Nr. 108 Erstes Blatt
185. Jahrgang
Mittwoch, 10. Mai 1953
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Landnöten.
Als im Jahre 1806 das nachsriderizianische Preußen unter den Schlägen Rapoleons zusammenbrach, war die deutsche Studentenschast „unpolitisch". Hnd als wenige Jahre nach der Schlacht bei Jena ein neues Preußen sich im Geiste der damals neuen „Vaterlandsliebe" erhob, da wurden die Studenten die Träger und Vorkämpfer dieser politischen Erhebung gegen den .Frieden" von Tilsit. Ohne nun im einzelnen hier einen Vergleich mit den Zeiten der Freiheitskriege ziehen zu wollen, muß man sich doch in diesem Zusammenhänge erinnern, daß auch die deutschen Studenten von 1914 im wesentlichen „unpolitisch" waren und daß der Vertrag von Versailles eine Politisierung der Jugend und insbesondere der akademischen Jugend erzeugte, die heute zu einem Aufbruch geführt hat, der wesentliche Züge mit dem von 1813 gemein hat.
Die deutsche Universität ist nicht nur eine Stätte freier Forschung, sondern sie ist auch eine Stätte der nationalen Erziehung. Man kann Geistesleben niemals erzwingen. Es kommt mit der unwiderstehlichen Macht der Geschichte. In dem Deutschland von heute aber spürt jeder ein innerliches Drängen, eine tief im Volke wurzelnde Sehnsucht nach innerer Erhebung zu neuen Idealen: — die deutschen Universitäten können sich diesem Drängen nicht nur nicht entziehen und sich auf die kühle Zone der reinen Wissenschaft zurückziehen, nein: sie müssen aus dem drängenden Wollen und leidenschaftlichen Sehnen das geistige Fazit ziehen, die Ziele und Ideen weisen, nach denen die Nation ihre Haltung zu bestimmen hat. Heute ist unsere Haltung wieder einmal von jener inneren Ganzheit bestimmt, die einst zur Zeit der Freiheitskriege das deutsche Geistesleben erblühen ließ. Diese Ganzheit muß auch im akademischen Leben schöpferisch in Erscheinung treten. Deshalb ist bei aller Freiheit der Forschung das Erziehungsziel der Hochschule einheitlich zu bestimmen. Es kann nur in der Befreiung der Nation liegen.
Weil dies so ist, konnte selbstverständlich auch die sogenannte D i cht e r a t a b e m i e , die Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Wissenschaften, nicht unberührt bleiben. Sie war in den letzten Jahren der Sammelplatz jener literarischen Elemente, die dem Geiste der nationalen Erneuerung entgegenarbeiteten. Wenn jetzt deutsche Dichter wie Paul Ernst, Hans Grimm, Wilhelm Schäfer, Friedrich Griese, Emil Strauß, Hanns Iahst, Sol- benheyer, Earossa Blunck usw. in die Akademie berufen wurden, so ist das der Ausdruck einer geistigen Erneuerung, ja noch mehr: es ist der Ausgangs- vunkt für ein ganz neues und weithin wirkendes Bild der deutschen Nation, das sich nun nach den Werken dieser Dichter in der Welt gestalten kann. Denn darauf kommt es jetzt mindestens so sehr an wie auf die Beschaffung von Arbeit und Brot, daß nämlich in den Deutschen und in der Welt draußen ein Bild der Deutschheit gestaltet werde, das dem Leben des Einzelnen wieder Sinn und Würde gibt. Denn wir leben nur um der Gemeinschaft unseres Volkes willen — dieser Grundsatz ist jetzt endlich, nachdem ihn Millionen Tote im Kriege mit ihrem Blute besiegelten, zum obersten und selbstverständlichen Gesetz der Nation geworden. Ihn zielbewußt ins Leben umzusetzen, dazu kann und muß uns das deutsche akademische Leben zu allererst helfen.
