Ausgabe 
10.3.1933 Frühausgabe
 
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sehr befriedigt und erklärt sich rn d e >> Vr> r- schlägen der hessischen Herren voll und ganz einverstanden. Hiernach steht Die Marschrichtung der hessischen Politik nun­mehr klar und deutlich fest. Minister Dr. i d begab sich dann zu weheren Besprechungen.

Das hessische Zentrum zur Lage.

Darmstadt, 9. März. (Lpd.) Die hessi­sche Zentrumsfraktion war am Mittwoch versammelt und hat folgende Verlautbarung her­ausgegeben:

Das hessische Zentrum ist der Auffassung, daß die neue Lage zu beachten ist, eine Ein­stellung, die der Fraktionsvorsitzende bisher schon vertreten hat."

Hierzu schreibt das Bingener Zentrumsblatt, dieMittelrheinische Äolkszeitung":Ohne mit der Partei oder Fraktion irgendwie Fühlung genommen zu haben, stehen wir auf folgendem Standpunkt: 1. Die Nationalsozialisten sollen in Hessen allein d i e Verantwor­tung übernehmen. 2. Das Zentrum soll sich bei seinen Entscheidungen nicht mit einem weihen Stimmzettel begnügen, sondern offen und klar mit2 a" oderBei n stimmen. Wenn der Wille vorherrscht, der Wahl eines National­sozialisten zum Staatspräsidenten keine Schwie­rigkeiten zu bereiten, so soll sich dieser Wille auch offen dadurch dokumentieren, dah die Zen­trumsfraktion mit2 a" stimmt? Für ge- fühlsmäßige Erwägungen ist jetzt weder Platz noch Llrsache."

Protest gegen Flaggenhissung.

Darmstadt, 9. März. (Sil.) Wie aus dem hessischen Staatsministerium mitgeteilt wird, ist am Donnerstag auf Anordnung des Vertreters des Neichsinnenministers in Hessen an dem Ge­bäude des hessischen Staatsministeri­ums eine Hakönkreuzfahne aufgezogen worden. Der hessische Staatspräsident hat sofort P r o t e st gegen diese Maßnahme bei den ' zuständigen Stellen in Berlin einlegen lassen.

Personalveränderungen bei der hessischen Polizei.

Darmstadt, 9.März. (WEN.) Der 2nhaber der Polizeigewalt hat heute weitere Beur­laubungen bei der Polizeiverwaltung und dem Landeskriminalpolizeiamt ausgesprochen. Be­urlaubt wurden in Darmstadt Kommissar Wind, Kriminalsekretär Deucker, Polizeiverwal- tungssekretär Dietrich, Polizeimeister Rohkopf, Polizeimeister Berst, Polizeimeister Keller, Kri- minolpoli'eimeister Hummel, außerdem Polizeirat Klapproth in Offenbach, Offiziersanwärter Hildebrandt in Butzbach, Polizeiverwaltungs- sekcetär Lguri^sle in Butzbach, Polizeihauptwacht­meister Kumpf in Friedberg, Kriminalhaupt­wach lmeister (Kröninger und Falter in Mainz, Polizeihauptwachtmeister Hc»kmann und Polizei- Oberinspektor Rommel in Neu - 2senburg. ÄLs Ergebnis derHausfuchlmgen

MSN. D a r m st a d t, 9. März. Aus der Kanzlei des 2nhabers der Polizeigewalt hören wir, daß es den zahlreichen Zugriffen der politi­schen Polizei gelungen ist, vielfaches zersetzen­des Material und verbotene Druck- s ch r i f t e n, sowie Waffen und Munition festzustellen.

2n Darmstadt wurde im sozialdemokrati­schen Eewerlschaftshous ein Dolch gefunden. Die Werkstätten des sozialdemokratischen Segelflug­sportvereinsSturmvogel" wurden polizeillch ver­siegelt. Dec technische Leiter des Darmstädter Reichsbanners, Lehrer Rosar, wurde gegen Mittag zur Dahn gebracht und hält sich bis auf weiteres in Mannheim auf. 2n der Wohnung des beurlaubten Oberregierungsrats van B a h - Huys en wurde eine Durchsuchung vorgenommen und zwei Walther-Pistolen mit 91 Schuß Muni­tion beschlagnahmt. Bei dem Kommunisten Leo R o h l e d e r wurde ein 2nfanteriegewchr, ein Infanterie-Seitengewehr, sowie zwei Bajonette beschlagnahmt. 2n der Wohnung des hiesigen

Grönland von heute.

