Die in den Ruhestand versetzten Beamten nichtari» scher Abstammung oder die politisch unzuverlässigen Beamten erhalten kein Ruhegeld, wenn sie nicht mindestens eine zehnjährige Dienstzeit zurückgelcgt haben: Härten sollen vermieden werden.
Weiter werden durch das Gesetz die Mißstände beseitigt, die sich daraus ergeben haben, daß vielfach Beamten, die nicht als Berufsbeamte, sondern von der Parteigunst in ihr Amt gebracht worden sind, ihre frühere Tätigkeit als Nichtbeamter auf ihre Dienstzeit angercch- n e t worden ist. Die Festsetzung von ruhegeldsähiger Dienstzeit, die diesen Anordnungen entgegenstehen, treten außer Kraft. Die Borschriften über die Anrechnung der Ruhegeldzeit finden auch auf Beamte Anwendung, die schon vor dem Inkrafttreten des Gesetzes in den Ruhestand gesetzt worden sind.
Weiler werden in dem Gesetz überhöhte Bezüge und Ruhegeldbezüge von Kommunalbeamten geregelt.
Es gelten die Richtlinien der preußischen Sparverordnung vom Jahre 1931, die bisher vom Staats- gerichtshof beanstandet wurden und infolgedessen nicht durchgeführt werden konnten.
Was die Reichsminister anbelangt, soweit Liese 1918 ernannt worden sind, so werden sie in ihren Bezügen auf das Reichs mini st ergesctz zurückgeschraubt. Soweit diese Minister zuviel an Pensionen bezogen haben, müssen sie hiese Beträge ab 1. April 1933 z u r ü ck z a h l c n.
Das Gesetz findet sinngemäße Anwendung auf Arbeiter und Angestellte.
Gauleiter Sprenger Heichskommissar für Beamtenorganisation.
Berlin, 9. April. (CRB.) Der Reichsminister Les Innern hat den Reichstagsabgeordneten Sprenger zum ehrenamtlichen Reichskommissar für Beamtenorganisa- t i o n ernannt. Er hat den Auftrag, die Gleichschaltung der bestehenden Deamtenorgani- sationen mit der Regierung der nationalen Erhebung durchzuführen. Im Rahmen dieser Aufgabe ist das Aufgabengebiet der Deamtenorgani- sationen neu bestimmt worden. Ein Zusammenschluß von Beamten in der Form von Gewerkschaften darf nicht mehr stattfinden. Die Befassung mit Warenwirtschaft ist ebenfalls untersagt. Als Bertreter Sprengers hat der Reichsminister des Innern Hermann Reef, Frankfurt a. W., bestimmt.
Sie voraussichtlichen Statthalter
Berlin, 9. April. (ERD.) lieber die Persönlichkeiten der Statthalt er hört man in Berliner politischen Kreisen folgendes:
Da es unzweckmäßig wäre, wenn am Amtssitz des Reichskanzlers noch ein besonderer Statthalter bestimmt würde, ist für Preußen die Regelung vorgesehen, daß der Reichskanzler das Statthalteramt selbst wahrnimmt.
Für den Freistaat Hessen wird der nationalsozialistische Gauleiter Jakob Sprenger in Frankfurt a. M. als Statthalter genannt, während die nationalsozialistische Regierung Werner im Amtbe bleiben dürste.
Weiter werden genannt: für Sachsen der SA.-Gruppenführer und Reichskommissar für Sachsen Manfred v. K i l l i n g e r , als Ministerpräsident der Gauleiter Mutschmann, M. d. R.; für beide Mecklenburg der Reichstagsabgeordnete Friedrich Hildebrand, nationalsozialistischer Gauleiter. In Mecklenburg- Schwerin dürste die bisherige Regierung Gran- z o w im Amt bleiben, während in Wecklenburg- Strelitz der deutschnationale Staatsminister von Michael abberufen werden dürfte, nachdem jetzt infolge der Gleichschaltung der Landtage die RSDAP. die absolute Mehrheit in Mecklen- burg-Strelitz hat. Man rechnet damit, daß die Zusammenschluhbestrebungen zwischen beiden Ländern ernstere Formen annehmen und gegebenenfalls Ministerpräsident Granzow auch die Regierung von Mecklenburg-Strelitz übernimmt.
Zum Ganzen hin!
