Ausgabe 
11.10.1933 Drittes Blatt
 
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ließen.

hielt wegen Pfand- gegen den sie Ein- die gestrige Haup^ igle den Einspruch

Junge deutsche Ration.

Marsch der Hitlerjugend.

Worte von Baldur von Gchirach, Musik von Hans-Otto Borgmann.

Vorwärts! Vorwärts! schmettern die Heldenfanfaren.

Vorwärts! Vorwärts! Juaend kennt keine Gefahren. Deutschland, du wirst leuchtend stehn, mögen wir auch untergehn.

Vorwärts! Vorwärts! schmettern die Heldenfanfaren.

Vorwärts! Vorwärts! Jugend kennt keine Gefahren. Ist das Ziel auch noch so hoch, Jugend zwinget es doch.

Jugend! Jugend! Wir find der Zukunft Soldaten.

Jugend! Jugend! Träger der kommenden Taten.

Ja, durch unsre Fäuste fällt, was sich uns entgegenstellt.

Jugend! Jugend! Wir sind der Zukunft Soldaten.

Jugend! Jugend! Träger der kommenden Taten. Führer! Dir gehören wir, wir, Kam'raden, dir.

Unsre Fahne flattert uns voran.

In die Zukunft ziehn wir Mann für Mann.

Wir marschieren für Hitler durch Nacht und Tod.

Mit der Fahne der Jugend für Freiheit und Brot.

Untre Fahne flattert uns voran.

Unsre Fahne ist die neue Zeit.

Und die Fahne fuhrt uns in die Ewigkeit.

Ja, die Fahne ist mehr als der Tod!

Nachtgeländespiel.

Don Georg Ernst, Friedberg.

Es war eine hübsche Herbstnacht. Der Stamm rückte aus zu der angesetzten Fahrt. Es war erst September und schon halte es geschneit. Die Höhen, auf denen das Landheim lag, waren mit einer Eis­decke überzogen. Wenn man nicht gerade ein paar Pimpfe krank haben wollte, mutzte man schon dort übernachten. Es war immerhin schon fünf Grad kalt. Als man den Berghang erreicht hatte, stand die Sonne schon nahe dem Horizont. Die Jüngeren, es waren diesmal besonders viele dabei, zogen frohen Mutes und in lebhafter Unterhaltung im Glied. Aeltere waren weniger dabei. Sie zogen einen anderen Weg mit den Rädern dem gleichen Ziele zu.

Unter der Schar der Jüngeren taten sich befop- ders einige hervor, die sich vermaßen, niemals Angst zu haben. Mit überfließender Phantasie malten sie sich die Heldentaten aus, die sie voll­bringen wollten. Und gerade diesen Sprüchekloppern sollte gezeigt werden, daß sie aber einen haben.

Ob es noch weit sei, meinte einer. Er sei natür­lich nicht müde, Angst habe er selbstverständlich auch keine. Aber der Führer konnte und wollte keine genaue Auskunft geben.

Als der Buchenwald aufhörte und man in den dunklen Tannenwald hineinging, wurde es den Jungen immer unheimlicher zumute. Der Führer aber wollte, da ihn einige wegen des Weges ge­fragt hatten, zu ihrer Beruhigung auf der Karte nachfehen. Plötzlich lähmte ein jäher Schrecken die Wartenden. Nahe am Wege hatte es unheimlich geraschelt und geknackt. Nun stand die Gefahr riesengroß vor ihnen. Ein Nachtgeländespiel sollte heute noch sein.

Wie hatten sie sich alle gefreut. Jetzt schien ihnen aber dieses Vergnügen schon zweifelhaft. Man war bald im Kampfgebiet. Noch einmal wurde alles überprüft. Als es noch Tag war, hatten einige ge­schildert, wie sie die andern schon erledigen wollten. Jetzt zogen sie es schon vor, darüber zu schweigen.

