Ausgabe 
12.6.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 134 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Montag, 12. Mi 1YZ3

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvck eitb Verlag: vrLhl'sche Univerfitälr-Vuch' und Steinbrutferei R. Lange in Gietzen. Zchnftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

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Chefredakteur

Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein undfür denAn» zeigenteil i. D.Th.Kümmel sämtlich in Dietzen.

Oer Kolonialgedanke marschiert.

Glänzender Verlauf der Frankfurter Kolonialtagung. Zusammenschluß aller kolonialer Vereine zum Reichskolonialbund.

WSR. Frankfurt a. M.. 11. Juni. Die in der Kolonialen Reichsarbeitsge- m e i n f ch a f t Ausammengefchlofsenen Verbände unter dem Vorsitz von Gouverneur a. D. Dr. Schnee beschlossen einstimmig die Errichtung eines Veichskolonialbundes, dem alle bisher der Kolonialen Reichsarbeitsgemeinschaft zugehörigen kolonialen und kolonialinteresfierten Verbände angehören. Präsident des Reichskolo­nialbundes ist der jeweilige Präsident der Deut­schen Kolonialgefellschaft, der feine stellvertreten­den Präsidenten ernennt. Reben Gouverneur Dr. Schnee werden in Zukunft Reichsstatthalter Ritter von Epp und S. H. der Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg das Präsidium des Reichskolonialbundes bilden. Die Führung der Kolonialpolitik liegt in Zukunft aus­schließlich bei dem Präsidenten. Ihm steht ein ständiger Arbeitsausschuß zur Seite. Entsprechend dem Zusammenschluß der Kolonial­verbände im Reichskolonialbund sollen auch die örtlichen Abteilungen und Vereine unter dem Ramen Ortsverband des Reichskolo­nialbundes zusammengeschlossen werden.

Der Abend vereinigte dann die Deutsche Kolo- nialgesellschast mit allen ihren Tlntergruppen im Zoologischen Garten zu einer großen Kundge­bung für den Kolonialgedanken. zu der auch die Reichsstatthalter Exzellenz General R i t t e r v o n Epp und Sprenger erschienen waren.

Professor Or. W.Behrmann

von der Frankfurter Universität betonte, daß das deutsche Volk erst dann endgültig aus seiner Krise herauskommen könne, wenn es wieder Kolo­nien haben werde. Der Redner entwickelte dann ein Bild von den Handelsmöglichksiten mit den Ko­lonien, die im letzten Rechnungsjahr einen Um- faß oon nahezu einer halben Mil­liarde Mark erzielt hätten, obwohl sie gegen- wörtig durch die Mandatsmächte nicht bis zum Ronde der Möglichkeiten ausgenutzt würden. Aber nicht Handelsvorteile und die Sucht nach Welt- achtung seien die Triebfeder für die Bestrebungen zur Rückgewinnung der Kolonien, sondern der Wunsch, der Jugend Arbeit und einen Wirkungskreis zu geben.

Exzellenz Schnee

führte bann aus, daß vor 51 Jahren in Frankfurt am Main die Deutsche Kolonialgesellschaft g e grün, bet worben fei. Von Frankfurt aus sei der Kolv- nialgeDante ausgegangen, ber dahin führte, dag Deutschland in die Kolonialpolitik eintrat. Jetzt, nach 51 Jahren habe sich die Kolonialgesellschaft n e u organisiert. Die in der Reichskolonialarbeits­gemeinschaft zusammengeschlossenen Verbände hätten sich zum Reichskolonialverba n d z u i a m- m en gefunden. Durch diese Vereinheitlichung in der Führung der kolonialen Fragen werde die Hofs» nung gestärkt, daß das Ziel sch n e IIe r und besser erreicht werde. Deutschland befinde sich gegenwärtig in einer ähnlichen Lage wie vor 51 Jahren, denn jetzt habe Deutschland auch keine Ko­lonien, aber dazwischen liege die Zeit, in der Deutsch­land über Kolonien verfügt und die den Beweis er­bracht habe, welche Vorteile mit dem Besitz der Kolonien verbunden seien.

