MWWMWWk
Vornan von Gert Nothberg.
(Llrheberschutz durch C. Ackermann.
Romanzentrale Stuttgart.)
(Schluß.)
Lerchenfeld gähnte verstohlen, und Achern lächelte.
„Wollen wir diesen letzten Schluck auf ein froheres Wiedersehen trinken, aller lustiger Kerl? Ich glaube es dir gern, daß ich dir in meiner jetzigen Verfassung nicht gefalle, aber nachfühlen wirst du mir sie wohl wenigstens können?"
Lerchenfeld war ein bißchen verlegen, meinte dann aber: „Natürlich kann ich dir das nachfühlen. Dir tut tatsächlich Erholung not Also, dann komm gesund wieder! Ich werde in etwa acht Wochen nach Davos fahren. Meine Schlittschuhkünste rosten sonst ein."
Die Herren sprachen noch über einige oberflächliche Dinge, dann verabschiedeten sie sich herzlich voneinander. Achern verließ am nächsten Tage gegen Abend Berlin und fuhr weiter, dem Norden entgegen.
*
Für Pia verliefen die Monate gleichmäßig still und friedlich. Friedlich nach außen hin. Mit ihrem inneren Frieden sah es nicht gut aus. So viele Male sie sich auch sagte, daß keinerlei Schuld sie an dem traf, was sich in Achern abgespielt, so wußte sie doch, daß Harry von Achern seine Frau nicht mehr lieben konnte, weil fein Herz ihr, Pia, gehört hatte. Und das war eine Schuld, die zwischen ihnen stand, sofern man diese Liebe als Schuld bezeichnen konnte. Lansing war vor einigen Wochen hier gewesen, halle im Laufe des Gesprächs gesagt: „Habe ich es Ihnen damals nicht gesagt, daß man dem Schicksal seinen Lauf lassen soll?"
Sie hatte ihn abwehrend angesehen, und Abwehr war auch in ihren Worten:
„Für m.ch ist nichts gut. Für mich wird stets dieses Drama sein Grauen behalten."
Er hatte sie lange angesehen. Dann hatte er gesagt: „3br Empfinden macht Ihnen alle Ehre, doch man darf sein Empfinden nicht übertreiben. Sie und Achern stehen dem geheimnisvollen Geschehen fern Wer will Bedenken haben, wenn Sie und er sich zusammenfinden?"
Pia fuhr auf. Erregt, leidenschaftlich, wie er sie i nie gesehen.
„Edelgarde hat mich gehaßt. Nie fände ich das Glück in Achern."
Er nahm ihre Hand fest in die seine.
„Edelgarde hat oieUeidjt auch ihre Freundin ge- haßt. Der geheimnisvolle Tod der beiden läßt so viele Schlüsse zu. Edel war zuletzt kaum noch zurechnungsfähig. Das ist meine feste Ueberzeugung. Man muß die Lebenden nicht über den Toten vergessen. Heber das Wie, Aber, Wenn sollte man sich nicht den Kopf zerbrechen, wenn man es nicht mehr ändern kann."
Sie hallen noch über vieles gesprochen. Lansing halle jeden Einwand, jedes Bedenken von ihrer Seite treffend pariert, war zuletzt sogar heftig geworden.
„An dem Geschehenen ändert niemand mehr etwas. Eine Schuld zwischen Ihnen und Achern besteht nicht, also liegt auch kein Grund vor, daß Sie sich und ihn zu einem glücklosen Leben verdammen, nur wegen eines Vorurteils."
„Vorurteils?" fragte Pia mit blassen Lippen.
Lansing nickte energisch.
„Was sonst? Achern verdient es nicht, daß Sie sich ihm mit diesem Vorurteil entgegenstellen, und Sie werden es auch nicht, Pia, — ich bitte Sie darum."
Pia hatte nichts mehr entgegnet. Als er ging, hatte er nur noch eindringlich gefragt: „Sie werden an meine Worte denken, wenn er kommt? Denn er kommt bestimmt! Nehmen Sie ihm nicht das Letzte, Pia! Den Glauben an Ihre Liebe müssen Sie ihm lassen. Damit in Achern dem ersten Drama nicht ein zweites hinzugefügt wird."
