Ausgabe 
16.8.1933 Erstes Blatt
 
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land weit mehr deutsche Tonfilme als umgekehrt. Ueberhaupt ist der englische Tonfilm im wesentlichen auf die Länder des britischen Weltreiches beschränkt. Besonders günstige Aussichten für den deutschen Tonfilm eröffnen sich durch die Anbahnung der deutsch-italienischen Filmbeziehungen, an deren Aus­bau von beiden Seilen gearbeitet wird.

Die Weltgeltung des deutschen Oualitätsfilmes.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Rio de Janeiro, Ende Juli.

Die Franzosen haben eine große Ungefchicklich- keit begangen durch den Beschluß, einen Teil der für Brasilien bestimmten Zahlungen zurückzuhalten, um den durch die eingefrorenen Kredite entstandenen Ausfall zu decken. Dieses Verhalten Frankreichs hat zu einer regelrechten Pressekampagne geführt, die unter dem Motto einer Aeußerung steht, die der Führer der brasilianischen Abordnung zur Chicagoer Weltausstellung, Kapitän Joao Alberto, getan hat:Brasilien sei zwar ein armes Land, aberehrenhaf t." Die französische Maß­nahme hat ferner zu einem entsprechenden Schritt des brasilianischen Außenministeriums aeführt.

Wenn auch schon früher hie und da Unstimmig­keiten zwischen Brasilien und Frankreich aufgetre­ten sein mögen, so ist doch die neuerliche Differenz tiefgehender Natur, besonders deswegen, weil sie mit einer bisher nicht dagewesenen Heftigkeit von der Presse, besonders der der Regierung nahestehen­den, unterstützt wird. Seit Tagen schon erscheinen in Zeitungen, die Frankreich früher zum mindesten freundlich gesinnt waren, meistens an gleicher Stelle und in Fettdruck Artikel in Form von Aufrufen, die eindringlich darlegen, daß die Nationen der Welt, insbesondere Amerika, England, Deutschland, Italien usw. bereit seien, Brasilien dazu zu helfen, die jetzige Notlage des Landes infolge der Wirtschaftskrise zu überstehen und für seine Lage das nötige Verständnis zu zeigen. Brasilien habe, bevor es notgedrungen dazu geschritten sei, ein Mo­ratorium zu erklären, das letzte Stückchen Gold, das es habe auftreiben können, zur Begleichung seiner Schulden abgeführt. Alle Nationen hätten das auch anerkannt, dagegen bestehe Frankreich, wie Shylock, auf seinen Schein und schicke sich an, sein. Pfund Fleuch" aus dem Volkskörper Brasiliens zu schneiden. Die unanständige Haltung Frankreichs erinnere das brasilianische Volk daran, daß es einmal eine Zeit gegeben habe, in der das auf Leben und Tod kämpfende Frankreich ver- zweifelungsvolle Hilfeschreie in die ganze Welt ge­sandt habe. Frankreich solle bedenken, daß d i e Geschichte s i ch stets wiederhole und es dann nicht erwarten könne, Rosen zu ernten, wo es Dornen gesät habe.

Im großen und ganzen sind die Brasilianer nicht beleidigt darüber, daß Frankreich effektiv für Bra­silien bestimmte Zahlungen einfach zurückgehalten hat, sondern wegen des darin zum Ausdruck kom­menden Mißtrauens in den guten, ehr­lichen Willen der brasilianischen Na­tion, ihre ausländischen Verpflichtungen einzuhal­ten und zu ihrer Unterschrift zu stehen. Empört sind die Brasilianer um so mehr, als diese Verdächti­gung von einer Nation kommt, die selbst die Hei­ligkeit der Verträge nur im Munde führt, selbst aber wenig geneigt ist, sie einzuhal­ten, wie es die verweigerte Schulden-Zahlung an Nordamerika im Dezember des vergangenen Jahres und im Juni des laufenden Jahres ja deutlich ge­zeigt hat. Brasilien wird, das steht unumstößlich fest, seine ausländischen Verpflichtungen erfüllen aus den Ergebnissen seiner Arbeit heraus. Um die ein­gefrorenen Kredite derjenigen Länder, die ihre dies­bezüglichen Forderungen bis zum 28. Juli 1933 an­gemeldet haben,auftauen" zu können, wird Bra­silien eine langfristige Anleihe aufnehmen, um sich die zur möglichst sofortigen Rückzahlung benötigten Devisen zu verschaffen, und diese Anleihe in sechs bis sieben Jahren aus den Ueberschüssen der Han­delsbilanz tilgen. Die jetzige brasilianische Regie­rung hat Schluß gemacht mit der auch früher für unser Deutschland so verhängnisvoll gewordenen Politik der wahllosen Ausnahme von Anleihen im Auslände zu exorbitanten Zinssätzen. Die letzten Wahlen, bei denen die Opposition der Regierung in einer hoffnungslosen Minderheit geblieben ist, haben das Selbstbewußtsein der regierenden Män­ner gestärkt. Die Entschlüsse sind zielbewußter und auf weite Sicht hinaus bearbeitet. Brasilien geht energisch an den Wiederaufbau, jedoch unter Vermeidung früherer Fehler, dieses Ziel durch Anleihen erreichen zu wollen.

