Ausgabe 
15.2.1933 Erstes Blatt
 
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Mittwoch, 15. Sebruar (935

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 39 Zweites Blatt

Für den Büchertisch.

Politik und Geschichte.

Dr. Wilhelm Ziegler:Versailles. Die Geschichte eines mißglückten Frie­den 5." Hanseatische Derlagsanstalt, Hamburg. Kart. 4,30 RM. (513) Das Werk bietet eine aus- gezeichnete und zuverlässige Quelle für das Studium des Weges, der von den 14 Punkten Wilsons und dem Waffenstillstand bis zur deutschen Unterschrift unter das Diktat geführt hat. Klar wird deutlich, daß dieser Weg nicht nur ein Weg des Betrugs war, der unser Vertrauen auf die 14 Punkte und die Lansing- Note als einzige Verhandlungsgrundlagen in schmäh­licher Weise ausnußte, sondern auch der Weg eines wuroelosen Kuhhandels unserer Gegner, die ihre Jn- teressenkämpse und Rivalitäten auf dem Rücken eines betrogenen und ausgehungerten Volkes austrugen. Bitter ist die Erkenntnis, daß unsere eigene und nicht unverschuldete Schwäche und mangelnde Kenntnis von Zustand und Stimmung der feindlichen Armeen entscheidend dazu beigetragen hat, daß auch die letzten Chancen für einen leidlich ehrenvollen und ertrag, lieben Vertragsabschluß zerstört wurden.

MoellervandenBruck:DasEwige Reich Band I. Die politischen Kräfte. Aus dem Nachlaß ergänzt und herausgegeben von Hans Schwarz. Ganzleinen 5,50 RM., kart. 4, RM Verlag W. G. Korn, Breslau. (435) Kaum je­mand hat so richtunggebend auf die junge deutsche Generation gewirkt wie Moeller van den Bruck. Es ist sein Schicksal, daß er die Auswirkungen seiner Lebensarbeit, desPreußischen Stils" und des Dritten Reichs", nicht mehr erlebt hat. Nun ist von Hans Schwarz eine gekürzte und ergänzte Ausgabe des großen SammelwerkesDie Deutschen" erschie­nen. Die größten Gestalten der deutschen Geschichte zweier Jahrtausende werden uns vor Augen geführt in der universalen Schau eines Geistes, der in ihnen allen Erscheinungsformen der ungeheuren riesigen Kraft unseres Volkes sah; einer Kraft, die im Monu­mentalen, im Tragischen wie im Irrtum ins Gren- zenlose gina. Das Buch ist die Verlebendigung der ewigen Kräfte, die in unserem Volke schlummern.

In der SammlungS ch r i f t e n a n d i e N a - ti on" (535) des Verlags Gerhard Stallmg, Oldenburg i. D sind fünf neue Bände erschienen. A Tiefenbach schildert inWallenstein. Ein deutscher Staatsmann", den großen deutschen Staatsmann und Feldherrn des 17. Jahrhunderts, der einen ahn- schen Umbruch der Zeiten, ähnliche Bedrängnis und E-schütterunaen erlebte wie wir. Werner Beumel- bürg zeigt Bismarck (Bismarck greift zum Steuer') in den Jahren 1862 bis 1864, wie er Preußen aus einer hoffnungslos erscheinenden Isolierung laste und das neaative Vorzeichen der preußischen Politik in em positives verwandelte.Max W-ber" (Deutsches Wesen im politischen Denken, im Forschen und Philo- sophieren) würdigt der bekannte Heidelberger Philo- sovb Karl Ialners. Ialvers sieht in ihm denunbe- dingten Deutschen", dessen tiefes Schicksal ein Sche,. brn war, und der dennoch einer unserer Besten und Größten gewesen ist. Die Frage: Hatten wir, hatten die anderen Nationen im Weltkrieg den Führer, der fern Volk zum Sieg bringen und der neuen Zeit ein Symbol werden konnte? beantwortet Generalleut­nant Horst von Metzsch in dem BandKrieg ohne Feldherrn?". In der SchriftVolk im Werden" zeigt Ernst Kricck den Wog bewußter Dolkwerdung.

