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llr. 258 Erster Blatt
185. Jahrgang
Mittwoch, 11. Moder 1935
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst D lumschein und für den Anzeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Bietzen.
Landnöten.
Die große Rede des Vizekanzlers von apen vor dem Verband Mitteldeutscher Jndu- ilieUer in Frankfurt a. M. ist ein Aufruf, der weit )er den Zuhörerkreis hinaus von Bedeutung ist. ajen umriß die Aufgaben des deutschen Unter- ih'iners und seine Initiative im neuen Staat und em schließlich auf die außenpolitische Lage zu spre- । en, der er sehr bemerkenswerte Worte widmete. 15 ist eine alte Erfahrung in der Geschichte, daß n:u e Anschauungen sehr schwer bei den breiten Dassen durchsickern und bei.ihnen die richttge Wer- •hng finden. Der Staatsmann durchschaut längst bc Dinge, aber er ist an das Gesetz der Nation inii ihre Idee gebunden und kann daher oft nicht Bit der nötigen Schnelligkeit die wünschenswerten Maßnahmen treffen. In dieser Lage befinden sich wt)[ eine Reihe von Regierungen in Europa, die iurd) das mangelnde Verständnis ihrer Völker für die Neuordnung in Deutschland sich noch nicht offen zr einer positiven Politik gegenüber Deutschland erischließen können. Die jahrzehntelange Verhetzung des ganzen Auslandes gegen den deutschen Rationalismus, die Nachwirkungen der Kriegs- -topaganda und ihre Neuauflage haben im Aus- knö, wie Papen bemerkt, einen Mangel an Ver- ftänbnis für die Umwälzung im deutschen Staats» mi) Wirtschaftsleben erzeugt.
(Es ist gut, daß das deutsche Volk die Erfahrung Liriacht hat, daß ein großes Ziel nur durch die Klarheit des Wollens, durch unbedingten Glauben unb vor allem durch eine eiserne Führung erreicht Herben kann. Darum erscheint uns die Rede des kizekanzlers so bedeutungsoll, denn sie geht mit ter vornehmen Geste des auf weite Sicht Hand einten Politikers über das etwas allzu langsame Spiel ter Kräfte, über manche Stimmen des Auslandes, über die nervös hastige Aktivität der Diplomaten ir manchen Teilen der Welt hinweg. Mit ruhiger kicherheit arbeitet Papen die Tatsachen heraus unb unterstreicht mit seinen Sätzen das Bild ziel- tewußter Staatsführung, das der Führer nach Jah- rtn mühevollen Ringens nach innen und außen hin ojigeftetlt hat. „Der Nationalsozialismus hat die Shtion zu einer so starken seelischen Einheit z u s a m m e n g e s ch m o lz e n, daß 6k|e Einheit genügend Kraft aufbringen Mrd, alle Schwierigkeiten der Wirtschaftslage, mö- mn sie.zeitlich und praktisch noch so groß sein, zu überwinde n". Die eindeutige Politik des Natto- vchozialismus, zu der sich das ganze deutsche Volk in dem frohen Gefühl, von den alten Unklarheiten nlost zu sein, einmütig bekannt hat, wird auch das ti.Ifad) noch in irrigen Auffassungen befangene La-Iand achten lernen.
„Deutschland will im Frieden leben und -a beiten." So hat es Röhm gesagt, so hat es fijring erklärt, so hat es Papen betont und so hat «- der Führer selbst verkündet. Und weil der natio- Mlsozialistische Staat den üblichen Mätzchen der Mrnationalen Diplomatie abhold ist und in der nationalsozialistischen Bewegung der Garant Hec-Ehrlichkeit des deutschen Wollens vilanden ist, können wir „im Besitz eines guten ^wissens und im Anspruch auf ein gutes Recht ter Entwicklung ruhigen Auges entgegensehen", Mirn auch „die nächsten Tage und Wochen viel- lkch, eine harte Nervenprobe für das deutsche Volk Meuten". Entscheidend sind immer die besseren 1h td en, und sie sind im Besitz jenes Volkes, das in absoluten Glauben an sich und feine Führung bereit ist, den Marsch in eine bessere Zukunft anzu- . inten.
