Ausgabe 
15.6.1933 Frühausgabe
 
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Aus -er Provinzialhaupista-t.

Iruhesiandsverfetzungheffischer^ichter.

Der Herr Reichsstatthalter in Hessen hat auf Vor­schlag der hessischen Regieruna auf Grund des § 3 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufs­beamtentums vom 7. April 1933 am 1. Juni fol­gende Ruhestandsversetzungen verfügt: Landgerichts­rat bei dem Landgericht Mainz Karl Mayer. Landgerichtsrat beim Landgericht Mainz Dr. L e o y, Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht Offenbach Walter Jakob Ascher. Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht Alzey Dr. Fritz Marx, Staatsanwalt in Mainz David Julius Lev«, Notar in Wörrstadt Dr. Lud­wig Baum. Notar in Offenbach Dr. Siegfried Guggenheim. Notar in Offenbach Dr. Bern. Hard Katz und Notar in Gießen Justizrat Dr. Ernst Rosenberg, sämtlich mit Wirkung vom 16. Juni 1933 ab.

Zum Schuh der Waldungen.

Der hessische Minister für Kultus und Bildungs- wefen richtet an die hessische Lehrerschaft eine Mah­nung. in der es heißt: Zu Beginn der Wanderzeit gilt es, den auf Schutz des Waldes gegen Verunzie­rung und Beschädigung gerichteten Bestrebungen wie in der Vergangenheit so auch in diesem Jahre die eifrigste Unterstützung zuteil werden zu lassen. Mit dem Anwachsen des Wanderverkehrs im Walde gewinnt die Ausgabe, über die Schule auf die Her­anwachsende Jugend erzieherisch einzuwirken, in zu­nehmendem Maße an Bedeutung. Ich empfehle da- her, keine Gelegenheit beim Unterricht oder bei Spa­ziergängen vorubergehen zu lassen, ohne der Jugend den Schutz der einheimischen Tiere und Pslanzen- welt und Vermeidung von unnötiger Verunzierung der Natur ans Herz zu legen.

Volks-, Berufs- und Betriebszählung!

Hilf das Zählgeschäft erleichtern, indem du die Zählpapiere in allen Teilen richtig und vollständig aussüllst und mit Unterfchrist versiehst.

Bon Freitag, 16. Juni, mittags, wer- den die Zählpapiere wieder abgeholt werden. Wer keine Zählpapiere erhalten hat, wolle sich im Stadt­haus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 13, melden.

Verbot der Festsetzung von Mindest« preisen durch Verbände.

Der Reichskommissar für Preisüberwachung und der Leiter des Wirtschaftspolitischen Amtes der NSDAP., Reichskommissar Dr. Wagener, geben bekannt: Es ist uns mitgeteilt worden, daß Ver­bände und Vereinigungen des Lebensmittelshandels unter dem Motto,nationale Aufbauarbeit zu lei­sten", Mindestpreise, M i n de st Handels­spannen und Minde st Zuschläge im Lebens- mittelhandel verabredet oder festgesetzt haben. Eine solche Verquickung des hohen Ge­dankens der nationalen Erhebung mit egoistischen Interessen widerspricht den Worten des Herrn ReichskanzlersGemeinnutz geht vor Eigennutz". Der Gedanke des Gemeinnutzes beschränkt sich nicht auf die Wirtschaftsverbundenheit einzelner Inter- essenvertretungen, er umfaßt vielmehr den gesamten unteilbaren Lebensbereich der Nation. Sicherlich ist heute auch die Lage des Lebensmittelhandels vielfach schwer und gefährdet. Die Lage vieler Volksgenossen zwingt aber zur äußer st en Selbstbeschei- d u n g in der Sicherung der eigenen Existenz. Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat am 13. Juni eine Verordnung erlassen, die die Wirk­samkeit von Verabredungen oder Festsetzungen von Mindestpreisen, Mindesthandelsspannen oder Mm- destzuschlägen jeder Art auf dem Ernährungsgeb'et künftig von der Genehmigung der Preis- Überwachungsbehörden abhängig macht.

Taten für Donnerstag, 15.Jnni.

1520: Luther von Leo X. in den Bann getan; 1606: der Maler Rembrandt in Leyden geboren; 1888: Kaiser Friedrich HL in Potsdam gestorben; Thronbesteigung Kaiser Wilhelms II.; 1905: ber Afrikaforscher Hermann von Wißmann in Weißen- bad) gestorben.