Die veränderte Welt. Herausgegeben von E Schultz. Mit einer Einleitung von E. I u n- oer. Verlag W. G. Korn, Breslau. Preis kartoniert 5 50 RM. (498) Die Anwendung der Photo­graphie als eines politischen Mittels wird in einem erweiterten Rahmen und mit verfeinerten Mitteln durchgeführt. Der Sinn dieses Buches ist die Der- nichtung der Phrase, die mit Worten wie Freiheit, Wahrheit und Friede als mit leeren Begriffen hon- tiert. Es werden die Mittel und Wege gezeigt, deren sich der moderne Machtkampf bedient. Die Landschaft, die sich hier eröffnet, wirkt wie ein geheimnisvolles und schreckliches Märchenland.

Deutsche Erzähler.

Paul Ernst: Erdachte Gespräche. Eine Auswahl. (..Die kleine Bücherei". Dd. 1.) Albert Langen & Georg Müller. München. (399.) Sn abgeklärter Weisheit läßt Paul Ernst Repräsentanten der Menschheit über die wesentlichen Dinge der Welt und des Lebens sprechen: Sophokles und Aspasia; Buddha; So­krates und Alcibiades; Lionardo und seinen Vater; Martin Luther und Melanchthon; Kant; Eckermann. Goethe; Schiller und §einridj Boß; einen gestürzten König und den Präsidenten des neuen Dolksstaates. Sie sprechen aus dem Den­ken und Wissen ihrer Zeit, der Leser aber er- kennt die ewige Unveränderlichkeit aller wesent­lichen Dinge des menschlichen Daseins.

Die um Bismarck. Roman von Rud. ©trat}. (Verlag Scherl, Berlin SW. 68. Gebd. 5 Mk. - 357) Der Roman spielt in den letzten Regierungsjahren Wilhelm!, und behandelt den Versuch einflußreicher Hofkreise. den Eisernen Kanzler durch eine fein ausgeklügelte Intrige zu stürzen. Bismarck selbst, sowie seine historischen Helfer und Gegner bleiben im Hintergrund, aber nicht etwa als Nebenpersonen, sie beherrschen viel­mehr die ganze Handlung des Romans. Die Per­sonen des Vordergrundes, Geheimrat Möllinghoss mit den Seinen als Streiter für Bismarck und Gras Laßberg als Führer der heimlichen Oppo­sition, sind nicht historisch und geben daher der Phantasie des Dichters freieren Raum, aber sie sind nach dem Vorbild geschichtlicher Persönlich­keiten gestaltet, die an den innerpolitischen Krisen jener Zeit aktiv beteiligt waren, einer Zeit, die der Verfasser des Romans, damals junger Jour­nalist in Berlin, persönlich hinter den Kulissen miterlebte. Der Roman ist nicht nur äußerst span­nend in seinem Verlauf, sondern er gibt auch ein meisterliches Bild vom damaligen Preußen- Deutschland und seiner Hauptstadt in allen ihren Lebensäußerungen. Einhistorischer" Roman also, aber dieser neue^Stratz" ist mehr: er ist ein Stück zu unmittelbarem Leben erwachter Geschichte. Das Buch verdient die wärmste Empfehlung.

Gustav Schröer: Um Mannes- ehre. Roman. 360 Seiten. Geb. 4,40 Mk. Ver­lag C. Bertelsmann in Gütersloh. (350.) Was für Rudolf Herzog der Riederrhein ist, ist für Gustav Schröer das thüringische Bauern­land an der oberen Saale. Wieder hat der hochbegabte Erzähler die ihm gemäße Ansdrucks-

form gewählt: den schlichten, ernst-heiteren, in sich abgeschlossenen Dauernroman. Hervorzuheben sind die Schilderung der Landschaft und die Bildhaftigkeit der Gestalten.

