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16.3.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 64 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

vsnnerrtag,l6.Mrz 1933

Putsch verwickelt oder auch nur von diesen Plänen unterrichtet sein konnte.

E i n Gutes zeitigt die fieberhaft gesteigerte Ner­vosität. Nämlich die Lieberzeugung bei den über das Konzentrationskabinett verbandelnden, ver­antwortungsbewußten Persönlichkeiten, daß eine Beschleunigung dieser Verhandlungen zum Zwecke eines endgültigen Ergebnisses durchaus am Platze sei.

Eine Lieberlegung, die in der entscheidenden Stunde am Montag im Zimmer des Staatssekre­tärs Meißner zwar nicht ausschlaggebend ist, aber doch eine gewisse Wirkung nicht verfehlt.

Am Montag, den 30. Januar, um 12 Llhr sollen Papen und Hitler beim Reichspräsidenten gemein­sam zum Dor trag erscheinen, soll dort die Ent­scheidung fallen.

Vorher, um 11 Llhr. ist beim Staatssekretär Meißner die erwähnte Sitzung, an der, außer diesem Papen, Hitler, Göring, Hugenberg, Seldte und Duesterberg teilnehmen.

Hier droht noch einmal der fast schon zusammen- gefügte Dau der Einigkeit wieder auseinander­zubrechen. Hugenberg, starrer als der ent­gegenkommendere Hitler, kann sich mit ihm nicht über die gegebenenfalls notwendigen Maßnahmen der Auflösung des Reichstages und der Ausschreibung der Neuwahlen einigen. Hugenberg besteht bei Auslösung auf der Erklärung des Staatsnotstandes und lehnt Neuwahlen ab. Hitler dagegen erkennt die damit verbundene Ge­fahr einer Präsidialkrisis und der übrigen Rück­wirkungen eines Verfassungsbruches und will Neu­wahlen.

Da greift Staatssekretär Meißner ein und weist auf die drohende Gewitterwolke eines Ge­neralstreiks hin, die sich am westlichen Himmel Deutschlands schon deutlich zeigt und die bei wei­terer Uneinigkeit der nationalen Front und den damit verbundenen Regierungsschwierigkeiten ihren bedenklichen Niederschlag finden müße.

Auch Popen appelliert in bewegten Worten an das nationale Gewissen Hugenbergs.

Mit einer großartigen, warmherzigen Bewegung

streckt Hitler Hugenberg die Hand entgegen. Die­ser stellt seine Bedenken zurück und schlagt ein.

Wenige Minuten später stehen Hitler und P a p e n o o r d e m R e i ch s p r ö s, d e n t e n , der Staatssekretär Meißner an seiner «eite hat.

Hindenburg setzt Hitler in klaren und einfachen Worten auseinander, warum er bisher gezögert habe, ihm die Kanzlerschaft zu übertragen und daß er nunmehr, bei der Dcränbeiten Sachlage einer geeinigten nationalen Front, bereit sei, 'hm das Vertrauen zu schenken, das die Besetzung des höch­sten Postens im Deutschen Reiche erfordere.

Hand in Hand stehen der Generalseldmarschall des Weltkrieges und der einfache Frontsoldat.

Hindenburg und Adolf Hiller.

Reichspräfwent und ernannter Reichskanzler.

(Seltener Aömersund im Mainzer Tunnel.

Mainz, 15.März. (WEN.) Bei den Aus- schachtungsarbeiten im Mainzer Tunnel wurde ein sensationeller Römerfund gemacht. Man ent­deckte etwa zwei Meter unter der Erdschicht ein noch vollständig erhaltenes Ro- merbad. Dieser Fund gehört zu den seltensten und Lvichtigstcn, die in den letzten Zähren ge­macht worden sind. Dieses Römerbad zeigt eine aroßzügige Anlage und weist auf den hohen Kultur st andder römischen Legionen hin.

Waffendiebstahl in Mainz.

