Ausgabe 
15.3.1933 Erstes Blatt
 
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Hier wird der Reichstag endgültig tagen.

Die Hauptfront der Krolloper, in der auf Beschluß der Reichsregierung der neue Reichstag sein. Sitzungen abhalten wird.

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Der Jnnenraum der Krolloper.

Obecheffen.

Landkreis Gietzcn

r. Grohen-Linden, 14. März Am Sams­tag hielt die hiesige Freiwillige Feuer­wehr bei dem Chrenkommandanten Phil. Schaum ihre Generalversammlung ab. Nach­dem die Rechnung geprüft und dem Rechner Ent­lastung erteilt worden war. wurde der gesamte Vorstand wiedergewählt. Ebenso behielten sämt­liche Obleute ihre Aemter. Die Wiederwahl pes seitherigen Zeugwartes Wilhelm Schmidt. Obergasse, erfolgte einstimmig. Ferner wurde be­schlossen, daß in diesem Jahre vier Übungen statt­finden sollen.

3. A l l e n d o r f (Lahn), 14. März. Am Sonn­tag ift_ der Storch wieder angekommen. Lieber die Rückkehr des Vogels ist man allgemein er­freut.

z Rödgen, 14. März. Im L e s e o e r e i n hielt Pfarrer Bönning seinen zweiten Vortrag über die Ortsgeschichte von Rödgen. Er begann mit dem Zeitalter der Reformation und berichtete dann über die Drangsale und Rot des 30jährigen Krieges. 1635 starben hier 80 Menschen an der Pest. Balser, Keßler, Belwf und andere Namen treten auf, Familiennamen, wie sie heute noch im Orte vor­kommen. 1637 war eine Teuerung gewesen. Brenn­nesseln wurden gegessen, und Tote fand man mit Brennesseln im Munde hinter Hecken. Anschließend kam der Redner noch auf die Geschichte des Pfarr­hauses, der Kirche und der Schule zu sprechen. Den Zuhörern wurde klar, daß auch ihre Vorfahren oft durch schwere Zeiten mußten, und daß sie dennoch nicht verzagten. Lehrer Leisenheimer dankte dem Redner für seinen interessanten Vortrag und gab bekannt, daß voraussichtlich am 25. März Eisenbahnbetriebsassistent Rocker über das Thema sprechen wird:Was der Reisende von der Eisen­bahn nicht sieht!"

s. Deuern, 13. März. Eine unserer ältesten Einwohnerinnen, die Witwe Katharine Henh, feierte dieser Tage ihren 8 5. Geburtstag. Die Greisin erfreut sich noch guter Gesundheit. Linser ältester Einwohner überhaupt ist zur Zeit der Sparkassenrechner Kaspar Walther, der im 90. Lebensjahr steht und kürzlich das Fest der goldenen Hochzeit begehen konnte.

* Queckborn. 14. März. Am Sonntag hielt

Lehrer Weis Haupt in Görnerts Saal einen Vortrag mit Lichtbildern. Der Redner hatte an einer Reise nach den französischen Schlachtfeldern teilgenommen und erzählte in lebendiger Weise von seinen Eindrücken. An Hand zahlreicher, zum Teil selbst aufgenommener Photographien (darun­ter viele von den deutschen Kriegergräbern) ge­wann man ein anschauliches Bild der Schlachtfel­der und der deutschen Heldengräber. Eine Teller­sammlung zum Besten des Dolksbundes für Kriegsgräberfürsorge ergab 9,50 Mk.

Lich. 15. März. 3n der letzten Rächt gegen 1 Llhr wurden hier zwei Hakenkreuzfah­nen das Opfer eines Anschlages. Eine Fahne wurde heruntergerissen und ver­brannt, eine andere Fahne wurde h e r ab­gerissen, blieb aber sonst unversehrt. Von der hiesigen SA., die sich sofort auf die Suche nach den Tätern machte, wurde beim Gießener Polizeiamt das Rotrufkommando angefordert, daÄ bald daraus an Ort und Stelle war. Ein junger Mann von hier wurde unter der Anschuldigung der Täterschaft von der Gendarmerie ver­haftet und dem Amtsgerichtsgefängnis zuge­führt. Die weiteren Ermittelungen durch die Gen­darmerie sind im Gange.