Dicki Baum: Leben ohne Geheim­nis. Brosch 3 Mk.. Ganzl. 4.50 Mk. Verlag HU- stein, Berlin. (523.) Dicki Daum kennt die Traumfabrik des Films und hat Schicksale er­faßt. die für den oberflächlichen Betrachter über­blendet werden von dem Glanz des R hms und der Propaganda. Oliver Dent, der schönste Mann der Welt, lächelnd und strahlerrd auf allen Lein­

wänden, wird erfaßt von der Traurigkeit des Heimwehs, von der Sehnsucht nach der Stille seiner Kindheit, und schließlich von der großen Leidenschaft für eine Frau, die er mehr liebt als allen Ruhm der Erde. Er stirbt einsam, doch über seinen Tod hinaus, der aus Geschäftsgründen ver- heimlicht werden muß, lächell er auf den Zellu­loid-Streifen weiter. Hm dieses Schicksal tobt ein Tanz faszinierender Bilder von der atem­losen Hast der Aufnahmen, dem erbarmungs­losen Tempo des Detr-ebs und der Zerstörung einfacher Herzen durch die Karriere.

Richard-Wagner-Literaiur.

Guy d e Pourtales: Richard Wag­ner, Mensch und Mei st er. Mit 43 Illustratio­nen. In Leinen gebunden 2,85 RM. Th. Knaur Nachs., Verlag, Berlin. (37) Guy de Pour­tales, dem Schweizer Zweig der bekannten Familie entstammend, welcher auch der preußische Gesandte in Paris angehörte, der im Jahre 1861 nach der berüchtigten Tannhäuser-Ausführung in der Großen Oper Wagner ein Asyl in seinem Hause bot, ist durch sein Werk über Franz Liszt bekannt geworden. Für seine neue Arbeit sind ihm Quellen erschlossen wor­den, die bisher noch kein Wagner-Biograph zur Verfügung hatte. Pourtales konnte vollkommen frei das Leben seines Helden betrachten und schildern; er durfte 50 Jahre nach Wagners Tode auch alle Schat­ten in dieses hell strahlende Bild setzen. Die Schwa­chen des Menschen zeigt er auf als die notwendige Ergänzung zu dem Künstlertum des Genies, das Menschlich-Allzumenschliche als Widerschein des Künstlerischen.

Houston Steward Chamberlain: Richard Wagner der Deutsche als Künstler. Denker und Politiker. Mit einem Vorwort von Paul P r e h s cki. Reclams Hniversal-Bibliothek Rr. 7196/97. Geh. 70 Pf., geb. 1,10 Mk. (29) Aus Anlaß des 50. To­destages von Richard Wagner erscheint in Re­clams Hniversal-Bibliothek ein Werk des bekann­ten Kulturhistorikers Chamberlain; es behandelt ein Thema, das von aktueller Bedeutung ist. Chamberlain, der, als Engländer geboren, durch die entscheidende Begegnung mit Wagner zum Deutschen wurde, hat mit der ganzen Leidenschaft feines Temperaments sein Leben lang für ein höheres Deutschtum gekämpft, das er in Leben und Werk unserer großen Männer in Dichtung, Musik, Philosophie und Glauben verkörpert und vorgebil­det sah. Reben Kant und Bach, neben Goethe und Schiller war es Richard Wagner, den er als Führer zu diesem höheren Deutschtum deutete das vorliegende Werk gibt den reichen Rieder­schlag feiner tiefen und nachhaltigen Beziehungen zu Wagner. Cs seht sich aus Aufsätzen Chamber­lains organisch zusammen, die ein geschlossenes, eindrucksvolles Bild der -Gesamtpersönlichkeit Wagners und seiner Stellung und Bedeutung in der Geistesgeschichte geben.

Richard Wagner, lein Leben, fein Werk, seine Welt, in 260 Silbern auf Kunstdruck. Bon Julius Kapp. Ganzleinen 3,75 Mk. Max Hesses Verlag, Berlin-Schöneberg. 27) Sn Worten hat man Wagners Leben schon oft geschildert. Hier soll es einmal im Bild an uns vorüberziehen. Leben, Werk und Um» Welt schließen sich zu einem Bildstreifen zusam­men, der in 260 Bildern ein buntes Künstler­

