Aus der Provinzialhaupisladt
Geschichten aus aller Welt
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er bei Bekanntwerben bet groben SpekulationS» umlätze der Bollsbank den drei Direktoren dec Dolksbank ernste Vorhaltungen gemocht habe. 2lus der Behandlung der werteren Konten ergab sich, daß auch hier bei hohen Krediten ©ia)cr* heilen zu spät oder nicht ausreichend gefordert worden waren.
WER. Frankfurt a. M., 9. März. Heber die Arbeitsmarktlage im Bezirk des Landes- arbeitsamtes Hessen in der Zeit vom 16. bis 28. Februar 1933 teilt das Landesarbeitsamt Hessen mit: Ende Februar wurden bei den Arbeitsämtern insgesamt 338 938 verfügbare Arbeitsuchende gezählt, davon waren 51 540 oder 15,2 v. H. Frauen.
Die Abnahme der Arbeitsuchenden um insgesamt 1305 oder 0,4 o. h. des Standes von Mitte Februar entfällt in der Hauptsache auf die Männer, deren Bestandszahl um 1016 oder 0,4 v. H. zu- rüdging. Bon den verfügbaren Arbeitsuchenden waren 331 366 oder 79,8 v. H. arbeitslos! ihre Zahl ist insgesamt um 966 zurückgegangen. Die Entwicklung während der Berichtszeit war bezirklich und beruflich uneinheitlich. 3n 8 von IS Arbeitsamtsbezirken ergab sich noch eine weitere Zunahme, die jedoch größtenteils nicht mehr erheblich war. Die Abnahme war am stärksten in den Bezirken Limburg (480 oder 3,4 v. H.), Darmstadt (504 oder 1,8 v. H.) und Frankfurt (1500 oder 1,7 v. H.).
Die Veränderungen der Bestandszahlen der Arbeitsuchenden in den einzelnen Derufsgruppen war ebenfalls nicht bedeutend. 3n den Außen- berufen ergab sich z. T. eine, wenn auch geringe, Entlastung: im Baugewerbe nahm die Zahl der Arbeitsuchenden weiterhin etwas zu.
Als erheblich ist im Rahmen des Gesamtrückgangs die Abnahme in den Angeslelltenberufen zu bezeichnen.
Bratkartoffeln.
sen. -Kopenhagen.
Man soll schon die Sprache des Landes beherr- schen, wenn man auf Aeisen seine Menschen und Sitten rennen lernen will. Andernfalls läuft man Gefahr, sich einen ganz verkehrten Eindruck anzueignen. So erging es Frau Jutta P. aus Hortens in Dänemark. Frau Jutta ist eine reizende blonde Frau, wissensdurstig und reiselustig, aber mit einer — alle Menschen haben ihre Eigenarten — ausgesprochenen Abneigung gegen Bratkartoffeln. Sie fuhr eines Tages auch nach Deutschland, ohne ein Wort von dieser schweren Sprache zu beherrschen. Vorsichtshalber aber unterrichtete sie sich vor ihrer 2lbreise bei deutschsprechenden Bekannten, was Bratkartoffeln auf deutsch heiße - und dieses Wort prägte sie sich ein.
So belastet trat sie die Reise an. Sie stieg in einem Hotel in Hamburg ab. Der Kellner legte ihr die Speisekarte vor. Frau Jutta lächelte überlegen, meinte, daß ihr das alles gleich sei, aber..
Lind sagte sehr eindringlich: „2kke Bratkartoffeln."
Der Kellner lächelte verbindlich und brachte ihr — Bratkartoffeln, dazu mit fragendem Blick Rühreier. Frau Jutta atz die Rühreier und lieh die Bratkartoffeln stehen.
zu holen.
Der anspruchsvolle Berberfürst.
(h) London.
Im heißesten und dunkelsten Afrika ziehen die Agenten der großen Radiofirmen umher, emfig bemüht, die alten Lautsprecher noch an den Mann oder an den Häuptling zu bringen. Sehr große Häuptlinge kaufen die allerersten Apparate. Das sind jene, die alles kaufen, was ihnen gefällt — Nähmaschinen und Rasierapparate, goldene Zähne und Fahrräder. Weshalb sollen sie nicht Radioapparate kaufen?
