Ausgabe 
12.6.1933 Erstes Blatt
 
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Wachsende Spannung in Oesterreich

Aus der Provinzialhauptstadt

der

«Zte jungen Gemüfe

Vortrag. Um 15 Uhr folgt die Hauptversamm. lang.

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Hände a b und fügte ihm andere so schwere Ver­letzungen zu. baß er auf der Stelle tot war. Die Verkäuferin und drei Passanten wurden ver­letzt. Bisher konnte noch nicht ermittelt werden, ob der Sprengstosfüberfall zum Zwecke eines Raubes inszeniert worden war.

Spanische Militärflieger zum Ozeanflug gestartet.

Die spanischen Militärflieger Barberan und Collar sind Sonntag früh in Sevilla zum direkten Flug nach Kuba und Mexiko gestartet. Sie sollen versuchen, die Welthöchstleistung im Lang, streckenflug zu überbieten.

Ehemaliger Theaterlntendant verhaftet.

Der frühere stellvertretende Intendant des Alto, naer Stadttheaters, Hennung. ist auf Veranlas. suna der Staatsanwaltschaft verhaftet worden Ihm werden Darlehensbetrug und Unterschleife zur Last gelegt.

Aus aller Welt.

Sprengstoffanschlag auf ein Wiener Juwcliergeschäft.

In das Geschäft des Juweliers Rorbert Futler- weid in der Meiölinger Hauptstraße flog e l n i n Papier e i n g e w i ck e l t e r rauchender Gegen st and gerade in dem Augenblick in den Laden, als Futterweid mit einer Kundin wegen eines Schmuckstückes verhandelte. Futterweid wollte den Lxplosionskörper schnell auf die Straße wer­fen. In diesem Augenblick erfolgte die Ex­plosion. Sie riß dem Juwelier beide

jedem FaNe einzugreifen, wenn Menschenleben in Gefahr sind.

** Schulpersonalien. Dem Rektor Fried­rich Anton S P i e l m a n n wurde die Leitung der Berufsschule zu Bad-Rauheim und dem Rektor Adolf S t a u b a ch die Leitung -der Volksschule zu Bad-Rauheim mit sofortiger Wirkung ent­zogen. Der Berufsschullehrer Heinrich Philipp Wagner an der Berufsschule zu Bad-Rauheim. Kreis Friedberg, wurde mit der Wahrnehmung der Dienstgeschäfte des Rektors an dieser Schule und der Lehrer Richard W a l t e r zu Bad-Rau- deun mit der Wahrnehmung der Dienstgeschäfte des Rektors an der Bolksschule dortselost beauf-

** Blumenschmuckwettbewerb. Vom Verkehrsoerein wird uns geschrieben: Die Inter­essenten werden darauf hingewieer., daß Formulare für die Anmeldung zum Blumenschmuckwettbewerb bei dem Verkehrsbureau, Torhaus Seltersweg 8S zu haben sind.

** F a h rpreisermäßigung der Reichs, p o ft für llrlaubsfahrten nationaler Stampfer. Den Kämpfern der nationalen Ver- bände, die im Rahmen der Hitler-Spende vom Reichslandbund einen kostenlosen Erholungsurlaub erhalten, wird von der Reichspost bei der Hinfahrt zu ihrem Gastgeber «nd bei der Rückfahrt mit der Kraftpost eine Fahrgeldermäßigung von 50 o. H. ge­währt.

Oie Auffassung in Berlin

Vorwände zu neuen Ausnahmemaßregeln.

Oie deutsche Delegation in London eingetroffen.