Wenn der brasilianische Kapitän Joao Alberto in Neuyork den Ausspruch tat:Brasilien sei eine arme, aber ehrenhafte Nation", so stimmt dieser Ausspruch nur im zweiten Teile, denn arm, wenig­stens arm in dem Sinne, wie Deutschland, ist Brasilien nicht. Es Hot neben einer aufblühenden Industrie geradezu unermeßliche Bodenschätze. Es ist die größte Nation des südamerikanischen Konti­nents, die noch eine große Zukunft vor sich hat. Es ist richtig, zum großen Teile befindet sich die In­dustrie sowohl, wie die Eisenbahnen im Besitze von Ausländern. Soweit diese aber nicht nur Besitzer, sondern auch selbst Leiter ihrer Unternehmungen, also im Lande selbst tätig sind, dürften sie erfah­rungsgemäß ihrAusländertum" nicht länger als bis in die zweite Generation erhalten, es sei denn, daß sie in geschlossenen Kolonien Anhalt und Stütze fänden. Aber diese Industrie ist andererseits eine außerordentlich reich fließende Steuerein­nahmequelle. Fast jeder Artikel des täglichen Gebrauches, von der Stecknadel über das Strumpf­band bis zum Anzug und Hut, alles trägt Steuer­marken. Wegen der vielen Analphabeten, auch unter den einfachen Kaufleuten im Lande, ist eine andere Art der Steuererhebung als die, auf jeden Ge­brauchsgegenstand gleich die Steuermarke aufzukle­ben, praktisch unmöglich. Bergwerke dagegen und die ungeheueren Plantagen jeglicher Art, sowie der größte Teil des Handels, ruhen in brasilianischen Händen. Ebenfalls bekommt die Regierung mehr und mehr auch das Verkehrswesen in die Hand. In ausländischen Händen befindet sich außer einigen Eisenbahnlinien lediglich der Küstenflugverkehr, während die Linien im Inneren und ins Innere in brasilianischem Besitze sich befinden. Auch die Post ist Staatsbesitz.

Der bedeutendste Kopf der derzeitigen Regierung ist zweifelsohne der Verkehrsminister Jose Ame­rica, der, obwohl Dürre und paulistaner Aufstand seine Arbeit erschwerten, außerordentlich wertvolle Arbeit für sein Land geleistet hat. Brasiliens

d.h. die Anerkennung seiner ethischen Werte, be­steht, und es ist an den deutschen Produzenten, diese internationale Anerkennung (z B. die goldene Me­daille auf der Mailänder Messe) durch die Herstel­lung von Filmen zu befestigen, deren Inhalt den schauspielerischen und technischen Leistungen eben­bürtig ist.

Zukunft steh 1 und fällt mit seinem Verkehrsproblem. Die ungeheuren Boden­schätze konnten lediglich aus Mangel an Verkehrs­mitteln und guten Straßen bisher nicht nuhbar ge­macht werden. An dieses Problem ist Josä America mit eiserner Energie herangegangen. Zum Teil wurden Eisenbahnen ausAusländerbesitz" zurück­gekauft, zum Teil große Bahn st recken elek­trifiziert, ferner nahezu 600 Kilometer neue Bahnen gebaut. Noch größere Bedeutung für den Aufschwung des Landes kommen wohl den u m - fangreichen Landstraßenbauten zu, die zum Teil bereits durchgeführt, zum Teil erst begon­nen worden sind. Im letzten Jahre wurden auf Ver­anlassung und unter der Leitung von Jost Ame­rico nicht weniger als 2460 Kilometer Straßen erster Klasse angelegt, d. h. Straßen mit Steinschot­ter in einer Breite von acht Metern, außerdem wur­den rund 5700 Kilometer einfache Auto- und Kar­renstraßen neu errichtet bzw. wiederhergestellt. Für das Land segensreich wird nach Vollendung die erst in Angriff genommene Straße erster Klasse sein, die RiodeJaneiro mit Bahia verbinden und das gesamte Hinterland längs des Atlantischen Ozeans aiifschließen wird. Die Strecke mißt in der Luftlinie die Kleinigkeit von rund 1300 Kilometer, entspricht also ungefähr einer Entfernung von Berlin nach Sofia oder Neapel. Aus allem geht hervor, Brasilien arbeitet an sich mit einer früher nicht gekannten Energie.