Da verkaufte ein Händler einem Derberhäuptling den teuersten Apparat, den es heute gibt. Ein paar Techniker kamen. Man baute die Leitung ein. Es war alles sehr schön.
Der Häuptling drehte und hörte:
„This is Station London. You have just heard .. / usw. ober
„Station Rabat vous venez entendre les derniers cours de Bourse ..und dann
„Statione Roma-Napoli ..
„Hier ist der Norddeutsche Rundfunk...“
Der Berberscheich horchte und horchte. Es war wirklich ganz wundervolL Aber dann verfinsterte sich seine Miene. Er lieh den Agenten, der auf seinem Esel schon ein paar hundert Meter auf dem Heimweg war, zurüctholen:
„Der Apparat ist gut, aber weshalb haben Sie mir nicht die Maschine mitgeliefert, die mich das alles verstehen läßt, was da gesagt wird!"
Eine Übersetzungsmaschine, meinte der Häuptling. Und er ließ es sich nicht ausreden, daß Die Weihen, die die ganze Welt hörbar machen, imstande seien, auch eine Zauber-Uebersetzungsma- sch ine zu bauen. Der Glaube ehrt uns, aber die Praxis demontiert uns...
Vielleicht später. Dis dahin muh der Deber- chef seine finstere Miene wohl oder übel behal- ten...
mag. _ ,
Ober, um auf den Kern ber -Lache zu kommen: In Berlin gibt es einen Zoolagischen Garten. Ein wichtiger Bestanbteil bes Zoologischen Gartens ist bas Terrarium. Unb ein höchst wichtiger Bestanbteil des Terrariums ist jener kleine Glaskasten, m bem bie emsige unb bescheibene Species Apis Mellifica L. in Hellen Hausen wohnt unb Tag und Nacht barüber nachgrübelt, wie es auf bie passendste unb bezenteste Weise seinen Honig zur Welt bringen kann. ,
Vor biesem Kasten flauen sich die gutwilligen Einwohner Berlins. Auf bem Glaskasten aber ist eine große Tafel angebracht, beren weithin lesbare Lettern auch für ben kurzsichtigsten Zeitgenossen schwer zu übersehen sind. ,Was ist ber Wortlaut bes Textes auf bieser Tafel?
„Bonsels' ,Die Biene Maja' ist eine ben Unfum biqen irresührenbe Fabel. Nichtiges steht in: ,Aus bem Leben ber Bienen' von Professor Dr. K. von Frisch ..."
Tanbcukauf.
arp. — Sofia.
Auf dem Marktplatz in Gjevgheli in Mazedonien stand ein tiefgebraunter, hagerer OHann. In den hölzernen Gitterkästen hockten, die Tauben, die er zum Kaufe anbot. Es waren Prachtexemplare, und die kauflustigen Männer und Frauen aus Negorzi, Boddanzi, Dogodorica und Majadog, Mrzeni unb anderen Dörfern der großen Wardarebene blieben bewundernd vor den Taubenkästen stehen und fragten nach dem Preise. Wie so oft im Leben trübte auch hier der Preis, den ber hagere Mazedonier mit stoischer Ruhe forderte, die reine Freude. Mit bedauerndem Achselzucken gingen die meisten weiter. Rur ein reicher Mann aus Gjevgheli verweilte länger, ging dann weiter und kam wieder zurück, verhandelte zum zweiten und dritten Male mit dem Taubenverkäufer und erstand schließlich die Tiere. Er ging mit seinen Kästen froh nach Hause. Doch schon am nächsten Tage verwandelte sich seine Freude an dem neuen Desih in Schmerz, denn die Tauben kehrten von ihrem ersten Fluge nicht mehr zurück. Als sie nach drei Tagen in ihren neuen Schlag nicht mehr heimgefunden hatten, ging der reiche Mann auf den Markt. 2lber er sah den Verkäufer nicht wieder, nicht dieses Mal, nicht in den nächsten Markttagen.