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerstag: Oberhess. Kunstoerein, Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. Neues Schloß, 10 bis 13, 15 bis 18 Uhr, Werbe-Ausstellung hessischer und rheinischer Kunsttöpfereien. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die blonde Christi" mit Kann Hardt.

LU. Universitäts-Gottesdienst. Don der Pressestelle der Universität wird mitgeteilt: Arn Sonntag, 18. Juni, 11.15 Uhr, findet in der Neuen Aula ein Universitäts-Gottesdienst statt. Die Pre­digt hält Herr Profesior v. Haenchen.

** Schulpersonalien. Der Rektor serdi- nanb B a ch zu Großen-Linden und der Lehrer Paul Stieler zu Seibelsdorf im Kreis Alsfeld wurden mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Der Rektor der Volksschule zu Büdingen Wilhelm Pebler wurde auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Juli ab in den Ruhestand versetzt.

** Straßensperre. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Kanalbauarbeiten wird der A u l w e g vom 14. Juni bis auf weiteres zwischen der Wil- helmstrahe und dem Leihgesterner Weg für den Verkehr mit Fahrzeugen aller Art polizeilich ge­sperrt. Die aufgestellten Sperrschilder sind zu be­achten.

* Motorradunfall. Heute morgen gegen 6 Uhr verunglückte der 39jährige Gießereiarbeiter Heinrich Krauskovf von Crumbach mit seinem Motorrad auf der Fahrt zur Arbeitsstätte und stürzte so unglücklich, daß er den linken Unterarm brach. Auf Veranlassung des Arztes in Rodhelm wurde er in die,-Chirurgische Klinik gebracht

Die Gleichschaltung im VfB. Der Verein für Bewegungsspiele 08 halte dieser Tage entsprechend den Anordnungen vorn WSV. in seinem Vereinsheim auf dem Waldsportplatz Führerwahl abgehalten, die sich sehr weihevoll gestaltete und ein Bekenntnis zu Deutschlands Erneuerung brachte. In dem mit den Farben schwarzweißrot und den Fahnen der nationalen Erwebung ge­schmückten Dereinsheim hatte sich eine große An­zahl der Mitglieder unter den mit frischem Eichengrün umrahmten Bildern Hindenburgs und Adolf Hillers eingefunden. Nachdem der seitherige Vorsitzende, Herr Overbeck, einen Rückblick über die Dereioslätigkeit der letzten Zeit gegeben hatte und den Mitgliedern für ihre Mitarbeit gedankt batte, legten er und der seitherige Vorstand die Aemter nieder. Als Versammlungsleiter wurde Mitglied Happ bestimmt, der dem anwesenden Vertreter des Gaues Gießen-Wetzlar, Pg. Hen ° f e l (Gießen) das Wort erteilte. Dieser gab das neue Programm des deutschen Sportes bekannt und betonte besonders, daß gerade jetzt der Sport dazu

berufen fei, alle Sportler und die Mitglieder zu staatsbejahenden nationalen Deutschen zu machen. Nach ihm sprach der Dezirksvorsitzende Happ über die Geschehnisse in der Politik und die Aus­wirkung derselben auf den deutschen, insbesondere auf den Fußballsport. Auf einmütigen Vorschlag wurde alsdann Carl Overbeck einstimmig zum Dcreinsführer gewählt. C- Overbeck dankte und gab das Versprechen ab, so, wie er sich die ver­gangenen 35 Jahre aktiv sich dem Sportleben ge­widmet habe, so wolle er es auch weiterhin tun; nicht nur allein zum Wohle des VfB. und seiner Jugend, sondern auch zum Wohle des gesamten Vaterlandes. Die Verpflichtung durch den Vor­sitzenden des Bezirks Hessen-Hannover schloß mit dem Deutschlandlied. Don der Ernennung der enge­ren Mitarbeiter und Fachwarte wurde wegen der beabsichtigten Vereinfachung der Dereinsoerwal- tung an diesem Abend abgesehen. Die eindrucksvolle Sitzung wurde mit einemSieg-Heil!" auf Hinden- benburg und den Dolkskanzler Adolf Hitler und unter Abfingen des Horst-Weffel-Liedes gefchlosien.

Heue kommissarische Bürgermeister.