An einer Wegegabelung hielt die Schar, um nach dem Rechten zu sehen. Da geschah etwas Gräßliches. Während in den Tannen der Herbstwind rüttelte, ertönte beinah mitten unter ihnen ein gellender Schrei, man hörte ein wildes Knacken dürrer Zweige und die Geräusche eines nahen Kampfes. Alle waren von Schrecken gelähmt. Das Schreck­lichste war noch dabei, daß man gar nicht wußte, was geschehen war. Es fehlte einer. Zwei oer- mummte Gestalten waren plötzlich da gewesen. Hatten ihn gepackt und weggeschleppt. Man konnte ihm einfach nicht helfen. Und man mußte es doch.

Man sprang nun seitwärts in die Büsche. Auf ein­mal sieht einer in der Ferne ein Licht. Es ver­schwindet, kommt wieder. Der Führer zögert nicht, dem Licht nachzugehen. So schleichen sie sich heran. Gedeckt durch die Stämme alter Tannen. Das Moos des Waldbodens erlaubt ein geräuschloses Näherkommen.

Ein dumpfer Laut läßt alle zusammenschrecken. Im Schein der Taschenlampe sieht man den Ver­mißten an einen Baum gebunden. Man hatte ihm das Schreien durch einen Knebel unmöglich ge­macht. Da war aucy der Führer schon bei ihm, um ihn zu befreien. Da ertönt von allen Seiten ein vielstimmiges Geschrei, das allen das Blut in den Adern erstarren läßt. Man war in einen Hinterhalt

geraten. Da gab es kein Entrinnen mehr. Schon fühlten sich die meisten ergriffen.

Wer noch mehr Mut hatte, wehrte sich. Andere hatten es schon aufgegeben. Bald war das blutige Gemetzel zu Ende. Als nun die Pfeife des Füh­rers zum Sammeln rief, merkte man, daß es die Weiteren waren. Das Nachtgeländespiel war be­endet.

Als sich nachher Räuber und UeberfaHene froh die Hände schüttelten, da war mancher froh, daß er diesmal noch davongekommen war, ohne skal­piert zu werden.

Als sie dann in ihrem Landheim lagen, da träumte mancher von Geländespielen, Räubern und Marterpfahl.

Ein Tag im Jungvolklager.

Von Walter Kröll.

Weiße Nebelstreifen liegen über dem See und in den Tälern. Fern im Osten schimmert der neue Tag. Noch herrscht tiefe Stille im Lager des Jung­volks. Nur ab und zu spricht einer im Schlaf. Die Wache kauert am erloschenen Feuer, in lange Mäntel gehüllt, mit einem Reitersäbel über den Knien.

Vom nahen Dorf herüber schlägt es fünf Uhr. Da teilt sich der Eingang eines Zeltes und heraus tritt der Trompeter des Lagers. Bald folgen ihm die Jungen, und es wird zu den Freiübungen an» §etreten. Danach stürzt sich alles in die kühlen luten des nahen Sees, und schnell ist der Schlaf aus den Augen verschwunden. Doch allzu kurz ist die Zeit, und schon muh jeder angezogen fein, um Kaffee zu empfangen. Die Kochmannschaft kann kaum genug Brote schneiden, um solch großen Appetit zu befriedigen. Doch alle sollen satt werden.

Um sieben Uhr ist Appell. Bis dahin muß alles in Ordnung fein. Kein Stroh oder Papier liegt mehr vor den Zelten, keine Decke, die noch unge­ordnet ist. Wehe dem, der feinen Tornister nicht vorschriftsmäßig gepackt hat, oder halb angezogen zum Appell erscheint.

Im großen Karree marschieren die einzelnen Gruppen um den Fahnenmast auf. Der Führer spricht zu seinen Jungen von dem Zweck des Lagers und der Aufgabe des Jungvolks und fordert die Buben auf, im Dienst nie lau ober nachlässig zu sein und immer im Sinne unseres großen Führers zu leben. Bei dem Dröhnen der Landsknechts­trommel und den Klängen der Fanfaren steigt das schwarze Banner mit der weißen Siegrune am

Mast empor und bläht fid) stolz im Morgenwind. Ein Lied erschallt aus heißen Jungenherzen zum Gruße des neuen Tages und zu Ehren des Banners.

