ben bann drei Entschließungen Annahme, in be* ncn es u. a. heißt, Schlichtungswesen, Tarifrecht, kollektives Arbeitsrecht, Sozialversicherung unb staatlicher Arbeitsschutz gehören zum Wesen einer hoch entwickelten Staatsorbnung. Der frei» heitlich-nationale Gewerkschaftsring lehnt beshalb alle Pläne auf Minderung bes Aufgabenbereiches bes Reichsarbeitsministeriums ober dessen völlige Auflösung entschieben ab. Weiter wirb geforbert Herabsetzung der Altbaumieten auf 100 Prozent der Friedensmiete, Senkung der Reubaumieten, erweiterter Schuh für erwerbslose Mieter, verstärkte Bereitstellung öffentlicher Mittel für den Wohnungsbau. Schaffung eines sozialen Mietrechtes.
Das stanzöslscheFinanzprogramm von der Kammer angenommen.
Eine Krisensteuer —Schwierigkeiten im Senat.
Paris, 13. Febr. (WTB.) Die Kammer hat die viel umstrittene Einführung der Krise n st e u e r beschlossen. Eine Sondersteuer soll für das laufende Iahr von allen F e st b e s olde t e n, in öffentlichen Diensten und privaten Betrieben beschäftigten Gehaltsempfänger und Angehörigen der freien Berufe erhoben werden, die alle über 2 0 0 0 0 Franken hinausgehende Bezüge erfaßt und prozentual gestaffelt ist. Die Staffel beträgt 2 bis 10 Proz. Darauf wurden die g e s a m- te n Finanzprojekte der Regierung mit 356 gegen 215 Stimmen angenommen. Die verabschiedeten Entwürfe sollen bringen durch Struerkontrolle 901 Millionen Franken, Steuereinnahmen 1313 Millionen, verschiedene Einnahmequellen 1025 Millionen, Herabsetzung der Ausgaben 2023 Millionen, im ganzen also über 5 Milliarden Franken. Wenn man die im 3uü vergangenen Iahres verabschiedeten Steuer- und Einsparungsmaßnahmen hinzurechnet, ergeben sich innerhalb acht Monaten 15 Milliarden Franken für Ausgleich des Budgets.
Die von der Kammer verabschiedeten Finanzgesetzes angenommen, der die Herabsetzung Senats zur Beratung gelangen. Man nimmt an, daß der Senat Aenderungen vornimmt, so daß der Entwurf nochmals zur Beratung a n die Kammer zurückgehen mutz. Die zu erwartenden Abänderungen dürften sich vor allem auf die Ärt Jen ft euer beziehen, deren gerechtere Berteilung die Mehrheit des Senates jedenfalls fördern wird. Infolgedessen dürften sich Schwierigkeiten innerhalb der Regierungsmehrheit ergeben, die erst überwunden werden müssen, wenn ein Ausgleich zwischen Kammer und Senat zustande kommen soll.
Aus aller Welt.
Autounglück bei Kaiserslautern. — (Ein Toter, fünf Schwerverletzte.
Ein mit sieben Personen besetztes Auto geriet bei der Kaiserslauterner Kaserne an einen Straßenbaum und überschlug sich. Die in dem Auto befindlichen sieben Personen konnten nur durch Aufschneiden des Daches des Autos herausgeholt werden. Sechs hatten schwere Verletzungen erlitten und mußten ins Krankenhaus verbracht werden. Ein drei Jahre alter Knabe erlag kurze Zeit nach dem Unfall den erlittenen Verletzungen.
Jünf Jahre Zuchthaus für tödliche Mißhandlung des eigenen Kindes.