Die Anstrengungen der deutschen Volksseele, das deutsche Leben neu zu gestalten, fetzen dort ein, wo stets eine neue nationale Bewegung und eine vertiefte Geisteshaltung des Deutschtums begann: bei der Erziehung des Heranwachsenden Geschlechtes. Wie deutsche Meisterwerke der Dichtung Erziehungsromane sind, vom Parsisal Wolfram v. Eschenbachs über Grimmelshausens Simplizissimus, Goethes Wilhelm Meister, Raabes Hungerpastor und Gottfried Kellers Grünen Heinrich, lief die Vildungs- arbeit der deutschen Kulturmenschheit daraus hinaus, den Cinzelmenschen in seinem Werden an der deutschen Hmtoelt zu orientieren, ihn zum Lernmenschen und von da aus zu der Entwicklung faustischen Tatgefühls in Reife und Abgeklärtheit zu bringen. Erziehung zur deutschen Bildung ist C n t w i ck l u n g der Persönlichkeit. Deutscher Individualismus ist gleichbedeutend mit dem Vertrautsein des Vlutes und der deutschen Geistesströmungen neuer und alter Zeit, wovon sich wesentlich der großstädtlsche Individualismus scheidet, der ein Zivcllsattons- produkt ist und zum neuen Geist des Volkes keine Verbindung hat und haben tamv
Daß die Kultusminister der Länder sich letzt mit der Bildung des neuen Menschen be.chaftigten und der Reichsinnenministcr Dr. <5 r i d über öie Erziehung des neuen Deutschen sprach, liegt allo im Hrgesühl germanischer Veranlagung und M eine wesentliche Ergänzung des politischen Geschehens. Das eigentliche Dildungsziel geht natürlich vom Boden, vom deutschen Raum, aus den Schächten deutschen Blutes und deutscher Oei» stesveranlagung aus, will Erziehung zum Gemeinschaftsgefühl, aber muß ganz selbstverständlich die Dildungswerte ubstim- men auf die individuellen Fähigkeiten Des lernenden. Denn nirgendwo rächt sich die Anwendung von Rormen für das gesamte Kulturle^n bitterer als in der Erziehung des Einzelnen. Wie sehr auch die kulturelle, religiöse, soziale Strömung bestimmt und national ausgeformt sein muß, so wird doch jede neue geistige Bewegung getragen aus den Kräften, die aus den tiefsten Tiefen der Seele herauswachsen und die in ihrer Vielgestaltigkeit erst ein Kulturganzes bilden.
Die Erziehung zur Nation war immer bas Enbergebnis bes Traumes, den die Besten vom bcutfchen Menschen hatten, die Formung ber Per-
Anordnungen für die preußische Verwaltung.
Keine Eingriffe in die Wirtschaft.
Ein Erlaß Ministerpräsident Görings.
Berlin. 9. Mai. (WTD.) Amtlich. Der preußische Ministerpräsident Göring läßt mit- teilen, daß in letzter Zeit mehrfach von Kampf- Bünden, besonders vom Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes, in nicht rechtmäßiger Weife in Betriebe eingegriffen worden ist. — In Zukunft werden derartige Eingriffe nicht geduldet, Zuwiderhandlungen bestraft. Das» preußische Etaatsministerium ersucht die Leiter des Kampfbundes, fchärfstens darauf zu achten, daß in dem sogenannten Kampfbund nicht erneut Organisationen verkappt auf* tauchen können, die bisher von der national- sozialistischen Bewegung schärfstens bekämpft wurden. Sie haben zeht lediglich die Aufgabe, innerhalb der Verbände und Vereinigungen dafür zu sorgen, daß die bislang in den Vordergrund gestellte Interessenvertretung zurückgedrängt und durch eine allgemeine Staatsauf- faffung erseht wird. Die Kampfbünde dürfen nicht dazu führen, daß in ihnen erneut Interessenvertretungen entstehen, wie sie seinerzeit z. B. in der Wirtschaftspartei von den Rationalsozialisten radikal bekämpft wurden. Richt das Interesse eines einzelnen Gewerbes oder Berufes, sondern das allgemeine Interesse des Volkes und Vaterlandes steht im Vordergrund.
