Ausgabe 
15.11.1933 Zweites Blatt
 
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Ein Danknotenfälscher verhaftet.

KatscheHundertmarkscheme äusser,en abgeseht.-Oie Gauner waren auch in Gießen

WSN Frankfurt a. M, 14. Noo. Am Sams- tagnachmtttag machte der Schlosser Wilhelm Höke ap, Ottbergen (Westfalen) in einem hiesigen Geschäft einen Einkauf von Bedarfsartikeln für seinen Jtraftwagtn im Werte von ca. 16 Mark Er gab hierfür eine Banknote von 100 Mark in Höhlung. Da der Geschäftsinhaber auf diesen Schein nicht herausgeben konnte, schickte er einen Angestell- ten mit dem in Zahlung gegebenen Schein zum nächsten Postamt jum Wechseln. Hier wurde der Schein zwecks Nachprüfung auf seine Echtheit an­gehalten. Der Käufer wurde von dem Geschäfts­inhaber oufgesordert, sich den Gegenwert der Bank­note persönlich auf dem Postamt abzuholen. Hoke kam dieser Aufforderung auch nach. Zn^wlschen war beim Postamt der Schein einwandfrei als falsch erkannt worden Als Höke sich den Gegen­wert der Banknote auf dem Postamt obholen wollte, wurde er f< fl genommen. Bei seiner Vernehmung gab er an, daß der den in Zahlung gegebenen Schein in BuenosAires in einer Bank gekauft habe. f). ist Ende Dezember oyn Buenos-Aires, wo er mit feinem Bruder ein Kino hotte, nach Deutschland zurückgekehrt. Die sofort

eingeleiteten (Ermittlungen ergaben einwandfrei, daß Höke auch an anderen Orten gleiche Fälschungen in den Verkehr gebracht hat. Er nannte sich hierbei Heinrich Meyer. Auf Grund des Belastungsmaterials aab Hoke bann an, mit feinem Bruder Heinrich Hoke vor ihrer Abreise aus Buenos-Aires falsche Hundert­markscheine berge ft eilt zu haben. Seit ihrer Rückkehr nach Deutschland bereiften sie mit einem Kraftwagen Nord- und Mitteldeutschland. Auf ihren Fahrten haben die beiden Brüder eine Anzahl gefälschte Scheine abgesetzt. Von einer er- folgreichen Fahrt kehrten sie bann an ihren Stand- ort, ben sie in Homburg unb Dttbergen unterhiel­ten, zurück. Ihre letzte Fahrt führte sie nach Naum­burg, Gießen, Friedberg, Vilbel unb Frankfurt. Der Bruber bes festgenommenen Höke, ber Kinooorführer Heinrich Höke, ist flüchtig. Nach An­gabe seines Bruders hat er noch eine Anzahl gefälschte Scheine bei sich. Es besteht ber Verdacht, baß bie beiben ©rüber weitere Fälschun­gen in Frankfurt a. M. unb weiteren Orten abgesetzt haben.

Fußball: VfB. Liga gegen 1900 Liga

Berbanddspiel-Lolaltrcffen am kommenden Sonntag.

Am kommenden Sonntag haben die Ligamann- schosten der beiden hiesigen Sportvereine zum Aerbandsspiel einander gegenüber zu treten. Für das Gießener Fußballpublikum dürfte das Spiel *-iii Höhepunkt in der Vorrunde ber diesjährigen Verbanbsspiele fein. Än welchen Aufstellungen bie Mannschaften antreten werben, ist nicht zu sagen. Wir werden am Samstag darauf zurückkommen. Als Schiedsrichter ist Ketterer (Hanau) bestimmt. Er leitet zum ersten Mole in Gießen. Wie bas Spiel ausgeht, ist biesmal weniger benn je voraus- zusagen. Bride Mannschaften kämpften zu unter­schiedlich, als baß eine verglcichenbe Uebersicht mög­lich wäre. Daß es aber zu einem harten Kampfe kommen wirb, unterliegt kaum einem Zweifel. Das Spiel finbet auf bem Walbsportplatz statt £X5<£. neunmal in der Bestenliste des

DGV vertreten.

Auch für das Jahr 1933 ist bie Leichtathle - t i k - B e st e n l i st e bes jetzigen Gouverbonbes DSD. erschienen. Ueberroschcnb konnte der OSC. feftstellen, daß er neunmal in ber Liste verzeichnet ist Es find feine beiben bekannten Leichtathleten . Mohl unb 0. L u h, bie burch ihre guten Lei­stungen dem 0SC. Eingang in biefe vielbeachteten Listen verschafften. Die Leitung bes 0SC. Hot ben Kampf um bas Dasein bes Vereins erfolgreich ge­führt. War schon ber Besuch von 21 Deronstoltun- gen in ber vergangenen Saison für ben 0SC. ein großer Erfolg, so schätzt jeboch bie Leitung ben inne­ren Zusammenhalt unb ben Komerobschaftsgeist ber Mitglieber höher unb wertvoller ein. Gerobe ber Geist ber Tot, der Opferwillen oller Aktiven war es, der bie Rennmannschaften bes OSE. bereits