Nun beginnt die Arbeit. In Gruppen wird das Zeltbauen geübt ober Morsezeichen gelernt, Karten gelesen ober Gelänbekunbe getrieben. All biefe Kenntnisse sinb nötig, um sich auf Fahrt unb im Lager helfen zu können. Vor bem Mittagessen ist noch eine Singstunbe, bie ben Morgenbienst be­schließt.

Unterliessen haben bie Köche eifrig in ben Kesseln gerührt unb eine feine Suppe gekocht, bie ben Jungen sehr gut schmeckt. Es wirb in Gruppen gegessen. Auch hierbei erklingen frische Lieber ober ein Führer spricht einen kurzen Tischspruch. Nach bem Essen ist Lagerruhe. Dabei wirb gelesen ober Beschrieben. Auch kann man sich unterhalten, boch arf nicht laut gesprochen werben.

Nachmittags sinb meistens ©elänbeftreifen ober Spiele, so baß bie Zeit rasch vergeht. Nach bem Abendbrot versammelt sich alles um bas entfachte Lagerfeuer unb balb folgt Lieb auf Lieb, bis bie Kehlen heiser sinb, unb bann wirb erzählt unb vor- gelesen. Ernstes unb Heiteres wechselt ab, bis spät in bie Nacht, llnb wenn bas Feuer am Erlöschen ist, bann sinkt bas Banner an seinem Mast. Die Jungen stehen im Kreise Hanb in Hanb unb au ben Sternen tönt bas alte, boch immer neue Lieb:

Kein schöner Lanb in biefer Zeit, Als hier bas unsre weit unb breit, Wo wir uns finden Wohl unter ßinben Zur Abenbzeit.

Der Kreidrkreis uni) dieneunte Sand".

Allerlei (Spiele und (Späße für die Jugend.

Der in allen Sportkreisen bestens bekannte Verfasser legt im Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig eine Sammlung lustigerVolks- unb Bauernspiele" vor, wie sie über­all gespiett werben können, wo unsere Ju- genb ungezwungen beisammen ist. Der Sammlung (64 Seiten unb 15 Tafeln kart. 2 Mark, in ßeinenbanb 2,80 Mark) entneh­men wir nachstehenbe Proben:

Auf einem Tisch wirb ein großer Kreis mit Kreibe gemalt. Auf Befehl müssen alle Finger rein, ran ober raus. Nun werben bie Befehle vertauscht: bei rein raus, bei raus rein, bei ran rein. Das Spiel wirb fröhlicher, wenn man an einem Stock eine Schnur mit einer Schlinge befestigt, bie als Kreis auf ben Tisch gelegt wirb. Wenn nun irgenb je« manb unbefugterweise im Kreis ist, zieht ber Ang­ler bie Schnur an unb fängt bas Fischlein. Der Ge­fangene muß angeln.

Da wir nun gerabe um ben Tisch Herumsitzen, wollen wir gleichDie neunte Hanb" spielen: Nach- einanber legen wir in bunter Reihenfolge unsere Hänbe aufemanber, bis alle Hänbe im großen Turm liegen. Nun zieht jeweils ber Unterste seine , Hanb hervor unb zählt laut. Sowie Nummer 9 an I

ber Reihe ist, ziehen alle rasch ihre Hanb zurück, unb ber Betreffende sucht eine Hanb zu erwischen. Der Erwischte beginnt" bann ein neues Spiel. Das Ueberraschenbe ist, baß keiner Vorhersagen kann, wer Nummer 9 ist, es muß allerbings recht schnell gespielt werben, bamit niemanb erst zur Besinnung kommt.

Ein wunbervolles Spiel läßt sich für eine nicht zu große Gesellschaft herrstellen, inbem man Streich­hölzer in ein Weinglas tut, bas möglichst senkrechte Wänbe hat. Nun muß reihum jeder ein Hölzchen (bie Hölzchen schauen oben hervor) aus bem Glas her­ausziehen unb quer barüberlegen (Turm). Wer eins fallen läßt, muß bafür eine vorher bestimmte Strafe zahlen. Mit ber Zeit wirb es immer schwieriger, an bie Hölzchen heranzukommen, jeber legt natür­lich auch fein Hölzchen so ungünstig wie nur mög­lich!