Von Oipl.-Ing. E Maaß.

Godthavn, im März.

Im Zeitalter-Des Radio und des Flugzeuges gibt es keine Entfernungen mehr. Länder, an den äußer­sten Enden der W^It gelegen, sind uns plötzlich nahe­gerückt. Um sich ein Bild von der vollständigen Umwälzung zu machen, die zum Beispiel das Radio in dieser Beziehung hervorgerufen hat, braucht man bloß hier oben in Grönland zu sitzen und die jetzige Zeit mit der vor dem Kriege zu vergleichen. Da­mals trafen Nachrichten aus Europa mit einer kaum vorstellbaren Verspätung ein. So hörte man zum Beispiel von dem Ausbruch des Weltkrieges erst ein volles Jahr nach der Marneschlacht! Heute verneh­men die Eskimos unter lebhafter und begreiflicher Anteilnahme, vor ihrem Radioapparat sitzend, alle Etappen des Wortkrieges, der zwischen Dänemark und Norwegen ihretwegen im Haag ausgesochten wird.

Grönland ist eines der sehr wenigen Länder, denen dieses Näherrücken europäischer Zivilisation gut bekommt. Während Indianer, Azteken, Inder usw. ihre Bekanntschaft mit europäischer Kultur sehr teuer bezahlen mußten, hat Grönland in den letz­ten Jahren einen außerordentlichen Aufschwung ge­nommen. Die bis dahin rückläufigen BevölkerungS' zahlen beginnen eine ansteigende Kurve zu zeigen. Handel und Wandel blühen. Die natürlichen Boden­schätze des hieran reichen Landes werden der Zivi­lisation dienstbar gemacht, ohne daß die Grönländer darunter zu leiden hätten.Ihr Eskimos scheint eine glückliche Gabe zu besitzen, Euch wirklich nur das Gute der europäischen Kultur anzueignen und das Ungesunde von Euch fern zu halten" sagte ich ein­mal zu einem Grönländer der alten Generation.

Oho", meinte er,und die Bubiköpfe?" Ja, die Bubiköpfe, das ist allerdings eine Angelegenheit für sich, und eine wichtige, eine sehr wichtige sogar! Sind sie doch geeignet, eine vollständige Revolution in einer tausendjährigen Tradition hervorzurufen, einer Tradition, auf der das gesamte Zusammen­leben des Eskimos unerschütterlich fest zu beruhen schien! Denn der auf eine eigentümliche Art um den Kopf gewickelte Zopf unterrichtete sogleich über die gesellschaftliche Stellung" und einige sehr persön­liche Angelegenheiten der Frau. Und'das ging so zu: Nach unabänderlichem Gesetz trugen alle jungen Mädchen eine rote Schleife im Zopf, verheiratete Frauen eine blaue, Witwen eine schwarze und un­eheliche MHtter eine grüne. Jetzt aber kamen junge Grönländerinnen aus Kopenhagen von der Univer­sität mit einem Pagenkopf zurück und wo soll man

Kunstmalers Nestor Diehl wurden zahlreiche Druckschriften und Broschüren sichergestellt. Unter dem Verdacht, in der Nacht vom 7. /8. März Flug­blätter strafbaren 2nhalts verteilt zu haben, wur­den die Reichsbannerleute D ö r s ch und Rie­gel, der eine Waffe bei sich trug, sowie der Kom­munist H. Ries verhaftet. Von unbekannten Tätern beschossen wurde in der gleichen Nacht der Polizeioberwachtmeister und Kraftwagenführer der Schutzpolizei Karl Harheim, als er mit dem Dienstkraftwagen die Riedeselstraße in der Höhe des ehemaligen Militärgefängnisses durch­fuhr. Harheim hat sofort mit einer gerade vor­beikommenden Polizeistreife die Gegend durchsucht, jedoch konnte der Schütze nicht festgestellt werden.