Mainz. 15. März. (WSN.) DienStag früh drangen Einbrecher in ein Waffengeschäft in der Reutorstrahe ein und entwendeten eine große Anzahl von Schuß - und S t i ch - Waffen sowie eine Menge Munition. Die Tater find unerkannt entkommen. Die Kriminalpouzm hat sofort die Ermittlungen aufgenommen, doch fehlt bis jetzt noch jede Spur.

Sie Geburisstunde des Kabinetts Wer.

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M solchem Aotzeld Hilst sich Amerika.

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Freilich ist der Weg zu dieser nicht endgültig frei, als 28. Januar vom Reichspräsidenten zur Auslösung des Reichstages

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Namen: Blll findet seinen Mann, auch wenn er keinen Namen hat. Es ist nur eine Frage der Zeit, einmal aber wird er auch den Weg des An- deren streifen und ihn erwarten, dis er kommt. Ihn, den er rastlos durch das Land hetzt, ihn, den er, wie ein Wild, vor sich hertreibt. Auf den Achsen der Eisenbahnwagen rast der Verfolgte, fliehend vor der Gerechtigkeit, in die Ferne. Nicht lange, und Blll ist wieder hinterher: denn die Nachschau auf den Strecken ist scharf.

So wenig Menschen sind da, daß jeder Mensch zu einem Gegner wird und jeder seinen Weg kennt, den er geht. In den Städten ist es meist noch gefährlicher: hier in der Wildnis dauert das Fangspiel länger. Alle Polizisten kennt man. So winzig klein und doch so machtvoll ist diese Truppe, sind diese Männer in ihrer blauen Hose und roten Bluse: Bergpolizisten, Aden- teurer, mit Erlebnissen und Erinnerungen, die sich abrollen wie ein Roman, den das Leben schreibt. Wie jener, den man dieHand der Gerechtigkeit" nannte, der fünfzig Jahre in der Einsamkeit und Wlldnis diente, und jahrelang dem Dersolgten auf der Spur blieb, bis er ihn erreichte. Bis in die letzten Winkel ritt er, wo alle Wege auf hören: er mit Eskimos hinter der Hudson-Bay. Er hielt Rast bei den In­dianern am Tschimschianriver. Er kam in die Häfen der Walfischsänger. Verschwand auf Wo­chen in Urwäldern und tauchte irgendwo wieder auf, immer auf der Jagd nach dem gehetzten Menschen.

Es sind die modernen Trapper: wenn sie auch nach den primlliven Gesetzen arbeiten, leben sie doch verbunden mit der Natur, außerhalb Der bürgerlichen Städte dieses großen Landes. Mit jener Natur, die alles freigibt, wie der Ser­geant meinte, besonders dann, wenn es sich um Döses handelt. Primitiv und erschütternd find die Schicksale, von denen Bill erzählt, und vieles davon hätte ich dem Menschenjäger von Kanada nicht geglaubt, wenn die Daten nicht in seinem Tagebuch niedergeschrieben wären. Sonderbare, unheimliche und rätselhafte Ereignisse, Schicksale, die sich abseits aller Welt des Alltags, absells aller Menschen und Gesellschaft erfüllen.

Ewia. wie das Abenteuer ewig auf dieser Erde lebt.

Lösung noch Schleicher am die Dollmacht verlangt und ist damit zu

dieser Begründung die Verantwortung dafür über­nehmen zu können und zu müßen, seinem Herrn das veränderte Bild der Sachlage klarzulegen und so bei ihm den großherzigen Entschluß herbeizufüh­ren. 2ldolf Hiller jetzt mit der Kanzlerschaft des Deutschen Reiches zu betrauen.

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99 jährige Zwillinge.

