20 Fortsetzung
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Alle Turnerinnen und Turner,die ihre Dkeldung zum Deutschen Turnfest in Stuttgart schon abgegeben haben, sowie alle diejenigen, die noch teilzunehm. wünsch, (auch Nichtmitglieder) werden -.einer Besprechung auf Dienstag, den 13.Juni 1933,abds. 9 Uhr, in dasVor- standszimmer der Turnhalle, Stein« strafte, eingeladen. Ter Vereinsführer,
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Die ordentliche Mitgliederversammlung ftndet Sonntag, den 18. Juni 1933, nachmittags 2 Ubr, im Gasthaus der Frau Adolf Revv Wwe., Grünberg, statt, wozu rch die Mitglieder emlade.
Tagesordnung:
1. Rechenschaftsbericht
2. Rechnungsablage
3. Vorstandswahl
4. Vereinsangelegenheiten
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Wünsche der Mitglieder für die Einladung von Gästen zu unserer Abendveranstaltung am 8. Juli im Klub, erbitten wir bis zum 20.6. anJ. Mertens, Seltersweg 56. g88so
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Amtsverkündigungen aus den preußischen Kreisen.
Kreis Wetzlar.
Die Bevölkerung des Kreises wird vom Landrat und Vorsitzenden des Kreisausschusses dringend gebeten, die für die Geschäftsräume der Kceisoerwaltung (Land- ratsamt und Kreisausschuß) auf montags, Mittwochs und Freitags von vormittags 8 bis 1 Uhr festgesetzten Sprechstunden einzuhalten da sonst die ordnungsmäßige Erledigung der vielen schriftlichen Arbeiten durch den Unterzeichneten und die Beamten nicht gewährleistet ist. Der Landrat und Vorsitzende des Kreisausschusses hofft, daß die Kreisbeoölkerung durch die Innehaltung der fest letzten Sprechstunden es zu würdigen weiß, daß die zahlreichen erlaßenen und noch ergehenden neuen Gesetze usw. auch eine Menge schriftlicher Arbeiten im Gefolge haben, die neben den laufenden Arbeiten gleichfalls einer ordnungsmäßigen Erledigung bedürfen. 3896C
Mittwoch, 14. Juni abends 8'/, Uhr Hindenburg.
Ferner: Auserwtthlte* Beiprogramm und
Die neue Ufa-Ton-Woche. 388OC
verrät!" Ohne Gruß wendet sich Lefevre von feiner Frau ab. Krachend fliegt die Tür hinter ihm ins Schloß.
Jeannette starrt ihm nach. Dann schlägt sie die Hände vor das Gesicht und weint. Fassungsloser Schmerz ist in ihr.
Während Döllnitz durch nachtschwarzen Wald auf verschwiegenen Pfaden seiner letzten Zuflucht, dem Forsthaus im Eulengrund, unter Aufbietung aller Kraft entgegeneilt, sind vom Dorfe Löbau ein Dutzend beherzter Männer unter Führung des Schmiedes Wemper nach dem Hohlweg unterwegs, um die Leiche des erschossenen Försters Brinkmann zu bergen.
Am nächsten Tage wird der Tote unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde, die ein stummer Protest ist auf diesen Mord, auf dem kleinen Dorfkirchhof zu Grabe getragen. Pfarrer Kranz spricht die letzten Worte nach dem schönsten Bibeltext, der den Toten ehren kann: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben!"
16.