L o n d o n, 11. Juni. (WTB.) Während d e r F ü h. " rAe F?.e u? f $ e n 2 6 1 e 9 a t i o n auf der Welt- wirtschaftskonferenz, Reichsaußenminister Frei- Herr von Neurath, bereits nachmittags auf dem Viktoria-Bahnhof in London eintraf, kamen die übrigen Mitglieder der deutschen Delegation mit ein. Uuninger Verspätung nach 22 Uhr an. Der deutsche Botschafter und der gesamte Stab der deutschen Bot- KW waren zur Begrüßung erschienen, desgleichen Vertreter des britischen Auswärtigen Amts, viele Mitglieder der deutschen Kolonie und Presse und zahlreiche Zuschauer. Die Mitglieder der Delegation darunter die Reichsminister Hugenberg und Gr af Schwerin-Krosigk und der regierende Bürgermeister von Hamburg, Krogmann be- gaben sich in das D o r ch e st e r - H o t e l, wo b;e deutsche Abordnung wohnt. Am Hotel sieht man die i^^osZweißrote Fahne neben den Flaggen Japans, Brasiliens, Hollands und anderer Staaten, deren Vertreter ebenfalls im Dorchester-Hotel abg'estiegen sind. Reichsbankpräsident Dr. Schacht war schon am Samstag mit dem Flugzeug D 786 auf dem Flugplatz in Croydon eingetroffen. Gleich.

** Schwerer Motorradunfall. Heute gegen 10 Uhr ereignete sich an der Ecke Neuenweg und Seltersweg ein schwerer Verkehrsunfall. Ein Motorradfahrer, der aus dem Neuenweg in den Sel­tersweg einbiegen wollte, geriet mit feinem Kraftrad gegen die Straßenbahn, die in der Richtung zum Marktplatz fuhr. Er stürzte, geriet unter den Wagen und erlitt einen Schädelbruch. Der bedauernswerte Mann wurde sofort durch die Freiwillige Sanitäts­kolonne in die Chirurgische Klinik übergeführt. Wie wir kurz vor Redaktionsschluß hören, handelt es sich bei dem Verunglückten um den 22 Jahre alten Schmied Wilhelm M o o tz aus Großen-Buseck.

' Beschäftigungsmöglichkeiten für 3ung leerer beim Arbeitsdienst. Die Reichsleitung für den Arbeitsdienst macht dar­auf aufmerksam, daß Junglehrer bis zu 25 Jah­ren im Arbeitsdienst Verwendung finden können, da der Arbeitsdienst für den staatspolitischen Unterricht Herren benötigt, die diese Dinge meistern. Man glaubt, daß gerade aus der Junglehrerschaft eine ganze Reihe von Lehrern für diesen Zweck gewonnen werden können. Es kann hinzugefügt werden, daß sich solchen Jung­lehrern, die sich dem Arbeitsdienst hierfür zur Verfügung stellen, später auch weitere Ent­wicklungsmöglichkeiten bieten. Es können sich selbstverständlich nur solche Herren melden, die bedingungslos auf dem Boden der Regierung Hitler stehen. Die in Frage kommenden Jung­lehrer können sich bei den Arbeitslagern melden.

** 6 0 Jahre Tierschutzverein f ü r Hessen. Am Sonntag, 9. Juli, fand in der Turnhalle am Woogsplatz zu Darmstadt die Feier des 60jährigen Bestehens des Tierschuhvereins für Hessen, verbunden mit der diesjährigen Hauptversammlung, statt. In der Jubiläumsfeier

fallen der letzten Zeit verwahrte sich Landesrat Leopold gegen den von verschiedenen Parteipoli­tikern und anderen gewissen Kreisen erhobenen Vorwurf des Hochverrats und gegen die unquali- fixierbaren Beschimpfungen der nationalsozialisti- schen Bewegung. Er stellt fest, daß er und Tausende anderer Anhänger des Nationalsozialismus als Frontsoldaten ihre Pflicht gegenüber Heimat und Vaterland restlos erfüllt und auch in der Nachkriegszeit aufopferungsvoll sich in den Dienst der Heimat gestellt hätten. Die Nationalsozialisten Oesterreichs seien zum minde­sten ebenso treue und gute Söhne des Vaterlandes wie jene, dexen Hauptziel in der Herabsetzung der Ziele der nationalsozialistischen Volksbewegung gipfelt.

Justizminister Schuschnigg sicherte dem Lan- desrat Leopold eine sofortige Ueberprü- fung der oorgebrachten Beschwerden und die Ab­stellung von Unzukömmlichkeiten zu.

Unzufriedenheit

der österreichischen Hoftliers.