(Schluß.)

Wie wird das Schicksal der Friedhöfe und feiner Gräber fein?

Diese Frage wäre schon längst beantwortet und hätte nicht solche Schwierigkeiten verursacht, wenn es sich nicht bei allen Friedhöfen in Südbelgien um ge­mischt Friedhöfe handeln würde, d. h. solche, auf denen ohne Rücksicht auf die Gegnerschaft Deutsche und Franzosen nebeneinander in Frieden ruhen. Die französische Regierung hat ursprünglich eine Tren­nung in Nationalfriedhöfe gewünscht und deshalb auch Umbettungen in größtem Ausmaß vornehmen wollen. Diesen Plänen hat jedoch die deutsche Grä- berverwaltung die ungeheueren Schwierigkeiten mit Erfolg entgegengehalten, und sie fand darin selbst Unterstützung bei den französischen Militäroereinen. Jedenfalls berichtet die Vereinigung der Angehörigen des franz. JR. 19, daß sie fidi für die Beibehaltung des seitherigen Charakters der Anlagen eingesetzt habe. Nach den neuesten Mitteilungen sollen die Friedhöfe in ihrer seitherigen Gestaltung grundsätzlich bleiben. Es wird jedoch bei allen Friedhöfen in der Provinz Luxemburg im Prinzip darauf hingewirkt, daß zur Vermeidung von Reibungen und zur Vereinfachung der Verwaltung die Gräberfelder Der deutschen Sol­daten von denen der französischen getrennt werden, wodurch in einzelnen Fällen Umbettungen nötig werden.

Für die Friedhöfe bei Anloy-Maissin dürfte fol­gende Regelung bevorstehen:

Bei dem WaldfriedhofvonAnloyist eine Trennung in gesonderte Abteilungen bereits vorhan­den. Jede Nation soll die Pflege ihrer Abschnitte übernehmen. Für die gemeinsamen Anlagen würde, weil die Zahl der französischen Gräber überwiegt, dst französische Verwaltung Sorge zu tragen haben. Die Verteilung der Kosten erfolgt nach der Fläche der von beiden Nationen zu übernehmenden Gräber.

Der Heidefriedhof Anloy wird gleichfalls schon seither in getrennten Abteilungen gepflegt. We­sentliche Aenderungen sind deshalb wohl nicht zu er­warten. Es wird hier dis Aufgabe der deutschen Ver­waltung sein, die gemeinsamen Anlagen zu unter­halten und zu erneuern, insbesondere die schadhaft gewordenen baulichen Anlagen wieder instandzu- setzen. Hieran dürfte gerade unser Regiment beson­ders interessiert sein.

Der Terrassenfriedhof Maissin wird in seiner Gesamtheit, also einschließlich der franzö­sischen Gräber, der deutschen Gräberverwaltung zu- geteilt werden. Hier werden aber vielleicht einige Umbettungen nicht zu umgehen sein, um gesonderte Abteilungen zu schaffen.

Der R u n d b a u s r i e d h o f M a i s s i n (M a i s - sin Nationale) wird von der französischen Ver­waltung ganz übernommen. Er ist zu einer natio­nalen Anlage bereits ausgestaltet worden, was aus der Ueberfü()rung des bretonischen Kreuzes deutlich hervorgeht und sich im übrigen auch in besserer Pflege bemerkbar macht.

