Ausgabe 
15.3.1933 Erstes Blatt
 
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tausch mit rNacdonald fehrbegrühen. eine Zu­sammenkunft in der nächsten Woche sei möglich. Daily Telegraph" nennt bereits Stresa am Lago Maggiore als wahrscheinlichen Ort der Begegnung. Times" widmet der Möglichkeit einen Leitartikel und sagt, je eher die Zusammenkunft stattfindet, d e st o besser sei es. Denn der Augenblick sei kri­tisch. Mussolini sei für die Rolle eines Ratgebers besonders geeignet, weil er deutlicher als irgendein anderer europäischer Staatsmann von der Jlolrocn- digkeit allmählicher Abänderungen der Friebensoer- träge gesprochen habe und Verständnis für die Empfindungen aller Deutschen gegenüber dem Versailler Vertrag habe. Anknüpsend an diese Bemerkungen fordertTimes" die anderen europäischen Regierungen auf, sich darüber zu ent­scheiden, welche Forderungen Deutsch­lands als berechtigt zu betrachten seien und welche nicht, und dann die berechtigten ohne 11 m- stände zu bewilligen und die für unberechtigt gehaltenen abzulehnen.

Reue Hoheitszeichen für die Wehrmacht.

Wieder Schwarz-Weitz-Rot ohne Gösch.

Berlin, 15. März. (WTB. Funkspruch.) Der Herr Reichspräsident hat mit Gegenzeichnung des Herrn Reichskanzlers und des Reichswehrminislers für die Wehrmacht eine Aenderung der Hoheitszei­chen verordnet. Rach dieser Verordnung ist die Reichskriegsflagge wie bisher fchwarz- weitz-rot mit dem Eisernen Kreuz in der Mitte u n - ter Wegfall der schwarz-rot-goldenen Ecke. Der Herr Reichspräsident hat ferner verord­net, baß die Wehrmacht an der Dienstmütze im Eichenlaubkranz die Reichskokarde in den Farben schwarz-weih-rot und an der Feldmütze nur die Reichskokarde zu tragen Hal. Am Stahlhelm wird an der Stelle des bisherigen landsmannschaftlichen Abzeichens das gleiche Schild in den Farben schwarz-weih-rot getra­gen. Der Herr Reichspräsident hat dazu folgenden Erlah an die Wehrmacht gerichtet:

Durch meine Verordnungen über die Aenderung der Reichskriegsflagge und über die Wiedereinfüh­rung der alten schwarzweihroten Kokarde habe ich der inneren Verbundenheit der deut­schen Wehrmacht mit den wiederer­starkten nationalen Kräften des deutschen Volkes auch einen sichtbaren Aus­druck gegeben. Die deutsche Reichswehr hat, trotz aller äuheren Fesseln, durch schwere Rachkriegsjahre dem deutschen Volke den wehrgedanken er­halten. Mögen diese äuheren Zeichen innerer Verbundenheit dem ganzen Volke stets vor Augen führen, dah eine bessere Zukunft nicht ohne den willen zur Verteidigung der Heimat errungen werden kann. 3m Dienste der alten Sol- dalentugenden, getragen vom einheitlichen willen des Volkes soll die Wehrmacht auch künf­tighin Sinnbild und Stolz der Ration bleiben.

Der Reichspräsident: gez. von Hindenburg. Der Reichswehrminister: gez. von Blomberg.

Das Programm für die Reichstagssitzung in Potsdam

Potsdam, 14. März. (LU.) Das Programm für die Reichstagssitzung in Potsdam a m 21. März sieht vor, dah die Gottes­dienste in der Nicolaikirche und in der katho­lischen Stadtpfarrkirche von 10.30 bis 11.30 Uhr Wie sie ihn bezwang jDriginalroman von J. E>chneiSer»Ioerst1.

Urheberrechtsschutz: Verlag D. Meister, Werdau i. S. 23 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Er schlief herzlich schlecht, von Träumen verfolgt, und erwachte erst spät. Hans Jörg stand bereits <n Hut und Mantel und steckte sich eine Morgenzigarette in Brand.Ich gehe nach der Hauptpost, hast du Briefe zu besorgen?"

