Hr. 265 viertes Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Donnerstag, 9. November 1955
Das war vor cküIahren!
Oer Hitlerputsch in München am 9. November 1923.
Don Or. Johann von Leers.
IV.
Der Tod an der Feldherrnhalle
Im Burgerbräukeller hatte Adolf Hitler beschlossen, mit den aesammelten Kampsverbänden an der Spitze der SA. durch München zu marschieren. Voran ging das Hakenkreuzbanner und eine Reichskriegsfahne. Danach folgten die Führer u n b e w a f f n e t. Im ersten Glied Adolf Hitler und Ludendorff, dicht neben Adolf Hitler Rittmeister R e ck m e r s. Das Deutschlandlied braust durch die Reihen. An der Ludwigsbrllcke will Landespolizei den Zug aufhalten. Aber ihre Kette wird früher durchbrochen, ehe sie schießen kann. An der Feldherrnhalle steht Landes- Polizei. Immer dichter wird der Zug. Die Münchener Bevölkerung marschiert an beiden Seiten mit, die Heilrufe brausen, die Musik setzt schmetternd ein „O, Deutschland hoch in Ehren..
Der Zug marschiert gerade durch die Residenz- K... Er rückt immer näher gerade auf die rrkette der Landespolizei zu... Vom Rathaus weht noch die Hakenkreuzfahne, die am Morgen vom Sturmtrupp Hitler gehißt ist. Ganz nahe find die beiden Züge aneinander herangekommen.
Die erste Linie der Polizei senkt die Gewehre. Der rechte Fahnenträger stürzt zusammen, bedeckt mit der schwarzweißroten Fahne.
Schüsse rollen, knattern... Die Landespolizei feuert sinnlos in die Menge. Ein gellender furchtbarer Ton klingt auf. Das Panzerautomobil feuert. Hitler ruft: „Schließt die Kettel", hakt sich links und rechts in feine Leute ein. Hitlers Nachbar erhält fünf Schüsse, bricht zusammen. Es ist der Rittmeister Rickmers. Im Fallen kugelt er Adolf Hitlers Arm aus dem Gelenk. Ein Knabe fällt direkt vor Hitler nieder. Hitler hebt ihn auf, schleppt ihn auf seinen Schultern aus dem Gefecht. Ein Landespolizist hebt sein Gewehr gerade auf Hitler an, um Haaresbreite geht der Schuß an ihm vorüber. Man macht Treibjagd auf Hitler. Mit
Mühe gelingt es ihm, ein Auto zu erreichen. Göring bricht schwer verwundet nieder.
Als Augenzeuge schildert Alfred Rosenberg die schauerliche Szene: „...Der rechte Fahnenträger stürzte in sich zusammen, bedeckt vom schwarzweißroten Tuch. Hitlers Nachbar erhielt fünf Schüsse, im Fallen zog er Hitler mit sich mit einer Kraft, daß diesem der Arm aus dem Gelenk sprang. Ludendorff war aufrecht durch die Ketten gegangen. Die Polizei schoß nicht nur von vorn auf den Zug: auch aus der Residenz ertönten Schüsse, und über mir vom Seitenflügel der Feldherrnhalle schossen Maschinenpistolen ihr Blei klatschend auf den Asphalt und in menschliche Körper.
Scheubner war oorgesprungen: „Schießt nicht auf Ludendorff!" Eine Kugel fuhr ihm durch die Brust, er war sofort tot. Ein anderer sprach aus blutendem Munde: „Ihr Hunde habt auf Schwarzweißrot geschossen!" — und starb ..
Auf den Stufen der Feldherrnhalle liegt S esse l m a n n , von einigen Schüssen durchbohrt, neben ihm steht, seiner nicht mehr mächtig, der wuchtige Oberstleutnant K r i e b e l und ruft: „Ihr Schufte habt Hitler und Ludendorff erschossen ...!"
Hauptmann Göring wälzt sich, schwer verwundet, der Mauer der Residenz zu. Koerner ist nicht weit von mir durch Kopfschuß getötet...
Von unserer Seite wurde von irgendwo auf das Schießen geantwortet. Hitler richtet sich auf: „Aufhören!" Es war zwecklos...