Kommissare z. b. D.
Berlin, 9. Mai. (END) Amtlich. Minister- Präsident Göring hat in einem Erlaß über die Einsetzung von Kommissaren z. b. V. u. a. ungeordnet, daß in Zukunft sich die Bestellung von Kommissaren auf gewisse besonders wichtige Sonderfälle und -aufgaben beschränken wird, deren Auswahl grundsätzlich den ober st en Landesbehörden allein vorbehalten bleiben muß. Alle Kommissare, die hiernach in Zukunft nicht mehr zulässig sind, haben ihre Tätigkeit sofort einzustellen. Die Tätigkeit von Kommissaren, die durch die Kommunalaufsichtsbehör- d e n für beurlaubte Beamte in Gemeinden und (9c- incindeoerbänden oder sonst zur Aufrechterhaltung des geordneten Ganges der Verwaltung eingesetzt worden sind, bleibt durch diese Anordnung unberührt. Beschränkungen der persönlichen Freiheit, insbesondere die Verhängung von Polizeihaft, dürfen nur durch d i e zuständigen Kreispoli- zeibehörden verfügt werden. Ebenso sind Untersuchungen bei Verdacht strafbarer Handlungen lediglich den hierfür zuständigen Strafverfolgungsbehörden Vorbehalten. Personen, die die Bezeichnung eines Kommissars unbefugt führen oder gar unbefugt Handlungen vornehmen, setzen sich der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung aus.
Oie preußische Schutzpolizei.
Berlin, 9. Mai. (ERD.) Ministerpräsident Göring hat in einem Erlaß zur politischen Betätigung in der Schutzpolizei u a. das Tragen von politischen Abzeichen und Armbinden, auch Hakenkreuzarmbinden, zur Uniform verboten. Die Teilnahme von Polizeibeamten in Uniform an Umzügen nationaler Verbände unterliegt in jedem Falle der Genehmigung des Kommandeurs der Schutzpolizei. Eine eventuelle Betätigung ist lediglich in geschloffenen Formationen zulässig. Die vorhandenen nationalsozialistischen Fachschaften bleiben bestehen: irgendeine Einwirkung auf dienstliche Angelegenheiten ist jedoch verboten. Organisationen anderer nationaler Verbände sind sofort aufzu- lösen. Rachdem die S A. und SS. zu öffentlich anerkannten Organisationen mit eigenen Dienststrafbestimmungen erhoben worden sind, ist die Mitgliedschaft zu diesen Organisa
tionen für die Angehörigen der Schutzpolizei, die selbst einen Grundpfeiler der bewaffneten Macht des Staates bildet, unmog- l i ch geworden. Soweit deshalb Angehörige der Schutzpolizei den genannten Verbänden als Mitglieder angeboren, haben sie sofort auSzutreten. Das gleiche gilt für die Mitgliedschaft beim Stahlhelm.
In dem Erlaß heißt es n a. weiter: Ich werde zunächst der Schutzpolizei als Zeichen des Sieges der nationalen Revolution das weiße Hakenkreuz am Stahlhelm und ferner für die geschlossene Polizeitruppe alsEhren-und Feldzeichen amtliche Fahnen mit dem Siegeszeichen der nationalen Erhebung verleihen.