Nichts", und dann in Merlins lächelndes Gesicht sehend, frug er:Du hast ein Rendezvous mit ihr?"

Erst nachmittags. Auf Wiedersehen!"

Es litt Oehme nicht mehr im Bett. Die Sache war ernster, als er geglaubt hatte.Soll ich ihn über» wachen?" hatte er in jener Nacht in Wien zu Ste­phanie gesagt. Nun schien die Zeit gekommen, da dies notwendig war. Und wahrhaftig, was an ihm lag, sollte geschehen, daß die Katastrophe nicht zu unerwartet über ihn hereinbrach.

Am Schalter der Hauptpost standen eine Menge Leute, die alle gekommen waren, postlagernde Briefe in Empfang zu nehmen. Es dauerte eine ziemliche Weile, bis Merlin an die Reihe kam Es war das zweitemal, daß er sich hier postierte. Gestern, den anonymen Brief jenes Unbekannten, hatte er auch hier an diesem Schalter in Empfang genommen

Chiffre oder Name, bitte?" sagte eine Stimme aus de n halboffenen Fenster.

Baron Merlin." Er bog sich etwas vor und sah nun den Beamten an ein Regal treten, dem er einen Stapel Korrespondenz entnahm. Sie mit raschen Fingern durchblätternd, gab er eine Anzahl Karten und Briefe heraus. Merlin steckte sie unbe­sehen in die Tasche. Es war hernach noch Zeit, sie zu lesen.

Die Sonne strahlte so verlockend schön, daß er sich ein Auto nahm und nach dem Quirinal fuhr. Von dort ließ er sich nach dem Forum bringen. Aber nichts vermochte ihm heute zu imponieren. Es war ärgerlich, wenn man es nicht zuwege brachte, feine Gedanken von einem Punkte weg auf dieses oder jenes andere zu konzentrieren. Immer wieder kreisten sie um denselben Punkt.

G en Mittag, als die Sonne gar zu mörderisch stach, gebot er dem Chauffeur, ihn nach dem Pincio zu fahren. Auf einer der palmenbeschatteten Bänke zog er die Briefe heraus, stutzte und suchte ein Lächeln zu unterdrücken. Was das Leben alles an Zufällen auswürfelte, war kaum zu glauben. Und dies hier war der Höhepunkt.

Es läutete schon Mittag. Die Kirchen Roms über­boten sich an Helle der Klänge. Merlin hörte es nicht. Er faß noch immer, und in seinem Gesichte war wieder jenes Lächeln, das er so selten jemand sehen

stattfinben. Nach Schluß der Gottesdienste ziehen die Abgeordneten unter dem Glockengeläut sämt­licher Potsdamer Kirchen zur Garnison­kirche, wo sie um 11.45 ilfjr eintreffen. Pro­fessor Decker begrüßt die Abgeordneten mit einem viertelstündigen Orgelspiel, dem P r ä l u « di um L-Moll von Bach. Während der Staats- und Domchor aus BerlinNun lobt mein Seel' den Herrn" singt, betritt um 12 Llhr Reichspräsident .v. Hinden­burg die Garnisonkirche. Er richtet an die Reichsregierung und die Abgeordneten die An­sprache, auf die der R e i ch s k a n z l e r mit einer längeren Rede erwidert. Darauf singt wieder der Domchor, worauf sich der Reichspräsident mit seinem Adjutanten zur Gruft Friedrichs des Großen begibt und dort einen Kranz nie­derlegt. Professor Becker wird mit dem Nieder- ländstchen Dankgebet und dem machtvollenHerr mach uns frei" die Weiheseier in der Garnison­kirche beenden und mit einem Orgelnachspiel die Festoersammlung aus der Kirche geleiten.

Der Kanzler wieder in Berlin.

