Nachdruck verboten!
7. Fortsetzung.
Entschlußfreudig zugreifen
Morgen Schluß!
cVermä^lte
georg Sfßeinz Schnaufer, Syndikus SYlatfjilde Scfjnaufer, geß. 2)iets
Krieger-Verein Gießen
Am Sonntag, dem 13. August 1933, nachmittags 3l/2 Uhr, im Philosovbenwald
Das Wunder der MagussiWeiser Vornan von Fr. Lehne. Urheberschutz durch C. Ackermann, Stuttgart.
Reise habe ich um einige Tage verschoben in der Hoffnung, daß ich nicht allein zu reisen brauche. Dabei traf Lilo ein beredter Blick, den sie sich wohl zu deuten wußte, — er wünschte ihre Begleitung? Froh klopfte ihr Herz! „Wo ich herkomme? Bon einem Besuch bei meinem Bruder in Gerlitz. Und Tee trinke ich in Gesellschaft schöner Damen bis zur Aufopferung!" , .. _
„Das höre ich gern, Baron. Darf ich die Herrschaften in mein Allerheiligstes hinüberbitten? Man sitzt dort gemütlicher', ich werde sofort für frischen Tee sorgen," sagte Lilo.
Magussi blieb jedoch stehen, — „wenn der Baron so aufopferungsfähig ist, wird er sich heute auch wohl gern einmal für mich opfern und meinen Teil am Tee mittrinken. Denn ich muhi gehen, Lilo: du weißt, daß ich pünktlich sein will. Es ist gleich halb sechs; der Wagen wird jeden Augenblick kommen.
Und wie zur Bekräftigung ihrer Worte klang jetzt deutlich das Signal des Bunteschen Wagens, das jeder in der Stadt kannte. _ ,
„Hörst du, Lilo — unser Wagen! Ich muß eilen!
Auf Wiedersehen!"
Sich verabschiedend reichte Magussi dem Baron die Hand und küßte die Freundin auf die Wange.
Magussi war fort. _ ,. ,,
Auf ihrem Platz saß nun Kurt v. Langen. Er hielt Lilo im Arm und küßte den roten Mund der leidenschaftlichen Frau. Sie war der gebende Teil; denn er wurde bald gleichgültig gegen eine Frau, die ihm zu sehr entgegenkam. Leichte Siege freuten ihn nicht. Ganz ausgeschlossen war für ihn, Lilo zu heiraten; als Freundin war sie ihm schätzenswert als Frau aber unmöglich.
Er lebte lustig in den Tag hinein, ohne sich Gedanken um die Zukunft zu machen. Sein Bruder, der den elterlichen Besitz in Gerlitz geerbt, mußte ihm eine Rente zahlen, mit der er bei nicht zu großen Ansprüchen gut auskommen konnte; häufig war dies aber nicht der Fall. Es gab dann allerlei Meinungsverschiedenheiten zwischen den Brudern, und der Aeltere riet dem Jüngeren, zu heiraten, damit er sich an ein geordnetes Leben gewöhne, sonst sei er auf dem Wege, zu verbummeln. Gelernt habe er nichts Richtiges: die paar Semester Jura, die er studiert, seien auch nur des Korpsstudentenlebens wegen gewesen; denn gearbeitet habe er gar nichts — Beweis, daß er nicht mal seinen Referendar gemacht. Und mit feinen dreißig Jahren ohne ernfte Arbeit nur von einer Rente zu leben, sei wirklich nicht als besonders ehrenvoll zu betrachten.
Es waren bittere Wahrheiten, die Ortwin v. Langen dem Bruder zu hören gegeben; nicht im besten Einvernehmen hatten sich beide getrennt.
Flüchtig deutete er das Lilo auf ihre Fragen an. Sie hatte wohl gemerkt, daß er etwas anders als sonst war, zerstreuter und nicht so zärtlich. Sofort hatte sie irgendwelchen Argwohn; denn zu trauen war ihm ja nie. Das war es also! Hatten sich ihre Gedanken doch in falscher Bahn bewegt? Denn sie
Im Empfangszimmer stand Lilos kaum von ihr benutzter Flügel; sie kam selten zum Spielen, und ihre Kunstfertigkeit darin war nicht so, daß sie sich vor anderen hören lassen konnte. Doch liebte sie es sehr, wenn Magussi spielte; da sang und f ang das tonschöne Instrument, daß sie ordentlich stolz auf diesen Besitz war, wie sie Maguss, öfter lachend oer- ^S^'laa halb auf dem mit grünseidenem Damast bezogenen Empiresofa, den Kopf auf den aufgestutzten Arm gelehnt, der Freundin lauschend, die wundervoll sang. Magussis Stimme war von einer ganz eigenen Klangfarbe; diese Stimme konnte niemand vergessen, der sie einmal gehört. Tief in Ohr und Herz drang sie, einen unwiderstehlichen Zauber aus- Übend, dem sich selbst die unmusikalische Lilo nicht zu entziehen vermochte. —
Plötzlich stutzte Lilo; ihre Augen wurden groß und weit — zwischen dem Borhang, der das Empfangszimmer vom Eßzimmer trennte, erschien ein lustiges Männergesicht, dessen graue Augen in Bewunderung an Magussi hingen. Eifersüchtig bemerkte Lilo dies, und ihre freundschaftlichen Gefühle für Magussi verschwanden mit einemmal.
