Nr. 268 Drittes Statt
Mittwoch, 15. November 1933
Gießener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Gberhefsen)
Lunge deuffche Nation.
Oer Aufbau der Hitlerjugend
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Wandertag.
Von Georg von der Vring.
Oder sie tun es, indem sie vorerst ein bißchen nachgrübeln: Sie haben etwa ihre schlau verschlagenen Pläne, den künftigen Schwierigkeiten des Lebens auf jene pfiffige 2lrt beizukommen, von der sich der keck zu Eulenspiegeleien Aufgelegte etwas erwartet, wenn er als Bäcker nicht so viel Brot, sondern lieber mehr Kuchen in den Ofen schieben will — oder sie denken sich Sicherungen gegen die bösen Zufälle aus, wenn sie wie der kluge Rechenkünstler ihren Schornsteinfegerverdienst in Häuserkäufen anlegen würden — und sie gestehen wohl auch einmal hilflos verschämt wie der lang aufgeschossene Sinnierer dort, daß sie für ihre Mutter werkeln möchten.
Und zum Schluß haben sie alle irgend etwas gesagt. Bunt und blank wie Seifenblasen funkeln die Wunschträume. Immerhin aber, im Hintergrund schimmert kommendes Schicksal!
Denn eins haben alle jene herzhaften Aeußerun- gen gemeinsam: Ihre Hoffnungen bleiben fest und
Die deutsch- Jugendfront
Die nationalen Jugendverbände sind nunmehr in der Hitler-Ju- giend zusammengefaßt. Es gibt noch vier große Gruppen: Deutsches Jungvolk und Jungmädel; Organisationen, in denen die Kinder bis 14 Jahre erfaßt sind. Für die ältere Jugend ist beiden Jung-en die Hitler-Jugend und bei den Mädchen der Bund Deutscher Mädel über ganz Deutschland verbreitet. Die Untergliederung ist bei Jungen und Mädchen bis zum Oberbann bezw. bis zum Ob-ergau die gleiche. Erst bei den unteren Organ.'.a- ionen ist Hitlerjugend und Jung- n[f getrennt.
zeigen.
„Setz dich hm, aber gib acht!
Marsch!
Die Sexta jetzt sich in Bewegung. Die Sonne steht breit “in der Chaussee Ein wertloser verbeulter Mond wird noch auf Wiesen entdeckt Barkhausen hat ein Kaninchenpelzmäntelchen an, und Ulferts trägt eine gewaltige Uhrkette Es ist kalt
Die Spitze marschiert zu rasch. Hinten wird Schimpfen laut. Ich gehe nach vorn und gebe Befehl: Langsamer! Später wiederholt sich dasselbe.
Unterbann
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Kameradschaft
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Madel-.Gruppe WW M
Lateinische Arbeit. Einen Augenblick lang huschte ein Schatten über Brunos Gesicht.
Lateinische Arbeit. Das war auch so ein Mittel, das die Pauker sich erdacht hatten im Kampf gegen die Jungen. Wenn alles nicht mehr klappen wollte, wenn jedes Mittel versagte, Den Freiheitsgeist der Jungen zu unterdrücken, dann hieß es: wir schreiben morgen eine lateinische Arbeit Und wie weggewischt war dann mit einem Schlage die Stimmung, und wie ein Bote drohenden Unheils hing das Wort Arbeit über ihren Häuptern. Aber ihn sollten " ‘ ihnen schon
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sie nicht klein kriegen würde es
Das erstere befolgte Bruno Dar natürlich nicht in Frage. Während er sich den Am chein gab, als nehme er regen Anteil am Unterricht, kritzelten seine Hände auf ein Stück Papier einige Worte. Dann knitterte er das Papierstuck zusammen, ballte es in Den Fingern zu einer kleinen Kugel und als der Pauker gerade em neues Wort an die Tafel schrieb und der Klasse den Rücken kehrte, da flog diese winzige Papierkugel in hohem Bogen über die Köpfe der Klasse hinweg zur rechten hinteren Bankreihe
Dort saß Gerd Anzengruber Gerd,war Brunos besonderer Freund. Schon daher, datz_ sie m derselben Straße wohnten, nur wenige schritte von einander qelrennt. Dann hatte ®erb an Ostern den Anschluß verpaßt und war in Brunos Klasse ge=
Nun hatten sie ein besonderes freundschaittiches Verhältnis das sie miteinander verband, -sajon bald hatten sie die Führung in der Klasse und gaben den Ton an. . .