Erne te Besprechung

mit dem Reichsvan.Präsidenten

Berlin, 15. Marz. (CNB. Funkspruch.) Der Reichskanzler ist heute vormittag aus München wieder nach Berlin zurück gekehrt, wo er bereits eine Unterredung mit dem Reichs­bankpräsidenten Dr. Luther hatte. Die Besprechung galt der Anpassung der Reichsbankpolltic an die großen Aufgaben, die die Reichsregierung sich gestellt hat. Ob sich darüber eine Verständigung herbeisühren läßt oder ein Wechsel in der Reichsbank- leitung eintreten wird, ist noch nicht zu sagen. Minister Goebbels über seine

Aufgabe.

Kem Papierkrieg, sondern aktive Propaganda "

Berlin, 15. März. (CNB.) In einer Unter­redung mit einem Redaktionsmitglied des Völkischen Beobachters führte der neuernannte Reichs- Minister f ü r Dolksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, u. a. aus, er selbst werde d i e Propagandamaschinerie der NSDAP in Anspruch nehmen, um die Mas­senbeeinflussung zu betreiben, und er werde in jedem besonderen Falle aktivindenRedestreitder Nationen eingreisen. Er habe auch die Ab­sicht, jeden Monateinpaar Mal inBer- lin zu sprechen, sowohl vor den Funktionären der Partei, als auch in der Oeffentlichkeit, um da­mit dem deutschen Volk dauernd die Möglichkeit zu geben, in die Politik der Reichsregierung Einblick zu gewinnen.

Mein Weg", so erklärte Dr. Goebbels weiter, führt nach wie vor i n s V o l k h i n e i n, denn ich sehe die Hauptaufgabe eines Propagandaministe­riums nicht darin, sich in hinein Büro zu verschan­zen und einen Papierkrieg zu führen, sondern der rote Faden, der sich durch meine Maßnahmen ziehen wird, ist, lebendige Propaganda zu betrei­ben. Ein Propagandaminister muß ebenso organi­sieren können, wie er die Plakat- und Zeitungs­propaganda im Lande beherrschen muß, und wie ßs notwendig ijt, als Trommler und Redner selbst ak­tiv einzugreifen. Was der Aufbau des Propaganda- Ministeriums erstrebt und was wir am Beispiel Rundfunk in den letzten Wochen zeigen konnten, ist das Ziel, die Propaganda nicht zu einer toten Be­lehrung des Volkes zu machen, sondern durch die Propaganda eine aktuelle lebendigeTeil- nähme des Volkes an den Ereignissen der Nation zu erreichen."

Das Reichskommiffariat in Hessen erloschen.

Berlin 15.März. (WTB. Funkspruch.) Nach­dem am gestrigen Tage der hessische Landtag eine

ließ. Es war gut und ganz von jenem Ausdruck, das Stephanie so schwach hatte werden lassen, seiner zu begehren.

Autos flitzten an ihm vorüber und jagten dem Zen­trum der Stadt zu. Ein Trupp Carabinieri zog mit klingendem Spiel vorbei und machte den Asphalt klirren. Bonnen trieben ihre Schutzbefohlenen zu größerer Eile an. Es war Mittagszeit.

Erst als es ganz stille um ihn wurde, sah Merlin auf, Kein Taxi war mehr zu sehen. Er mußte zu Fuß bis zur nächsten Haltestelle laufen. Zufrieden, und nicht ein bißchen verärgert über das Gedränge, stellte er sich zu den Gruppen Arbeiter auf die Plattform.

Oehme saß im Vorgarten des Hotels in einem der Korbstühle und schnellte auf, als Merlins Schritt auf dem Kies erklang. Trotz der Erleichterung, die ihm das Eintreffen des Freundes bereitete, schwang ein leiser Vorwurf in seiner Begrüßung mit:Ich war in Sorge um dich!"

Ganz überflüssig, wie du siehst, mein Lieder. Gibt es etwas Manierliches zu essen? Ich glaube, ich habe mir gestern den Magen verdorben."

Mit zuviel Champagner", lachte Oehme.