Das Schweidnitzer Schöffengericht verhandelte gegen den Schneider Koch, der der schweren Körperverletzung mit tödlichem A u s g a n g, begangen an seinem eigenen dreijährigen Sohn angeklagt war. Koch hatte den kleinen Karl Heinz durch Schläge mit einem Militärkoppel so schwer rnihhandelt, daß bald darauf der Tod eintrat. Der wiederholt vorbestrafte 28jährige Angeklagte ist ein ehemaliger Fürsorgezögling, der mit seiner Frau unb fünf Kindern schon seit langer Zeit auf Wohlfahrtsunterstützungen angewiesen ist. Zeugen bestätigen, dah Koch und seine Frau ihre Kinder fortgesetzt schwer geschlagen haben. Die Gerichtsärzte stellten bei der Leichenöffnung fast 200 Zeichen alter dber kurz vor dem Tode erfolgter Mißhandlungen fest. Koch wurde wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang zu fünf
MUWliWkWU
Roman von GertRothberg.
tälrheberschuh durch C. Ackermann.
Romanzentrale Stuttgart.)
28 Fortsetzung Nachdruck verboten.
Achtzehntes Kapitel.
Drei Viertel sieben Uhr! Otty lief rasch hinüber in Edelgardes Zimmer. Es war leer. Das junge Mädchen atmete hastig und schwer. Es war keine Zeit zu verlieren. Sie warf das große Tuch um, das dort auf dem Stuhl lag unb Edelgarde gehörte. Dann jagte sie die Treppe hinunter. Draußen rieselte noch immer ein feiner Regen zur Erde nieder. Es war still und menschenleer im Park. Und dort, dort war die Ruine. Endlich war Otty da, leise drückte sie auf den Griff der alten Holztür. Die Tür war auf: Edelgarde war also da!
Rasch entschlossen trat Otty ein. Ihre Hand umklammerte den kleinen Revolver, der seit Jahren in ihrem Besitz war. Ihr Schritt hallte unheimlich auf den Steinfliesen. Otty ging noch ein Stück weiter, sie mußte bald an der Brüstung sein, sie kannte ja das Innere der Ruine auch ganz genau. Sie griff nach der Taschenlampe, knipste sie ah, und im selben Augenblick hörte sie ein heiseres Lachen, ein Paar Hände griffen nach ihr.
„Ehebrecherin!"
Im Schein der kleinen Lampe sah Otty das ab- gewuchtete Gitter. Sie wich zurück, doch Edels Hände hatten unheimliche Kraft.
„Edel, ich —" Ottns Stimme gellte durch den Raum. Ihre Hände griffen nach Edel in Todesangst, rissen sie mit sich. Dann war alles still.
Dunkel und schwer hing der Himmel über der alten Ruine. Unentwegt regnete es, und die Eule im Gemäuer schüttelte sich und blinzelte mit licht- losen Augen.
Joseph Wimpert wartete auf seinen Herrn. Der kam jetzt mit raschen Schritten aus der Halle des kleinen Bahnhofs und blickte erstaunt auf Wimpert, der neben dem Chauffeur wartete.
„Nanu, Wimpert, soviel Liebe bin ich doch gar nicht gewöhnt? Wie kommt das auf einmal?"
Jahren Zuchthaus unb fünf Iahren Ehrverlust verurteilt.
Lin Freund Lindberghs von Räubern enkführl.
Wie aus Denver (Colorado) gemeldet wird, überfielen zwei Räuber den reichen Bankier Charles Böttcher, einen Freund Lind- b e r g h s, als er mit seiner Gattin von einem Besuch heimkehrte. Böttcher wurde im Kraftwagen von den Banditen entführt, nachdem seiner Frau vorher ein Zettel ausgehändigt worben war, in dem es heißt, daß ber Äeberfallene ermordet werben würde, wenn nicht 60 000 Dollar Löse geld gezahlt werden. Die Polizei, die sofort umfangreiche Ermittlungen aufnahm, nimmt an, daß die Räuber Böttcher in das unwegsame Gebirge entführt haben, wo die Spritschmuggler grotze unterirdische Schlupfwinkel besitzen, die gut befestigt sind. Der Vater bes entführten Bankiers hat eine Belohnung in Höhe von 5003 Dollar für bie Oluf» finbung seines Sohnes ausgesetzt.