Schon mehrere von der Klasse gehörten zu ihrem Bund. Ein Bund waren sie eigentlich nicht, ©ie hatten keine geschriebenen oder ungeschne enen Gesetze. Sie waren zusammengekommen wie man so zusammenkommt, und allmählich hatte sich dann eine Vorherrschaft von Bruno herausgebildet, weil er der Stärkste war und die andern auch mitzu- reihen verstand. Ihm gehorchten sie. Er war ihr Führer, das heißt ihr Häuptling, denn sie bildeten den mächtigen Stamm Der Urpötos-Jndianer ote bekriegten die Bleichgesichter, die mit den grünen Hemden, die sich Pfadfinder nannten. Wo sie sich begegneten außerhalb der Schule, Da gab es eine Keilerei. Während der Schulstunden merkte man wenig davon, im Gegenteil, da waren sie emig,
Hatto, Jungens! Was wollt ihr denn mal werden .,.?!
Von Harry Schreck.
Plötzlich steht Die blanke herzhafte Frage im Klassenraum. Sie ist eigentlich ganz einfach. Aber sie hat es in sich. Man ahnt gar nicht gleich, was alles dahinter steckt.
Denn sie will nicht wißen, von wann bis wann S?arl Der Große gelebt hat, ober wo man die Stadt Rio auf der Landkarte zu suchen hätte. Und sie fordert weder Auskunft Darüber, wieso Unpaarzeher etwas anderes sind als Paarzeher, noch geht sie drauf aus, sich erzählen zu lassen, wo mau ein Komma zu setzen und wo man es nicht zu setzen hat. Ja, und sie erkundigt sich nicht einmal danach, was dabei herauskommt, wenn die zwei lediglich für den Rechenunterricht erfundenen Radfahrer sich mit verschiedenen Geschwindigkeiten entgegenstrampeln, um sich nach so und so viel Meilen zu treffen.
„Hallo, Jungens", fragt sie, „was wollt ihr denn einmal werden?!" Und eben das und nichts weiter fragt sie heiter und jungenhaft, wie Lehrer heutzutage eben meist selber jungenhaft und heiter sind, in eine junge und stumme Rasselbande von Elfjährigen hinein, die stupsnasig und sommersprossig, helläugig und wuschelkopfig auf ihrem Gebänk hockt.
Hm, also ja: wgs man wohl spater mal jo werden will? Als ob man das heute schon genau wissen und sagen könnte! Denn nicht wahr, bis dahin dauert es doch noch ein bißchen?
Aber immerhin: der ober jener weiß es doch schon ganz gut. Na ja, denkt er, dies und das mag sich ja wohl noch ändern, nichtsdestotrotz; ungefähr kennt man sich schon aus!
Und schon reißt sich ein schmaler, flinkwendig gewachsener Blonder aus den Mittelreihen heraus, um mal den Anderen ringsum zu zeigen, was eine Harke ist: atemlos und blitzend vor lauter Leben flammt seine entschlossene Stimme die Meinung in Den Raum, daß es etwas ganz wunderbar Herrliches sei, ein Schiffer zu werden — ein Schiffer, der immer lustig sei, jawohl, und nicht etwa drei Tage danach, wenn es mal ordentlich losgeht, zu seufzen und knurren anfinge, daß er eigentlich lieber kein Seemann hätte werden sollen. Kurzum also, ein Schiffer, mit dem bas Richtigkeit hat! Em beifälliges Gemurmel rollt sanft burch ben Klassen- ra'nnb während es noch gar nicht verebbt ist, blinzelt ein listiger und verschmitzter Braunkopf herüber, um nun seinerseits zu äußern, baß er es nut ber Tischlerei halten möchte — mit einer Art von Tischlerei, versteht sich natürlich, bei ber man gehörig schnitzen und sägen kann, unb bei ber man Schränke baut, die etwas aushalten, unb bei ber übrigens nicht so holterdipolter kassiert werben Dürfe, daß man noch womöglich Rechnungen verliert, mit Denen einem Der Meister zu Den KunDen schickt. Mit einem Wort: ein Tischler, Der seine Sache kennt!