*23621. Darmstadt. 13. 3unL Die Staats- Pressestelle teilt mit:

3n nachgcnannten Gemeinden wurden an Stelle von zurückgetretenen Bürgermeistern und Beige­ordneten kommissarisch bestellt:

Brauerschwend: für den Beigeordneten Konrad Heinrich Decker II. Willy Stroh;

Dieder-Ohmen: für den Beigeordneten Heinr. Sommerkorn II. der Ortsgruppenleiter Erb, Flensungen: für den Beigeordneten Wilh.

Eckhard der Landwirt Heinr. Dräuning:

Fischbach: für den Beigeordneten Georg Hermann der Schmiedemeister August Echneucker;

Hergersdorf: für den Beigeordneten Emil Grünewald der Landwirt Friedrich 2rausch;

W i s s e l s h e i m : für den Bürgermeister Hein­rich Berg der Verwalter Fritz Thiele;

W ö r r st a d t: für Bürgermeister Schmahl der Landwirt Eduard Bliche! II.;

Auerbach: an Stelle des zurückgetretenen Bürgermeisters Dlickensdörser wurde der Land­tagsabgeordnete Georg Brückmann in Auerbach a. d. B. zum kommissarischen Bürgermeister be­stellt;

Grebenau: der frühere Beigeordnete Her­mann Junker, welcher sein Amt seinerzeit nieder­gelegt hatte, wurde zum Beigeordneten wieder­bestellt;

Hackenheim: da der seitherige Beigeordnete Franz Kaiser »um Bürgermeister bestellt wurde, wurde Friedrich Wilhelm Singer als kommissari­scher Beigeordneter bestellt;

Otterbach: als kommissarischer Beigeordneter für die Gemeinde Otterbach wurde der Landwirt und Zimmermann Julius Kutt bestellt, da der seit­herige Beigeordnete Johannes Jost zum kommissa­rischen Bürgermeister verpflichtet wurde.

Angenrod: als kommisfarischer Beigeordneter für die Gemeinde Angenrod wurde Karl Köhler be­stellt, da der seitherige Beigeordnete Karl Hoffmann zum kommissarischen Bürgermeister verpflichtet wurde.

Die Amtszeit der nachgenannten Bürgermeister und Beigeordneten wurde für beendet erklärt und an ihre Stelle die nachgenannten Kommissare ein» gesetzt:

Strebendorf: Beigeordneter Heinrich Dickel durch Förster Peter Richtberg;

Arnshain: Beigeordneter August Opperts- häuser durch Heinrich Fröhlich;

Burg-Gemünden: Bürgermeister Werner durch Landwirt Heinrich Bermann;

Wendelsheim: Beigeordneter Wilhelm burd) Kaufmann Friedrich Reinhardt;

Welgesheim: Bürgermeister Philipp Schnor- renberger durch Landwirt August Heinrich Bretz;

Dintesheim: Beigeordneter Müller durch Landwirt Rudolf Hahn;

Breitenbach: Beigeordneter Johann Fried­rich Reeg durch Heinrich Dosch;

Kirch-Brombach: Bürgermeister Karl Mei- finger durch Adam Klinger;

Alten-Buseck: Bürgermeister Becker durch Wilhelm Kahl 2;

Crainfeld: Beigeordneter Rehberger durch Johannes Meinhardt 4;

Hartershausen: Beigeordneter Georg Hap­pel 3 durch Heinrich Kreuzer 1.

Kreis Alsfeld.

ss. Grebenau, 13. 3unL Die vor einigen Jahren hier errichtete Filiale der 'Mechani­schen Kleiderfabrik Georg Dietrich Bücking (Alsfeld), die ständig etwa 25 bis 30 Mann be­schäftigte, wird nunmehr ihren Betrieb vergrößern und etwa 100 2Hann beschäftigen. Di« Firma, die ursprünglich hier eine Fabrik errichten wollte, aber fein geeignetes Baugeläirde für diesen Zweck »ur Verfügung gestellt bekam, hat nunmehr diesen Plan fallen lassen und den Saal der Gastwirtschaft Krug auf lange Jahre gemietet. Zur Zeit wird der Saal umgebaut und bedeutend vergrößert. Die Erweiterung dieser Filiale wird in unserer in­dustriearmen Gegend sehr begrüßt.

Kreis Wetzlar.

