Nr. UV Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefienl
Freitag, (2. Mai M3
Oberheffen.
Landkreis Gietzen.
d. Heuchelheim, 11. Mai. Dieser Tage fand die erste Sitzung des neu gewählten Gemeinderates statt. Die sechs zur NSDAP, gehörenden Gemcindevertreter versammelten sich in der Wohnung des Bürgermeisters, von wo aus sie, gemeinsam mit Bürgermeister und Beigeordneten sämtlich im braunen Ehrenkleid, im feierlichen Zug zum mit Tannengrün und den Reichsfahnen geschmückten Rathaus marschierten. Der Sitzungssaal war ebensalls festlich mit Tannengrün, Blumen, Fahnen in den Rcichssar- fen und mit den von privater Seite gestifteten Bildern des Reichspräsidenten v. Hindenburg und des Bolkskanzlers Adolf Hitler geschmückt. Bürgermeister Rinn eröfsnete die Sitzung mit einer Ansprache, in der er ausführte, dah die Gleichschaltung, auf Grund deren die neue Gemeindevertretung gewählt sei, den Zweck habe, daß in den Gemeinden die Durchführung des Willens der Reichsrcgierung gesichert sei. Er ermahnte die Gemeindevertreter, dem Willen der Reichsregierung gerecht zu werden, aber auch den Ge- meindeintercssen Rechnung zu tragen nach dem Grundsatz: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz". Nachdem der Dürgerweistcr die neuen Gemeinderäte durch Handschlag verpflichtet hatte, ergriff der Führer der NSDAP, das Wort und führte aus, daß seine Fraktion stets bemüht sein werde, im Sinne der vom Bürgermeister dargelegten Grundsätze zuin Wohle der Gemeinde und des Reiches au arbeiten. Er stellte namens seiner Fraktion den Antrag, den Reichspräsidenten v. Hindenburg, den Reichskanzler Adolf Hitler und den Staatspräsidenten Professor Dr. Werner in Anbetracht ihrer großen Derdienste um das Vaterland zu Ehrenbürgern unserer Gemeinde zu ernennen: weiterhin die Heinestrahe in Horst-Wcssel-Straße umzubcnennen. Beide Anträge wurden einstimmig bei Stimmenthaltung der SPD-Vertreter angenommen. Nachdem die
$ Garbenteich, 10. Mai. In dem neuen Gemeinderat kamen aus die NSDAP. 5 und auf die SPD. 4 Sitze. Zur feierlichen Eröffnungssitzung war der Rathaussaal festlich geschmückt. Bürgermeister Dur! begrüßte die Mitglieder. besonders die nationalsozialistische Fraktion. Er wies auf die nationale Revolution hin und gedachte der segensreichen Tätigkeit des Dolkskanzlers Adolf Hitler. Dann verpflichtete er sämtliche Mitglieder. Der Fraktionsführer der NSDAP. Hermann Stoll gab die Versicherung ab, den Bürgermeister stets in allen Arbeiten zu unterstützen zum Wohle unserer Gemeinde und des ganzen Volkes nach dem Grundsatz: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz", und brachte ein droi- faches Sieg-Heil aus den Führer aus. Unterem Dorfplah wurde durch einstimmigen Beschluß der Name Adols-Hitler-Plah gegeben. Zu Ehrenbürgern wurden, ebenfalls einstimmig, der Reichskanzler Adolf Hitler und Staatspräsident Prof. Dr. Werner ernannt. In den Kommissionen sind nur Nationalsozialisten. Der Bürgermeister schloß die Sitzung mit dem Deutschlandlied. Die Mitglieder der SPD. verliehen den Rathaussaal vor Verlesung des Protokolls. Nach einem Sieg-Heil auf den Führer und dem Ge
sang des Horst-Wessel-Liedes war die Sitzung beendet. Die SPD.-Gcmeinderäte zogen aus dieser Sitzung die Folgerung und legten am folgenden Tage alle ihr Mandat nieder, so daß noch vier weitere Nationalsozialisten in den Gemeinderat einziehen. Die neun nationalsvAialistischen Ratsmitglieder sind: Hermann Stoll, Ludwig Panzer, Jakob Stumps VII., Jakob W a l l b o t t HL, Wilhelm Mohr I., Johannes Hinterländer, Philipp Schmitt, Johannes Sommer, Heinrich Schmidt.