Jawohl, so ist Das; unD so sollte Das Leben aus- febeu. Man muß bloß so auf es losgehen wie Die beiDen do eben! Aber, ach was: was Die können, wird man doch auch noch können.
Und schon, geht es wie ein Ruck durch die Pultreihen weiter. Einer nach Dem andern tritt an, um auch etwas mitzuteilen. Einer nach dem andern träumt in Die Zukunft hinein.
Manche tun es sehr ruhig wie jener still unb bedachtsam Umherforschende mit Den biegsam geschickten Fingern, Der schon jetzt schlosiensch bastelt unD aewiß ein neues MoDell zu erfmDen Denkt — manche behaglich unD leise vergnügt, wie jener rund- bätfige Weltkenner, Der Kellner roerDen will, weil inan'Da Doch erst mittags aufzustehen braucht unD immer ©elD in Der Tasche hat — manche mit fröhlich DröhnenDem Lärm wie jener Strubbeihaarige, Dessen Herz bereits alle Vorteile eines Fleischer-Daseins ausgekunDschastet hat, bei Dem man Doch hoffentlich so viel essen Darf, wie man bloß kann
besteht aus vier Gefolgschaften, Deren jebe roieber Drei Scharen besitzt. JeDe Schar hat Drei Kamerab- ^Die Kameradschaft ist also Die kleinste Einheit. Der KameraDschaftsführer hat in feiner Ka- meraDschast 9 bis 15 Jungen. Er ist also jeberzeit in Fühlung mit feinen Kameraden unD soll einen jeDen einzelnen unD seine Verhältnisse kennen. Er hat Die Aufgabe, Dem neu hinzukommenden Hitler- jungen Die ©runDgeDanten des Nationalsozialismus klarzulegen, er hat auch Dafür zu sorgen, baß seine Kameradschaft eine festgeschlossene Gemeinschaft bildet
Die Schar soll durch Fahrten und dergleichen die einzelnen Jungen der einzelnen Kameradschaften einander näher bringen. Sie besteht aus etwa fünfzig Jungen einschließlich des Scharführers. Durch Teilnahme an sportlichen Wettkämpfen aller Art sorgt Der Scharführer für Die körperliche Ertüchtigung Der ihm anvertrauten JugenDgenossen.
Sie Gefolgschaft wirD in Den Ferien größere Lager veranstalten. Lager, Die Sehnsucht jeDes Deutschen Jungen. Lager, Das heißt vergessen all Dessen, was im Alltag einen nieDerDrürft unD nicht -roh roerDen läßt, Lager, Das heißt, unD sei es nur für Die wenigen Tage, Die solch ein Lager mitunter
Die HitlerjugenD, heute bereits Die größte unD allein Daseinsberechtigte Deutsche Jugenborga- nisation, hat, von Dem Volkskanzler, Dessen Namen sie trägt, abgesehen, ihren obersten Führer in Dem ReichsjugenDführer, BalDur von S ch i rach. Der ReichsjugenDführung unterstehen unmittelbar fünf Obergebiete. JeDes'Obergebiet glieDert sich in fünf Gebiete, unb jeDes Gebiet zerfällt in fünf Ober- banne. Der Oberbann zerfällt in fünf Banne, unD Der Bann in fünf Unterbanne Der Unterbann
Bruno und ferne Horde.
von Heinrich Hübner.
Die folgenbe Schilderung ist ein Vorabdruck aus Dem zu Weihnachten erscheinenden Buche „Bruno unD seine Horde" von Heinrich H ü b n e r.
„Bruno!"
Der Schüler fuhr hoch.
„Wiederhole Den Satz!" .