Französischer Bürgermeister ordnet Mobilmachung an.
Schon vor einigen Monaten hatte der Bürgermeister einer größeren Ortschaft in Ostfrankreich in falsch verstandenem Uebereifer die Mobilmachung in seinem Dorfe angeordnet, was sich bann als Irrtum herausgestellt hatte. Das gleiche ist, wie
bie Pariser Morgenblätter berichten, jetzt dem Bürgermeister von Grisy-sur-Seine bei Prooins passiert. Dort wurden im verschlossenen Umschlag bie für den Fall der Mobilmachung vorbereiteten Schriftstücke verteilt. Der Büraermeister hielt dies für eine Aufforderung zur Mobilisierung selbst und ließ diese ben Bestimmungen gemäß durch einen Trommler im Dorfe ankündigen, was unter der Bevölkerung große Erregung auslöste. Erst nach zwei Stunden konnte der Irrtum aufgeklärt werden.
Großfeuer bei Chikago.
Wie aus Chikago gemeldet wirb, zerstörte ein Großfeuer einen auf ber Gänseinsel gelegenen siebenstöckigen Getreidespeicher, der 1 630 000 Dushels Weizen enthält. Der Schaden beläuft sich auf etwa 4 Millionen Mark. 300 Feuerwehrleute bekämpften mit 26 Spritzen den Brand und verhinderten das Llebergreifen auf benachbarte Speicher. Die Löscharbeiten wurden durch die große Kälte — 25 Grad Celsius unter Rull — sehr erschwert.
Spende für die winkernolhilfe.
Wie wir erfahren, hat die Firma Kaisers Kaffeegeschäft G. m. b. H. zu Viersen (Rheinland) wiederum eine Anzahl Waggons Lebensmittel für die Zwecke der Winterhilfe in den Städten ihrer Niederlassungen gespendet.
Aus der provinzialhaupistadt.
Zuschuß zur Instandsetzung von Wohnungen.
Don der Stadtverwaltung wird uns geschrieben:
Die Reichsregierung hat erneut einen Betrag von 50 Millionen Reichsmark zur Gewährung von Zuschüssen für bie Instandsetzung von Wohn- gebäuben, bie Teilung von Wohnungen unb ben Ilmbau gewerblicher Räume zu Wohnungen als 2. Rate bereitgestellt. Für bie Dergebung ber Mittel gelten bie bisherigen Bestimmungen mit den unter dem 30. Januar 1933 durch den Hessischen Minister des Innern bekanntgegebenen Aenderungen. Die wichtigsten Aenderungen sind folgende: Die Arbeiten müssen spätestens am l.Iuli 1933 vollendet fein; nach den früheren Bestimmungen sollten die Arbeiten erst am l.Ia- nuar 1934 beendet sein. Ein Aeichszuschuß wirb nur gewährt, wenn dir Kosten für bas einzelne Grunbstück minbestens 100 Mk. (statt bisher 250 Mark) betragen. Als Neuerung gegenüber den früheren Bestimmungen gilt bie Erweiterung, daß nunmehr auch bie völlige Instanbsetzung einer leeren Wohnung für bie Bezuschussung vorgesehen werben kann. Hierbei können bie im Monat Ianua- 1933 hergestellten Wohnungen noch nachträglich berücksichtigt toeyben.
Für bie Verteilung ber Mittel ist der Gesichtspunkt maßgebend, dah gerade jetzt in den Wintermonaten Arbeit geschaffen wird; deshalb ist bei Genehmigung ber Anträge immer ber Zeitpunkt ausschlaggebend, an bem der Hausbesitzer nach seiner Erklärung mit den Arbeiten beginnen will. Die Arbeiten, die sofort begonnen werden können, werden also bei ber Genehmigung der Darlehensanträge bevorzugt behandelt. Die Einhaltung dieser Bedingungen wird nachgeprüft.
