Ausgabe 
10.4.1933 Erstes Blatt
 
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Durch Verfügung des Kommissars Hildebrand ist der Tannenbergbund für das ge­samte mecklenb. -schwerin. Staats­gebiet verboten worden. 3n der Verbots- bcgründung heißt es, daß der Tannenbergbund durch sein Gebühren die religiösen Gefühle weiter V^völkerungskreise verletzt, daher sei eine Stö­rung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu befürchten. Zugleich wurden Haussuchungen vor­genommen, die Vermögenswerte des Bundes be­schlagnahmt und Akten und Schriften sichergestellt.

Ermittlungen des Untersuchungskommissars bei der Ost preußisch en Landschaft haben er- geben, daß gegen den Generallandschaftsdirektor von Hippel dringender Verdacht des Meineides, der Bilanzverschleierung, und der Untreue besteht.

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Die Geschäftsführung der Rudolf-Mosse-Stiftung G. m. b. $). veröffentlicht die Erklärung, daß der Verleger L a ch m a n n - Ai o s s e die Leitung des Hauses Rudolf Mosse in die Händer alter bewährter Mitglieder seines Hauses gelegt hat. Gleichzeitig stelle das Ehepaar Lachmann-Mosse auf die Dauer von 15 Jahren den Ueberschuß ihrer sämtlichen Be­triebe einem gemeinnützigen Fonds zugun­sten der Opfer des Weltkrieges ohne Unter­schied der Konfession zur Verfügung. In einem ein­leitenden Artikel des neuen Geschäftsführers Karl Vetter wird weiterhin mitgeteilt, daß Dr. Erich H a e u b e r die Innen- und Kultuspolitik, Dr. Jo­seph Räuscher die Außenpolitik und Dr. Felix P i n n e r die Wirtschaftspolitik des Berliner Tage­blatts leiten wird.

Die volksparteilichen Landeskreis­vertreter aus We st faken und Rhein­land beschlossen, die Parteiorganisation auf» zulösen und den Mitgliedern den Anschluß an die RSDAP. zu empfehlen. Mitte der Woche soll der Zentralausschuh der Deutschen Dolkspartei zu der gleichen Angelegenheit Stel­lung nehmen.

Der ehemalige Ministerpräsident H e r r i o t hat die ihm von der französischen Regierung an­getragene Vertretung Frankreichs bei den Washingtoner Verhandlungen angenommen.

Der norwegische Ministerrat hat auf Grund der Entscheidung des Haager Gerichtshofes beschlossen, die Besetzung der strittigen o st grön­ländischen Gebiete zurückzuziehen. Es handelt sich um das nach Erich den, Roten benannte Gebiet im Osten, das im Juni 1932, und einen Gebietsstreifen im Südosten Grön­lands, der im 3uli 1921 beseht wurde.

Aus aller Wett.

Achtjähriger Knabe erschlägt seine Gespielin.

Der Wiesengrund Stollenmatt in der Gemarkung Strittmatt (Baden) war dieser Tage der Schauplatz eines schreckenerregenden Vorfalles. Der achtjährige Schüler Erich Frommherz aus der Gemeinde Strittmatt war mit der siebenjährigen Gertrud Kaiser nach dem Wiesengrund gegangen, um Blumen zu suchen. Eine Stunde später kam der Junge allein nach Hause zurück. Die Eltern des Mädchens machten sich auf die Suche und fanden zu ihrem Entsetzen ihr Töchterchen in dem Wiesen­grund erschlagen auf. Die Untersuchung ergab, daß der Knabe seine Gespielin mit einem Holz­prügel und einem Stein erschlagen hat.

Flugzeugabsturz beim nationalsozialistischen Flugtag in Staaten. Zwei Tote.