Bruno Rottmer nahm Das Buch in beide Hande und legte Die Stirn in Falten. Das tat er immer, wenn ihm etwas nicht paßte. Wie sollte er Den *• Satz wiederholen können, wenn er nicht achtgegeben hatte. Und er hatte wahrhaftig keine Zeit gehabt, auf Den langweiligen Unterricht zu achten. Er hatte an Wichtigeres zu Denken: an Kampf und Sieg, und er hatte Schlachtpläne zu entwerfen für Diesen Nachmittag.
, Du hast roieDer einmal geschlafen. Bleib stehen. WieDerhole Du Den Satz: Gottschalk!"
Als ob man im Stehen keine Schlachtenpläne zu entroerfen vermöchte! Der Lehrer beachtete ihn Den nächsten Teil Der Stunde nicht weiter. So hatte man wenigstens Zeit, über das nachzudenken, was einen interessierte. Sonst haben diese Pauker nämlich immer die Angewohnheit, einen immer gerade Dann aufzurufen, wenn man mitten im schönsten Träumen ist. Heute Mittag roürDen sie hinaus- ziehen in Das Bergwerk. Dort würDen sie spielen, würden sich vorstellen, sie seien im Jndianerterri- torium,/ und dieses verlassene Territorium sei die Wand Des Geheim isses unD Das Tal, in Dem Das Bergwerk lag sei Das Tal Des ToDes. Sie würden Dorf im Kreise sitzen, um Das Feuer geschart, und junge Krieger, Die noch keinen Namen hatten, würden ihre Mutprobe zu bestehen Hoden. UnD es würde Kampf geben, Kämpfe, wilde, blutige Schlachten und Old Shatterhand würde am Marterpfahl ftä'en und die Comantschen würden ihn befreien unb Winnetou würde kommen und die Hunde der Comantschen würden in ihre Wigwams sich verkriechen und würden erbeben vor Furcht bet Dem Klang Des Namens Winnetou Des Großen.
„Rottmer!"
% BUiaemäit,Ooff”n"n Sagen sogar beim Sieben. Na. warte, die Quittung wirst Du morgen «rntcn bei Der lateinischen Arbeit
Dauert, frei fein von allen Sorgen Des täglichen Lebens, Lager, Das heißt Erholung, Das heißt Ausspannung. Aber Das heißt auch Dienst Lager heißt auch: roerDe Dir bewußt. Daß Du Das ©lieD einer Volksgemeinschaft bist, in Die Du hineingeboren oist. Die für Dich sorgt unD Die Dich beschützt. Die für Deinen Lebensunterhalt sorgt, Der gegenüber Du aber , auch Verpflichtungen hast. Die Gefolgschaft hat bis zu 150 Jungen. Selbstverständlich find Das nicht Die I einzigen Aufgaben Des ©esolgschaftsführers, Lager
Guten Appetit!
(Foto: Kröll.)
und ich hatte Den ersten Dreien meinen HanDftock vor Die Brust. Darauf wirD gesungen, aber nicht be- sonDers gut.
EnDlich wirD Die Räauberabteilung losgeschickt. Albers ist Unteroffizier, -es soll ein Versteck am Waldrand gesucht werden. Die Zuruckbleibenden werfen inzwischen Schleuderball. Müller blutet an Der Hand, er leckt sie ab. RuDols OhmstaDe knnn nicht jchleuDern, und sie nennen ihn: Gummi. „Gummi ist zu schlapp. Dnnen ißt schon jetzt sein Butterbrot auf. Ein alter Mann geht vorbei und ermuntert die Schleuderballwerfer. ■ .
Es beginnt Die Verfolgung Der Räuber. Gefreiter Linde führt Die Spitze. Hob die ist Verbindungsmann. Haselstöcke sind schön, die Nüsse leider schon fort, rote Beeren nicht eßbar.
Die Spitze gibt Zeichen mit den Mutzen. Man schleicht am Wall entlang in den Wald und über Das knisternde ©enaöel Des WalDboDens weiter. Ein Pfiff! Schwenkung nach rechts! Duden ist verlorengegangen, wird aber roiebergefunben. Es beginnt .Der Angriff über einen Graben gegen Die Räuber. Octjen hat eine Schlinge. Die Räuber roerDen sämtlich überwältigt. Sie hatten (eiDer Drei Mann verloren, sonst hatte cs leicht anDers kommen können. Albers besch mpft Die Drei. Man pfeift in den Wald, unD sie kommen zurück.