Die große Staats- und Erziehungsparole nationalsozialistischer Jugenderziehung
Leipzig, 9. April. (SH.) Rachdem am Samstag die Zusammenfassung aller deutschen Erzieherorganisationen beschlossen worden war, fand am Sonntagvormittag die Reichstagung des Rational- sozialistischen Lehrerbundes mit einer Kundgebung im überfüllten Festsaal des Zoo ihren Abschluß. Der Reichsführer des Bundes und bayerische Kultusminister S ch e m m sprach dabei über das Erziehungswesen der Zukunft. Er führte u. a. aus:
Die große Staatsparole und damit auch Erziehungsparole unserer Zeil heißt: „Zum Ganzen hin." Der Begriff der Ganzheit also gibt der nationalsozialistischen Erziehung die Prägung: Auf dem Begriff Raffe, Wehr, Persönlichkeit, Religiosität ist die Totalität der neuen deutschen Erziehung begründet.
Rasse bedeutet nichts anderes als die Hin- kehr zu der Blutsgemeinschaft, als das Unterstreichen der deutschen Grundzüge, Sauberkeit, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Heldenhaftigkeit, als die Abkehr von allem Trennenden und Zer- klüftenden und besonders vom Internationalen.
Die Ganzheit des Begriffes Wehr ist uns in den letzten 14 Iahren mit einer tragischen Deutlichkeit bewußt geworden. Das Aufgeben der deutschen Wehr bedeutete ja nichts anderes als das Zerreißen des eisernen Bundes, als den Zerfall des Dolkskörpers. Im Grundsatz der Persönlichkeit ist das Bekenntnis zum Führer- tum verankert, das in bewußter Abkehr von der Demokratie, d. h. von der'Herrschaft der Parteien. von dem Gift dec Zersetzung und Zerklüftung sich hinwendet zum großen Führer, der das Volk zufammenschmiedet zu einem einheitlichen Ganzen und damit die Voraussetzung schafft zum Aufstieg. Alle diese Ganzheitsbegriffe aber werden gekrönt von der Religiosität. Daß GottlosiAeit Loslösung von Gott, Zerfall und Vernichtung für Staat und Volk bedeutet.
bedarf nach den Erfahrungen unserer Generation keines weiteren Beweises. Daß das deutsche Volk nicht zum Untergang, sondern zum Leben bestimmt ist, beweist eben die Tatsache, daß aus ihm ein deutscher Führer auferstehen konnte, daß ihm der Tag von Potsdam geschenkt wurde. Potsdam ist die große Auszeichnung, die Legitimierung des deutschen Volkes für die höchsten Aufgaben.
Jene Schule, die nicht wahrhaft Volksschule ist, muß als eine Pestbeule am deutschen Volkskörper betrachtet und ungesäumt beseitigt werden. Ganz neu muh die Einstellung der Schul- aufsichtsorgane werden. Richt nach dem Wissensstand, sondern nach dem Leuchten der Kinderaugen, nach dem großen Thema „Volk und Gott" muh man sehen, nach der Fähigkeit und dem Willen des Erziehers, die Seele und den
Lharakter des Kindes zu bilden.
Rur die Offenheit und Ehrlichkeit, nur die Liebe und der reine Charakter des Erziehers können Vertrauen und Liebe im Kinde entzünden. Lehr- Pläne sind nichts, wenn ein neuer Geist deS Lehrers sie nicht zu formen versteht.
S ch e m m sprach weiter von dem großen Zukunftswerk einer einheitlichen deutschen Iugendorganisation, etwa nach dem Muster der faschistischen Ballilla. Ein wirklich guter Lehrer müsse gleichzeitig Offizier sein, wie umgekehrt ein Offizier nichts tauge, wenn er nicht Erzieher sei. Richt von der Verwaltung seien wir angestellt, sondern vom Schicksal berufen auf den ersten Platz im Staate, verantwortlich Gott und Volk. Das sei das große EthoL unserer Erziehung, das hinauswachse über die Frage nach Gehalt, Klasse und Titel.
Die Kundgebung wurde mit dem Dankgesang „Wir treten zum Beten", dem Deutschlandlied und dem Treueschwur zu Hitler abgeschlossen.
Für Baden nennt man den bisherigen Reichskommissar für Baden, den Gauleiter Wagner, M. d. R., für Bayern den Reichskommissar General v. Epp.
Norman Davis in Berlin.
