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Hacfobrud verboten!
39 Fortsetzung.
Oie stummen Gäste von Zweilinden vornan vonAnny vonpanhuys.
Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold.
ihnen beiden dort so gut; sie würden es von einem zuverlässigen Gulsoerwalter betreuen lassen. Pfarrer Basella wollte auch in Barcelona Angelos Häuschen verkaufen, in das sie nun nie mehr zurückzukehren brauchte.
Angela mußte oftmals, wenn sie das Schloß mit feinem niedrigen Bau, dem roten Ziegeldach und den von Türmen flankierten Seitenflügeln vor sich liegen sah, an den Stiefvater denken, der zu ihr immer' gut und liebreich gewesen, wie es ein echter Later nicht besser und liebreicher sein konnte. Manchmal meinte sie, ihn neben sich schreiten zu sehen, wenn sie drinnen durch die Räume ging, und sie dachte daran, wie er ihr, als sie vierzehn Jahre alt war, zum ersten Male erzählte, daß sein Schloß dreißig Zimmer gehabt hätte. Sie erinnerte sich deutlich, mit welchem Stolz sie das der Zigeunerin Miguela wiederberichtet hatte, und wie Miguela anfangs nicht glauben wollte, daß Angelas Later ein richtiger Graf war.
Der Pfarrer fragte, ob er den Bankettsaal, den Schauplatz des Spuks, einmal betrachten dürfe. Frau Bettina neigte lächelnd den Kopf.
„Natürlich, Herr Pfarrer, wenn es Ihnen recht ist, dürfen Sie ihn sofort sehen."
Catalina klatschte begeistert in die Hände und drängte. ,Lch kann es kaum erwarten!" Sie ging neben Angela die Treppe hinunter. „Ich begreife, daß Frau von Zweilinhen nach ihren bisherigen Erfahrungen das Erscheinen der seltsamen Besucher unangenehm sein muß, aber mich würde es entzücken. Ich wünsche mir, sie kämen jetzt schon, die Herrschaften, wenn wir im Bankettsaal sind."
Angelo schüttelte lächelnd den Kopf. ,Zch bedanke mich bestens dafür. Ich habe das Verlangen danach verloren. Mit der vierten Dimension will ich doch lieber nichts zu tun haben!"
Am Fuß der Treppe stand in der grauen, ruhig- vornehmen Livree des Hauses der Diener Anton. Er wandte sich an Konrad von Zweilinden, bestellte ihm, der Baron Rückert sei do und wünsche ihn zu sprechen.
Konrad blickte seine Mutter und Angela mit einem etwas jungenhaft verzweifelten Gesicht an. „Hoffentlich ist er nicht gekommen, um nochmals Krach mit mir anzufangen wegen Molly. Ich hätte mich auf die dumme Geschichte mit ihr nicht einlassen dürfen.
Angela erbot sich eifrig: ,Lch begleite dich, Konrad."
Er nickte: „Io, komm mit, in deiner Gegenwart wird er sich zusammennehmen; er ist nämlich ein ziemlich derber Mann!"
Konrad entschuldigte sich bei dem Pforrer und
Der Pfarrer lächelte: „Es liegt dem oft zitierten Shakespeorewort: „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als eure Schulweisheit sich träumen läßt" zwar ein tiefer Sinn zugrunde, aber die stummen Gäste von Zweilinden sind zu eigenartig, ,u unwahrscheinlich. Es will nicht jn meinen Kopf hinein, daß es Geister gibt, die nur in den Bankett- (aal kommen, um miteinander onzustoßen. Vielleicht, gnädige Frau, handelte es sich an dem Tage Ihrer silbernen Hochzeit, an dem Ihre Freunde und Bekannten alle dasselbe wie Sie gehört haben um einen Fall von Massensuggestion. Vielleicht faß jemand mit an der Tafel, der die Macht besaß, der ganzen Tischgesellschaft zu suggerieren, was Sie alle hörten."