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Aon 1. Oktober ist das von der Reichsregierung «tlalfene Reichs erbhofgefetz in Kraft ge= treten. Das Gesetz wird für die Entwicklung Deutsch- Icnds von der größten Bedeutung fein. Das Erb- hcfrecht ist auf deutschem Boden entstandenes Recht. Vmndlegende Wandlungen schafft es nur in den Seiten Deutschlands, in denen es bisher nicht be» ßlmb. Wo wir am Erntedankfest den Bauerntag lipangen haben, im hannoversch-westfälisch und tipp i|d)en Land und bis herauf an die Küste, in Kiesland, die Wasserkante, Schleswig-Holstein usw., .ÄH ist der Erbhof immer gewesen und wird er imner sein. Nach dem Reichserbhofgesetz heißt nur 8-r Eigentümer eines Erbhofes Bauer. Der Eigentümer oder Besitzer anderen land- oder forst- mrtfchaftlich genutzten Grundeigentums heißt Lo n b ro i r t. Andere Bezeichnungen für Eigentümer oder Besitzer land- oder forstwirtschafllich geatzten Grundeigentums sind unzulässig. Die Be- »üsbezeichnung der Eigentümer soll in den Grunb- titzern allmählich entsprechend geändert werden. Sdusr kann nur sein, wer die deutsche Staats» aügchörigkeit besitzt und deutschen ober stamme ; g l e i ch e n Blutes ist. Deutschen ober s-üanmesgleichen Blutes ist nicht, wer unter seinen Drjahren väterlicher- ober mütterlicherseits jübi- (ifcs ober farbiges Blut hat. Stichtag für bas Dor- hflndensein biefer Voraussetzungen ist ber 1. Januar liOQ. Ist es zweifelhaft, ob bie Voraussetzungen □erliegen, so entscheibet bas Anerbengericht.
Lieser Begriff des Bauerntums wirb in dem von btr Reichsregierung erlassenen Reichserbhofgesetz ifrtzesetzt. Die Reichsregierung will durch dieses Dietz unter Sicherung alter deutscher Erbsitte das Bauerntum als Blutquell des deut» f-ssn Volkes erhalten. Die Bauernhöfe sollen Str Ueberschuldung und Zersplitterung im Erb- geng geschützt werden, damit sie dauernd a l s Brbt u m der Sippe in ber Hanb freier Sauern verbleiben. Es soll auf eine gefunbe irteilung ber landwirtschaftlichen Besitzgruppen .^gewirkt werden. Denn eine große Anzahl lebens» ,:ä)iper kleiner und mittlerer Bauernhöfe, möglichst »gUchmäßig über das ganze Land verteilt, bildet ufli beste Gewähr für die Gesunderhaltung von Volk IW Staat. Als Erbhof soll ein land- ober forst-
Märende Vorbesprechungen in Gens.
Eine Aussprache Nadolnys mit paul-Boncour.-Die Amerikaner schalten sich als Vermittler ein.
Gens, 10. Oft. (TU.) Botschafter Nadolny hat im Laufe des Dienstag Einzelunterredmigen mit Norman Davis, Paul-Boncour und dem italienischen Marquis S o r a n j a gehabt. Die Unterredungen mit Norman Davis und Paul- Boncour waren von längerer Dauer und haben nach deutschen Mitteilungen wesentlich dazu beige- trägen, datz der grundsätzliche deutsche Standpunkt von neuem den Vertretern der amerikanischen und französischen Regierung i n allen Einzelheiten dargelegt werden konnte. Ebenso sind von der Gegenseite dem deutschen Vertreter eingehende Mitteilungen über die jetzt angestrebten neuen Vorschläge gemacht worden. Die Besprechungen, die Mittwoch fortgeführt werden, haben nach deutscher Auffassung wesentlich zur Klärung der Lage beigetragen, lieber den Inhalt dieser Unterredungen werden nähere Mitteilungen von den beteiligten Seiten nicht gemacht. In unterrichteten Kreisen besteht jedoch der Eindruck, daß die amerikanischen Vertreter sich weitgehend in die Verhandlungen eingeschaltet haben und eine von allen Seiten begrüßte Vermittler- t ä t i g f e i t ausüben. Die Sanktionsfrage soll, wie verlautet, zur Zeit in den Hintergrund gerückt sein. Dagegen sollen von amerikanischer Seite Bemühungen im Gange fein, eine auch für Deutschland tragbare Lösung der Frage der Kontrolle und der Militärluftfahrt zu finden.