Zwei Zwlllingsschwestern in Amerika feierten ihren 99. Geburtstag und zugleich ihr SOjähriges Jubiläum als Bürgerinnen der Vereinigten Staa­ten. Die beiden allen Damen sind aus Kissingen ge­bürtig, und darum' ist man auch in Bayern nicht wenig stolz auf die beiden Zwillingskinder. Zusam­men zähen sie 198 Jahre: daher wurde ihnen zum Geburtstag ein Kuchen geschenkt, so groß, daß 198 Kerzen darauf Platz haben. Die allen Damen sind noch sehr frisch und rüstig und leiden nur unter einem Mangel, nämlich dem des bayrischen Biers. Sie erklärten den Pressevertretern, daß sie den Wunsch hätten, den Tag noch zu erleben, an dem die Prohibition ganz aufgehoben wird, damll die Amerikaner recht bald ein richtiges bayerisches Bier trinken können.

Um dem Mangel an Bargeld abzuhelfen, der durch die Schließung der Banken entstanden war. haben sich viele amerikanische Staaten genötigt gesehen, eigenartiges Notgeld herauszuaeben. So gibt es nun in USA. Hilfsgeld, das aus Holz besteht, und solches, so wie wir es in der Inflations. und Nachinfla- tionszeit auch bei uns erlebten, dem Kornbestände als Wert zugrunde liegen. Unser Bild zeigt oben: Holzgeld des Staates Washington: unten: Korngeld des Staates Iowa.

Geltung.

Der traditionelle Presseball in der Nacht Samstag auf Sonntag (vom 28. auf den 29. Ja­nuar) bietet ein charakteristisches Bild von der Derworrenheit im Regierungslager. Denn in der Prominentenloge fehlt die Promine z eires Kanz­lers, gähnt ein Loch durch die Abwesenheit der Reichsminister. Nur Herr von Neurath, aller Wahrscheinlichkeit nachvor Abbau gesichert", Herr Bracht und Freiherr von Braun sind er­schienen. Lind mitten im Trubel der Ballnacht kann man von hohen Staatsbeamten der Regie­rung Schleicher Stimmen schwerer Besorgnis dar­über vernehmen, daß ein Kabinett Papen, von zwei Seiten her einem ungeheuren Druck aus- gesetzt, nämlich von der sozialistischen Seite mit der Drohung des Generalstrells und von der nationalsozialistischen mit der schärfsten Oppo­sition, sofort zusammenbrechen und Deutschland in einen Abgrund stürzen müsse.

Auch am Sonntag schwirren solche besorgten Stimmen, verbunden mit allerhand mehr oder weniger unwahrscheinlichen Gerüchten, umher.

Bill reitet durch Kanada.

Don Rudolf Weynch.

In jenem einsamen Tal, in das die Gletscher niedersteigen, unheimlich im ^7,$

Mondes, in jenem Tal habe ich Bill getret en, während ich auf der Reise nach Jason war.

Er kam aus einem hohen Wald herabgeritten, zügelte fein Pferd und griff grüßend an d,e breite Krempe seines braunen Hutes. Emen hal­ben Tag lang sind wir zusammengeblleben, und ich werde diesen halben Tag in der verlorenen Landschaft nie vergessen. Wälder hoben sich an stellen Gehängen hoch, bis zu den fluchtigen Wolken, manchmal hielt Bill sein gutes Pferd an und sein scharfer Blick suchte die Gegend ab, er'entdeckte sofort die Dergschase die mit ihrem großen starken Gehörn von bildhafter Wirkung find wenn sie einsam auf einer Felskanzel stehen oder auf einem Hügelrücken. In toeiter gerne sah er eine Herde Karibous die spurend still- standen, als ahnten sie den Feind, der sie ent» ^Melleicht mag das den Gedanken in Bill an­geregt haben, von sich und ferner Arbeit zu er­zählen. Er tat es unvermittelt.