< Wißmar, 13. Juni. Im festlich ge- schmückten Wolfschen Saale, der bis auf den letz­ten Platz beseht war, fand am Sonntagabend die allen Anwesenden in steter Erinnerung bleibende Schlageter-Gedenkfeier statt. Zur Er­öffnung der Feier trug der Mandolinenklub Wiß­mar einen schneidigen Marsch vor. Pg. Lehrer Schnorr- Wißmar legte in markanten Worten die dem deutschen Volke durch den Versailler Vertrag auferlegten Lasten klar und würdigte da­bei das Leben und Sterben 2llbert Leo Schlage- ters. Der vom GesangvereinGermania" vor­getragene Ehor:Wo ist's am schönsten?" fand reichen DeifalL Den Höhepunkt der Feier er­reichte das schön und eindrucksvoll von der Kros- dorser 62L vargestellte SchlageterspielAus Deutschlands schwerer Zeit". Stürmischer Beifall belohnte die großartige Aufführung. Anschließend spielte der Mandolinenklub die Märsche:2n Treue fest" undDeutschmeister". Pg. Michel-Gie- ß e n verstand es als Redner meisterhaft, die Anwe­senden durch seine Ausführungen im Banne zu halten. Mit einem Hoch auf unser Vaterland, unseren Volkskanzler Adolf Hitler und dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes fand die denk­würdige Feier, nachdem Pg. Zellenwart Best allen Mitwirkenden aus vollem Herzen den Dank der Wißmarer Parteigenossen ausgesprochen hatte, ihr Ende.

Eine interessanie Statistik des Kreises Biedenkopf.

Biedenkopf, 13. Juni. (WSN.) Zum Schluß des abgelaufenen Rechnungsjahres 1932 33 verzeich­neten die Hinterlandgemeinden Hülshof, Katzenbach, Rachelshaufen und Wolfgruben kei­nen einzigen Erwerbslosen. Anbere Ge- meinben bagegen, wie Breidenbach, Bottenhorn, Enbbach, Friebensborf, Gladenbach, Günterod. Har­tenrod, Holzhausen, Niedereisenhausen, Steinperf, Wallau u. a. waren sehr st a r k b e l a ft e t, zum Teil mit 50 bis zu 81 Wohlfahrtserwerbslosen.

Buntes Allerlei.

Nächtliche Begegnung mit Schlangen.

3m Traume widerfährt eS unS gar nicht selten, daß wir uns irgendeinem Ungeheuer gegenüber sehen, das uns bedroht und dein wir uns macht- los ausgeliefert glauben. Schlimmer ist es aber, wenn sich solche «ächtiiche Begegnung nicht im Rei- che des Traumes, sondern in der Wirklichkeit ab- spielen, wie es jüngst eine Anzahl friedlicher Be­wohner von St. Louis, die sich niemals als Schlan­genbeschwörer betätigt hatten, erleben muhten. Hier war eine wahre Schlangenepidemie ausgebrochen, die an dem Tage ihren Ursprung genommen hatte, da bei Frau H. B. Hilton ein Ehepaar Aldrich als -Untermieter eingezogen war, bad als seinen Beruf Löwenbändiger und Schlangenbeschwörerin angegeben hatte. Als mühte sie die Wahrheit dieser Behauptung beweisen, zeigte die Mieterin der ent­setzten Wirtin zwei Riesenschlangen, die sie in einer Kiste hielt. Rur ihre Versicherung, das Gefängnis immer gut verschlossen zu halten, konnte Frau Hilton veranlaßen, diese unliebsamen Hausgenossen in ihrem Heim zu dulden. Wenige Wochen später kündigte das Ehepaar Aldrich, doch muhte es vorher seiner Wirtin gestehen, daß die Schlangen aus der Da- bemanne, in der sie sich zum Baden und Trinken aufgehalten hatten, verfchwunden und unaufsindbar waren. Aber die beiden trösteten die Entsetzte mit der Versicherung, bah die Tiere augenblicklich ihren Winterschlaf hielten und daher ungefährlich seien. Wenn sic hungrig wären, würden sie schon von selbst wieder auftauchen und bann würde Mrs. Aldrich sich ihre Lieblinge holen. Die Schlangen liehen sich nicht blicken, solange der ZirkuS. dem das Ehepaar an­gehörte, noch in ber Stabt weilte. Erst nachdem sie schweren Herzens ohne ihre Schlangen abgereist wa­ren, ba begannen bie Tiere ihr Unwesen in ber Rachbarschast zu treiben unb hier panischen Schrei- len zu verbreiten. Als eines Rachts ber nicht weit von Frau Hilwn wohnenbe Henry Johnson in seine im Erdgeschoß gelegene Küche hinunterging, um sich einen Trunk Wasser zu holen, stieh er im Finstern mit bem nackten Fuß an ein im Wege liegendes Etwas, bas er im Halbschlaf für bie Katze hielt unb beiseite schieben wollte. Aber er würbe von panischem Schrecken gepackt, als sich bie vermeint­liche Katze aufrichtete, sich um sein Bein zu win- ben begann, unb er in bem Zwielicht bie funkeln- ben Augen einer 4 Meter langen Riesenschlange erkannte. Es gelang ihm mit Mühe, sich von bem Tiere zu befreien unb das Rachtgespenst, bas nichts