Dazu meldet bas englische Reuter-Büro aus Genf, bei ber Unterrebung zwischen Botschafter Nabolny unb Außenminister Paul-Boncour fei ber Ton ber Ausführungen des deutschen Delegierten äußer st versöhnlich gewesen. Er habe Deutschlands dringenden Wunsch nach einer Abrüstungskonvention betont. Die Unterredung zwischen Nadolny unb Norman Davis scheine bei den Amerikanern einen günstigen Eindruck gemacht und die Spannung etwas erleichtert zu haben. Im Laufe der Unterredung habe Norman Davis auf Veranlassung seiner Militärsachverständigen um Einzelheiten bezüglich der deutschen Forderungen nach Waffenmustern ersucht. In einer Meldung des Genfer Korrespondenten der „Daily Mall" heißt es, Norman Davis habe sich Herrn Nadolny gegenüber sehr freimütig geäußert. Der deutsche Delegierte machte keine großen Schwierigkeiten wegen der vorgeschlagenen vierjährigen Kontrollperiode, aber er sei nicht bereit, dem Gedanken zuzustim-
wirtschaftlicher Besitz gelten in der Größe von mindestens einer Ackernahrung und von höchstens 125 Hektar.
Dieser Erbhof geht ungeteilt auf den Anerben über. Er bildet hinsichtlich der Erbfolge einen besonderen Teil der Erbschaft. In erster Linie sind die Söhne des Erblassers als Anerben berufen. Der alte Bauer kann bestimmen, daß der Anerbe als Zusatz zu seinem Namen den Namen des Hofes führt. Die übrigen Abkömmlinge des Erblassers werden, soweit sie Miterben oder pflichtteilsberechtigt sind, bis zu ihrer Volljährigkeit auf dem Hof anaemeffen unterhalten und erzogen. Sie sollen auch für einen dem Stande des Hofes entsprechenden Beruf ausgebildet werden. Nach Maßgabe der Mittel des Hofes sollen die Söhne, wenn sie sich selbständig machen ober bie weiblichen Abkömmlinge bei ihrer Verheiratung ausgestattet werben. Von größter Bebeutung ist hierbei bas Z u - f l u ch t s r e ch t. Die nicht erbberechtigten Angehörigen des Anerben können, wenn sie währenb ihres Lebens unverschuldet in Not geraten, auf dem Erbhof Zuflucht suchen. Diese sogenannte Heimatszuflucht muß der Anerbe feinen Verwandten gegen ßciftung einer angemessenen Arbeitshilfe gewähren. Das außer dem Erbhof vorhandene Vermögen des Bauern vererbt sich nach den Vorschriften des allgemeinen Rechts. Der Anerbe hat für den liebergang des Erbhofs k e t u e Erbschaftssteuer oder Grunderwerb s- steuer zu zahlen.
Im Zusammenhang mit dem Erntedankfest und dem Tag des Bauern verlohnt es sich, auch einen Blick auf die nationalpolitischen Zusammenhänge der Agrartechnik zu werfen. In Weimar ist soeben die Herbstoersammlung der Deutschen Land- wirtschafts-Gesellschaft durchgefuhrt war» den. Die drei Buchstaben DLG. haben seit nun bald fünfzig Jahren einen guten Klang beim deutschen Bauerntum. Hier haben sich seinerzeit unter Führung des genialen Dichter-Ingenieurs Max Eyth fortschrittliche Landwirte zusammengesunben, um aus kleinen Anfängen heraus allmählich die Organisation der b e r u f s st ä n d i s ch e n Selbst- Hilfe auf den Gebieten der Agrartechnik und der Betriebswirtschaft zu bilden und die Zusammenarbeit mit Technik und Wissenschaft in geregelte Formen zu bringen. Dreimal im Jahr wartet die Landwirtschaft auf die Ergebnisse der öffentlichen DLG.-Arbeit. Einmal ist es bei den großen Winterversammlungen in Berlin, die sich im Laufe der Jahre zu den Grünen Wochen entwickelt haben. Dann sind es im Frühsommer die Wanderausstellungen, deren nächste 1934 in Erfurt stattfindet. Schließlid) kommt im Herbst die Herb st Versammlung hinzu, die gleichfalls jeweils an einem anderen Platz des Deutschen Reiches stattfindet.