Die Tragödie ist aus. Ich gehe zurück. Quer über dem Bürgersteig liegt ein Parteigenosse. Eine Kugel hat ihm die Gehirnschale abgerissen, das warme Gehirn quillt rauchend heraus. Er atmet noch leise seine letzten Atemzüge. Ein Auto hat Hitler aufgegriffen und fährt ihn langsam über den Platz vor dem Nationaltheater. Er ist totenbleich. Hinter ihm liegt ein blutender Knabe in den Armen eines Arztes. Auch ein Opfer."
Es ist zu Ende, es scheint alles zu Ende. Wilde Gerüchte gehen durch die Stadt. München ist in
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Nationalsozialistischer Sturmposten vor dem Reichswehrkommando in München. Der Fahnenträger ist der heutige Reichsführer der SS. Himmler.
Die Führer des Ausstandes vom 9. November vor dem Volksgericht in München. In der Mitte: Adolf Hitler und General Ludendorff-, rechts: der jetzige Stabschef der SA. Röhm und der letzige Reichsinnenminister Dr. F r i ck.
wütender Erregung. Der Odeonsplatz überfüllt von Menschen. Aus den Studentenhäusern, den Handwerksstuben, aus der Jugend brandet eine Welle der Empörung hoch. Am Bahnhof werden Reden gehalten, die Wache reitet an, Reichswehr mit gefälltem Bajonett geht vor, noch einmal scheint es, als ob München aufstehen wollte.
Still und verlassen liegt das Palais. Fort wälzt sich die Masse zur Redaktion der „Münchener Neuesten Nachrichten". Wieder rückt Reichswehr an. In der späten Nacht zerstreuen sich die Massen. Es ist zu Ende.
Die norddeutsche völkische Presse bringt am Tage darauf erschütternde Enthüllungen über den Zusammenhang der bayerischen Monarchisten des Kronprinzen Rupprecht und des Herrn von Kahr. Die Hintermänner werden immer deutlicher sichtbar.
Adolf Hitler hat das Auto verlassen müssen. Er will zu Fuß über die österreichische Grenze entkommen, von dort den Kampf wieder aufnehmen.
Am 11. November zu Uffing am Staffelsee wurde er verhaftet. Eine Erhebung in Augsburg am 9. November erlag rasch. Höhnisch klebte in ganz Bayern die Verordnung der siegreichen Reaktion:
„Auf Grund des bestehenden Ausnahmerechtes ordne ich mit sofortiger Wirksamkeit an:
§ 1.
Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, die Bünde „Oberland" und „Reichskriegsflagge" werden verboten und aufgelöst.
§ 2.
Zahlungsmittel und Wertpapiere aller Art, Waffen und Äusrüftungsgegenstände, Fahrzeuge, Fahrräder und sonstige Beförderungsmittel, die den Zwecken der aufgelösten Vereinigungen gedient haben oder zu dienen bestimmt find, find dem Staate verfallen und unverzüglich der nächsten Bezirkspolizeibehörde in München und in Nürnberg- Fürth der Polizeidirektion, in den anderen unmittelbaren Städten dem Stadtkommissar abgu» liefern.
§ 3.
Wer einer der aufgelösten Vereinigungen weiter angehört, die Bildung einer neuen Vereinigung anstelle der aufgelösten unternimmt, zu der Neubildung auffordert oder anreizt, sich einer solchen neugebildeten Vereinigung anschließt, die Neubildung mit Rat oder Tat unterstützt, oder wer der Vorschrift des § 2 zuwiderhandelt, wird m i t
Zuchthaus mit einem Jahr bis zu 15 Jahren bestraft.
München, den 9. November 1923.
Der Generalkommissar:
Dr. von Kahr."
Die nationalsozialistische Bewegung ist durch Verrat im Straßenkampf unterlegen. Aber sie ist nicht tot. Ihr Geist lebt weiter. In stiller Arbeit baut der getreue Rudolf Heß die Partei aufs neue auf, heimlich, verborgen, bereit für den Tag, an dem der Führer wieder frei sein wird, lieber Deutschland senkt sich eine tiefe politische Erschöpfung. Herr von Kahr und die Reichsregierung machen ihren Frieden miteinander. Die zerbrochenen Scheiben im Erzbischöflichen Palais werden wieder heil. Die Inflation wird abgestoppt, eine neue Währung geschaffen, daß sie schon nach wenigen Jahren in den wirtschaftlichen Höllentanz der Deflation führen sollte, wußten nur die Eingeweihten. „Ruhe und Ordnung" hatten triumphiert.
