Ausgabe 
15.3.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 65 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Mittwoch, 15. Marz 1Y55

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Gietzemr Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

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Chefredakteur

Dr. Frtedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undkürdenAn. zeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen.

Der Ordnungsruf für polen.

Die Polen haben sich ganz ohne 2lot eine diplomatische Schlappe geholt. An den verant­wortlichen Berliner Stellen nimmt man aber die schnelle und erfreuliche Regelung des Dan­ziger Zwischenfalls durchaus noch nicht zum An» lah, um nach dem Albdrücken der letzten Zeit den außenpolitischen Horizont wieder durch die rosen­rote Drille zu ^trachten. Daß die Polen nur auf eine günstige Gelegenheit warten, um ihre strategische Position gegenüber Deutschland zu verbessern, das haben sie jetzt allzu deullich enthüllt. Zurückgewiesen werden konnten sie zu­nächst nur da, wo sie die Grenzen der vertrag­lichen Rechte und Pflichten überschritten haben. Man kann sie aber nicht zwingen, die auf ihrem eigenen Boden vor genomme­nen Truppenkonzentrationen mit der dvrhenden Front gegen Deutschland rückgängig zu machen. Zumindest von Genf aus ist das nicht möglich. Hier können nur andere Druckmittel ein­gesetzt werden, die auf der Linie von Berlin nach Moskau zurückzugewinnen find. Auf der Westerplatte sind die Polen übereifrig vorge­prescht und sie haben dafür einen Dämpfer be­kommen. An ihrer außenpolitischen Einstellung und an ihren dunkeln, friedengefährdenden Plä­nen hat sich nichts geändert.

Immerhin haben die Machthaber In Warschau es jetzt zur Kenntnis nehmen müssen, daß die englischen Staatsmänner doch auch sehr energisch werden können, wenn dem europäischen Frieden ernste Gefahr von Brandstiftern droht. M a c - donald und Simon dürften vielleicht selbst etwas erstaunt gewesen sein, als sie sahen, wie schnell sie sich durchsetzen können, wenn sie wirklich einmal ein deutliches Macht- wort sprechen. 3n dec Downingstrect hat sich feit 1918 eine Tradition der Weichheit und der Rachgiebigkeit gegenüber Frankreich und seinen Trabanten herausgeblldet, die das Gefühl der eigenen Stärke zu sehr unterdrückt hat. Die fran­zösischen Staatsmänner mögen zwar die Zähne zusammengebissen haben, weil sie den Polen nicht wirksam sekundieren durften, aber sie haben sich in die gemeinsame Front der Großmächte ein­gereiht, als England und Italien sich entschlos­sen gegen die Verletzung der Verträge und gegen eine ernste Bedrohung des Friedens zur Wehr setzten. Die pflaumenweiche englische Außenpolitik war solange für England ohne Gefahr, wie man darauf rechnen konnte, daß Deutschland ohne ernsten Widerstand hinnehmen würde, was man ihm zu bieten wagte. Ietzt ist man sich darüber klar geworden, daß die Geduld des deutschen Volkes unter feiner neuen Führung erschöpft ist, und man scheint daraus - die entsprechenden Folgerungen ableiten zu wollen.

Run stimmt Lloyd George ein Klagelied an. daß die früheren Verbündeten die Auferste­hung des militaristischen Geistes in Deutschland selbst verschuldet hatten, well sie selbst den Ver­trag nicht eingehalten hätten. Er vergißt, sich an die Brust zu schlagen, denn er war es doch, der in Versailles gegenüber Clcmenceau die Linie des elastischen 'Ausweichens angebahnt hat. Wichtiger aber als rückwärts gerichtete Betrachtungen ist jetzt die Frage, wie England künftig gegenüber Deutschland und den konti­nentalen Dingen Stellung nehmen will. Die Feststellung Lahtons imRews Chronicle" kön­nen wir als zutreffend bezeichnen, daß Hitler kene Wohlfahrt im Innern ohne Frieden nach außen zu schaffen vermag. Hiller trifft sich durchaus mit Mussolini in der Auffassung. daß kriegerische VerwiLungen ebenso wie die Spal­tung Europas in zwei bis an die Zähne bewaff­nete Heerlager die Zivilisation in Gefahr brin­gen. Deutschland will den europäischen Frieden nicht stören. Wir fordern zunächst nur die Be­freiung von außenpolitischen Dro­hungen und Sicherheit.