Gegen Ende Januar durcheilten wie ein Lauffeuer zwei Botschaften alle preußischen Gaue und ließen die Herzen der deutschen Patrioten höher schlagen. Der Freiherr vom Stein, der bis dahin Geächtete, hatte wieder deutschen Boden unter den Füßen, das aufgezwungene Exil am russischen Hofe war zu Ende, sein preußisches Vaterland hatte den verdienten Mann wieder in seinen Grenzen. Von neuem schlug vom Osten her hellodernd die Flamme der Freiheit empor. Stein kam, ausgerüstet mit einer Generalvollmacht des Zaren Alexander I., am 22. Januar in Königsberg an. Er hat Auftrag, die ostprsuftifchen Provinzen für den künftigen Widerstand gegen die Franzosen zu organisieren. Kurz entschlossen macht der Unerschrockene aller Ratlosigkeit, die noch immer seit der Konvention von Tauroggen durch das negierende Verhalten des Königs über allen Entschlüssen liegt, ein Ende und erklärt das Land als mit Rußland verbündet. Die Volksbewaffnung wird ohne Zandern eingeleitet und durchgeführt, mit jener Energie, die Steins Schaffen eigen ist. Die Häfen werden geöffnet, die Kontinentalsperre ohne weiteres aufgehoben, kurz: jener feit langem ersehnte Zu- stand, der eines freien Volkes würdig ist, wird restlos hergestellt. Mit Stolz und Sehnsucht können alle preußischen Gaue von nun ab auf Ostpreußen blicken, das ein mahnendes Beispiel wird für die offene, segenbringende Sprache der Wahrheit und Freiheit. Der Landtag beschließt das von Porck vorgelegte Landwehrgesetz. Die Provinz stellt dreizehntausend Mann Reserve, zwanzigtausend Landwehrleute und ein Rational-Kavallerieregiment. Das hat Steins furchtloses Auftreten in-kürzester Frist zuwege gebracht, zwar ohne bisherige Genehmigung des. Königs, aber in vollem Nnoerständnis mit dem mächtigen Bundesgenossen Rußland. Der eiserne Keil ist geschmiedet, der von Osten her in das Herz des Vaterlandes, das noch zittert unter der Macht der Eroberer, eines Tages mit dröhnender Gewalt ge- . trieben werden wird. (Fortsetzung folgt.)
Ein leiser Aufschrei kommt über Marias Lippen. 3n angstvollem Entsetzen suchen ihre Augen des Vaters Blick. Der Baron aber verrät mit feiner Miene sein Innerstes. Karl von Löbau steht in ohnmächtiger Wut, sein jugendliches Temperament ist im Begriff, jeden Augenblick loszubrechen. Nur die Vernunft, die die Uebermacht ihm abzwingt, hält ihn zurück. Mit verkrampften Fäusten sieht er das Ende der Szene.
Hauptmann Lefevre trifft die Verzweiflung der Baronesse aufs tiefste. Er sieht das junge, schöne Mädchen, mit dem er eben herrliche Stunden seelischer Erbauung verlebt hat, mit tränenumflorten Augen um das Schicksal des Vaters zittern. Hier muß er helfen!
„Wenn Sie Baron von Löbau in Festungshaft nehmen, Herr Kommissar, unterbinden Sie mir in Zukunft jede Möglichkeit einer weiteren korrekten Verwaltung des Landkreises." Lefevre verleiht seinen Worten gegen Rambeaux besonderen Nachdruck — es ist ein Appell an die Einsicht und Klugheit des Beamten. „Teilen Sie Ihrer vorgesetzten Behörde mit, daß ich mit meiner Ehre als Offiizer der Armee für die friedliche Gesinnung des Herrn von Lübau bürge." Er wendet sich an den Baron: „Sie geben mir Ihr Wort, das Schloß nicht ohne meine ausdrückliche Erlaubnis zu verlassen und niemand zu empfangen, der mir nicht gemeldet wird."
Dem Baron bleibt keine Wahl. Hier kann nur die Vernunft diktieren. Er reicht zum Zeichen seines unbedingten Einverständnisses Hauptmann Lefevre wortlos die Hand. Karl macht eine erlöste Bewegung, die krampfhafte Haltung feines Körpers entfpannt sich.
Rambeaux will sich dem Argument Lefevres nicht verschließen. Die Verhaftung des Barons bedeutet für ihn nur eine Machtprobe, die aber sonst zu nichts führt. Er fpiell mit Geschick die Rolle des Großmütigen: „Wenn Sie mir für Baron von Löbau bürgen,
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»eine Schwester Maria hat sich soweit gefaßt, daß sie mit einiger Anstrengung dem neuen Ansturm, den das Erscheinen RambeauF und Lefevres in ihr her- uorruft, standhalten kann.
