Nr. 65 Kvühausgabe
185. Jahrgang
Mittwoch, 15. März M5
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GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und lür den Anzeigenteil i. D. Th. Kümmel sämtlich in Biegen.
Oie neue hessische Regierung übernimmt die Geschäste
Staatspräsident Or. Werner stellt sich vor.
Darmstadt. 14. Marz. (WSD.) Staatspräsident Dr. Werner übernahm heute früh die Dienstgeschäfte im Staatsministerium. 3n seinen Begrüßungsworten an die Beamten hob er hervor, daß ihm eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zum Wohle des Landes besonders am Herzen liege. Er bat, unabhängig von der politischen Einstellung, die Pflichterfüllung unter den Gesichtspunkt zu stellen, daß das vaterländische und allgemeine Volkswohl allem vorauszugehen habe. 3n dem Geschäftsgang und Personalbestand des Staatsministeriums habe er insofern eine 2lenderung eintreten lassen, als Ministerialrat Dorne- mann mit sofortiger Wirkung beurlaubt und Legationsrat Dr. Heinemann mit der Wahrnehmung seiner Dienstobliegenheiten beauftragt worden ses. Legationsrat Dr. Heinemann dankte im Damen der Beamten dem Staatspräsidenten für seine herzlichen Begrüßungsworte. Er beglückwünschte ihn zu seiner W"hl als Staatspräsident und zu der Führung seines hohen Amtes. Er versicherte ihn der Vertrauensvollen und tatkräftigen Mitarbeit der Beamten, die den festen Willen hätten, ihm sein schweres Amt nach besten Kräften erleichtern zu helfen- Das durch die schweren Besatzungsnöte besonders stark betroffene Hesscnland und insbesondere das ehemals besetzte Gebiet bedürften auch in Zukunft einer besonders pfleglichen Fürsorge. Den hierwegen in erster Linie mit der Deichsregierung auch weiterhin zu führenden Ver- handlungen möchten, wie er zuversichtlich hoffe, in reichem Maße Erfolg beschieden fein.
Am Montagvormittag verabschiedete sich Staatspräsident Dr. Adelung von den Beamten des Staatsministeriums. Er wies in einer kurzen Ansprache auf das Bertrauensverhältnis hin, das zwischen ihm und seinen Mitarbeitern stets bestanden habe und sprach ihnen seinen Dank und die besten Wünsche aus für weitere gedeihliche Arbeit unter den veränderten Verhältnissen zum besten des Landes und für ihr persönliches Wohlergehen. Die Beamten erwiderten diese Wünsche herzlichst und brachten Dv. Adelung den Dank zum Ausdruck für das große Verständnis, daß er ihnen jederzeit gezeigt habe.
Hessens Finanzlage an der Jahreswende.
Darmstadt, 14. März. (WSN.) Nach dem erst heute veröffentlichten Ausweis des Finanzministeriums gestaltet sich die finanzielle Lage des Landes am 31. Dezember 1932, also nach Ablauf von | des Etatsjahrs, wie folgt: 3m ordentlichen Haushalt betragen die Einnahmen 35,988 Mill, und zwar aus Steuern 35,393 Mill., aus der Rechtspflege 2,243 Mill., aus Schulwesen, Wissenschaft und Kunst, Kirchen 0,245 Mill, und aus der übrigen Landesoerwaltung 11,351 Mill. Bei den staatlichen Betrieben ist noch ein Vorschuß von 0,244 Mill. an= gekreidet. Die Gesamtausgaben beziffern sich auf 58,269 Mill, und zwar im einzelnen für allgemeine Verwaltung einschl. Polizei 8,646 Mill., Rechtspflege 5,702 Mill., Verkehrswesen 0,186 Mill., für Schule, Wissenschaft, Kunst, Kirchen 18,321 Mill., soziale Maßnahmen 3,545 Mill., den Schuldendienst 3,261 Mill., Ruhegehälter 11,2 Mill, und sonstige Ausgaben 7,43 Mill. Der ordentliche Haushalt weift also ein kastenmäßiges Defizit von 9,281 Milk, auf. Der außerordentliche Haushalt verzeichnet bei 1,224 Mill. Einnahmen und 2,623 Mill. Ausgaben einen Fehlbetrag von 1,439 Mill.
Welche Waffen muffen in Hessen abgeliefert werden? Ansführuiigöbcstimmungen des Staate* komnnssars für die Polizei.