Beim nationalsozialistischen 3ugendfliegertreffen in Staaken bei Berlin ereignete sich ein schweres Unglück. Bei der fünften Programmnummer, die eine Staffelte zwischen Reiter, Läufer, Motor­radfahrer und Flugzeugen brachte, streifte das von Flugzeugführer Hermann H a ck b u s ch gesteuerte Albatros-Flugzeug die Hochspannungsleitungen, die über die verlängerte Heerstraße führen, und stürzte in die Zaungäste ab. Die meisten Zuschauer konnten sich durch Deiseitespringen in Sicherheit bringen. Ein Mann jedoch kam nicht mehr rechtzeitig weg und wurde durch das nieder­stürzende Flugzeug getötet. Eine Frau wurde so schwer verletzt, dah sie dem Spandnuer Krankenhaus zugeführt werden muhte. Wie durch ein Wunder blieb der Flugzeugführer fast unver­letzt. Er zog sich nur eine Schramme an der Ober­lippe zu und schlug sich einige Zähne des Oberkie­fers ein. Das Flugzeug wurde vollkommen zer­trümmert. Die schwerverletzte Frau eine Tür­kin ist im Krankenhaus ihren Verletzun­gen erlegen. Das Anglück hat somit zwei Todesopfer gefordert.

Das Wrack derAkron" gefunden?

Der amerikanische SchleppdampferSagamore" meldet, daß er in der Rähe des Barnegat-Feuer­schiffes ein unter Wasser liegendes Wrack a u f- ge s u n d e n habe, bei dem es sich anscheinend um die Aeberreste des Marineluftschiffes Akron" handele. Das Wrack soll gehoben und zur Untersuchung an Land geschleppt wer­den. Don anderen Schiffen sind inzwischen wei­tere Gegenstände des verunglückten Luftschiffes, darunter das Logbuch, geborgen worden. Der amerikanische KreuzerPortland" hat in der Rähe der Unfallstelle die Leichen des Kom­mandanten derAkron", Maccord, und des Kapitänleutnants Derry aufgefischt. Der Tor­pedobootszerstörerTucker" hat die Leichen über­nommen, um sie nach Atlantic City zu überführen.

Hindenburg bei der Palmsonntagreinsegnung.

Der Reichspräsident wohnte am Sonntag in der Berliner Dreifalttgkeitskirche der Einseg­nung von 12 Mädchen und 9 3ungen bei. Su­perintendent G e e ft begrüßte den Reichspräsi­denten und geleitete ihn zu den Konfirmanden, die sich in der Taufkapelle versammelt hatten. Reichspräsident von Hindenburg ermahnte die in die evangelische Glaubensgemeinschaft Auf­genommenen, nie ihren Gott zu vergessen und dieses wichttgen Tages, der in eine große Zeit falle, stets eingedenk zu bleiben.

Dreieinhalb Iahre Zuchthaus fürFürst Sapieha".

Don der Großen Strafkammer des Land­gerichts 11 Berlin wurde Stanislaus Woh we­gen schweren Rückfallbetrugs in zwei Fäl­len und schwerer Urkundenfälschung zu drei 3ahren sechs Monaten Zuchthaus verur­teilt, außerdem zu 1500 Mk. Geldstrafe und fünf 3ahren Ehrverlust. Woh hatte unter dem Ra­inen eines Fürsten Sapieha Hochstapeleien und Heiratsschwindel begangen. So hatte er Anstalten zum Kauf des Schlosses Wintringen gemacht. Das Opfer seiner Heiratsschwindeleien hatte er ver­anlaßt, Ausstattungsgegenstände für das Schloß zu erstehen.

Aus der Provinzialhauptsiadt.

Oer Osterhase kommt.