<£ Reiskirchen, 10 Mai. Dieser Tage sand in der 'Wirtschaft W. F r i tz e l die Generalversammlung der hiesigen Spar - und Darlehnskasse statt. Der Kontrolleur, Gemeinderechner Stumpf, erstattete den Jahresbericht. In seiner Ansprache stresste er zuerst die politische Entwicklung des vergangenen Jahres, er freue sich, daß jetzt endlich nach dem politischen Chaos der vergangenen Jahre dem deutschen Volk ein Mann und eine Regierung gegeben ist, die alles tun werden, was zum Wiederaufbau nötig sei, nicht nur aus politischem, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiet. Aus dem Geschäftsbericht ist zu ersehen, daß unsere Kasse das vergangene Jahr gut überstanden hat. Wenn der Umsatz der 1931 4 756 947.16 RM. und 1930 5 306 4 30,96 RM. betrug, auf 2 395 390,86 RM. zu- rürfging, sv ist dies in Anbetracht der herrschenden Geldknappheit und der schlechten Absatzmöglichkeiten in der Landwirtschaft nicht verwunderlich. Die Journalposten betrugen immer noch 5384 gegen 8034 im Vorjahre. Die Einlagen der angegliederten Schul- sparkassen kamen nicht an die Einlagen des Vorjahres heran. Die höchste Einlage erreichte Hattenrod mit 560— RM. gegen 932.90 RM. (1931). Die Spareinlagen zeigten trotz erhöhter Inanspruchnahme und größerer Abhebungen einen Stand von rund 351 000 RM. gegen 380 000 RM im Vorjahre. Das Eigenkapital (Reserven und Geschäftsguthaben) einschl. der Neuzuweisuntzen beträgt 53 000 RM., für die Gläubiger ergibt sich zuziigl. der Haftsumme eine Garantiesumme von rund 406 000 RM. Nach der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung ergibt sich ein Reingewinn für 1932 von 4606,49 RM. gegen 5160,62 RM. 1931. Der Reingewinn ermöglicht nach entsprechender Zuweisung zu den Reserven eine angemessene Verzinsung der Geschäftsanteile. Mit dem Warengeschäft wurde ein Umsatz von 16 000 RM. erreicht gegen 19 040 RM. 1931. Der Mitgliederbestand beträgt 353 gegen 355 im Jahre 1931. Der Sprecher schloß mit einem Bekenntnis zum Vaterland, seinem greifen Präsidenten und zu feinem jungen Kanzler. Anschließend sprach im Auftrage der Landesgenoffenschaftsbank in Darmstadt Direktor Ginnow, der sich mit dem technischen und bankmäßigen Betrieb befaßte. Die Bilanz wurde genehmigt und dem Vorstand Entlastung erteilt. Bei der Vorstandswahl wurde der seitherige Direktor S ch o m d e r durch Zuruf einstimmig wiedergewählt. In den Atchichtsrat kam neu Philipp Launspach IV., Albach, Hattenrod, und Fatum, Lindenstruth, wurden wiedergewählt. Oberrevisor Hartmann von der Volksbank in Gießen sprach dann über Vollstreckungsschutz. Zinssatzsenkung und andere technische und wirtschaftliche Fragen in fesselnder Weise.
Wirtschaft.
OevisenzwangSwirtschast und Reichsmark.
„Dem sparenden deutschen Volke das Ersparte zu erhalten."
Unter normalen Verhältnissen bedarf der Zah- lungsverkehr zwischen In- und Ausland (Devisen- verkehr) keiner besonderen (Eingriffe der staatlichen Stellen und der Reichsbank. (Eingriffe sind aber notwendig, wenn der Bedarf an ausländischen Zahlungsmitteln (Devisen) infolge ungewöhnlicher Vorgänge sich in einer Weise verändert, die roirt- fchaftlich nicht gerechtfertigt ist. Solche außergewöhnliche Lage besteht in Deutschland seit 1931, als die ausländischen Banken und Gläubiger in überstürzter und unvernünftiger Weise ihre Guthaben plötzlich aus Deutschland zurückzuziehen versuchten, obwohl sie wissen mußten, daß keine Volkswirtschaft der Erde solche gewaltigen Beträge auf einmal zurückzahlen konnte, ohne den Kurs ihrer Währung zu erschüttern.
Daher wurden die ausländischen Gläubiger Deutschlands zur Vernunft gewissermaßen g e - zwungen dadurch, daß man mit ihnen Abkom- men schloß, die die überstürzte Rückziehung ihrer Guthaben unterbanden (sog. Stillhalteabkommen) und ferner dadurch, daß die deutsche Regierung bzw. Reichsbank seitdem den Zahlungsverkehr mit dem Ausland unter Kontrolle stellte und regulierte (Devisenzwangswirtschaft). Der Sinn der Devisenzwangswirtschaft ist, daß in Deutschland auslcin- bische Zahlungsmittel, da sie knapp sind, nur zu wirklich notwendigen und volkswirtschaftlich berechtigten Zahlungen an das Ausland erworben und verwendet werden dürfen und nicht etwa zur Flucht in- und ausländischen Kapitals. Die Devifenzwangs- wirtschaft dient so der Sicherung des Kurses der Reichsmark und der deutschen Währung über- Haupt.
Auch der Sturz des Dollars ändert nichts an der Sicherung der Reichsmark. Deutschland ist Schuldnerland und würde sich daher selber die Last feiner Auslandsschulden erhöhen, wenn es seine Reichsmark an die Abwertung des Dollars und Pfundes anfchließen würde. Durch die Stabilität der Mark trotz des Dollarfalles hat Deutschland hingegen den besonderen Vorteil, daß die Last der zahlreichen Dollarschulden an Amerika geringer wird. Um so mehr also ist die bekannte neue Er- flärung des Reichsbankpräsidenten zu begrüßen, die auch weiterhin die Stabilität der Währung garantiert.