Reichsstatthalter

Exzellenz Ziffer von Epp trat, wie seine beiden Vorredner, ebenfalls für die Wiedergewinnung der deutschen Kolonien ein Die Reichsregierung selbst könne im gegenwärtigen Augenblick nicht so aktiv für diese Forderung ein- treten, wie es wünschenswert sei, aber fie : feii tm Augenblick zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt. Aber den Kolonialoerbänden und dem Volke komme daher jetzt in verstärktem Maße die Aufgabe zu, sehr wichtige Vorarbeit zu tun. Das könne In erster Linie durch Kundaebungen geschehen, in denen das Volk verlange, daß es w i e der in den Besitz ber bem Deutschen Reiche ent- risse nen Kolonien zu kommen wunicht und baß immer unb immer wieder betont und bewiesen wirb, daß das deutsche Volk nicht wieder voll orn- men frei und seine Wirtschaft nicht wieder vollkorn- men aufrichten kann, wenn ihm seine Kolonien noch weiter vorenthalten werden Wenn dieser Wille des Volks klar und lebhaft in die Erscheinung trete, dann könne auch zu gegebener Zeit die Regierung au- ihrer Reserve heraustreten unb sich bem Ver­langen bes Volkes anschließen. Es gelte also den Kolonialgedanken, der jetzt in Frankfurt prn Main durch den Zusammenschluß der Kolonial- gesellschaften neuen Austrieb erhalten habe weiter zu pflegen, damit er schließlich dem helhersehn. tcn Ziele zuaeführt werden könne.

Der gemeinsame Gesang des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes schloffen die eindrucksvoll«^Kund­gebung. An den Reichspräsidenten v. H'ndenburg, an den Reichskanzler Adolf Hiller, an den Minister- Präsidenten Göring und an den RelchsaußenmiNister Freiherrn von Neurath wurden Huldigungs­telegramme gerichtet.

Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellfchafl

Auf ber Hauptversammlung ber Kolonial- aesellschaf t führte Exzellenz o o n Schn e e aus, paß das Ziel ber Deutschen Kolonialgesellschaft bie

Wiebergewinnuna unserer Kolonien sei. Dis bahin gelle es, bie beutfdjen Schulen, wie deutsches Volks­tum überhaupt in den ehemaligen Kolo­nien z u erhalten. Wertvollste Pionierarbeit leiste hier die deutsche KolonialschuleinWit- zenhausen. Die endlich erreichte nationale Ge­schlossenheit unseres Volkes werde auch dem Kolonial- gedanken neuen Auftrieb geben. Auf ber la­gt'ng bes Weltverdanbes ber Völker- b unbsgef eIHtbaf ten in Montreux, bei ber ber Rebncr Deutschland vertreten hatte, habe sich eine zweifellos gebesserte Situation unserer außenpolitischen Lage ergeben, die erhoffen lasse, daß die deutschen kolonialpolitischen Forderungen dem- nächst auch im Auslande wieder 23er- ständnis finden werden.

Im Anschluß hieran erstattete der Generalsekretär Düns den Jahresbericht, in bem Klage über tarken Mitgliederschwunb geführt ist. Es stehe zu hoffen, baß sich im Zuge ber Zeit insbesondere d i e Jugend aktiv für den Kolonialgedanken einsetzen werbe. Zu Ehrenmitgliebern wurden er­nannt: Gouverneur Freiherr oon Rechen- berg, Berlin, Oberstleutnant a. D. v o n R a m s a y, Berlin, von St. Paul-Jllaire, Berlin, Ge­neral Rochus Schmidt, Berlin, Oberbürger- meister Dr. Tettenborn, Berlin. Die Ehrenpla- kette wurde an Reichsfinanzrat Dr. Iacobi, Pots­dam, verliehen. Als nächsten Tagungsort nahm die Versammlung Breslau in Aussicht.