Berlin, 9. Mai. (TU.) In den Tennishallen in Berlin fand eine vorn Aktionsausschuß zum Schuhe der deutschen Arbeit veranstaltete Massenkundgebung der Berliner Angestellten statt. Der Führer der Angestelltengewerkschaften, Forster, bezeichnete es als die unabweisbare Aufgabe, aus der Partei den Staat zu machen und den Geist des Rationalsozialismus auf alle Volksgenossen zu übertragen. Wenn der Staat national-sozialistisch geführt wird, so muß auch der letzte Verband eine nationalsozialistische Führung haben. Wir werden die erworbenen Rechte nicht verloren gehen lassen und dafür sorgen, daß die Mitglieder dieser Gewerk- schasten und Verbände zu gleichberechtigten Mitgliedern im Rahmen der Volksgemeinschaft werden. Es gilt, eine unzertrennliche Gemeinschaft der A n g e st e 111 e n zu schaffen, die allein die Möglichkeit einer Erziehung der Angestellten zum Rationalismus und Sozialismus bietet. Wir find uns der organisierten Entwicklung des Berufs- ständischen Wesens in Deutschland Bewußt und denken nicht daran, sie zu zerschlagen. Wir werden im Rahmen der großen nationalsozialistischen Angestelltenorganisation Unterorganisationen schaffen für die Angestellten der einzelnen Zweige, Kaufleute, Techniker, Werkmeister, Frauen usw. Damit werden die Voraussetzungen für das kommende Ständeparlament geschaffen fein.
Der Leiter des Aktionsausschusses Dr. Ley erklärte: Das Gute an den Gewerkschaften soll und wird erhalten BleiBen. Ich hoffe, daß schon in diesem Jahr ein Dau der ArBeiter- und An« geftclltenoerbänöe erstehen wird, der getragen ist von stolzer deutscher Kraft und der den Blick nicht einer Internationale, sondern nach innen richtet. Wenn Du. schaffender deutscher Mensch, auf Deine Leistung Blickst, und Dir des Wertes Deiner Ar- Beit im Dienste der Volksgemeinschaft Bewußt Bist, so wird der QIugenBlid da fein, den wir alle er- sehnen: E i n neues Geschlecht des ar* Beitenden, des schaffenden Deutschtums. So wollen wir auch den ArBeiter, der heute noch verärgert beiseite steht, nicht zurück- stoßen, wenn er in ehrlichem Willen zu uns kommt. Wir wollen ihn prüfen und ihm helfen, daß er den Weg nach Deutschland, in die Heimat zurückfinde.
Oie Prüfung bei den Freien Gewerkschaften.
Berlin, 9. Mai. (ERD.) Wie die RSBO- Pressestelle mitteilt, berichtet der Beauftragte des Aktionskomitees zum Schuhe der deutschen Arbeit für den Z d A., daß Mitte März d. I. sämtliche Kassenbelege der Hauptkasse des ZdA. bis zum 30. September 1932 einschließlich auf Anordnung des Verbandsvorsitzenden Hrban verbrannt worden sind. Heber die Gründe dieser Maßnahme braucht man sich wohl keinem Zweifel hinzu-
An die Stelle der Beamtenavsschüsse treten in Zukunft bei der Schutzpolizei Vertrauensmänner als die nach Art. 130 Abf. 3 bei Reichsverfafsung vorgesehenen Deamtenvertretun- gen. Die nationalsozialistischen Fachschaften Haden die Aufgabe, durch kameradschaftliche Anleitung und Aufklärung in ihrer Formation Verständnis für die nationalsozialistische Idee und Vertrauen zu ihren Zielen zu wecken und zu festigen. Wünsche und Beschwerden persönlicher und sachlicher Art sind in Zukunft lediglich bei denzuständigen Dien st vorgesetzten oder dem amtlichen Vertrauensmann der betresfenden Formation, nicht aber bei Parteidienststellen vorzubringen.