„Unsere Sparer sollen wissen, daß die Reichsbank als unerschütterliche Wacht auf dem Posten ist, wenn es gilt, dem schassenden und sparenden deutschen Volk das Geschaffene und Ersparte zu erhalten."
Sronffurf schwächer.
Frankfurt, 12. Mai. (WTB.-Drahtmeldung.) Die heutige Mittagsbörse eröffnete auf fast allen Marktgebieten in schwächererTendenz, nachdem sich schon an der Abendbörse Anzeichen einer Rückbildung der Aktienkurse bemerkbar gemacht hatten. Die Spekulation und auch vereinzelt die Kundschaft, haben offenbar weiteres Glattstellungsbedürf
nis, zumal es an nennenswerten Anregungen fast fehlte. Die Auslandsbörsen vermochten keinen Einfluß aus die Kursgcftaltung zu nehmen: im Hinblick auf die Schwierigkeiten bei den Genfer Abrüstung»- Verhandlungen war weitgehendste Zurückhaltung zu beobachten. Im übrigen war man auch über die Finanzierung der Vorschläge des Reichsarbestsministers für das Arbeitsbeschaffungsprogramm noch nicht völlig im klaren, und auch die Pläne über die Auflegung einer Arbeitsbefchassungsanleihe war ein Moment zu verstärkter Zurückhaltung.
Bei nahezu vollkommener Geschaitsstille zeigten die ersten Notierungen durchschnittliche Abschwächungen von 1 bis 1,50 o. H. Darüber hinaus lagen IG. mit minus 3,25 v. H., Harpener mit minus 3,50 v. H. und Siemens mit minus 4 v. H. stärker rückläufig. Am Montanmarkt betrugen die Einbußen durchweg von 1,50 bis 2 v. H., auch Kaliaktien lagen von 2,50 bis 4 v. H. niedriger. Chemienebenwerte gaben zum Teil bis zu 1 v. H-, herüber hinaus Deutsche Erdöl 1,75 v. H. und Rutgers- werke 2,75 v. H. nach. Am Elektromarkt lagen AEG. und Licht & Kraft widerstandsfähig, während Felten 2,75 v. H , Gesfürel 1,40 v. H., 'Betula und Chadeaktien 0,50 d. H. bzw. Mark verloren. Niedriger eröffneten außerdem Zement Heidelberg (minus 1,50 v. H ), Süddeutsche Zucker (minus 2 v H ), Deutsche Linoleum (minus 2,75 v. H.), Daim ler (minus 1,75 v. H.) und Reichsbankanteile (mi nus 1,75 v. H). Schiffahrls- und Berkehr^werte, Aku und Zellstoff Waldhof gaben bis zu 0,50 v. H. nach. Nach den ersten Notierungen traten zunächst meist kleine Erholungen von 0,50 bis 1 v. H. ein, Siemens zogen 2 v. H. an, die aber im Verlaufe unter dem Druck der herrschenden Geschästsftille wieder verloren gingen. Darüber hinaus ergaben sich bei einzelnen Papieren noch leichte Abschwächungen. Siemens blieben jedoch ziemlich behauptet.
Nm Rentcnmarkt war die Tendenz ebenfalls schwächer, und zwar eröffneten Altdesih 1.25 Prozent, Stahlvereinbonds 1,75 Prozent, späte Reichsschuldbuchforderungen 1 Prozent und Neu- besih 0,38 Prozent niedriger. Auch im Verlaufe bröckelten hier die Kurse weiter ab. Goldpfandbriefe waren angeboten und von 0,50 bis 1 Prozent schwächer. Liquidationspfandbriefe und Kommunalobligationen blieben gut behauptet, Staatsund Etadtanleihen sowie Auslandsrenten lagen geschäftslos. Tagesgeld stellte sich auf unverändert 3,25 Prozent.
(Schluß des rebafneneuen Teils.)
Neuer ©tunbenioelltelotb auf Dunlop-Relsen-
Ein Vorspiel der kommenden außerordentlichen sportlichen Ereignisse, die das Avusrennen am 21. Mai bieten wird, war die Weltrckordsahrt des Grafen Czaykowski am 5- Mai auf der Avus. Cs ist dem Grafen gelungen, den absoluten Stundenweltrekord im 4,9 l. Bugatti, der mit- 210, 392 auf der Monthlerybahn aufgestellt war, zu überbieten. Er fuhr in einer Stunde die phantastische Strecke von 213,8 Kilometer. Gleichzeitig wurden damit die bisherigen Rekorde für 1 Kilometer. Meile, 5 und 10 Kilometer unterboten- Graf Czaykowski fuhr englische Dunlop-Reifen, die nach der gewaltigen Rekordleistung noch in bester Verfassung waren. 2342V
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