Ein Zufall führte ben reichen Mann und Taubenliebhaber aus Gjevgheli nach einem halben Iahre nach Ucsküb. Nach Erledigung seiner Geschäfte sah er in einem Gasthause und hörte mit wachsendem Interesse einer Unterhaltung am Nebentische zu. Dort erzählte eine Bäuerin auS ber Hmgegenb, datz ihre gestern auf dem Markte gekaufte Tauben gleich wieder entflogen seien. Der reiche Mann aus Gjevgheli mischte sich ein und erzählte sein Erlebnis. Die Bäuerin erkannte an der genauen Beschreibung, die der Geschäftsmann aus Gjevgheli gab, daß es sich hier nur um die gleichen Tauben handeln könne, oic forschten von dieser Stunde an gemeinsam nach, meldeten den Vorfall der Polizei, und nach vier Wochen wurde auf dem Markte in Durazzo der Taubenhändler erkannt und verhaftet. Bei der genauen Untersuchung stellte es sich' heraus, datz es sich um einen Flug wohldressierter Brieftauben handelte, die nach jedem Verkauf sofort ■ wieder den Weg zu ihrem Herrn zurückfanden Das Geschäft war so einträglich geworden, daß - der Taubenhändler von Markt zu Markt reifen konnte, daß er am Doiransee ein schönes HauS : erstanden hatte und in dem dazugehörigen kleinen ’ ®arten das zwar bescheidene, aber darum nicht i minder ehrlich gemeinte Standbild einer Taube aufgestellt hatte...
Kellner nach:
„Ikkc Bratkartoffeln..
Worauf er ihr auf kleinem Teller prompt mit einem vertraulichen Lächeln eine $°yl.!0,A.?rn x fartoffcln servierte, die sie selbstverständlich und innerlich kopfschüttelnd stehen ließ.
Das wiederholte sich noch einige Male, dann nahm Frau Iutta von ihren Freunden bewegt Abschied und reiste nach Dänemark zurück. Zuhause erklärte sie: „Deutschland ist wirklich ganz schön, aber ich bekam dauernd Bratkartoffeln wo ich doch ausgerechnet darum bat, ich möchte keine ^Äie hast du denn bas angestellt, Jutta?"
"Ich sagte immer: Ikkc Bratkartoffeln und trotzdem..."
Jkke heißt nämlich im Damschen „nicht . also Jutta wollte betonen: Bitte nicht Bratkartoffeln.
Aber wenn in Deutschland jemand sagt „3ne Bratkartoffeln", dann klingt das eben wie „3ac Bratkartoffeln..Und man wird dann für eine Berlinerin gehalten, wenn man eine Danin ist.
Tie Lache mit der Biene.
rt. — B e r l i n.
Um es einmal klarzustellen: Es ist unwahr, baß bie gewöhnliche Honigbiene (Apis Mellifica L) ein Tier ist, bas sich seinem ganzen- Lebenswandel nach zu poetischen Ergüssen unb zu romanhafter Darftcl lung eignet. Wahr bagegen ist, baß dieses Tier lebiglich Objekt strenger wissenschaftlicher Unter uch'ungen sein kann unb sein bars.
Es ist unwahr, baß ein ^deutsche'' cdjrittftcllcr, mag er nun Waldemar Bonsels heißen, öerhart Hauptmann ober Johann Wolfgang von Goethe, die Befugnis haben kann, sich über bas Leben und Treiben ber Bienen in ber Form dichterischer Prosa auszulassen. Wahr bagegen ist, — da Poesie bekanntlich meist mit Täuschung unb Luge Dcrbunben ist — baß nur ein gewissenhafter Forscher von cdp tem Schrot unb Korn bas geheimnisvolle Dasein ber Bienen richtig zu erfassen unb zu schildern ver-
Präsident Dr. Neumann t-
DSN. Darmstabt, 9 März. Vorgestern abend hatte sich ber Präsibent der Lanbesversicherungs- anftalt Hessen Dr.h.c. Neumann einen Schuß in den Kopf beigebracht. Nach zweitägigem Kran- kenlager ist er jetzt verschieden.
In Berlin erwarteten sie Bekannte, die sich herzlich ihrer annahmen, sie ausfuhrten und mit ihr auch essen gingen. Frau 2utta verstand natürlich nicht, was ihre Bekannten bestellt hatten, vorsichtshalber rief sie darum dem enteilenden
Der Volkstraueriag in Hessen.