Längst war Lansing fort, und noch immer grübelte Pia über seine Worte nach. Ein zweites Drama? Meinte Lansing etwa, daß —
Pia schlug beide Hände vor das Gesicht, und ihr Herz zuckte in Sehnsucht und Qual.
Ein Monat nach dem anderen war nun vergangen. Harry von Achern hatte nichts von sich hören lassen, und Pias Inneres war von einer dumpfen Angst erfüllt. Oft fuhr sie jetzt nach Achern hinüber, ordnete hier und da etwas an. Der alte Wimpert war ganz wacklig geworden. Mit feinen kurzsichtigen Augen sah er sie bittend an wie ein treuer Hund. Er lauerte auf Nachricht von seinem Herrn, und Pia konnte ihm doch auch nichts sagen. 2(ber sie kam jetzt öfter noch als bisher.
Pia hatte mit dem Mamsell die Weihnachtsbescherung für die Leute besprochen. Es sollle doch alles so sein wie andere Jahre. Und Mamsell getraute sich nicht, allein über das alles zu verfügen.
Sie war sehr froh, daß Pia ihr half und die Verantwortung auf sich nahm. Pia ging gewöhnlich, wenn sie in Achern war, auch einmal allein durch die Räume, die Harry bewohnt hatte. Liebkosend sllich ihre Hand über die hohe Lehne seines Stuhles, der etwas zurückgeschoben vor dem Schreibtisch stand, so, als ob der Hausherr jeden Augenblick eintreten könnte, um zu arbeiten. Auch die peinliche Sauberkeit ringsum erweckte den Anschein.
Pia küßte einmal den weichen Samt des großen Kissens auf dem Diwan.
„Harry, ich habe dich ja so lieb!"
Ein Flüstern war es nur, aber Pia blickte sich doch ganz scheu um. Halle jemand diese vermessenen Worte gehört?
„Wenn der gnädige Herr doch nur einmal schreiben würde!"
Wimpert sagte es zu Pia und sah. sie flehend an.
Pias Hand strich über den Arm des alten Mannes.
„Wir müssen warten, Wimpert, sagte sie leise.
Der Alte hob den Kopf.
„Wir" halle sie gesagt, das war ein Trost und eine Hoffnung; an diese Hoffnung klammerte er sich.
Am Weihnachtsabend war Pia unter ihren Pfleglingen. Sie sahen mit blanken Augen in die Lichter der großen Tanne, und ihr Jauchzen erfüllte den großen Saal. Von Lansing war ein riesiger Korb mit Geschenken gekommen. Pia halle alles unter die jubelnden Kinder verteilt. Nun saß sie still in einer Ecke und dachte an Harry von Achern. Nicht einmal zu Weihnachten halle er etwas von sich hören lassen! Wenn er nun überhaupt nicht wiederkam?"
Pias Hand fuhr nach dem Herzen, fo heftig schmerzte es bei diesem Gedanken. Ihre Glieder waren so schwer. Es war, als stehe ihr etwas ganz Großes, Einschneidendes bevor. War es ein neues Unglück? Pia faltete die Hände.
„Laß ihn zurückkehren, lieber Goll!"
Ein kleines Lockenköpfchen schmiegte sich an sie, große Kinderaugen blickten fragend in die ihren.
„Warum weinst du, Tante Pia? Willst du mein Püppchen?"
Das kleine Geschöpfchen blickte tapfer zu ihr auf und legte die geliebte Puppe auf ihren Schoß.
„Da, Tante Pia, mein Püppchen! Aber nicht mehr meinen!"
Pia nahm das arme Kind auf den Schoß, streichelte und küßte es.
„Behalte dein Püppchen, Ilselein, Tante Pia meint doch vor Freude." —
Es mar am ersten Weihnachtsfeiertag. Schneeflocken fielen vorn Himmel, und es mar schon zeitig finster geworden. Pia halle der Mamsell in Achern versprochen, auf ein Stündchen herüberzukommen. Mamsell hatte so dringend gebeten, und Pia dachte gerührt: „Die gute alte Mamsell, gewiß will sie mir auch einige .Kleinigkeiten' aufbauen."