nach einjährigem Bestehen in bie oorberfte Reihe ber Athletik-Dereine brachte. Währenb Mohl ein alter Sportsmann ist, hat ber junge Luh erst in bie- sem Jahre den Anschluß an die Spitzenklasse erreicht Die beste Leistung Mohls ist sein Hammerwurf von 37x46 Meter. Er hofft, seine Leistungen noch wesentlich zu steigern. Bei Luh fällt sein Kugelstoß von 13.98 Meter auf, aber auch sein Weifsprung von 6.73 Meter stellt eine vielversprechende Leistung bar.

Nachstehend bie Leistungen der beiden OSCer. (Die Zahl in Klammern bedeutet die Stellung in der Liste):

Hammerwerfen: W. Mohl 37.46 Meter (2), 0. Luh 30.18 Meter (11). Schleuderbollwer­fen: W. Mohl 58.80 Meter (2), 0. Luh 55.24 Me­ter (9>. Äugel ft often: 0 Luh 13.98 Meter (6), W. Mohl 13.37 Meter (12). S t e i n st o ß e n: W Mohl 8.90 Meter (9), 0. Luh 8.47 Meter (21). Weitsprung: 0. Luh 6.73 Meter (11).

Deutsches Eishockey muß schneller werden!

Der kanadische Trainer bei ber Arbeit.

Der letzte Abschnitt bes Olympiavorbereitungskur- fus bes Deutschen Eislous-Berbonbes, ber am 17. November beenbet wirb, steht im Zeichen er- hcihter Lehrtätigkeit. Die Eishockeyspieler arbeiteten ,)um ersten Male noch ben Anweisungen des kanadi­schen Ämateurtroiners Francis Vernarb H e j i mer. dem Paul Martin unb Dr. Holsboer zur Seite stauben. Der Kanobier, selbst eft her- uorragenbier Spieler, ist mit bem ihm anoertrauten Material sehr zusrieben. Obwohl er bie Spieler erst kurze Zeit beobachten konnte, hotte er bereits festge­stellt, baß es unseren Vertretern an Schnelligkeit mangelt. Ein großer Fehler finb bie viel zu langen Schritte unserer Spieler. Aus biefem Grunde legte Heximer großen Wert auf eine grünbliche Lauf­arbeit. Im weiteren praktischen Teil folgte eine systc- matischeSchulung im Dribbeln, Kombinieren, lieber- fetzen unb bem Zu- unb Abspiel ber Scheibe. Mit

dieser Aufbauarbeit werden unsere Eishockeyspieler in ben nächsten lagen noch voll beschäftigt sein, da­neben sind noch technische Feinheiten unb vor allem bie Anwendung der neuen Spielregeln zu erlernen. Der Kanadier versteht sein Fach unb man konnte schon nach ben ersten Uebungsftunben sogen, daß unsere Eishockeyspieler bei ihm in guten f)änben finb.

Damit der Kompscharokter zu seinem Recht kommt, ist für ben heutigen Mittwoch ein Rückspiel ber Gaumannschaften von Brandenburg unb

Bayern angesetzt, bas um 20 Uhr im Berliner Eis- stabion am Friedrichshain beginnt. Am morgigen Donnerstag werben sich die Nationalmannschaft und bie durch Hesimer verstärkte B-Mannschaft gegen- überstehen.

Die Äunftläufer und - läuferinnen sind weiterhin unter ber Leitung bes deutschen Meisters Ernst Baier sehr fleißig und lasten sich selbst durch bas Regenwetter die Stimmung nicht verderben. Bei allen Teilnehmern finb daher auch schon gute Fort­schritte erkennbar

Geistige Arbeit im Sport.

Eine gute Körperlichkeit ist ber Unter- grunb aller Kultur, aller Bildung, olles Menschenglücks überhaupt.. ."

Sport ist in erster Linie eine Sache ber Körper­lichkeit. Wieviel geistige Arbeit aber mit ber Aus­übung bes Sportes oerbunben ist, wissen bie Fern- stehenben meistens nicht, sie sehen von ber Leistung nur bas Aeußere, bas Meßbare aber nicht bie in­neren Kräfte bes Willens, bie seelischen unb geifti- §en Funktionen, bie jebe hervorrogenbe Leistung em Menschen aboerlangt.

UJas ist ber tote Punkt im Sport, der bei jeder größeren Leistung eintrift, anderes, als bie Er­schöpfung der physischen Kräfte, die burch Anspannung bes willens, burch die geistige Beherrschung des Körpers neu belebt werden müssen.