anderes als bie eine der beiden programmwidrig ihren Winterschlaf unterbrechenden Schlangen war, mit einem Baseball »Schläger zu töten. Doch auch die zweite, sich noch ihrer Freiheit erfreuende Schlan­ge wurde die Urheberin einer ähnlichen unerwünsch­ten nächtlichen Begegnung. Als der Pförtner deS Hauses, in bem bie Tiere ausgerissen waren, spät am Abend noch einmal bas Kellergeschoß des Hau­ses aufsuchte, weil er nach einem Hühnchen, bas hier ber Wirt zu einem Sonntagsbraten mästete, sehen wollte, erblickte er es gerade noch, wie es im Rachen einer 3 Meter langen Riesenschlange verschwand. Doch dieser Festbraten wurde dem Ziere zum Verhängnis Der von der nächtlichen Schlangen­begegnung in Kenntnis gesetzte Direktor deS Zoolo­gischen Gartens, George Vierheller, der mit den Lcbensgewohnheiten dieser Reptilien wohl vertraut war, rechnete richtig damit, bah das Tier nun in­folge des reichen Mahles träge und leicht zu fan­gen fein werde. 3n bet Tat wurde es in dem Kel­ler zusammengerollt unb schlafend ausgefunden. Mit einem gabelförmig gebogenen Stab wurde es am Kopf gefaßt und in den Zoo gebracht, wo eS nun hinter Schloß unb Riegel sitzt. Die geängstigten Bewohner eines ganzen großen Häuserblocks, die durch vier QEonate in ständiger Furcht gewesen und deren Rechnungen für elektrisches Licht aus Angst vor nächtlichen Zusammenstößen mit Schlangen im Dunkeln ins Riesige angewachsen waren, atmen nun erleichtert auf. Sie besuchen immer wieder das Schlan- genhaus des Zoologischen Gartens, um sich zu über­zeugen, bahihre" Schlange sich bart wohl ver­wahrt befinbet.

Ein mißlungener Schatzgräbertrick.

Eine kleine Komödie wirb aus ber ilmgegeno von Prag berichtet. Ein Bauer namens Havltcek war auf den Gedanken gekommen, auS den Viesen Ge­rüchten von vergrabenen Schätzen, die in den Dör­fern umlaufen, für sich Kapital zu schlagen. Es ge­lang ihm auch, einen reichen Rachbar davon zu überzeugen, daß et in einem alten Buch Angaben über den Ort eines vergrabenen Schatzes gefunden habe. Et erhielt dadurch Mittel zum Heben dieser Reichtümer unb benutzte zu gleichet Zeit bie Ge­legenheit, um sich heimlich mit bet Tochter bes rei­chen Mannes zu verloben. Die Vorbereitungen zo­gen sich aber solange hin, bah ber Geldgeber die Geduld verlor unb bem anbeten brohte, ihn bei ber Polizei anzuzeigen, wenn nicht ber Schah am nächsten Tage gefunden werbe. In seiner Verzweif­lung zog Havlicek seine Braut ins Vertrauen unb diese versprach, ihm zu helfen. Sie nahm ei­nen Dukaten aus bem Hochzeitsschmuck, ben ihr bie Mutter vererbt hatte, legte ihn in ein Tongefäh, bas vergraben wurde, unb bann würbe bie,er Schatz am nächsten Tageentdeckt." Zuerst wat der Vater entzückt, aber als er erkannte, bah bas Gesäh von ihm selbst gekauft worben wat und das gefundene Goldstück bem fehlenden Dukaten in der Keife fei­ner Tochter auls Haar glich, geriet er in wilde Wut und zeigte ben jungen Mann an, ber zu brei Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Rach 23er- bühung ber Strafe soll er aber als Arbeitet von bem reichen Mann angenommen werden, und viel­leicht bekommt er doch noch bie Tochter zur Frau.