2n Egelsbach bei Langen wurde bei fünf Eisernen Frontleuten eine Haussuchung vorgenom­men. Es wurden ein Trommelrevolver. 1 Pistole, 1 Flobert, alle mit Munition, Gummiknüppel, 3 Dolche, 1 Seitengewehr und Schlagringe beschlag­nahmt.

2n der Bürgermeisterei in Sprendlingen wurden ein Gewehr und fünf 2nfanterie-Seiten- gewehre gesichert.

2n einem Kanal bei Fürth (Odenwald) wur­den zahlreiche Gummischläuche verpackt vorgefun­den mit 60 Holzsprengkörpern und eine Anzahl 2ufanterie-Munition. Der verdächtige Kommu­nist Georg Kilian aus Fürth wurde verhaftet.

2n der Odenwaldschule bei Hambach wurden zahlreiche Druckschriften und Abzeichen der KPD. beschlagnahmt. Bei verschiedenen.der KPD. nahestehenden Landwirten in Hambach Wur­den Karabiner und Pistolen vorgesunden.

Die Llebernahme der Polizei­gewalt in Vaden.

Karlsruhe, 9.März. (TU.) Am Donnerstag­nachmittag hat der vom Reichsinnenminister nach Baden entsandte badische Gauleiter Robert Wag­ner die Amtsgewalt über das badische Polizeiwesen übernommen. Eine riesige Men­schenmenge hatte sich vor dem Ministerium des In­nern versammelt. Nach dem Anmarsch der national­sozialistischen Formationen wurde unter stürmischem Jubel der Bevölkerung eine große Hakenkreuzfahne an dem Gebäude des Innenministeriums gehißt. Der stellvertretende Gauleiter Köhler teilte mit, Reichs- kommissar Wagner habe in der Polizeiverwaltung bereits wichtige Personaloeränderungen vorgenommen. So habe er den Karlsruher Polizei­präsidenten Hauser beurlaubt und den Oberführer Ludin mit der Führung des Polizeipräsidiums be­auftragt. Ferner sei der Mannheimer Polizeipräsi­dent und die Polizeidirektoren von Pforzheim und Heidelberg beurlaubt worden.

Die b a d i s ch e R e g i e r u n g hat an den Reichs­präsidenten und den Reichskanzler folgendes Tele­gramm gerichtet:Gegen die Ernennung eines Reichskommissars für Polizeiwesen in Baden legen wir feierliche Rechtsverwahrung ein. Nach unserer Auffassung sind die tatsächlichen und rechtlichen Voraussetzungen des § 2 der Notverord­nung des Herrn Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. 2. 33 >ür das Land Baden nicht gegeben. Badisches Staatsministerium Dr. Schmitt." Das Staatsministerium hat gleich­zeitig beschlossen, Klage beim Staatsge- richtshof zu erheben.

Einspruch Württembergs.

Stuttgart, 9. März. (END.) Das württem« bergische Staatsministerium hat an den Herrn Reichspräsidenten ein Telegramm gerichtet, in dem gegen die Liebertragung der kommissarischen Befugnisse an den Abgeordneten v. 2agow Ein­spruch erhoben wird. 2n dem Telegramm wird zunächst darauf hingewiesen, dah die Vor­aussetzungen zu der Ernennung eines Staats- kommifsars für Württemberg nicht zuträfen und daß somit nach Ansicht der württemberaischen Regierung eine Verletzung der vom Reichs­präsidenten erlassenen Verordnung zum Schutze von Volk und Staat vorliege. Zudem sei die württembergische Regierung von der Reichs­regierung vor der Erlassung . der Maßnahme

da eine Schleife hereinflechten? Und, was das Schlimmste ist, diese aus Kopenhagen eingeführte Sitte hat sich mit einer verblüffenden Schnelligkeit im Lande ausgebreitet und den alten ehrwürdigen, ach fo wundervoll indiskreten Zopf fast ganz ver­drängt.

Ueber das Zusammenleben der Geschlechter herr­schen in Grönland ganz merkwürdige Begriffe. So wird der Leser den Kopf schütteln, wenn er hört, daß die uneheliche Mutter in Grönland nicht nur geduldet, sondern sogar besonders geehrt wird. Der Tausch von Frauen ist eine ganz gewöhnliche Er­scheinung. Freunde tauschen manchmal ihre Frauen im Kreise zwei- bis dreimal!