drama vorübergleiten läßt. Das Bild hat vor dem Wort die sinnfällige Objektivität voraus. Die Unterschriften der Bilder werden durch schlag­wortartigen Zwischentext ergänzt, der, ohne Dor- kenntnisse vorauszusehen, jedem das Verständnis der Begebenheiten erschließt. Aber auch der Wag­nerkenner wird von dem Reichtum und der Ein­maligkeit des Bildmaterials entzückt fein. Er­wähnt feien aus der Menge des Materials Wag­ners erstes und letztes Porträt, eine Seite aus der IugendtragödieLeubald", das Titelblatt zu opus 1, Rachbildungen von Partiturseiten und Kompositionsteilen aller Werke von der ,Hoch­zeit" bis zumParsifal", die frühesten Karikatu­ren, der Steckbrief, die Beisetzung in Bayreuth, Wagners Totenmaske usw. DieseLebensge­schichte in Bildern" ist daher, trotz der Fülle an Wagnerliteratur, etwas Reues und blldet zu je­der Biographie die willkommene Ergänzung. Der Verlag hat das Werk solide und geschmackvoll ausgestattet.

Wir hören Wagner. Führer durch Richard Wagners Tondramen. Von Georg Richard Kruse. Reclams Hniversal-Dibllothek Rr. 7198. Geheftet 35 Pf., gebunden 75 Pf. (30) Dieser billige Führer ist für alle Besucher der Wagner-Aufführungen und alle Hörer der Rundfunkübertragungen zu empfehlen. Er bringt die ausführliche Darstellung des Inhaltes aller Tondramen von denFeen" bis zumParsifal" mit Hinweisen auf die Quellen und die histori­schen Aufführungsdaten, sowie eine ausführliche biographische und musikgeschichtliche Einführung des Herausgebers. Mit Hilfe dieses Führers ver­mag jeder sich mit der Handlung der Werke in allen Einzelheiten vertraut zu machen, um sich ungestört Dem reinen Genuß der Aufführung hin­zugeben.

Anläßlich des Wagner-Gedenkjahres darf auch auf die folgenden, uns vorliegenden Reclam- Bändchen mit einer Empfehlung hingewiesen wer­den: Rr. 5659/5660 enthält unter dem TitelEin deutscher Musiker in Paris" Rovellen und Aufsätze von Wagner. Zwei bemerkens­werte Beiträge Nietzsches zur Wagner-Biblio­graphie enthalten die Hefte 7126 und 7127: Richard Wagner in Bayreuth" und Der Fall Wagner". Als 5. Band der Musiker-Biographien (1660/62) erschien Wolfgang Golthers bekannte Einführung in Wagners Leben und Lebenswerk.Die Hefte Rr. 5686 und 6750 bringen eine Sammlung von Aufsätzen un­ter dem TitelBayreuth" und Wagners be- kannte Auseinandersetzung mit Beethoven. I (31/36)

Hessische Geschichte md Kulturgeschichte.