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5ßir Deutsche werden demnach auf den beiden Friedhöfen bei Anloy und auf dem Terrassenfriedhof die Gräber unserer gefallenen Kameraden selbst un­terhalten und pflegen können. Das ist eine Lösung, wie sie auch von der amtlichen Kriegsgräbersür orqe als befriedigend angesehen wird. Wir, die wir diese Friedhöfe zu Ostern 1931 gesehen und, in ihren An­blick versunken, den stillen Wunsch hegten, daß die hessischen Regimentsoereine und die hessische Heimat diesen Gräbern Sorge und Pflege angedeihen lassen mochten, mir rufen heute in aller Öffentlichkeit dazu auf, daß alle Kameraden der hessischen Truppenteile sich mit den Angehörigen der gefallenen Kämpfer des 22. 8. 1914 und allen sonstigen opferbereiten Volks­genossen zu gemeinsamer Arbeit an den Gräbern un­serer gefallenen Kameraden zusammenschließen möch­ten Es gilt nicht nur, den Toten Der hessischen Divi- fion eine Dankesschuld zu erweisen, indem man ihre Grabstätten in einen ihres Opfers würdigen Zustand versetzt und darin hält. Es gilt auch nicht nur, durch ein solches Tun die Ehre und den Ruhm des deut­schen Soldaten und deutschen Mannes im fremden Land hochzuhalten.

Es geht auch darum, diese Anlagen in ihrer so überaus glücklichen Gestaltung zu erhalten und ihrem Verfall vorzubeugen, weil f;<? durch sich

! Cs scheint, als ob die neue Energiewelle, die Europa mit seinen beiden autoritativ geleiteten Staaten, Deutschland und Italien, aus- strahlt, sich auch hier bemerkbar mache. In dem glei­chen Maße wie die Sympathie f ü r Frank­reich gesunken ist, st e i g t d i e für Deutsch­land empfundene an. Zuerst vereinzelt, erscheinen in letzter Zeit immer häufiger Artikel in der hiesigen Presse, die sich mit den Zuständen in Deutschland in einem wohltuend freundlichen Sinne befassen. Der Brasilianer hat große Achtung vor der Regierung Hitler, die nicht nur, wie das sonst in parlamentarisch regierten Ländern üb­lich sei, den Wählern vor der Wahl alles mögliche verspreche, sondern die daran ginge, ihr Programm Schritt für Schritt und Stück für Stück den Um­ständen entsprechend zu verwirklichen. Das Aus­landsdeutschtum hier erhält natürlich dadurch eine mehr gefestigte Stellung, lockere Verbindungen wer­den neu geknüpft, was letzten Endes dem deut­schen Außenhandel nur nutzbringend sein kann, dessen Resonanzboden ja in erster Linie die Ausländsdeutschen bilden. Eins steht schon jetzt fei: die Einflußsphäre Frankreichs hat eine fühlbare Einbuße erlitten. Im Kranze der früher fast ausschließlich im französischen Sinne ge­leiteten Presse, die zum Teil durch Kredite gefügig gemacht worden war, klafft manche bisher für un­möglich gehaltene Lücke, die mit ein wenig Geschick seitens Deutschlands im deutschen Sinne ausgefüllt werden könnte. Frankreich hat das Ehrge­fühl der brasilianischen Nation be­leidigt, das wird ihm so leicht nicht vergeben werden. Vielleicht ist es gut, daß man sich bei die­ser Gelegenheit in Deutschland daran erinnert, daß Brasilien während des Krieges mit AusnahmederSchiffedeutschesEigen- tum nicht beschlagnahmt hat, wie es fast alle anderenKulturnationen" getan haben. Die Schiffe wurden beschlagnahmt und an den Ver­bündeten Frankreich, als Ersatz für die im U.-Boot­krieg versenkten Schiffe, gesandt. Brasilien hat nie etwas von diesen Schiffen wiedergesehen. Frank- reichhateinen gutenMagen und auch die­sen Bissen verdaut. All dessen erinnern sich die Bra­silianer jetzt wieder, und es ist an uns Deutschen, die Lage zu nutzen und dafür zu sorgen, daß im Einerlei des Alltags die heutige Differenz Frank­reich-Brasilien nicht allzu rasch und ohne Narben zu hinterlassen untergeht.

selbst Zeugnis ablegen von deutscher Friedhofs- funff, von edlem deutschen wesen und der Rein­heit der deutschen Seele.