Berlin, 9. April. (TU.) Der amerikanische Sonderbotschafter Norman Davis hatte, nachdem er am Samstagvormittag dem Reichspräsidenten seine Aufwartung gemacht, am Nachmittag eine eingehende Aussprache mit dem Reichskanzler und dem Reichsaußenmini st er über '21 b r ü ft u n g und Weltwirtschaftskonferenz.
Nach der Konferenz mit dem Reichskanzler empfing er die Vertreter der amerikanischen Presse, denen er erklärte, daß er von Hitler den Eindruck eines „Mannes von großer dynamischer Gewalt" gewonnen habe. Ueber die zur Erörterung stehenden Fragen hielt Norman Davis eine Aeuße- rung nicht für angezeigt, da er „in Europa Informationen suche und nicht zu geben habe". Ueber Die Aussichten einer Verständigung in der Abrüstungsfrage scheint Norman Davis zuversichtlich zu sein. Er dürfte sich davon überzeugt haben, daß es der deutschen Regierung mit ihrem wiederholt betonten Friedenswillen e r n ft ist, daß sie aber mit der gleichen Entschiedenheit an ihrer Forderung nach Gleiberechtigung hinsichtlich der Rüstungen festhält. In diesem Zusammenhänge dürfte auch die deutsche Auffassung über die Lage an der Ostgrenze zur Sprache gekommen sein. Auch die Erörterungen über die Frage der Weltwirtschaftskonferenz konnten zum Abschluß gebracht werden.
Heute, Sonntag abend, ist Norman Davis nach Paris abgereift.
Göring unterwegs nach
Berlin, 9. April. (TU.) Reichsminister G ö - ring ist am Sonntagnachmittag vom Flughafen Tempelhof nach Rom abgeflogen und abends in München angekommen. Er wird Montag nach Rom weiterfliegen.
Kleine politische Nachrichten.
Gefamtverwaltung und Aufsichtsrat des D e u t s ch n a t i o n alen Handlungs- gehilfen-Verbandes beschlossen im Beisein des Beauftragten der RSDAP., des Reichstagsabgeordneten S t ö h r, den Verbandsvor- steher B e ch l y auf seinen Antrag von seinem Amte zu entbinden und seinen Stellvertreter Hermann M i l tz o w zum Vorsteher des Verbandes zu ernennen.
Der Chef des außenpolitischen Amtes der RSDAP. Alfred Rosenberg machte dem Reichsaußenminister Freiherrn v.Reurath einen längeren Besuch.
In einem Erlaß des kommissarischen preußischen Kultusministers Rust wird' mitgeteilt, daß für 1933 die Zahl der vorübergehend eingerichteten Hilfslehrer stellen von 3000 a uf 5500 vermehrt worden sei. Die erhöhte Beschäftigung von Hilfslehrkräften soll den Verhältnissen Rechnung tragen, die sich im Schuljahr 1933 durch die Steigerung der Schulkinderfrequenz und des Stundenbedarfs ergeben. Durch die Hilfs- lehrerstellen soll eine vermehrte Beschäftigung von Iunglehrern sichergestellt werden. Das Vorhandensein einer Hilfslehrer
Dr. Werner Kulz, Fachreferent der hessischen Regierung für Kunst, Theater, Volktums- pflege, hat als aktiver Offizier fast alle Schlachten an der Westfront mitgemacht. Er wurde schwer verwundet und verlor in der Flandernschlacht ein Auge. Rach dem Kriege studierte Dr. Kulz Rechtswisfenschaften, Philosophie und Musikwissenschaft, später Anthropologie. Er ist westdeutscher Führer des Kampfbundes für deutsche Kultur und Herausgeber der völkischen Pressekorre- spondenz und der „Sonne", einer führenden rasse- kundlichen Zeitschrift.
stelle darf daher in keinem Falle bei dem Abbau einer Planstelle oder Auherplanstelle mitbeftim» inend fein.
Aus alter Welt.
Hellseher hanussen lot aufgefunden.