Nun noch ein elektrisches Experiment: In eine Streichholzschachtel werben an jebem Enbe zwei Hölzchen zwischen Schachtel unb Hülse geklemmt. Nun müssen zwei Mäbchen, bie elektrisiert werben sollen, auf jeber Seite bie beiben Streichhölzer an­fassen. Fest brücken! Merkt chr schon was? Nein? Noch fester! Merkt ihr noch nichts? Nein? Merkt ihr Denn nicht, baß ich euch zum Vesten haben will?

Zungenkampf.

Sinkenbe Sonne in lobernber Glut. Kämpfenbe Jungen mit stürmendem Blut, Voran weht die Fahne, des Sturmes Kraft knatternd unb flammenb am Eschenschaft.

Jagenbe Wolken in glühenbem Rot. Mutiges Kämpfen, was immer auch broht. Voran grollt bie Trommel, bes Sturmes ßieb, fchallenb unb brohnend burch Reih unb ©lieb.

Blutige Sonne Entflammet bie Heib'. Trotzige Jungen, zu allem bereit, verlachen bas Sterben im Abenbrot.

Stürmen zum Kampfe auf Sieg unb Tob.

Heinz Dieter.

tteberfall!

Huuiiiiuuh ... gellt bie 2llarmfirene des Füh­rers durch das schlafende Zeltlager. Alles stürzt so­fort aus den Zelten. Was ist denn los?ne Frech­heit, uns so mitten in ber Nacht aus bem Schlaf zu ofeifen. Aber ba tönt schon bie Stimme unseres Führers burch bas ßager. In knappen Worten er­klärt er uns bie ßage: Die Wache ist verfchwun- ben unb mit ihnen bie Fahne!

Sofort würben bie nötigen Anorbnungen getrof­fen.Wicky" sollte mit seiner Gruppe rechts vom ßager alles absuchen unbRolfi" basfelbe auf bet linken Seite. Größte Ruhe war geboten, ba man ja nicht wußte, was überhaupt los war.

Zitternb folgtBubi" feinem Vorberrnann. Jetzt nur nicht merken lassen, baß er Angst hat. Es ist ja auch furchtbar, so mitten in ber Nacht im bunt- len Walb herumzulaufen! Huuh, wenn jetzt nur kein Räuber kommt unb mich frißt, benkt er sich im Stillen. Aber ba hält plötzlichWicky" unb sieht gespannt ins Dunkle. Vor uns am Ufer bes Tei­ches, in bem wir heute gebabet hatten, bewegt sich etwas. Da ertönt auch schon bas Sturmzeichen, unb mit lautem Gebrüll geht es ben Abhang hinunter unb auf bie ba herumfchleichenben Gestalten! ...

In berfelben Zeit istRolfi" mit seinen Beuten seiner Spur gefolgt unb ist schließlich auch am Teich angelangt. Gerabe will er beratschlagen, was jetzt zu tun fei, als in kurzer Entfernung ein unglaub­liches Gebrüll ertönt. Da ist auch Rolfis sonst so brave Truppe nicht mehr zu halten unb läuft mit Hurrageschrei auf ben vermutlichen Kampfplatz zu. Doch im gleichen Augenblick tönt ihnen lautes Bachen entgegen. Was sehen ba bie siegesgewissen Hurraschreier? ... Da hat bie GruppeWicky" einen Kreis gebilbet, unb ... ja, was ist benn bas, bas sinb jaHanno" unbBibbes", bie ba mitten brin sitzen.

Da kommt auch schon unser Führer unb stürzt sich wutschnaubend aufHanno". Was macht ihr Denn hier? Seid ihr benn verrückt geworben, bas ßager einfach zu verlassen?