D a r m st ad t, 14. März. (WSD.) Zur Ausführung der Ziffer 3 der Anordnung des Staats- kommissars sür das Polizeiwesen in Hessen vom 13. März über die Ablieferung von Schußwaffen wird heute ergänzend mitgeteilt:
1. Dicht abzuliefern find Schußwaffen, die nicht unter das Schußwaffengesetz vom 12. 4. 1928 fallen, z. B. Gewehrmodelle bis zum Produktionsjahr 1870 einschließlich (Waffen von historischer Bedeutung aus Waffensammlungen usw.).
2. Der Besitz von 3 a g dw affen im Sinne des Schußwaffengesetzes, d. h. von Schußwaffen, die zur Verwendung bei der 3agd auf jagdbare Tiere bestimmt sind und hierbei üblicherweise verwendet werden, ist, auch wenn der Besitzer augenblicklich keinen Waffenschein oder 3ahres- jagdschein besitzt, vorläufig noch anzumelden: sie können eingezogen werden.
3. Dicht anzumelden und abzuliefern sind Scheibenbüchsen im Kaliber von nicht mehr als 5,6 Millimeter.
4. Die Polizeibehörden sind ermächtigt, Befreiung von der Ablieferungspflicht eintreten zu lassen, wenn glaubhaft gemacht wird, daß die Waffen ausschließlich zum Schutz des umfriedeten Besitztums Verwendung finden, und Gewähr dafür besteht, daß eine mißbräuchliche Benutzung außerhalb desselben ausgeschlossen ist (z. B. Waffen, die für den
Schuh öffentlicher Gebäude, Banken, Sparkassen usw. erforderlich find).
Ausdrücklich wird darauf hingewiefen, daß von der Anmeldungs- und Ablieferungspflicht befreit sind Waffen, die auf Grund eines Waffenscheins oder eines 3ahresjagd- scheines geführt werden dürfen. Die Polizeibehörden sind aber bereits beauftragt worden, sämtliche noch gültigen Waffenscheine daraufhin nachzuprüfen, ob nicht die Voraussetzungen für ihre Einziehung vorliegen.
Weitere Beurlaubungen bei der hessischen Polizei.
Darmstadt, 14. März (WSN.) Der Staats- fommiffar für das Polizeiwesen in Hessen, Dr. B e st, hat folgende Beurlaubungen vorgenommen: Krimi
nalrat Günther, Major Hornberger, Oberleutnant Krauth, Hauptmann Bayer, sämtlich in Darmstadt, Oberinspektor W a h l i s ch , Bens- beim, Gendarmeriekommissar Trautmann, Friedberg, Gendarmeriemeister D a m b e g , Echzell, Gendarmeriehauptwachtmeister Steinmann, Bingen, Gendarmeriehauptwachtmeister Mahr, Londorf (Oberhessen). In den letzten Wochen sind von der Regierung Adelung-Leuschner noch 60 Polizeianwärter eingestellt worden, die, von wenigen Ausnahmen abgesehen, alle entweder der SPD. oder dem Zentrum angehören. Der Staatskommissar für das Polizeiwefen in Hessen hat die sofortige Entlassung dieser Polizeianwärter verfügt. Mit sofortiger Wirkung ist der seitherige Pressechef des Innenministeriums, der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr. M i e r e.n - dorff entlassen worden.
Handel und Gewerbe des Mittelstands beim Staatspräsidenten.
D a r m ft a d t, 14. März. (WSN.) Staatspräsident Dr. Werner empfing Vertreter der rnittelständi- schen Wirtschaft, und zwar den Vorsitzenden Kunkel, den stellvertretenden Vorsitzenden Becker und den Direktor Schüttler von der Hessischen Handwerkskammer, den Vorsitzenden des Hessischen Handwerks- und Gewerbeoerbandes Diether sowie den Abgeordneten Renz, den Sägewerksbesitzer Neumann und Stapel als Vertreter des Einzelhandels und der mittleren Industrie. Nach einführenden Worten des Staatspräsidenten sprach der Präsident der Handwerkskammer die Glückwünsche des Handwerks aus, das dem neuen Kabinett do lies Vertrauen entgegenbringe. Er knüpfte hieran die Hoffnung, daß nach der vollzogenen Umstellung nunmehr auch der Wendepunkt in den Geschicken des Handwerks gekommen sei. Die mittelständische Wirtschaft werde jetzt wohl die Erfüllung lange gehegter Forderungen erwarten dürfen. Besonders erfreulich sei es, daß die Geschicke Hessens einem Manne anvertraut seien, der durch seine langjährige parlamentarische Tätigkeit mit den Bedürfnissen des Mittelstandes vertraut sei und als geborener Hesse auch die rein hessischen Verhältnisse vollkommen beherrsche.