Dieser Tage wurde von Chauffeearbeitern in einer kleinen Tannenschonung an der Landstraße von Baruth nach Reuhof (Brandenburg) die Leiche eines gutgekleideten Mannes aufgefunden. An Hand einer Firmenbezeichnung im Anzug des Toten wurde ermittelt, daß es sich vermutlich um den unter dem Ramen Erik Ian Hanussen als Hellseher tätig gewesenen Ver- lagsbesiher Hermann Steinschneider handelt. Diese Vermutung erhielt ihre Bestätigung dadurch, daß ein früherer Angestellter Steinschneiders im Schauhause den Toten mit Sicherheit als seinen früheren Chef erkannt hat. Die Leiche Steinschneiders weist mehrere S ch u h- verlehungen auf, die ihm augenscheinlich von fremder Hand beigebracht wurden. Die Staatsanwaltschaft II Berlin ist mit der Aufklärung betraut und wird dabei von der Berliner Mordkommission unter Leitung des Kriminalkommissars Albrecht unterstützt.
Rach dem ersten „nassen" Tag: Amerika vor leeren Fässern.
Mit einem Gesarntoerbrauch von annähernd 1,5 Millionen Faß endete dec e r ft e „n a s s e" T a g in USA mit schweren Sorgen über die Deckung des Bedarfes der nächsten Zeit, da ein derartiger Massendurst selbst die Brauereien überraschte. Diese glaubten jeder Nachfrage gewachsen zu fein. Neuyork ist noch nicht so schwer bedroht, wie manche Städte des Westens, die sich nunmehr einer Rationierung ihres Bierbedarfs gegenübersehen. Wie bei dem Geldbedarf vor vier Wochen in San Franzisko die Banken zumachten, so schlossen sämtliche Brauereien, da sie nur noch beschränkten Vorrat für zwei Tage haben. Der kalifornische Brauerverband veröffentlicht eine Erklärung, daß die Situation menschliches Können übersteige. „W irkonnten so etwas nicht voraussehe n."
Oberhessischer Kunstverein.
Große Frühjahrs-Ausstellung: Kunstwerke aus Gießener Privatüesitz. Mit der gestern eröffneten neuen Ausstellung wurde eine seit vielen Iahren hier nicht mehr verwirklichte Idee wieder aufgegriffen: Kunstwerke aus Gießener Privatbesih für eine begrenzte Zeitdauer allgemein zugänglich zu machen. Der Katalog umfaßt insgesamt 69 Rummern: Oel- bilder, Aquarelle, Pastelle: fünf angesehene Gießener Familien haben dankenswerterweise einen Teil ihres Kunstbefiyes zur Verfügung gestellt. Bei der durch die Herkunft der einzelnen Stücke bedingten Zusammensetzung der Ausstellung war es naturgemäß schwierig, für die Anordnung und räumliche Verteilung einheitliche Gesichtspunkte zugrunde zu legen; so ist man zweckmäßig beim Hängen im wesentlichen chronologisch vorgegangen und war im übrigen durch die zwanglose Annäherung gewisser Motivgruppen aneinander bemüht, innerhalb des Gesamtbildes Beziehungen zu schaffen oder wenigstens anzudeuten. 3m ganzen gibt die Ausstellung erfreulich und manchmal fast überraschend Zeugnis vom internen Kunstleben in unserer Stadt, von privatem Sammlerfleiß, von feinsinnigem Verständnis für Kunst und Künstler, — von einer Gesinnung und Geisteshaltung, mit einem Wort, die freilich unserer armen, von vielfältigen Sorgen und Röten bedrängten Gegenwart nicht leicht gemacht wird und sich heute auch wohl in den meisten Fällen leider nicht mehr so fruchtbar auswirken kann wie in früheren Iahren. Um so verdienstlicher gerade in unserer Zeit eine so vielfältig anregende Verwirklichung des Gedankens, einmal der Öffentlichkeit vorzuführen, was gemeinhin nur einem kleinen Kreise zugänglich sein kann.
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Der Gesamteindruck wird durch ein im Durchschnitt ausgezeichnetes Riveau und eine reizvolle Vielfalt der Motive und Techniken bestimmt. Der Katalog verzeichnet eine ganze Reihe von Ramen, die in der Kunstgeschichte einen guten Klang haben. Der naturgemäß begrenzte Raum, der für diesen Bericht zur Verfügung steht, verbietet es leider, auf alle im Katalog aufgeführten Arbeiten einzugehen; wir müssen uns darauf beschränken, auf einige der u. E. interessantesten und schönsten Stücke binzuweisen.
