Ausgabe 
16.8.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. M Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefien)Mittwoch, 16. August (Y3Z

Aus der Wett des Films.

fanbauten, als da sind Marktplätze, Rathäuser, Bauten der Patrizier und besonders hervor­stechend in ihrer Backsteingotik: die hohen Kirchen und Dome, die einen Gipfelpunkt der Baukunst- entwicklung bedeuten. Die Reise geht von den bedeutendsten Plätzen der Hanse an den Meeren, namentlich der Rord- und Ostsee, nach den gro­ßen Plätzen des Binnenlandes, die von der Hanse beeinflußt wurden, dazu gehören natürlich auch die märkischen Hansestädte. Ein grandioses Ge­samtbild, das die Hanse gewissermaßen als Dor- läufer deutscher Einheit preist.

.Grenz land im Osten" heißt der andere Kultur-Großsilm. Hier klingt die Rot auf, die vor allem die deutschen Grenzlande im Osten in­folge der naturwidrigen Grenzziehungen desDer- sailler Diktates bedrückt, hier erweist sich aber auch die ungebrochene vaterländische Gesinnung der Bevölkerung und der unbeugsame Abwehr- Wille gegen oufgedrungcnes, fremdartiges Wesen. Der Ostgrenz-Fttm bringt alle Schönheiten der dortigen Landschaft. W. R.

Tonfilm unter blauem Himmel.

Blut und Scholle"-ein Film von deutschen Bauern und deutscher Landschaft.

Berlin, im Sommer.

Hier geschieht, was noch nie geschah: ein ganzer Film wird unter freiem Himmel gedreht, keine ein­zige Szene wird ins Atelier verlegt, man hat viel­mehr eine ganze Filmwerkstatt aus Neubabelsberg in die mecklenburgische Landschaft gebracht, damit das Spiel sich aus natürlicher Erde und auf wirk­lichem Acker abwickle, damit eine echte und rechte Landstraße mit ihrem Leben und Treiben in der Nähe sei und damit in der Ferne die wirklichen Wälder Deutschlands rauschen. Der Regisseur des DramasBlut und Scholle", Richard Schneider-Edenkoben, berichtet, wie er durch ganz Deutschland gefahren sei, um endlich die- jen Winkel Mecklenburgs auszuwählen. Warum ge­rade diesen? Das wird klar, wenn man die Gegend betrachtet und sich vorstellt, welche Möglichkeiten die Kamera hier haben und welche Ausblicke sie nach allen Seiten eröffnen und nutzen kann. Ueberall ist das Bild geschlossen und gerundet, das Auge schweift über Saaten, Kiefernbestände und Laubwald, die Wellungen der Landschaft sind wechselnd und sehr mannigfaltig, so daß man bald im Odenwald, bald in Thüringen ober Ostpreußen zu sein glaubt dieses ist weniger ein typisches Stück Mecklenburg als ein Ausschnitt der deutschen Landschaft an sich.

Weil dieser Erdenwinkel, über dem heute eine warme Sommersonne brennt und ein heißer blauer Himmel mit weißen Wolkenzügen sich wölbt, eigent- lich alles liefert, was benötigt wird, darum hat der Architekt K e 11 e l h u t nicht viel zu bauen brauchen, und was er gemacht hat, ist so kunstvoll der Gegend angepaßt, daß man nicht weiß, wo das Werk der Natur aufhört und was ihm zugefügt wurde. Also ist dieser Film, der die uralte und ererbte Zähigkeit des Bauern, das Gesetz seines Blutes zu erfüllen, gegen die rastlose Betriebsamkeit des Städters stellt, wirklich ganz neu und einzig in seinen äußeren Her­richtungen und Vorbereitungen, neu voraussichtlich auch in der Art, wie das Problem angefaßt und aus­geführt werden wird.