Die Engländer müssen endlich zu der von Mussolini längst gepredigten Auffassung gelan­gen, daß die dauernde Störung der friedlichen Zusammenarbeit sich aus der Ungleichheit der Rüstungen und der Sicherheit sowie aus der Erbitterung einer selbstbewußten Ration über offenbares Unrecht und über die Verstümme­lung des Reichsgebietes im Osten abzuleiten ist. Deutschland verlangt durchaus nicht, daß alles von beute auf morgen geschieht, was geschehen muß.'Wir müssen aber erkennen, daß der Weg in der notwendigen Richtung entschlossen und kraftvoll beschritten wird und daß auf ihm Verzögerungen und Abirrungen nicht mehr ge­duldet werden. Macdonald und Mussolini haben es durchaus in der Hand, die widerstrebenden Mächte auf diesen Weg zu drängen. Der Erfolg ihres entschlossenen gemeinsamen Auftretens ge­gen Polen sollte ihnen zeigen, tote stack sie sind. Die neue deutsche Regierung würde ftcher zufrieden sein,-wenn sie sich zunächst ganz dem inneren Aufbau widmen kann, wenn gleichzeitig durch eine Konvention über die effektive Ab­rüstung das Ziel der tatsächlichen Gleichberech­tigung nähergerückt wird. Wir w:ssen, daß die Kräftigung im Innern und t)ic_ äußere Gleich­berechtigung Voraussetzungen für die Beendi­gung des Unrechts im Osten sind.

Spannung in Moskau.

Unbegrenzte Vollmachten für die LGPU.

Moskau, 14. März. (XU.) Das Präsi­dium des Dollzugskomitees der Sowjetunion hat beschlossen, die am 15. Ro- vember 1923 festgelegten Rechte und Vollmachten der OGPH- angesichts der zunehmen­den Sabotage zu erweitern- Das Kol­legium der OGPU. erhält letzt das Recht, allen

Das Ausland und der Umschwung in Deutschland.

Italien lehnt jede Aktion gegen Berlin ab.

Paris, 15.März. (WTB.-Funkspruch.) Die Annahme, daß die französische Regierung wegen der vorübergehenden Besetzung einer Kehler Ka­serne durch nationalsozialistische Gruppen ver­sucht hat, sich die Unterstützung der britischen Regierung zu verschaffen und daß ihr diese verweigert wurde, wird durch einwandfreie Zeu­gen bestätigt.Petit Iournal" erklärt, daß A l o i f i gestern in Genf Macdonald die Ansicht Mussolinis zu der Besetzung einer Kaserne in Kehl durch Rationalsozialisten bar- gelegt habe. Danach lege der italienische Mi­nisterpräsident den Locarnovertrag so aus, daß sogar die Möglichkeit einer gemein­samen Aktion Englands und Ita­liens ausgeschlossen sei, falls England in Berlin Schritte unternehmen wolle. Mussolini sei der Ansicht, daß die Erläuterung, die die Reichsregierung über den Vorgang in Kehl ge­geben habe, diesen beilege. Was die Ein­stellung von Rotionalsozialisten als Hllfspolizei betreffe, so vertrete Mussolini den Standpunkt, daß die revolutionäre Lage in Deutschland diese Maßnahme rechtfertige.

Englische Blätter mahnen zur Gerechtigkeit gegenüber Deutschland.

Lo n d o n, 13. März. (WTB.) Ernste Besorg­nis spricht aus den Leitartikeln, in denen sich die Abendpresse zu den Ereignissen in Deutschland äußert. Der liberale Star warnt die Signatar­mächte des Versailler Vertrages, Deutschland gegenüber ungerecht zu handeln. Lloyd George habe die Wahrheit enthüllt, daß durch die Haltung, die die ganze Welt gegenüber dem deut­schen Volle einnahm, und durch die Richteinhal­tung der Abrüstungsllausel des Versailler Ver­trages durch Frankreich, England und andere Mächte Deutschland zu den Ereignissen der letz­ten Wochen getrieben wurde. Eveuing Rews wiederholt ihren warnenden Rat an die britische Regierung, in demSturm Über Europa" s i ch um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Rur durch die Fernhaltung von allen Entwicklungen könne die Regierung das Vertrauen des englischen Volkes bewahren. Daily Expreß" schreibt: Deutschland sei eine machtvolle Einheit. In fünf Tagen habe Hitler das getan, was Bismarck 40 Iahre lang umsonst versucht habe. Hitler habe Deutschland geeinigt, während Bismarck es in autonome Staaten geteilt zurückgelassen habe. DieSundahTime s" schreibt, die Gefahr einer roten Revolution werde als endgültig beseitigt angesehen. Durch die Gründlichkeit der Hitler-Regierung sei die Ge­fahr eines Bürgerkrieges vermie­den worden. ImObferver" wird die außerordenlliche Geschwindigkeit der Maß­nahmen der Deichsregierung bewundert.