Nun blieb noch übrig, die unbequeme Hitler- beroegung auch moralisch zu töten. In den klirrend hellen Frosttagen des Februars steht Adolf Hitler mit feinen Mitkämpfern vor dem Volksgericht in der Blutenburgftraße in München. Es ist kein zerbrochener Angeklagter, der dort steht. Adolf Hitler spricht. Seine Verteidigung wird zur Anklage: „Ich werde sehr ausführlich sprechen", beginnt er. Er schildert seinen Entwicklungsgang, er schildert, wie er in Wien den Kampf gegen den Marxismus aufnimmt, „als Antisemit und Todfeind des Marxismus habe ich Wien verlassen!" Er tut Kahr ab: „Kahr? Mein Eindruck, als ich ihn kennen lernte? Nur ein biederer, alter, ehrenhafter, königlicher Beamter von ehedem. Aber damit ist auch Schluß!" Adolf Hitler widerlegt die Lüge, als ob er losgeschlagen habe, ohne daß die anderen Bescheid wüßten. Seine Rede wird zur vernichtenden Zerschmetterung des lebenden Verrates. Auf Hitlers Vorhaltungen redet Kahr unverständlich und wirr. Adolf Hitler schlug ihm und den Seinen klar die Wahrheit ins Gesicht: „Ich habe zwei Tage vor dem Putsch den Befehl aus- gegeben, wonach am 8. November um Punkt achteinhalb die und die Regierung ausgerufen werden würde. Hätte ich diesen Wahnsinn begangen, wenn ich nicht sicher gewesen wäre, daß Lossow, Kahr und Seisser dieselben Ziele hatten wie ich? Wenn ich Hochverrat getrieben habe, dann haben Kahr und Lossow und Seisser dasselbe getan, und es
EinMnnWlimitsemerTochter
Von Harry Schreck
Schon beim Nachhausekornrnen bemerkt der Vater, daß nicht alles in der Ordnung zu sein scheint, die zum echten Familienglück gehört.
Denn nicht umsonst steht Angela, das dreijährige zarte Gesicht zu verdrossener Tränenbereitschaft verzogen, in einer Ecke ihres kleinen Zimmers. Und Nicht umsonst ist die Stimme der Mutter, deren erfahrene-Mahnworte ebenso lebhaft wie zutreffend das Benehmen Angelas mit dem Verhalten eines artigen Kindes vergleichen, von der Erregung gefärbte, die sich leicht mit einer Strafpredigt verbündet.
Nicht ohne Betretenheit erkundigt sich der Kämmling nach der Ursache jener offenbach nur halberledigten Meinungsverschiedenheit.
Sofern man dem mütterlichen Bericht trauen darf, hat Angela trotz eindringlichster Warnungen wiederum der Versuchung nachgegeben und von neuem ein nicht unbeträchtliches Stück der Tapete von der Wand geblättert, um dann nach Entdeckung des Schadens sogar noch bei dem Wunsch zu verharren, das zerstörerische Werk ihrer Hände fortzusetzen und ein paar weitere Fetzen aus der Papierfläche zu reißen.
Selbst die beflissenste Vaterliebe muß zugestehen, daß dergleichen zum mindesten nicht richtig und begrüßenswert sein dürfte.
Gleichwohl fühlt sich der Vater zu bestimmten Ueberlegungen verführt, die er vor der Mutter nicht unausgesprochen lassen möchte.
„So gewiß es wahrscheinlich unerfreulich bleibt, wenn eine Tapete beschädigt aussieht", äußert er zaudernd, „hm, ja .. aber trotzdem: wäre es nicht besser, wenn man sich ein wenig mehr in die kino- liche Sinnesart einfühlte und Angelas Tatigkeits- trieb auf irgendein anderes Ziel ablenkte? Am liebsten würde ich dir gewissermaßen einmal zeigen, wie ich mir das im großen und ganzen so vor-
1 Nun, wie der Vater hört, steht dem sicher nichts im Wege. Zumal, da die Mutter eigentlich grade das Abendbrot fertig zu machen hat
Angela hockt, mit der Welt und sich selbst noch ■ gründlich zerfallen, in der Ecke und lauscht mißtrauisch dem Reden ihres Vaters.