Das Spiel von Blut und Scholle soll, so wird uns gesagt, an Dialogen arm sein: auch sagen diese Dia­loge wenig und nichts Wesentliches von der Hand­lung, sie dienen vielmehr dazu, das Ethos der han­delnden Menschen aufzuzeigen und zu erhellen. Die Handlung wird beinahe nur durch das Bild selbst getragen und vermittelt, sie würde auch ohne Worte verständlich (ein, denn sie ist im höchsten Sinne ein­fach, oder, um das Wort in seinem alten Sinne zu brauchen, einfältig. Also eine Rückwendung zum stummen Film? Keineswegs, eher eine Zurückfüh­rung auf seine natürlichen Aufgaben. Man denke sich etwa einen durch die Schollen gezogenen Pflug, das Aufbrechen der Erde, das Knirschen des Eisens an Steinen, das Schnaufen der Pferde: hier kann wirk­lich etwas von dem Atem der Erde ins Bild ein­gehen und durch den Ton sehr stark gehoben werden, 'was dem stummen Film verschlossen bliebe.

Die große Kulisse dieses Spiels ist die Landschaft, die Träger seiner Handlung sind Bauern oder bäuer­lich geartete Menschen. Es gibt Filmstars man braucht keine Namen zu nennen die in dieser Natur unmöglich wären, weil ihr Feld nur das

Parkett des Filmateliers, das Foyer eines großen Hotels oder ein Spielsaal ist. Darum hat man diese natürliche Filmstätte auch so weit von Berlin ent­fernt, weil sich ihre Darsteller an die Freiheit der Bewegung in der Landschaft, an den Gang auf der Erde, an das Leben mit Tieren und Pflanzen erst einmal gewöhnen müssen. Man geht hier anders, man gibt sich hier anders als in den Tonfilmhallen von Neubabelsberg. Man lebt im Freien und läßt sich auf der Wiese von der Sonne verbrennen. Hier­von dürfte sich mancherlei auch auf das Spiel und auf den ganzen Film übertragen.

Wer sind nun die Darsteller, die zu diesem eigen- artigen Drama ausgewählt wurden? Der Regisseur Schneider-Edenkoben hat sich beinahe nur ganz junge und unbekannte Leute ausgesucht. Da sind zwei Brüder, einer wird von Walter G r i e p , einer von Paul Klinger dargestellt wer kennt diese Namen? Die Tochter eines Krämers wird von einer blonden jungen Dame gespielt, die P i s e 11 a heißt wer hat von ihr gehört? Sie ist eine Deutsche aus Graz.

Eine neue Art des Films, eine neue Filmstätte, neue Namen und frische Gesichter. Neuordnung und Neuwerdung auch hier. Wie werden sich die neuen Menschen, die in dieser Abgeschiedenheit arbeiten, in der Oeffentlichkeit bewähren? Wenn sie in dieser freien Landschaft und bei diesem groß angelegten Versuch nicht versagen, haben sie schon eine erste und bedeutungsvolle Probe bestanden. A.

Bahnhofs-Kino.

Auf jeder großen Dahnhofsstation gibt es eine Menge Menschen, die nichts zu tun haben und sich gewöhnlich langweilen. Das sind die Leute, die auf ihren Zug warten. Daß diese in das oft un­gemütliche Milieu eines solchen Bahnho s Ver­schlagenen sich gern die Zeit verkürzen möchten, ist natürlich, und so war es ein glücklicher Einfall, als man auf der großen Londoner Bahnhosssta- tion von Victoria das erste Bahnhofs- k i n o einrichtete. Man nimmt an, daß dieses Beispiel, das sehr erfolgreich ist, bald von an­dern Londoner und englischen Provinz-Bahn- höfen nachgeahmt werden wird. Mehr als 100 000 Pers onen strömen alltäglich durch oie Victoria- Station, und Hunderte von ihnen müssen eine Stunde und noch länger warten, bis der Zug kommt, der sic weiter befördert. Ebenso warten viele Leute, die ihre Angehörigen von der Bahn abholen wollen, besonders wenn sich ein Zug ver­spätet. Anstatt sich nun in den Wartesälen Her­umtreiben, stumpfsinnig auf Bänken zu sitzen, oder sonst irgendwie die Zeit totzuschlagen, treten sie in einen Lift, nachdem sie vorher aus einem Auto­maten ein Billett gezogen haben, und einen Augenblick später befinden sie sich im Dorraum eines Kinc s, dessen Programm ähnen die neueste Wochenschau, Trickfilme und kurze Filmschlager vorführt. Damit sie den Zug nicht versäumen, wird die Ankunfts- und Abgangszeit der ein­zelnen Züge in roten leuchtenden Buchstaben jedes­mal angezeigt.