Wien, 10. Juni. (WTB.) Der Z e n t r a l v e r - band der Hoteliers Oesterreichs hielt in Mekl an der Donau seine diesjährige Hauptver­sammlung ab. Es wurde eine Entschließung ange­nommen, in der es heißt, daß die Bedeutung der Sperre des deutschen Neisever- kehr s für Oesterreich von der Regierung anschei- nend unterschätzt werde. Die Nachrichten, die den Schaden durch die deutsche Ausreisesperre als nicht katastrophal und durch verstärkte Provaganda ausgleichbar bezeichneten, widersprächen den Tatsachen. Die Hauptversammlung richtet daher an die Regierung das dringende Verlangen, so- gleich bei der deutschen Reichsregierung vorstellig zu werden, um eine Aufhebung der Ausreise- sperre zu erreichen.

Berlin, 12. Juni. (ERD. Funkspruch.) Die Weltwirtschaftskonferenz versammelt sich, wie all­gemein zugegeben wird, in einer politisch we­nig günstigen Atmosphäre. Am Tage ihres Zu­sammentritts sind nicht nur die meisten politischen und wirtschaftlichen Probleme noch völlig unge­löst, deren Regelung als Voraussetzung für den Erfolg der Konferenz betrachtet wurde, sondern es haben sich auch neue bedenkliche Verwickelun­gen ergeben. Im Augenblick stehen die öster­reichischen Dinge im Vordergrund des eu­ropäischen Interesses. Die Politik des Sy­stems Dollfuß hat in Oesterreich eine Lage geschaffen, die immer mehr in einen unver­söhnlichen Kampf zweier Richtungen auszuarten droht. Die Anschläge in Inns» druck und Graz, deren Motive und Hinter» gründe bisher nicht bekannt sind, sind zweifellos Symptome her zunehmenden Verschär­fung der Gegensätze und es ist zu befürch­ten, daß sie, noch ehe die Täter überführt sind, einen Vorwand zu neuen Ausnahme­maßregeln geben werden, die zu allem anderen als zur Entspannung beitragen können.

Die planmäßige Ausschaltung einer großen Bewegung vom politischen Leben und ihre hart­näckige Bekämpfung mit arten Mitteln der inne­ren und leider auch der äußeren Polittk hat schon lange aufgehört, eine inneröster- reichifche Angelegenheit zu fein. Der österreichische Bundeskanzler und seine Mit­arbeiter haben es verstanden, überall die Kräfte wieder auf den Plan zu rufen, die Oesterreich seiner deutsch en Mission entfremden und z u einem Vorposten anderer Interessen machen sollen. Man hat den Eindruck, daß Oesterreich, um endlich die in Lausanne verein­barte Anleihe zu erhalten, in dieser Richtung immer neue Zugeständnisse machen muß und daß auch die angekündigte Einführung des Milizsystems weniger auf die Ab­rüstungskonferenz als auf den Existenzkampf der Regierung Dollfuß zurückzuführen ist, die sich damit überdies mitten in der Krise der Ab­rüstungskonferenz sichtbar von der deut­schen Politik distanziert. Die Rervosi- tat, die in Oesterreich zu herrschen scheint, muß für Deutschland ein Anlaß sein, mit um so größerer Ruhe die Entwicklung der Ereig­nisse zu verfolgen.

Protest -er NSDAP, beim Zustizminister.

Eine besonders werbende Veranstaltung stellte die Ausstellung der Hilfsgeräte der Freiwilligen Sanitätskolonne im Depot am Kanzleiberg dar. Dor dem Depot waren die Wagen der Ko­lonne aufgestellt, die sich in tadellosem Zustand präsentierten. Das Zelt, über das die Kolonne verfügt, war ebenfalls aufgebaut worden. In den Räumen des Depots wurden die vielerlei Hilfs­mittel gezeigt. Hier fand man eine Reihe inter­essanter Modelle vor, die in fleißiger Arbeit von den Mitgliedern der Sanitätskolonne angefertigt worden waren. Ferner waren die Krankenpflege- Hilfsmittel ausgestellt, die leihweise an private Haushalte gegeben werden können (die Sanitäts- kolonne verfügt allein über 18 Kranken-Fahr- stühle) und sehr gerne und häufig in Anspruch genommen werden. Man konnte sich weiter von der vorzüglichen und vollständigen Ausrüstung für erfte Hilfe bei Llnglücksfällen überzeugen. Beson- deres Interesse erweckten die Gasschuhgeräte, die in jüngster Zeit vervollständigt worden sind und in drei Graden beschafft wurden. Eine sehr wert­volle Anschaffung bedeutet das Gasschuhgerät lll das den Helfer von einer Luftversorgung aus der natürlichen .Umgebung vollkommen unabhängig wacht. Die modernen Wiederbelebungsapparate j und die Lehrmittel, die zum Zwecke der Ausbil­dung der Sanitätsmannschasten beschafft wurden vervollständigten die aufschlußreiche Ausstellung' Die Schau ließ erkennen, daß der Sanitätsko­lonne auch für größere Unglücksfälle alle Mittel an die Hand gegeben sind, die es ermöglichen, in