Der Inhaber der hessischen Polizeigewalt, Re- aierungsrat Dr. Müller, hat sich dem Vor» geben der übrigen Länder angefchlossen und verfügt daß am kommenden Sonntag, dem Volks- trau'ertag. von den Polizeibehörden keine Tanz- belustigungen und Lustbarkeiten anderer Art genehmigt werden dürfen, die mit dem Ernst des Tages nicht in Einklang zu bringen sind. Es wurde angeordnet, datz die zur Zeit gehißten Fahnen am Sonntag auf Halbmast zu setzen sind. Soweit Behörden zur Zeit nicht geflaggt haben, ist von diesen in den Landesfarben und wenn möglich auch in den Farben Schwarz-Weih-Rot zu flaggen.
Gedenkfeier für die Gefallenen.
Die Bezirksgruppe Gießen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge oeranftaltcL totem früheren Jahren, auch am kommenden Sonntag in ber Reuen Aula der UniDerfitat eine Gedenkfeier für unsere Gefallenen. <3tu- bienrat Lic. Prof. Dr. Adolph wird die Gedächtnisansprache holten, Frau Emma Sch uo t wird bie Feierstunde durch ® cf an g 3b arb i e t u n g c n verschönen, ferner wird die Gießener Ouilitarka- pelle unter Leitung^ von Obermusikmeister Krautze mitwirken. Die Feier wird pünktlich um 12 ilbr beginnen. Der Zutritt zu der Veranstaltung ist jebetmann unentgeltlich gestattet. Man beachte bie heutige Anzeige.
Taten für Freitag, 10. März.
1776: Königin Luise von Preußen in Hannover geboren. 1783: ber Dichter 2os. v. Eichendorfs auf Schloß Lubowih geboren. 1873: bei Romanschriftsteller Jakob Wassermann in Furth geboren. 1910: ber Komponist Karl Reinecke in Leipzig gestorben.
Bornotizen.
— Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Unter der Spielleitung des Intendanten heute, 20 Ahr, Erstaufführung des Schauspiels „Vor Sonnenuntergang" von Gerhart Hauptmann. In der Rolle des Geheimrats (Staufen Intendant Dr. Rolf P r a f ch. 22. Vorstellung im Freitag-Abonnement. Gewöhnliche Preise. Ende 22.45 Ahr. — Morgen, Samstag, eine Ope- retten-Volksvorstellung zu kleinen Operettenpreisen. Zur Aufführung gelangt bie Operette „Das Dreimäderlhaus" mit ber Musik nach Franz Schubert. Letzte Ausführung. Schülerkarten haben Gültigkeit. Spieldauer von 20 bis 23 iltjr. Die nächste W.edcrholung des Schauspiels „Vor Sonnenuntergang" f indet am Sonntag, 12. März, statt. Fremdenvorftcllung zu ermäßigten Preisen. Anfang 18.30 Uhr, Ende 21.15 Uhr.
Aus dem Volksbaulprozeß.