men, daß es während dieser Zeit keine wirksame Abrüstungsmaßnahme geben solle.
„Europa erwache."
Ein italienischerMahnruf an dasAbendtand
Rom, 10. Oft. (TU.) Der Direktor der „Tribuna" und Mitglied des Großen Faschistischen Rates, Forges D a v a n z a l i, schreibt unter dem Titel „Europa erwache": Man dürfe Gegenwart und Zukunft Europas nicht an die Ausstattung mit schweren Kanonen. Panzerwagen oder Jagdgeschwadern knüpfen. Die wahrere und größere Gleichberechtigung Deutschlands sei die, daß das antimarxistische und antiplutokratische Dritte Reich berufen werde, gemeinsam mit den europäischen Großmächten zu handeln. Die Abrüstung, die auch die von den Friedensverträgen
geschaffene Ungleichheit korrigieren müsse, sei zweifellos die korrekte Tatsache, auf die sich eine Versöhnungspolitik zu stützen habe. Europa habe eine tiefe Prüfung fei ne s Gewissens nötig. Wenn man den furchtbaren Geburtenrückgang der europäischen Kulturstaaten und auch in den Vereinigten Staaten betrachte und gleichzeitig lese, daß Japan mit einem immer noch unerhörten Geburtenkoeffizienten einen jährlichen Zuwachs von über einer Million verzeichne, so komme man zur lleberlegung, ob es nicht eine der tragischen Seiten der abendländischen Kurzsichtigkeit sei, zu glauben, Rang unb Kraft der Staaten könnten in Gegenwart und Zukunft unwiderruflich bestimmt werden nur durch eine Differenz in der Bewaffnung mit schwerer Artillerie ober Tanks ober Bombenflugzeugen.
Heue Verschärfung im Streit um die Osichiuabahu
Berlin, 11. Oft. (CNB. Funkfpruch.) Der Streit um bie Ostchinabahn, bie von ber Sowjetunion seinerzeit ben Japanern bzw. bem neuen manbschurischen Staat zum Verkauf angeboten würbe, hat sich erneut verschärft. Nachdem die Verhandlungen, die in Tokio geführt wurden, zunächst einen günstigen Verlauf zu nehmen versprachen, gerieten sie bei der Debatte um den Kaufpreis ins Stocken. Die Japaner, die offenbar damit rechneten, daß im weiteren Verlauf der politischen Entwicklung, insbesondere der Konsolidierung des Mandschukuostaates, die Russen die Bahn für einen niedrigeren Preis verkaufen würden, und für die zudem bie Ostchinabahn aus geographischen Grünben nicht bie gleiche strategische Bebeutung besitzt, wie ehebem für bie Sowjetunion, zeigten keine Neigung, auf bie sowjet- russischen Preisforberungen einzugehen.