Tagung des Frauenbundes der DeutschenKolonialgefellschafi

Am Samstag vormittag hatte der Frauen­bund getagt Die Führerin, Frau v. Boemcken, hatte recht eindringliche Worte dafür gefunden, wie notwendig es sei, den schwer um ihr Volkstum ringenden Afrikadeutschen nach bellen Kräften bei- zustehen. Seit 26 Jahren verhilft Der Bund jungen Mädchen unb Frauen zur Auswanderung nach Afrika. Farmen unb Pflanzungen werden mit Zeit- chriften unb Büchern versorgt. Frau M a a g, bie Vertreterin bes Gauoerbandes Südweftafrikas, er­zählte von ber großen allgemeinen Freude ber Deutschen in Afrika über bie nationale Erhebung. Professor Kuhn-Gießen berichtete, wie durch die Arbeit des Bundes auf afrikanischem Bo­den ein rassebewußtes deutsches G e- schlecht entstanden sei, besten Nachwuchs mit allen Mitteln beutsch erhalten werden müsse.

Heute wachsen leider noch Hunderte von deutschen Kindern ohne Schulunterricht in Afrika auf.

25-Zahr-Zeier des Kolonialkriegerdank.

Am Sonntag fand im Kasinogebäude der IG.- Farben AG. eine Gedenkfeier aus Anlaß der Voll­endung von 25 Arbeitsjahren der Stif­tung Kolonialkriegerdank statt. Der Prä­sident des Kolonialkriegerdank, S. H. Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg gab einen Ueberblick über die Arbeiten des Kolonial- kriegerdank zum Besten der Kolonialkrieger und ihrer Angehörigen vor dem Kriege, der durch den Krieg in Not geratenen Kolonialdeutschen und des Deutschtums in den Kolonien. Er forderte zur wei­teren Mitarbeit und Unterstützung auf. Begrühungs- worte sprachen I. H. Herzogin Adolf Fried- richzuMecklenburg, Vorsitzende des Frauen- Vereins vom Roten Kreuz für Deutsche über See und Frau v. Boemcken, Vorsitzende des Frauen­bundes der Deutschen Kolonialgesellschaft. Es folgte eine Ansprache des Reichsstatthalters v. Epp, Prä­sident des Deutschen Kolonialkriegerbundes, an die sich das Flaggenlied anschloß. Dann sprach Gouver- neur Dr. Schnee als Präsident der Deutschen Ko- lonialgesellschaft. Das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied bildeten den Abschluß der ein­drucksvollen Feier.

QIn bem schlichten Mahnstein für bie beutschen Kolonien in ben Hohenzollern-Anlagen fand aus Anlaß der Reichskolonialtagung eine Ge­denkfeier an bie beutschen Kämpfer in den Kolonien statt. Trotz strömendem Regen hatten sich zahlreiche Menschen Der- sammelt. Dr. Klingharbt sprach Worte des Gedenkens an bie Verteidiger der deutschen Ko­lonien und gelobte, daß das deutsche. Volk nicht rasten werde, bis die Kolonien wieder deutsch seien- Zahlreiche Kränze wurden niedergelegt.

Kundgebung am deutschen Rhein. Zum Abschluß der Reichskolonialtagung fand i n (Bingen eineKundgebung am deutschen Rhein" statt, die Abordnungen der nationalen Verbände aus (Bingen und Umgebung mit den Teilnehmern an der Tagung zu dem Vekenntnis für deutsche Freiheit um die Wiedergewinnung der verlorenen Gebiete an den Grenzen und in Uebersee vereinigte.

Der Heubau der Evangelischen Kirche.

