37 Fortsetzung
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Die Garten- und Feldbesitzer der Gemarkung Gießen werden hiermit aufgefordert, bis jum 1. 3uni 1933 ihre Bäume, Sträucher und Hecken von den Raupennestern zu reinigen. 3156C
Diejenigen, welche dieser Aufforderung nicht Folge leisten, verfallen in die im § 368 des Reichs-Strafgesetzbuches bestimmte Geld- oder Haftstrafe. Außerdem wird die Beseitigung der vorhandenen Raupennester auf Kosten der Säumigen angeordnet werden.
Gießen, den 11. Mai 1933.
Bürgermeisterei Gießen. I. V.: vr. Hamm.
Wenn er mit Hilfe der vielerlei praktischen Gartengeräte seine Arbeit vollbracht hat, wenn alles sprießt und lustig gedeiht, dann steht er auf dem Standpunkt:
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Deshalb hat er sich eine wunderhübsche Ecke mit Gartenmöbeln eingerichtet, in der sich’s nach Feierabend und und Sonntags urgemütlich sitzen läßt. Meint’s die Sonne mal zu gut — klapp, hat er den bunten Gartenschirm schon aufgespannt und sitzt im Schatten. Lustige Gartenfiguren schauen ihm zu und ein paar „Stein“-Pilze schaffen mit einer Tanne zusammen einen Privat - Wald. Eine Idee — was? Die paar Mark für Gartenmöbel bringen Sie doch auch noch auf? Kommen Sie mal in meine Gartenmöbel-Ausstellung.
den ersten Blick verliebte. Die Liebe war gegenseitig, aber es gab wichtige Gründe, Familiengründe, die mich zwangen, so schwer es mir auch wurde, meiner Liebe zu entsagen und abzureisen. Nun traf ich aber gestern vormittag ein junges Mädchen, das der von mir Geliebten aufs Haar glich. Ich traf sie vor dem Sühnekreuz, das meinem verstorbenen Großvater zum Gedächtnis errichtet wurde. Ich sprach sie an, aber sie tat fremd wie die fremdeste Frau und redete kein Wort Deutsch, obwohl Angela Esperao cs tadellos beherrschte. Nun möchte ich um des Himmels willen eins wissen, was mich quält und mir den Verstand zu rauben droht: Ist es Angela Esperao, die mit Ihnen in Wiesental wohnt, ist sie es, die so wunderschöne Blumen machte und diese an der Markthalle in Sans verkaufte, oder ist sie wirklich eine andere, ist sie nur eine Doppelgängerin von ihr? Geben Sie mir die Gewißheit. Ich bin schon völlig verzweifelt vor Unruhe."
Pfarrer Basella überlegte keine Sekunde lang, was er antworten mußte. Er hatte es Angela ja gestern nachmittag bereits erklärt, sie hätte mit dem Verleugnen ihrer Person unrecht getan und hatte es auch emgesehen. Aber ehe er Konrad Zweilinden noch Antwort zu geb^n vermochte, gab sie bereits die temperamentvolle Catalina.
„Eigentlich haben Sie keine Wahrheit verdient, aber trotzdem sollen Sie die Wahrheit hören, und noch dazu eine ganz gründliche. Unsere liebe Angela, die mein Großonkel chrer deutschen Sprachkenntnisse wegen gebeten hat, uns nach Deutschland zu begleiten, ist dieselbe, die Sie in Barcelona kennenlernten und der Sie von Liebe gesprochen haben, um sie, kaum hierher zurückgekommen, zu verraten. In Barcelona sprachen Sie ihr von Liebe und kaum wieder hier, lieben Sie bereits eine andere. Angela hat erfuhren, daß Sie verlobt sind, und Sie können sich denken, wie sehr sie sich darüber gefreut hat, weil Liebe sehr tief und echt gewesen sein muß, sonst hätten Sie sich nicht so über alle Begriffe schnell zu trösten verstanden.
Der Zufall hat uns, meinen Großonkel und mick), zu Erben von Schloß Wiesental gemacht und damit zu Ihren Nachbarn. Angela hat nichts von Ihnen gewollt und sich schon damit abgefunden, daß es mit ihrer Liebe aus fein mußte; aber eine schlimme Botschaft war es für sie, wie rasch Sie sich eine Braut gesucht haben." Ihre Zähne blitzten, ihre großen schwarzen Augen loderten zornig. „Wissen Sie, was ich an Angelas Stelle getan haben würde? Einen Dolch hätte ich Ihnen ins Herz gestoßen!"
Ihre Rechte hob sich so lebhaft, stieß so schroff vor, als hielte sie wirklich einen Dolch, den sie ihm ins Herz stoßen wollte.
Es gelang weder dem Pfarrer noch Konrad Zweilinden, den kleinsten Zwischensatz anzubringen. Wie eine Sturmflut war die Rede Catalinas gewesen, die alles, überspülte, was sich ihr entgegenzustellen versuchte.