Mamsell hatte gebeten, sich in den kleinen Salon zu begeben. Lächelnd tat Pia ihr den Willen. Im Salon brannte kein Licht. Die große Lampe der Treppe draußen erhellte ihn gedämpft. Pia stand und wartete. Wartete wie ein Kind auf die Bescherung.
„Etwas ganz Schones gibt es", hatte Mamsell geflüstert, und Pia dachte: „Etwas ganz Schönes? Etwa — gar ein Lebenszeichen von Harry?"
Aus dem tiefen Sessel am Kamin erhob sich ein großer, schlanker Mann. Pia wich zum Fenster zurück.
„Pia, ich habe hier auf meinen Weihnachtsengel gewartet. Pia, kommt er zu mir?"
Um Pia drehte sich das gedämpfte, erhellte Zim- mer. Sie zitterte am ganzen Körper. Seine starken Arme legten sich fest um chre zarte, schlanke Gestatt.
„Pia, ich kann hier nur bleiben, wenn du bei mir bleibst. Pia, ich liebe dich!"
Pias Kopf sank zurück. Der Mond trat drüben hinter den Bäumen des Parkes hervor und lugte vorwitzig ins Zimmer. Achern sah mit strahlenden Au^en in Pias schönes, weißes Gesicht. Er beugte sich und küßte den kleinen Mund.
„Muß ich wieder gehen, Pia?"
„Sieber Harry, bleibe! Ich habe eingesehen, daß die Liebe stärker ist als alle Vorsätze der Wett."
Im Kamin knisterte es leise. Zwei Menschen hatten sich endlich gefunden.
„Pia, liebe, kleine Pia, ich will gutmachen, was ich dir einst angetan. Einhütten will ich dich in Liebe und Zärtlichkeit. Pia, liebe, liebe, Pia!"
„Gutmachen, Harry?" Pias zärtliche, glückdurch- zitterte Stimme schmeichelte sich in sein Ohr. „Gutmachen? Du hast nichts gutzumachen, Harry. Deine Liebe allein hebt mich über alles Leid der Vergangenheit hinweg."
Dichter fielen draußen die Flocken. Der Mond lugte noch einmal durch das Fenster, dann glitt er weiter.
— Ende. —
Denken Sie an Stoffe/ denken Sie an L. Bernard
Im Alter von 79 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen.
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Statt Karten
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Die Beerdigung findet Donnerstag, den 16. Febr., nachmittags 2 Uhr statt.
Grüningen, Gießen, Heuchelheim, Friedberg, den 15. Februar 1933.
Am Montagabend verschied sanft nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine liebe Frau, unsere innigstgeliebte Mutter, Schwägerin und Tante
Frau K. Schön, geb. Euler
im Alter von 45 Jahren.
Johann Schön, Schlossermeister nebst Kindern
Todesanzeige.
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Herr Philipp Fritzel entschlief heute mittag sanft nach längerem Leiden.
Die trauernden Hinterbliebenen: Ellsabetha Maria Fritzel, geb. Michel Albert Fritzel und Frau Hilde, geb. Walter Ludwig Ihring und Frau Meta, geb. Fritzel und drei Enkelkinder.
Dorheim, Lieh, den 14. Februar 1933
Die Beerdigung findet Donnerstag, 16 Februar, nachm. 2% Uhr, in Dorheim (Wetterau) statt.
Gießen (Crednerstraße 34), den 14. Februar 1933.
Auf Wunsch derVerstorbenen findet die Beisetzung in der Stille statt. ____________________________________________________________0970
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Für d e vielen Beweise der Liebe und Teilnahme, insbesondere für die reichen Kranzspenden beim Heimgange unseres unvergeßlichen Vaters
Herrn Johannes Lepper
sagen wir unseren tiefgefühlten Dank.
Die dauernden Hinterbliebenen:
Familien Obermann—Fuchs.
Gießen (Schiffenberger Weg), den 14. Februar 1933.
)H5D
Danksagung.
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unseres teuren Entschlafenen sprechen wir unseren tiefgefühlten Dank aus.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Wilhelm Schmitz, Hallenmeister.
Gießen, den 14. Februar 1933.
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