Die blühende Farbigkeit einer lebenstrohenden „Holländerin" von Professor Hans von Bartels, Hamburg, empfängt den Beschauer gleich beim Eintritt. Don Eugen Bracht, Darmstadt,
finden wir eine „Baumgruppe im Herbst", von dem Wetzlarer Johannes Seiler zwei kräftige Iagdstücke. Der „Auszug ins Feld" von Reinhold Ewald aus Hanau interessiert hier nicht nur um gewisser persönlicher Beziehungen willen: erstaunlich die Entwicklung dieses hervorragend begabten Malers von der hier vorgeführten Arbeit zu feinen späteren Bildern. In der Gruppe der Porträtisten fällt ein sehr fein gemaltes Bildnis („Alte Frau") des 1903 in Gießen verstorbenen Leibi-Schülers Otto Fritz auf, in der Aktgruppe eine tüchtige Arbeit von Horatio G a i g h e r. Eduard von Gebhardt und der Münchener Grützner (mit einer für ihn typischen „Weinprobe") werden schon ihres Ramens wegen kaum übersehen werden. An der Rückwand des Saales wird der Blick des Beschauers durch eine wirkungsvoll komponierte „Kreuz- abnabme" von Mathaeus Gondolach gefangen, der, aus Kassel gebürtig. 1653 zu Augsburg gestorben und übrigens Hofmaler Kaiser Rudolfs II. zu Prag gewesen ist. Ein vor allem koloristisch bemerkenswertes Bild ist die „Burg- szene in Oberitalien" von Max Heß, einem 1825 in München geborenen Schüler von Oswald Achenbach. Ein Aquarell von Franz Huth („Kircheninneres"), ein markantes Pastell-Porträt des Großherzogs Ernst Ludwig von Professor Walter I l l n c r , Darmstadt, die „Oberhessische Landschaft" und das „Lahntal" von Otto Iung (Stuttgart) wird das Gießener Publikum besonders interessieren. Ein mit prachtvollem Schwung und Temperament gemaltes Bild ist das „Pferderennen" des Müncheners Angelo Jank, der hier ungemein charakteristisch vertreten ist. Ein besonders feines Stück ist ferner die „Fränkische Landschaft" (1908) von Richard Kaiser. Von Albert von Keller sieht man einen Frauenakt, von Hans Kober st ein, dem Schöpfer der großen Vorhangbemalung im Gießener Stadttheater, zwei Aquarelle. Der bekannte englische Maler Landseer ist mit einer Tiergruppe („Hunde mit Reh") zu sehen: das Bild ist Übrigens nicht ohne Absicht in die Rachbarschaft des vorhm bereits erwähnten Deiker gehängt worden. Ein ausgezeichnetes Porträt: die „Junge Frau" des Niederländers Pieter M i e r e v e 11 (1596 bis 1623). „Das goldene Tor" nennt sich eine der apartesten Arbeiten des durch seine graziösen und pikanten Rokoko-Motive bekannt gewordenen Prof. Hans P e 11 a r (früher in Darmstadt, Künstlerkolonie). Der 1768 gestorbene Darmstädter Hofmaler I. K. S e e k a h — von dem man zwei Oelgemälde findet — soll aus lokalen wie literarischen Gründen nicht unerwähnt bleiben. AuS dec Gruppe der Bilder von Wil
helm Sch reue r, Düsseldorf, fei eine „Tischgesellschaft im Garten" hervorgehoben. Wer die charakteristischen Bilder des Frankfurters Adolf Schreyer im Städel kennt, wird die hier ausgestellte „Heuernte" (1861) mit Interesse und wahrscheinlich nicht ohne Heberraschung betrachten. Ein pompöses Porträt (Kreidezeichnung: die Tochter des Künstlers) von Franz von Stuck. Bier schöne, klare Landschaften von Hans von Volkmann, repräsentative Arbeiten des Karlsruher Meisters. Und zum Schluß ein kleines • Kabinettstück, dessen sich keine Galerie zu schämen hätte: der „Pferdehandel" von Wou- wermann (1619 bis 1668) mit dem berühmten Schimmel. —
Die Ausstellung ist. Sonntags von 11 bis 13, Dienstags bis Freitags von 15 bis 17 Hfcr geöffnet; möge sich die großzügige Bereitwillig keif der Besitzer durcb einor. ”-t* " Besuch
belohnt finden. hth.
Das £)tu<we ^erchsehrenmal.
(Aus dem Aprilheft der Bruckmannschen Monatsschrift „Die Kunst".)