Möglich." Er klappte die Zeitung, nach welcher der Doktor greifen wollte, zu und steckte sie in die Tasche.Lesen kannst du hernach auch. Jetzt stelle bitte ein vernünftiges Menü zusammen. Ich ziehe mich um, und wenn ich komme, essen wir. Vergiß den Wein nicht! Und dann will ich schlafen! Weißt du wie ich schlafen will? Aah! Wie lange haben wir noch bis vier Uhr?" Er wartete, bis der Doktor die Uhr gezogen hatte und warf einen flüch­tigen Blick auf das Zifferblatt.Drei Stunden! So lange noch! Sooo lange! Warum laufen hier in Rom die Zeiger fo langsam?"

Findest du?" höhnte Oehme.

Finde ich, ja! hsst du etwas dagegen?" Und als der Doktor schwieg, legte ihm Merlin beide Hände auf die Achseln.Was quälst du dich, Alter? Ein­mal mußte das doch kommen! Ich meine der Um­schwung in mir. So zwischen kalt und warm kann man doch nicht ewig Herumlaufen. Du hast das selbst einmal gesagt. Und nun, da ich dampfe vor Hitze, hast du wiederum etwas daran auszufetzen. Nörgler du!" Er rüttelte ihn an den Schultern und schritt dem Hoteleingang zu.

Das Menü, das Oehme zusammenstellte, war aus­erwählt gut. Er hatte es sich angelegen fein lassen, nur das für Merlin Bekömmlichste auf den Tisch gestellt zu bekommen. Diese Spaghetti mußten Mei­sterhände bereitet haben und die Artischocken schwam­men wie Rosen auf der aolbgeranbeten Platte.

Unb Merlin ah, aber Oehme merkte, baß er ge» rabefogut ein Plebejermahl hätte auftragen lassen können. Der Freunb wußte nicht, was er zwischen bie Lippen schob. Kopfschüttelnb legte er ihm einen Poularbenschenkel auf den Teller, sah, wie er zwi­schen Jörgs Besteck zerteilt würbe, unb wagte einen Scherz.Als ich zu meinem ersten Rendezvous ging,

I neue Regierung gebildet hat, hat der Reichsminister des Innern die von ihm auf Grund des § 2 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 getroffenen Anordnungen zurückgenommen. Damit ist der dem bisherigen Regierungsrat, jetzigen hessischen Mi­nister Dr. Müller erteilte Auftrag, für b i e Reichsregierung bie Befugnisse Der hessischen obersten Lanbesbehörbe, soweit bies bie Erhaltung ber öffentlichen Sicherheit unb Orbnung erforderte, wahrzunehmen, erloschen.

Wettere Beurlaubungen im Hessischen Kultusministerium.

D a r m ft a b t, 15. März. (WTB.) Der hessische Staatspräsident unb Kultusminister hat im Kultus­ministerium weitere Beurlaubungen ooroenommen. Beurlaubt wurden Ministerialrat Hoffmann, der Fraktionsführer des Zentrums, Ministerialrat Diehl, Ministerialrat Jung und Oberschulrat hasfinger, der Leiter der Zentralstelle für Volksbildung und Jugendfürsorge. Wie verlautet, will die neue Regierung im Kultusministerium mit je einem Referenten für das Volks- schul- und das höhere Schulwesen aus» zutommen versuchen. Wenn es nötig werden sollte, will man noch einige hitfsreferenten beschäftigen. Im Augenblick find noch fünf Referenten im Kultusmini­sterium tätig, und zwar Ministerialrat L ö h l e i n für die Hochschulen, die Oberregierungsräte hen- r i ch und Guthermuth (beide Juristen) sowie die Ministerialräte G l ü d e r t und Schneid.

Kunst unD Wissenschaft.

Verleger Moritz Schauenburg f.

In Lahr (Baden) ist im Alter von 69 Jahren der Seniorchef der Fa. Moritz Schauenburg, Kr i- manditgeiellschaft, der Herausgeber der im 139. Jahr­gang erscheinenden Lahrer Zeitung, plötzlich ver­st o r b e n. Der Heimgegangene erfreute sich weit über die Grenzen seiner badischen Heimat hinaus großer Wertschätzung. Im Verlag von Moritz Schauenburg erscheint der in ganz Deutschland be­kannteLahrer hinkende Bote", ebenso ist ber Verlag der ständige Herausgeber des von der Deutschen Studentenschaft allgemein benutzten Deutschen Kommersbuches.

gab es Seeforellen zu Haufe. Und als mich die Mut- ter fragte, wie sie geschmeckt hätten, sagte ich: sie wären zu wenig gezuckert gewesen."