Welche Miemng bringt uns dieser Sommer?

Eine klimatologische Plauderei von Dr. Rudolf Wegner.

Wenn jemand wüßte, welche Witterung uns ber Sommer bescheren wird, so wäre er ein gemachter Mann. Sicher könnten bann mancher Kurort, manche Pension und Hotelwirte ihre Dispositionen danach treffen. Dor allen Dingen der Landwirt! Aber vor­läufig tappt man noch herum, denn die Treffsicher­heit der Vorhersage für den nächsten Tag beträgt einstweilen bis 85 Prozent. Die Prognosen auf Grund von Wetterkarten gelten nur für ein bis zwei, höchstens drei Tage. Einen gewissen Ersatz, um die durchschnittliche Witterung einer Gegend zu * beschreiben, bietet uns bie Klima­kunde, die eben den mittleren Zustand der Atmo­sphäre kennzeichnet, und die man mit anderen ©or­ten auch als dieGesamtheit der Witte- rungen" bezeichnen kann.

Uns interessieren besonders deutsche Verhältnisse, und wir wollen daher kurz seftstellen, wie die klima­tischen Verhältnisse im Sommer über Deutschland verteilt sind. Der meteorologische Sommer dauert vom 1. Juni bis zum 31. August. Die h ö ch st e Lufttemperatur, die man in dem 30iährigen Zeitraum von 1881 bis 1910 gemessen hat (Klima­atlas von Deutsdstand"), belief sich auf 39,8 Grad C in ber bayrischen Stabt Amberg (Oberpfalz). Als mittlere Höchstwerte finben wir in den einzel­nen Monaten: Im Juni 32,1 Grad in Ingolstadt, 31,2 in Jena unb 31,1 in Berlin; im Juli 33,4 Grad wieder in Ingolstadt und 32,6 in Jena, in Heilbronn, und im August nochmals in Ingol­stadt 32 Grad, in Jena 31,8 und in Heilbronn am Neckar 31,6 Grad. Die mittleren Niedrigst- werte finden wir verzeichnet mit nur 8 Grad in Borkum und Helgoland, ferner 7,8 Grad in Stuttgart unb 7,7 Grad in Berlin; im Juli Niedrigstwerte von 10,5 Grad in Borkum und Hel­goland und 10,1 Grad in Berlin, im August wieder- um in Borkum und Helgoland säst 11 Grad.

Um ben Witterungscharakter eines Sommers zu bestimmen, müssen wir auch die Anzahl der Sommertage, das sind bie Tage, an benen das Temperaturmaximum mindestens 25 Grad beträgt, rennen. Den mittleren Höchstwert von Sommer- tagen hat in jenem 30jährigen Zeitraum der Ort Geisenheim bei Wiesbaden mit etwa 49 Tagen, ihm folgen Jena mit 45 und Heilbronn mit 44 Tagen, die g e r i n g ft e Anzahl wies Helgo- land mit zwei Tagen auf, alsdann folgten We­sterland und Kiel mit rund vier und Bor­kum mit 5,4 Tagen.

Wo liegen nun in unserem Vaterlands die Gebiete, die durchschnittlich warme oder kühle Sommer auf­weisen? Warme Sommer finden wir im oft- lichen Deutschland, wo die Mitteltemperatur des Juli, als des eigentlichen Sommermonats, unge­fähr 17 bis 18,5 Grad C beträgt; ähnliche Verhält­nisse zeigt Bayern. In der oberrheinischen Tiefebene steigt bie Wärme im Juli auf etwa 20 Grab. Kühle Sommer haben bie westliche Ostseeküste, bie Nordseeküste und ein großer Teil von Hannover. Die Julitemperatur beläuft sich auf 16 bis 17 Grad. Außerdem gehören zu den Ländern mit kühlen Sommern die Mittelgebirge. Daher reift man im Juli und August auch gern an die relativ kühle See; für das Gebirge gelten ähnliche Grundsätze. Im Juli finden wir die geringste Bewölkung an der hin- terpommerfdjen Küste, in ber oberrheinischen Tief­ebene, am Bodensee und am Fuße bes Riesenge­birges. Im August zeigt bie Nordseeküste den größ­ten Wert ber Bewölkung.