3n gleicher Weise zwingt ber Sport zur geistigen Regsamkeit. Wo bas Hirn nicht arbeitet, ist es schlecht um bie sportliche Leistung bestellt. Man frage einmal unsere Spitzenkönner, wieviel Ge- banken sie sich über ihren Sport machen, wie sie an ber Verbesserung ber Technik arbeiten unb im­mer wissenschaftlicher an ihre Aufgaben Herangehen. Der T i e f ft a r t bei ben Kurzstreckenläufen ist bas Ergebnis geiftiger Arbeit unb nicht min­der bie einzelnen Techniken beim Hochsprung. E s aibt keine Verbesserungen der Lei­stungen ohne intensivste geistige Mit- a r b e i t. Die ungeheure Steigerung ber Leistungen, bie bei ben letzten Olympischen Spielen so beredt in die Erscheinung trat, ist auf bie immer stärkere Er­forschung unb Durchbringung ber sportlichen Mate- rie zurückzuführen.

Gcm; besonders rege muß die geistige Arbeit beim Mannschaftssport fein.

Ohne bas Hineinbenken in bie Absichten feiner Mit­spieler ist eine gute Mannschaftsleistung nicht mög­lich Unb je besser biefe geistige Durchbringung, um so besser, reichhaltiger unb inbioibueüer wirb bie Spielweife fein. Man spricht oft von einem ibeenreichen Spiele unb meint bamit bas von ber Schablone abweichenbe Spiel. Aber bas ibeenreiche Spiel eines Einzelnen ist zur Unfrucht, barkeit verurteilt, wenn es nicht oerftanben dzw. auf basselbe nicht eingegangen wirb Das bebingt geistige Mitarbeit ber anberen Spieler, bie laufend notwendig ist, wenn ein Spiel von Niveau Zu­standekommen soll. Wer einmal Gelegenheit gehabt hat, bie Spitzenspieler irgend eines Sportes kennen- zulernen unb sich mit ihnen zu unterhalten, wirb er­neut erstaunt gewesen fein über bie geistige Beweg- lichkeit biefer Leute, die neben hervorragenben kör­perlichen Fähigkeiten auch Intelligenz besitzen, die nicht nur andere befruchtet in Spielauffassung unb Können, sonbern geeignet ist, sich selbst in fremde Auffassungen hinemzubenken, sie sofort aufzuneh- men und zu verarbeiten.

Der Durchschnillsspieler Hal es schwer, sich mit Mitspielern abzufinden, die er nicht kennt, der

intelligente Spieler wird nach kurzer Zeit im Bilde sein und den Kontakt mit den übrigen

Spielern Herstellen können.

oport treiben hrißt also auch geistig arbeiten. Selbstverständlich scheiben sich aUd) hier bie Man­schen nach ©oben unb Anlagen Ohne ein Mindest­maß geistiger Arbeit wird aber kein Sportler, d-r es ernst mit feinem Sport meint, ausfommen kön­nen. Die Höherentwicklung ber persönlichen wie der absoluten Leistung ist mehr eine Frage des Verstandes unb Willens als ber Körperlichkeit

ttunst und Wissenschaft.

Schauspieler und Theater im neuen Reich.

Anläßlich ber ersten Reichsobmännerkonferenz der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger (Au- glied der Reichstheaterkammer) sand in Berlin eine Versammlung ber Berliner Schau spieler statt, bie außerordentlich stark besucht war, unb bie eine besondere Bebeutung auch burch bie Anwesenheit bes Ehrenmitgliebs ber Bühnen aenostenschaft Gerhart Hauptmann bekam Der Präsibent ber Bühnengenossenschaft Otto fi a u b i n- g e r begrüßte Hauptmann ganz befonbers, wor­auf alle Anwesenben sich erhoben unb bem Dichter stürmische Ovationen ba.brachten. Gleichfalls leb­haft begrüßt würben Arthur Krausneck unlbber ftelloertretenbe Präsident ber Reichstheaterkammer Werner Krauß, von bem ßaubinger sagte, baß er erst kürzlich in London durch feine große Kunst das Ansehen ber deutschen Buhnenkunst wieder vor einem Weltforum auch gegenüber gehässigen An­griffen behaupten und dokumentieren konnte. In biefem Zusammenhang stattete Caubinaer einigen aleichfalls anwesenben englischen Schauspielern ben Dank dafür ab. baß bie Schauspieler in Conbon sich durch pöbelhafte Angriffe nicht von dem künst­lerischen Zusammenwirken mit Werner Krauß haben abbringen lassen. In einem großangelegten Refe- rat schilderte Präsident ßaubinger bann bie so be- beutungsvolle Aufgabe des Neuaufbaues bes deut­schen Theaters im nationalsozialistischen Sinn. Nach­dem Eugen Rer im Nomen der Schauspieler dem Schauspielerführer gedankt hatte, wurden Ergeben- heits- unb Danktelegramme an den Reichskanzler Adolf Hitler, ben Reichspropaganbaminister Dr. Goebbels unb ben preußischen Ministerpräsiden ten Göring abgesandt.

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