LinDe trinkt Kaffee aus einer Flasche. AnDre gehen ins „Waldschlößchen". Dort kostet ein ©las
„Wohl heute mittag, was?"
„WirD sich finden."
Bruno hatte zunächst wie entgeistert dagsssessen. Dann hatte ihn Die Wut gepackt. Kein Zweifel, Der roürDe nun Die Pfadfinder benachrichtigen. Die waren also gewarnt. Der ganze Plan war in Frage gestellt. Man mußte handeln, man mußte schnell handeln.
Ein Plan durchzuckte sein Hirn plötzlich. Hei, das war ein Gedanke. Wenn Das klappte! Ja, es mußte klappen. Es war eigentlich gar nicht auszuDenken, warum Dieser Plan nicht klappen sollte, nein, es ging. Junge, Junge, mürbe bas eine Sache werben!
Dann bürste aber niemanb sich an diesem Nachmittag blicken lassen, bevor Die Pfadfinder abgerückt waren.
Als es schellte, gingen Kurt unD GerD auf schnellstem Weg ins Freie. Sie jähen einanDer nicht an. Sie beide wußten, daß es im Hof wahrscheinlich zu einer Keilerei kommen würde. Einige hatten den Vorgang während der Stunde beobachtet. Bald wußte die ganze Klasse davon. Zur allgemeinen Ueberraschung jedoch gab es keine Seilerei. ,
Bruno war schnell zu Gerd getreten.
„Komm!"
„Ich--"
„Laß das, ich habe mit Dir zu reden."
Bald stand die ganze Horde um Bruno versammelt.
Der redete leise mit ihnen. Zuerst waren die Mienen ernst, dann heiterten sie sich plötzlich auf, und bann brach ber ganze Haufen in ein unbändiges Gelächter aus.
Um die alte Linde im Schulhof standen in derselben Pause die Pfadfinder. Kurt sagte bas, was er aus jenem Zettel erfahren. Darauf einigte man sich, bie Dinge an sich herankommen zu lassen. Sie mürben um 15 Uhr jedenfalls im Stein druck) Jein. Sie freuten sich auf die bevorstehende Seilerei.
So kam es, daß beide Parteien sich mit Machenden Mienen zum Unterricht in bie nächste Stunde begaben
Es lag etwas in Der Luft.
Aeußerlich waren sie freunDschaftlich zueinander währenD Der restlichen StunDen Des Vormittags. Der Vorfall mit Der Papierkugel wurde nicht mehr erwähnt. , ,
Heute mittag roürDe Diese Sache behandelt werden. Keiner sprach es aus, aber jeDer fühlte es.
Es lag etwas in Der Luft..,
wo Dungmadei Gruppe
W 'S 3uÄ'j8hdr Dungmädeischaft
Denn Da hatten sie gegen einen gemeinsamen FeinD I zu kämpfen: gegen Das Atter, Das sie. Die Jugend, | nicht verstand, nicht verstehen wollte oder konnte. Gegen die langweiligen Pauker, die sie zur Langeweile und Unaufmerksamkeit geradezu heraus- forderten.
Neben Gerd Anzengruber jaß Kurt Eberhard. Die beiden führten auch während der Stunden, wenn der Pauker sie aus Den Augen ließ. Diesen Kampf weiter.
Bruno hatte nun, als er Die Papierkugel warf, GerD zugewinkt, Daß diese Botschaft für ihn bestimmt sei. Nun wollte es Der Zufall, daß auch Kurt geraDe nach Bruno sehen mußte in Diesem Augenblick, Daß auch er diesen Blick auffing Dann sah er die Papierkugel durch die Luft fliegen, mit einem Satz war er hoch unb hatte die Kugel hi ber Hanb.
Durch bas Aufspringen war bie Aufmerkiamkeit bes Lehrers erregt worden „Was ist denn los, Eberhard?"