Kurt von Langen — wo kam er her? Das Mädchen hatte ihn doch nicht gemeldet!
Da trafen sich seine Augen mit ihren beobachtenden Blicken Er lächelte sie fröhlich an, warf ihr eine Kußhand zu und legte den Zeigefinger auf die Lippen, um Schweigen bittend, bis Magussi geendet. Dann schlug er den Borhang auseinander und trat ein.
„Bravo, bravissimo, meine Gnädigste!
Er schlug leicht die Hände zusammen und machte Magussi, die sich auf dem Klaviersessel erschrocken umdrehte, eine tiefe Verbeugung.
Lilo reichte die Hand zum Kuß.
„Welche Ueberraschung, Baron! Wir haben Sie gar nicht kommen hören."
„Ganz einfach, ich gebot dem Stubenmädchen Schweigen, schlich mich vorsichtig ins Zimmer nebenan und wurde auf diese Weise Zuhörer, — nochmals meine Bewunderung!"
Er wandte sich wieder an Magussi — „und gleichzeitig meine ergebenen Glückwünsche zur Verlobung, gnädiges Fräulein! Sie verstehen zu überraschen — einer mußte doch der Glückliche werden, — er ist zu beneiden." —
Lilo fühlte sich irgendwie verstimmt — nicht durch seine Worte an Magussi, sondern durch seinen Blick vorhin, den sie nicht vergessen, — warum hatte der nicht sie, die Geliebte, gesucht, — dafür die andere?
„Denken Sie, Baron, — Fräulein Bunte wird auch schon bald Frau sein; man fürchtet, der Singvogel möchte davonfliegen, — man will ihn beizeiten festhalten! — Trinken Sie noch eine Tasse Tee mit uns? Wo kommen Sie her? Wollten Sie heute nicht nach Berlin?"
„Diele Fragen auf einmal. Gnädigste! — Ich werde mich bemühen, sie zu beantworten. Meine
Die beiden Freundinnen hatten sich zärtlich umfaßt, und mit gespanntem Interesse hörte Lilo dem Bericht Magussis zu.
„Und gestern war nun die Verlobungsfeier —"
„Nur im engsten Familienkreise. Die eigentliche Feier wird in acht Tagen sein."
„Zu der ich sicher auch nicht befohlen werde, da ich in Allerhöchster Ungnade stehe!" warf Lilo hin. Es sollte ironisch sein; aber ganz deutlich hörte Magussi eine gewisse Verärgerung heraus, — „gleichviel, ich werde nicht daran zugrunde gehen!"
„Ach, Lilo, Papa denkt ja, daß du meine Theatervorliebe teilst, und er will alles von mir fernhalten, was mich darin unterstützt", entgegnete Magussi begütigend, der es schmerzlich war, daß sie der Freundin nicht hatte widersprechen können.
„Scheint ihm mein Einfluß aus dich so groß? Dein , alter Herr will alles seinem Willen untertänig machen. Nun, durch deine Ehe wirst du ja von seiner Obervormundschaft befreit. — Eigentlich, Magussi, kann ich es mir noch gar nicht richtig oorstellen, daß du schon Braut bist." m ,
Seufzend spielte Magussi mit ihrem Verlobungsring.
„Ich auch nicht, Lilo!
"Unb — wie ist Eduard Weiser? — Ich meine, ist er zu ertragen?"
Magussi sann einen Augenblick nach.
Ja er ist rührend gut und aufmerksam. Ware er nicht mein Verlobter, könnte ich wohl sagen, daß er . ein sehr sympathischer Mensch ist."
Lilo mußte lachen.