„Im Grunde ist es doch ziemlich angweilig, immer bloß so an der Tapete herumzusetzen - bemerkt ihr Gegenüber einleitend, „da gibt es viel hübschere Spiele, die weit lustiger sind! Kennst du schon das.
bei dem der, der am lautesten singen farm, Kaiser wird? Also, das ist ein Spiel, nicht wahr? Was meinst du wohl, wie gern ich das gespielt habe, als ich damals selber noch so ein Dreikäsehoch war wie du?"
Gewiß-, es erweist sich, daß Angela sich einem ebenso verschmitzten wie verlockenden Angebot nicht auf die Dauer entziehen kann
„Ich glaube beinahe, du kannst es wirklich noch lauter", behaupte^ der Vater zuvorkommend, um gleich von neuem in die verwegen dröhnenden Takte eines von ihm und Angela freierfundenen Marschgesangs zu stürzen, „da muß man sich ja geradezu anstrengen, um mit dir mitzukommen: und außerdem singst du auch noch viel rascher als ich Natürlich wirst du der Kaiser — so laut schaffe ich das gar nicht!"
Nein, in der Tat: es ist nicht zu bezweifeln, daß Angela nach Ablauf der vorgesehenen drei Minuten Wettkampf Kaiser sein durfte
Ein scharfes Geschrill an der Flurglocke unterbricht die letzten Sekunden — der Vater sieht sich für einen Augenblick wegberufen.
„Die Leute von oben waren nämlich da", sagt die' Mutter sanft, „sie meinten, daß sie sich so einen Lärm nicht gefallen zu lassen brauchen." - „Das verstehe ich eigentlich nicht", äußert der Vater bedrückt, „hört man denn das gleich so deutlich? — „Wahrscheinlich", antwortet die Mutter duldsam, „sonst wären sie wohl nicht gekommen. „Manche Leute", sagt der Vater, „sind auch gar zu empsind- rigin bißchen verlegen kehrt er ins töchterliche Zimmer zurück, um Angela mitzuteilen, daß der Wettbewerb abgebrochen werden muß .
Es versteht sich, daß man für das schöne Laut- fingen einen Er,atz suchen muß, der das Ansehen des Vaters ein wenig zurecht flickt yj
„Weißt du, mir fällt da etwas ganz Neues em , gibt er geheimnisvoll blinzelnd zu erkennen, "wollen wir nicht einmal zusehen, wer von uns beiden am feinsten auf die Couch klettern und am flinksten herunterhopfen kann, ohne dabei ein einziges Wort zu sagen? Paß einmal auf, wie das Spaß macht! Ich zeige es dir gleich, und du machst es dann nach, nicht wahr? Eins ... zwei .. drei . . und los . . und hoppla!"
Nein, wahrhaftig: niemand kann leugnen, daß das eine sehr drollige und unterhaltsame und wie für Angela geschaffene Zerstreuung ist.
„Donnerwetter ... du hopst ja wie ein richtiges Känguruh'", lobt der Vater, indem er seinerseits hurtig auf den Kissenberg steigt und in vorbildlich
sportlichem Absprung eine Zweimeterstrecke durchmißt, „du bist sicher in deiner Altersklasse die Weltmeisterin im Couchspringen! Noch zehnmal so, und du hast gewonnen. Ran — runter — und »wieder ran. Das flutscht ja nur so, nicht wahr? Noch neunmal, wie?"
Trotz seiner eignen Zweimetersprünge verschließt sich der Vater nicht der Vermutung, daß seine Tochter wohl glatt gewinnen wird.
*
Wenngleich man bei solchem Tun nur allzu leicht die Klingel überhören mag — die Nachricht der Mutter läßt sich nicht überhören.
„Diesmal waren es die Untermänner", läßt sie nicht ohne eine gewisse leise Betonung einfließen, „sie fürchten, daß ihre Lampe das nicht aushätt." — „Was soll denn die Lampe nicht aushalten?" erkundigt sich der Vater verwundert, „das bißchen Springen?" — „Manche Leute", lächelt die Mutter höflich, „sind auch gar zu empfindlich." — „Merkwürdig ... hm", äußert der Vater nachdenklich, „aber, na ja —."