Will Scheller: Der letzte Kur- ftü r st. Wesen und Schicksal in Anekdoten. 223 S. mit Bildern. Leinen 6, Halbperg. 12, Ganzperg. 20 Mark. Im Bärenreiter-Verlag zu Kassel, 1933. (568) Der letzte Kurfürst ist Friedrich Wilhelm I. von Hessen-Kassel. Der Begriff der Anekdote ist hier nicht fo sehr als Umschreibung einer höchst verfeinerten literarischen Kunstgattung, sondern einfach als lebendige Erinnerungan gelebtes Le­ben" gedacht; die Sammlung soll auch nicht einer zu erwartenden wissenschaftlichen Biographie vor­greifen: sie will nur ein auf unmittelbarer, oft mündlicher Heberlieferung beruhendes Zeit- und Persönlichkeitsbild liefern. Hnd da der Kurfürst (1802 bis 1875) ein politisch nicht unbedeutender Regent und überdies ein interessanter Charakter mit vielen menschlich liebenswürdigen Zügen (ne­ben manchen Schwächen) gewesen ist, so war Die Sammlung, Säuberung und Ordnung" dieser Daseins-Zeugnisse" ein lohnendes und nicht nur als Beitrag zur Heimatgeschichte begrüßenswertes Hnternehmen. Scheller schickt seinen Anekdoten, denen er übrigens eine prägnante und gepflegt sti­lisierte Form gegeben hat, eine Einführung vor­aus, welche die Persönlichkeit Friedrich Wilhelms in die größeren Zusammenhänge deutscher Ge­schichte im 19. Jahrhundert einordnet. Die Anek- boten selbst sinb nicht nur chronologisch, fonbern auch entwicklungsgeschichtlich und sachlich in Den gehörigen Zusammenhang gebracht; unbieder ein­zelnen ist überdies das Bestreben des Verfassers anzumerken, dem Wesen des Kurfürsten Gerech- tigieit widerfahren zu lassen und ihn, so ooiektiv wie möglich, gegen mancherlei gehässige und un­gerechte Angriffe von Zeitgenossen und Rachleben- ben in Schutz zu nehmen. Das Buch als Ganzes ist so unterhaltsam wie in vieler Hinsicht lehrreich zu lesen. In den 2 nmc lungen und Q-cllennachwei- fen am Schluß ist eine Fülle interessanten Mate­rials zusammengetragen; die Ausstellung der Le­bensbaten unb ein genealogischer Heberblick über Vorfahren und Rachkommen runden zusammen mit ben zeitgenössischen Bildbeigaben die anekdotische Biographie des letzten Kurfürsten sympathisch ab. *}'*

Otto Christ: Aus Kirtorfs Ver­gangenheit. Beiträge zur Geschichte der Stadt Kirtorf und des Eußer-Gerichtes. (Kirtor­fer Chronik.) 185 S. Preis 2,50 Mark. In Kom­mission bei I. G. Wig. Faukdrath, Buchhandlung, Kirtorf (Oberhessen) 1932. - (567) - Der Der- fasser. Pfarrer zu Kirtorf, hat mehrere Jahre hindurch das Material für diese fleißige unb ban- kenswerte Arbeit gesammelt, bereu Erscheinen um so mehr begrüßt werden darf, als damit offen­

bar eine Lücke in der heimatgeschichtlichen Litera­tur ausgefüllt wird; das Quellenmaterial stammt aus Kirchenbüchern, Akten und archivalischen Hr- kunden. Außerdem ist aber eine Fülle einschlägi­ger Literatur vor allem aus der hessischen Kul­tur- unb Kirchengeschichte herangezogen unb ver­arbeitet worben. Der Stoff ist in zwölf große Abschnitte aufgeteilt, bie sich u. a. mit ber ältesten Vergangenheit von Kirtorf, mit der ehemaligen Gerichtsbarkeit, mit der Entwicklung der kirchli­chen Verhältnisse, mit Genealogie und Namen- forschung unb einem kriegsgeschichtlichen Heber- blick vom Schmalkalbischen Krieg bis zum Jahre 1866 befassen. Personen- und Ortsnamen-Register und eine Anzahl hübscher Bilder erhöhen ben Wert ber Chronik, bie aus Liebe zur oberhessischen Heimat entstauben ist unbHeimatsinu unb Hei­matliebe wecken helfen" möchte.

Bad-Nauheimer Jahrbuch, 10. unb 11. Jahrgang. Mit 11 Abbildungen. Im Auftrage des Heimatvereins Bad-Nauheim herousgegeben von Dr. Alfred Martin. Bad-Nauheim 1932. Verlag Ludwig Wagner, Bad-Nauheim. 130 Seiten. Preis 2,50 Mk. (560.) Der Band ist eine wertvolle Bereicherung der hessischen Heimatlltera- tur; er wahrt in Bezug auf Ausstattung und In­halt den guten Ruf, den das Jahrbuch von jeher genießt. Der verdienstvolle Herausgeber bringt in 17 größeren und kleineren Beiträgen wieder viel Neues zur Geschichte der Saline und des Bades Nauheim, darunter Aussätze von hohem kulturge­schichtlichem Wert. Mit einer größeren Arbeit ist Beigeordneter Franz Kissel vertreten, der in der Geschichte des Konitzkystists der Stadt Bad-Nau- heim" einen gründlichen Beitrag zur Geschichte der sozialen Fürsorge liefert. Pfarrer Knodt behandelt Die evangelischen Pfarrer von Bad-Nauheim von 15341931." Prof. Dr. Ehr. Waas-Mainz schreibt überZiegenberg, ein Idyll aus der Goethezeit". Auch der familiengeschichtliche Aufsatz des gleichen VerfassersNauheimer spielen 1581 im Friedberger Glückshafen" wird gern gelesen werden. Der Dop­pelband, dem der rührige Verleger wieder eine schmucke Ausstattung gegeben hat, ist zu einem äußerst wohlfeilen Preis erschienen.