Ei, ei, sagt Hanno, unb blickt von einem zum anbern . . . unb noch ein Ei gibt einen Pfann­kuchen, fällt baBibbes", unserem Bausbub, ein. Das trägt ihm aber eine nicht allzu sanfteZi­garre" ein. Schließlich stellt es sich heraus, baß bie beiben auf ben Gebauten tarnen, ein Nachtbab zu nehmen unb vorsichtshalber bie Fahne mitzuneh­men. Damit sie nicht geflaut würbe. Das ßager aber ließen sie allein.

Dann zog alles lachenb unb erzählenb ins Ba­ger zurück. Ganz hinten unser guter, dickerTeddy", immer vor sich hinbrummend:Frechheit, Gemein­heit, wegen so einem Unsinn mich armen Kerl zu wecken".Hanno" undBibbes" aber haben nicht mehr Nachtwache gehalten und Schiffchen schwim- men lassen, das hat die große Moralpredigt unseres Führers bewirkt. Wicky.

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©er Rhein, ein Ginnbild deutschen Charakters.

Von Willy Hanke, Gießen.

Trüber Himmel hängt über dem Rheintal. Beichte Nebelschwaben kleben an ben Hängen unb verhin- dem eine weite Aussicht. Ruhig gleitet der Rhein seine altgewohnte Bahn. Nur ab und zu säuselt es in den Bäumen, die am Ufer stehen, unb bisweilen raschelt ein schon welkes Blatt zu Boben. Bautlos segelt eine Mooe über bem Wasser. Ruhe, überall Ruhe! Schweigenbe Hänge, schweigenbe Wellen, schweigende Ufer; Schweigen auf dem ßanbe unb Schweigen in der Bust.

Und doch ist die Natur nicht unbelebt. Rastlos - unb arbeitsam mauern einige Hanbwerker an ber Uferbefestigung. Für kurze Zeit nur zerreißt bie Hupe eines Wagens, ber brüben am anderen Ufer dahinfährt, bie Stille ber Natur. Ein Personen- Kämpfer zieht talwärts. Kleine Wellen spielen am Bug bes Schiffes unb plätschern leise am Ufer. Weit entfernt ertönt leise Musik über bas Wasser an bas Ohr eines einsam Bauschenben. Tiefe Wei- len furcht ein Schlepver hinter sich burch bas Wasser. Weißer Gischt sprüht auf. Schwer belabene Kähne, bis oben voll Kohle, liegen im Tau bes Schleppers. Sechs bis acht solcher Kähne mögen es wohl sein. Bangsam gl? en sie am Auge vorüber, langsam ziehen sie stromauf, kohlearmen Bezir­ken zu.

So bietet ber Rhein ein Sinnbilb: ernst unb ruhig, wie seine Wasser fließen, ist auch bas beutsche Volk. Ja, ernst unb ruhia sinb bie Deutschen, unb babei emsig unb arbeitssam. Nicht wie bie Jia- liener, bie feurig unb temperamentvoll sinb. Sie haben ja auch ganz andere Flüsse: schnellen ßaujes stürzen sie mit Wucht unb Elan ins Tal, unb bald hat bas blaue Meer ihre Wasser ausgenommen. Unb haben bie Russen nicht roieber ganz anbere Flüsse unb Ströme? Träge unb langsam wälzen sie ungeheure Wassermassen bem Eismeer zu. Haben bie Bewohner ber russischen Steppenlandschaften nicht bie gleichen Eigenschaften, sinb sie nicht auch träge, langsam unb in sich verschlossen?

. Ruhig und ernst, emsig unb arbeitsam ist bas deutsche Volk, emsig unb arbeitssam ist es wie ber Rhein. Schutt und Geröll bringt er aus den Alpen,

zermahlt es, zerkleinert es zu feinem Sand unb schließlich zu Schlamm unb Brei. Große Mühlen setzen seine Wasser in Gang, breite Flosse treibt er talwärts. Unb wie der Rhein selbst, erscheint auch seine nächste Umgebung. Eingeengt ist ber Rhein, nicht nur in seine Hänge unb Felsen, nein ein­geengt ist er auch zwischen breite, gut gepflasterte Straßen unb wichtige Eisenbahnlinien. Eingeengt ist er weiter in Kilometerzahlen unb Entfernungs­steine, bie in seine Ufer eingebrannt sinb. Dies alles brückt bem Rhein einen Stempel des Arbeitsgeistes ein, bes Arbeitsgeistes, ben bas ganze deutsche Volk im Dritten Reiche beseelt.