Vielleicht ist die Natürlichkeit, mit der die Grön­länder diese Fragen betrachten, auch die Ursache für ihre Ablehnung Des europäischen Frauenideals. Die schlanke Linie" wird von Den Grönländern als etwas Kärgliches empfunden. Eine rechte Grön­länderin muß schön, dick und rund .fein, und sogar bei dem Manne gilt eine breite Taille und ein run­des Bäuchlein als Vorzug. Wenn man einen Grön­länderin sagt, sie sei schlank geworden, so, bedeutet das soviel wie sie habe ihre Reize eingebaut, und man wird Dann über Das unschulDig gutmütige Ge­sicht bald Tränen rollen sehen.

Als vor wenigen Tagen ein Pastor aus Kopen­hagen mit seiner jungen sehr schlanken Frau nach Grönland kam, mürbe er von seiner GemeinDe mit BeileiDsbezeugungen überschüttet: ,Hh, wie mager ist Ihre Frau. Besaßen Sie Denn nicht genug Mit­tel, um sich etwas Besseres zu leisten?"

Auch in einem anDeren Punkte ist Der europäischen Zivilisation bis jetzt das Eindringen verwehrt ge­blieben. Wenn Der Europäer in den letzten Krisen­jahren nichts gelernt hat, fo wurde ihm doch eines beigebracht: Das Rechnen! Nicht fo Dem GrönlänDer. Die Eskimos können auch heute noch nicht Die ein­fachste Rechenaufgabe lösen. Daß sie trotzDem an vielen Errungenschaften europäischer Kultur teil- nehmen können, ist nur DaDurch möglich, Daß in Diesem LanDe Monopolwirtschaft herrscht. Alles, was die Eskimos erbeuten, wird in Den ßäDen Des Grön­landmonopols gegen Bedarfsartikel eingetauscht. Schon bei kleineren Einkäufen aber, Die nicht auf Der Grundlage Des Tausches abgewickelt roerDen, türmen sich für Die Eskimofrauen fast unüberwind- liche Schwierigkeiten auf unD verzweifelt rauft sie ihren Pagenkopf, um Die einfachste Rechnung zu lösen.

Schon in Der Zahlenbezeichnung Der grönländi­schen Sprache spiegelt sich diese merkwürdige Un­fähigkeit zum Rechnen wider. Die Zahl 6 beispiels­weise heißt in genauer ÜbersetzungEin Finger auf der anderen Hand", die Zahl 11der erste Zeh

nicht einmal gehört worden. Dieses sei außerdem zu einem Zeitpunkt erfolgt, als die württem- bergische Regierung bereits dem Reichsinnen­ministerium mitgeteilt habe, daß sie von sich aus alles getan habe, um eine Dem Reichstags- Wahlergebnis entsprechende Neubildung der württembergischen Regierung schleunigst durch­zuführen.

Auf ein Schreiben des Staatsministeriums an den Landtagspräsidenten vom 8. März 1933, in dem dieser um schleunigste Einberufung des Land­tags mit der Tagesordnung Wahl des Staatspräsidenten ersucht wurde, hat der Landtagspräsident geantwortet, daß die Ein­berufung des Landtags erfolgen könne, wenn die Voraussetzungen für den positiven Ausgang der Wahl eines neuen Staats­präsidenten geschaffen seien. Die Neubildung der Regierung habe selbstverständlich auf der Grund­lage der Reichstagswahlergebnisse vom 5. März 1933 zu erfolgen. Hierauf hat das Staatsmi­nisterium Dem Landtagspräsidenten erwidert, dah nach den 2nformationen des Staatsministeriums die Wahl eines neuen Staatspräsidenten sofort möglich sei. Eine weitere Verzögerung sei des­halb für das Staatsministerium nicht erträglich. Auf Grund der Landesverfassung berufe deshalb das Staatsministerium den Landtag auf Donners­tag ein mit der Tagesordnung Wahl des Staats­präsidenten.

Baldige Neuregelung der Zlaggenfrage

Berlin, 9.Mär;. (WTB.) 3m Einverständnis mit Dem Herrn Reichspräsidenten hat der Reichs- in inj ft er des Innern den obersten Reichs- behörden mitgeteilt, daß'' die Flaggenfrage binnen kurzem einer Neuregelung unterzogen werde. Da die im Weltkriege Ge­fallenen, deren Andenken der kommende Sonntag geweiht ist, ihr Leben unter den früheren Reichsfarben Schwarzweißrot hinge­geben haben, sehen die Behörden am 12. März 1933 auf den Reichsdienstgebäuden nur die Farben schwarz weißrot.