Für die Stadt Gießen steht vorerst noch eine Summe von 15 000 Mk. zur Verfügung. Es wird im Interesse der Arbeitsbeschaffung an alle Hauseigentümer, die bereits eine Zusage für die Gewährung eines Darlehens besitzen, sowie auch diejenigen, die beabsichttgen, von der Inanspruchnahme der Zuschüsse Gebrauch zu machen, die dringende Ditte gerichtet, recht bald mit der Durchführung der Arbeiten beginnen zu lassen, damit dem notleidenden Handwerk auch jetzt schon eine fühlbare Entlastung zukommt.
Aoihilfe für Neunkirchen.
Ein unermeßliches Unglück ist über die Stadt Deunkirchen unb ihre Bewohner, einer Raturkatastrophe gleich, hereingebrochen. Roch unübersehbar sind bie Schaben an Leib unb Leben unb bie Verwüstungen, bie bas Unglück angerichtet hat. Unfagbareä Leib lastet auf ben von bem Unglück betroffenen Familien. Uns allen brängt sich bie heilige Pflicht auf, mitzuhelfen unb mitzuwirken, ein jeder nach feinen Kräften, daß sich zu ber seelischen Rot ber Betroffenen nicht
noch bie leibliche Not gesellt und daß allen Familien, bie burch die Katastrophe betroffen wurden, rasche und wirksame Hilfe zuteil wird. Ohne Unterschieb ber Parteien unb Konfessionen rufen wir auf, schnell und aus- reichenb zu helfen. Die Verwaltung unb Verteilung ber Spenden wirb burch einen Ausschuß, an dessen Spitze ber ßanbrat bes Kreises Ottweiler, bie Stadtverwaltung Reunkirchen unb ein Vertreter der Regierungskommission stehen, gemeinsam mit ben Unternehmer- unb Arbeiterorganisationen, Vertreter der Belegschaft der Reunkircher Hütte und Vertretern der charita- tiven Verbände vorgenommen werden. Ueber die Spenden wird öffentlich quittiert.
Die Regierungskommission des SaargebietS.
Die Staatlichen und Kommunalen Körperschaften des Saargebiets.
Die politischen Parteien des Landesrates. Die Organisationen der Unternehmer und
Arbeitnehmer.
Die Dergwerksdirektion Saarbrücken.
Die Beamten- unb Angestelltenverbände.
Die charitativen Verbände des Saargebiets.
Aviv gegen die Straßenbahn.
An der Einmündung des Wiesecker Weges in die Marburger Straße ereignete sich gestern gegen 21.45 Uhr ein schwerer Verkehrsunfall. Ein Frankfurter Kraftwagen, von Dr. Schönwandt gesteuert, fuhr in Richtung nach der Stadt zu die Marburger Straße herab und stieß, da im gleichen Augenblick die Straßenbahn aus der Marburger Straße in den Wiesecker Weg einbog, mit großer Wucht gegen die Straßenbahn, so daß der Lenker des Autos und feine Frau durch die Windschutzscheibe geschleudert wurden unb schwere Verletzungen erlitten. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz brachte bie Verunglückten sofort nach ber Chirurgischen Klinik. Frau Schönwanbt trug eine schwere Kopfverletzung bavon unb würbe in. bewußtlosem Zustande eingeliefert, sie hat inzwischen das Bewußtsein aber toiebererlangt Dr. Schönwanbt erlitt einen Unterkiefer- unb einen Rafenbeinbruch, sowie Schnittverletzungen im Gesicht.
Spende für die Winiernoihilfe.
Von ber Geschäftsstelle ber Gießener Winternot- hilse wird uns folgende neue Spende mitgeteilt;
Bäckermeister Katz, Neustabt 14, 50 Laibe Brot.
Daten für Dienstag, 14.Februar.