Heber den Wettbewerb für das Reichsehrenmal in Berka ist kürzlich die Entscheidung gefallen. Man entsinnt sich der langwierigen Erörterungen über die Wahl eines geeigneten Platzes, um den jahrelang der Streit der Meinungen über das Für und Wider ging. Richt weniger schwierig war die Auswahl unter den eingereichten Entwürfen. Drei Entwürfe wurden preisgekrönt, doch wurde der Plan von O. B i e» ber-2. Wackerle, München, einstimmig zur Ausführung empfohlen, denn dieser Entwurf vereinigt die Vorzüge der beiden andern Projekte in sich, nämlich die Idee des heiligen deutschen Heldenhaines und den Gedanken einer Kultstätte, die sich frei inmitten dieses Haines weithin sichtbar auf der Höhe erhebt. Das Reichsehrenmal soll kein stummer toter Zeuge fein, sondern das neue und vorzügliche des Planes Dieber-Wackerle ist die Ausgestaltung als lebendige Kultstätte, die die Möglichkeit zu wirkungsvoller Entfaltung großer Menschenckassen auf den überaus glücklich angelegten Treppen und Terrassen bietet. Die künstlerische Form ist schlicht, kargem, diszipliniertem, soldatischem Geist entsprungen. Drei Bauten in einem schönen Verhältnis zueinander gliedern diese Kriegerpfalz der Deutschen Nation-, ein Glockenturm, die Ehrenhalle und das Kriegerheim. Die Gedächtnis- und Ehrenhalle betritt man durch ein tieferes Portal
I mit mächtiger bronzener Tür, Wände und Fußboden ' find aus geschliffenem einheimischen Stein, die schweren Balken der Decke aus Stämmen der deutschen Eiche. Dos von der Höhe herabfallende gedämpft^ Licht der seitlichen Fenster steigert die Wirkung des in dunklen Farbtönen gehaltenen Glasfensters der Rückwand und die Wirkung der lodernden Feuerbecken an den Seitenwänden. In der Mitte des Raumes aber steht dos Ehrenmal des deutschen Soldaten: ein großer Granitwürfel mit den eingc- meißelten Soldatentugenden Glaube, Treue, Tapferkeit, Beharrlichkeit, an den Ecken flankiert von vier ehernen Kriegergestalten. Unter diesem Würfel könnte sich auch das symbolische Grab aus- breiten, in dem Erde aus deutschen Soldatengräbern aller Länder in Bronzekassetten beigesetzt wird. Aber nicht bloß eine Erinnerungsstätte soll das Reichsehrenmal sein, nicht eine den Toten allein geweihte Kultstätte, sondern auch eine Heimstätte für besonders verdiente ehemalige Krieger und Kämpfer aus allen deutschen Gauen. Dieser Aufgabe dient das mit dem Reichsehrenmal verbundene Kriegerheim, dessen Idee der Eingliederung die besondere Zustimmung des Reichspräsidenten gefunden hat.
Oer Schildkröien-Berg droht...
Obwohl die Bewohner des Dorfes Frank in der kanadischen Provinz Alberta gewarnt worden sind, daß der Schildkcöten-Berg wieder in bedrohlicher Verfassung sei, haben sie ihre Heimat doch nicht verlassen. Sie bleiben in ihren Hütten, denn sie können es nicht glauben, daß der Berg den furchtbaren Sturz, durch den er im Jahre 1903 ihren Ort zerstörte, wiederholen könne. Die Regierungsbeamten haben aber große Risse und Spalten festgestellt, die immer breiter werden, aus dem Innern vernimmt man ein schwaches, dumpfes Dröhnen und Rollen, und so hält man eine neue Katastrophe nicht für ausgeschlossen. Die Hauptstrecke der Transkanadischen Eisenbahn führt durch die Ruinen des Bergsturzes von 1903, bei dem mehr als 90 Personen lebendig begraben wurden. Millionen Tonnen von Fels und Erde fluteten in einer Lawine über das Tal und begruben es unter ihren Massen. Die Erinnerung an die Katastrophe vom 29. April 1903 wird durch die neuen Meldungen wieder in die Erinnerung gebracht. Am frühen Morgen schleuderte damals ohne die gcringften vorherigen Anzeichen der Schildkröten-Berg, der sich 1000 Meter über dem Bergwerksdorf Frank erhebt, an die 100 Millionen Tonnen Geröll und Schutt über die Siedlung; der Fluß wurde dadurch abgeöämmt und die Eisenbahnlinie üben eine Strecke von 2 Kilometer zerstört»