Berliner Blätterstimmen zur französischen Demarche.

Unbegründete E nmischung in deutsche Angelegenheiten.

Berlin, 15. März. (CNB.) Die Blätter, die zur Zurückweisung der Beschwerde des französischen Bot­schafters durch den Reichsaußenminister Stellung nehmen, geben ihrer Genugtuung über die Haltung des Frhrn. v. Neurath Ausdruck. Die D. A. Z. zitiert den vom französischen Botschafter angezogenen Ar­tikel 43 des Versailler Vertrages, in dem die Un­terhaltung oder die Zusammenziehung einer bewaff­

neten Macht in der entmilitarisierten Zone verboten ist. Das Blatt sagt: Wir können beim besten Willen nicht verstehen, wie die französische Regierung ihren Schritt mit diesem Artikel begründen will. Der ganze Vorgang des Erscheinens des französischen Botschaf­ters im Auswärtigen Amt muß auf die übertriebene Berichterstattung in der französischen Presse zurück­geführt werden, die keineswegs im Einklang mit den tatsächlichen Vorfällen steht. Der Berliner Lokalanzeiger schreibt: Es bleibt wieder ein­mal Paris vorbehalten, aus einem unerheb­lichen AnlaßVertragsverletzungen" herauszudichten und künstliche Entrüstung über Vorgänge rein in­nerdeutscher Natur vorzutäuschen. Immerhin wird durch diesen Versuch, aufdie innerpolitische Entwicklung in Deutschland Einfluß zu nehmen, die französische Geisteshaltung wie­der einmal völlig klargestellt und wieder einmal die Aufmerksamkeit auf den Skandal gelenkt, daß wir in einem Teile unseres eigenen Landes in unse­ren Hoheitsrechtenso weitgehend ein­geschränkt sind, daß eine andere Macht daraus den Anspruch auf Kontrolle deut­scher Polizeimaßnahmen ableiten zu dür­fen glaubt. Die Kreuzzeitung erklärt: Die ganz unverständliche Auffassung der französischen Re­gierung ist mit Recht vom Auswärtigen Amt zurück­gewiesen worden. Man darf nur hoffen, daß die französische Regierung aus dieser Ablehnung die Lehre zieht, uns ferner mit Einmischungen in innerdeutsche Verhältnisse, die sie nichts angehen, zu verschonen.

Ein französisches Llrieil.

Paris, 14. März. (ERD.) Der Berliner Ver­treter der Agencc Havas versucht eine Bllanz aus dem, wie er es bezeichnet,sechswöchigen fa- schlsttschen Regime" in Deutschland zu ziehen. Diese sechs Wochen, so schreibt der Korrespondent, hät­ten genügt, das Gesicht Deutschlands völlig zu verändern. Mit einem Willen und einer Zähigkeit, um die ihre Gegner sie be­neiden könnten, fei es Hitler und feinen Anhän­gern gelungen, sich im Reiche, das sie jetzt völ­lig beherrschten, festzusetzen. Der Einfluß der fo- ziallstischen und der kommunistischen Gegner sei vernichtet. Der Korrespondent rechnet mit einer Zweidrittelmehrheit im Reichs­tag für die Regierung der nationalen Wieder­erhebung, so daß sie jetzt die Organisation des Dritten Reiches in Angriff neh­men könne. Diese Ausgabe werde ihr durch die 'Begeisterung des weitaus größten Telles des deutschen Volkes, der sich auch die gemäßigten Par­teien kaum entziehen könnten, erleichtert werden. Bezeichnend nach dieser Richtung sei die Hal­tung des Zentrums und der Bayeri­schen Volkspartei. Iedenfalls werde sich nichts an dem Ziel ändern, das Adolf Hitler sich vorgezeichnet habe: ein mächtiges Deutschland zu schaffen, das von den hemmenden Folgen des verlorenen Krieges befreit fei.

Oie Vorgänge in Oesterreich.

Sozialdemokratische Generalstmkpläne in Innsbruck.