1468: Johannes Gutenberg, ber Erfinber ber Buchdruckerkunst, in Mainz gestorben. — 1779: ber englische Seefahrer James Cook aus Hawai ermordet.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 14. Febr. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter Pfund 1,10; ßanbbutter 1,00 bis 1,10; Kochbutter 80;
Achern hatte es in einem humoristischen Ton gesagt. Jetzt aber sah er genauer in bas Gesicht des alten, treuen Dieners, sah, baß dieses Gesicht grau und eingefallen war und stutzte.
„Hallo, Wimpert, ist. etwas passiert?"
„Ja, gnädiger Herr. Es ist etwas passiert." Achern packte den Alten am Arm.
„Buchstabiere mir nicht alles nach, sprich!"
„Gnädiger Herr, die gnädige Frau und das gnädige Fräulein aus Berlin sind seit gestern abend verschwunden. Das gnädige Fräulein ist noch kurz vor sieben Uhr gesehen worben. Wir haben bie ganze Nacht gesucht. Und da haben wir eine furchtbare Entdeckung gemacht: in ber Ruine ist bas Gitter gewaltsam entfernt, die Bretter vom Wasserschacht fort."
Acherns Gesicht wirkte unheimlich in seiner tiefen Blässe.
„Haben Sie etwas gefunden?"
„Nein, gnädiger Herr. Da Ihre Ankunft auf heute früh festgesetzt war, haben wir noch nichts weiter unternommen."
„Wimpert, wie töricht! Man konnte Ihnen längst helfen, wenn —"
Wimpert senkte den grauen Schädel. Er sah seinen Herrn nur an. Das Auto sauste jetzt dahin. Acherns Augen suchten das Schloß. Seine Zähne knirschten auseinander. Was für eine Tragödie hatte sich während seiner Abwesenheit dort abgespielt?
Endlich waren Sie da. Achern sprang als erster aus dem Wagen, lies ohne ein Wort dem Park zu. Die anderen folgten ihm. Herr Augsten unb seine Töchter waren gerufen worben. Sie liefen jetzt inmitten ber Dienerschaft ber Ruine zu. Dort stauben ber Inspektor unb ber Hauptwachtmeister ber in ber Nähe stationierten Polizeiwache. Stricke, Leitern waren zur Stelle. Der Brunnenbauer mit Gehilfen war eingetroffen unb schickte sich eben an, in ben Schacht zu steigen, benn er war als einziger schon einmal bort unten gewesen, als Herr von Achern, ber alte Herr, noch lebte. Mit starren Augen blickte Harry von Achern auf das Gitter. Der Beamte sagte:
„Es wird schnell aufgeklärt werden, wenn wir erfahren, wer ben Befehl zur Entfernung bes Gitters gegeben hat. Dann haben wir ja ben Anhaltspunkt."
Achern sah ihn an. Dann fragte er: „Sie sind Überzeugt, daß hier ein Unglück geschah?"
Der Beamte schüttelte den Kopf.
„Nein, es geschah wohl ein Verbrechen."
Achern bäumte sich auf bei ben harten, sachlichen Worten.
„Ein Verbrechen? Wer soll —?"
„Der, ber bas Gitter wegbringen ließ."
Wieder die ruhige, mitleidlose, jachliche Stimme, bie Achern alle Nerven aufreizte. Aver er sagte nichts mehr.
Die Männer waren seit etwa einer Stunde im Brunnen. Der Abstieg war sehr schwierig und mit Lebensgefahr verbunden. Als endlich ein Zeichen von unten ertönte, traf gerade bie Staatsanwaltschaft ein. Nach Verlauf einer qualvollen langen Wartezeit, in ber Achern ein ihn peinigenbes Verhör zu besteht hatte, legte man bie zwei Frauen auf die Steinsliesen des alten Turmes.
Tot!
Achern sah erschüttert auf diese beiden Gestalten, die ihm so vertraut gewesen unb nun so fremb waren mit ben starren, verschlossenen Gesichtern.
Ein Unglück konnte es boch nur gewesen fein, benn wer hätte ein Interesse daran haben können, bie beiden jungen Geschöpfe umzubringen? Das Gitter!
Nein, es war kein Unglück, es war — ein Verbrechen! Aber wer? Wer?