©euischer Kulturfilm.

Seine Aufgaben und Ziele im neuen (Staat

Der Wandel in der Weltanschauung, der sich in der großen nationalen Erhebung äußert, muß auch auf dem Gebiete des Films sichtbar wer­den. Auch der Film bedeutet eine Quelle seelischer Kräfte, auch er muß sich für die Erringung neuen Lebens und neuer Lebensform einfetzen, und hier sind grundsätzlich dem Kulturfilm große Aufgaben zugewiesen.

Der Kulturfilm wird besonders nach drei Rich­tungen mit den ihm innewohnenden großen Wir­kungsmöglichkeiten eingeschaltet werden. Zunächst im Unterricht mit seinen weitverzweigten Ge­bieten. 3n den Volks- und Mittelschulen, den höheren Schulen, den Fach» und Hochschulen jeder Art sollen dem Lehrenden mehr als bisher die weitreichenden Mittel des Films an die Hand gegeben werden, um den Unterricht sinnfälliger, lebendiger und inhaltvoller zu gestalten. Die Auf­merksamkeit soll angespannter, der Eindruck des Vorgetragenen stärker und nachhaltiger, die Freute am Unterrichtsstoff größer und der Drang nach Erkenntnis mehr geweckt werden. Alles soll sich ohne Aufdringlichkeit, aber um so einprägsamer vollziehen, und in der Tat: es sind durch die Einschaltung des Films in das Unter­richtswesen schon sehr gute Resultate erzielt wor­den.

Ferner ist man bestrebt, dem Kulturfilm im Filmtheater einen größeren Platz einzu­räumen. Das Publikum sucht in seiner überwie­genden Mehrheit im Lichtspielhaus Befriedigung des Crholungsbedürfnisses und wird es sehr be­grüßen, wenn ihm Anregendes und Belehrendes geboten wird. So soll der Bildungshunger je­des einzelnen in leichter Unterhaltung und, wenn angebracht, aus amüsante Art gestillt werden, was sich sogar an Stoffen wieGeben der Peli­kane".Bauten der Ameisen" u. a. unschwer er­möglichen läßt. Das Gebotene soll so inhaltreich wie möglich und so anziehend wie möglich zu­gleich sein. Ävie kann das geschehen? Das exste Gebot heißt immer: Stets Reues bringen! Reue Tiere, neue Pflanzen, neue Beobachtungen im Leben der Äatur, neue Gegenden oder alte Ge­genden, denen neue Seiten abgelauscht find. In­teressante Aufnahmen aus dem unerschöpflichen technischen Gebiet. Einblicke in große Fabri­kationsbetriebe wie Erz» und Kohlengruben, Mar­morbrüche, in Vorgänge wie Holzfällen in großen Waldbeständen u. a. m. In diesem Zusammen­hang dürste es interessieren, daß solche Pläne durchaus und bei gutem Willen verhältnismäßig leicht zu verwirklichen sind. Als Beispiel seien die Rorwegen-Filmc der letzten Rordland-Expedi- tion der Ufa erwähnt, die jetzt auch in Norwegen gezeigt worden sind.

Was in diesen Filmen Geographisch-Inter­essantes geboten wird, ist natürlich bei allen an­deren Wissensgebieten auch möglich: Physik, Che- mie, Botanik usw. geben dafür eine reichhaltige und immer wieder abwechslungsreiche Materie.