Unb bie Regenverhältnisse und ihre Ver­teilung? Don der Weser bis an die Ostgrenze unse­

res Reiches, ausgenommen Ostpreußen, Sachsen und einen großen Teil Schlesiens, fällen im Juni bis etwa 60 Millimeter Niederschlag, in West- und Süd- deutschland durchschnittlich 60 bis 100 Millimeter, in den Gebirgen aber bedeutend mehr. Im Juli findet im allgemeinen in Deutschland die Haupt regenzeit statt. Jrn Mittel hat man in diesem Monat von 60 Millimeter Regen an in der Ebene bis zu 250 Millimeter und darüber in ben bayeri­schen Alpen gemessen. Im August verzeichnet ein großer Teil Ostdeutschlands nur 50 bis 60 Milli­meter Regen, ber übrige Teil Deutschlands rund 60 bis 100 (Gebirge höhtr). Die Hauptregenzeit be­ginnt etwa Ende Juni, und eine der bekanntesten Bauernregeln besagt ja auch, daß es, wenn es am Siebenschläfertag (27. Juni) regnet, dann sieben Wochen hintereinander regnen soll. Das will weiter nichts sagen, als daß es zu dieser Zeit eben sehr häufig zu Niederschlägen kommt.

Nach interessanten Untersuchungen über die som­merliche Witterung für Berlin hat Geheimrat Hellmann festge-stellt, daß für diese Stadt der wärmste Tag in die Zeit vom 13. Mai bis zum 2. September fallen kann Die heißesten Tage fallen aber auf den Zeitraum vom 15. bis 19. Juli.

Dieser bekannte Gelehrte hat weitere Forschungen über den Witterungscharakter eines Sommers an gestellt. Nach ihm folgt für Mitteldeutschland auf einen sehr milden Winter ein mariner Sommer unb auf mäßig milde und mäßig kalte Winter kühle Sommer. Da ber letzte Winter nur mäßig kalt war, tritt diesmal wahrscheinlich ein kühler Sommer ein. Selbstverständlich können aber auch Abweichungen auftreten. Eine andere, wichtige Forlchung ergab, daß in einem Zeitraum von 35 Jahren regnerisch-kühle mit trockenen, warmen Jahren abwechseln. Wahrscheinlich befolgen auch bie Alpengletscher in diesem Zeitraum ein Dor- ober Zurückweichen. So waren z. B. die Jahre von 1871 bis 1885 kalt unb naß, unb eine trockene Periode herrschte um 1900. Eine feuchte Periode setzte um 1915 ein, die wohl jetzt allmählich ausklingen mag. Als Ursache läßt sich vielleicht bie 33- bis 34jährige Sonnenflerfenperiobe heranziehen.

Auch aus der Zirkulation ber GoIs­st r o m t r i f t kann man wertvolle Schlüsse auf ben Witterungscharakter ziehen. Besteht von August bis Februar daselbst eine schwache Zirkulation, so sind zur gleichen Zeit von November bis April niedrige Wassertemperaturen an ber europäischen Küste unb eine niedrige Lufttemperatur in Mitteleuropa bis April zu erwarten, und schließlich im kommenden Sommer eine schlechte Roggen- und Weizenernte in Westeuropa unb Norddeutschland. Bei einer star­ken Gesamtzirkulation treten bie gegenteiligen Pha­sen auf. Weiterhin sanden die Gelehrten Petterson und Meinardus nahe Beziehungen zwilchen Luft­druck und Wind wie Temperatur und Eisverhält- nissen im Nordatlankik.

Schließlich lassen sich noch Beziehungen zwischen dem Auftreten des Monsuns in Indien und den Luftdruckabweichungen von Argentinien mit der Witterung in Deutschland anknumen. Alle diese Vor­gänge müssen sich natürlich auf Zusammenhänge zu- rücksühren lassen. Der bestimmte Hauptfaktor ist aber die verschiedene Strahlungsener­gie der Sonne. Auch wissen wir, daß das Maximum der Temperattir vielfad) bann auftritt, wenn ein Sonnenfleckenminimum herrscht: und bas könnte wohl im Jahre 1934 zu erwarten fein.