geben. Besonders für die Gewerkschaftsmitglieder außerordentlich aufschlußreich ist eine Gehalts- liste des Gesamtverbandes der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe, der wir folgende Gehälter entnehmen: Vorsitzende 705 bzw. 655 Mark, Jugendsekretär 505 Mark, Stenotypistinnen 277,50 Mark, Vüro- hilssarbeiterin und Lohnbuchhalterin 370 Mark, Bürogehilfin 259 Mark, Bürohilfsarbeiter 415 Mark, Kassenbote 370 Mark, Hausverwalter 625 Mark, Hilfsarbeiter und Monteur der Hausverwaltung 400 Mark, Heizer 310 Mark, Heizer und Portier 370 Mark, Fahrstuhlführer und Haus- schlosser 415 Mark, Packer in der Buchhandlung 370 Mark, Packer in der Expedition 310 biS 415 Mark, Adressenfchreiberinnen 217 BiS 259 Mark. Wir weifen es weit von uns, durch Veröffentlichung dieser Monatsgehälter irgendwie an Reidinstinkte appellieren zu wollen; es kommt uns lediglich darauf an, aufzuzeigen, daß zwischen den Cinkommensverhältnifsen derjenigen. Die dieVeiträge aufbringen, und denen, die sie verzehren, ein riesengroßer Hnter- schied besteht. Kein Gewerkschaftsmitglied wird sich finden, das diese Gehälter in Anbetracht der heutigen Rotzeit verteidigt. Erst die deutsche Revolution wird hier Wandel schaffen: Verminderung des Personals, den Lebensbedingun- gen angemessene Gehälter und Hauptziel: Senkung der Beiträge, Erhöhung der L e i st u n g e n.
Beschlagnahme
des gesamten SpO.-VermögenS.
Berlin, 10. Mal. (IDIB. Funkspruch.) Der (Beneralflaalsanroalt I Berlin hat die Beschlagnahme des vermögens der gesamten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und ihrer Zeitungen sowie des gesamten Reichsbanners angeordnet. Den Grund zu der Beschlagnahme bilden die zahlreichen Fälle von Untreue, die durch die Uebernahme der Gewerkschaften und der Arbeiterbanken durch die 715BO. aufgedeckt wurden.
Reichskirche
und Oeutsche Christen.
Eine Unterredung mit Wehrkreispfarrer Müller.
TU. Berlin, 9. Mai. Die „Tägliche Rundschau* veröffentlicht eine Unterredung mit dem Bevollmächtigten des Reichskanzlers für die evangelische Kirche, Wehrkreispfarrer Müller, über die Frage „Reichskirche und deutsche Christen."
Pfarrer Müller betont u. a., daß er dafür zu sorgen habe, daß der Stampf um die Zukunft der evangelischen Kirche nicht so geführt werde, wie der politische Kampf. Reichskanzler Hitler wolle keine Religionskrise heraufbeschwören. Maßgebend
ZorstenindLeysprechenziidendeNmekAngestellten
sönlichkeit, das Streben aller deutschen Kultur. Goethe hat im Zeitalter übersteigerter geistiger Kultur bitter empfunden, wie wenig damals das Nationalgefühl gestaltet war. In einem Gespräch mit dem Jenenser Geschichtsforscher Luden meinte er: „Der Trost, den Kunst und Wissenschaft gewähren, ist doch nur ein leidiger Trost und ersetzt das stolze Bewußtsein nicht, einem starken, geachteten und gefürchteten Volke anzugehören. In derselben Weise tröstet auch nur der Gedanke an Deutschlands Zukunft. Ja, das deutsche Volk verspricht eine Zukunft, hat eine Zukunft. Das Schicksal der Deutschen ist noch nicht erfüllt", und eigentümlicherweise glaubte Goethe, wie übrigens auch der romantische Idealismus eines Fichte und Schleiermacher, die Deutschen ließen sich wohl zeitweilig unterdrücken, aber niemals vertilgen, denn die Individualkräfte seien in Deutschland zu stark und ausgeprägt. Was Opferfähigkeit, Sittlichkeit, Geistesfreiheit ausmachen und das Gefühl ber Volksverbundenheit vertieft, ist Urgrund jeder nationalen Erhebung und vor allem des deutschen Frühlings der Gegenwart gewesen. Was die Ahnen in unsere Seelen legten, das zu vollenden und dem Heranwachsenden Geschlecht als Ansporn zu deutscher Tat zu überliefern, ist Aufgabe eines Volkes von Tätigen und Lernenden.