Das war in meinem rheinhessischen Heimat­dorf immer eine kleine Rot: Haselruten gab es keine, Schwarzdornstecken ließen sich auch nicht finden aber ein Hafennest sollte doch, nein mußte doch gemacht werden. Zum Glück zog sich hinter der Gartenmauer ein Graben her, Eschen standen darin und auch ein paar Weiden. Weidengerten waren auch zu gebrauchen. Und nun wurde in der Osterwoche ein schönes Hasen- nest zurechtgemacht; einmal kam es an die Scheuer­wand da mußte es in den Gartenweg, einmal an die Mauer da war die Bleiche, einmal auf ein gegrabenes Beet da wurde die Erde zusammengetreten, und die Mutter schimpfte. 3rgendwohin im Garten kam das Rest schon. Fünf bis sechs Weidenruten waren nötig. Mit beiden Enden wurden sie in die Erde gesteckt: vorn die größte, dann die zweitgrößte, dann die drittgrößte usw. Run wurde behutsam Moos darüber gelegt, das war nicht so einfach, zuletzt der Boden ausgepolstert und noch ein schöner Halbkreis davorgezogen. Wenn doch bloß kein Wind mehr kommt und das Moos fortfegt! Oder eine Katze und alles auseinanderkratzt! Hundertmal mußte geguckt werden.

Am Ostersonntag um halb zehn Uhr ging der Vater zur Kirche. Er saß im Kirchenvorstands- ständchen. Rach dem Vaterunserläuten erwartete ich ihn unten an der Straßenecke. Dann nahm er mich an der Hand und sagte gütig:3a, gleich geh ich in den Garten und pfeif dem Osterhasen". Er schritt durch den Hof, durch die Scheuer, riegelte die große Gartentüre auf und pfiff.3eht müssen wir noch ein bißchen war­ten, bis er gelegt hat!" Und dann steigerte sich die Ungeduld bis aufs äußerste. Endlich ging der Vater mit mir. Als er die Gartentüre auf­machte, rief er geschwind:Eben ist er über die Mauer gehüpft". Hei, im Lauf gings zum Rest. Da lagen sie, die roten, grünen und gelben Ostereier. Welch eine Freude.Aber du muht einmal suchen, der versteckt auch noch Eier." Eins lag noch im Buchs, eins verborgen hinter einem Baum. War das doch eine selige Zeit! Und wenn gar die Eier gekratzt waren! Rach dem Essen gings zum Petter in die Untergass', dort hatte der Hase auch gelegt und vor allem zur Tante nebenan. Zwei Eier gab es dort. Und sie waren besonders geschäht, sie waren geleimt, fie konnten was aushalten, sie bestanden am Mittag oft die Probe.

Mittags tarnen alle Buben und Mädchen, selbst die Untergässer, auf den Anger. Da wur­den Eiergeschiobelt", und zwar um Radeln, um Stecknadeln. Oder es wurdegegadft. 3eder nahm ein Ei und gleichzeitig stießen die Gegner gegeneinander. Eins mußtekaput" gehen. Es wurde dann gegessen. Manchen verdorbenen Ma­gen gab es. Aber das schadete nichts. Es waren doch glückliche Tage.

Gibt es auch heute noch solches Kinderglück? Gewiß, auch mit Eiern und Hasen aus Schokolade! Wir Aelteren müssen nur verstehen, um diese Osterzeit die Kindesseele reich zu machen mit Ge­schichten vom Osterhasen. Da stand dieser Tage so ein kleiner, helläugiger Bursche vor mir und wartete auf ein Wort von mir.Wilhelm, jetzt kommt bald der Osterhase."Hach, mei Babbe hat gesagt, es gibt kein Osterhas." Dein Babbe weiß nichts."Hoch, der Herr P. hat's auch gesagt."Der weih auch nichts."Hach, der Herr L. hat's aber auch gesagt."Der weih dann auch nichts." Wilhelm wurde unsicher, denn ich redete so bestimmt. 3ch legte ihm die Hand auf den Kopf und lockte:Du kommst am Sonn­tag zu mir, dann gehe ich mit dir in den Wald, und wenn wir Glück haben, dann sehen wir einen Osterhasen. 3ch zeige dir dann auch, wo die Oster­hasen die Eier kochen und wo sie Farbe machen." Wilhelms Augen begannen groß zu werden, fein Blick senkte sich tief in den meinen, halb fragend, halb gläubig. 3ch weih, wenn wir zwei am Sonntag aus dem Wald heimkehren werden, ist seine Seele wieder eingetaucht ins Märchenland, wo der Hase die Eier legt und färbt und kratzt.