Der Kommissar des Reiches für das preu­ßische Kultusministerium hat an alle Nachgeordneten Behörden folgenden Erlaß gerichtet: Aus Anlaß zahlreicher mir zugegangener Anfragen weife ich nochmals darauf hin, daß es der Auf­rechterhaltung von Ruhe und Ord­nung dient, wenn in diesen Tagen nationaler Er­hebung Konflikte, die sich aus der Ableh­nung von Flaggenwünschen ergeben kön­nen, ausgewichen wird. Line allgemeine Anordnung steht für die nächste Zeit bevor.

Gchuhhast für Kölner SPD.-Führer.

Die Pressestelle des Regierungspräsidiums teilt mit: Donnerstagnachmittag wurden der Reichs­tagsabgeordnete Chefredakteur Sollmann und der Redakteur E f f e r o t h von derRheinischen Zeitung" in ihren Wohnungen von Gruppen politisch Andersdenkender angegriffen. Sie erhielten dabei leichte Kör­perverletzungen. Die verbreiteten Gerüchte über ernstere Körperbeschädigung entsprechen nicht den Tatsachen. Lim der Gefahr weiterer derartiger tätlicher Angriffe vorzubeugen, wurden Sollmann und Efferoth sowie einige andere sozialdemokra­tische Führer im 2nteresse ihrer eigenen Sicher­heit in Schutzhaft genommen. Es sind außerdem in Liebereinstimmung mit führenden, hinter der Regierung stehenden Kreisen Maßnah­men getroffen, um solche Zwischenfälle zu verhin­dern. Der Regierungspräsident hat, um bevor­stehende tätliche Auseinandersetzungen vorzubeu­gen, die Schließung des August-Bebel- Hauses, des Verlagsgebäudes derRheinischen Zeitung", angeordnet.

Ein Berlagsitthaber erschossen.

Chemnitz, 9. März. (TL1.) Donnerstagnach­mittag sollte das Verlagsgebäude der sozialdemokratischen Chemnitzer

auf Dem Fuß" und für Die Zahl 20 hat Die grön= länDische Sprache Das schöne Wortein ganzer Mensch".

Wie Die meisten Menschen, Die eine Abneigung gegen Zahlen und Rechnen haben, ist auch Der Es­kimo begeisterter Musikliebhaber. Tag und Nacht sind in Den Eskimo Häusern Die Radioapparate an- gestellt. Wenn Der Kopenhagener Sender fein Pro­gramm beendet hat, werden die Wellenlängen der amerikanischen Stationen ausgesucht. Ueberhaupt wird in Grönland das Radio wie in keinem ande­ren Lande ausgenutzt. So wird zum Beispiel im Eskimoland eine Zeitung ausschließlich auf Dem Radiowege übermittelt. Der Text der für die Zei­tung bestimmten Radiomeldungen wird dann ab- gedruckt und an Wänden angeschlagen.

Das älteste Tageblatt.