(Fortsetzung folgt.)
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Sie spielte die Fremde, die kein Wörtchen Deutsch verstand, und obwohl er immer wieder bat: „Laß die Maske fallen, Angela, es gibt ja doch keine, die dir zum Verwechseln ähnelt!", blieb sie dabei, Spanisch zu fpredjen und so zu tun, als kenne sie ihn nicht.
Er faßte beschwörend nach ihrer Hand: sie schüttelte seine Finger ab. wandte sich und ging fort, ließ ihn stehen wie einen, der sie beläftigen wollte.
Er lief ihr nach. Da traf ihn ein flammender Blick, spanische Worte, die er nicht verstand, die aber scharf und befehlend klangen, bannten feinen Schritt. Er wagte es nicht mehr, dem schönen Mädchen zu folgen. Tausend Fragen drangen auf ihn ein und betäubten ihn geradezu.
Du lieber Himmel, handelte es fick) wirklich nur um eine verwirrende Aehnlichkeit, oder war es Angela, die er eben wiedergesehen? Er blickte ihr nach, die — ohne sich auch nur ein einziges Mal umzuwenden — in der Richtung auf Wiesental zuging.
Er seufzte. Das war ein Erlebnis, das einem schweren, dunklen Rätsel glich. Er konnte es nicht lösen. Als er sie nicht mehr sehen konnte, ging es ihm durch den Kopf, daß er eine fremde Dame belästigt hatte.
Konrad von Zweilinden sann nach. Daß es sich um eine der beiden spanischen Damen aus dem Schlosse gehandelt, unterlag keinem Zweifel; ihre Aehnlichkeit mit Angela war täuschend groß, aber doch nur eine Aehnlichkeit. Sein süßes Mädel, seine schöne Angela, saß um diese Zeit in einem kleinen Kiosk, viele, viele Meilen von hier entfernt, und verkaufte die Rosen und Nelken, die Lilien und Margueriten, die ihre geschickten, fleißigen Hände selbst verfertigt.
Sonderbar aber war der Zufall, der sie gerade nach Schloß Wiesental geführt, das früher dem Grafen Speerau gehört, Angelas Vater. Und sonderbar, daß diese Spanierin auch Angela hieß. Aber der Vorname mochte ziemlich häufig sein in Spanien.
Er sann, warum sie wohl so andächtig vor dem Kreuze gestanden hatte? Sid)er war sie als Spanierin sehr fromm, und vielleicht hatte sie vor dem Kreuze gebetet, ohne daß sie den Sinn dessen verstand, was darauf zu lesen war.
Wanderer, bete für seine Seele! Sie mochte die Bitte auf dem Kreuze gefühlt haben mit dem feinen Instinkt frommer Menschen.
Er bestieg wieder sein Pferd und ritt heim; aber die Begegnung am Steinkreuz lag ihm den ganzen Tag über im Sinn. Er kam nicht darüber hinweg: Er hatte Angela wiedergesehen, und sie war es doch nicht gewesen. Niemals hätte er eine derartige Aehnlichkeit für möglich gehalten.
Angela aber erreichte das Schloß mit klopfendem Herzen. Sie eilte in ihr Zimmer und sank vor dem Bett in die Knie, drückte den schmerzenden Kopf in die weiche Decke des Lagers.
„Konrad, alle Vernunft nützt nichts, ich habe dich doch Heb!" stöhnte sie, von Seelenschmerzen gemartert und zugleich von dem Glück betäubt, ihn wieder-
Und dann schwang er sich plötzlich aufs Pferd. Was ging es ihn an, was für Züge die Fremde trug! So fd)ön wie Angela war doch keine zweite mehr, und mochten die beiden Spanierinnen, die jetzt im Schloß Wiesental lebten, auch noch so schön sein.
Eben hörte Angela ein Geräusch hinter sich, eben erwachte sie aus ihrer Versunkenheit. Sie blickte sich leicht um und erkannte den Reiter sofort. Konrad aber starrte sie betroffen und fragend an und sprang wieder vom Pferde, denn da vor sich sah er ja Angela selbst. Angela, deren Bild ihn verfolgte Tag und Nacht, das um ihn war, wo er ging und stand.
Er fuhr sich hastig mit der Rechten über die Augen. Er mußte träumen am hellen Vormittag — oder eine Vision haben, denn es war doch unmöglich, daß es Angela wirklich war, die nur wenige Schritte von ihm entfernt am Stemkreuz stand. Er dachte zuviel an sie, und nun arbeitete seine Phantasie und gaukelte ihm ihre Gestalt und ihr wunderschönes Gesicht vor. Wie sollte die arme Blumenvertäuferin aus dem Kiosk an der Markthalle des Stadtteils Sans in Barcelona ausgerechnet hierberkommen? Doch als er die Hand wieder von den Augen nahm, erblickte er noch dasselbe wie kurz zuvor. Er sah immer noch Angela vor sich.