Hans Jörg schielte ihn an unb lachte.Auf Zucker hast bu immer viel gehalten." Dann fein Glas hoch- hebenb frug er:Auf was wollen wir trinken, Alter?"

Oehms Hand zitterte leicht:Auf die Frau, die du liebst."

Merlins Finger schwankten leicht und hielten den dünnen Stiel umklammert.Also denn ja: auf die Frau, die ich liebe!"

So war es nicht gemeint", protestierte der Doktor.

Nicht? Ich dachte doch, du sagtest so." Die Lider halb geschlossen, ließ er den Kelch am Lippen­rande, bis auch ber letzte Tropfen zur Neige geleert war. In ben Stuhl zurückgelehnt, sah er zum Freunde hinüber,hast du je geglaubt, daß es so kommen könnte? Sooo? Ich nicht, heute interessiert michs nicht einmal, was auf der Werft in Konstanz los fein wird. Ob sie mir einen Nagel zu viel ober zu wenig in bie Hölzer schlagen. Was gehts mich an. Zehn Jahre habe ich mich um all den Kram gekümmert. Nun soll mein eigenes Ich auch einmal etwas zu kosten haben. Liebe! hörst bu mich, Alter? Liebe!"

Resigniert steckte sich Oehme eine Zigarre in Brand.Und deine Frau?"

Gott, was kümmerst du dich um meine Frau? Es ist doch nicht die deine."

Aber sie tut mir leib!" sagte Oehme unb schlug mit bem kleinen Silberlöffel, Den er aus ber Kom­pottschale genommen hatte, ben Takt gegen seinen Dessertteller.Bleib, Jörg. Niemanb kann es bir verübeln, wenn bu nicht hingehst."

Ich werbe aber hingehen, mein Alter", beharrte Merlin.Seit wann bist bu so neibisch? Auf ein bißchen Liebe, Georg!"

Eben, weil es nur ein bißchen Liebe ist!" fuhr biefer auf.Uebermorgen bist bu vergessen!"

Glaubst bu?" lächelte Merlin unb nahm eine Ananasschnitte auf seinen Fleilchteller herüber, sah wie Oehme ben Kopf schüttelte unb zerteilte sie bebächtig.Schabe", sagte er versonnen. Der Doktor wußte nicht, ob er bie Schnitte ober bas Vergessen meinte.

Schlaf noch ein wenig", mahnte er besorgt.Ich wecke bitt), wenn es Zeit ist "

Es wäre nett, wenn bu bas tun würbest", mit diesen Worten legte Hans Jörg ben kleinen Löffel beiseite unb erhob sich.Unb bu?"

Ich bin nicht mübe", kam es mürrisch.

Dann auf Wiebersehen." Aber als Merlin noch gar nicht bie ersten Treppenstufen genommen hatte, kam Oehme schon hinter ihm her.

Ich komme mit, Jörg!"

Merlin nickte nur. Seite an Seite schritten sie ben Läufer hinauf. Im Nu war Hans Jörg entfleibet und streckte sich auf der Matratze aus.Wenn das

Aus aller Wett.

Die Posener Flugzeughalle ein Raub der Flammen.

Oluf dem Militärflugplatz in Lawitza bei Pofen brach in der großen Flugzeughalle der Militär- fluganftalt ein Feuer aus, das die ganze Halle mit den darin befindlichen Flugzeugen i n Asche legte. Die gesamte Feuerwehr der Stadt Posen war stundenlang bemüht, die Ge­walt des Feuers zu brechen. Der Schaden ist sehr groß.

Sühne für einen Mord.