Berlin. 10.3uni. (TU.) Wehrkreispfarrer Müller empfing einen Vertreter der Tele- graphen-Union zu einer Unterredung Eine Reihe von formulierten Fragen wurden von Professor Hirsch im Auftrage des Wehrkreispfarrers Müller wie folgt beantwortet:

Frage: Wie beurteilen Sie, nach der De- ftcllung D. von Vodelschwinghs die recht­liche Lage in Anbetracht der Tatsache, daß das Amt eines Reichsbischofs weder in der bis­herigen Kirchenverfafsung noch in den bisherigen Staatsverträgen mit der Kirche vorgesehen war?

Antwort: Die Ernennung eines Reichsbischofs bedeutet eine Aenderung der Kirchen- bundesverfassung; diese ist nur möglich durch ein Kirchengesey. Es kann nach geltendem Recht nicht durch einfachen Deschluß ber Kirchen erlassen werben. Wir haben bemnach keinen legalen, sonbern einen revolutionärenAkt vor uns. für ben der Schutz des Art. 137 der Reichsverfassung (Gewährleistung der kirch­lichen Selbstverwaltung ufto.) nicht in A n - sprach genommen werden kann. Dagegen bleibt in dem Augenblick, in dem die Kirche ihren eigenen legalen Doden verläßt, der Staatsaufsicht das Recht der Rach­prüfung, ob alles ordentlich und ehrlich im Sinne des Kirchenvolkes geschehen ist. Hinzu- kommt, bah ber Reichsbischos innerhalb der preußischen Kirchen nicht handeln darf, weil diese durch den Kirchenvertrag verpflichtet sind, bei der Wahl ihrer Führer an den Staat die Frage zu richten, ob politische (Be­denken vorliegen. Eine Reuordnung der kirch­lichen Verhältnisse seht die Gewißheit der Zu­stimmung des gesamten Kirchenvolkes sowie die Zustimmung des Staates voraus. Das letztere um so notwendiger, als gerade der Führer dieses neuen Staates von vornherein zu er­kennen gegeben hat, daß ihm am Segen Gottes gelegen ist und er die religiöse Kraft stärkstens bejaht.

Frage: Richtet sich ber Einspruch ber Glaubens- dewegungDeutsche Christen" nur gegen Die Derfahrensart ber Bestellung Pfarrer von Bobelschwinghs zum Reichsbischof ober auch gegen seine Person dzw. bie Richtung, bie er vertritt?

Antwort: Die Person D. von Bobelschwinghs ist uns ehrwürbig, wie jedem evangelischen Christen. Was uns an feiner Person mangelt, ist dies, daß er der Repräsentant nicht ber in ber gegenwärtigen Stunde roagenben Kirche ist, sondern ber wah­re n b e n Kirche. Der besonderen Bedeutung in dieser Stunde wirb Dagegen nach unserer lieber- zeugung Wehrkreispfarrer Müller gerecht. Er ist ein Mllkämpser ber neuen Volksbewegung unb ge­

niest bas hohe persönliche Vertrauen bes Führers. Er kommt aus ber härteren Atmosphäre der für bie deutsche Zukunft kämpfenden Männer und Jungen. Alle Fürsorge (Karitas) ist Hilfe, bie notwendig ist. Grundlegend aber ist bie Durch- glühung ber gegebenen deutschen Wirklichkeit und ber Männer, bie sie tragen, mit ber Kraft bes Evange­liums.

Frage: Welche religiösen Ziele haben Sie im Gedanken an bie Reichskirche im Auge? Wie benten Sie sich vor allem im Ziele das Verhältnis ber bcub schen Katholiken zu dieser Reichskirche?

Antwort: Die Deutsche Evangelische Kirche soll alle evangelischen Deutschen sammeln, und wir wollen natürlich, daß die innere Verbindung zivi- schenderVolksbewegung und dem G e i st e des Evangeliums lebendig ist. Das bedeutet in keiner Weise bie Forderung an Katholiken, eoan- gelstch zu werden. Wir ringen aufunjerem Bo- Öen um die Durchdringung des Volkes mit bem Geist des Evangeliums. Die Verantwortung für Menschen, bie auf das Wort einer anderen Kirche hören, wollen und können wir nicht übernehmen.