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

! CO Klein-Linden, 11.Juni. Das 5jährige Söhnchen des Wilhelm Müller, dahier, lief seiner zehnjährigen Schwester, die mit Kartoffelhacken be­schäftigt war, während der Arbeit in den Weg und wurde von dieser so schwer mit der Hacke am Hinter­kopf getroffen, daß ärztliche Hilfe in Anspruch ge­nommen werden mußte.

OHvlzheim, 12. Juni. Großes Leid kam über die Arbeiterwitwe Wagner. Ihr sechsjähriges Söhnchen Reinhold, ein sehr lebhafter Junge, machte sich an derWäschbach , einem zwei Meter tiefen Weiher am südöstlichen Ortsausgang, zu schaffen. Obwohl er gewarnt wurde, spielte er weiter und fiel hinein. Beim Wasserholen entdeckte ihn ein Land­wirt, und der vorüberkommende Händler Karl Jung zog ihn sofort heraus. Aber alle Wieder­belebungsversuche auch von feiten des rasch herbei­geeilten Arztes konnten ihn nicht mehr in das Leben zurückrufen. Vor V/a Jahren starb der Vater des Verunglückten und hinterließ vier vorschulpflichtige Kinder. Dieser Tage starb der langjährige Kirchengemeindeoertreter Gg. Chr. Jobs. Engel I. Der bald 89jährige war nicht nur der ä Hefte hiesige Einwohner, sondern auch Aeltester im ganzen Kirchspiel.

Musik im Morgengrauen.

Die Städter sind geplagte und gehetzte Menschen. Sie haben wenig Zeit für die kleinen Schönheiten am Wege, finden so selten frohes Erlebnis neben dem Alltag. Man darf sich darüber nicht wundern, denn die Stadt und ihr Steinmeer sind sich fast immer gleich, tragen im Winter und Sommer ein ähnliches graues Gesicht. '

Nur selten lächelt die Stadt. Dann ist da plötzlich ein lustig bunter Vorgarten, ein grüner Park mit dem Schatten alter Bäume und mit weiten Wiesen­flächen, über die verschwenderische Hände gelbe Butterblumen und weiße Gänseblümchen streuten, und buntbeetige Anlagen inmitten des hastigen Verkehrs, auf denen duftende Blüten mit tausend Zarten Farben winken. Und manchmal geschieht es, daß auch der, der nicht hinauskommt in den Som­mer, der kaum noch weiß, daß es jetzt draußen rauschende Wälder und verträumte Waldseen gibt, mitten in der grauen Stadt plötzlich und überzeu­gend den frühen Sommer mit all seiner verschwen­derischen Schönheit erlebt.