Hessische Volkstänze in 12 Holzschnit­ten auf Bildkarten, von Ernst Hilmar From- manu, im Selbstverlag, Darmstadt, Kaupstr. 30. Preis 75 Pf. Zwölf gute Holzschnitte, die alte hessische Volkstänze zeigen, gleichzeitig auch mit bäuerlicher Sitte und Tracht bekanntmachen. Die Tauzweisen finden sich in der im Bärenreiterver­lag Kassel erschienenen Sammlung:Hessische Volks­tänze", herausgegeben von Hans von der Au.

Zwei Anthologien.

M it allen Sinnen". Lyrik unserer Zeit. Herausgeber: Carl Dietrich Carls unb Arno H11mann. 45 Autoren. 175 Seiten. Leinen 3,80 Mk. Rembranbt-Derlag G-m. b. H., Berlin. (1.) Den beiden Herausgebern haben für dieses Buch (bas überwiegenb Raturlyrik unb naturnahe Lieoeslyrik eu.pait) annähernd 10 000 zehntausend Gedichte Vorgelegen: eine un­geheure Arbeit unb Verantwortung, wenn man sich überlegt, daß aus dieser enormen Anhäufung von Manuskripten, was nur ber Fachmann voll­kommen zu würdigen vermag, bie brei ober vier besten Stücke von runb einem halben Hundert Autoren ausgewählt und vereinigt worden find zu einem schmalen Bändchen. Man kann btefe Anthologie sinnvoll mit jener anderen zusammen- stellcn, die kürzlich bei Ieß in Dresden erschienen ist unb kurz vor Weihnachten im Feuilleton be­sprochen wurde. Zweierlei ist beiden gemeinsam: das leidenschaftliche Eintreten für die jungen lyrischen Dichter in Deutschland, für das lyruchc Kunstwerk in unserer Zeit ganz allgemein; und im besonderen die Verkündung eines neu­erwachten Raturgefühls, das in einer breiten Strömung der gegenwärtigen Dichtung ebenso unüberhörbar und charakteristisch sich ausprägt, wie es auch in anderen Aeußerungen zeitgenössi­scher Kunst vielfältig zum Durchbruch kommt; vielleicht wird deshalb diese Sammlung neben anderen später einmal eine gewisse dokumen­tarische Geltung gewinnen. Hns persönlich hat die vorhin genannte Anthologie allerdings einen stärkeren Eindruck gemacht als diese, in der die dreifache Zahl von Autoren zu Worte kommt; wir nennen von ihnen: Peter Hüchel, Theodor Kramer, Wilhelm P l e y e r, 3na Seibel unb Georg vonderVring. Wir können einen kurzen Hinweis auf das (vom Verlag gediegen ausgestattete) Buch kaum besser beschließen als 'mit zwei Sätzen aus dem Vorwort:... Dieses Buch erschien nicht umsonst, wenn es auch nur einigen Rainen Beachtung verschafft hat, bie sich als blcibenb erweisen. Cs ist fruchtbar ge­worden, wenn es auch nur hier und dort das Vorurtell ins Wanken bringt, daß der Unter­gang der Lyrik für immer besiegelt fei . . .