Dor allem gilt es aber auch, den Kultur-Film für die Ziele des nationalen Aufbaues einzuseyen. Die Ufa ist auf diesem bedeutsamen Gebiete mit einigen interessanten Plänen beschäf­tigt sie ist im besten Sinne gerüstet, um allen gesteigerten Anforderungen der kommenden Zei­ten gerecht zu werden. Zwei Großsilme der Kul­tur-Abteilung sind bereits in Arbeit, die dadurch um so bemerkenswerter sind, als sie kerndeutsche Probleme im Sinne der nationalen Erhebung um« fassen. Der eine Film,Auf den Spuren der Hansa", behandelt die aus der Wirt- schafksmacht entstandenen wichtigen kulturellen Einflüsse auf allen Gebieten der Kunst und des Wissens der alten deutschen Hanse. Der Film umfaßt die Kultur aller deutschen Hansestädte der Gegenwart und Dergangenheit, die kleinen und die großen. Diese findet ihren stärksten Riederschlag in den Baudenkmälern, sowohl in den Werk- und Wohnhäusern, als auch in den städtischen Pro-

©er Mann mit dem Galgen.

Und allerlei andere Zilmberufe

Wenn Sie im Kino sitzen, um sich einen Film an» zuschauen, dann sehen Sie auf der Leinwand zuerst eine lange Liste derer, die an dem Film mitgearbei­tet haben. Sie lesen die Namen der Schauspieler und des Regisseurs, aber auch den des Komponisten, Architekten, Kameramannes, Tonmeisters und die mancher anderen. Oft langweilt Sie diese Aufzäh­lung, denn Sie warten darauf, Ihren Lieblingsstar spielen zu sehen. Doch gerade über diese Liste sollten Sie sich einmal Gedanken machen, denn Sie zeigt Ihnen, wie groß die Zahl derer ist, die an der Her­stellung eines Films mitarbeiten. Wie Sie sich den­ken können, sind es nur die prominentesten Film­berufe, deren Träger Ihnen mit Namen genannt werden. Mit den meisten Ungenannten will ich Sie heute bekanntmachen.

Folgen Sie mir also in eine der großen Atelier­hallen der Ufa in Neubabelsberg. Gerade ist Auf- nahmepauje. Alsred Zeisler bespricht mit seinen Hauptdarstellern eine Szene für den Ufa-Film Der Stern von Dalenci a". Plötzlich er­schallt der Ruf:Bühne!" Sie wundern sich, wo hier im Filmatelier die Bühne sein soll, denn die gibt es doch eigentlich nur im Theater. Aber Sie werden sich gleich noch mehr wundern. Auf diesen Ruf er­scheint nämlich ein Mann im blauen Kittel und Sie werden belehrt, daß er dieBühne" ist. So lautet nämlich in der Ateliersprache die Abkürzung für ben Bühnenarbeiter". Es lohnt sich schon, diesen Mann genauer zu betrachten, denn er ist ein lebender Werkzeugkasten. In seinem Gürtel stecken Hammer, Zange und Schraubenschlüssel, an seiner Seite hangt eine kleine Axt, seine Taschen sind voller Nacel und Schrauben. Fragen Sie ihn nach einer ct.-cfnabel ober einem Taschenmesser beides ist fo^eich zur Stelle. DieBühne" muß überall (ein, sie ist im Filmatelier ein richtigesM ädchen für alles .

Jemand, der auch auf enn merkwürdige Bezeich- nung hört, ist derMann mit de m G a l g e n . Der Tröger dieses schreckenerregenden Namens ent­puppt sich als ein harmloser Gehilfe des Tonmei- ftcrs, er bedient nämlich denMikrophvngalgen , einen beweglichen Ständer, an besten Arm bas Mikrophon aufgehängt ist. Dieser Apparat bient

bazu, ben richtigen Abstanb zwischen bem sprechen- ben Schauspieler unb bem Mikrophon herzustellen. Hierzu bebarf es genauer Proben, unb währenb der Aufnahme muß derMann mit dem Galgen" scharf aufpaffen, um das Mikrophon richtig zu lenken. Eine falsche Bewegung, der kleinste Irrtum, unb die Aufnahme ist verdorben.