Die Mutter sieht ihm, der achselzuckend und ohne große Schätzung seiner Unterwohner entschreitet, sanft und überaus duldsam nach ...
*
Dem Vater scheint es wie von ungefähr, daß man etwas so Lustiges wie das Couchspringen nicht so ohne weiteres abzustellen vermag.
„Wir müssen das Springen eben ein andermal zu Ende bringen", sagt er bedauernd, „aber darum lassen wir doch kaum unsere Köpfe hängen, wie? Es gibt doch so vieles, was man spielen kann, nicht wahr? Dazumal, als ich noch ein kleiner Junge war, habe ich immer so gerne Umzug gespielt Was, das hast du noch nicht getan? Aber bann wird es ja höchste Zeit, daß du das kennen lernst. Also, Umzug fängt so an!"
Seine kräftigen Männerhände beginnen den Teppich einzurollen und mit Angelas Unterstützung die Kinderstühle aufeinanderzustapeln.
„Dann müssen wir noch alle Kissen in das Tischtuch packen, und in den Schrank legen wir einfach alles hinein, was sonst so von deinen Spielsachen im Zimmer herumliegt: und das Schaukelpferd stellen wir zunächst mal auf dein Bett", ordnet der Vater umsichtig an, „und die Puppen müssen natürlich am besten auf dem Ofen warten, bis wir fertig sind und alle Sachen an ihren neuen Platz hingebracht haben."
Nun, und in der Tat: Umziehen kann wirklich begeisternd sein. Zumal, wenn man dabei alle Bilder von der Wand auf den Boden holt. —
*
Merklich überrascht gewahren Angela und der Vater, daß die Mutter im Zimmer steht. Obschon sie doch noch gar nicht fertig sind.
„Das Abendbrot", teilt sie freundlich mit, „bas Abenbdrot ist gerabe da." — Sie unterbricht sich unversehens und wirst ihren langen, gedankenvollen Blick über ein Durcheinander von Puppen, Kist fen, Teppich, Schubladen, Schaukelpferd, Stühlen und Spielsachen. Endlich, und es dauert eine ganze Weile, bis sie das sagt, sagt sie mit jener bekannten leisen Betonung noch einmal: „Ja, das Abendbrot ist da. —"
Es stellt sich heraus, daß das Abendbrot ein bißchen schweigsam verläuft, und daß Angela hinterher sehr bald an ihr Bett denkt ...
*
Während Angela bereits lange eingeschlafen ist, entzündet der Vater mit einer gewissen Umständlichkeit die abendliche Zigarette.
„Eigentlich ist es schade, daß man so selten dazu kommt, mit seinem Kind zu spielen", wirst er nach einigem Stocken hin, „selbstverständlich macht man dann kaum alles und jedes auf den ersten Anhieb richtig. Aber so im großen und ganzen, hm, nicht wahr? Die Hauptsache ist doch, daß man sich ein wenig in die Gedanken so eines Kindes hineinversetzt und dementsprechend mit ihm spielt ... !"
„Aber gewiß", entgegnet die Mutter sanft, wobei sie es nicht hindern kann, daß ihr Blick ein wenig lächelt, „aber — ganz gewiß!"
„Und dann", fährt der Vater nachsinnend fort, „es kam doch vor allem darauf an, sie von dem Abreißen der Tapete abzulenken. Das war doch der Ausgangspunkt. Und ob du es nun glaubst ober nicht", sorgsam prüft ber Vater noch einmal den Brand seiner Zigarette, „ja also, ob du es nun alaubft oder nicht — das Kind hat den ganzen Abend keinen einzigen Augenblick mehr an die bewußte Tapete gedacht!"
„Wahrhaftig", sagt die Mutter, indem sie auf» steht, um hinüberzugehen und das Kinderzimmer aufzuräumen, „daran ... hat sie nicht gedacht!"
Hockscbulnacbncbten.
Der K ö l n e r Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre, Professor Dr. Eugen Schmalenbach, ist auf seinen Antrag von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden.
Der Heidelberger Orthopäde Professor Dr. Hans Ritter von Baeyer ist auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums -in den Ruhestand versetzt worden.