Seit sechs Monaten verfolge ich euren "JlZann: durch halb Kanada find wir schon gekommen, es ist das erstemal, daß ich solange unterwegs bin um dem Gesetz Genüge zu verschaffen: er heißt Tom und ist schlau wie ein Auchs Immer finde ich seine Spur wieder. Ich will ihn fassen, tote ich noch jeden gefaßt habe der etwas Boses auf dem Gewissen hat: und diesen Tom besonders, denn er sündigte an der Armut und an der Wohltätigkeit der Farmer "

Ich denke dabei an die Ausdehnung dieses Landes, an die unbewohnten Gebiete, so groß wie Europa ungefähr: und nur zehn Millionen Menschen hausen in diesem Land, statt einhun- dertsünfzig Millionen, für die Platz g«mug toare Dieser Blll gehört zur Canadian Mounted Police, und diese Polizeitruppe mutz eine gewaltige Ar- beit leisten, will sie das riesige Gebiet beherrschen und ihre Einwohner schützen.Die Menschenfan- *er von Kanada" heißen die Polizisten: ich habe es nie verstunden, dieses Wort, ober seitdem

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Expedition nach Labrador.

Anfang Juni d. I. wird unter der Leitung des italienischen Luftfahrtministers, General Balb 0, eine große italienische Flugexpedition über Grön­land nach Labrador starten, an der 24 Wasserflug­zeuge mit 100 Fliegern teilnehmen. Das Unterneh­men ist bereits durch eine Vorexpedition eingeleüet worden, an der der dänische ftapüdnleutnant Sali- cath, der den Italienern vom dänischen Marine- minifterium zur Verfügung gestellt wurde, mit elf italienischen Aereologen, Radiotelegrafisten und Flugzeugmechcinikern unter der Leitung des italieni­schen Flugkapitäns Rund io ausgeführt. Diese Vorexpedition, an der auch der deutsche Meteorologe Dr. Sauer mann teilnimmt, wird nach Iuliane- haab an der Westküste Grönlands abfahren, um von dort aus das Signal zum Start zu geben, sobald das Wasser eisfrei ist, was man wegen des strengen Winters nicht vor Anfang Juni erwartet. Es ist noch ein Flug über Island nach Labrador geplant, aoer man glaubt, daß das ohne Zwischenlandung in Iu- lianehaab nicht möglich sein wird. Die Flugdauer von Island nach Labrador beträgt nur zehn Stun­den, jedoch ist das Wetter in der Dänemarkstraße und in der Davidstraße sehr unbeständig. Aus die­sem Grunde hat General Balbo Befehl gegeben, in Julianehaab alle Vorbereitungen zu treffen, damit das italienische Geschwader dort Unterkunft finden kann.

lieber die Berufung Hitlers zum Reichskanzler bringt ein Buch von Edgar v. Schmidt-Paulin ..Hit­lers Kamps um die Macht", das so­eben im Derlag Georg Stille in Berlin erscheint, neues interessantes Material. Wir geben nachstehend mit Genehmigung des Derlags das Kapitel über die auf­regenden Dorgänge am 29. und 30. Ja­nuar wieder.

Die rote Mappe?

Mit dem Auflösungsdekret für alle Fälle im Hintergrund, meinte Schleicher, jedes ernste Aufbegehren der NSDAP, im Reichstag bän­digen zu können.

Das Auflösungsdekret aber hoffte er ohne weiteres vom Reichspräsidenten zu erhalten.

Dielleicht zum ersten Wale in feiner Karriere sollte sich Herr v. Schleicher gründlich verrechnet haben. Denn als er am 28. Januar vor Hinden­burg erscheint und symbolisch gesprochen die rote Mappe aufklappt, weigert sich der Reichspräsident, ihm das Ausiösungsdekret hin­einzulegen.

Die Konsequenz: Rücktritt des Kanzlers von Schleicher und Demission des gesamten Ka­binetts

So festgefahren hatte sich der Regierungswagen Schleichers, und so aussichtsreich waren die D e r- handlungen Papens über d i e Neu­gründung der nationalen Front, daß der Reichspräsident am Freitag, den 27. Ja­nuar. nach Einzelvorträgen .von Papen und Staatssekretär Meißner entschlossen war, Papen nochmals mit der Mission zu betrauen, ein Kabinett wirklicher nationaler Konzentration zu­stande zu bringen. Dieser MöglichkÄt nachzu­gehen, erschien ihm ein besserer Weg, um aus der Derworrenheit ins Freie zu gelangen, als Schleicher die Dollmacht zur Ausiösung zu geben. Denn das hieß in diesem Falle, da neue Wahlen kaum etwas an der Lage geändert hätten, nichts airderes, als den Staatsnotstand zu erklären, keine Wahlen auszuschreiben und damit einen Derfassungsbruch einzuleiten.