Ein umfangreiches Programm, enthaltend die Forderungen des hessischen Handwerks, das neben allgemeinen großen Ausgaben die Forderungen auf Arbeitsbereitstellung, Hebung der Stellung des Sachbearbeiters, Berufung einer ehrenamtlich tätigen Vertrau^nsperson des Handwerks oder Schaffung eines Wirtschaftsbeirats begehrt. wurde an den Staatspräsidenten überreicht mit der Bitte, sich für Verwirklichung einzusehen und den zuständigen Ressortminister zu veranlassen. die Bearbeitung unter Zuziehung der Handwerksvertretung in die Wege zu leiten.
Die Herren Renz und Stapel brachten Forderungen des Einzelhandels vor. die noch im einzelnen schriftlich eingereicht werden sollen, insbesondere die vordringliche Forderung aus Errichtung vonEinzelhandels- k a m m e r n. Abg. Renz ersuchte den Staatspräsidenten dafür einzutreten, daß vier besonders benannte Handwerksmeister in dieHandwerkskammerzugezogen werden sollen, worüber bereits eine Verhandlung mit der Leitung der Handwerkskammer stattgefunden habe. Eventuelle gesetzliche Bedenken ließen sich wohl durch ein Ermächtigungsgesetz regeln. Staatspräsident Dr. Werner dankte für das ihm ausgesprochene Vertrauen und dafür, daß die Vertreter verschiedener Wirtschaftsgruppen gemeinsam ihre Wünsche vortrugen. Er Jagte Prüfung der vorgetragenen Wünsche durch hie zuständigen 3nstanzen zu und versicherte, daß er sich in jeder Weise für die Erfüllung im Rahmen des Möglichen einsetzen werde.
Kundgebung des Hessischen Beamtenbundes.
Darmstadt, 14. März. (WSD.) Der Vorstand des Hessischen Beamtenbundes, der anerkannten Vertretung von 10 000 Staatsbeamten, Polizeibeamten und Lehrern, erläßt am Tage nach der Regierungsbildung zugleich auch im Damen von 6500 berufsständisch organisierten hessischen Gemeindebeamten folgende Kundgebung: Der Bund begrüßt die neue Reichs- regierung, die Dauer, Festigkeit und Gewähr für vaterländischen Aufbau verspricht. Er begrüßt ebenso die neue hessische Staatsregierung, deren Führer sich schon am ersten Tage mit Dachdruck a l s unbedingter Anhänger eines gesunden Berufsbeamtentums bekannt hat. Geschloffen und rückhaltlos stellt sich die Beamtenschaft der Regierung zur Verfügung und erklärt sich bereit zu vertrauensvoller Mitarbeit an dem Werk der deutschen Erneuerung. Oer Generalintendant des Hessischen
Landestheaters zurückgetreten.
Darmstadt, 14. März. (WSN.) Der Generalintendant des Hessischen Lanüestheaters Gustav Hartung (May) hat in einem Schreiben an den hessischen Staatspräsidenten den Rücktritt von seinem Posten ausgesprochen. Die Leitung der Jntendanzgeschäste führt Intendanzrat Baumei-
fter, der sie seither schon innehatte, weiter. — Wie verlautet, wird die Stelle des Intendanten ausgeschrieben und durch einen Theaterfachmann besetzt werden. Entscheidungen über weitere Personalveränderungen am Landestheater sind im Augen- blick noch nicht getroffen.
Sondersteuer für Warenhäuser.
Eine Maßnahme der Länder.
Berlin, 14. Marz. (TU.) Die die „Telegraphen- Union“ erfährt, wird Preußen demnächst Z u - schlüge 3 n r Gewerbe ft euer bei waren Häusern, Einheitspreisgeschäften und Großfilialen erheben. Ls ist nicht daran zu zweifeln, daß auch die übrigen Länder in gleicher weife oorgehen werden. Das Reatsteuergefetz läuft am 31. wär; ab. Die Gewerbesteuer ist £än- dersteuer. Diese neue Maßnahme ist nicht zu verwechseln mit den im Jahre 1930 beschlossenen Sonderzuschlägen für d ie Umsatz st euer bei einem Umsatz von mehr als effer Million Mark. Ls ist nicht ausgeschlossen, daß diese Umsatzsteuer- Zuschläge durch die neuen Zuschläge zur Gewerbesteuer für die obengenannten Geschüftskalegorien a b g e I ö ff werden. Ls ist nicht an eine grundsätzliche Besteuerung aller Jilialbekiebe gedacht, sondern nur an die sog. Filialgroßbelriebe, deren Geschäftsgrundlage das Filialwesen bildet. Das Aufkommen aus der neuen Steuer soll teilweise zur steuerlichen Entlastung der Kleinbetriebe verwendet werden.