Etwa dies: Ich fahre auf aus schwerem Schlaf. Es ist ganz früh, langsam schwimmen fünf Schläge einer Turmuhr von irgendwoher. Die Firste der Dächer sind wie vergoldet von dem Schimmer eines ersten Leuchtens, die Straße ist ganz still, nur der Morgenwind huscht über den Himmel, der von einer duftenden Blässe ist. Und in diese feierliche Stille tönt Musik aus dem großen Garten von gegen­über. Eine unglaublich süße und unglaublich zärt­liche Musik schwingt sich über die betauten Büsche, den glitzernden Rasen, erfüllt den frühen Morgen mit einer wunderbaren und märchenschönen Melo­die. Eine Nachtigall singt. Ein kleines, unschein­bares Vögelchen, das hier inmitten der Steinkästen, der Telefondrähte, der Schlote und Antennen mu­siziert, schluchzt und pfeift, weint und lockt und ju­belt. Eine Nachtigall singt. Singt der Nacht einen wehen Abschied und dem Morgen einen ersten und herrlichen Willkomm. Unruhig ist die Stadt und überlaut, aber diese letzte halbe Stunde zwischen Traum und Tag gehört der Nachtigall ganz allein, gehört ihrer wilden, kleinen Sehnsucht und dem Ueberschwang ihres klopfenden Herzens. Sie singt | und singt und ich stehe ganz still am Fenster, und zu mir kommt ein Erlebnis, das gehört nicht zur Stadt, nicht zum Brausen der Straßen, nicht zum grauen Werktag und nicht zum Beruf, das ist überhaupt in keiner Weise einzuordnen ist in die Welt des Alltäglichen, denn es führt darüber hinaus in den Sommer und noch weiter dahin, wo das Sehnen wohnt und die ewige Ferne ...

Oer Deutsche Rotkreuziag in Gießen.

Wien, 10. Juni. (WTB.) Der Gauleiter ... NSDAP, für Niederösterreich Landesrat Leo­pold, führte gestern beim Justizminister Dr. Schuschnigg Beschwerde über d i e Behänd- lung der Nationalsozialisten durch die Behörden. Auf Grund von stichhaltigen Unterlagen forderte er die Entlassung einer größeren An­zahl seiner Parteigenossen aus der Untersuchungs- haft, da diese unbegründet und somit ungerecht­fertigt sei. Angehörige des Starhem- berg-Heimatschutzes, die sich nachgewieße- nermaßen schwerer körperlicher Verletzungen schul­dig gemacht haben, seien aus freiem Fuß be- lassen worden. Im Zusammenhang mit den Vor-

Der Zweigverein des Roten Kreuzes in Gießen hatte für den diesjährigen Deutschen Rot-Kreuz-Tag alle Vorbereitungen getroffen. Der Tag litt leider unter dem ungünstigen Wetter. Der Regentag hatte wohl viele Bürger veranlaßt, zu Hause zu bleiben, so daß die Sammler des Roten Kreuzes fein so reiches Feld der Betätigung vorfanden, wie man es erhofft hatte. Vor allem war der Ausfall der beiden Konzerte, die auf dem Hindenburg-Wall statt­finden sollten, der Sammlung sehr abträglich. So­wohl das Konzert der SA.-Kapelle, wie auch das der Militärkapelle mußte des Regens wegen abge- . - . -- ------------------

sagt werden. Die SA., der Stahlhelm, die Mit- 11 vormittags halt der erste Vorsitzende glieber der Freiwilligen Sanitätskolonnen sowie des Vereins, Oberschulrat Ringshausen, eine Mitglieder derJugendbünde hatten sich selbstlos für Ansprache und Oberreallehrer Frank den Fest- die Sammelarbeit zur Verfügung gestellt. hAr rn/1 w Ä r

Zeitig mit ihm traf der österreichische Bundeskanzler Dollfuß in Begleitung des Fürsten Schwarzen- berg ein.

Mißglückte Anschläge auf zwei österreichische Politiker.

Wien, 12. Juni. (IM.) Am Sonntag sind in Oesterreich Anschläge auf zwei bekannte Politiker verübt worden. Rach einem Bericht aus Innsbruck wurden auf Dr. St ei öle, Öen bekannten Ti- roter heimwehrführer, als er vor seinem Hause anlangte, aus einem Auto rasch hinter- einanöer mehrere Schüsse abgegeben. Einer öer Schüsse verletzte Dr. S t e i ö l e am Mnterarm. Der Kraftwagen hatte eine verschnürte Rümmer, so daß öas Kennzeichen nicht genau festgestellt werben konnte. Bisher ist weöer bas Auto fejtgeftdlt wor­den noch irgenöein Anhaltspunkt über die Täter vorhanden.