Allerdings war es den genannten Herren nicht leicht gewesen, den Reichspräsidenten davon zu überzeugen, daß die Führung des neuen Kabi­netts der nationalen Konzentration Hiller über­lassen werden müsse. Er wollte lieber den-Mann seines Vertrauend, Franz v- Papen, an der Spitze sehen Für diese Lösung war jedoch Hitler defini­tiv nicht zu haben. Darüber waren sich alle an den Dorbereitungen für die nationale Einheits­front beteiligten Männer klar' geworden und hatten sich ihrerseits entschlossen, zugunsten Hit­lers auf die Führung zu verzichten. Wenn Hitler jetzt mitmachte, erfuhr das politische Bild eine wesentliche Aenderung gegen früher. Denn jetzt trat Hiller nicht mehr als Parteimann vor den Reichspräsidenten, sondern als der vor­geschlagene Führer der gesamten natio­nalen Front Neben ihm stand, als Vize­kanzler gedacht, mit dem Recht des gemeinsamen Vortrags mit einemReichskanzler Hiller" beim Reichspräsidenten, also d"m Rechte auf ständiges unm.ttclbares Gehör. Herr v. Papen und ge­währleistete als Vertrauensmann Hindenburgs die Lleberparteilichkeit des vorz»schlagenden Ka­binetts. Und dem Kabinett endlich sollten die Mini­ster Freiherr von Neurath, Graf von Schwerin- Krosigk und Freiherr Elz von Rübenach angehören und ihm damit vollends einen überparteilichen Cha­rakter sichern. r

Wenn also die Wegbereiter des Zusammenschlusses der nationalen Front dem Reichspräsidenten den Vorschlag, Hitler mit der Führung des Kabinetts zu betrauen, unterbreiteten, so bedeutete das keines­wegs einen Druck auf den Feldmarschall, von feiner klaren und geraden Linie, die er eingehalten hatte, abzuweichen oberumzufallen". Die Konstruktion eines Umfalls, wie sie dann nachträglich von den Gegnern des Kabinetts Hitler versucht wurde, hat daher keinerlei Fundament. Es sei denn jtn aus Demagogie, Böswilligkeit und falschen «chlusfen Äufammengetragened.

Bor allem glaubte Staatssekretär Meißner mit

Inzwischen führt Papen -Verhandlung nach Verhandlung. Nur mit dem Zentrum verhandelt er nicht.

Noch in der Nacht von Sonntag auf Montag ist eine Einigung zwischen Hitler und Hugenberg nicht erzielt. Ja, es heißt in eingeweihten Krei­sen, daß die Verhandlungen mit Hitler endgültig gescheitert sind.

Kein Wunder, daß bei solcher Sachlage die Gerüchte sich zu wilden Nachrichten über einen Militärputsch verdichten, mit dem Ziele, den Reichspräsidenten abzusetzen, nach Neu» deck zu eskortieren und den Sohn, Oberst von Hindenburg, sowie Herrn von Papen und andere seiner Freunde zu verhaften.

Unglückseliger Träger solcher Nachrichten, die so­gar von einer Verwicklung der Generäle von Schleicher und von Hammerstein in den Putsch wis­sen wollen, ist unter anderen der uns schon bekannte Werner von Alvensleben, der hier kein Meisterstück einer günstigen Vermittlung vollbringt, sondern unverantwortlichen Staatsstreichplänen das Wort redet.