Die erste täglich erscheinendeZeitung" hat in Leipzig das Licht der Welt erblickt, und zwar war es ein Blatt, das unter dem TitelNeu­einlaufende Nachricht von Kriegs- und Welthän­del" seit dem 29. April 1660 täglich ausgegeben wurde. Schon vorher war diese Zeitung seit dem 1. 2cmuar 1660 sechsmal in der Woche erschie­nen. Aber diese Neuerung war ihrer Zeit weit voraus: lleben Zeitungsnummern in der Woche konnten damals noch keine Aufnahme bei den Le­sern finden, dazu war der Nachrichtendienst noch zu wenig entwickelt, das Tempo des Lebens noch zu langsam. So fand dieses erste Tageblatt der Welt ein rasches Ende, und erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts brachten es deutsche Zeitungen wieder auf ein tägliches Erscheinen. Mitteilungen über dieses erste Tageblatt macht Dr. 2ohannes Kleinpaul in einem Aufsatz des Buchhändler- Börsenblattes, in dem er neues Licht über die An­fänge des Leipziger Zeitungswesens verbreitet. Er macht es wahrscheinlich, daß dieLeipziger Zei­tung", Die von dem Verbreiter des ersten Tage­blatts, Timotheus Rihsch, herausgegeben wurde, bereits bis auf das 2ahr 1649 zurückgeht. Lieber die frühesten Anfänge des Zeitungswesens in Leipzig verweist er aus einen Vermerk in den Akten des sächsischen Hauptstaats-Archivs. Hier schreibt im 2ahre 1656 Georg Kormart, daß er sichin Leipzig an die 36 2ahre vom Zeitungs­schreiben beneben vielen armen Studiosis genäh» ret", und zwar sei erdurch Schreiben vom 9. De­zember 1633 vom Ober-Konsistorium dabei ge­schützt" worden. Danach gab es also schon ums 2ahr 1620 eine geschriebene Zeitung in Leipzig, bei deren Herstellung Kormart von armen Stu­denten unterstützt wurde: diese mußten die Nach­richten, die man, von auswärts bezog und durch

V o l k s st i m m e von einer Abteilung SA. durchsucht werden. Hierbei stellte sich, wie wir vom Polizeipräsidium erfahren, der 2nhaber deS Verlages, Georg Landgraf, mit einigen An­gestellten der Druckerei den SA.-Leuten ent­gegen. Er wurde von dem Führer der SA.- Abteilung aufgefordert, der Durchsuchung des Gebäudes keinen Wider st and entgegen- zusetzen. Landgraf drohte darauf dem Fichrer- Der SA.-Abteilung, ihn die Treppe hinunter­zuwerfen und machte eine Handbewegung, aus der der Führer der SA. anscheinend schloß, dah Landgraf zur Waffe greifen wollte. Der Führer der SA. gab daher auf Landgraf zwei Schüsse ab, wodurch er tödlich verletzt wurde. Er wurde zwar sofort nach dem Kranken­haus gebracht, ist aber auf dem Wege dorthin gestorben. Der Erschossene war früher erster Vor­steher des Chemnitzer Stadtverordnetenkolle­giums.

Aus aller Well.

Großfeuer in Bochum. Drei Tote, Drei verletzte.

2n einem Wohnhaus im Bochumer Stadtteil Lindendahlhausen entstand aus bisher noch un­bekannter Llrsache ein Großfeuer. Drei Mit­glieder einer Familie sind an Den erlittenen Brandwunden oder durch Rauchvergiftung bereits g e st o r b e n. Das vierte Mitglied dieser Familie, ein Kind, liegt schwerverletzt im Kranken­haus. Ein Mann und eine Frau stürzten sich aus den Fenstern. Während der Mann schwer verletzt wurde, tarn die Frau mit leichteren Verletzungen davon.

Schwere Bluttat im Hunsrück. Ein Toter, zwei Schwerverletzte.

Eine schwereBluttat ereignete sich in Dem Arbeitsdienstlager Blankenrath im Hunsrück. Der Leiter des Lagers, Kaindl, erschoß im Ver­lauf einer erregten Auseinandersetzung den Ar­beiter Alois Leittersdorf mit einem Re­volver und verletzte zwei weitere Arbeiter schwer. Einer von ihnen, 2osef Hillen, erhielt einen Bauchschuß und wurde in hoffnungslosem Zustand ins Krankenhaus geschafft. Der Täter, der sich am Tag zuvor einen Waffenschein und sofort den Revolver beschafft hatte, wurde ver­haftet. Nach den bisherigen amtlichen Er­mittlungen liegen den Vorfällen keine politischen Motive zugrunde. Kaindl, der im Lager und bei Den Behörden in gutem Ansehen* stand, war da­durch in einen Wortwechsel und in eine bedroh­liche Situation geraten, daß er entsprechend den Vorschriften junge Leute, Deren ArbeitsDienstzeit abgelaufen war, entlassen mußte. Einige von ihnen wollten keine Entlassung erhalten haben, so daß sie weiter ihren Dienst versahen. Schließ­lich wußte sich Kaindl nur dadurch zu helfen, daß er sich seine Angreifer mit der Pistole vom Leibe hielt. 2nwieweit er sein Notwehrrecht über­schritten hat, ist noch Gegenstand der behörd­lichen Llntersuchung.