Durch die ganze deutsche Geschichte können wir eine Charaktereigenschaft verfolgen, bie bem Volke schon oft zum Verderben wurde: Uneinigkeit, eine Eigenschaft, bie teilweise burch bie Verschiebenheit der Stämme, ihre Berührung mit ber Kultur bes Römerreiches bebingt ist. Und spiegelt nicht auch der Rhein eine solche Verschiedenheit der Stamme wieder? Ich meine das nun nicht wörtlich, als wenn am Rheine Volks- ober Stammesgrengen gezogen wären, nein sinnbildlich möchte ich wohl verglei­chen: So wie wir verschiebene Stämme in Deutsch- lanb haben, so ist auch ber Rhein verschieben in seinem ßauf. Enge Schluchten mit steil abfaUenben Felsen wechseln ab mit sanften Hängen, mit Wein­bergen bewachsen unb breiten Tälern, burch bie Der Strom gemächlich seinen ßauf zieht. Nur so, sinn- bilblich, möchte ich den verschieben gestalteten Baus des Rheines mit den verschiedenen Stämmen bes Volkes vergleichen unb in Beziehung bringen.

Mit zu ben schönsten Punkten Deutschlanbs ge- hort das Rheintal von Bingen bis Koblenz. Stelle Felswände, sanfte Hänge mit edlen Reben bewach­sen, stolze Burgen und Ruinen und eine mehr als tausendjährige deutsche Vergangenheit geben dieser Gegend etwas Romanttsches, etwas Geheimnis­volles, das der Deutsche im Innern empfindet, ohne es im Grunde genommen genau bezeichnen zu können. In Hunderten von Biedern ist der Rhein besungen worden, und in ihnen schwärmt der Deut­sche für seinen Strom.

Oft stehen inmitten fruchtbarer, sonnenbeschienener Weinberge stolze Schlösser und Ruinen. Ein eiser­nes und willensstarkes Geschlecht muß hier gewohnt haben, das sich bie jähen, steil abstürzenden Fe en unterwarf, bas sich in diesen zerklüfteten Felsen seine Behausung schus. Wuchtig und trotzig haben

biefe alten Ruinen ben Stürmen ber Zeit Wider­stand geleistet, und heute noch gewähren sie bas Bilb eines wehrhaften, nicht unterzukriegenben Helden. Bilden sie nicht ein Kennzeichen für uns Deutsche? Sinb mir jetzt anbers als unsere Vor- fahren? Wollen wir Pazifisten unb Knechte fein, wo uns biefe Zeugen einer stolzen Vergangenheit zurufen: Deutsches Volk, bleibe wehrhaft! Vergiß dich nicht selbst!? Unb sinb wir nicht boch fried­liebend trotz aller Ruinen unb Schlösser? Bietet nicht ber DUjein bas beste Beispiel bafür? Stehen am Rhein brohenbe Geschütze, befinden sich an lei­nen Ufern Festungen, Kasernen ober Forts, bie ben Frieben ber Völker stören könnten? Nein, unb taufenbmal nein! Frieblich wie der Rhein und seine ßanbschaft ist auch das deutsche Volk. Und wenn wir für den Krieg rüsten würden, wie unsere Feinde es uns nachsagen, wären wir dann nicht zunächst und vor allen Dingen verpflichtet, unseren Rhein, unser Nationalheiligtum zu befestigen? Doch fried­liebend wie der Rhein sind auch seine Anwohner.