k. Hungen, 14. März. Anläßlich der Ernennung des seitherigen Landtagspräsidenten Prof. Dr. Wer­ner zum hessischen Staatspräsidenten veranstaltete die Ortsgruppe Hungen der NSDAP., unter Vorantritt eines Spielmanns­zuges, mit dem hiesigen Sturm 15 der Standarte 116 gestern abend einen Fackelzug. Von einer dichten Menge umsäumt, marschierten die SA.-Formationen nach dem alten Marktplatz. Hier wies Ortsgruppen­leiter Kirchhöfer in einer Ansprache auf die Be­deutung dieses Tages hin und schloß mit dem Wunsche, daß es dem neuen Staatspräsidenten ver­gönnt fein möge, das Hessenland einer besseren Zu­kunft entgegenzuführen. Mit dem Deutschlandlied fand die eindrucksvolle ftunbgebung ihr Ende. Zum Gedenken berieten des Weltkrie­ges fand nach einem gemeinsamen Kirchgang der hiesigen Ortsgruppe der NSDAP., einschließlich der SA., der Frauenschaft, sowie des Bundes deutscher Mädchen und der Hitlerjugend, am vorigen Sonn- tag am Kriegerdenkmal eine schlichte Gedenkfeier

statt. Ortsgruppenvorfitzender Kirchhöfer ge­dachte mit ehrenden Worten der im Weltkriege ge­fallenen Kameraden, sowie der toten SA.- und SS.- Kameraden, und legte zu deren Gedenken im Namen der Ortsgruppe einen Kranz am Denkmal nieder. Anschließend widmete Pfarrer B o ck in einer ein­drucksvollen Rede den Toten ein ehrendes Gedenken. Mit dem Liede vom guten Kameraden fand die feierliche Ehrung ihren Ausklang.

s. LItphe, 13. März. Heute wurde eine un­serer ältesten Einwohnerinnen, die Witwe So­phie Dornmann, im Alter von 85 Jahren zu Grabe getragen. Sie hätte in Kürze, am 21. März, ihr 86. Lebensjahr vollenden können.

Kreis Hrievbcrg.

pb Butzbach, 13. März. Unter dem Vorsitz des Aufsichtsratsmitglieds Wilhelm Brücke l l., Pohl-Göns, fand gestern nachmittag imHessi­schen Hof" die Hauptversammlung der Der - einsbank fürBuhbach und Umgegend statt Dem Geschäftsbericht des Vorstandes über das Jahr 1932 ist zu entnehmen, daß der Umsatz infolge der Wirtschaftskrise zahlenmäßig zurück­gegangen ist. derselbe betrug insgesamt 33,5 Millionen Mark. Der Reingewinn beträgt 11 097,73 Mk., er ist, bedingt durch die Zins­senkung und die Erhöhung der Steuern von 5000 auf 8670 Mk. ebenfalls gegen das Vorjahr gesunken. Die Mitgliederzahl betrug am 31. De­zember 1931 529, der Zugang belief sich auf 36, der Abgang auf 29, so daß am Schluß des Geschäftsjahres 1932 536 Mitglieder eingetragen waren. Die Umsatzbilanz schließt ab mit 16 749 413,87 Mk., die Vermögensbilanz mit 1 427 285,51 Mk., die Gewinn- und Verlustrech­nung mit 53 494,61 Mk. Die Verteilung des Reingewinns wurde wie folgt genehmigt: 7428,35 Mark als 5prozentige Dividende, 1000 Mk. für den Reservefonds, 1000 Wk. für die Detriebs- rücklage und 1669,38 Mk. als Vortrag auf neue Rechnung. Die ausscheid-mden Aufsichtsräte Wil­helm Brücke! L, Landwirt, Pohlgöns, Konrad Phil. Diehl, Bürgermeister, Hoch-Weisel, Rob. Schneider, Landwirt, Kirch-Göns, und Herm. Steinhäuser, Wehgermeister, Butzbach, wur­den einstimmig wiedergewählt.

Kirche und Schule.

Landkreis Gießen.

O Grünberg. 14. März. Gestern fand hier eine Konferenz der evangelischen Geistlichen des Dekanats Grünberg statt. Pfarrer G u ß m a n n. Ober-Ohmen, hielt die Gröffnungsandacht. Sodann begrüßte Dekan Schmidt die Erschienenen, besonders Professor Keller aus Friedberg, der einen Vortrag über das Wesen der Aufbauschule in Friedberg hielt.

preuheu.

Kreis Wetzlar.

O Groß-Rechtenbach, 14.Marz. Das Lan­desarbeitsamt in Frankfurt hat die Anerkennung für die zweite Maßnahme im freiwilligen Ar­beitsdienst (Entwässerung von Ackerland und Wiesen durch Dränung, Rodungs- und Planierungs­arbeiten) unserer Gemeinde anerkannt. Die Zahl der erforderlichen Tagewerke beträgt 3000, die Förde- rungsfumme 5250 Mark. Die Gesamtkosten der Maß­nahme belaufen sich auf 9200 Mark. Mit den Arbei­ten soll sofort begonnen werden.