Enbe September würben vier leitenbe Sorojetange ft eilte ber Ostchinabahn von ben manbschurischen Behörben verhaftet. Die Def» fentlichkeit ber Sowjetunion erklärte nun, baß biefe Aktion auf Betreiben b e s Führers ber manbschurischen Delegation bei ben Tokioter Eisenbahnverhanblungen erfolgt sei unb baß bie intellektuelle Urheberschaft ben Japanern zutzuschreiben fei. Nunmehr finb von ber Somjetregierung vier angebliche Geheimboku- mente veröffentlicht worben, aus benen eine Be
stätigung bieser Behauptungen zu entnehmen sein soll. In Tokio hat bieser Schritt naturgemäß ungeheures Aufsehen unb lebhaften Prote st yeroorgerufen. Man will aber ben Bericht bcs japanischen Botschafters in Moskau abwarten, ehe man einen biplomatifdjen Schritt tut. Nach Mel- bungen, bie aus Moskau hierher gelangen, dauern die Eingriffe der örtlichen mandschurischen Behörden in die Verwaltung der Oft» chinabahn noch an. Der sowjetrussische Direktor der Bahn soll die Maßnahmen des mandschurischen Vizedirektors widerrufen haben. Man wird die Drohungen, die aus Anlaß dieses Konfliktes in Moskau ausgeftoßen werden und die von einer Gefährdung des Friedens im Fernen O ft e n durch Japan sprechen, nicht allzu wörtlich nehmen dürfen. Denn» ohne diese Begleitmusik, mit der die in Wahrheit zur Diskussion stehenden höchst einfachen Geldfragen übertönt werden sollen, scheint es bei diesem Handel nicht zu gehen.
Japan droht mit Maßnahmen gegen die Gowjetpreffe.
Tokio, 10. Oft. (TU.) Dienstag früh fand eine Sitzung des japanischen Kabinetts statt,, in der Außenminister Hirota Japans Beziehungen zu Mandsd)ukuo und Rußland erörterte, und auf die letzten russischen Veröffentlichungen
Aber diesmal hat die Herbsttagung in Weimar nod) eine besondere Bedeutung gehabt. Neben bie Selbsthilfe bes fortschrittlichen Bauerntums ist bie staatliche Bauernpolitik getreten. Dazu ist bie stänbische Durchglieberung im Nährstanb gekommen, bie nun in reibungsloser Ausgestaltung eine zweckoolle Absatzorbnung unb Preissicherung für Erzeuger unb Verbraucher erlaubt. Damit finb auch bie Gesichtspunkte für bie lanbwirtschaftliche Erzeugung anbere geworben. Hinter bem Bauern steht nicht mehr bie Konjunkturpeitsche, ber er bei feiner nahirgebunbenen Produktion nicht gewachsen ist. Wir kennen den volkswirtschaftlichen Bedarf zur Versorgung des deutschen Volkes. Wir wissen auch ungefähr, was wir aus dem deutschen Boden bei Anspannung aller Kräfte herausholen können. Diese beiden Faktoren allein sind nunmehr für die Einordnung der Agrartechnik in die nationale Verantwortung maßgebend.
Das bringt zunächst erhebliche Betriebsum- st e 11 u n g e n für jede einzelne Bauernwirtschaft mit sich. Hier die tatsächlichen Möglichkeiten abzu- mägen und die konkreten Ziele für die Mannigfaltigkeit der bäuerlichen Erzeugung aufzustellen, war die wichtige Aufgabe dieser DLG.-Tagung in Weimar. Solche Fragen können nicht mit einer einheitlichen Parole gelöst werden, weil die Verhältnisse bei jedem einzelnen Betrieb verschieden liegen. So werden die Tagungsteilnehmer von Weimar die grundsätzlichen Feststellungen hinaus» tragen ins Land, wo dann die Anpassung an die örtlichen Verhältnisse erfolgt. Allgemein läßt sich nur sagen, daß jeder Betrieb versuchen muß, in sich so vielgestaltig wie möglich zu wirtschaften, um jede Nutzung wirklich voll auszuschöpfen und damit dazu beizutragen, daß auch der entsprechend vielgestaltige Bedarf der Verbraucherschaft gleichmäßig auf allen Gebieten gedeckt werden kann.