Herr Hauptmann, genügt das, bis die ganze Ange- legenhett ihre volle Aufklärung gefunden hat und der wahre Schuldige seinen Richtern überliefert werden kann."
Mit dieser versteckten Drohung, deren sich der Kommissar nicht enthalten kann, verschafft er sich den hewollt überlegenen Abgang, der wie ein düsterer Schatten über den Zurückbleibenden lastet. Einen Augenblick noch sehen sie ihm nach, bis polternd die eichene Portaltür ins Schloß fällt.
Maria wendet sich spontan Hauptmann Lefevre zu, ihm die Hand reichend: „Haben Sie Dank — Sie allein haben ..."
„Es ist nichts zu danken, Baronesse," Lefevre unterbriajt sie mit einem verstehenden Lächeln, „was ich getan habe, ist eine Selbstverständlichkeit!" feit!"
Mit korrekter Verbeugung verabschiedet er sich von Maria, von ihrem Vater und Bruder. Als der Hauptmann die Diele verlassen hat, umarmt Karl feine Schwester und den Vater: „Döllnitz ist entkommen! Alles ist unbemerkt vor sich gegangen — jetzt wird er schon in Sicherheit sein, niemand wird in der Nacht seine Spur finden!" tuschelt er.
Der Baron muß Maria stützen, die hemmungslos ihren Tränen freien Lauf läßt. Alle Erregung der letzten Stunden kommt zum erlösenden Durchbruch. Döllnitz ist gerettet — ihre heißesten Wünsche sind mit ihm, ihr ganzes Fühlen und Denken begleitet ihn! Sie hat ihn nicht sehen, nicht sprechen können, und doch ist er ihr nahe gewesen, wie nie zuvor.
Hauptmann Lefevre ist in sein Arbeitszimmer getreten. Bevor er sich zur Ruhe begibt, will er seiner Frau gute Nacht sagen. (£r findet sie in ihrem Boudoir, in das sie inzwischen zurückgekehrt ist, nachdem sie heimlich von dem Diener Tobias über die gelungene Flucht des Hauptmann Döllnitz unterrichtet worden war. Sie hat die Kerzen auf ihrem Nachttisch angezündet, weiches, sanftes Licht erhellt notdürftig den hohen Raum. Sie weiß, daß ihr Mann zum Nachtgruß kommen wird. Wenn er sie hier findet, wird auch die letzte Spur eines etwaigen Argwohns verschwinden. Auch ihre Nerven find nach der gefährlichen Komödie am Ende.
Lefevre will heute länger als sonst mit seiner Frau sprechen. Die Ereignisse haben ihn mitgenommen, er muß mit Worten seinen inneren Aufruhr ins Gleichgewicht bringen. Die Situation hier im Schloß hat fid) in den letzten Stunden für ihn als Kommandanten erheblich verschärft. Er hat mit seinem Wort gebürgt, in einem Augenblick menschlichen Mitleids. Seine Ehre als Offizier steht von nun an ständig auf dem Spiel, wenn die Schloßbewohner, an der Spitze der Baron, nicht Wort halten. „So leid es mir tut, chörie, man wird sich in Zukunft eine Trennung auferlegen müssen. Ich habe Verpflichtungen die nicht zu umgehen find."
Jeanette spielt die Ungehaltene. Sie möchte das Gespräch so bald als möglich beenden. Wenn erst eine Nacht vergangen ist, hat sich die Situation schon beruhigt, und sie kann dem Kommenden mit neuer Kraft überlegen fein. Jetzt eine Debatte wegen der Ereignisse ist gefährlich, chre erregten Nerven könn-
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ten ihr ungewollt einen Streich spielen. „Ren6, du weißt, wie ich über diese Verpflichtungen denke! Es ist für mich als Frau unmöglich, mein Gefühl von einem Netz von Vorschriften und Befehlen, die für dich als Offizier vielleicht notwendig sind, ersticken zu lassen."