Vor dem Schwurgericht in Leipzig ging nach sechstägiger Verhandlung der Mord proze ß gegen den 32 Jahre alten Kraftwagenführer Walter Kunze zu Ende. Dem Antrag des Staatsanwalts gemäß wurde Kunze zum Tode verurteilt. Er hatte im November v. I. mit dem Autovertreter Willi Sonnenkalb aus Leipzig, mit dem er wegen des Verkaufs eines Lastautos in Verbindung stand, eine Probefahrt unternommen. Im Leutzscher Holz hatte er SoTmenfalb erwürgt unb sich ben Wagen angeeignet. Kunze ist wegen eines Raub- Überfalles auf ben eigenen Vater unb wegen Branb- ftiftung im väterlichen Anwesen bereits mit brei Jahren Zuchthaus vorbestraft.

Die Oeffnung der Porta Sancta im Rundfunk.

Die feierliche Oeffnung der Porta Sancta in der Peterskirche durch Papst Pius XI. wird auf feine Anordnung durch Rundfunk über­tragen. Der Papst will damit erreichen, dah die Gläubigen der ganzen Welt an der feier­lichen Eröffnung des Heiligen Jahres in der Mittagsstunde des 1.April teilnehmen können. Ferner wird bekannt, dah die amt­lichen Einladungen an die Staatsober­häupter und die Regierungschefs jener Länder, die mit dem Batikan in diplomati­schen Beziehungen stehen, abgegangen sind. Die Einladungen fordern zur persönlichen Teilnahme bzw. dazu auf, sich bei der Oeff­nung der Porta Sancta vertreten zu lassen. In der Borhalle der Peterskirche wird für die Staatsoberhäupter und ihre Vertreter eine be­sondere Tribüne errichtet.

Zeug hier nicht so verdammt hart wäre. Ich gäbe was um eines der Jchenhaustnschen Betten. Lauter Daunen von eigenem Federvieh."

Das ist auch nur weich, wenn man ein gutes Gewissen hat!" spottete Oehme.

Du hast ja eins", gab Merlin zu,gute Nacht unb weck mich, bitte!" Den Arm als Kissen be- nützenb, brehte er sich ber Wcmb zu.

Oehme nahm bie Seibenbecke unb breitete sie über bie Füße bes Freundes. Eine Fliege hatte sich auf dessen Stirn gesetzt unb er verwenbete alle Be­hutsamkeit sie zu fangen, ohne baß er Jörg weckte.

Er ging nach ber Loggia, bereu Sonnenschützer ein rötlichgelbes Licht warfen. Die Straße, welche am Hotel vorbeiführte, lag lautlos still. Einer ber Boys lehnte unten in einem ber Korbsessel unb schien zu schlafen. Ganz Rom schien zu schlafen, nur sein Atem war zu verspüren, benn ab unb zu gellte in ber Ferne bas Klingeln ber Trambahn ober eine Autohupe aujÄDas Diner war gut gewesen unb ber Wein schuf eine gewisse angenehme Mübigkeit. Aber er bürste sich ihr nicht hingeben.

Er brannte sich eine Zigarre an. Sie schmeckte nicht unb würbe noch im Glühen auf bie Brüstung ber Loggia gelegt. Nach bem Zimmer zurückkehrenb, beugte er sich über ben Freund und merkte, wie friedlich dieser schlief, trotz der Fliegen, bes harten Lagers unb seines schlechten Gewissens.

Mit einem verzeihenben Lächeln schlich er sich wieber von bem Bette fort. Zu bumm, baß Jörg bieses Renbezvous vereinbart hatte, heute, an bem einzigen freien Tage, ber ihm geschenkt war. Man hätte zusammen nach Ostia hinausfahren können ober in bie Sabinerberge kutschieren ober sonst et­was Vernünftiges unternehmen. So verböfte man hier bie schönen Stunben.

Die klejpe Weckuhr, welche Merlin sich verstohlen unter bas Hemd geschoben hatte, surrte ab. Er schnellte auf, dehnte die Arme und hielt Umschau. Von Oehme war nichts zu sehen. Die Füße über den Rand des Bettes streckend, schüttelte er den letz­ten Rest der bleiernen Müdigkeit ab und begann Toilette zu machen. Als er auf die Loggia trat, sah er Oehme in unbequemer Stellung in einem Sessel kauernd. Das Zeitungsblatt, darin er wohl gelesen und sich die Langeweile vertrieben hatte, lag am Boden.

