Geld mußte sie schon auch haben. Aber arm konnten die Brentanos unmöglich fein.

Steffie rief jetzt etwas zu ihr herüber, was sie nicht verstand, sie gab nur ein Ja zurück.

Nichts wirb!" schrie Merlin dagegen.Fräulein Brentano hat einen halben Zentner Stachelbeeren gegessen, da paßt Buttermilch daraus wie ein Streich­holz in ein Pulverfaß."

Die Lisaweth begriff unb drohte mit bem Finger, ging nach bem Wagen und begrüßte ben jungen Gast.Bis wann wollen ber Herr Baron geholt werden?"

Ich bring' ihn selber wieder", sagte Stephanie. Bis zum Abend hab' ich bann auch meine Stachel­beeren verdaut, und kriege die Schüssel Buttermilch, bie mir jetzt oorenthalten wirb."

(Fortsetzung folgt.)