„Ich will dir die Freundschaft dieser Frau nicht rauben, Jeanette, nur sollst du wissen und niemals vergessen, daß es nun einmal durch höhere Macht im Grunde genommen sich um unsere Feinde handelt! Der Spitzel Rambeaux beargwöhnt schon längst deine Freundschaft ..."
„Dieser Kommissar ist mir in tiefster Seele verhaßt! Dieser Bluthund ist der letzte. Der mich daran hindern soll, mein Herz sprechen zu lassen. Diese Menschen hier haben mir nichts zuleide getan — warum soll ich der Baronesse, die nur als Frau fühlt wie ich, die in fremdem Land, unter Menschen, Die uns hassen, mir die einzige Freundin ist, nicht mit Dankbarkeit entgegen kommen? Du könntest meinen, es ist das deutsche Blut meiner Mutter, das mich so empfinden läßt — ich sage dir, «daß ich als Frau stets und immer so handeln würde. Ich weiß nicht, ob das ein Grund wäre, an der Liebe zu meinem Vaterlande und zu meiner Nation zu zweifeln?!"
Hauptmann Lefevre sucht nach einer (Entgegnung. Er kennt seine Frau, ihr geheimstes Denken ist dem seinen in vielem verwandt, es ist schwer, ihrer Ueberzeugung zu widersprechen. Ein langes Schweigen entsteht. Lefevre geht auf und ab, tritt bann sinnend ans Fenster. Plötzlich tastet sein Fuß nervös umher, er berührt einen Gegenstand auf dem Boden. Unwillkürlich geht sein Blick suchend nach unten. Zu seinen Füßen liegt ein schwerer Reithandschuh. Jäh steigt der Verdacht in Lefevre auf. Er greift nach bem Handschuh, wirft ihn auf den Tisch vor Jeannette in den grellen Lichtschein der Kerzen und stiert seine Frau wortlos an — ein entsetzliches Gefühl bäumt sich in ihm auf: Verrat! Man hat ihm eine Falle gestellt — alle sind gegen ihn, Jeannette ist mit im Spiel! In maßlosem Zorn schreit er sie an: „Was ist das — wie kommt das hierher?!"
Jeannette schweigt. Sie sieht auf den Handschuh vor sich, den Döllnitz verloren haben muß. Das Spiel ist aus — alles Leugnen zwecklos.
„Das ist Verrat! Dein übertriebenes Mitleid wird mich vor das Kriegsgericht bringen! Dieser verdammte Preuße ...
Jeannette unterbricht den erregten Gatten scharf: „... hat mir damals das Leben gerettet! Der Kurier Hauptmann Döllnitz war es, der mich unter Einsatz seines Lebens vor den Marodeuren schützte! Wenn ich heute seine Flucht begünstigt habe, so ist das nicht Mitleid — es ist Menschenpflicht! Ich habe nur Gleiches mit Gleichem vergolten — auch wenn das starre Gesetz es anders sieht!"
„Dieser Hauptmann war schon einmal in meiner Hand — ich habe ihn laufen lassen, weil ich wußte, daß er dein Retter war. Ich habe dir das verschwiegen. Das war ein Fehler, den ich gut machen werde — um jeden Preis! Ich fasse diesen Preußen, koste es, was es wolle. Ein Schuft — ber sein Vaterland
. Sie lehnen also erneut auf das Entschiedenste Ü . Gemeinschaft mit der Sache dieses preußischen Kuners ab?" Die Frage des Kommissars an den £aron ist abschließend. „Sie bestreiten ferner, von ber geheimen Anwesenheit des Gesuchten in Ihrem Hause etwas zu wissen?"
Das Schweigen des Barons gilt als Antwort.
„Dann sehe ich mich gezwungen, Sie zu verhaften, bis die Angelegenheit ihre Aufklärung gefunden hat.
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