Hans Jörg konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Schade, daß er ihm fein Kissen unter ben Nacken stecken konnte, aber bas weckte ihn womöglich. Unb Georg zu wecken, bas war bas Letzte, was er jetzt hätte tun mögen.

Er warf ein paar Zeilen auf ein Blatt Papi« unb steckte es ihm vorsichtig in bie kleine Seiten­tasche bes Jacketts. Fast bereute er es, benn Oehme schob sich etwas aus seiner unbequemen Lage zu­recht, schlief aber sofort weiter.

(Fortsetzung folgt)

Aus der proviuzialhaupistadt.

Achtet auf Hunde und Katzen!

von (Sfubienraf E Holzel

Nur mit größter Entrüstung haben Jäger und Naturfreunde von dem Drama Kenntnis genom­men, das sich vor wenigen Wochen in Bad Rein- erz in den schlesischen Bergen abspielte. In ein Gatter von 100 Hektar Größe, in dem sich Muf­felwild befand, brachen zwei wildernde Schäfer­hunde ein und rissen von den 20 Wildschafen des Gatters 13 Stück. Mit großen Mühen und Kosten hatte die Forstverwaltung diesen Bestand herangezogen und beschlossen, in diesem Frühjahr das Gatter umzulegen und das Wildschaf, das im Harz und Odenwald und anderen Teilen Deutschlands sich schon Heimatrecht erworben hat, zur Bereicherung der Gebirgstierwelt der Freiheit zu übergeben. Die beiden Bestien, die ohne Rück­licht auf ihren Nahrungsbedarf mordeten, was vor sie kam, fielen den Kugeln des Forstpersonals zum Opfer. Ihre Besitzer aber, die 5 Kilometer von der Stätte der Tat entfernt wohnen, müssen einen Schaden von 2000 Mk. wieder gutmachen.

Deutlicher kann die Gefahr nicht vor Augen geführt werden, die unseren Wildständen von ja­genden Hunden droht. Die Früchte jahrelanger Hege und mit ihnen beträchtliche Vermögens­werte werden in kürzester Zeit vernichtet. Schuld daran sind fast immer die Hundebesitzer, die sich um ihre Tiere nicht flimmern und nicht wissen.

wie oft der treue Wächter des Hauses sich nachts draußen in Wald und Feld herumtreibt, um bei Tag vollgefressen und müde als Musterbild der Bravheit in seiner Hütte zu liegen. Vielfach ist es aber auch der Ausfluß einer kaum zu über­bietenden Rücksichtslosigieit, wenn Spaziergänger ihre Hunde nach Herzenslust die Felder und Wäl­der abjagen lassen. Es dürfte gut sein, wenn sich die Hundebesiher die Folgen vor Augen hielten, zumal der Jäger gerade in der kommenden Zeit, wenn überall Mutt^rwild und Jungwild von den Hunden bedroht wird, verständlicherweise beson­ders seine Rechte zu wahren pflegt.

Es ist in Hessen durch Artikel 25 des Jagdstras- gesehes verboten, Hunde über hundert Schritt von erlaubten Verbindungswegen entfernt frei herum­laufen zu lassen. Erlaubte Verbindungswege ^ind nur solche, dem öffentlichen Verkehr geöffnete Wege, die zwei Ortschaften oder Gehöfte und ähn­liches miteinander verbinden, aber nicht jeder Feldweg, jede Waldschneise oder jeder Spazier­weg. Nach der Hessischen Rechtsprechung macht sich jeder strafbar, der seinen Hund auf solchen Wegen, die nicht den Charakter der Verbindungs­wege tragen, nicht an der Leine führt.

Das Gesetz bedroht Zuwiderhandlung mit Geld­strafe, darüber hinaus kann der Geschädigte, d. h. der Jagdberechtigte, unter Umständen, wenn sei­nem Wild besondere Gefahr droht, zur Selbst­hilfe mit der Waffe berechtigt sein unb schließlich