Die Stimme klang ziemlich scharf. Aber Kurt hatte sich bereits wieder in ber Gewalt.
„Darf ich mal austreten, Herr Stubienrat?'
„Ja Aber beshalb kannst Du Doch sitzen bleiben, bis ich Dich aufrufe."
An ber Tür blickte Kurt noch einmal herum ©ah auf ©erb. Ein Triumph lag in seinem Blick.
Draußen glättete er ben Zettel. Dann entzifferte er bie mit Bleistift flüchtig hingekritzelten Buchstaben mit einiger Mühe.
„Achtung! Die Pfadfinder treffen sich heute mittag im Steinbruch. Wir sinb bereits um 14 Uhr bort."
Kurt Eberharb pfiff leise burch die Zähne. Das war ja interessant. Das war ja sehr interessant. Das war ja geradezu großartig. Man würbe sie überfallen wollen. Gut, baß sie gewarnt waren. Sie mürben sich barauf einrichten. •
Noch eine zeitlang wartete er, Dann kehrte er in Die Klasse zurück und setzte sich stumm an seinen Platz. Der Lehrer hatte nichts gemerkt.
„Gib Den Zettel her!"
Einen Augenblick lang zögerte Kurt. Dann gab er ihm Den Zettel hin. Der las. WarD über unD über rot.
„Das ist gemein von Dir."
„FinDe ich auch."
„Brauchst gar nicht zu spotten. Wirst Das balD
I bereuen."
zu veranstalten. Es würde in Diesem Zusammenhang zu weit führen. Darauf einzugehen.
Der Unter bann hat 600 Jungen. Von Zeit zu Zeit ist es nötig, Die Jungen zu einer größeren Einheit zusammenzuholen, um ihnen Die Ueberzeu- gung ihrer Stärke beizubringen unD au festigen, um Die Geschlossenheit Der nationalsozialistischen JugenD ihnen zu zeigen, eine Geschlossenheit, Die nur Dank Der mitreißenden JDee Des Führers möglich war unD ist. „
Der Bannführer hat im allgemeinen mehr verwaltungsmäßig zu arbeiten. Er hat Deshalb feinen Stab. Die Bannführung ist im übrigen im allgemeinen nach Dem Vorbild Des Oberbau nes zusammengesetzt. Der Stab Des Oberbannführers setzt sich zusammen aus Dem (Stabsleiter unb je einem Abteilungsleiter für Personalsragen, für Vermattung, Kasse, Presse, Propaganda, Schulung, Statistik, Reitsport unb anbere Sportarten. In dem Stab bes Oberbannführers sitzt ferner Der Ober- jungbannsührer als Referent über Jungoolkfragen Der Stab Des Gebiets- unb Obergebietsführers ist in seiner Zusammensetzung Dem Des Oberbannes ähnlich. Hier kommen leDiglich ent- sprechenb ben besonberen Aufgaben noch Fachreferenten für besonbere Gebiete hinzu.
wacker auf Dem ErDboDen. Keine versteigt sich ins Blaue ober ins Nebelhafte.
Nicht umsonst nämlich sinb jene Windbeuteligen unb Wuschelköpfigen, jene Sommersprossigen unb Vorwitzigen nicht bloß so Jungens überhaupt, son- bern Jungens aus biefer Zeit. Jungens aus Dem Arbeiterviertel einer Großstadt, wo man nur zu genau weih, Daß Das fahle Gespenst Des unfreiwilligen Feierns noch immer umgeht, unD Daß sich Daher nichts Schätzenswerteres, Herrlicheres unD Notwen- bigeres wunschträumen läßt als bie Gelegenheit, an einen Platz zu kommen, auf Dem man sich so ober so zurechtfänbe, sich so ober so auszeichnete unb sich so ober so als brauchbarer Mitmensch bewährt.
Es sinb somit tapfere Träume, bie sie sich erfin- ben. Unb bennoch Träume, bie helläugig lachenb geträumt werben. Helläugig lachenb! Sanft verschmitzt! Unb sehr, sehr jung . .!
। Ein Klassenraum kann mit seinen Jungens zufrie- I den sein. Nun, unb bas ist er wohl auch!
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