WSN- Darmstadt. 8. März. Die Ministe- rtalabteilung für Gesundheitswesen hat den Angeklagten Direktor Becker für verhandlungs- fähig erklärt, worauf die Verhandlung wieder ausgenommen werden konnten. Das Gericht setzte dann in Anwesenheit des Obermedizinalrats Dr. Peters, der als medizinischer Sachverständiger den Verhandlungen beiwohnen soll, die Besprechung der einzelnen Konten fort. Die Verhandlung gegen den Angeklagten Präsidenten der Landesversicherungsanstalt Dr. Reumann, der hoffnungslos im Krankenhaus liegt, wurde abgetrennt. Aus der Vernehmung des Reichsbankdirektors i. R. Müller ist festzuhalten, daß
** Lahnkanalisierung. Die Arbeiten bes Freiwilligen 'Zlrbeitsbienfteean ber Lahn, unweit bes Elektrizitätswerkes mckchen gute Fortschritte. Man hat nunmehr bie Angriffsfläche für bie Erdarbeitern verbreitert unb zwei Arbeitsbrucken ausgestellt so daß ber Aushub nun von zwei Seiten erfolgt. Die Arbeit stellt nach wie vor hohe Anforbe- rungen an bie bort tätigen jungen Leute, benn, wenn auch jetzt ber Frost bie Arbeiten nicht mehr zu Hinbern vermag, so ist bas Erbreich boch noch sehr feucht unb schwer, so baß es eines ziemlichen Aufwands an Körperkraft bebarf, um ber erwünschten Arbeitsleistung gerecht zu werben. Die bisher ausgeschach- teten Teile haben sich längst mit Wasser gefüllt, benn ber G. unbwasserstanb scheint bort sehr hoch zu sein. Mit bem Fortschreiten ber Arbeit gewinnt man einen lleberblick über bas große Ausmaß ber hier notwendigen Erdbewegungen. Wenn diese Arbeit vollendet sein wird — unb es bürste zu erwarten sein, daß ber Freiwillige Arbeitsbienst das Werk oollenbet —, bann darf man mit Recht sagen, daß bas, was an bieser Stelle geschaffen wird, höchste Anerkennung verdient Es muß immer wieder berücksichtigt werben, baß bie jungen Leute sich freiwillig unb gegen nur geringes Entgelt bieser schweren unb wohl manchem ber Beteiligten ungewohnten Arbeit unterziehen.
"DcrAllgemeineDeutsche Frauen- verein hielt — wie man uns berichtet — diesmal zusammen mit dem Gießener Lehrerinnen- verein am Mittwoch seine Monatsversammlung im Hotel Hindenburg ab. Die Privatdozentin für Rationalökonomie an der Landesuniversität, Frau Dr. Charlotte v. Reichenau, deren Dortrag auf der Tagung des Verbandes Hessischer Frauenvereine in Bad-Nauheim im vorigen Jahre so starken Anklang gefunden hatte, fprad) über ein Thema aus ihrem Fachgebiet, nämlich über ..Die Bedeutung des Metallgelder im Wandel der Zeit". Frau v-Reichenau sprach zuerst kurz über die verschiedenen Geldarten, speziell über Münzsorten, über staatliche Münzhoheit, über die Funktionen des Metallgeldes, so seinen Einfluß auf den Wechselkurs, über Münzver-
Eie betrug in den drei Angestelltengruppen insgesamt 572 oder 1,5 v. H. Der größte Teil dieses Rückganges entfällt auf die kaufmännischen und Düroangestellten (484 oder 1,7 v. H-).
Von der Gesamtzahl der Arbeitsuchenden waren somit 301 257 ober 88,9 v. H. Arbeiter und 37 681 oder 11,1 v. H. Angestellte. Die Gesamtzahl der HauptunterstühungLempfänger in der Arbeits- losenversichcrung nahm gegenüber Mitte Februar 1933 um 662, die der Hauptu^^rstützungsempfän- ger in der Krisenfürsorge um 1358 zu, so daß die Gesamtzunahme in den beiden Unterstützungseinrichtungen während ber Berichtszeit 2120 betrug. Es wurden daher Ende Februar in der Arbeitslosenversicherung 46 244, in der Krisenfürsorge 74 767, zusammen 121011 Hauptunterstühungs- empsänger gezählt.
Unter den verfügbaren Arbeitsuchenden befanden sich nach der vorläufigen Zählung der Arbeitsämter am 28. Februar 122 146 männliche und 13 970 weibliche, zusammen 136116 anerkannte Wohlfahrtserwerbslose.
Beim Rokwerk der deutschen Jugend wurden Ende Januar 1933 bei 135 Maßnahmen 5407 jugendliche (davon 1214 Jrauen) beschäftigt;
4241 Jugendlichen wurde täglich, eine gemeinschaftliche Mahlzeit verabfolgt. Die Zahl der an 265 im Bezirk durchgeführten Tildungsmaßnah- mcn beteiligten Jugendlichen betrug 8178 (davon 1827 Frauen). Die endgültigen Zahlen für Ende Februar stehen noch nicht fest.