Einen außerordentlich verantwortungsvollen Po­sten bekleidet auch der R e g u i f i t e u r, Reguistten, b. h. die für die einzelnen Szenen benötigten Ge­genstände, sind im Filmatelier Heiligtümer. Dabei istRequisit" einfach alles, ein gewöhnlicher Brief­bogen, eine Zigarettenschachtel, die Gläser auf ben Tischen ebenso wie bie bickbäuchigen, strohumfloch­tenen Flaschen, bie hier auf ber Theke unb bem Wanbregal stehen unb bie man, um ber Dekoration bas echte Lokalkolorit zu geben, aus Mallorka, wo bie Außenaufnahmen gebreht würben, eigens mit­gebracht hat. Unenblid) bunt unb vielseitig ist also bic Welt ber Dinge, für beren rechtzeitiges Vorhan­densein bei ber Aufnahme ber Reguisiteur zu sorgen hat. w

Inzwischen ist bie Pause zu Enbe unb alles für die Ausnahme bereit. Jetzt stürzt sich eine Schar weißbekittelter Friseure unb Garber o b i e r s auf bie Schauspieler. Hier muß noch bie Nase ge- pubert werben, bort sink) bie Sippen mit einem lan­gen schmalen Stift, ber wie ein Bleistift aussieht, nachzuformen, hier werben bie Seemannsfalten mit chwarzer Farbe vertieft unb bort wirb ein roiber» penftiges Löckchen mit einer Brennschere zur Rai- on gebracht. Dann ertönt bas Pfeifensignal, das unbebingte Ruhe verlangt, unb bie weißen Gestalten huschen fo schnell, wie sie gekommen sinb, roieber bavon.

Folgen Sie ihnen unb sehen Sie sich an, was so ein Filmfriseur oberMaskenbilbner", wie er sich stolz nennt, als Handwerkszeug braucht. In seinem Köfferchen liegen wohlgeorbnet Schminkstlfte in allen Farben unb Schattierungen, baneben Puber unb Tusche, Bürsten, Kämme unb Leberläppchen, eine große Schachtel Vaseline zum Abschminken ist natürlich auch babei. Der Film mit ber gewaltigen Lichtmenge, ber bie Schauspiele^ ausgesetzt sinb, ver­langt eine ganz besondere Schminktechnik, die nichts mit dem üblichen Schminken zur Ver­schönerung des Gesichts zu tun hat. DieMasken­bildner" sind wirkliche Künstler in ihrem Fach, die

das Gesicht des Darstellers genau auf feine photo- §raphifche Wirksamkeit hin studieren und individuell ehanbeln. Nicht zum wenigsten von ihrer Kunst­fertigkeit hängt es ab, ob ein in Wirklichkeit schönes Gesicht auch auf ber Leinwanb gefällt.

Von mancherlei anberen Filmberufen könnte man noch berichten. Da ist ber Oberbeleuchter mit feinen Beleuchtern, bie einen riesigen Park von Scheinwerfern unb Campen betreuen, ba bie Ate - lierfefretärin, bie währenb ber Aufnahmen ben Dialog genau mitzuschreiben unb bie Zeitdauer jeder einzelnenEinstellung" zu notieren hat, ferner die Filmkleberin, die die Filmstreifen mit ben am Tag vorher gebrehten Szenen für bie abenblidje Vorführung zusammenfetzt.

Sie alle sinb Räber im großen Probuktionsge- triebe, jeber unb jebe am richtigen Platz. Die an» ftrengenbe Filmarbeit erforbert ben Einsatz ber gan­zen Persönlichkeit in jebem Einzelberuf. Hier gibt es kein kopfloses ober mechanisches Arbeiten, jeber, ber mitwirkt, angefangen vom Regisseur, ber für bas Ganze zeichnet, bis hinunter zum Beleuchter, ber bafür zu sorgen hat, baß feine Lampen in Drbnung sinb, hat seinen bestimmten Anteil baran, baß bas Filmwerk gelingt. J. P.

OieEmwicklung des chirurgischen Zilins

Eine interessante Dorsührung aus den Kind­heitstagen der Kinematographie sand kürzlich bei einer wissenschaftlichen Sitzung statt, die die Ent­wicklung des chirurgischen Films behandelte und über die Dr. Lautman in derDeutschen Me­dizinischen Wochenschrift" berichtet. Es wurden nämlich zwei Filme gezeigt, die der einst be­rühmte Pariser Chirurg Doyen noch nicht zwei Jahre nach der Erfindung des Films überhaupt hergestellt hatte. Er hatte sich zu diesem Zweck alle Apparate allein angefertigt und ohne jede fremde Hilfe Ergebnisse erzielt, die den besten Erzeugnissen unserer Zeit kaum nachstchen. Man warf damals dem viel angefeindeten Manne, der frühzeitig und romanhaft in den Tod ging, vor, er habe diese Filme zu Reklamezwecken verwen­det. Aber Doyen betonte, daß er an diesen Fil­men selbst unendlich viel für seine chirurgische Technik gelernt habe. Hauptsächlich um sich selber zu kontrollieren, hat er in jener Frühzeit der Kinematographie mehr als 400 Filme anfertigen

Der deutsche Tonfilm im Ausland.