Eltern, Lehrer unb Pfarrer, laßt eure Kinder sv lange wie möglich im Wunderland gehen. Sie dankens euch noch als Männer und Frauen.

L. R.

SA.-Aufmarsch auf dem Trieb.

Arn gestrigen Sonntagvormittag war auf dem Trieb der Sturmbann 2 der Standarte 116 der S A. unter dem Kommando des Sturmbannführers Bender- Hungen aufmar» schiert, um dem neuen Standartenführer Eng- mann aus Darmstadt vorgestellt zu werden. An dem Aufmarsch waren die Stürme 11, 12, 13, 17, 19, der Reservesturm 11, der Motor- sturm, ein Musikzug und ein Spielmannszug mit einer Stärke von insgesamt rund 800 Mann beteiligt. Der Standartenführer C n g m a n n er­schien in Begleitung des Standartenadjutanten M ü n k e r. Rach der Meldung des Sturmbanns durch Sturmbannführer Bender schritt der Standartenführer in Begleitung des Adjutanten und des Sturmbannführers die Front der For­mationen ab. Anschließend folgte die Besich- tigung der Stürme bei den verschiedensten Exer- äierübitngen. Zum Schluß fand ein Vorbeimarsch der Stürme vor dem neuen Standartenführer statt. Das interessante Schauspiel, das die 621.« Formationen in vortrefflicher Verfassung zeigte, wurde von einer großen Zuschauermenge mit 3nteresse verfolgt.

Hessischer Zagdklub, Ortsgruppe Gießen.

Der 3 a g d k l u b Gießen und Um­gebung beschloß wie man uns berichtet in der am Freitag abgehaltenen Mitgliederver­sammlung bei zahlreicher Beteiligung einmütig die Gründung der Ortsgruppe Gie­ßen des Hessischen 3agdklubs e. V. Darmstadt und ermöglicht dadurch die Aussichten aus die weitere Vergrößerung des Landesvereins im Kreise Gießen und angrenzenden Gebieten. Durch die Gründung der Ortsgruppe Gießen treten nunmehr sämtliche Mitglieder des 3agd- klubs Gießen zum Hessischen 3agdklub über. Der 1. Vorsitzende, August Balzer, würdigte die Bedeutung dieses Entschlusses für die 3'ägerwelt und die engere Heimat. 3n einem an den Hessi­schen 3agbllub abgesandten Telegramm wurde gelobt, mit echt deutschem Weidmannsgeiste dem Klub und dem Weidwerk zu dienen. Besonderen Wert legte der Vorsitzende auf die Feststellung, daß die Vorschriften des Hessischen 3agdklubs über daS Abschiehen von Schalenwild mit der

Kugel nunmehr auch für die Ortsgruppe maß­gebend und bindend seien.

Zum Einschiehen der Büchsen werden die Schiehtage in den Monat Mai gelegt. Zum Ab­schluss findet ein Preisschiehen statt, zu dem bereits eine ganze Anzahl schöner Preise gestiftet wurde. Für die nächsten Monatsver- sammlungen sind Vorträge über Weidmanns- spräche, Altersbestimmung beim Rehwild und Ausmachen von Gehörnen, jagdliche Ratur­geschichte, Hohe 3agd des Wildes und Rieder­jagd, Hessische 3agdgeschichte, Fährtenkunde usw. vorgesehen.

Für Sonntag, 2. 3uli, ist ein Familienausflug nach Dutenhofen (3agdschlöhchen) geplant. Die Hubertusfeier (mit Gehörnausstellung und Prä­miierung) findet am 4. Rovember im Vereins­lokalDeutscher Hof" (3agdkollege Faber) (Sie­ben, Reuenweg, statt. Rach weidmännischem Brauch wird am gleichen Tage eine Hubertus­jagd im (Siebener Stadtwald (Jagdkollegen D i ei­le r und Lanz) abgehalten, der sich das Schüs­seltreiben mit Hubertusfeier anfchliehen wird.