Der Hochmeister des Deutschen Ordens t-

In Freudenthal (Tschechisch-Schlesien) verschied im Alter von 66 Jahren der Hochmeister des Deut­schen Ordens, Bischof Dr. Norbert Klein. Klein wurde 1866 in Braunseifen geboren, empfing 1890 die Priesterweihe und wirkte Dann als StaDtkaplan in Troppau, von wo er 1902 als Pfarrer nach Engelsberg (Schlesien) versetzt rourDc. Bereits ein Jahr später kehrte er als Probst nach Troppau zu­rück. 1917 empfing Dr. Klein in Der Troppauer Probsteipsarrkirche durch den Kardinal Fürsterz­bischof von Olrnütz die Bischofsweihe. 1923 wurde Bischof Klein, der das Bistum Brünn verwaltete, nach dem Verzicht des Erzherzogs Eugen vom Hoch­kapitel des Deutschen Ordens zu dessen Hochmeister ernannt.

Deutscher Kapstadt-Flieger in Kairo.

Der deutsche 2ungflieger Karl Schwabes Partenkirchen, der nach Kapstadt unterwegs ist, flog von Aleppo ohne Zwischenlandung eine Strecke von 1100 Kilometer bis Kairo. Der Flug wird weiter am Nil entlang führen.

gelegentliche Leipziger Neuigkeiten ergänzte, ver­vielfältigen. Eine gedruckte Zeitung Dürfte wohl nicht vor 1649 entstanden sein.

Wunderliche Eidesformeln.

Die Eide sind in Den verschiedenen Ländern ver­schieden. So sollte kürzlich der englische Gouver­neur der Kenja-Kolonie Sir 2oseph Byrne einen merkwürdigen Schwur leisten, als die Eingebore- nen-Häuptlinge von ihm verlangten, daß bei der Ausbeutung der jüngsten Goldsunde die Regie­rung nicht das Eigentumsrecht der Bewohner an­tasten werde. Der Oberhäuptling verlangte, dah Der Eid nach Den alten Kakamega-Bräuchen ge­leistet werde und brachte zu diesem Zweck einen Hund mit, Den der Engländer am Schwanz fas­sen sollte, während Der Häuptling ihn am Kopf hielt. Bei dem Schwanz sollte Sir 2oseph dann schwören, worauf der Häuptling den Hund mit seinem Schwert in zwei Teile zerschneiden wollte. Aehnliche Eidesbräuche sind im Orient üblich. Die Eingeborenen von Assarn schwören bei einem Huhn, das Die beiden Den Eid Leistenden packen und das Dann in der Mitte zerschnitten wird. Andere in­dische Eingeborenen-Stämme schwören bei Dem Kopf oder der Haut eines Tigers, Der aber frei­lich dazu nicht lebendig in Anspruch genommen wird. 2n anderen Gegenden schwört man bei Sonne und Mond, bei Flüssen und Gebirgen. Den eigenartigsten Eid aber besitzen die Chinesen. Ein Sohn des Reiches der Mitte gelobte mit folgen­den Worten, die Wahrheit zu sagen:Wenn ich nicht die Wahrheit spreche, so möge meine Seele in tausend Stücke zerschmettert werden wie dieser Teller", und er schleuderte einen Teller heftig auf den Boden. Sind keine zerbrechlichen Gegenstände zur Hand, so wird die Formel durch die ersetzt: Meine Seele soll erlöschen, wie ich dieses Licht ausblase", und dabei wird ein brennendes Streich­holz ausgepustet.

Zeitschriften.

Aus dem Märzheft derDeutschen, Zeitschrift" (vormalsKunstwart", Georg D. W. Callweh, München) seien folgende Bei­träge aufgeführt: ein Leitaufsatz überRegie­rungsfähiges Denken" von Wilhelm Michel: die Rumänische Reise" von Hermann LIllmann; Die Lieberwindung Berlins" von Franz Graetzer; Notizen über bildende Kunst, neue Filme, Päd» agogtt;Exakte Autarkieforschung" von W. A. Driccius: der Schluß Der russischen Erzählung Mary" von 2toan Schmeljow 3m Dilderteil: Proben moderner Plastik und altdeutscher Graphik«