Öie Weltgeltung unserer Qualitätsarbeit.

Bereits zu seinen stummen Zeiten bildete ber Film ein Expmtmittel, bas bic Hanbelsbilanzen nicht unwesentlich verbesserte Mit brr Grfinbung bes Tonfilms würben verfchicbentlich Stimmen laut, welche bie Exporlfähigkeil bes Filmes für beendet erklärten, ba ja bie eigene Sprache in ben andern Länbern fo gut wie überhaupt nicht nerftnnben unb gesprochen wirb Es zeigte sich jeboch halb, baß bics kein Hinbernis bilbetc, fonbern baß im Gegenteil ber Tonfilm als Auslanbsgefchäft er­heblich mehr einbradjte als ber stumme Film. Der Mangel ber Sprache würbe in ber Anfangszeit aus- schließlich burch bas sogenannte Dubben überberft, b. h. burch bas Einlegen erklärenbcr Texte in ber jeweiligen Lanbessprache. Die gebubbten Filme be­gegneten jedoch mit ber Zeit großen Wiberstänben in ben Publikumskreisen sowie auch bei ben Fach­leuten. Die zunehmenbe Vervollkommnung ber aku­stischen Apparaturen erlaubte es schließlich, Versio­nen anzufertigen, bei benen bie Stimmen ber Schau­spieler burch anbere frembfprad)ige ersetzt würben. Diese Nachsprechung erforbert große Geschicklichkeit, müssen boch bie Munbüemegungen bes auf ber Le'newanb sichtbaren Schauspielers mit ben gespro­chenen fremben Texten nach Möglichkeit überein» stimmen. Auch über biefe Art, ben Film für anbere Länber sprachlich verstänblich zu machen, sinb bie Meinungen geteilt. Die beste Art ber Version ist natürlich bie, bas Filmthema noch einmal mit ben jeweils erforberlidjen auslänbischen Schauspielern nach bem abgeroanbelten Drehbuch unb wenn mög­lich unter Heranziehung eines Regisseurs bes betret- fenben Lanbes brehen zu lassen. Das erforbert na­türlich einen großen Kostenaufwanb, ber nur von wenigen Firmen aufgebracht werben kann unb auch nur Dann, wenn bie Ausnutzungsmöglichkeit bieser Version von vornherein gewährleistet erscheint.

Der beutsche Tonfilm erfreut sich im Auslanbe einer großen Beliebtheit. In ben letzten brei Jahren hat ber Verkauf beutscher Tonfilme nach bem Aus­lanbe etwa 18 Millionen Mark eingebracht. Die günstige Ausfuhrbilanz hat sich im ersten Halbjahr 1933 entgegen allen Erwartungen nicht verschlech- tert, fonbern verhältnismäßig sogar verbessert. Nach ben Errechnungen bes Statistischen Neichsamtes weift bie Ausfuhr von Filmen gegenüber bem Im­port einen bebeutenben Ueberfchuß auf. Im Januar biefes Jahres betrug bie Ausfuhr beutfcher Tonfilme 11 843 000 Meter, stieg von Monat zu Monat an unb erreichte im Juli mit 22 932 000 Metern ben Höhepunkt. Die Einfuhr auslänbifdjer Bilbftreifen erreichte ihren Höchstftanb im Februar biefes Jahres mit 2 080 000 Metern unb sank bann in ben tomenben Monaten auf burchschnittlich 1 Vi Millionen Meter. So ergeben sich im Vergleich zum Vorjahre in ben einzelnen Monaten meist niebri» gere Einfuhr- unb höhere Ausfuhrziffern.