*
Die nächsten Tage vergingen für Achern in Aufregung unb Trauer. Aber am meisten schmetterte ihn bie Erkenntnis nieber, daß Ebelgarbe bas Gitter hatte entfernen lassen. Somit war einroanbfrei fest- gestellt, daß sie bie Schuldige war und ihre Freundin das Opfer. Aber warum? Was für ein Grund lag für diese entsetzliche Handlung vor? Die Behörde fand nirgends einen Beweis für diese Annahme. So blieb nur noch übrig, daß die kranke Frau ihrem Leben ein Ende machen wollte unb bie Freunbin, bie sie vielleicht im letzten Augenblick zurückzuhalten versuchte, mit in bie Tiefe riß. Diese Annahme schien nach Lage ber Dinge bie natürlichste zu sein.
Die alte Ruine behielt ihr Geheimnis.
Achern kam erst zur vollen Besinnung, als alles vorüber war. Ebelgarbe ruhte in ber Gruft von Gollwern. Ihr Vater hatte bas fo gewünscht, unb Harry hatte sich ohne weiteres gefügt. Otty Weilers sterbliche Reste waren nach Berlin übergeführt worben.
Matte 20 bis 25; Wirsing (gelb) 10; Wirsing (grün) 15; Weißkraut 8 bis 10; Rotkraut 10; gelbe Rüben 10 bis 12; rote Rüben 10; Spinat 25; Unter-Kohlrabi 6 bis 8; Grünkohl 15; Rosenkohl 25; Feldsalat 1,20 bis 1,50; Zwiebeln 10; Meerrettich 30 bis 50; Schwarzwurzeln 25 bis 30; Kartoffeln 3; Aepfel 18 bis 30; Dörrobst 35 bis 40; Honig 40 bis 45; junge Hähne 70 bis 90; Suppenhühner 70 bis 80; Rüsse 40; Tauben Stück 40 bis 60; Käse 5 bis 10; Eier 10; Blumenkohl 30 bis 60; Salat 25 bis 30; Endivien 15 bis 30; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 30; Kartoffeln Zentner 2,50 Mk.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 19.30 bis 23 Uhr, „Der Rosen- kavalier". — Oberhessischer Kunstvcrein: Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr, Gedächtnis- Ausstellung Walter Gramatte. — Hotel Bayrischer Hof: 16 und 20.15 Uhr, Lichtbilder-Vortrag über Radium. — Damenvereinigung 1883—1933: 20 Uhr, „Zum kühlen Grund", Kräppel-Kaffee. — Lichtspielhaus Äahnhofstraße: „Eine Stadt steht Kopf".
** Schülerwettschreiben in Deutscher Einheitskurzschrift. Man teilt uns mit: 2lm Sonntag, 5. März, um 10 Uhr findet im Schulgebäude der Oeffentlichen Handelslehranstalt und der Kaufmännischen Berufsschule, Liebigstratze 16, ein Schnellfchreiben für Schüler
Gewlnnauszug
5. Klasse 40. Preub.-Ssidbeulsche (266. Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten
3. Ziehungstag 10. Februar 1933
Sn ber heutigen Vormittagszkehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen
10 »etoltme m 10000 90L 30407 43301 65172
209198 337275
4 e.tomn« zu 5000 M. 295279 346680
10 ©etoinne »u 3000 SU. 47647 155329 193509
381453 391175
54 ©»Winne mi 2000 M.