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Vor dem Reichsgericht in Leipzig hat der letzte Termin in dem Prozeß des Hauses Braunschweig- Lüneburg gegen den Preußischen Staat um die Aufwertung des sogenannten Welfe n f o p d s stattgefunden. Verkündungstermin ist noch für diesen Monat angesetzt. Im ersten Stadium hat das Reichsgericht bereits entschieden, daß eine Zahlung an das Weifenhaus zu erfolgen hat, jetzt ist nur noch darüber zu entscheiden, wieviel gezahlt werden müsse. Die Akten dieses Prozesses gehen bis in die Zeit des Fürsten Bismarck zurück, als dieser um die Einigung Deutschlands kämpfte. Nach bem Krieg von 1866 wurden der Herzog Adolf von Nassau, der Kurfürst von Hessen-Kassel und der König Georg von Hannover depossediert und ihre Länder Preußen einverleibt. Der Herzog von Nassau wurde mit 9 Millionen Talern in Preußischen Staatspapieren abgefunden, der Kurfürst von Hessen erhielt eine Dotation von jährlich 300 000 Talern, Mit bem König von Hannover
wurde durch Vermittlung des damaligen Abgeordneten Windthorst ein Abkommen getroffen, wonach dem König 16 Millionen Taler, davon 11 Millionen in 4V2 v. H. preußischen Papieren und 5 Millionen in bar gezahlt werden sollten. Nach der Meinung des Fürsten Bismarck sollte dem König soviel Einkommen gelassen werden, daß er inmitten des reichen dänischen Adels mit Anstand ohne beschämende Erinnerung an politisches Unglück leben könnte. Von ber Abfinbungssumme würben aber bie Beträge abgezogen, bie ber König bei Ausbruch des österreichischen Krieges nach England gebracht hatte.
Das Preußische Abgeordnetenhaus genehmigte den Vertrag mit großer Mehrheit. Aber schon kurz bar» auf würbe bas Vermögen König Georgs durch eine Notstanbsverorbnung beschlagnahmt. Zur Be» grünbung würbe ausgeführt, König Georg habe zur Feier feiner silbernen Hochzeit einen Trink- so r u ch auf bie Wieberherstellung bes Welfenhauses unb bie Rückkehr nach Hannover ausgebracht. Auch bie Beschlagnahme wurde vom Preußischen Landtag genehmigt und aus dem Vermögen wurde der Welfenfonds gebildet, der später die Bezeichnung „Reptilienfonds" erhielt. Bismarck hatte nämlich die staatsfeindlichen Kräfte, die aus den Mitteln des Fonds bekämpft wurden, bösartige Reptilien genannt. Die Einkünfte des Fonds wurden ausschließlich zurVerhinde- rung staatsfeindlicher Umtriebe verwertet, sie unterlagen keinerlei parlamentarischen Kontrolle unb waren vielfach Gegenstanb lebhafter politischer Erörterungen. Später würbe bann ein Teil ber Zinsen bem Herzog von Cumberlaub, bem Sohn bes Königs von Hannover unb Senior des Hauses Braunschweig-Lüneburg als der Cumber- länber Thronanwärter bie Tochter Kaiser Wilhelms heiratete, unb bie Welfen ihre Hoffnungen auf ben Hannoverschen Königsthron enbgültig begruben. Seitbem ist auch über bie Rückgabe bes Welfenfonbs verhanbelt worden, die teilweise durchgeführt wurde; teilweise aber blieb sie liegen, unb den Welfenfonds ereilte bas Schicksal aller münbelsicheren Anlagen: er verfiel der Entwertung burch bie Inflation. Nach ber Stabilisierung klagte bas Haus Braunschweig- Lüneburg auf volleAuf Wertung bes Vermögens unb zwar auf 40 Millionen Mark. Landgericht unb Kammergericht sprachen in ihrem Urteil aus, baß Preußen nur verpflichtet sei, auf Grunb bes Anleiheablösungsgesetzes m i t 8 o. H. aufzuwerten. Eine Entscheidung wurde damals nicht getroffen, weil bas Reichsgericht den Streit an bie Vorinstanzen zurückverwies unb inzwischen bas Preußische Abfindungsgesetz in Kraft trat. Danach hätte bas Haus Braunschweig-Lüneburg vier bis fünf Millionen erhalten. Die Gerichte billigten bem Welfenhaus aber etwa zehn Millionen zu und nun muß bas Reichsgericht bie endgültige Entscheidung treffen.