O Lützellinden, 14. März. Am Samstag fanden hier zuEhrender Toten des Welt­

krieges zwei Veranftattungen statt. Die Gemeinde versammelte sich zunächst am Kriegerdenkmal. Die Musikkapelle des Gießener Reichswehr-Bataillons unter Leitung von Dbermufitmeifter Krauße spielte den ChoralWir treten zum Beten!" Der Ortsgeistliche Pfarrer Koch hielt die Gedächtnisrede. Gemeindevorsteher S t o r s ch legte für die Gemeinde einen Kranz nieder. Der Kriegeroerein, der Turnver­ein und der Gesangverein ließen durch ihre Vor­sitzenden ebenfalls Kränze niederlegen. Mit de n Lied vom guten Kameraden und dem Gebet des Geistlichen fand die Feier ihren Abschluß. Im An­schluß daran fand im Franzschen Saale ein Militär­konzert statt. 1b

G. A -Sport.

Oaö Jtoöfporfprogromm 1933.

Am Sonntag sand in Gießen im Hotel-Restau­rantBayerischer Hof", der diesjährige Fahr- Wartetag des Gaues Lahn im Bund Deutscher Radfahrer unter dem Vorsitz des Herrn Gau- ehrenstratzenfahrwart Marr (Gießen) statt. Der­selbe begrüßte die zahlreich erschienenen Fahr- Warte und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich in diesem Jahre der Sportbetrieb auch in unserem Gau wieder etwas heben wird. Sodann wurde das folgende Programm für die kommende Sport­saison ausgestellt:

23. 4.33. 50-Kilometer-Gaurennen und Gausaal­meisterschaften in Wehlar-Riedergirmes.

7.5.33. I. Gauwgnderfahrt nach Braunfels. 14.5.33. 100-Kilometer-Gaurennen in Gießen. 18.6.33. 150-Kilometer-Gaurennen in Gießen. 1.7.33. II. Gauwanderfahrt (Nachtfahrt) nach Gießen (Karlsruhe).

30.7.33. 2er Mannschaftsfahren in Gießen.

20.8.33. Wanderfahrt der Kraftfahrer nach Wiesbaden.

10.9.33. III. Gauwanderfahrt nach Laubacher Wald.

Die Veranstaltungen für die Jugendmitglieder sollen erst auf dem Gautag, der am 2. April in Gießen stattfindet, festgesetzt werden. Nachdem der Gausaalsahrwart Göbel (Wetzlar-Nieder­girmes) die Ausschreibungen für die Gausaal- meisterschaften bekannt gegeben hatte und noch einige kleine Anfragen erledigt worden waren, schloß der Vorsitzende die Sitzung.

danöbo« im Gau Hessen (O T.)

Lützellinden I Lang-Göns 1 9:4 (5:1).

Zu einem Freundschaftsspiel trafen sich beide Mannschaften. Die Gäste zeigten großen Eifer und ließen sich keineswegs durch die Lleberlegen- heit des Gastgebers entmutigen. Sie Pahren sich vielmehr der schnelleren Spielweise des Gast­gebers an und konnten deshalb in der zweiten Halbzeit noch drei Tore erzielen. Vorher spiel­ten Lützellinden II gegen Lang-Gons II mit dem Ergebnis 6:2 (3:0).

Handball im Labn - Dünsbera - Gau.

hausen komb. Watzenborn I 12:3 (7:0).

Zu einem Gesellschaftsspiel trafen sich beide Mannschaften am Sonntag in Hausen. Watzen­born beitritt in diesem Tressen das erste Spiel und trat mit nur 8 Spielern an. Es fehlt de«. Mannschaft noch an der nötigen Erfahrung. Die Plahbesitzer waren stets überlegen und gewannen nach Belieben.

Wirtschaft.

Berlin uneinheitlich.

Berlin, 15. März. (WTD. Funkspruch.) 2m Gegensatz zu den zuversichtlichen Erwartungen des Dorbörsenverkehrs machte sich bei heutigem Dör- senbeginn eine gewisse Llnsicherheit bemerfbar, die sich dann im Dörsenverlauf zu einer allgemei­nen Abschwächung entwickelte. Daß das Ge­schäft kleiner war als in den letzten Tagen, kam nicht so überraschend wie die unregelmäßige Kursentwicklung. Man wußte zwar, daß das Publikum weiter tauschen will, beispielsweise aus den Tarifwerten herausgeht und am Mon- tanmarkt ansteigt, war aber doch enttäuscht, als die Verkaufsorders überwogen. Besonders am Farbenmarkt bildete die Grenze von 125 Proz. ein schwieriges Hindernis, da auf dieser Basis grö­ßere Derkauflimite Vorlagen. Bei den Tarifwerten und den übrigen Favoriten der letzten Tage wie Maschinenaktien und BMW. gingen die Verluste bis zu 2,63 Prozent. Aschaffenburg Zellstoff büß­ten auf neue Zusammenlegungsbefürchtungen nach anfänglicher Minus-Minus-Notiz 3 Proz. ein und Reichsbankanteile gaben wieder um 2 Proz. nach. Demgegenüber sind nur weniger Werte mit Kurs­gewinnen bis zu 2 Proz. zu nennen, wobei sich das Interesse auf Montanpapiere, Salzdetfurth, HEW., Chemische Heiden und Stöhr beschränkte. Bei letzteren konnten die kürzlich konvertierten Ak­tien bis auf 103 Prozent anziehen.