141330
176298
221628
275440
313837
361511
168248
206507
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136926
175966
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272046
313482
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145482
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315363
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201521
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----------- 942 10943 19729 25843
42969 62842 95982 99945 104197 111834 114067
161935 181441 184846 216454 225082 248795
249555 259521 294695 305663 308428 308828
310526 328235 360036 334687
106 ©etoinne m 1000 M. 4381 8272 16693 18408 27648 31935 37137 38201 47279 47713 54460 70905 84413 92742 103417 112685 116210 119865 125084
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188 @rtoinne m 500 971. 10035 16659 24666 26504 33508 34549 46418-51557 55576 56732 59940 61431 61815 68603 72902 74295 77767 82684 84270 85391 85603 87095 89578 97835 98254 103446 106891 120966 122517 124936 128790 138938 141997
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263786 264747 265207 265339 268337 270260
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395477
Sn der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen
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318207 336422 343400 365194 399071
102 Gewinne ,u 1000 9?. 1309 5006 12056 15347 16189 30907 41441 51335 56163 64437 75710 82709 98409 99582 110734 135761 141822 152708 153909 167364 179962 182420 183599 189076 191779
196628 197040 220764 221935 240557 247431
251473 259142 275394 280843 286210 294367
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398003 398121
182 Gewinne zu 500 M. 323 15623 21931 23636 24970 25179 30384 44410 47669 55991 61759 67811 68945 69420 78990 79906 81442 83317 83322 90613 97348 101205 105433 107170 108762 108816 112743 116088 116182 118383 121799 122236
131939 132031 136374 137718 138718 138998
146676 156504 158995 160992 169697 172094
174297 181974 185592 187022 187365 188030
194217 211941 218158 219718 222104 225072
229626 239763 243232 247962 248509 249362
253475 273512 275970 279778 279877 286925
290488 291102 292535 298439 303768 314025
314602 317501 318837 319959 321296 326531
335649 337224 340008 340260 344075 348897
361281 361906 379275 386887 388757
Schloß Achern lag in aller Ruhe unb Beschaulichkeit, unb grell schien bie Sonne in ben kalten Wintertag, als Achern sein Auto bestieg unb zur Bahn fuhr, um all bas Entsetzliche, das in der letzten Zeit über ihn hereingebrochen war, in der Fremde zu vergessen. Sein Herz sehnte sich fort von allem, was ihm sonst lieb unb teuer war.
Pia!
Jetzt war es keine Sünbe mehr, an sie zu denken. Doch die Zeit mußte heilen. Pia war nicht mit in Achern gewesen, als alle Nachbarn bem Scyloßherrn ihr Beileid ausdrückten. Sie hatte nur einen Brief gesandt und zwei große, schöne Kränze mit schneeweißen Rosen.
Als Achern in Berlin den Zug verließ, um hier zu übernachten und noch einige Geldangelegenheiten zu regeln, traf er Fritz Lerchenfeld. Der freute sich, ihn wiederzusehen, schüttelte ihm fast die Hand aus dem Gelenk und nahm ohne weiteres an, daß er mit seinem Vorschlag, man müsse sich nach solchem Pech zerstreuen, Zustimmung fände. Er war aber höchst erstaunt, als Achern kurz sagte: „Entschuldige, Lerchenfeld, ich habe kein Verlangen nach Zerstreuung. Wenn du mir aber in meinem Hotel noch bei einer Flasche Wein Gesellschaft leisten willst, wirb mich bas freuen."
Der andere beeilte sich, zu versichern, daß ihm bas natürlich auch sehr recht sei. Und dann saßen bie Freunbe plaubernb beisammen. Lerchenfeld dachte ein über das andere Mal: Wie verändert er ist! Das Drama hat einen ganz anderen Menschen aus ihm gemacht.
Achern starrte in fein Glas. Ein goldblonder Mädchenkopf schien ihm daraus entgegenzublicken.
Pia!
Sie hatte ihn gemieden. Jetzt erst recht. Wer weiß, ob es einen Weg gab, der zu ihr führte! Stolz unb rein stand sie über allem, was in Achern geschehen war. —
In seine Gedanken hinein fragte Lerchenfeld: „Wie lange bleibst bu hier?"
Achern fuhr auf.
Ich mache hier nur Station, um einige mistige Sachen zu erlebigen. Ich fahre nach Norwegen zu einem ehemaligen Kriegskameraden, ber dort auf dem Gut eines Verwandten sitzt."
(Schluß folgt.)
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