Der Stahlhelm, Deutschlands größter Frontfoldatenverband, hat die Forderung auf Schaffung von Lehrstühlen für Wehr- Wissenschaft erhoben. Ein Vorschlag, der nur im ersten Augenblick verblüfft. Denn es genügt
der Hinweis, daß bereits fast alle anderen Großstaaten über solche Lehrstühle verfügen, um auch für das von allen Seiten bedrohte Deutschland die Rotwendigkeit einer Ausbildung der akademischen Jugend in allen Fragen der Wehr- Wissenschaft zu begründen. Sollen also die deutschen Studenten, die künftighin die wehrwissenschaftlichen Vorlesungen besuchen, am Jnsanterie- gewehr ausgebildet werden oder sollen sie unter der Anleitung von Offizieren taktische Sandkastenaufgaben lösen? Rein, die Wehrwissen- schast bezweckt etwas vollkommen anderes. Einmal ist Deutschlands Jugend immer noch die unmittelbare Beschäftigung mit der Waffentechnik verboten, dann auch handelt es sich wirklich um eine wissenschaftliche, und nicht um eine soldatische Angelegenheit. Die Reichswehr bildet ihren Rekrutenstamm waffentechnisch aus, die zu schaffende Miliz wird einen großen Teil des deutschen Volkes ähnlich der alten Armee wieder mit den soldatischen ©runhtugenben vertraut machen. Die lonunenben außWpvtirischen Ausein-
-ern
werken ganze Volke: in Mit' densckaft rieben. Front und Heimat winne Einheit bilden, icber, der irgendwie zur Verteidigung seines Landes eingesetzt wir», hat über eine umfassende Kenntnis aller drohenden Gefahren und Abwehrmöglichkeiten zu verfügen. Diese Kenntnisse zu vermitteln, dazu solhm die neuen Lehr- stühle geschaffen werden.
Was weiß der Heranwachsende Deutsche zum Beispiel von der Rüstungsstärke unserer Nachbarn? Wer kennt die Grundlagen der englischen, amerikanischen, italienischen und russischen Heeresversassung? Wer vermag die Gefahren einzuschätzen, die Europa und der ganzen weihen Rasse durch die Kownialarmee der Franzosen entstanden ist? Der Iugenddildner und Lehrer hat heute noch keine Ahnung, in welch umfassender und großzügiger Weise die Jugend der anderen Weltstaaten praktisch für eine wirksame Landesverteidigung erzogen wird. Der Luftschutz, also die Abwehr von Bombenangriffen aus Flugzeugen, ist bisher das Geheimnis einiger Fachspezialisten geblieben. Dor etwa zehn Jahren schuf Professor Haushofer in München die sogenannte „Geopolitik", d. h. eine Vereinigung von Politik, Geographie und Volkswirtschaftslehre. Ewald Banfe gründete vor einigen Jahren die geopolitische Be- oölkerungswissenschaft, also die Lehre von der Unterschiedlichkeit der Stämme und Völker und ihren verschiedenen Verhalten im Angriff und in der Abwehr. Französische Universitäten haben eingehende Untersuchungen über die Entstehung und Verhinderung von Massenpaniken angestellt. Alle diese neu in das Blickfeld tretenden Betrachtungsmöglichkeiten wirt- fchaftlicher, politischer und seelischer Zusammenhänge sollen einen aufgeschlossenen Personenkreis vermittelt werden, der nicht nur zur Führung des Heeres, sondern zur Führung in Politik und Wirtschaft bestimmt ift