Hcimwchr wird als Notpolizci eingesetzt

Innsbruck, 15.Mär;. (MTV. Funkspruch.) Die Stadt Innsbruck gleicht einem Heer lager. Die Tiroter Landesregierung hatte erfahren, daß derRepublikanischeSchuhbundauf. geboten fei und daß von sozialdemokratischer Seite die Inszenierung eines General- streiks geplant werde. Die Tiroler Landes­regierung hat sofort Polizei und Militär aufgeboten und ein Angebot der Tiroler Heimatwehr, diese als Rotpolizei zu erklären, angenommen. Seit 4 Uhr befindet sich die heimwehr in Bereitschaft. Sie erhält fortgesetzt Zuzug vom Lande. Ls heißt, daß ein Teil nachwien trans­portiert werden soll.

DerLandtag von Äiederösterreich fordert Amtsentsehung des

Kabinetts Dollfuß.

Wien, 14. März. (TU.) Am Dienstag trat der Riederösterreichische Landtag auf Wunsch der Oppositionsparteien zu einer Sitzung zusammen, um zu der Lage Stellung zu nehmen, die durch die Rotverordnung der Regierung ge­schaffen worden ist. Die nationalsozialistische Fraktion forderte in einem Antrag die f o f o r - tige Amtsen thebung der Bundes­regierung wegen Dersassungs- b r u ch e s. Einen ähnlichen Antrag brachten die Sozialdemokraten ein. Der nationalsozialistische Fraktionsführer, Landesrat Leopold, erklärte, 1 daß die innerpolitifchen Geschehnisse, die sich

gegenwärtig in Oesterreich entwickelten, einen außenpolitischen Hintergrund hät­ten. Schon lange beschäftige man sich in Oester­reich mit der ungarisch-kroatisch-österreichischen Staatsidee, die Görnbös und Mussolini befürworteten. Dieses Projekt fei von den Christ- l!ch-Soz1ckken und der derzeitigen österreichischen Regierung aufgegriffen worden. Mit diesem Plane hänge auch die Hirtenberger Waffenangelegenheit zusammen. Die Waffen sollten nach Ungarn und Kroatien trans­portiert werden. Der Redner machte auf die Gefahren außenpolitischer Streitfälle aufmerksam und behauptete, daß tschechoslowakisches Militär an der österreichischen Grenze zum Einmarsch versammelt fei. In der Stadt Prehburg seien bereitsEva­kuierungen" vorgenommen worden. An der Rord- grenze Südslawiens feien 60000 Mann süd­slawische Truppen zusammengezogen, um in Kärn­ten und Südsteiecmark einzufallen.

Der Landtag nahm den nationalsozialistischen Antrag auf Amtsenthebung der Regierung Doll­fuß wegen Verfassungsverlehung an. In dem Antrag wird u. a. erklärt, daß die Regierung auf Grund der Bundesverfassung in Anklage­zustand versetzt werden müsse. Weiter wird die sofortige Auflösung des Rational­rates und die Ausschreibung von Reuwah - len verlangt. Ein ähnlich lautender sozialdemo­kratischer Antrag wurde gleichfalls angenommen.

Wird Macdonald mit Muffolini zusommentreffen? London, 15. März. (MTB. Funkspruch.) In der konservativen Londoner Presse wird heule allgemein von der Möglichkeit einer Zusammen­kunft Macdonalds und Mussolinis ge­sprochen. Der üorrespondent derMorning Poft" in Rom sagt, Mussolini würde einen Gedankenaus-

Fällen von Sabotage und Schädigung des sowjet- russischen Staates und seines Eigentums mit den allerschärfsten Maßnahmen entgegenzutreten. Ihm sind unbegrenzte Vollmachten er­teilt worden. Der Beschluß ist von dem Vor­sitzenden des Vollzugslomitees der Sowjetunion, Kalinin, und dem Vorsitzenden des Rates der Vollskommissare der Sowjetunion, W o l o - t o w, unterzeichnet. Die Sabotage und die gegen­revolutionären Bestrebungen sind jetzt so mächtig geworden, daß die ordentlichen Gerichte nicht mehr in der Lage sind, sie ausreichend zu be­kämpfen. Wie verlautet, werden sich Regierung und Partei mit Hilfe der OGP11. besonders gegen die Mißwirtschaft in der Ver­sorgung mit Lebensmitteln wenden, unter deren Knappheit jetzt die gesamte Be­völkerung der Sowjetunion zu leiden hat.