Die Friedhöfe in Süd-Belgien sind Kunstwerke eige­ner und besonderer Art. Sie wirken ungeheuer ein­dringlich auf den Beschauer durch ihre Geschlossen­heit, ihre einfache und doch wuchtige Monumentali­tät. In die Landschaft von kundiger Hand eingebet­tet, so daß sie aus ihr herausgewachsen scheinen, ist ihre architektonischeAufteilung und Anordnung groß­zügig und überzeugend zugleich. Selbst die Franzosen geben dies rückhaltlos zu. Heißt es doch in einer Abhandlung in den Nachrichtenblättern des franzö­sischen JR. 19, man beglückwünsche den französischen Gräberdienst zu seinem Entschluß, Freund und Feind auf dem Nationalfriedhof Maissin in Frieden ruhen zu lassen, dessen Anlage man müsse den Deutschen Gerechtigkeit widerfahren lassen in großartigster Weise während der Zeit der Besetzung gestaltet wor­den sei.

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Seit etwa zwei Jahren hat sich der Verband Hessi­scher Regimentsoereine für die Uebernahme der Patenschaft dieser Friedhöfe eingesetzt. Er hat ständig Erkundigungen über die Entwicklung der Friedhofsfrage eingezogen und Unterlagen ge­sammelt, um den Angehörigen der Gefallenen an Hand der Gräberlisten, Lichtbilder und Pläne Aus­kunft und Rat erteilen zu können. Durch einen von ihm eingerichteten Bausteinoertrieb hat er den An­fang zur Aufbringung der Geldmittel gemacht, die notwendig sind, um die Patenschaftsübernahme zu verwirklichen. Aber es mußte hierbei in den ver­gangenen Jahren politischer Zerrissenheit Kleinmut und höchst überflüssige Eigenbrödelei bekämpft wer­den, und es bedurfte des ständigen Hinweises auf die Notwendigkeit richtig verstandenen Opfersinns auch in Zeiten materieller und geistiger Not. Es hat sich im Verfolg dieser Arbeiten herausgestellt, daß der Fernerstehende, insbesondere der im Ausland Wei­lende mehr Verständnis für die Notwendigkeit und Richtigkeit unserer Bemühungen aufbrachte als der Kamerad und Volksgenosse in der eigentlichen Hei­mat. Hier gilt es Wandel zu schaffen.

Gibt es denn heute für die kameradschaftlichen vereine der Angehörigen der alten Regimenter überhaupt noch eine größere Aufgabe als die, bis zum letzten Atemzug Sorge zu tragen für die Ausgestaltung der Gräber der gefallenen Kameraden?

Dies auch dem letzten und. ärmsten Kameraden klar zu machen, muß Pflicht und Wille der Führung der Vereine fein. Die bisherige Leistung auf dem Ge­biet de? Bausteinvertriebs kann nur ein Anfang ge­wesen fein. Wir vom Regiment 116 standen zwar bis jetzt an der Spitze, aber selbst in unseren Reihen sind Vereine und Kameraden sich noch nicht hin­reichend über das Gebot einer intensiveren Sammel- und Werbetätigkeit klar geworden. Deshalb hoffen wir, daß die Opferbereitschaft nicht erlahmen, son­dern wachsen möge, und wir rechnen darauf, daß unser Appell an die Kameradschaftstreue und die Kameradschaftspflicht ein gutes und lautes Echo in den Reihen der Vereine finde.

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Eine weitere Anregung glauben wir geben zu sol­len. Das deutsche Volk hat sich in der nationalen Re­volution wieder auf sich selbst besonnen. Es ist im Begriff, mit einem ungeheueren Schwung sein Haus neu zu zimmern. Ist es angesichts dessen nicht be­rechtigt, die Bitte auszusprechen, auch der gefallenen Brüder im fremden Land zu gedenken? Auf unserer Westfrontfahrt im Jahre 1931 waren wir Augen- und Ohrenzeugen davon, wie in ganz Frankreich und Belgien den für das Vaterland Gefallenen eine zum Kult gewordene Verehrung überall entgegengebracht wird. Unvergeßlich ist für uns, wie auf Friedhöfen und in den Kirchen dasSouviens-Toi und das Noubliez pas, die Mahnung, des Weltkrieges und feiner Folgen nicht zu vergessen, wiederholt wird. In Deutschland dagegen hatte man 14 Jahre lang über Tagessorgen und dem Streit innerlach bereits abge­storbener Parteien vergessen, was hätte unvergessen bleiben sollen. Man hatte zugelassen, daß fremden Besuchern auf den Schlachtfeldern gesagt und be­deutet werden konnte: Seht die Hunnen seht dort

Brasilien im Wiederaufbau.