Göring schenkt diesen Nachrichten Glauben. Alarmiert um 11 Uhr nachts den als Zuschauer bei dem großen Reitturnier in den Ausstellungshallen sich aufhaltenden Staatssekretär Meißner. Der mißtraut den Nachrichten sofort und erkennt sie als haltloses Geschwätz. Immerhin werden Hiller und Papen benachrichtigt.

Ruhig spielt an diesem Abend Staatssekretär Planck mit dem Verfasser beim Rittmeister a. D. Moyzischewitz. der während der Regierungen Papen und Schleicher im besonderen Auftrage das bekannte, aus privater Initiative entstandene Büro in den Zelten geleitet hat, Bridge. Allerdings wird er alle zehn Minuten ans Telephon gerufen. Das findet feine Erklärung in dem Umstand, daß er sich von dem Gang der Verhandlungen zwischen den Vertretern der Harzburger Front und Papen orientieren lassen muß. Jedenfalls rechtfertigt solch harmloser Aufenthalt in Gesellschaft kaum die An­nahme, daß Planck irgendwie in den angeblichen ich mit Dill in die einsamen Täler geritten war, da ahnte ich etwas von der Leistung dieser kaum einige tausend Mann starken Truppe. Moderne Trapper sind sie, die jede Provinz, jede Land­schaft kennen, jede Farm, jede Rinderherde und jeden Farmer. Scharf find ihre Augen und sie vergessen einen Menschen nicht leicht, wenn sie ihn einmal beobachtet haben. _

Sie kennen die einsamen Täler ebenso, wie sie die Schluchten, Berge und Gletscher kennen, die Prärien und die Wege zu den Pässen, sie kennen die Straßen, die die Glücksritter gehen, die immer noch darauf aus sind, Gold zu finden, oder Ra- dium. Sie kennen die Fährten, die die Jäger nehmen, wenn sie den Elchen und dem Rotwild der kanadischen Wildnis nachstellen- Sie kennen die Flüsse, die die einsamen Fischer lieben, alle diese zahllosen meist noch indianischen Namen, und sie kennen auch die Indianer, die noch ferne der staatlichen Reservation leben, in Fischer- dörfern, in Hütten, in Wigwams. Natürlich ken­nen sie auch die Millionäre, die in jedem Sommer nach dem Wilden Westen kommen und hier Blockhütten mieten, für die sie hundertfünfzig Dollars an einem Tag Miete zahlen.

So riefengroß ist dieses Land, so endlos, toenn man an die unbewohnten leeren Gebiete denkt daß die Polizei oft unheimlich rasch ans Ziel kommt. Denn der Blick kennt keine Grenze. er erreicht im Nu den Horizont, und ein kleines Feuerchen, an dem sich der Mann wärmt und einen Vogel brät; es raucht, und der Rauch wird zu einem Signal, das man weithin lieyt Dann ist es nicht mehr schwer: das Land muh den Verfolgten hergeben.

So wird Bill, der lächelnd neben mir rettet, zu einem Jäger, zu einem Menschenjäger. Er verfolgt seine Beute durch die Prärien. Immer findet' er die Spur wieder. Ein Lagerfeuer, ein Weg mit Fußspuren, und er wäre kein Trapper, wenn er sie nicht alle unterscheiden könnte. Er besucht die Holzfällerdörfer: jeder Mann kennt da feinen Nächsten, der Felljäger, der Fremden­führer, der Cowboy, der Rinderhirt, der Fischer. Kein Mensch, der länger als eine Ettmde in einem Dors sich aufhält und dabei fremd bleibt. Namen haben hier keinen Wert, man kann sie wechseln. Diese einsame Natur giot nichts auf

abschlägig beschieden wird. Noch rechnen, daß die Einigung mißlingt und dann lediglich ein sogenanntesKampfkabinett" Papen-Hugenberg zur Debatte steht.

Vor diesem Experiment glaubt Schleicher Reichspräsidenten bei seinem Rücktritt auf dringendste warnen zu müssen. Auch Hitler _ genüber bringt er diese seine Ansicht von der Llnmöglichkeit solcher Lösung nachdrücklich zur

NICKEL Z

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