Schüler sammeln Geld für den Ausbau der Lufiwaffe.

Aus Presseberichten aus Rußland, Polen, Ita­lien, Frankreich und den Vereinigten Staaten geht hervor, daß in diesen Staaten Schüler G e l d f am m lu n g en zum Ausbau der Luftwaffe ihres Landes veranstaltet haben. Die gesammelten Beträge werden in der Regel zum Bau eines Flugzeugs verwen­det, welches den Rainen der Organisation trägt, die den Betrag zu seinem Bau gestiftet hat. Die Schüler verfolgen selbstverständlich mit besonderem Stolz und Interesse die Flügeihre r Ma­schine. Zwischen ihnen und den Führern dieser Maschine entstehen freundschaftliche Bande. Die Schüler sind dadurch gefühlsmäßig mit der neuen

Waffe aufs engste verbunden und werden auch in ihrem späteren Leben nachhaltig für die Ent­wicklung der Luftwaffe eintreten. In Rußland, Polen und Italien betätigt sich die Iugend gleichzeitig in ausgedehntem Maße auch im Luftschutz. Die verantwortlichen Führer ver­folgen in diesen Ländern systematisch das Ziel, zunächst die Iugend für den Luftschutzgedanken zu gewinnen und ihn durch sie in die Gesamt- bevölkerung hineintragen zu lassen.

Sechs neue Kardinale.

Eine Ansprache des Papstes.

Rom, 13. März. (XU.) Am Montagvormit­tag fand das angekündigte geheime Konsi­storium statt. Papst Pius XI. hat dabei die sechs neuen Kardinäle ernannt. Es find folgende: Der Erzbischof von Turin, Fos- s a t i, der Erzbischof von Quebeck, V i l l e n e u v e, der Erzbsschof von Florenz, Salla Costa, der Apostolische Delegat in den Vereinigten Staa­ten. Fumasoni Diondi, der bisherige Run- tius in Bukarest Solei, und der Erzbischof von Wien, Sr. Innitzer. Außerdem hat der ^apst zwei weitere Kardinälein pectore reserviert d. h. zwei Kirchenfürsten zu Kardinä- len gemacht, ohne diese und die Oefsentlichkeit von ihrer Ernennung in Kenntnis zu sehen. Ihre Ramen dürfte der Papst erst bei einer späteren Gelegenheit bekanntgeben. Wie wir hören, soll es sich um den Runtius in Paris, Maglione, sowie um den am päpstlichen Hof sehr einflußreichen Sekretär im Vatikanischen Staatssekretariat. P i z z a r d o, handeln.

Der Papst hielt eine feierliche Ansprache, iq

der er die internationale Lage als kritisch bezeichnete. In der alten und neuen Welt klirr­ten die brudermordenden Waffen. Auch die Welt­krise bereite ihm Schmerz, da sie Millionen von Arbeitern arbeitslos mache und von den Feinden der politischen, sozialen und religiösen Ordnung zu ihren Zwecken ausgenützt werden. In diesem Zu­sammenhang erwähnte der Papst Rußland, Mexiko und Spanien. Bis vor wenigen Tagen sei seine, des Papstes, Stimme die ein­zige gewesen, die auf die schwere Bedro­hung der christlichen Kultur in al­len Ländern hingewiesen habe. Satz die erklärten Gottesfeinde in der Religion und der Kirche die stärksten Pfeiler dessen sähen, was sie bekämpften, beweise ihr immer stärker werden­des gotteslästerisches und ketzerisches Vorgehen.

Ferner betlagte der Papst, daß die Taufe de rTochterdesbulgarifchenKönigs- Hauses nicht nach katholischem Ritus erfolgt fei, entgegen den formalen und ausdrücklichen Versprechungen, die von der Hand des Königs niedergefchrieben und unterzeichnet worden seien. Er wisse jedoch die Verantwortung dafür zu unterscheiden. Seshalb wolle er auch nicht den apostolischen Segen einer schon tief betrübten und ihre Unschuld an dem Vorgefallenen beteuernden Mutter verweigern. Sann kam der Papst noch auf das Heilige Iahr zu sprechen und be­stimmte die Kardinallegaten für die Oeffnung der 5)L Pforten in Et. Paulus, in St. Iohannes im Lateran, Santa Maria Maggiore. In St. Peter wird der Papst selbst die Hl. Pforte offnen. Sarauf schritt der Papst unter den gewohnten Formeln zur Kreierung der schon genannten Kar­dinäle.