Um bie Zukunft bes beutschen Tonfilms braucht man nicht besorgt zu sein. Es ist sogar zu hoffen, baß sich bie Aussichten noch bebeutenb verbessern werben, wenn man nur erkennt, baß ein Film, ber in ben nationalen Eigenheiten bes Volkes wurzelt, größeres Interesse finden wird als ber seichte, farb­lose unb meist auch geistlose Unterhaltungsfilm, ber bisher vielfach gebreht würbe. Iebenfalls ist ber beutsche Tonfilm überall in ber Welt wegen seiner schauspielerischen unb technischen Qualität sehr be­gehrt. Auf bem Weltmarkt steht ber deutsche Film in Konkurrenz mit dem amerikanischen unb bem englischen. Wie er sich behauptet, erweisen bie obi­gen Ziffern. In Westeuropa werben bie beutschen Tonfilme ben amerikanischen unb englischen vor­gezogen, vor allem weil bie Versionen sorgfältiger angefertigt werben. Staubige Abnehmer beutscher Tonfilme sinb Oesterreich, ber Balkan, bie Raub- floaten usw. In letzter Zeit erweist sich auch Süb» amerita als Abnehmer großen Formats, während die Einfuhr nach Nordamerika nicht sehr bedeutend ist, obwohl umgekehrt ber amerikanische Tonfilm am beutschen Kinoprogramm einen nicht unbebeu» tenben Anteil besitzt. Anderseits gelangen nach Eng- lassen, von denen heute kaum noch fünfzig er­halten sind: sie zeigen aber, wie diese Form der Selbstkritik die Leistung des genialen Operateurs verbesserte. Freilich ließ sich zugleich erkennen, wie die chirurgische Techri' in den 30 Jahren seit Doyens ersten Filmen fortgeschritten ist. BK einer Filmaufnahme einer Wu . Operation Doyensund eines modernen Chirurgen konnte man nicht ge­nug darüber staunen, welche Erweiterung diese schon damals so radikal erscheinende Operation erfahren hat. Ratürlich sind die Aufnahmen seit­dem außerordentlich verNssert worden. Wenn bis­her der chirurgische Film in der Ausbildung noch nicht die Rolle spielt, die er verdient, so ist dies zum großen Teil auf die Kostspieligkeit und Schwierigkeit der Herstellung wirklich guter Filme zurückzuführen. Die Aufnahme darf nicht etwa beim Chirurgen erfolgen, sondern der Chirurg muß im Kino-Atelier operieren, weil es nur so mög­lich,ist, alle Einzelheiten deutlich festzuhalten. Es genügt auch nicht die Aufnahme einer Operation, sondern es müssen mehrere festgehalten werden. So waren für einen der gezeigten Filme nicht weniger als zehn Operationen nötig. Dann ist es aber auch möglich, eine Äaturtreue zu er­zielen, der zur Wirklichkeit nur die farbige Wie­dergabe fehlt. Jeder Zuschauer kann jede Hand­bewegung des Operateurs und feiner Gehilfen, jede Einzelheit der Operation so deutlich beob­achten wie der Chirurg selbst. Diese Meister­filme sind von hohem Wert für den bereits er­fahrenen Chirurgen, der sich durch das Studium eirres solchen Films mühevolle und kostspielige Reisen ersparen kann. Für die Studenten sind die billigeren Trickfilme, die gezeichneten sogenann­tenbelebten Bilder" viel lehrreicher. Dom Zu­sehen allein wird man nicht Chirurg. An den Trickfilmen aber kann der Professor den Gang einer Operation so in allen Kleinigkeiten erklä­ren, wie es auch die genaueste Beschreibung im Lehrbuch nicht vermag. Man war bisher im Zwei­fel darüber, ob man für solche Lehrzwecke den stummen oder den Tonfilm bevorzugen soll. So wurde behauptet, daß der Student nicht gleich­zeitig sehen und hören kann, aber die meisten Chirurgen können auch nicht gleichzeitig vor­tragen und operieren. Bei den Trickfilmen ist es möglich, Wort und Bild zu einem harmonischen Ganzen zu vereinen.