Erbitterung über Frankreich.-Kampf gegen die tleberfremdung.- Energiewelle aus Deutschland.

Von unserem ständigen 8ch.-Berichterstatter.

Vva den Gräbern der Gefallenen von Allloh.

Von Oberleutnant a. D. Or. W. Luley, Darmstadt (ehemals Adjutant des 11/116).

ihre Kriegerfriedhöfe und ihr habt ihre ganze Seele! Es scheint uns deshalb gerechtfertigt, in der Öffentlichkeit unsere Mahnung am Schluß unseres Fahrtberichtes zu wiederholen:

Ls bedarf keines rUacmorheldenhains, keiner teueren Experimente, keiner aufdringlichen und eitlen Schaustellungen. Deutsche Art vermag, bei aller Verarmung der Ration, in einmütiger Opferbereitschaft ohne lauten Prunk, ihren Ge- fattenenfriedhöfen in all den vielen fremden Ländern, in deren Herzen unsere Heere standen, eine würdige und geschmackvolle Ausgestaltung zu geben

würdig eines Landes, das sich mehr als vier Jahre lang gegen eine Welt von Feinden und gegen deren unschätzbare Uebermacht an Geld und Waffen, gegen die Gespenster des Hungers und der Seuchen und Die eigene nackte Armut mit beispielloser Tapferkeit ver­teidigt hat, dessen Volk sich heute noch von jenem Haß der Welt verfolgt sieht, der nur im sieglosen Sieger brennt, der die eigene Unterlegenheit so deut­lich empfindet, daß er zu dem niederen Mittel grei­fen muß, das Verdienst des Gegners herabzureihen und geschichtliche Wahrheiten zu verfälschen, wie wir es selbst wieder und wieder erlebt haben!"

Opfersinn und Bereitwilligkeit, für einander ein­zustehen, haben neue Geltung erhalten. Auch auf dem Gebiete der Fürsorge für die Gräber der Gefallenen kann die Zusammenarbeit und der Zusammenhalt aller, denen die Wehrhastmachung des Volkes am Herzen liegt, beweisen, was deutscher Kameradschafts­geist will. Regimentsvereine, Wehrverbände und das Heer sind in geistiger Beziehung miteinander ver­knüpft und verbunden durch den gleichen Willen, die Kameradschaftstreue zum Mittelpunkt ihres Tuns zu machen. Liegt es nicht unendlich nahe, aus dieser gedanklichen Verbundenheit eine symbolisch wirkende Gemeinschaftsarbeit zur Pflege der Grä­ber der für das Vaterland gefallenen alten Soldaten entstehen zu lassen. Würde nicht die Nachwelt von einer solchen Tat sagen, daß die UeberlebenDen sich der Gefallenen würdig gezeigt haben?

Wirtschaft.

Erholung der Textilwirtschaft.

Die deutsche Textilwirtschaft befindet sich zur Zeit in einer Welle des Aufschwungs. Jnsdeson- dere hat die große Aktion der Regierung gegen die Arbeitslosigkeit Anlaß zu neuem Auftrieb gegeben. So konnte sich It.Konfektionär" die gesamte deutsche Textilproduktion so stark erholen, daß sie im Juni bereits um 27,3 Prozent höher lag, als im gleichen Monat 1932. Sehr lebhaft gestaltete sich die Produk­tion von Baumwollgarn, hier lag der Index mit 117,2 im Juni um rund 43 Prozent höher als i. V. Im Zuge dieser günstigen Entwicklung wurde auch eine bessere Kapazitätsausnutzung ge­währleistet (16 Prozent höher als i. 93.). HR e h r» einftellungen von Arbeitern führten im Juni zu einer Verkürzung der Arbeitszeit, die durchschnittliche, tägliche Arbeitszeit ging von 7,25 Stunden im Mai auf 6,94 Stunden im Juni zurück. Die Preissteigerungen auf den Rohstoffmärkten in den letzten Monaten führten zu beträchtlicher Er­höhung der Rohstoffläger, die im Juni ihren Um­fang um mehr als 15 Prozent gegenüber Juni 1932 erweiterten. Die jüngsten Meldungen über günstige Vaumwoll- und Flachsernten dürften aber in näch­ster Zeit eine Verringerung des Lagerbestandes zur Folge haben. Die Umsätze bei den Fachgeschäften waren in letzter Zeit nur noch wenig gebessert. Die Bekleidungsabteilungen der Warenhäuser hatten in den Monaten Mai und Juni einen verstärkten Um­satzschwund aufzuweisen, im Juni betrug er 26 Pro­zent'gegenüber Juni 1932. Einen Rekordstand zeigt Die Rohstoffeinfuhr, die zwar teilweise durch Die bevorstehenden Preissteigerungen bedingt war, aber im wesentlichen ihren Grund in besseren Ab­satzmöglichkeiten auf dem Inland- mar k t haben dürfte. Sie lag um achtzig Prozent über der gleichen Vorjahrszeit. Auch die Einfuhr von Garnen war stark gesteigert. Die Preise tendierten weiter nach oben, allerdings Haden sich die Einzelhandelspreise erst wenig erhöht. Einen Tief­stand erreichte die Jnsoloenzenziffer.