Aus den Reihen der Mitglieder wurde an­geregt, bei den zuständigen Stellen darauf hin- zuwirken, dah bei den Arbeiten des Freiwilligen Arbeitsdienstes und den Kulturarbeiten darauf Bedacht genommen wird, dah nicht planlos alle Hecken ausgerodet werden, damit die natürlichen Schuhstellen der Vögel und des Federwildes nicht noch mehr verschwinden.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstrahe:Der Choral von Oeuthen".

** Ministerialpersonalie. Ernannt wurde der Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen Fritz N e u r o t h zum Ministe­rialrat und geschäftsleitenden Referenten des Mini­steriums der Justiz mit Wirkung vom 1. April an.

* E i n Siebzigjähriger. Am 11. April feiert der Gärtnereibefitzer Louis Decker hier- selbst seinen 70. Geburtstag in voller Rüstigkeit. Einer alten Gießener Gärtnerfamilie entstam­mend, hält der 3ubilar unverändert an deren Tradition fest. Trotz seines Alters steht er noch im Berufsleben, außerdem betätigt er sich schon längere Jahre an der Gärtnerberufsschule.

** Der Osterpaketverkehr. Die Post bittet, zur Vermeidung von Anhäufungen und Ver­zögerungen vor Ostern Pakete, Postgut und Päck­chen möglichst frühzeitig aufzuliefern, sie gut zu ver­packen, die Aufschrift haltbar anzubringen und den Bestimmungsort besonders groß und kräftig nieder­zuschreiben. Auf Paket, Postgut und Päckchen muß die vollständige Anschrift des Absenders angegeben und in Pakete und Postgut ein Doppel der Aufschrift gelegt werden. In den Päckchen sind Hohlräume mit Holzwolle usw. auszufüllen, damit die Sendungen bei der Beförderung in Säcken und beim Stapeln nicht eingedrückt werden. Sie müssen deutlich als Briefpäckchen" oderPäckchen" gekennzeichnet sein.

* D i e Erziehung zuverlässiger Schutz- und Wachhunde. Der Derein für deutsche Schäferhunde, Ortsgruppe Gießen, läßt es sich angelegen sein, Schäferhunde zu zuver­lässigen Wach- und Schuhhunden zu erziehen. Man ist bemüht, dem Hunde nicht nur einzelne Uebungen beizubringen, sondern ihn so zu schulen, dah er in jedem Falle der Gefahr für feinen Herrn einen zuverlässigen Schuh bildet. Deshalb muh der in Liebhaberhand befindliche Hund vor Wirklichkeitsaufgaben gestellt werden. Durch fin­gierte Einbrüche im Haus und in der Wohnung, bei Tag und Rächt, durch Hebungen in fremdem Gelände soll sich der Hund feiner Fähigkeiten bewußt werden. Die Gießener Ortsgruppe besitzt ihren Uebungsplah an den Bleichen und steht den Mitgliedern bei der Durchführung dieser

WSR. Darmstadt, 9. April. Das hessische Gesamtministerium hat unter dem 6. April die nachstehende Verordnung erlassen:

Aus Grund des § 18 des Vorläufigen Gesetzes zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich vom 31. März 1933 und des Art. 1 des Ermäch­tigungsgesetzes vom 13. März 1933 wird be­stimmt:

§ 1.

1. Der Stadtrat in den Städten und der Gemeinderat in den Landgemeinden bestehen bei einer Einwohnerzahl bis zu 500 Einwohnern au 7, bis zu 2000 Einwohnern aus 9, bis zu 5000 Ein­wohnern aus 12, bis zu 10 000 Einwohnern aus 15, bis zu 15 000 Einwohnern aus 18, bis zu 30 000 Einwohnern aus 24, bis zu 40 000 Ein­wohnern aus 28, bis zu 50 000 Einwohnern aus 30, bis zu 80 000 Einwohnern aus 32, bis zu 100 000 Einwohnern aus 35, von über 100 000 Einwohnern aus 40 Stadtrats- oder Gemeinde­ratsmitgliedern.