Wunsche des Einzelhandels.
Berlin, 15. März. Der Hauptausschuh des R e k o f e i, Reichsverband Deutscher Kaufleute des Kolonialwaren-, Feinkost- und Lebensmittel- Einzelhandels, und der Generalrat der Edeka, Verband Deutscher kaufmännischer Genosfenfchak- ten, haben in einer Entschließung ihre Wünsche und Forderungen an die neue Reichsregierung zur Schaffung neuen Lebensraums für den z. Z. schwer um seine Existenz ringenden selbständigen Lebensmitteleinzelhandel zum Ausdruck gebracht.
3n der Entschließung wird die Absicht begrüßt, das bisherige Reichskommissariat für Handwerk und Kleingewerbe im Sinne der Wünsche des gewerblichen Mittelstandes auszugestalten. 3m Rahmen dieser Deuordnung wird die sofortige Erfüllung nachstehender vordringlicher Forderungen erwartet: 1. Zugabeverbot ohne jede Beschränkung. 2. Durchführung der seit langem geforderten Steuerreform und Senkung der öffentlich en Gebühren und Abgaben. 3. Progressiv gestaffelte Besteuerung der großkapitalistischen und der kollektivistischen Einzelhandelsbetriebe jeder Art, insbesondere sofortige progressive Staffelung und beschleunigte 3nan» grifsnahme der Phasen Pauschalierung der Umsatzsteuer. 4. Bedürfnisnachweis für Warenhäuser, Großfilialunternehmungen, Einheits- und Kleinpreisgeschäfte, Konsum- Vereine, Werkkonsumanstalten, Großversandge- schäfte, Direktgeschäfte und den ambulanten Han- del. 5. Verbot jeglichen Beamten-Waren- Handels. 6. Verbot von Werkkonsum- a n ft a 11 e n in subventionierten Unternehmungen. 7. Fortführung der Schutzmaßnahmen für den durch den landwirtschaftlichen V o l l - streckungsschutz notleidend gewordenen selbständigen Mittelstand. 8. Verleihung des öffentlichen Rechtes an den mittelständischen Einzelhandel nach dem Vorbilde der Handwerkergesetzgebung.
Eine Erklärung des Reichsbunds der oberen Beamten.
Berlin, 15. März. Der Reichsbund der Oberen Beamten hat dem Reichskanzler eine Entschließung überreicht, die Erklärungen, in denen die Reichsregierung ein sauberes, pflichttreues Berufsbeamtentum als zum staatlichen Ausbau unentbehrlich bezeichnet und den Schuh seiner Rechte gewährleistet, begrüßt toeröen. Die auf berufsständischer Grundlage zusammengeschlofse- nen Fachverbände der eueren Beamten stellen fich der Regierung für das große Werk des
Aufbaues vorbehaltlos zur Verfügung. Sie hegen die Zuversicht, daß die Maßnahmen der nationalen Regierung auf dem Gebiete des Beamtenrechts dem Berufsbeamtentum deut* scher Prägung wieder eine sichere Grundlage geben. Die obere Beamtenschaft wird nach besten Kräften dazu beitragen, daß das Berufsbeamtentum das Vertrauen der Volksgemeinschaft fich in vollem Umfange wieder erwirbt.
Eine Kundgebung des Deutschen Beamtenbundes.