„Herr Pfarrer, ich hörte die stummen Gaste von Zweilinden ja auch einmal als ich mich ganz allein im Bankettsaal befand", gab sie zurück und das war vor mehr als einem Vierteljahrhundert. Gleich danach wurde mein Pflegevater, der Vater meines späteren Gatten, erschossen. Kurze Zeit darauf horte ich sie abermals, ebenso Der Diener Anton, der heute noch hier in Diensten steht. Dann aber gab es eine lange Pause. Die alte Sage geriet fast in Vergessen- beit bis unser silberner Hochzeitstag kam und mit ihn der gräßliche Sput- Es ist damals alles durchsucht und durchforscht worden; doch es fand sich kein Anhaltspunkt dafür, an einen schlechten «cherz zu glauben. Eine Massensuggestion halte ich für voll- kommen ausgeschlossen, denn ich horte, wie gesagt, fast sechsundzwanzig Jahre vorher genau dieselben Geräusche, als ich mich völlig allein befand.
Verzeihen Sie, gnädige Frau, aber gerade durch Ihre Beweisführung des Erscheinens der eigenartigen Gäste wächst in mir bas Verlangen nach ihrer Bekanntschaft", lächelte der Pfarrer.
Man lachte, trank in Frau Bettinas traulichem Wohnzimmer Tee und sprach von der Hochzeit. Sie sollte schon Anfang September stattnnden, und solange wollten Pfarrer Basella unT/Eatahna m Deutschland bleiben. Dann wollte er heim, sein Amt völlig niederlegen und alljährlich mit Catalina den Sommer in Schloß Wiesental verbringen. Es gefiel
die prachtvollen schwarzen Augen anlaben. Do, war ja als wenn sie ihm damit innerlich alles umkrempelte. Der rote Mund zeigte unwahrscheinlich bien- dende Zähne, sand er, bisher hatte er nur auf Reklamebildern von Zahnwasser und Zahn« kreme gesehen.
Er verzog die Lippen, er fühlte bas Lächeln, bas sich fast gegen seinen Willen um seinen Mund legte, und Konrad schaute ganz verwundert aus die Verwandlung, die mit feigem grimmigen Besucher vor- $ Angela spürte instinktiv, mit Mollys Vater würde sie fertig werden
Sie fuhr fort: „Die Liebe ist doch das Schönste im Leben und das Höchste und Heiligste; cs wäre Daher sehr grausam von Ihnen, Herr Baron, wenn Sie Ihre arme Tochter und den Mann, den sie hebt und der sie wieder liebt, unglücklich machen wurden. Ich bitte Sie, wenn mein Liebster vielleicht nicht aam recht gehandelt hat, das nicht allzu hart aut- Mfen. Er wollte Ihrer Tochter doch nur zu ihrem Glück verhelfen, nichts weiter. Er selbst hatte doch keine Vorteile, sondern nur Aerger davon zu er- warten Er wollte ihr zum Glück verhelfen und stand ihr aus Ritterlichkeit bei, wie Sie es in einem ähnlichen Falle wohl auch genau jo getan haben wur- Den. Ritterlichkeit und Dicnstwilligkcit gegen Damen gehören doch zum echten Manne, nicht wahr.
Der Baron faßte in seinen Kragen, er ward ihm zu eng. Er schämte sich, weil er vorhin die Spanierin gar nicht beachtet hatte und gedacht, sie verstehe kaum ein Wort von dem, was er sprach. Und nun redete sie wie ein Rechtsanwalt auf ihn ein.
Sie lächelte: „Geben Sie meinem Verlobten die Hand zur Versöhnung Herr Baron, und bann troffen Sic Ihre Tochter, die jetzt sicher sehr leidet unb behalten Sie ben Inspektor als Schwiegersohn. Ich habe gehört, er sei ein guter Landwirt unb hoch- anftänbiger Mensch. Unb zum Schluß reichen Sie mir bie Hanb, bamit ich weiß, Sie sind mir nicht böse, weil ich mich eingemischt habe."