schlechterungen usw. -Sie betonte besonders, daß es niemals möglich fei — Wie in der Kunst, so auch in der Wissenschaft —. einen Gegen- stand für sich allein, sondern nur in Beziehung zum Menschen zu erfassen. Sie verfolgte dem- gemäß die Bedeutung der Münze für den Menschen im Wandel der Zeiten. Heber den Ursprung des Metallgeldes bestünden heute in der Wissenschaft Divergenzen. Während man bisher, aufbauend auf die besonders in der Aufklärung betr- schende Annahme eines immer gleichen Menschentums, sich das Geld aus Rützlichkeitserwägungen heraus „erfunden" dachte, würde heute durch Dourgon, Ernst Curtius, sowie Laun auf die Möglichkeit einer Entstehung des Geldes aus der facralen Sphäre heraus hingewiesen. Man habe statt Tieren erst Tierfiguren, bann kleine metallene Platten mit Tierbildern geopfert Rach I Hochdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Ansicht dieser Forscher bestehe also die Möglich- leit, daß die Münze aus ben Tempeln in die Tas ÄnefcnfPlclzeug.
Wirtschaft gedrungen sei. Jedenfalls sei Edel- xv. Reuyvrk.
metall im alten Babylonien zuerst als Geld ver- Folgendes ist in einem großen Wanderzirkus, wandt worden. Mit zunehmender TauschwirtschaN ^ccht Minnesota gastierte, geschehen:
sei das Metallgeld mehr und mehr Symbol der erschien mitten im Zirkusprogramm, auf den wirtschaftlichen Verkettung der Loschen gewor anderem ein Elefanten-Dreisurakt angetun-
ben. In modernen Zeiten sei bei den zivilisierten “nicr^ kaufte sich eine teure
Völkern eine langsam schwindende Bedeutung der l Eintrittskarte und nahm unmittelbar an der
Münzen zu beobachten: übereiner schm^en Geld- Manege, in der ersten Reihe Platz. Als die Ele-
basis baue sich eine gewaltige, auf Bertrauen ,tcnu ^ünftc zeigten. Männchen machten,
basierende, in Poplerscheinen — Wechseln, Schecks JReifen balancierten, auf Stahlglockcn mit einem
Danknoten — bestehende Ze^menge auf die ,e $J,mcrd)cn öa8 fic im Rüssel trugen das schöne
doch immer in. Gefahr stehe, bet Er Wirtschaft Sternenbanner spielten, als allo der
lichen Krise und dem mit ihr Hand in ^>ano SrcHura[t &cr Elefanten in bestem Gange war — gehenden Vertrauen in SSfall unb da fiel einem ber Dickhäuter eine allerliebste
kn. Der Dortrag loste sehr starken Beifall unb D^xo^atvoxx ein. Mit Dliheseile trat er an
eine lebhafte Aussprache aus. Rampe der Manege, erhob seinen Rüssel
** „Schwere Folgen der Schwarz ar £ie> auß ber Hand des Herrn, der dort
beit." 2n dem Bericht unMr dieser Ueberschr f ncincg Paket, in dem sich nicht nur
in unserer gestrigen «zruhaWgsbe smd durch em I • Äragcn sondern auch drei funkel-
Versehen bei der Fertigstellung der Seite dw Zei $ t ' 1 Krawatten befanden, die er kurz zur
len bes letzten Satzes verhoben worden. Rich- ,
Das war im Programm nicht °°rg°!-h°n W
bis 6000 Mk nicht uberK0a0Mar 1 daß die steifen Kragen hinterher
Amtsgericht QJicBcn. so aussahen, als seien sie unter dem Hammer
ßin hiesiger Arbeiter sollte an einem Kinde eines Riesenwalzwerkes geraten. Und eine Mi-
ftrafbarc Staublungen vorgenommen haben. Das I nute nach der Tragödie lugte auf einmal ein
gegtn ibn cingelcitcte Strafverfahren wurde aber kleiner bunter Stoffrest aus der Derllefung her
eingestellt, da mn voller Beweis seiner Täterschaft vor, wo sich sruhei: ber ©tofaabu be« N erbracht werben konnte. Eine Frau, die mit befunden hatte - das einzige, was v°n den drei ihm auf einem Gang wohnt, hatte die Anzeige Krawatten des Herrn noch ubngg€bheben war Gemacht 2eh7wurd? gegen bie Frau nach Ein- Als der Mann tobte und schvie. die Zirkus- stellung des Verfahrens, desfen Ausgang gesetz» direktion höflich ihre Achteln zuckte als es dann licker Vorschrift gemäß erst abgewartet werben daraufhin zum Prozeß kam, erhob s.ch bie ju
mMe Anklage wegen „falscher Anschuldigung" ristische Frage. ..Geschieht bas ^ra^ten einer
erhoben ein im allgemeinen selten vorkommenbes Clefanten-Dre,surnummer auf eigene Gefahr?