Frage: Welche Rolle spielt nach Ihrer Ansicht im geiftig-religiöfen Kampf der Staat? Halten Sie insbesondere den moralischen Einfluß der float- lichen Macht oder sogar ein direktes Eingreifen des Staates, in die Auseinandersetzung über den Sinn und die Ausgabe der Kirche für vertretbar?

Antwort: Diese Frage ist im wesentlichen be­reits unter 1 beantwortet. Wir wollen eine eigen st ändige, aber lebensoerbunbene Kirche. Wir wenden uns Dagegen, Daß Die Formel der Selbständigkeit der Kirche benutzt wirb, um die Kirche abzuklemmen von der gegenwärtigen leben­digen Volksbewegung.

Das Kirchenbundesamt jur Unter­redung mit Wehrkreispsarrer Müller

(Berlin, 10.3uni- (XH.) Zu ber Unter­redung bes Wehrkreispfarrers Müller mit einem Vertreter ber Telegraphen-Tlnion wirb vom Deutschen Evangelischen Kirchenbunbesamt mit­geteilt:

Gegenüber ber in ber Oeffenllichkeit aufge­stellten Dehauptung, bah bie Ernennung eines Reichsbischofs eine Aenberung ber Kir - chenbunbverfafsung bebeute, wirb von maßgebender kirchlicher Seite darauf hingewiesen, daß die Berufung des Reichsbifchofs a u Grund der Loccumer Vereinbarun­gen erfolgt ist. An diesen Vereinbarungen (modus procedendi) hat Wehrkreispfarrer

Müller mitgewirkt und sie durch feine Unterschrift bestätigt

Wenn weiterhin bestritten wird, daß für die Ernennung des Reichsbifchofs der Schutz des Artikels 137 der R e i ch s v c r f a s s u n g nicht in Anspruch genommen werden könne, so ist demgegenüber auf die amtliche Darstellung der Loccumer Verhandlungen (kirchliches Weiß­buch) zu verweisen, in der es u. a. heißt:

Die Frage von Wehrkreispsarrer Müller, ob nicht eine Mitwirkung ober gar Zustimmung bes Reiches bei bem Reichsbischof in Betracht komme, wurde von den kirchlichen Bertretern mit (Ent- d) i c b e n b c i t verneint. Der Artikel 137 ber Reichsverfassung gewährt ben Religionsgesellschas- ten des öffentlichen Rechts bie Freiheit in ber Besetzung ihrer 21 em ter unter aus- brücklicher Hervorhebung, baß eine Mitwir­kung bes Staates ober ber bürgerlichen Ge- meinbe bei der Verleihung nicht in Frage komme. Der Hinweis auf bie durch Staatswrtrag geschaffene, sogenannte- politische Klausel wurde damit zurückgewiesen, daß es sich bei dieser um eine vertragliche Ber ein b a r u n g als Gegenleistung für anderweitige Zu­ngen handele, «solange eine solche vertragliche Regelung mit dem Deutschen Evangelischen Kirchen­bund nicht vor liege, gelte für diesen bfr Artikel 137 der Reichsverfassung uneingc- ch r ä n k t. Der Bevollmächtigte des Reichskanz­lers erkannte diesen Rechts st andpunkt an. . .

Es ist daher völlig unzutreffend, wenn in der Oeffenllichkeit behauptet wird, die Wahl des Reichs­bischofs sei von ber Zustimmung bes Reiches ab- hängig gemacht worben.