Art. 1 Abs. I Satz 2 des Gesetzes über die Wahlen für Gemeinden und Geineindeverbände vom 7. Oktober 1925 (Kommunalwahlgesetz) findet Anwendung.

2. Der Kreistag besteht bei einer Ein­wohnerzahl bis zu 60 000 Einwohnern aus 15, bis zu 80 000 Einwohnern aus 18, von über 80 000 Einwohnern aus 20 Kreistagsmitgliedern.

3. Der Provinzialtag besteht in der Provinz Starkenburg aus 30, in der Provinz Oberhessen aus 25 und in der Provinz Rhein­hessen aus 25 Provinzialtagsmitgliedern.

4. Die Einwohnerzahl im Sinne dieser Ver­ordnung ist die Kopfzahl der Wohnbevölkerung einschließlich der Personen des Soldatenstandes nach der letzten amtlichen Volkszählung.

§ 2.

1. 3n Hessen sind nach §§ 12 ff. des Vorläu­figen Gesetzes zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich vom 31. März 1933 neu zu bilden die Provinzialtage, die Kreistage, die Stadträte und die Gemeinderäte.

2. Das gleiche gilt für die Provinzialausschüsse und Kreisausschüsse. Mit der Reubildung wer­den die derzeitigen Provinzial- und Kreisaus­schüsse aufgelöst.

§ 3.

Für das Verfahren bei der Reubildung der in § 2 genannten Körperschaften sind Kormms»

Uebungen zur Verfügung. Auf die Anzeige im heutigen Blatte seien Hundebesitzer besonders aufmerksam gemacht.

Neue Sparmaßnahme des hessischen Staatspräsidenten.

WSR. Darmstadt, 9. April. Die Presse­stelle der Staatsregierung teilt mit: Arn 1. No­vember 1930 hatte der damalige Landtagsabge­ordnete Professor Dr. Werner an die damalige Regierung eine große Anfrage gerichtet, die den Polizeiexerzierplatz in Friedberg betraf. Herr L e u s ch n e r hatte dort ein Gelände gemietet, das 1. untauglich war, 2. kaum benutzt wurde und das den Staat jährlich 3000 Mk. kostete. Herr Leufchner mußte auf die Anfrage antworten, daß der Pachtvertrag bis zum 30. Sep­tember 1943 laufe, daß die bereits gezahlte Summe die Höhe von 21 137 IRt habe. Die noch zu zahlende Summe auf das 3ahr 1930 abgerech­net hätte also 4 2 000 M k. betragen. Auf den Wunsch des Staatspräsidenten, diesen Vertrag zu lösen, hat nun unter dem 4. April Bürgermei­ster Dr. S e y d von Friedberg geantwortet, daß die Stadt Friedberg bereit sei, mit Wir­kung vom 1. Oktober 1932 von diesem Vertrag zurückzutreten. Damit find wieder viele Tausend Mark Steuergelder gespart.

Amisenthobene Bürgermeister

Darmstadt, 8. April. (WSR.) Folgende Bürgermeister und Beigeordnete wurden mit sofortiger Wirkung ihres Amtes ent­hoben und durch nachstehende Kommissare erseht:

1. Fränkisch-Crumbach: Bürgermeister Hotz durch Gg. PH. Knopp III.

2. Groh-Zimmern: Beigeordneter Rein-, Hardt durch Gg. Wiedekind, Kaufmann.

3. Ober-Roden: Beigeordneter 3ohannes Krikser durch Otto Seebrecht.

4. Langen (Kreis Offenbach): Bürgermeister Zimmer durch Heinrich Göckel.

Bürgermeisterwechsel in Bieber.

WSR. Offenbach, 8. April. Nachdem vor­gestern der seitherige sozialdemokratische Bürger­meister Marsch in Bieber in S ch u tz h a s t ge­nommen werden mußte, ist jetzt vom hessischen In­nenminister der seitherige kommissarische Beigeord­nete Fritz Bösche (NSDAP.) mit der Geschäfts­führung des bisherigen Bürgermeisters be­auftragt.