Wenn wir noch zum Schluß die Bauwerke zu Ehren bes allmächtigen Gottes betrachten, bie mächtigen Dome und Kirchen, geben diese uns nicht ein herrliches Beispiel deutscher Frömmigkeit? Don Straßburg über Speyer, Worms, Oppenheim, Mainz bis hinunter nach Köln zieht dieses Band herrlicher Dome und Münster.Dem Herrn sei bie Ehre", läuten ihre Glocken, Preis unb Dank bem Herrn.

Du Vater Rhein, seit über taufenb Jahre Deutsch­lanbs Strom unb Sinnbilb unb Heiligtum bes beut« schen Volkes! Rausche weiter dein altes ßieb, ver« richte ferner beine frudjtbringenbe Tätigkeit! Alle beine Söhne werben sich erheben, wenn ein Fremb- ling bich knechten will, bich, ber du Sinnbild unserer Eigenschaften und unseres Dolkscharakters bist.

Das walte Gott!

Oer Todesspringer.

Um 18 Uhr bin ich wieder in Nürnberg, um bem Abschiebs-Nestabenb meiner Nürnberger Karneraben beizuwohnen. Es ist Samstagnachmittag, also höch­ster Betrieb! Schauplatz: Jnnenstabt, Torturm. Am Toreingang zwei Mann Sicherheitswache. Ich schlüpfe burch bie enge Pforte unb gewahre zwei Pimpfe, bie etwas zurechtmobeln.

Was macht ihr benn da?"Wir bauen einen

Jungvölker! Das Holz hier gibt bas Rückgrat, Hofe unb Fahrtenhemb ausgestopft, ein paar weiße Tücher bas Gesicht, ein Käppi auf bem Kops. So, fertig!"

Unterbeffen stehen unten mitten auf bem Gehsteig zwei Jungen mit einer ausgebreiteten Zettbahn, währenb aus ber oberen Turmluke ein befonbers lungenstarker Jüngling hinausposaunt:

Achtung! Achtung! Der Todes« s p r i n g e r ! !"

Man bedenke, Samstag, kurz vor Geschäftsschluß! Alle Beute bleiben stehen. Da kommt auch schon der Todesspringer aus der Dachluke hervorgeschossen und landet nicht etwa in der Zeltbahn ber Jungen, son- bem auf der nächsten Gaslaterne, daß bas Glas splittert. Doch bie beiben Jungen eins, zwei, brei, mit bem Jungvölker in ber Zeltbahn verschwinben in ber Turmpforte. All right! Schotten dicht!

Wir machen nur ganze Sachen!", sagen bie Kerle stolz. Ulf.

Mein Wecker.

Ich hatte mir einen Wecker gekauft. Ich pflegte ihn immer in bester Weise. Als er ein halbes Jahr fein Beben bei mir gestiftet hatte, überkam ihn plötzlich bie Bust, meine Gutmütigkeit auszunützen. Das Klingelwerk streikte. Damit war ich natür­lich nicht zufrieben. Die Bimmelei ist boch bie Hauptsache an meinem Wecker. Nicht wahr? Mit Mut, Kraft, Entschlossenheit, Hammer unb Zange ging ich nun ans Werk. Als alles auseinanber« genommen, geölt unb gefettet war, kam ich an bas Zusammenfetzen Mit meiner Arbeit fertig, ent« becke ich mit Entzücken, baß mein Wecker lief. Ich hatte bloß brei Räbchen übrig, aber er ging. (Bloß nicht richtig!) Er hatte sich angewöhnt aus Ge- sunbheitsrücksichten nicht mehr so schnell zu laufen. Er blieb bloß brei Stunben unb 24 Minuten am Tag zurück. Das ist boch nicht schlimm?

Nach allerhanb Operationen im Bauch meines Weckers gelang es mir, noch zwei ber übrigen Räbchen unterzubringen. Heute macht er eine Entfettungskur. Warum? Er läuft immer schneller, auch wenn ich ihn noch so liebevoll an bie Wand werfe. Uebrigens bemerkte ich, baß sich kleine Räd­chen mit Achsen vorzüglich zum Spielen in lang­weiligen Schulstunden eignen. Klaus.

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