Daß sich bie Kirche burch Bestimmung D. von Bobelschwinghs zum Reichsbischos nicht von ber gegenwärtigen lebenbigen Volksbewegung" ab­drängen läßt, dafür zeugen die gerade in den letz- ten Tagen eingegangenen ungezählten Z u st i m - mungsertlärungcn non national- sozialistischen Pfarrern, Gemeinde- gruppen und Kirchengliebern, die sich eindeutig unter zum Teil unter Hinweis auf ihre Zugehörigkeit zur GlaubensbewegungDeutsche Christen" hinter D. von Bodelschwingh stellen." Pfarrer Traub fordert einen Sier- jahresplan für Sodelschivingh. München, 10 3uni. (TTl.) D. Traub, München, veröffentlicht in denEisernen Blät­tern", deren Herausgeber er ist, einen off e * nen Brief an Professor D. Hirsch. Göttingen, in dem er sich ganz entschieden gegen eine Urabstimmung in den ein­zelnen evangelischen Kirchengemeinden über Den Reichsbischof wendet. D. Traub sagt u. a.: (Bon Ihren konservativen Voraussetzungen aus. hochgeehrter Herr Professor, darf Masse nicht aufgerufen werden Lassen Sie einem Mann wie Bodelschwingh denn er ist ein Mann Zeit, zu zeigen, was er kann. Gönnen Sie ihm doch einen V i e r j a h r e s p l a n. Ich bin gewiß, daß nach vier Iahren die wirklich kirchlichen Kreise keine Wahl mehr ver­langen- Heute mühte man einen Mann in Deutschland begrüßen, der das Allerselbst- ver stündlich st c sagte, nämlich, die evange­lische Kirche ist die Kirche Christi und der Reformatoren, aber nicht die der Rationalsozialistischen Arbeiterpartei Deutsch­lands. Wir sind überzeugt, daß wir Damit auch Die Heberzeugung des Reichskanz­lers selbst vollständig wiedergeben."

Eine Kundgebung der Deutschen Christen.

Wittenberge, 12. Juni. (CNB.) In einer Kundgebung ber GlaubensbewegungDeutscher Christen" sprach ber Reichsleiter, Pfarrer Hof­fen f e l b e r - Berlin, über bie kirchenpolitifche Lage. Pfarrer Hossenfelber betonte u. a.:Wir Deutschen Christen wollen eine Sturmdr.ücke fein für die Zeit, die jetzt angebrochen ist. Wenn wir begriffen haben, was die Aufgaben ber neuen Zeit finb, bann finb wir Hüter unb Träger ber Nation, denn Volk und Kirche gehören zusammen. Aber wie das Volk sich nicht ber Kirche entziehen darf, eben- sowenig darf sich bie Kirch? bem Volke entziehen. Die Glaubensbewegung der deutschen Christen wolle die Kirche nicht vernichten, sondern Staat unb Kirche retten unb sie werbe s i ch darin nicht beirren lassen, oon den bürgerlichen Menschen von Gestern, bie keine Zukunft mehr hätten. Es gehe um zwei Weltanschauungen: um bie Gottlosigkeit, bie im Marxismus unb Liberalismus groß gewor­den fei, die kein Volk, kein Vaterland, keine Fami­lie, keinen Mut, feine Ehre, keine Liebe und Glau­ben kenne unb Darüber auch bie Arbeit verloren habe. Dieser Anschauung setzten bie deutschen Chri^ sten den Glauben an Gott unb an Chri - ft u 5, ben Glauben an Volk unb Vater- l a n b entgegen, weil sie erkannt hätten, daß biefelbe Sprache, dasselbe Blut, derselbe Glaube und das­selbe Schicksal die bindenden Kräfte seien für ben Aufbau der Nation. Die Rasse schaffe das Volk, das Evangelium schaffe bie Kirche. Das Evan­gelium fei die Antwort Gottes und unantastbar. Weil wir Volk und Kirche zueinander bringen wol­len, deshalb nennen wir uns deutsche Chri­sten und deshalb wollen wir eine große Kirche schaffen. Es wurde eine Entschließung angenommen, er des es heißt:Wir fordern einmütig, daß Der Wehrkreispfarrer Müller, getragen vom Ver­trauen ber evangelischen Bevölkerung, Reichs- bifchof Der Evangelischen Kirche merDe,