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Jugend in Front vordem Leben. Almanach der jungen Generation auf bas Jahr 1933- Im Auftrag ber llkotgemeinschast junger Autoren unter Mitwirkung von Dr. Otto G i l - l e n herausgegeben von Erich Otto Funk mit Rachwort von Otto H e u s ch e l e. 263 Seiten mit Bilbern. Verlag Der Weg, Wiesbaden. (24.) Die Rotgemeinschaft junger Autoren will bie Dienerin der jungen deutschen Dichtung sein und ihr trotz der wirtschaftlichen Verelendung unseres Volles Forum und Resonanz verschaffen; der Almanach sammelt Prosa und Verse von Dichtern und Dichterinnen der jungen und jüngsten Gene­ration, die noch gar nicht im Druck zu Wort« gekommen ober erst einem verhältnismäßig kleinen Kreise aufnahmebereiter unb verstänbnisvoller Zeitgenossen bekannt geworben sind, unb für bie es in jedem Falle gerade in heutiger Zeit unendlich schwer ist, sich G:hör zu verschaffen unb durchzusetzen. Auch wer fia) nicht in allem mit Auswahl unb Aufbau dieses Almanachs einver­standen erklären kann, wird den Wlllen und die Zielsetzung des Verlages und der Herausgeber begrüßen. Von den Mitarbe.tern unter denen auch die Freunde der neuesten Literatur vielen bisher ganz unbekannten Ramen begegnen werden seien genannt: Gerhard Pohl, Lina Staab, Ernst Erich Roth, Theodor Kramer, Erika Mitterer, Maria Louise Weißmann f, Werner Dock und Jürgen Cggebrecht.

Verschiedenes.

Das deutsche Lichtbild. Iahresschau 1933 mit 160 ganzseitigen Bildtafeln und zwei Vierfarbendrucken in grauem Seidenleinen ge­bunden. Preis 15 Mk. Verlag Robert und Bruno Schultz, Berlin W 9, Schellingstrahe 12 (569). Das von jedem Freund der Lichtbildkunst all- weihnachtlich mit Spannung erwartete Werk lieat diesmal erst nach dem Fest vor. Es enthält wiederum eine Reihe von Aussätzen, bie das größte Interesse der photographischen Welt be­anspruchen können. Heinrich Kühn, der Allmeister der künstlerischen Photographie, stellt in seinem ArtikelFortschritte?" unter Beweis, daß bie Lichtbildnerei seit länger als zwanzig Jahren rückwärts schreitet, obwohl die photographische Technik erhebliche Verbesserungen erfuhr. Raoul Hausmann schreibt über photographisches Sehen. Dr. von Socher berichtet über ben Stand der Infrarot-Photographie und Professor Dr. Sten- ger gibt Aufschluß über die Photographie vor Daguerre. Dann folgen die Bilder, erläutert durch erschöpfende Aufnaymedaten: Bildnis und Eporll Landschaft und Architektur Luftaufnahmen und Sachliches, Akte und Blumen, Tiere und Mikro­bilder ziehen in lustigem Durcheinander vorüber. Manche Belanglosigkeiten und Spielereien, von denen man sich wundert, wie sie bei einer Aus­wahl aus mehr als 70 000 Vorlagen in den Augen einer strengen Jury Gnade finden konn­ten, haben sich leider auch diesmal eingeschlichen. Abqr der Gesamteindruck ist doch wiederum aus­gezeichnet. Cs finden sich Prachtstücke, vor allem der Landfchaftsphotographie und der Porträt­kunst und, wenn auch nur einzeln, interessante Beispiele der photographischen Reportage. So ist die neue Iahresschau wiederum ein höchst beachtlicher Querschnitt durch Spitzenleistungen auf allen Gebieten der deutschen Photographie. Bei dem überraschend niedrigen Preis gehört das Buch in die Hand eines jeden Freundes der Lichtbildnerei.

Ehgartner, Karl, Körperschule des Skiläufers. Mit vielen erläuternden Zeichnungen, Taschenformat. Preis 0,40 Mk. Dergverlag Rudolf Rother, München 19 (551). Ehgartner, ber Trainer der deutschen Olympia- Mannschaft, Leiter der Skighmnastik-Kurse an der Landesturnanstall in München, hat es ver­standen, in knappster Form die Hebungen bar- zustellen, welche bie für den Skilauf besonders wichtigen Muskeln stärken und geschmeidig er­hallen.

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