Frankfurt still.

Frankfurt a. M., 16. 2Iug. (WTB. Draht­meldung.) An der ruhigen Börsenlage hat sich seit gestern wenig geändert. Immer noch hält die Bankkundschast mit Aufträgen zurück, und auch die Kulisse zeigte wenig Neigung zu neuen Un- ternehmungen. Unter diesen Umständen übten Momente wie die Freimachung Ostpreußens von Arbeitslosen oder die Beschäftigungssteigerung in der Industrie nur geringe Wirkung aus.

Das Bild der Kursentwicklung war uneinheit­lich, die Beränderungen gingen von minus 0,50 bis plus 0,50 Prozent. Farben setzten 0,13 Proz. niedriger ein, gewannen aber bald 0,65 Prozent zurück. Scheideanstalt lagen 0,50 Prozent über, Deutsche Erdöl 0,39 Prozent unter gestern. Am Montanmarkt waren Mannesmann 0,50 Prozent, Rheinstahl 0,25 Prozent gedrückt. Harpener besserten sich um 0,25 Prozent, Klöckner um 0,50 Prozent. Der Elektromarkt eröffnete ziemlich ein­heitlich schwächer, AEG. um 0,25 Prozent, Sie­mens um 0,13 Prozent, Bekula um 0,75 Prozent. Felten blieben behauptet. Von sonstigen Werten gaben Aku 0,75 Prozent, Reichsbank 0,50 Proz., Daimler 0,39 Prozent nach. Rach den ersten Kur­sen schien die Lage etwas freundlicher zu wer­den. Phönix notierten 0,25 Prozent, Zellstoff Aschaffenburg 0,39 Prozent, Zement Heidelberg 1 Prozent höher, und die übrigen neu ange­schriebenen Kurse waren gegen gestern gehalten.

Am Rentenmarkt eröffneten Altbesitz 0,13 v. H. niedriger, erholten sich aber nach den ersten Kursen um 0,40 v. H. Neubesitz waren etwa gehalten, späte Neichsschuldbuchforderungen etwa 0,25 v. H. erhöht. Von Jndustrieobligationen kamen Stahloercin- bonds unverändert zur Notiz, ebenso Reichsbahn­vorzugsaktien. Am Pfandbriefmarkt lagen Gold­pfandbriefe und Kommunalobligationen der Frank­furter Institute teilweise etwas freundlicher, die an- Dtren Hypothekenbanken, sowie Liquidationspfand­briefe im allgemeinen geschäftslos und ziemlich un­verändert. Stadtanleihen lagen sehr ruhig, von Staaisanleihen Hessen von 1928 nach Pause 1 v. H. niedriger. Am Markte der Auslandsrenten erschie­nen Rumänen mit Minus-Zeichen und etwa 0,50 v. H. schwächer. Auch Anatolier waren 0,50 und in­nere Mexikaner 0,13 v. H. gedrückt.

Im Verlaufe war die Situation etwas schwächer. Farben ermäßigten sich um 1 auf 131 v. H., Aku um 0,50 auf 26,50 v. H, auch Holzmann gaben 0,40 v. H. nach.uvährend Gelsenkirchen 0,25 v. H. gewan­nen. Am Mentenmarft blieb die Lage ziemlich un­verändert. Nur Neubesitz konnte sich eine Kleinig- feit befestigen. Der Satz für Tagesgeld blieb zu 3,33 v. H. Unverändert.