Oie neue Bergstraße.

WSR. Darmstadt, 9. April. Die Um- bauarbeiten der neuen Bergstraße find soweit fortgeschritten, daß sie einstweilen von Eberstadt bis Alsbach befahren werden kann. Rach den Ofterfeiertagen erhält die Straße eine Teer- Asphaltdecke, wodurch die lästige Staubentwick­lung behoben und eine den heutigen Verkehrsver­hältnissen entsprechende Fahrbahn geschaffen wird.

Gesühnter Lleberfall auf eine SA.-Abteilung.

WSR. Marburg, 8. April. Vor dem hiesi­gen erweiterten Schöffengericht, welches eine Sit­zung in Ziegenhain abhielt, hatten sich z e h n ehemalige SPD. - Mitglieder aus dem Schwalmdorf Loshausen wegen L a n d s r i e - densbruch in Tateinheit mit Körperver- lehungzu verantworten. Die Angeklagten hat­ten vor einiger Zeit eine SA. - Abteilung überfallen und mehrere SA.-Leute mit ge­fährlichen Waffen schwer verletzt. Während einer der Angeklagten Freispruch erzielte, wurden die übrigen zu Gefängnisstrafen von sechs bis achtzehn Monaten verurteilt.

Sprechstunden der Redaktion.

1L30 »is 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.

Honen zu bilden, die Vorschriften der Art. 11, 12 und 14 des Kommunalwahlgesetzes über die Wahlkommissionen finden hierbei Anwendung mit der Maßgabe, daß die in Art. 12 Abs. II Satz 2 vorgeschriebene Einholung von Vorschlägen nicht stattfindet.

§ 4.

1. Spätestens am 12. April 1933 haben die Wahlkommissare die in Betracht kommenden Wählergruppen zur schriftlichen Einreichung von Wahlvorschlägen aufzufordern mit dem Hinweis, daß spätestens am 18. April 1933 die Wahlvor­schläge einzureichen sind.

2. Auf die Wahlvorschläge finden die Vor­schriften der Art. 6, 19 Abs. I Satz 4, 5 und 6 sowie Abs. II Art. 20, 23 Abs. I und II, 25. 26. 27 Abs. I, 28 und 29 des Kommunalwahlgesetzes Anwendung; die Beseitigung etwaiger Mängel bei Wahlvorschlägen ist nur bis zum 21. April 1933 zulässig. Verbindungen von Wahlvorschlä­gen im Sinne von Art. 24 daselbst finden nicht statt.

§ 5.

1. Die Ermittelung der Sitze und ihre Zuteilung an die Bewerber durch die Wahlkommisiionen hat spätestens am 25. April 1933 stattzufinden. Die Art. 46 Ws. II, 47, 48 und 49 des Kom- munalwahlgesetzes finden Anwendung.

2. Reicht eine vorschlagsberechtigte Wählergruppe (§ 14 Ms. II des Vorläufigen Gesetzes vom 31. März 1933) einen Wahlvorschlag nicht ein, so gehen die überschüssigen Sitze auf die Höchst­zahlen der anderen Wahlvorscyläge über.

§ 6.

Die Namen der Gewählten sind, soweit es sich um Stadt- und Gemeinderat handelt, ortsüblich be> kanntzumachen und im übrigen in den den amtlichen Bekanntmachungen dienenden Blättern zu veröffent­lichen.

§ 7.

Sind Gemeinden gemäß § 9 des Reichswahlge­setzes (RGBl. 1924 I S. 159) mit benachbarten Ge meinben zu einem Wahlbezirk vereinigt, so werden die Gemeinderäte der beteiligten Gemeinden nach der Zahl der im ganzen Wahlbezirk abgegebenen gültigen Simmen neu gebildet.

§ 8.

Diese Verordnung tritt mit ihrer Verkündung in

Oie Neubildung der gemeindlichen Selbstverwaltungskörper.

Oas Ausführungsgeseh für Hessen.

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