Da gab sich Baron Rückert einen energischen inneren Ruck, denn eigentlich spürte er gar keine Wut mehr. Aus niemand mehr. Diese leuchtenden, reinen Iungmädchenaugen, dieser lächelnde Iungmädchen» mund hatten das Wunder vollbracht und seinen Zorn ausgelöscht, wie man Feuer mit Wasser löscht. Er atmete tief und nahm Angelas Rechte.
,Zhr Pfötchen will ich zuerst drücken, mein grrä- dig'es Fräulein, denn Sie haben mich ollen Krakeeler bekehrt: erst nach Ihnen gebe, ich Dem Schwindler neben Ihnen die Hand."
i (Fortsetzung folgt.)
Catalina, er wollte mit Angela so rasch wie möglich i in den Bankettsaal nachkommen.
Im Arbeitszimmer des Gutsherrn wartete Baron Rückert. Sein Gesicht war noch röter als sonst, ein paar tiefe Falten auf feiner Stirn wiesen deutlich auf böse Gewitterstimmung.
Baron Rückert nahm von Angela nur mit einer knappen Verbeugung Notiz, dann polterte er schon los: „Herr von Zweilinden, Molly hat uns, meiner Frau und mir, nachdem ich sie ein bißchen ausge- horcht, die Wahrheit gestanden, und ich stelle Sie nun zur Rede. Wie durften Sie sich so etwas mit mir erlauben? Molly nimmt die Hauptschuld auf sich. Gut, Frauen kriegen ja die Männer zu den größten Dummheiten ’rum; aber es war doch ein starkes Stück von Ihnen, mich um Mollys Hand zu bitten unb ihren zukünftigen Verlobten zu spielen, wahrend Sie beide nicht an Liebe und Heirat dachten. Das Mädel schicke ich zu ’ner alten Tante in eine Einsamkeit, wo das Erscheinen von 'nem Hausierer noch eine Sensation bedeutet, den Herrn Verlobten, ben langen Lulatsch, ben Inspektor, schmeiße ich 'raus, daß er sich dabei breimaj Überkugelt, aber was soll ich mit Ihnen machen? So ruhig kommen Sie auch nicht davon."
„Sie haben mir ja bereits die Tür gewiesen, Herr Baron; mehr zu tun bleibt Ihnen kaum übrig", erwiderte Konrad etwas gereift, obwohl er sich nicht ärgern wollte.
„Ich verlange vor allem eine regelrechte Entschuldigung, Herr von Zweilinden", schrie ihn der Baron an, „denn solche Scherze erlaubt man sich nicht mit mir. Ich wußte ja nicht, daß alles nur ein abgekartetes Spiel war. Ich mochte heulen vor Wut über so einen faulen Witz. Also, nun reden Sie; wie dursi ten Sie sich auf ben blöbfinnigen Kram emlajlen? Los, reben Sie, wie Sie solchen Unfug in «zene setzen konnten, sonst, weiß ber Himmel, schmeiße ich Sie mit meinen eigenen Hänben 'raus."
Konrab Zweilinben stieg bas Blut zu Kopf; aber ehe er noch bie Lippen zum Sprechen öffnete, trat Angela vor ben Erregten hin unb sagte mit feinem Lächeln: .Zhre letzte Drohung hat zum mindesten den Vorzug originell zu sein, Herr Baron, denn es wäre wirklich drollig, wenn Sie Konrad aus seinem eigenen Haus 'rausschmeißen wollten, wie Sie sich aus- drückten."
Der Baron sah Angela eigentlich erst jetzt richtig an sein noch eben so wütender Gesichtsausdruck veränderte sich allmählich, wurde ganz gesittet. Alle Wetter! durchzuckte es den alten Landjunker, ist das ein schönes Geschöpf; dagegen blieb leine hübsche Molly unscheinbar und unbedeutend. Und wie ihn
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