Vorgehen für das das Strafgefetzbuch neben ber Ober hat ber Zirkus für die Sicherheit, b e
Gesängnisstrafe aud) die Aberkennung ber bürget- Kragen unb die Schllp.e seiner Besucher zu haf
llchen Ehrenrechte wegen ber barin zutage treten- ten?" Die zweite Frage wurde vvn bem zu- Den ehrlosen Gesinnung Vorsicht. Die Angeklagte ständigen Gericht entheben beiaht.
wurde aber f r c i g c s p r 0 ch e n, obwohl ber als nnt) nun zerbrechen sich bie amerikanischen Zeuge vernommene Arbeiter unter seinem Eibe Zirkusbirektoren ben Kopf barüber. wie sie m die Täterschaft bestritt. Sein Zeugnis, bas einzige, Zukunft ihre Elefanten besser erziehen können, das die Anzeigerin belastete und von ausfchlag- Unkontrollierbaren Gerüchten zufolge haben ,ie gebender Bedeutung hätte sein können, war nicht sich entschlossen, ihre Elefanten einmal m ber cintoanbfrci, unb das Gericht konnte aus ihm Woche mit ben alten abgelegten Schlipien des allein nicht die Ueberzeugung gewinnen, daß Direktors zu füttern, damit ihr Appetit auf bie Angeklagte, die ihre Beobachtungen sofort wci- Hunte Stoffe befriedigt wird unb sie nicht noch tererzählt hatte, wider besseres Wissen ben Qlrbei- einmal in die Lage kommen, ihre ewigen Rechte ter eines derartigen Vergehens bezichtigt hat, um aug dem Schoß eines dicken Herrn im Publikum ein Strafverfahren gegen ihn zu veranlassen. Der Frage, ob nicht etwa in ber nicht erweislich wahren Anschuldigung eine Delcibigung zu erblicken sei brauchte nicht näher getreten zu werden, ba ber Beleidigte innerhalb ber vorgeschriebenen Frist keinen Strafantrag gestellt hat.
Der nächste Fall handelte von einer Fundverhehlung bzw. Unterschlagung. Ein 6jähnges Kind hatte auf der Straße eine Damenarmbanduhr gesunden, seinem Vater ben Fund mitgeteilt unb bie Uhr eingehändigt. Anstatt dieser, wie es Vorschrift ist, bie Uhr unverzüglich an bie Polizei ab- liefcrte, behielt er sie, als ob sie in fein Eigentum übergegangen wäre. Als es offenbar wurde, baß er bie Uhr besaß, behauptete er, bie Aneignungs- abficht habe ihm gesehlt, er habe in Unkenntnis ber gesetzlichen Bestimmungen zunächst abwarten wollen, ob sich ber Eigentümer melde. Hiergegen spricht aber bie Länge der Zeit nach bem Verlust ber Uhr, bie schon im vorigen Sommer verloren gegangen war. Dann aber hat sich ber Angeklagte wahrheitswidrig dahin geäußert, er habe die Uhr getauft. Schließlich wußte er auch, bah das mit ihm im selben Hause wohnende Mädchen eine derartige Uhr verloren hatte. Darnach stand außer allem Zweifel, daß die Voraussetzungen einer Unterschlagung bei bem Angeklagten vorlagen. Er hat eine fremde Sache, die in feinem Gewahrsam war, sich rechtswidrig zugeeignet, und erhielt deshalb. ba schon vielfach vorbestraft, eine Gefängnisstrafe von einem Monat.