Rach einer anderen Meldung aus Kirchborf bei Druck an der Mur ist nur durch einen Zufall ein Anschlag auf Öen Steirer Lanöeshauptmann und früheren Minister Dr. Rintelen mißglückt. Ls war bekannt, bah Dr. Rintelen eine bestimmte Strafte bei feiner Rückfahrt benutzen roüröe. Auf dieser Strafte explodierten kurz vor dem Pas- fieren des Kraftwagens zwei mit Ammonit ge füllte Röhren. Landeshauptmann Dr. Rin­telen erklärte, haft er die Rachricht von der Explo­sion erst erhalten habe, als er die Stelle be­reif© passiert hatte. Man könne sich im gegen­wärtigen Zeitpunkt vor dem Abschluß öer behörö- Uchen Untersuchung noch kein Bilö über öas Atten­tat machen. Er wollte es öahingestellt sein lassen, ob der Bombenanschlag ihm galt, ^ebenfalls sei es haarsträubend, daß sich solche Dinge in Oesterreich ereignen können. Es werbe Sache der Regierung hierbei sein, hier mit rücksichtsloser Strenge einzu- f chr eiten.

Oer Anschlag aus Steidle.

Innsbruck, 12. Juni. (WTD.) Zu dem An­schlag auf Dr. Steidle werden folgende Einzelhei­ten bekannt: Landesrat Dr. Steidle hatte am Sonntag in Begleitung des Tiroler Gendarmerie­kommandanten mehrere Stationen der neuen Hilfs- Polizei im Tiroler Unterland inspiziert. Als sein Auto um 22 Uhr vor seinem Wohnhaus ankam und Dr. Steidle eben aussteigen wollte,

krachten plötzlich 5 bis 7 Schüsse. Sie waren aus der Richtung eines blauen Steyrwa- gens abgefeuert worden, der auf der gegen­überliegenden Straßenseite imDun- k e l n stand. Die Erkennungszeichen des Autos konnten nicht festgestellt werden. Gleich einer der ersten Schüsse dürften Dr. Steidle in den Arm getroffen haben. Dr. Steidle erlitt einen komplizierten Splitterbruch in der Ellen­bogengegend. Der Chauffeur Dr. Steidles feuerte dem davonfahrenden blauen Auto nach, scheint aber nicht getroffen zu haben.

Wie die Amtliche Nachrichtenstelle meldet, ist auf der Straße Innsbruck-Mittenwald zwischen Seeselb unb bem österreichischen Gr^izort Scharnitz auf österreichischem Gebiet urz vor Scharnitz ein herrenloses Auto auf» gefunben worben. Es entspricht der Beschrei­bung bes Wagens, ber zu bem Anschlag auf Dr. Steible benutzt würbe. Ein Versuch, bie verschwun- benen Insassen auszusinben, blieb vergeblich. Wie berMorgen" zu berichten weiß, ist aus ber Umgebung bes anläßlich ber Eröffnung ber Welt­wirtschaftskonferenz in Lonbon roeilenben Bunbes- kanzler Dr. Dollfuß in einem Ferngespräch mit­geteilt worben, baß wegen ber letzten Terrorakte mit einschneibenben Maßnahmen z u rechnen sei, über bie bereits in ben nächsten Stunben näheres bekannt gegeben würbe.

Nach einer privaten Meldung aus Innsbruck wurde in der Nacht durch die Hilfspolizei das Innsbrucker Braune Haus besetzt und sämtliche Anwesende verhaftet. Ebenso wurde ein bekanntes Verkehrslokal der National­sozialisten besetzt. Die Tiroler Heimwehren kün­digen an, daß im Laufe der Nacht (zum Montag) sämtliche nationalsozialistischen Führer von Tirol verhaftet werden sollen.

Wieder die alte Uniform in Oesterreich.

Wien, 11. Juni. (WTB.) Das österreichische Bundesheer hat heute zum erstenmal wieder d i e alte österreichische Uniform getragen. Vizekanzler Dr. Winkler kündigte die Einfüh­rung des Milizheeres für September an. Ein ober mehrere Mitglieber ber Heeres-Komuus- fionen bes Auslanbes würben sich ooraussichUich noch in ben Sommermonaten nach Wien begeben, um hier mit ber Sunbesregierung unb bem Heeres- minifterium über bie Formen ber allgemeinen Wehrpflicht zu verhanbeln.

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