Er ließ die Zügel los, rief seinem Pferde ein paar Worte zu, die das Tier verstand. Es blieb stehen und schaute mit seitlich gewandtem Kopf aus klugen Augen seinem Herrn nach, der mit ein paar Schritten jetzt Angela erreichte.
Sie blickte ihn mit großen Augen entgegen, aber keine Miene verriet ihm, daß sie ihn kannte, daß sie ihn nicht zum erstenmal im Leben sah. Sie zwang sich zu dieser starren, scheinbaren Ruhe, denn eben erst hatte sie an den Mann ihrer Liebe wie an einen Toten gedacht. Und tot sollte er für sie bleiben, der die Erinnerung an ihre Liebe so schnell aus seinem Gedächtnis getilgt.
Er nannte ihren Namen leise und doch von freudiger Bewegung erfüllt.
Sie erwiderte auf Spanisch: „Ich heiße Angela Figueras y Landa, Senor."
Den einfachen Satz verstand er. „Angela", bat er, „sprich Deutsch, du kannst esja, damit wir uns gut verständigen. Ich bin so froh, dich wiederzusehen!" „Lügner!", dachte sie voll Bitterkeit. Was konnte ihm an dem Wiedersehen liegen, er hatte sich ja schon über diesen Verlust getröstet.
gesehen zu haben. Denn ob sie sich auch noch so sehr dagegen wehrte; das Wiedersehen, bei dem sie ein so fremdes, kaltes Gesicht gezeigt, hatte doch Befriedigung und Glück in ihr hinterlassen. Ihre Liebe ließ sich nicht vernichten, sie blieb stark und gleichmäßig.
Am Nachmittage erzählte sie dem Pfarrer von der Begegnung am Kreuze, und wie sie dabei die völlig Fremde gespielt, bie nicht begriff, was Konrad Zweilinden von ihr gewollt. Der alte Herr schüttelte den Kopf.
„Sie haben nicht recht getan, meine Tochter. Sie hatten ihm ganz offen erklären sollen, was Sie gehört haben, und daß Sie ihm zürnen und ihn wegen seiner Handlungsweise verachten. Aber wozu die Komödie, die Lüge? Das paßt nicht zu Ihnen, Angela."
Angela sann nach. Eigentlich hatte der gute Pfarrer recht: Wozu die Komödie, die Lüge?
Dunkles Rot stieg ihr in die Wangen, als sie bekannte: „Ich schäme mich, Sennor Cura, ich hätte bei der Wahrheit bleiben müssen."
Am nächsten Vormittage ging, der Pfarrer mit Catalina in der Nähe des Schlosses spazieren, Angela wollte ihnen gleich nachkommen, und die zwei schritten langsam dem Walde zu.
Plötzlich versperrte ihnen eine hohe Männergestalt den Weg und sprach sie auf Deutsch an. Beide zuckten bedauernd die Achseln, und der Pfarrer versuchte es mit einer Frage auf Französisch.
Er erhielt die tadellose Antwort: „Dem Himmel sei Dank, nun ist anscheinend die Möglichkeit gegeben, uns zu unterhalten, denn mein bißchen Spanisch, steht auf sehr schwachen Füßen. Ich möchte Sie nämlich recht sehr darum bitten, mir eine Frage zu erlauben. Ich heiße Konrad von Zweilinden, mir gehört bas Nachbargut, und ich vermute, Sie sind die Erben von Herrn Julius Baseller und wohnen zur Zeit in Schloß Wiesental?"
Catalina betrachtete den Herrn mit Aufmerksamkeit. Also das war er, der so schnell die wunderschöne Angela vergessen hatte. Was er nur von ihnen wollte?
Pfarrer Basella erwiderte mit kühler Höflichkeit: „Ich heiße Basella, und das ist meine Großnichte Catalina; im übrigen stimmen Ihre Annahmen, wir beide sind die Erben von Schloß Wiesental. Und nun stellen Sie nur Ihre Frage. Ich hoffe, es ist mir möglich, sie zu beantworten."
Konrad Zweilinden lächelte gequält.
„Von Ihrer Antwort hängt es für mich ab, ob ich mich fortan noch als normalen Menschen befrachten darf."
Der Pfarrer schüttelte den Kopf.
„Ich verstehe zwar nichts, aber stellen Sie nur Ähre Frage."
Konrad Zweilinden ging langsam neben dem Pfarrer her. „Mir ist etwas Merkwürdiges geschehen, Herr Pfarrer. Ich war um die Osterzeit herum mit meiner Mutter in Barcelona. Dort lernte ich ein junges Mädchen kennen, in das ich mich auf
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