Die weiter zunehmende Beruhigung in LISA, und die Festigkeit des Dollars hatten arw hiesigen Anlagemarkt ein zunehmendes Interesse der Kundschaft zur Folge. Besonders Deutsche An­leihen waren gebessert, auch Jndustrieobligationen erfuhren überwiegend Befestigungen, während Reichsschuldbuchforderungen und Goldpfandbriefe unverändert genannt wurden. Nach den ersten Kursen wurde die Tendenz einheitlich schwächer. Der Außenhandel für Februar brachte eine wei­tere Schrumpfung des Exportvolumens, allerdings hat sich der Ausfuhrüberschuß dem Januar gegen­über um 4 Millionen gebessert. Ausgehend vom Montanmarkt wurde es dann gegen 12.45 Llhr wieder fester, die Anfangskurse wurden größten­teils wieder erreicht, teilweise sogar noch bis zu 1 Prozent überschritten.

Am Geldmarkt blieben die Sähe trotz des heutigen Medios unverändert. In Privatdiskon­ten hielten sich Angebot und Nachfrage etwa die Waage.

Frankfurter Börse freundlich.

Frankfurt, 15. März. (WTB. Drahtnzssl- dung.) Infolge des nur spärlichen Ordereingangs herrschte zu Beginn der heutigen Börse bemer­kenswerte Geschästsstille. Die Kulisse neigte auf Grund der letzten innen- und außenpolitischen Vorgänge eher zu Realisationen, doch erwies sich das Kursniveau als ziemlich wider­standsfähig. Die ersten Notierungen zeigten eine uneinheitliche Gestaltung, wobei die Ver­änderungen nach beiden Seiten etwa 0,5 bis 1 Prozent betrugen. Später war die Stimmung fester, zumal auf einigen Marktgebieten kleine Kauforders eintrafen. Durchweg fester eröff­neten Montanwerte mit plus 0,5 bis 1 Prozent. Harpener gewannen 1,75 Prozent, von Kupfer- werten konnten sich Otavi-Minen um 1,50 Mk. befestigen.

Am Aktienmarkt erhielt sich Nachfrage für Salzdetfurth, die 4,50 Prozent anzogen. Am Elektromarkt lagen Bekula erneut unter Druck und 2 Prozent schwächer, während die übrigen Werte dieses Marktes gut behauptet waren. Von Chemiewerten setzten JG.-Farben unverändert, Deutsche Erdöl 0,91 Prozent, und Metallgesell­schaft, 0,50 Prozent höher ein, wogegen Scheide­anstalt 1 Prozent nachgaben. Schiffahrtsaktien verloren bis zu 0,39 Prozent, AG. für Verkehrs­wesen 1,25 Prozent. Durch schwache Haltung fie­len wieder Reichsbank auf, die zunächst etwa 3,25 Prozent einbühten und bann weitere 1 Pro­zent nachgaben, um aber später 2 Prozent ihres Verlustes wieder aufzuholen. Im übrigen eröff­neten u. a. Deutsche Linoleum 1,50 Prozent. Daimler 0,75 Prozent niedriger, dagegen konn­ten sich Contigummi 1,50 Prozent und Aku 1 Prozent erhöhen. Deutsche Anleihen eröffneten meist unverändert, Schutzgebiete waren lebhafter. Neubesitz bröckelten aber später etwa 0,13 Pro­zent ab. Stahlvereinbonds gewannen 0,50 Pro­zent, Reichsbahnvorzugsaktien 0,25 Prozent. Am Pfandbriesmarkt waren Goldpfandbriefe gesucht und bei etwas größerem Geschäft etwa 0,5 bis 0,75 Prozent fester.

Im Verlaufe war die Grundstimmung aus­gesprochen freundlich. Das Interesse wandte sich mehr einigen Rentenwerten zu, ins­besondere Neubesitz zogen lebhaftem Llmsatz etwa 30 Pf. an. Tagesgeld war zum Medioi etwas gefragt und erhöhte sich auf 4 Prozent.

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