Berlin, 14. März. (DDZ.) Der Deutsche Beamtenbund verbreitet folgende Kundgebung: Die am 30. 3anuar 1933 vom Herrn Reichspräsidenten berufene Regierung des nationalen Aufbaues ist durch die Wahl vom 5. März bestätigt worden. Die Reichsregierung kann nunmehr, nachdem auch in den Wahlen vom 12. März für die Verwaltungen der Gemeinden und Gemeindeverbände der politische Wille des Volkes eindeutig zum Ausdruck gekommen ist, an ihre Aufbauarbeit Herangehen. Ein neuer Abschnitt deutscher Geschichte hat begonnen. Dach den Worten des Herrn Reichspräsidenten v. Hindenburg und des Herrn Reichskanzlers Hitler soll fich die ruhmreiche Vergangenheit des Deutschen Reiches mit der kraftvollen Wiedergeburt der deutschen Ration verbinden. Wie das Berufsbeamtentum in der Vergangenheit an Deutschlands Gröhe uneigennützig mitgearbeitet hat, so will es auch an dem Wiederaufstieg der Ration tätigen Anteil haben. Der Deutsche Beamtenbund als die überparteiliche Berufsorganisation der deutschen Beamten wird bei dem staatlichen und wirtschaftlichen Deubau des Reiches tatkräftig Mitarbeiten, getreu seinem Programm- fatz, daß das Allgemeinwohl den Einzelinteressen voranzugehen hat. Der Deutsche Beamtenbund dankt der Reichsregierung dafür, daß sie unmißverständlich alle eigenmächtigen und ungesetzlichen Eingriffe in den Gang der öffentlichen Verwaltung unterdrückt hat, um damit Recht und Ordnung zu sichern. Für den deutschen Berufs- beamten kann es nichts anderes geben, als daß er sich willig und mit voller Hingabe zur Verfügung stellt und die Regierung durch treue Pflichterfüllung unterstützt.
DieRegiermigsbildung ilwayem Der Reichskanzler verhandelt noch in München.
München, 14. März. (TU.) Der national- sozialistische Fraktionsführer Dr. B u t t m a n n teilte der Fraktion der Bayerischen Volkspartei mit, daß vor Mittwoch nachmittag nicht verhandelt werden könne. Anscheinend sind die Beratungen innerhalb der DSDAP. noch nicht abgeschlossen.
Staatskommissar Hermann Esser gab zur^Re- gierungsbildung bekannt: »Reichskanzler Adolf Hitler hielt heute noch verschiedene Besprechungen über die Regierungsbildung in Bayern ab. Es hat sich heraus-, gestellt, daß im Hinblick auf die großen Entscheidungen, die in der nächsten Woche erfolgen werden, es durchaus zweckmäßig ist, auch in Bayern in diesen Tagen noch alle mit der Regierungsbildung zusammenhängenden Fragen so gründlich zu klären, daß eine solide Lösung herbeigeführt werden kann. Mit einem Zusammentritt des Landtags ist deshalb in den nächsten Tagen noch nicht zu rechnen."
Der badische Staatspräsident derAttenverschleppuna beschuldigt
Karlsruhe, 14. März. (TU.) Die Pressestelle beim Staatsminifterium veröffentlicht eine Mitteilung, wonach bald nach Uebernahme der Regierungsgewalt durch den Beauftragten der Reichsregierung die Feststellung gemacht worden sei, daß sehr wichtige politische Akten des Staatsministeriums fehlten. Die sofort eingeleitete Untersuchung habe ergeben, daß die Akten noch am 10. März — also einen Tag vor der Einsetzung des Reichskommissars — in einem mit dem Dienstsiegel des Staatsministeriums mehrfach versiegelten Paket als privates Depot des Staatspräsidenten Dr. Schmitt auf dem General- landesarchio unter besonders schriftlich niedergelegten Bedingungen hinterlegt worden seien. In dem fraglichen Vertrag sei zum Ausdruck gekommen, daß der Hinterlegende und seine Nachkommen bis zum 1. April 1963 jederzeit die Herausgabe des Pakets verlangen könnten und die Papiere nach diesem Tage in das E i g e n t u m ö e s badischen Staates übergingen. Die Direktion des badischen Landesarchivs habe sich in dem Vertrag verpflichtet, die Deffnung des Pakets unter keinen Umständen ohne Einwilligung des Hinterlegenden oder seiner Nachkommen vor dem 1. April 1963 vorzunehmen oder die Vornahme der Oesf» nung irgendwem zu gestatten. Die fraglichen Akten, so heißt es in der Presseveröffentlichung weiter, seien auf Weisung des Neichskommissars durch Polizei und SS.-Leute ermittelt worden. Der Reichskommissar fei zur Zeit mit der Sichtung der Akten beschäftigt.
Als Vertreter der Deutschnakionalen Volkspartei ist Abgeordneter Dr. Schmitt- Henner als politischer Kommissar mit Sitz und Stimme in das kommissarische Kabinett eingetreten, als Vertreter des Stahlhelms Major a. D. Hildebrand, ebenfalls mit Sitz und Stimme, als Kommissar für Gasschutz und für Freiwilligen Arbeitsdienst.