Du bist köstlich, Magussi. Uebrigens sind alle Männer rührend gut und aufmerksam, wenn sie em paar Tage verlobt sind. Die Hauptsache ist daß er dich vergessen macht, was du seinetwegen hast aufgeben müssen." , . ,
Müssen, Lilo? Nein, das letzte Wort habe ich noch nicht gesprochen; denn von meiner Musik laße ich nicht. Nur — ich brauche erst mal Zeit und Ruhe zum Ueberlegen."
Jetzt aber finge mir ein Lied, — singe Strauß. .Wenn du es wüßtest, was leben heißt!' N?m, Magussi, das weißt du nicht, das Lied kannst du nicht fingen, noch nicht! — Darum will ich es Nicht von dir hören."
Lilo faßte lachend Magussi um:
Gelt, das weißt du noch nicht? Dein Herz ist noch nicht erwacht! Dann singe Elsa aus ,Lohengrm: ,Einsam in trüben Tagen', das höre ich so gern!
hätte ihn nicht verlieren mögen; dazu war sie in den hübschen, eleganten Mann zu sehr verliebt.
Ihr praktischer Verstand mußte zugeben, daß Kurts Bruder im Grunde recht hatte, ihm Vorwürfe über sein Leben ohne Beschäftigung zu machen!
Für die Ehe war er auch nicht geschaffen; nun, er dachte ja nicht ans Heiraten! Allerlei Entschuld!, gungen fand sie für ihn. Die Hauptsache war, daß er ihr blieb und sie ihn an keine andere verlor.
„Weißt du, worauf ich gespannt bin? Aus Magussis Ehe! Das Glück wird nicht überwältigend fein. Offen hat mir Magussi vorhin erklärt, daß sie ihren Verlobten nicht liebe, nur ihre Kunst. Ihre Verlobung sei nur durch den Zwang ihres Vaters ju«. stände gekommen —"
„Sie singt wundervoll!"
Ein leichter Schlag streifte feine Wange, — „du bist ja ganz hingerissen —"
Er hörte sofort das eifersüchtige Mißtrauen Lilos aus dem Tonfall ihrer Stimme.
„Von ihrer Kunst, ja! — Aber sonst habe ich wenig Interesse! Das mußt doch gerade du genau wissen!"
Und mit seinen Spitzbubenaugen sah er ihr lächelnd ins Gesicht, indem er neckend und zausend durch ihr kurzgeschnittenes Haar fuhr, das einen so kleidsamen Rahmen für ihr reizvolles, regelmäßiges Gesicht' bildete.
„Ach, geh! — ihr Männer! — euch allen ist nicht zu trauen — und dir am wenigsten!"
Aber doch war sie zufrieden, als er sie zur Widerlegung ihrer Worte in die Arme nahm und herzhaft küßte.
Leicht lächelte er vor sich hin.
Er wußte, wie man mit Frauen umzugehen hatte.
6. Kapitel.
Selbstvergessen saß Magussi vor dem Flügel, den Kopf ein wenig vorgeneigt, die Hände im Schoß verschlungen. Ihr Lied war verhallt; doch keiner her Zuhörenden hatte bis jetzt ein Wort gesprochen. Standen sie so im Banne ihres Gesanges?
Magussi schreckte beinahe zusammen, als sie jetzt von der Mutter des Verlobten angeredet wurde.
„Liebstes Kind, du hast ergreifend schön gesungen. Aber warum wähltest du gerade dieses Lied, das doch nicht für eine Braut paßt — ,Der Tag ging regenschwer und sturmbewegt' —"
Langsam stand Magussi auf und legte den Deckel über die Tasten.
„Warum, Mama?" Sie lächelte wehmütig, „es kam mir so in den Sinn. Ich finge Brahms so gern, — Allerseelenstimmung, Mama!". Und ihr Blick ging durch das Fenster in den herrlichen Garten.
Der Verlobte stand neben ihr; leicht lag sein Arm um ihre Schulter.
„Wollen wir ein Stündchen spazieren gehen unb die altert Herrschaften sich selbst überlassen?" fragte er, sich gegen ihr Gesicht neigend.
(Fortsetzung folgt.)
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Ortsgruppe Gießen Heute abend 30' 2 Migliederrersaromlung im Vereinslokal,
Neuenweg 6. 5051D Vereinigung ehemalig, hessischer Grenadiere Für die im August fällige Monatsversammlung findet am Samstag, 13.91110., ab 20 Uhr, int Caft Ebel (im Garten) suf. mit Kameraden der R. d. Z. ein
Mlllen-Menli statt. Gäste können eingeführt werden. Erschein, ist Pfiicht. 01707 Ter Borstand.


